SITZUNGSBERICHTE
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FÜNFUNDSIEBZIGSTER BAND.
WIEN.
AUS DER K. K. HOF- UND S T A AT S D R UC KEREI.
IN GOMMiSSION BEI CARL GEROLD'S SOHN,
BUCHHANDLUR PER KAISERLICHEN AKADEMIE D E K W I S S E N 6 C H A FT E N.
1877.
SITZUNGSBERICHTE
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DER KAISEllLTCHEN
AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
LXXV. Mm. L ABTHEILUN&.
Jahrgang 187 7. — Heft I bis V.
(^ßlit 37 Tafeln und 1 geologischen Kartenskizze.)
WIEN.
AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI.
IN COMMISSION BEI CARL GERQLD'S SOHN,
l( II C H H A N I) L K R 1) E R KAISERLICH E N A K A P K M I V. 1) I', K WISSENS C H A V T V. >'.
1877.
INHALT.
I. Sitzung vom 4. Jänner 1877: Übersicht '5
Stecker, Zur Kenntniss des Carpus und Tiirsns bei Cliamaeleon.
(Mit 2 Tafeln.) [Preis: 50 kr. =. 1 RMk.] ....... 7
11. Sit/iiug' vom 11. Jänner 1877: Übersicht 18
Kurz, Eunkicola Clausa, ein neuer Annelidenparasit. (Mit 2 Ta-
feln.) [Preis : 50 kr. = 1 RMk.] 21
III. Sitzimg' vom 18. Jänner 1877: Übersicht 20
Baherlandt, Über die Entwicklungsg-eschichte und den Bau der
Samenschale bei der Gattung Phaseolus. (Mit 2 l'afeln.)
[Preis: 30kr. = 60Pfg.] 33
IV. Sitzung vom 1. Februar 1877: Übersicht 51
V. Sitzung vom 8. Februar 1877: Übersicht 54
Toiila, Geologische Untersuchungen im westlichen Theile des
Balkan und in den angrenzenden Gebieten. 2. Barome-
trische Beobachtungen. [Preis: 15 kr. = 30 l^fg.] . . . 57
VI. Sitzung vom 1. März 1877: Übersicht 75
Waldner, Die Entwicklung des Antheridiums von Anf/wccrun-
(Mit 1 Tafel.) [Preis 30 kr. = 60 Pfg.] 81
Teller, Über neue Rudisten aus der böhmischen Kreideforma-
tion. (Mit 3 Tafeln und 1 Holzschnitt.) [Preis: 45 kr. ==
ilQPfg.] i>7
Toiila, Geologische Untersuchungen im westlichen Theile des
Balkan und in den angrenzenden Gebieten. 3. Die sar-
matischeu Ablagerungen zwischen Donau und Timok.
(Mit 1 Tafel u. 4 Holzschnitten.) [Preis: 35 kr. = 70 Pfg.] 113
Vll. Sitzung vom 8. März 1877 : Übersicht 146
Taclieniiak, Über den Vulcanismus als kosmische Erscheinung.
[Preis: 20 kr. = 40 Pfg.] 151
VIU. Sitzung vom 15. März 1877: Übersicht 177
Toniaschek, Zur Entwicklungsgeschichte (Palingenesicj von
^//se-tow. (Mit 1 Tafel.) [Preis: 50 kr. = 1 RMk.] . . . 181
IX. Sitzung vom 12. April 1877: Übersicht 303
Fuchs, Die Pliocänbildungen von Zante und Corfu. (Mit 1 Tafel
und 4 Holzschnitten.) [Preis: 40 kr. = 80 Pfg.] .... 300
— Über die Natur der sarmatischen Stufe und deren Analoga
in der Jetztzeit und in früheren geologischen Epochen.
[Preis: 18 kr. = 36 Pfg.] 321
— Über die Natur des Flysches. [Preis : 20 kr. ^ 40 Pfg.] . 340
37401
VI
Seite
X. Sitzung: vom 19. April 1877: Übersicht 363
Ileider, Aus dem zootomischen Institute der Universität Graz.
Suffarlia iruglodytes Gosse, ein Beitrag zur Anatomie
der Actinien. (Mit 6 Tafeln.) [Preis: 2 fl. = 4 KMk.J . . 367
Freud, Arbeiten aus dem zoologisch -vergleichend -anatomi-
schen Institute der Universität Wien. VII. Beobachtun-
gen über Gestaltung und feineren Bau der als Hoden
beschriebenen Lapi)enorgane des Aals. (Mit 1 Tafel.)
[Preis: 25 kr. = 50Pfg.] 411»
XI. Sitzung vom 26. April 1877: Übersiclit 432
Biltner, Über l'lijimatocarcinun ^peciosus Reuss. (Mit 1 Tafel.)
[Preis: 25kr. = 50 Pfg.] 435
XII. Sitzung vom 11. Mai 1877: Übersicht 451
Boue , Über die türkischen Eisenbahnen und ihre grosse volks-
Avirthschaftliche Wichtigkeit, besonders Einiges für
Österreich und Ungarn. [Preis: 12 kr. = 24 Pfg.] . . . 455
Touln, Geologische Untersuchungen im westlichen Theile des
Balkan und in den angrenzenden Gebieten. IV. Ein
geolog. Profil von Osmanieh am Acer, über den Sveti-
Nikola-Balkan, nach Ak-Palanka an der Nisava. (Mit
1 geologischen Kartenskizze, 8 Tafeln und 9 Holzschnit-
ten.) [Preis : 2 fl. 50 kr. = 5 RMk.] 465
Xlll. Sitzung vom 17. Mai 1877: Übersicht 550
Rvichardt , Beitrag zur Kryptogamenflora der hawaiischen
Inseln. [Preis: 25 kr. = 50 Pfg.] 553
Brauer, Beiträge zurKenutniss derPhyllopoden. (Mit 8 Tafeln.)
[Preis : 1 fl. 20 kr. = 2 RMk. 40 Pfg.] .5H3
Boeliui u. Breitcnlohner , Die Baumteniperatur in ihrer Abhän-
gigkeit von äusseren Einflüssen. [Preis: 25 kr. = 50 Pfg. J 615
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MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.
LXXV. Band.
ERSTE ABTHEILUNG.
1.
Enthält die Abhandlungen aus dena Gebiete der Mineralogie, Botanik,
Zoologie, Geologie und Paläontologie.
I. SITZUNG VOM 4. JANNER 1877.
Das w. M. Herr Prof. Ritter v. Brücke überreicht eine im
physiologischen Institute der Wiener Universität durchgeführte
Untersuchung des Herrn stud. med. Sigm. Freud über den
Ursprung der hinteren Nervenwurzeln im Rüciienmark von Ammo-
coetes (Petromyzon Planer i).
Das w. M. Herr Prof. Petzval überreicht eine Abhandlung
des Herrn Adolf Kunerth, Professor an der Staats-Oberreal-
schule in Brunn : „Neue Methoden zur Auflösung unbestimmter
quadratischer Gleichungen in ganzen Zahlen".
Herr Prof. Heschl überreicht eine Abhandlung: „Über
Amyloidsubstanz im Herzfleisch-'.
Herr Prof. Sigm. Exner legt eine Abhandlung vor, betitelt:
^Über lumenerweiternde Muskeln".
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Annalen der k. k. Sternwarte in Wien. HI. Folge. XXV. Band.
Jahrgang 1875; 8".
Apotheker-Verein, allgem. österr. : Zeitschrift (nebst An-
zeigen-Blatt). 14. Jahrgang, Nr. 36. Wien, 1876: 8".
Beobachtungen, Schweizer. Meteorologische. XI. Jahrgang
1874: VI. Lieferung, VII. (Schluss-)Lieferung. Titel und
Beilagen zum XL Jahrgang. XIII. Jahrgang 1876; L, IL &
IV. Lieferung. Zürich ; 4".
Blanchard, M. Emile: Un Naturaliste du dix-neuvieme
siecle. Paris, 1875; 8".
Burmeister, Hermann Dr.: Die fossilen Pferde der Pampas -
formation. Buenos- Aires, 1875; Folio.
1 *
4
Ceiitval-Commissioii, k. k. : Ausweise über den auswärti-
gen Handel der österreichisch -ungarischen Monarchie im
Sonnenjalire 1875. XXXVI. Jahrgang-, Wien, 1876: 4«.
Central- C o ni m i s s i o n , k. k. statistische : Statistisches Jahr-
buch für das Jahr 1874. IL und VIII. Heft. Wien, 1876; 8".
— Für das Jahr 1875, XI. Heft. Wien, 1876; 8".
Comptes rendus des seances de rAcademie des Sciences.
Tome LXXXIII, Nrs. 24 & 25. Paris, 1876; 4'\
Delgado, J. T. : Sobre a Existencia do Terreno Siluriano no
Baixo Alemtejo. Lisboa, 1876; 4"^.
Gesellschaft, k. k. geographische, in Wien: Mittheilungen.
Band XIX (neuer Folge IX). Nr. 10 u. 11. Wien, 1876; 8'^.
— Berieht über die internationale Conferenz zur Berathung
der Mittel für die Erforsclning und Erschliessung von Cen-
tral-Africa. Wien, 1876; 8".
- österr. , für Meteorologie: Zeitschritt. XI. Band, Nr. 24.
Wien, 1876; 4'\
Gewerbe- Verein, n.-ö. : Wochenschrift. XXXVII. Jahrgang.
Nr. 51 & 52. Wien, 1876; 4".
Ingenieur- und Architekten -Verein, österr.: Wochenschrift.
I. Jahrgang, Nr. 50—53. Wien, 1876; 4".
Zeitschrift. XXVIII. Jahrgang, 12. Heft. Wien, 1876; 4^
Jahrbuch, militär- statistisches für das Jahr 1873. II. Theil.
Wien, 1876; 4".
Kirchhoff, G. : Über die Reflexion und Brechung des Lichtes
an der Grenze krystallinischer Mittel. Berlin, 1876; 4'\
Körosi Joseph: Statistique internationale des grandes Villes^
I. Section: Mouvement de la Population. Tome I. Budapest,
Paris, Berlin, 1876; 4».
Militär-Comite, k. k. techn. & administrat. : Bericht über die
Thätigkeit und die Leistungen desselben im Jahre 1875.
Wien, 1876; 8". — Mittheilungen. Jahrgang 1876. 11. Heft.
Wien, 1876; 8".
Naccari, A. e Bellati, M.: Delle Proprietä termoelettriehe
de Potassio a vavie temperature. — Delle Proprietä
termoelettrique del Sodio a varie temperature. Venezia,
J876; 12'\
Nature. Nrs. 373—374, Vol. XV. London, 1876; 4^
Omboni, Giovanni: L'Esposizione di Oggetti preistorici. Ve"
nezia, 1876; 12".
Oudemans, J. A. C. Dr.: Die Triangulation von Java. I. Ab-
theihmg. Batavia, 1875; Folio.
Quetelet, M. Ern. : La Tenipete du 12 Mars 1876. Bruxelles
1876; 12«.
Reden, gehalten bei der feierlichen Inauguration des für das
Studienjahr 1876 7 gewählten Rectors der k. k. Hochschule
für Bodencnltur und der k. k. technischen Hochschule.
Wien, 1876; 8".
Reichs an st alt, k. k. geologische: Jahrbuch. Jahrgang 1876.
XXVL Band. Wien, 1876; 4". — Verhandlungen. Nr. 14 u.
15. Wien, 1876; 4^.
Reichsfor st verein, österr. : Österr. Monatsschrift für Forst-
wesen. XXVL Band, Jahrg. 1876, October-, November- und
December-Heft. Wien, 1876; 8".
„Revue politique et litteraire" et „Revue scientilique de la
France et de l'Etranger." VP Annee, 2' Serie, Nr. 26.
Paris, 1876; 4o.
Statistisches Departement des k. k. Handelsministeriums:
Nachrichten über Industrie, Handel und Verkehr. X. Band,
1. u. 2. Heft. Wien, 1876; 4^
Verein der cechischen Chemiker: Listy Chemicke. I.Jahrgang,
1876. Nr. 1—3. Prag, 1876; 8".
— der Osterreichisch-Schlesier in Wien : Vereinskalender für
1877. Wien, 1876; 8^
6
Verein, niilitär- wissenschaftlicher: Organ. XIII. Band, 1., 2.^
a. Heft. 1876. Wien, 1876; 8^'. — Die Streitkräfte der
europäischen Staaten. Wien, 1876; 12".
— zur Verbreitung- naturwissenschaftlicher Kenntnisse in Wien :
Schriften. XVI. Band, Jahrgang 1875; 76. Wien, 1876; 12".
Wiener Medizin. Wochenschrift. XXVI. Jahrgang. Nr. 52 — 53.
Wien, 1876; #.
Zur Kenntniss des Carpiis und Tarsus bei Chamaeleon.
Von Dr. Anton Stecker in Prag.
(Mit 2 Tafeln.)
Den Austoss zur vorliegenden Arbeit gab mir die in
Gegenbaur's Morphologischem Jahrbuche (Bd. II, 1876, S.
1 — 27, T. I.) veröffentlichte Abhandlung von Dr. Gust. Born
„Zum Carpus und Tarsus der Saurier^', indem sie mich ver-
anlasste, die Ergebnisse meiner auf die Carpalien und Tarsalien
der Chumaeleonten bezüglichen Untersuchungen zu veröffent-
lichen, die in mancher Beziehung von den interessanten Beob-
achtungen Born's über Chanuteleoii abweichen. Im Wesentlichen
fand ich nämlich nicht nur wie Born, dass die Chumaeleonten
in Bezug aut den Bau ihres Carpus von den übrigen Sauriern
nicht so sehr abweichen, wie man bisher glaubte, sondern es
gelang mir, die nach seiner Darstellung noch vorhandenen Ver-
schiedenheiten zu beseitigen. Dagegen habe ich mich überzeugt,
dass sich der Tarsus von Clinmoeleon nicht so leicht auf den bei
den Sauriern, besonders bei den Ascalaboten vorherrschenden
von Born dargestellten Typus zurückführen lässt.
Bei meinen diesbezüglichen, mikroskopischen Unter-
suchungen bediente ich mich der Methode, durch deren An-
wendung u. A. Born auch in der Osteologie die besten Erfolge
erzielte, nämlich der Zerlegung des Objectes in eine Reihe auf-
einander folgender, mikroskopischer Schnitte. Bei der Her-
stellung derselben verfahre ich ungefähr in derselben Weise, wie
Born 1. Die Entkalknng geschieht am besten in einer Mischung
von Chrom- und Salzsäure; nur fand ich es gerathen, der
Mischung ein grösseres Quantum von Chromsäure, als von Salz-
säure beizugeben. Nach der Entkalkmig folgt die Erhärtung; zu
1 Dr. G. Born, Die sechste Zehe der Anuren-, Morph. Jahrb., Bd. I.
1875, Ste. 436 ff.
8 S t e c k L' V.
dieser wird absoluter Alkohol angewendet, worin man die be-
treft'endc Extremität ii'ewöliulieli 36 bis 48 Stunden liegen lässt.
Das so erhärtete Object bettete ich dann in Flemming's
Transpareutseife, wodurch ich vortrefflich g-elungene Schnitte
herstellen konnte; das Verfahren Born 's, von der auf einem
zweckmässig zugeschnittenen Kork festgeklebten Extremität
mittelst des Le y ser'sclien Mikrotoms Schnitt für Schnitt abzu-
heben, konnte ich nicht anwenden, da ich mir den genannten
Apparat nicht \erschaifen konnte, und sich die Anw^endung
einer scharfen Klinge in diesem Falle als sehr unpraktisch
erwies. Die hergestellten feinen Schnitte werden entweder noch
in Beale'schem Carmin gefärbt, oder sogleich in venetianischem
Canadabalsam aufbewahrt.
Carpus. Born 's Untersuchungen über Chdnmelconcarpus
haben zu dem Resultate geführt, dass 1. bei den Chamaeleonten das
für dieUrodelen und Chelonier charakteristische Intermedium (^(^
fehlt, während es bei den Lacerten vorhanden ist (Gegenbaur
hält diesen Knochen auch hier tür rückgebildetj ; 2. dass der
Chamaeleoncarjmfi ein Ulnare (n), ein Radiale (r), ein keil-
förmiges Centrale (C) von derselben Beschaffenheit wie bei
allen anderen Sauriern, in zweiter Reihe einCarpalCg, CarpalCg^^
und Carpale. besitzt, Carpale^ aber verloren gegangen ist.
Diese Darstellung weicht beträchtlich von der Beschreibung
(Tegenl)aur' s ab; nach diesem sind w und r dicht aneinander
gerückt und bilden eine Vertiefung, welche die gelenkkopfartige
Wölbung des C aufnimmt. An das C stossen dann fünf, sehr
gleichartige, nach Form und Structur Metarcarpalien ähnliche
Carpalia, die vielleicht Curpalia plus 3Ietatu(rp<ilia darstellen. Die
grösste Verschiedenheit zwischen dem Carpus von Chaniaeleon
und dem der übrigen Saurier bestünde also nach Gegenbaur
darin, dass hier keine eigentlichen Carpalien der zweiten Reihe
vorzufinden sind; denn das C bildet nach Gegenbaur mit dem
u und dem r die Cari)alien der ersten Reihe, die der zweiten
Reihe sind aber schon die eigentlichen Metacarpalien.
Dem gegenüber hat nun Born erklärt, dass das vermeint-
liche Centrale Gegenba urs nicht das wirkliche Centrale sei,
sondern ein Complex der Carpalien der zweiten Reihe (Cg, c^^+^^
und r.); die von Gegenbaur als Carpalien bezeichneten
Zur Keiintniss des C'avpus luicl Tarsus bei Chamaeleon. 9
Knochen sind dann die eig-entlichen Metacarpalien, also nicht
etwa Carpalien plus Metacarpalien. Das eigentliche C hat also
Geg-enbaur nicht beobachtet; es wurde zuerst von Born in
der Form eines sehr kleinen, keilförmigen, in dem spitzen Winkel,
der von n und r gebildet wird, liegenden Knorpels entdegkt.
Bei meinen eigenen T ntersuchungen, zu denen ich drei er-
w^achsene und zwei ganz junge Exemplare von Chtinuieleon
vulgaris (Cuv.), dann zwei Exemplare von Chamaeleon Oifidiis
(Brongn.) und zwei sehr junge Exemplare von Chamaeleon
Sciiegaletisis (Daud.) benützte, gelangte ich zu folgenden
Resultaten.
Der Carpus von Chamaeleon (T. I., Fig. 1) unterscheidet
sich im Wesentlichen fast gar nicht von dem einer Lacerta. Wir
finden nämlich ein Ulnare, das dem der übrigen Saurier,
besonders aber dem der Lacerta afiilis (Born, Zum Carpus etc.
1. c. T. I, f. 1, u) ähnlich ist; dasselbe ist ein abgeplatteter, an
den Seitenrändern abgerundeter Knochen, doppelt so breit als
hoch. Es sitzt mit einer ziemlich seichten Pfanne am Kopfe der
Ulna auf; die distale Fläche ist ausgehöhlt (bei Chainaeleon
vulgaris viel seichter als bei Chamaeleon Senegalensis und Cham,
bifidiis). Gegen das Radiale zeigt das Ulnare zwei unter einem
ziemlich spitzen Winkel zusammenstossende Flächen, wodurch
seine der Ulna aufsitzende Pfanne viel seichter erscheint, als auf
der Abbildung Born 's (1. c. Fig. 3, u), der den Winkel als einen
rechten darstellt. Mit einer dieser zwei Flächen grenzt das n an
das C, mit der anderen stösst es an das r. Das C ist deutlich
dreieckig und knorpelig; nur an einigen älteren Individuen
von Chamaeleon vulgaris und dann überall bei Chamaeleon
Senegalensis ist es theilweise verknöchert; bei Chamaeleon hifidus
endlich ist es ein vollkommener Knochen.
Die Endfläche des C, welche dem « und r anliegt, ist
gelenkkopfartig gewölbt, w^as am meisten bei Chamaeleon hifidus
hervortritt. Die distale Fläche des C h\ ein wenig ausgehöhlt;
die Ränder sind abgerundet. Das r ist gegen den Radius zu mit
einem grossen Gelenkkopfe versehen; (}iQm jyrocessus styloideus
desselben w^endet es, wie Born richtig bemerkt, eine ent-
sprechende Aushöhlung zu, gegen das Ulnare ist es massig ge-
wölbt. An der Bildung der Grube, die nach Born für den
10 Stecker.
comH'xcii, aus den Carimlicii der /weiten Reihe bestehenden
Gelcnkköi'iter bestinnnt ist, hetheiliyt sich das r nur sehr wenig.
Demi der nach IJorn einen Theil des r bildende proeessus, der
dem nici gegenüberliegt, ist das Cj, das Born bei den
Chamneleotiteti vermisste. Ihm ist nämlich, wie seine Abbildung
zeigt, die ziendich feine Trenmingslinie zwischen dem knorpeligen
r^ lind dem r entgangen. Das c^ ist schon bei sehr jungen
Individuen ganz von dem r getrennt; am leichtesten ist die
Treniiungslinie bei Clidmaelcon hißdus zu erkennen, wo das c^
von dem r ziemlich entfernt ist und sich mehr dem )tici nähert.
Auch ist bei dieser Art, wie bei Cham. Senef/nlensLs (T. I, Fig. 2)
das r, stärker entwickelt, thcilweisc verknöchert und mit Mark-
räumen versehen.
Die Carpalien der zweiten Keihe stellen mit Ausnahme des
fj das vermeintliche Centrale der früheren Autoren dar. Die-
selben bilden zusammen einen im Durchschnitte linsenförmigen
Körper, der aus drei Stücken besteht; der platte, beinahe vier-
eckige Knorpel c^ (denn so und nicht etwa Cj ist er jetzt zu
nennen, da ich das c\ anderweitig nachgewiesen habe), grenzt
mit seinen breiten Flächen radiaiwärts an das mci, und c^, gegen
das Ulnare zu an das ^,3+^,, mit seinen schmalen Flächen an das
>• und wcu, und endlich mit einer kleinen Fläche an das C. Das
('2 ist bei Chamaeleon ndf/aris meist knorplig, bei älteren
Individuen thcilweise verknöchert; bei jungen Exemplaren von
Cli(ü)i(teleon Scnegttlensis fand ich es in der Mitte mit Knochen-
balkcn und Markräumen versehen, so dass es auch bei dieser Art,
wie bei Ch(tmaeleo)i hißdus im Alter zu einem Knochen zu Averden
scheint. Überhaupt sind bei Chamaeleon bipdus alle Theile des
Carpus verknöchert, was auf eine sehr feste Construction der
Greitfüsse hinweist. Das nächste Carpalienstück ist das grosse
^34.4:, das in Anbetracht seiner Lagerung und Form entschieden
durch Verschmelzung eines kleineren c^ und eines grösseren t'^,
nicht aber durch Wegfall des einen oder anderen Theils zu
erklären ist. Auf eine ursprüngliche Trennung der beiden Theile
in der Ontogenese deutet die ziemlich tiefe Furche, welche man
bei alten Individuen rings um das grosse Carpale wahrninnnt.
Bei Chamaeleon hifidn.-i ist sie zwar nur mehr undeutlich erhalten ;
junge Indi\idueii von Chamaeleon ruhjari!^ und Senegalensis
Zur Kenntuiss des Carpus und Tarsus bei Cluimaclciyn. 1 1
zeigen liing'egen eine tiefe Furche mit meist is.norpeligen
Rändern. Das <• 3+^ ist auf seiner }>roximalen Fläche ein wenig
ausgehöhlt; zugleich bildet es daselbst einen starken Gelenk-
kopf, der die von dem 11 gebildete Pfanne grösstentheils^
ausfüllt; radialwärts grenzt es an das C und das c^, ulnarwärts
an das kleine c.; seine distale, massig gewölbte Fläche trägt
die Basen des wcm, nici^ und theilweise auch des mcu und
nic^;. Das /"(g+^j W'ar bei allen von mir untersuchten Individuen
verknöchert. Das f. stellt einen kleinen, dreieckigen Knorpel
dar, der mit einer Fläche dem //, radialwärts dem c^,^^^) und mit
seiner distalen Fläche dem mcy anliegt. Dasselbe ist bei Cham,
bifidua theilweise verknöchert, sonst stark verkalkt. Das f, ist,.
W'ie schon bemerkt, ziemlich klein, zur Seite geschoben und
stösst an das c^ und r; seine distale, massig ausgehöhlte Fläche
trägt die Basis des mci-
Die fünf Carpalien der früheren Autoren, nach Born richtig
die eigentlichen Metacarpalien, sind starke Knochen, welche je
zw^ei und je drei mit den »Seitenflächen der Basen untereinander
in Gelenkverbindung sind.
Nach dem Angeführten w\äre also, da das Vorhandensein
des f, nachgewiesen wurde, die Verwachsung des <'3 und c,^ die
einzige Abweichung im Bau des Carpus der Chamaeleonteii von
dem der übrigen Saurier.
Der Carpus von Chamaeleon ist aber noch in anderer Rück-
sicht von Interesse ; er hat nändich im embryonalen Stadium
ein Intermedium (i), das noch bei sehr jungen Exemplaren zu
linden ist, und das nach Gegenbaur allen Sauriern fehlt, nach
Born aber nur bei den Lacerten nachweisbar ist. Es liegt bei
den Cliiimnc'U'onteu in dem si)itzen Winkel, welcher von der
radialen Fläche des u und von der ulnaren Fläche des r ge-
bildet wird, ist sehr klein und immer knorpelig, bei jungen
Individuen von Chamadeon Senegahnsis dreieckig, bei Chamaeleon
nt/garis viereckig. Bei älteren Individuen verschwindet es, ein
in der Ontogenese der Thiere nicht ungewöhnlicher Fall; ich
erinnere nur an die von Born erwähnten Carpalien der zweiten
Reihe bei den Vögeln, welche nach Rosenberg während der
Ontogenese als individuelle Theile untergeben. Bei Chamaeleon
steht das i seiner gänzlichen Schwinduni;- nnhe. wie aueiL-das
/<ä", -^^'^ '^^
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12 Stecke i\
^ou Hur 11 Iti'i Lacc-rta iiaclii;evvieseiie, l»^illli^i^ c Iiitennecliiiiii
in einem Stadium vollkouniu-ner Kückhilduii^- begriffen ist. Auf
welche Weise die Riiekbildiing- geseliaii, lial schon Hörn ang-e-
g-ebcn. Durch VergTössernng- des // und des r rücken die
distalen Enden der Vorderarmkiiocheii auseinander; dadurch
wird das / überflüssig", da das C seine Function übernommen
bat. Es liegt die Yermuthung' nahe, dass mit der völligen
Schwindung- des i das C bei den Chmmieleonteu väx der Aus-
bildung' gelangt, in welcher wir es bei den übrigen Sauriern an-
treffen; fand ich es doch schon bei Chamneleon Sonecjnlens^is theil-
weise, bei Chamaeleon bifulun gänzlich wählend der ganzen
Lebensdauer verknöchert. Bei jungen Cliamaeleonindividuen
ist auch das für alle Saurier charakteristische, zwischen dem u
und dem i befindliche Gefäss vorhanden, das sich bei älteren
Individuen nur schwer constatiren lässt.
Tarsus. Horn's Untersuchungen über den Chamaeleonten-
tarsus haben zu dem Ergebnisse g-eführt, dass derselbe mit dem
aller übrigen Saurier im Wesentlichen übereinstimmt, dass also
das Chumneh-oii eine Tibia und Fibula besitzt; zwischen diesen
Knochenstücken lieg-t das Astragalotibulnre (AsFj; das Fibulare
(F) bildet eine tiefe Pfanne, in welcher das mächtige, fast kugel-
förmig-e Cuboid (Ch) articulirt. Dasselbe trägt an seinem dis-
talen Gelenkkopfe das Metatarsaley, Metatarsaleiy und die
Hälfte der Basis von Metatarsalein; an seiner tibialen Fläche
wird es durch Anlagerung eines linsenförmigen, verkalkten,
hyalinknorpeligen Stückes, eines TarsalCg, zur Kugel ergänzt.
An das TarsalCg legen sich dann der übrige Theil der Basis von
Metatarsalcni, Metatarsaleu und die dorsale Hälfte von Meta-
tarsalci, während die volare Hälfte von Metatarsalei auf einem
Knorpel (nach Born dem Centrale, nach Gegenbaurdem
TarsalCj) aufruht, der das volare Ende des Meniscus ausmacht.
Die Tarsalieiij und ^ sind höchst wahrsclieinlich mit den gleich-
bezeichneten Metatarsalien verschmolzen. Die Händer von den
Metatarsalien, und ,, zum Astragalus (As) sind bei Chamaeleon
nicht vorhanden.
Nach G egenbaur zeigt der Tarsus der Saurier vier ver-
schiedene Formen, von denen drei (Lacerten, Leguanen und
Ascalaboten) ziemlieh übereinstimmen, während die vierte
Zur Keniitniss des Carpus iind Tarsus bei Cliumacleon. 13
(Chamacleonten) bedeutend von diesen differirt. Gegenbaiir
nhumt zwei Knochen der ersten Reihe nn, ein Tibiale und ein
Fibulare, diese schliessen ein drittes Stück ein, das Intermediuni;
theils von den vorigen, tlieils von den jMetatarsalien wird ein
vierter Knochen begrenzt, das Centrale. In den Metatarsalien
sind die Tarsalien der zweiten Reihe enthalten.
Trotzdem nun Born dadurch, dass er der bisherigen, irr-
thümlichen Autfassung des Tarsalskeletes bei Chamneleon ent-
gegentrat, einen entschiedenen Fortschritt gemacht hat, so hat
er doch gefehlt, indem er dasselbe in den von ilim für die
Saurier aufgestellten Typus einreihte. Meiner Anschauung zu-
folge wäre eine Übereinstimmung zwischen Cliamaeleon und den
übrigen Sauriern eher dadurch zu erzielen, dass man vom
Chamaeleontentarsus, als dem typischen ausginge. Ich gelange
hierin in mancher Beziehung, wenn auch auf anderen Grund-
lagen, zu demselben Resultate, wie Gegenbaur, der Chamuelcon
den übrigen Sauriern gegenüberstellte. Die Ergebnisse meiner
eigenen Beobachtungen sind folgende :
Man unterscheidet bei Chamaeleon (Taf. II, Fig. 3) eine
Tibia und eine Fibula. Zwischen die unter einem stumpfen Winkel
zu einander geneigten Endflächen dieser beiden Knochen
springt ein Tarsalknochen der ersten Reihe ein, der nach Born
mit AsF bezeichnet wird. Das Asf ist aus zwei in der Ontogenese
deutlich von einander getrennten Knochen zusammengesetzt,
aus einem tibialen (As) und einem grösseren, fibularen (f)
Theile, auf deren ursprüngliche Trennung eine der Längsaxe
der Extrenntät parallele Furche hindeutet. Das Asf weicht von
der sonst bei den Sauriern vorkommenden Form etwas ab. Es
ist ein abgeplatteter Knochen, gewöhnlich doppelt so breit, wie
hoch,- bei Chamaeleon bifidas gleicht die Breite fast der Höhe,
dagegen ist der Knochen sehr stark und dick. Der tibiale Theil
des Asf ist wegen des schon von Born betonten Fortsatzes der
Tibia gewöhnlich ein wenig höher als der fibulare. Der .4s ist
mit einem mächtigen, gelenkkopfartigen Vorsprunge versehen,
und an der volaren Seite stark überknorpelt; wie bei den
übrigen Sauriern hat er an seinem fibularen Anhange eine rauhe
Stelle, welche zum Ansatz der später zu erwähnenden, nach
B orn bei den Chamaeleunten nicht vorkommenden Bänder
14 Stecker.
tlient. Die rauhe Stelle ist am l)esten bei ClKiiiun'h'<>)i hi/it/ns
siclitlctr, 1111(1 ciitsprielit der von Born ei-wälinteii Fossa für das
Liiianieiituni teres am Kopte des nienselilielien Feninr. Der Kopf
<les A.s ist von einem sehr entwickelten Meniscus umgeben, der im
Querschnitt dreieckig (bei Chumaeleon hifidns keilförmig), wie ein
Oartilago semilunaris erscheint; er liegt bei den Chamaeleonteti
in der dorsalen Trennungsfurche des Asf. An seinem volaren
Ende enthält derselbe einen schief absteigenden, verkalkten
Knorjiel; da liei Chiiwaeleon hifidns ausser diesem, hier mit
Knochenbalkeu und Mnrkräumen versehenen Kiiorjtel, noch ein
hyaliner knorpeliger Kern in dem Meniscus vorhanden ist, so
stimme ich mit Born nicht überein. wenn er denselben (den
Knorpel), als dem halbniondiörmigen Knorpel im Meniscus derAs-
calaboteii homolog bezeichnet. l)ei C/ifin/ar/eo/t />ifidus\n\(\et dieser
Knorpel die Unterlage des tnti] bei Chdmd'flcoii Senegdlensis ist
zwischen diesem Knorpel und dem Born'sehen Tarsale. 5 noch
ein kleiner hyaliner Knorpel vorhanden, dessen tiefe, morpholo-
gische Bedeutung unten näher dargelegt wird. Die histologische
Beschatfenheit des Meniscus bei Cluimdcleon weicht sehr wenig
von derjenigen der übrigen .Saurier ab. Dem mächtigen Gelenk-
kopfe am lis entspricht ein ziemlich grosser, gritfelformiger
Fortsatz an dem tibularen Theile des Asf, den Born in seiner
Abhandlung nicht erwähnt, trotzdem ich ihn bei den älteren
Chamaeleonindividuen überall vorfand. Dadurch bekommt anch
das Asf auf unserer Abbildung eine von Born 's Zeichnung
{1. c. Fig. H, AsF) ziemlich vei'schiedene, sattelartige Form. Das
Asf von Chaniaelcon unterscheidet sich von dem der Lacerta
afjilis durch eine tiefe Pfanne auf der distalen Fläche, die bei
Lacerta nicht vorkommt. In dieser Pfanne articulirt das seiner
Form nach beinahe kugelförmige Ch , das mit dem ^,2+3^ nnd
einem /, die Tarsalien der zweiten Beihe darstellt.
Das Cuboid ist ein stark entwickelter Knochen, der an
seinem distalen Gelenkkopfe die Metatarsalia mty , mt y und
einen Theil der Basis von mtni trägt; an die tibiale Fläche des
CO grenzt ein ungetälir dreieckiger Knorpel, der dem CO so
dicht anliegt, dass er von den meisten Forschern als dazu
gehörig angesehen wurde. Erst Born hat auf ihn aufmerksam
gemacht, und ihn dem Tarsale^ anderer Saurier gleichgestellt.
Zur Kenntuiss des Carpus mifl Tarsus bei Chuinaelcon. 15
f^r hesolireibt ihn als ein linseutormiges, verkalktes, hyaliu-
knorpeliges Tarsalienstiick, das gevvissermassen das Cb zur
Kugel ergänzt. Während er aber dasselbe so zeichnet, dass es
mit seiner tibialen Fläche an den knorpeligen Theil des m und
an den .4s stösst, habe ich mich auf Durchschnitten überzeugt,
dass es tibialwärts nur an den As grenzt, an seiner distalen
Fläche aber den übrigen Theil der Basis des w^m, dann mtu,
und fast die Hälfte des mh trägt. Dieses Tarsalienstück ist bei
den verschiedenen Species in ungleichen Entwicklungsstadien
begriffen; bei Clunnaeleo/i hifidus ist es ungemein gross, und
beinahe viereckig, zum Theil verknöchert, und mit Markräumen
versehen, bei Chamaeleon vulgaris knorpelig, bei Chanuteleon
(lilepis (Leach) tritt nach Born an seine Stelle nunmehr eine
Bandmasse.
An dieser Stelle muss ich noch des hyalinknorpeligen
Theils erwähnen, den ich bei den jungen Individuen von
Chamaeleon Senegalensis (T. II, Fig. 4, T^ zwischen dem
Born 'sehen TarsalCg und dem von Meniscus absteigenden
Knorpel vorfand. Er stellt ein rundliches, stark verkalktes
Tarsalienstück dar, das dem Born "sehen TarsalCg dicht an-
liegt, und wie mir scheint mit demselben später vollkommen
verwächst. Ich fand dasselbe Gebilde auch bei jungen Indi-
viduen von Chamaeleon vulgaris und möchte in Folge dessen
das Born'sche TarsalCg als ein Tarsale,2+3, bezeichnen. Den
vom m absteigenden, bei Chamaeleon hifidas von demselben
deutlich getrennten Knorpel, der auf seiner distalen Fläche die
Basis des mti trägt, betrachte ich als das, nach Born mit
dem gleichbezeichneten Metatarsale verschmolzene Tarsalej.
So wäre also Born's TarsalCg und Centrale als Tarsale ^+3^
und TarsalCj zu bezeichnen, der Meniscus aber als ein rückge-
bildetes Centrale. Ob auch bei den übrigen Sauriern das TarsalCg
nicht mit dem entsprechenden Metatarsale, sondern mit dem
Tarsaleg verschmilzt, werden uns erst genauere, embryologische
Untersuchungen lehren können. Den knorpeligen Theil des
Meniscus der übrigen Saurier halte ich für ein dem Tarsalcj
homologes Gebilde.
Die von Born vermissten Bänder, welche sich bei anderen
Sauriern von der Basis des mti^ mtn und t.^ zum As hinziehen,
1(5 stocke r.
habe icli, allerdings sehr schwach entwickelt, auch bei den
ChauKtclconfcn, am deutlichsten bei Chfunite/eon hifidns gefunden ;
sie entspringen hier aus den Basen des t^ und t(2+3). Ihre Ver-
künimerung hängt wohl von der Ausbildung der Metatarsalien
und Tarsalien ab, die bei Cliamaeleon eine andere ist, als bei
den übrigen Sauriern. 7', und ^2+.t bilden mit dem Cb einen
Gelenkkopf, dem die Hasen der fünf Metatarsalien mit einer
Pfanne gegenüberstehen. In wie fern die Stellung der Meta-
tarsalien zur Bildung des Greiflfusses beiträgt, hat schon Born
weitläulig beschrieben.
Da also am Chamaeleontarsus nun alle für den Tarsus im
Allgemeinen charakteristischen Theile, ein Asf, ein ^j, ^g+ab
ein Ch, ein rückgebildetes C, und fünf Metatarsalien vorhanden
sind, so ist die (davon abweichende) Form des Tarsus bei
d e n A s c a 1 a b o t e n, L e g u a n e n u n d Lac e r t e n nicht als
die normale, sondern als eine von dem regelmässigen
Typus mehr o d e r w e n i g e r abweichende a n z u s e h c n.
Jungbimzlau, im November 1876.
Slocker: CarpuK und Tai'sus Ixm ("hanvaeleon.
, Fijj.l.
O //
Taf.l.
Gez.vVerfhthv.Dr J.KeitzmMn
K.k Hof- u. Staatsdruckerei.
Sitzungsb.d.k.Akad-d.Winath.nat.CI.LXXAr Bd.l A1)11l 1877.
Steckei*: ('tu'pus und Tni-sus boi ("hninaeleon.
Fig. 3.
Tili: 11.
Fil».
Goz vVerf, liÜvvDf .IHeüzmMii.
K.k.Hof- u.Sualsdruckerei .
Sitzungsb.(l.k.Akad.(l.VV:m.Mlli.nal.('l.LXXA' IJd.I Abtli. 1877.
Zur Kenntniss des Carpns niid Tarsus bei Cltdinii.li'on. 17
E r k 1 ä r u ii o- der A b b i 1 d u n ö- e 1 1
Tafel I.
C a r 2J u s.
Fig. 1. Flächenschnitt dureii den C!ari)us eines alten Individuums von
Clianiaeteoti vulgaris.
Fig. 2. Flächenschnitt durch den Carpus eines ganz Jungen Individuums
von Chanuu'leoii ^enegalensi-s.
Der Knorpel ist blau gelialten, die Bänder grau, der Knochen hell-
braun; die Markräume sind punktirt; das Gefäss in Fig. '2 ist roth;
t,'=Ulna; Ä=Radius; ?/^uhiare; /-^radiale; i=intermedium,
C=Centrale; 1— 5— Carpalia der zweiten Reihe; I — V=Meta-
earpalia. Die Figuren sind vergrössert.
Tafel II.
Tar s u s.
Fig. 3. Tarsus von Chamni'leon bifidxs (die normale Kapsel ist geöffnet und
weggenommen).
Fig. 4. Flächenschnitt durch den Tarsus eines jungen Individuums von
Chnniaeleon Senegalensis.
Der Knorpel ist blau, der Knochen hellbraun, der hyalinknorpelige
Theil grünlich; die Bänder sind gmu, die Markräume punktirt.
r?=Tibia; /'76=Fibula; ^4«= Astragalus ; /^fibulare ; C/>=Cuboid:
h h hl '(3-1-3) =Tarsalia ; I — V=Metatarsalia; /«••=Meniscus;
Sj ß2'=B^iiifl'^i'- I^iö Figuren sind vergrössert.
Sitzb. fl- mafhem.-naturw. CI. LXXV. Bd. I. Abth.
18
11. SITZUNG VOM 11. JÄNNER 1877,
Das w, M. Herr Reg'ieniugsratli Stein in Prag übersendet
eine Abhandlung des Herrn Gymnasialprofessors Dr. Willielni
Kurz in Kuttenberg, betitelt: ,,Eunic{cola ClriKsii , ein neuer
Anneliden])arasit--.
Das w. M. Herr Prof. A. Rollett in Graz übersendet eine
Abhandlung des Herrn Dr. Julius Gl ax, Privatdocenten an der
Grazer Universität: ,,Uber den Einfiuss methodischen Trinkens
heissen Wassers auf den Verlauf des Diabetes mellitus.'-'
Das c. M. Herr Regierungsrath Mach übersendet eine von
ihm in Gemeinseliaft mit dem Studios. Herrn J.Sommer aus-
geführte Untersuchung: ,.Uber die Fortpflanzungsgeschwindig-
keit von Explosionsschallwellen''.
Das c. M. Herr Prof. Ludwig Boltzmann in Graz über-
sendet eine Abhandlung, welche den Titel hat: „Bemerkungen
über einige Probleme der mechanischen Wärmetheorie-'.
Endlich übersendet Herr Prof. Boltzmann noch die nach-
folgende Notiz, in welcher darauf aufmerksam gemacht wird,
dass die interessante Eigenschatt der Fourier'schen Reihe,
welche Prof. Toepler in dem am 17. December der .\kademie
übermittelten Aufsatze entwickelt, in innigem Zusammenhange
mit einer bereits längst bekannten Eigenschaft derselben steht.
Herr Dr. G. Heizmann in New-York übersendet eine in
seinem Institute ausgeführte Arbeit von Herrn Alfred Meyer:
„Untersuchungen über acute Nierenentzündung". (Mit 2 Tafeln
Abbildungen.)
Herr Prof. Carl Pelz an der Landes-Oberrealschule zu
Graz übersendet eine Abhandlung: ,.Uber eine allgemeine Be-
stimmungsart der Brennpunkte von Gontouren der Flächen
zweiten Grades".
Das w. M. Herr Prof. C. Langer legt eine für die üenk-
rschriften bestimmte Abhandlung- vor: „Über die Gefässe der
Knochen des Schädeldaches und der harten Hirnhaut^'. Ausser
den Blutgefässen der Knochen und ihrer Hüllen sind auch die
Buchten des oberen Längsblutbeliälters und die Texturverhält-
nisse der infantilen Knochen berücksichtigt worden.
Herr Prof. Dr. Franz Toula überreicht die Berechnungen
der von ihm während seiner Reise im westlichen Theile des Bal-
kans und in den benachbarten Gebieten angestellten barometri-
schen Beobachtungen.
Au Druckschriften wurden vorgelegt:
Accademia, Reale delle Scienze fisiche e matematiche: Atti.
Vol. VI. Napoli; 1875; 4". — Rendiconto. Anno XH. Fasci-
colo 1"— 12". Napoli, ISTo; 4". — Anno XHI. Fascicolo 1"
—12". Napoli, 1874; 4«. — Anno XIV. Fascicolo 1»— 12«.
— Napoli 1875; 4".
J4.mericau Chemist. Vol. VII. Nr. 3. New York, 1876; 4".
Comptes rendus des seances de TAcademie des .Sciences
Tome LXXXIII, Nr. 26. Paris, 1876; 4^'.
Gesell Schaft, österr., für Meteorologie: Zeitschrift. XII. Band,
Nr. 1. Wien, 1877; 4".
G e w e r b e - V e r e i n , n. - ö. : Wochenschrift. XXXVIII. Jahrgang,
Nr. 1. Wien, 1877; 4".
Institute, The Anthropological, of Great Britain and Ireland:
Journal. Vol. VI, Nr. 2. October, 1876. London, 1876; 8^
Landbote, Der steirische. •.».Jahrgang Nr. 26. Graz, 1876; 4''.
M 0 n i t e u r scieutifique du D'«"'" Q u e s n e v i 1 1 e : Journal mensuel.
3" Serie. Tome VII. 42P Livraison. Janvier 1877. Paris,
1877; 4".
Natur e. Nr. 375, Vol. XV. London, 1877; 4^
...Revue politique et litteraire" et „Revue scientifique de la
France et de l'Etranger". VP Annee, 2" Serie, Nr. 27.
Paris, 1876; 4^
^Society, Asiatic of Bengal. Journal. Vol. XLV, Part II, Nr. 1
& 2, 1876. Calcutta, 1876; 8^ Vol. XLV, Part L Nr. 1,
1876; Calcutta, 1876,- 8".
2*
Society, Asiatic of ßcng:al, Proceedings: Nrs. 3 — 7. March —
Jiily 1S76. Calcutta, 1«76; 8«.
— Royal of New South Wales: Transaetions and Proeeedings
for the year 1875. Vol. IX. Sydney, 1876; 8». — Mineral
Map and General Statistics. Sydney, 1876; 12''. — Mines
and Mineral Statistics. Sydney, 1875; 8^.
Taylor, William B.: A Notice of recent Researches in Sound.
New-Haven, 1876; 8".
Wiener Medizin. Wochenschrift. XXVII. Jahrgang, Nr. 1. Wien,.
1877: 4-.
21
Euiiicicola Claiisii, ein neuer Annelidenparasit.
Beschrieben von Dr. Willieliii Kurz.
Prufess'ir an der k. k. Lehrerfjildungsanstah in Kuttenherg.
(Mit 2 Tafeln.)
Die Aunelidenanwobner unter den Copepoden sind bisher
aioch sehr unvollständig- bekannt geworden. Es bleiben sogar
die Parasiten der allergewöhnlichsten Würmer noch zu entdecken
übrig.
Ich fand den zu beschreibenden Copepoden während meines
Aufenthaltes an der k. k. zoologischen Station in Triest an Eunice
Claparedii, einem der gewöhnlichsten Anneliden, die an der
Station vorkamen. EnnieicoJa tiudet sich zwar nicht auf jedem
Exemplar des Wurmes, aber etwa jede zehnte Eunice beherbergt
einige Parasiten, die zum Theil zwischen den Kiemen angeheftet
sitzen, zum Theil am Rücken der Eunice herumrutschen. Da die
Thiere farblos sind, heben sie sich als weisse Punkte von dem
braunen oder violetten Rücken der Eunicen ab. Den Körper
ihres Wirthes verlassen sie nie , und müssen von demselben mit
einem Messer abgehoben werden. Im Wasser bewegen sie sich
sehr ungeschickt; denn obzwar sie mit Schwanzborsten ausge-
stattet sind, springen sie nie, sondern schwimmen mittelst ihrer
«chwacheu Füsse und einer wellenförmigen Bewegung des gan-
zen Körpers sehr schwerfällig undier.
Das Weibchen erreicht ohne Schwanzborsten eine Länge
von 0-8 Mm., bei der höchsten Breite von 0-48 Mm. Die Antennen
des ersten Paares sind 0-214 Mm. und die Schwanzborsten 0 24
Mm. laug.
Der Cephalothorax des Thieres ist schildförmig erweitert
und mit Ausnahme einer seichten Einbuchtung an den Seiten
zwischen Kopf und Thorax ungetheilt. Nur an den Bauehplatten
lässt sich erkennen, dass der Thorax aus bloss vier Segmenter.
22 Kurz.
bestellt, von (Icneii jedoch nur die drei vordersten Scliwinnnfiisse
tragen. Das vierte Segment ist fusslos, und das fünfte ist ganz,
geselnvunden. Der Körperrand ist nach unten ooncav umgebogen
und der ganze Körper fungirt wie eine Saugsciieibe.
Das Abdomen ist beim Weibchen ebenfalls nur viergliedrii:,
doch zeigt der Vergleich mit dem Männchen, dass die beiden
vordersten Glieder zu einem Genitaldoppelsegniente (Fig].</.s')
verschmolzen sind. Dieses Segment ist auch das bei weitem
umfangreichste. Au den Seiten besitzt es die Mündungen der
Eileiter und am Rücken die Öffnungen dei-Receptacula seminis.
(Vergl. Fig. 1 u. 7.) Das letzte Abdominalsegment ist von hinten
tief eingeschnitten und trägt eine kurze Furca. Die beiden un-
gleich langen Borsten der Furcalglieder sind glatt, ungetiedert
— und daher zum Springen wenig geeignet.
Eigenthündich complicirt ist das Chitinskelet des Kopfes
(Fig. 7). Zur Grundlage des ganzen Gerüstes dient ein querer
Chitinstab, der am Rücken zwischen Kopf und Thorax verläuft.
Von ihm gehen nach vorne zwei parallele Ghitinstäbe ab; diese
verdicken sich zu einem Knopfe und theilen sich dann in drei Bögen,
von denen zwei nach innen zum Rostrum, und einer nach aussen
gegen den Kopfrand verläuft. Der innerste Bogen bildet die
(lelenkpfanne des zweiten Antennenpaares (^42), der nnttlere
lehnt sich an ein tiefer gelegenes leierförmiges Chitinstück an,
in dessen vorderster Biegung die Antennen des ersten Paares
{AI) eingelenkt sind.
Für die Mandibeln (md) besteht ein eigenes Gerüst, einem
Zirkel mit Quadrant nicht unähnlich. Der vordere Schenkel die-
ses Gerüstes liegt zwischen dem leierlörmigen Stirngerüst und
dem vorerwähnten Knopf, der hintere Schenkel geht von da schief
nach hinten und stützt sich an eine Verdickung der Gelenkpfanne
vom zweiten Maxillarfusse (pm2)-^ von hier ab geht endlich ein
Ansatzstück direct gegen den Mund (0), um hier die Stütze der
^randil)el zu bilden. Die Mandibel (Fig. 7 u. 9 md) ist ein ein-
faches bogenförmig gekrümmtes Chitinstück , das sich in einer
doppelten Führung bewegt und daher in einer einzigen Richtung,
d. i. gegen den Mund hin, beweglich ist. Am freien Ende ist sie
etwas verbreitert und besitzt drei ungleiche Zähne, mit denen
sie in die Fläche der Mundsaugscheibe hineinragt.
Ennieuola Ctaiisü, ein neuer Aunelideujiuiasit. 2.3
Die Antennen des e rste n Paares sind siebeugliedrig"
und ziemlich dicht mit getiederteii und einigen längeren ungefie-
derten Borsten besetzt. Am Hinterrande des zweiten Gliedes
sitzt terminal eine unverhältnissmässig lange Fiederborste, ' und
am siebenten Gliede scheinen mir 2 — 3 blasse terminale Riechhaare
zu stehen. (Fig. 1, A 1.) Die Antennen werden für gewöhnlich
in zwei seitlichen Furchen des Kopt'schildes eingezogen.
Die Antennen des zweiten Paares (Fig. 1, A 'S) sind
wie gewöhnlich dreigliederig, mit sehr kurzem, zweiten Gliede.
Das Basalglied liegt in einer tiefen Furche und ist nach innen
zugewandt; das zweite Glied steht senkrecht vom Körper nach
unten ab, und das Endglied ist auswärts gewendet und liegt dem
Basalgiiede der ganzen Länge nach auf. Dieses Glied trägt am
Ende eine eigenthümliche Bewaffnung (Fig. 6). Ausser zwei
grösseren und einer kleineren Fiederborste befinden sich hier
zwei gebogene einfache und zwei zweigliederige Chitinstäbe, die
genau wie die Finger einer Hand aussehen. Die ungegliederten
.Stäbe sind länger und enden abgerundet, die gegliederten hin-
gegen sind kürzer, unter einem rechten Winkel gebogen und
tragen am Ende noch ein Qnerstück, das wie ein Staubbeutel auf
seinem Faden mit der Mitte aufliegt und balancirt. Diese Quer-
stäbe sind in ihrer Stellung festgehalten durch eine zarte Membran,
welche an dem Endglied der Chitinfinger beiderseits herunter-
läuft und sie wie geflügelt erscheinen lässt. Diese ganze
Bewafthung sieht einer menschlichen Hand täuschend ähnlich
und hilft wohl mit den Schmarotzer an sein Wohuthier anhalten.
Der Mund besitzt einen grossen Saugnapf (Fig. 1 n. 10).
Es ist dies bisher der einzige Fall, wo bei einem Copepoden ein
wahrer Mundsaugnapf vorkommt, 2 Mit den Stirnsaugnäpfen
(lunidne) der Caligiden hat er keine Ähnlichkeit, hingegen
erinnert er auf den ersten Blick auffallend an die Saugnäpfe der
Arguliden, was seine Construction anbelangt. Es wu'd wohl dieses
' Ebendaselbst findet sich auch hei Lichinnulgnti und Bomoluchufi eine
auffallende Fiederburste. Bei Sabellipliäus Samü scheint sie nach der
Zeichnung von Clans (Zeitschr. f. wiss.Zool. Bd. XXVI, Taf. X, Fig. 1 u. 4)
auch vorhanden zu sein, aber am Vorderrande zu entspringen.
3 Bei den Lernäopodiden kommt oft ein kleiner, wenig entwickelter
Mundsatignapf vor, dessen Zusammensetzung aber bedeutend einfacher ist.
24 Kurz.
^'ürk()nHnen eines Saiig'iiapfes bei einem Eueopepoden auch einen
neuen IJcleg' zur Znsannneni;eiiörigkcit der Argniiden mit den
Copepoden abgeben können.
Bei sciiwäobcren VergTösserungen scheint er aus drei con-
eentrisehen Kreisen zu l)estelien, bei stärkeren Vergrosserungen
(01)j. 7, Oc. 3 Hartnack) sieht man zu innerst einen starken
Chitinring (Fig. 10 Ch), welcher dicht radiär gekerbt ist. In
jeder Kerbe sitzt der Stiel eines eigenthümlich geformten Chitin-
messers. Bei sehr starken Vergrosserungen (über 1000) bemerkt
man erst, dass jedes Messer aus einem schwächeren Hefte, einem
verdickten Blatte und einer gespaltenen Spitze besteht. (Fig. J 1
ob). Von jeder Spitze hängt noch ein feiner Lappen dersel-
ben Membran, durch welche die Chitinmesser in situ gehalten
werden. Diese Chitinmesser sind die Analoga der gegliederten
Chitiustäbe, welche C'laus < in den Saugnäpfen von Argulus
beschreibt. Mitten im Grunde der Saugscheibe liegt der Mund.
Der Mundrand hat kleine Chitinstücke eingelagert (Fig. 1 u. 10),
von denen je ein längeres jederseits sich befindet. Ober dem
Munde ist noch ein kleiner Chitinknopf und vor diesem ein huf-
eisenförmiges Stück wahrzunehmen.
Die Mundtheile sind nun wegen des überlagernden Saug-
napfes, zum Theil aber ihrer zusanunengedrängten Lagerung wegen
sehr schwer zu erkennen.
Dicht neben den Mandibeln liegen die Ma xi 1 1 e n (Fig. 9 m.v).
Sie sind zweig-liederig. Das kurze Gelenkglied trägt ein zweites,
sehr langes und knieförmig g-ebogenes Endglied, welches am
Ende löffelförmig ausgehöhlt und mit einem gefransten Rande
versehen ist. Die beiden Maxillen bilden mit diesen verbreiterten
Endgliedern eine Art von Rinne, die sich bis zwischen das erste
Fusspaar erstreckt. Das Gelenkglied trägt nebstdem noch einen
kleinen Anhang, der vielleicht als verkümmerter Taster gedeutet
werden könnte.
Das erste M a x i 11 a r f u s s p a a r (^Fig. 9 pm 1) ist zweiästig,
aber beide Äste sind sehr kurz. Der innere Ast läuft in einen
starken und spitzen Stachel aus, der zum Festhalten am Wohn-
1 Cljuis. Über die Eiitwickelung, Organisatiou und systematische
Stellung- der Arguliden. Zoitsclir. f. wiss. Zool. 1875. Bd. XXV, p. 247.
EiüHcicola Claiidi. ein neuer Annelidenparasit. o^
thiere dienen mag. Der äussere Ast besitzt am Grundiiliede zwei
Borsten; die eine ist Iviirz, die zweite aber sehr lang-, blass und
allseitig- gefiedert. Das zweite Glied dieses Astes ist zu einer
gezahnten Kralle verkümmert.
Die Maxillarfüsse des zweiten Paares (Fig. 1 u. 9
^/w 2) sind zu hohlen, glockenförmigen Gebilden umwandelt, deren
freier Eand nach hinten gerichtet ist. Ihre ganze Oberfläche ist
mit dichten Reihen von dreieckigen Schuppen besetzt, die gegen
den Rand au Grösse zunehmen. Nach innen trägt jeder Maxillar-
fuss eine breite Fiederborste und ein kürzeres einfaches Haar.
Die Füsse sind sehr schwach (Fig. 1). Die Füsse der ersten
beiden Paare sind zweiästig, n)it dreigliederigem äusseren und
zweigliederigem inneren Aste; dieser ist platt, jener walzig und
länger. Die Füsse des dritten Paares sind einästig , nur der
äussere Ast hat sich erhalten, ist aber auf zwei Glieder reducirt.
Bei allen Füssen besitzt das Ende des Schenkels und des ersten
Gliedes vom äusseren Aste eine Reihe zarter, plattenförmiger
Haare. Die Bewatinung der einzelnen Glieder ist aus den Fig. 3,
4 und 5 ersichtlich. Die Füsse desselben Paares sind durch breite
Ventralplatten von einander getrennt , und besitzen ganz enge
Hüftstücke. Auch die Schenkel sind schlank, wie denn überhaupt
die Füsse sehr schwach entwickelt sind.
Das Auge fehlt in beiden Geschlechtern gänzlich.
Der V e r d a u u n g s s c h 1 a u c h ist deutlich in drei Theile ge-
gliedert (Fig. 7 i). Der Oesophagus steigt vom Munde senkrecht
zum Rücken aufwärts und erweitert sich in einen Vormagen.
Der Magen ist der weiteste Abschnitt, an ihm lassen sich vorne
zwei halbkugelige Ausstülpungen erkennen, die besonders manch-
mal deutlich hervortreten. Nach hinten ist der Magen deutlich
abgegrenzt und hier entspringt aus ihm der Darm mit einem
dickeren Aufangstheil. Nach hinten verengt sich der Darm und
mündet am letzten Abdominalsegmente unter einer kleinen Klappe
(Fig. 1 und 7 a).
Die weiblichen Genitalien bestehen aus zwei Eierstöcken,
von denen je ein Eileiter zum Genitalporus führt. Die Eileiter
(Fig. 1 und 7 od) pflegen von Dottermassen vollgepfropft zu sein
und nehmen bei verschiedenen Individuen eine verschiedene
Lagerung mit ihren Auftreibungeu und Ausstülpungen ein. Zwei
2() Kurz,
von den gewr)linli('hstcn I.a^en sind in Figur 7 eingczeiolinet.
1)(M- Eileiter wird l)ei seinem Eintritt in das Genitulsegnient lacu-
nur und mündet seitlich zwischen zwei starken ChitinvorsprUn-
gen iFig. 7 p). Hier hängen auch die Eierschnüre, in denen 5—9
grosse Eier enthalten zu sein ]iflegen. Ihr Dotter ist orangefar-
ben. — Am Kücken des Genitalsegmentes liegen noch die l)ei-
den OH'iiiingen der Receptacula seminis, besonders dann deut-
lich hervortretend, wenn die Spermato])horen (Fig. 7 sp) an
ihnen hatten. Die Spermatophoren haben eine lang-tlaschenför-
mige Gestalt und enden in einer hakenförmig umgebogenen
Spitze, mittelst welcher sie in den Oifnungen der Samenbläs-
chen fest gehäkelt sind.
Das Männchen (Fig. 2) ist bedeutend kleiner als das
Weibchen, es erreicht eine Länge von nur 0-54 Mm., bei einer
Breite von 0-35 Mm. Die Antennen messen 0-147, und die Schwanz-
borsten 0-2 Mm. In der äusseren Gestalt weicht das Männchen
dadurch vom AVeibclien ab, dass die beiden ersten Abdominal-
glieder getrennt sind , das letzte Segment hingegen der Länge
nach gabelig gespalten ist, wodurch dann der After auf das vor-
letzte Segment herüberrückt (Fig. 2 a) und die Furca aus zwei
Gliederpaaren zu bestehen scheint. Auf dem Kopftheile fallen
mehrere ventral gelegene, lielle Drüsen auf (Fig. 2 dd), zwei
grössere liegen in dem Einschnitte zwischen Kopf und Brust, und
2 — 3 Paare kleinerer tindet man vorne am Rande des Kopf-
schildes.
Die Antennen bieten keine Verschiedenheiten dar.
Der Mund entbehrt des Saugnapfes, er ist von einer grossen
schildförmigen Oberlippe überdeckt, unter weicher sich dieMund-
ütfnimg betindet. Auch beim Männchen besitzt der Mund die seit-
lichen Chitinzähnchen.
Am autfallcndsten unterscheidet sich aber das Männchen vom
Weibchen durch die riesig entwickelten Maxillarfüsse des zweiten
l^iares (Fig. 2, pm 2). Sie bestehen aus einem Basalstück, auf
welchem zwei Äste sitzen. Der innere Ast bildet die grosse
Fangklaue, die das männliche Geschlecht bei den Syphonostomen
kennzeichnet. Der äussere Ast ist ebenfalls zweigliederig mit
zweizinkigem Endglied. — Die Füsse sind von derselben Be-
schaffenheit wie beim Weibchen.
Eunivicola C/a/isii, ein neuer Annelidenparasit. 27
Der ni ä im 1 i c h e G e s c h 1 e c h t s a p p a r a t (Fig. 8) ist jeder-
seits ein .Schlauch, an dem sicii drei Abtheilnngen unterscheiden
lassen. Der vorderste Abschnitt ist der Hoden (f), der mittlere
der Spermatophorenbeüälter {sp) mit nebengelagertem
Samengang und der letzte Abschnitt fungirt als Ductus ejacu-
latorius. Der Genital porus (p) liegt seitlich am ersten
Abdominalsegmente.
Was nun die systematische Stellung dieses neuen Schma-
rotzerkrebses betriflftj so lässt sich nicht läugnen, dass seine Ein-
reihung in das System gewissen Schwierigkeiten unterliegt.
Dem Habitus und dem Aufenthaltsorte nach, könnte er unter
die Nereicoliden • gestellt wei'den , unter welchen er wegen
seiner drei Fusspaare sich der Gattung Chelonidium (Hesse)
am nächsten anschliessen würde. Andererseits n<ähert sich Euni-
eicohi durcli die Bildung der Antennen und des ersten Maxillar-
t'usses den Bomolochiden, durch die Antenne besonders den
Gattungen Bomolochus und Lichnmohius, durch den Maxil-
larfuss hingegen Bomolochus und Encanthus. An Hersilia erin-
nert die Bildung der zweiten Antenne und des ersten Kieferfuss-
paares.
Doch entfernt sich Eunicicola von allen diesen Formen
durch den ladiären Saugnapf mit Chitinstäben und durch das
zweite Kieferfusspaar. Durch diese Merkmale wird unserem Pa-
rasiten eine Sonderstellung in der Nähe der Botnolochiden ange-
wiesen.
1 In seinen „Neuen Beiträgen^ fZeitschr.f.wibS.Zool. 1875. Bd. XXV)
stellt Claus wenigstens vorläufig eine neue Familie der Nereicoliden auf,
auf die ich mich hier beziehe.
28
Kiiiz. Eiitiioicoln Clmisii, ein neuer Annelidenpnrnsit.
Erklärunji" der Abbildiino-en.
Durchgehende Bezeichnung
.1 1 Antenne des ersten Paares
A'2 ,. ,. zweiten ,,
Md Mandibel.
ßJx Maxille.
0 l\hind.
Pa«! Erster Kieierfuss.
Piii2 Zweiter Kieferfuss.
PI Erster Fuss.
I'2 Zweiter „
/'3 Dritter ,,
ä Drüsen.
/■ Darmcanal.
or/Eileitt.'r.
t Hoden.
6j) Sperniatophore.
p Geuitalporus.
ff&- Genitalsegnient.
(I After.
Tafel I.
Fig. ]. Das Weibchen von der Bauchseite, etwa lOOinal vergrössert.
Fig. 2. Das Männchen, etwa ITOfach vergrössert.
Fig. 3. Der linke Fuss des ersten Paares vom Weibchen.
Fig. 4. ,, ,, ,, „ zweiten „ ,. ,.
Fig. 5. „ ,. ,, ., dritten „ ., ,,
Fig. 6. Der Plantartheil von der zweiten Antenne stärker vergrössert.
Tafel II.
Fig. 7. Das Weibchen vom Kücken, um das Chitingerüst der Antennen
und Mundtheile, sowie die innere Organisation zu zeigen. Die
gefüllten Oviducte sind jederseits anders gelagert dargestellt.
Vergr. löo.
Fig. 8. Das Männchen vom Rücken mit eingezeichneten Genitalien.
Fig. 9. Die Mundtheile des Weibchens von der rechten Seite, Bauch-
ansicht. 3/VIl. Hartnack.
Fig. 10. Der Saugiiapf des Weibchens. C/t djitinring. Einige Messer sind
in der natürlichen Lage, eines umgelegt und eines abgebrochen.
;i VII. Hartnack.
Fig. 11. Zwei isolirte Chitinmesser aus dem Saugnapf, a von der Schärte,
0 von der Fläche aus gesehen. 3/IX. inim. Hartnack.
Iviirz.KinueicoIa Clausa etc
Fig.l.
Taf.l
Fiq.2,
CezvVerf lii)i,vrr.i,Hei!2maiir,
Fiq.3.
Fi9. 6.
Kk Hol- u.Siaalsdrucker«.
Sitzungsb.d.k.Akad.d.VV:niäth.nat.ri.LXXVBd.l.Ablh.IÖ77.
Tai:il.
Kiirzrfliniicicoln Claiisü etc
Kig.7.
Ficj.ö.
üöi; ^Vert' iithvDi ' Heiizmn.
K k H-jf- u Suatsdrurkerf:
Silzuiigsb.(l.k.Akad.d.VVniiJth.iiai.Cl.LXXVBd.l.Al)lli.lÖ77.
90
III. SITZUNG VOM l.^. JÄXNER 1877
Das k. k. General-Commando in Agram iiberseuder ein auf
seine Veranlassung als Landes- Verwaltungsbehörde der croat.-
slavon. Militäi'grenze durch Fachmänner zusammengestelltes
Regulativ tur die Austuhrungszwecke der von Sr. Majestät an-
geordneten Ent- und Bewässeningsarbeiten im Savethale des
croat. -slavou. Grenzgebietes: — ferner ein Exemplar des aus
Anlass der Allerhöchst angeordneten Wiederauflbrstnng des
Karstes im croatischen Militärgrenzgebiete im Auftrage dieses
General - Commaudos von dem General- Domänen- Inspector und
Forstakademie- Director a. D. Herrn Josef Wessely in Agram
verfassten Werkes, betitelt: ^.Das Karstgebiet Militär-Croatiens
und seine Rettung, dann die Karsttrage überhaupt-.
Der Seeretär legt folgende eingesendete Abhandlungen vor:
1. -Astronomische und geodätische Bestimmungen der öster-
reichisch-ungarischen Polar - Expedition-* . von Herrn
Linien-Schiffslieutenant Karl TVeypi-echt in Triest.
2. ..Zur Theorie der Bessel'schen Fuucrionen-. von Herrn
Professor L. Gegen bauer in Czernowitz.
3. -Zur Theorie der Wirkung von Cylinderspiralen mit
variabler Windungszahl-, von Herrn Dr. Ig. G. Wallen tin,
Döceut an der technischen Hochschule in Brunn.
Die Herren Dr. C. 0. Cech und stud. phil. P. .Schwebel
in Berlin übersenden folgende Mittheilung: -Über eine eigeu-
thümliche Bildung von IsocyanphenyH.
Herr Prof. Dr. Aut. .Schell hält einen Vortrag über die
Einrichtung, den Gebrauch und die Genauigkeit des von dem
k. k. Obersten J. Roskiewicz zur Ausiuhrung gebrachten
Distanzmessers.
30
IliMT Dr. (i. II a he rl ii ndt ültcrreiclit eine Ahhandliin^:
„Über die Eiitwickliiii^-sg-escliiclite und den Bau der Samen-
schale bei der Gattung- Phaseolus'- , welch" letztere bei den bis-
herigen Untersuchungen über den anatonii.selien Bau der Legu-
niinosentesta stets übergangen wurde.
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Acadeniia, Keal de Ciencias niedicas, fisicas y natuiales de la
Habana. Anales. Entrega ]4G— 148. Tomo XIII. Setienibre,
Octuiire c^ Koviembre. Habana, 187G; 8».
Acadeniie Eoyale des Sciences, des Lettres et des Beaux Arts
de Belgique: Bulletin. 45" Annee, 2' Serie, Tome 42, Nrs. 9
& 10. Bruxelles, 1876; 8".
Aecademia K. delle Scienze dell' Istituto di Bologna: Memorie.
Serie 3. Tomo VI. Fascicolo 1—4. Bologna, 1875 7(3; 4-'. —
Rendiconto delle Sessioni. Anno Accademico 1875 — 76.
Bologna, 1876; 8".
Acta horti Petropolitani. Tomus IV. Fasciculus 1 & 2. St. Pe-
tersburg, 1876; 8".
Akademie der Wissenschatten in Krakau: Bibliographische
Berichte über die Publicationen. 1. Heft. 187t). Krakau,
1876; 8".
Anstalt, königi. uiigar. geologische: Mittheihmgen aus dem
Jahrbuche. V. Band, 1. Heft. Budapest, 1876; 8".
Bibliotheque Universelle et Revue Suisse: Archives des
Sciences physiques et naturelles. N. P. Tome LVH. Nr. 227.
Novembre, 1876. Geneve, Lausanne, Paris, 1876; 8«.
Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences.
Tome LXXXIV, Nr. 1 & 2. Paris, 1877; 4".
Geueral-Commando, k. k. in Agram, als Grenz-Landes-
Verwaltungsbehörde: Das Karstgebiet Militär -Croatieus
und seine Rettung vom Forstakademie-Director a. D. Josef
Wessely. — Die Ent- und Bewässerungsarbeiten im Save-
thale des croat.-slavon. Grenzgebietes. Agram, 1876; 8".
Gesellschaft, Oberhessische für Natur- und Heilkunde. Fünf-
zehnter Bericht. Giessen, 1876; 8".
— Deutsche Chemische, zu Berlin: i^erichte. IX. Jahrgang,
Nr. 18. Berlin, 1876; 8^
31
Gesellschaft, Allg-emeiiie scliweizerische, für die gesanunten
Naturwisseiisebaften: Neue Denkschriften. Zürich, 1876; 4'^'.
— physikalisch-ökonomische zu Königsberg : Geologische Karte
der Provinz Preussen. Blatt 16. Folio.
Ingenieur- und Architekten- Verein, österr, : Wochenschrift.
n. Jahrgang, Nr. 1 & 2. Wien, ]877; 4".
Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie, von Alex.
Naumann. Für 1875. 1. Heft. Giessen, 1876; 8".
Landbote, Der steirische: Organ für Landwirthschaft und
Landescultur. X. Jahrgang, Nr. 1. Graz, 1877; 4".
Nature. Nr. o76, Vol. XV. Double Nuraber. London, 1877; 4".
Observatorio de Madrid: Annuario. Anno XIII. — 1873.
Madrid, 1872; 12". Anno XIV. — 1876; Madrid, 1875;
12". — Observationes nieteorologicas el die 1" de Diciembre
de 1871 al oU de Noviembre de 1872, Madrid, 1873; 8"
el die P de Diciembre de 1872 al 30. Noviembre 1873.
Madrid, 1874; 8". — Pesiimen de las Observaciones nieteo-
rologicas el die 1" de Diciembre de 1871 al 3U de Noviembre
de 1872. Madrid, 1873; 8" et die 1" de Diciembre de 1872
al 30 de Noviembre de 1873. Madrid, 1875; 8".
Osservatorio del R. Collegio Carlo Alberto in Moncalieri:
Bullettino meteorologico. Vol. X, Nr. 7 e 8. — 31. Luglio e
31 Agosto 1875; 4".
Regel, E. : Cycaüearum generum specierumque revisio. St. Pe-
tersburg, 1876; 8". U. Generis Evononymi species tioram
Rossicam iucolentes. III. Rhamni species imiierium rossi-
cum incolentes. IV. Revisio specierum varietatumque ge-
neris Funkia. V. Descriptiones pluntarum in horto botanico
Petropolitano cultarum. VI. Leguminosarum genus novum
auctore A. Bunge. 8".
Repertorium für Experimental-Physik etc. von Ph. Carl.
XIII. Band, 1. Heft. München, 1877; 8».
„Revue politique et litteraire" et „Revue scientitique de la
France et de l'Etranger." \l' Annee, 2^ Serie, Nrs. 28 & 21>,
Paris, 1877; 4".
32
Societe cntomologique de Belg-iquc: Coiiipte reiidii. Serie 2.
Nrs. 32 & 33. Briixelles, 1^70; 8«.
Societe Imperiale des Naturalistes deMoscou: Bulletin. Annee
1876. Nr. 2. Moseoii, 1870; 8«.
Verein der cechischen Chemiker: Listy Chemicke. I. Jahrgang'
Nr. 4. Prag-, 1877; 8».
Wiener Medizin. Wochenschrift. XXVII. Jahrgang-, Nr. 2. Wien,
1«77;4".
33
Über die Entwickeliiugs^escliiclite und den Bau der Samen-
schale bei der Gattung Phaseolus.
(Mit 2 Tafelu.;i
Von Dr. 0. Haberlandt.
Keine Pflanzenonlnung- ist liiusiehtlich des Baues ihrer Samen-
schalen so vielfach nntersueht worden, als die der Legumi-
nosen, Schon Malpighi kannte die charakteristische, pallisa-
denförmig- ausgebildete Eitidermis der Testa. Später haben S c h 1 e i-
den und Vogel an den Samenschalen mehrerer Repräsentanten
dieser Familie die Anatomie und Entwickelungsgeschichte des
erwähnten Samentheiles zum ersten Male in ausführlicherer Weise
zur Darstellung gebracht; dann gab Frings heim in seiner
1<S48 erschienenen luaugural-Dissertation i eine genaue Beschrei-
bung des Baues und der Entwickelungsgeschichte der Testa von
Pisum sativum, vornehmlich der Pallisadenschichte, und in neue-
rer Zeit endlich sind die Samenschalen zahlreicher cultivirter
Papilionaceengattungen von A. S e m p o 1 o w s k i eingehend unter-
sucht worden. Überdies finden sich in verschiedenen Hand-
büchern botanischen Inhaltes diesbezügliche Notizen und Ab-
bildungen vor, auf die ich nur nebenbei aufmerksam mache. So
in Bischoffs Handbuch der botanischen Terminologie und
Systemkunde (1833—1840), welches auf Tafel XLHI die Ab-
bildungen der Samenschalen von Cicer ariethium, Vicia faba und
Lupinus bringt, ferner in Nobbe's Handbuch der Samenkunde,
worin auf pag. 79 die Testen von Medicaf/o sntiva und Trifolium
prufense abgel)ildet und besprochen werden.
Nichtsdestoweniger hat die vorliegende Arbeit eine nicht
unwesentliche Ergänzung des bisher über diesen Ge^-enstand
1 Ue forma et incremeiito stratorum crassioriim in plantaninicelliila
observationes quaeclam novae. Hallae, 1818.
Sitzb. d. matln-m.-naturw. C'l. LXXV. Bd. t. Abth. O
o4 Habcrlandt.
bekannt Gewordcucn zu l>il(len. Es lieg-t nJiinlicli über die Sanien-
scbale der Gattung- Pliaseolus von keinem der genannten For-
scher eine genauere Angabe vor, was seitens 8 empolowski'»
unisoniehr überraschen niuss, als derselbe im Resume ganz all-
gemein von den Samenschalen der cultivirten Papilionaceen-
Gattungen spricht. Dabei will nun ein sonderbarer Zufall, dass
gerade der Bau der Samenschale bei PluiseoluH von dem der
übrigen untersuchten Leguminosen in einigen Punkten um ein
Beträchtliches abweicht, und dass demnach die theilweise schon
von S c h 1 e i d e n und später von S e m p o 1 o w s k i ausgesproche-
nen und sogleich mitzutheilenden Sätze in ihrer Allgemeinheit
nicht aufrecht erhalten werden können.
Seh leiden hat bereits ]8o8 in den gemeinsam mit Th.
Vogel veröifentlichten „Beiträgen zur Entwickelnngsgeschichte
der Biüthentheile der Leguminosen " ' die morphologischen Verhält-
nisse der Samenschale von Z////j«w//.sr/i?///rt;-/.s mit grosser Exactheit
beschrieben. Er schilderte die P^ntwickelungderPallisadenschicht
aus der Epidermis des lutegumentes und wies mit Zuhilfenahme
des Macerationsverfahrens nach, dass dieselbe immer bloss aus
einer einzigen Zellschichte bestehe. Er lenkte ferner seine Auf-
merksamkeit auf die unter der Pallisadenschicht befindliche Lage
von „Säulenzellen", mit ihren eigenthünilich kopfförmigen Er-
weiterungen und den grossen Intercellularräumen, die sie zwi-
schen sich freilassen; auf Grund späterer Beobachtungen hielt
er dieselbe für eine Eigenthünjlichkeit fast aller Leguminosen. —
In einer zweiten Abhandlung^ wird dargelegt, dass nach der aus
mehreren Zelllagen bestehenden Parenchymschicht, welche ent-
wickelungsgeschichtlich dem Integumente angehört, bei zahl-
reichen Gattungen nochEndospermgewebe folge, über dessen ver-
schiedenartige Ausbildung sich die Verfasser eingehend verbreiten.
Der Gattung Phaseolus spricht Sc hl ei den das Endosperm ab.
Sempolo wski''^ hat den Auseinandersetzungen Schlei-
den's und Vogel's, abgesehen natürlich von zahlreichen Einzel-
1 Nova acta der Leop.-Car. Akademie, Vol. XIX, pars I, p. 59.
2 Über das Albumen, insbesondere der Leguminosen (nebst einem
Aniiangei, ibid. Vol. XIX, pars II, p. 51.
3 Beiträge zur Kenntnis« des Baues der .Samenschale, Inaugural-
Dissertation von A. Sempolowski. Leipzig 1874^, p. 'J — 42.
üb. (1. Eutwickelungsg-eschichte etc. bei d. Güttiing P/iascolus. 35
heiten, nichts wesentlicb Neues binzugefüg-t. £v iintersnclite,
ohne sich auf die Entwickelungsgescliichte einzulassen, den
Bau der Samenschalen von Lupinns, Vicia, Enuwi, Ptsuni. Trifo-
lium, Medicdfjo, Melilotus, Ovnithopus, Aiitliyllis, Trif/unrl/a und
Onobrychis sativa, und unterscheidet nun ganz allgemein an den
Samenschalen der cultivirten Papilionaceen folgende fünf Schich-
ten: 1. Die Epidermisschicht, welche aus ungleichmässig stark
verdickten, von einer bald dickeren, bald dünneren Outicula
überzogenen Zellen besteht. 2. Die Schicht der mit Intercellular-
räumeu versehenen Säulenzellen, 3. Das von mehreren Zelllagen
gebildete Parenchymgewebe (nach den Abbildungen überall
aus einfach parenchymatischen, zusammengepressten Zellen
bestehend). 4. Eine farbstotfführende Schicht, die aber nur einigen
Gattungen zukommt, und 5. endlich das mit der innersten Schichte
der Samenschale * verwachsene Endosperm. — Wir werden bald
sehen, wie wenig der Bau der Samenschale bei der Gattung
Phaseolus mit dem hier mitgetheilten Schema übereinstimmt.
Ich gehe nunmehr an die Besprechung meiner eigenen
Untersuchungen, welche im Laboratorium der Lehrkanzel des
Pflanzenbaues an der k. k. Hochschale für Bodencultur in Wien
durchgeführt wurden.
1. Ph. vulgaris. Das äussere Integument der hemitropen
Samenknospe setzt sich schon kurz nach erfolgter Befruchtung
aus 5 — 6 Zelllagen zusammen (Fig. 1 u. 2). Die Epidermis be-
steht aus prismatischen Zellen, deren Länge den Querdurch-
messer nur um Weniges übertrifft. Das übrige Gewebe ist noch nicht
weiter differenzirt und besteht durchwegs aus gleichartig gebau-
ten, am Querschnitte quadratisch oder sechseckig erscheinenden
Zellen; nur die unmittelbar unter der Epidermis gelegenen sind
etwas grösser. Das innere Integument ist bloss zweischichtig. Die
erste Lage schliesst sich in der Form der Zellen so ziemlich an das
Gewebe des äusseren lutegumentes an, doch zeigen dieselben
eine geringe tangentiale Dehnung. Die zweite Lage erscheint an
Querschnitten pallisadenförmig entwickelt; ihreZellen sind näm-
lich fast dreimal so lang als breit. Doch verlieren sie an der
Krümmungsstelle des Kuospenkernes dieses Aussehen und
werden allmälig wie die Zellen der ersten Schichte.
> Letztere im engeren Sinne genommen.
3*
o6 II .-iIktI aud t.
Wenn die bi'lriicliteteftunicnkno.spc einen Läng'sdiirclnnesser
von 2 — ^-f) ]Mni. erreicht hat, so ist in dem Zellgewebe des äiisse-
len Integunientes schon eine verhältnissniässig weitgehende
üitit'erenzirnng der Schichten bemerkbar (Fig. B). Die Zellen der
Epidermis haben sich zwar noch nicht gestreckt, doch zeigt fast
jede derselben eine Ivadialtheilnng. Die darunter betindliehe
Zelllage besteht nun aus unregelmässig prismatischen Zellen,
deren Querwände nicht selten schief gestellt sind. Ganz anders
ist die darunter liegende Zellschicht entwickelt. Grosse, in tan-
gentialer Kichtung- stärker ausgebildete Parenchymzellen folgen
in 3 — 4 Lagen und lassen kleine Intercelliilarräume zwischen
sich frei, die den nachfolgenden Schichten fehlen. Kadiale und
tangentiale Tlieilungen sind nicht selten. Häutiger aber treten
erstere in der nunmehr folgenden Schicht auf, deren Zellen noch
mehr gedehnt sind und ebenfalls o — 4 Lagen bilden. Am lebhaf-
testen theilen sich die Zellen der untersten Gewebsschichte des
Integumentes ; die Tochterzellen sind ganz klein und suchen sich
alsbald abzurnuden. Das innere Integument dagegen zeigt ein
sehr träges Waclisthum und liisst leicht erkennen, dass es sieh
an der Bildung der Samenschale nicht betheiligt. Eine Ver-
mehrung der Zelllagen unterbleibt hier, und die in verhältniss-
mässig geringer Anzahl auftretenden Radialtheilungen genügen
nicht, um die durch das rasche Wachsthum des äusseren Litegu-
mentes verursachten Zerrungen hintanzuhalten. Allerdings wer-
den dieselben erst in späteren Eutwickelungsstadien deutlich
erkennbar. Doch haben die Zellen der zweiten Schichte ihre
Pallisadenform jetzt schon vollkommen eingebüsst und auch die
häutige Schiefstellung ihrer Querwände fällt auf.
An der Raphe ist die Entwickelnng der Samenschale schon
um ^'ieles weiter vorgeschritten. Die Oberhautzellen haben sich
radial gestreckt, das später zu beschreibende Trennungsgewebe
des Funiculus ist liereits vollständig angelegt, und das reichlich
entwickelte Parenchym ist mit grösseren Intercellularräumen ver-
sehen und führt zahlreiche Krystalle aus oxalsaurem Kalk. Ganz auf-
fällig sind hier die ausserordentlieh lebhaften Zelltheilungen in den
untersten Lagen des Parenchyms. In einer Zelle treten oft gleich-
zeitig und dicht neben einander4—G Querwände auf, was zu einer
eigenthümlichen Fächerung derselben führt (^Fig. 4).
üb. ü. Entwickelungsgeschichte etc. bei d. Gattung- PIkiscoIhs. ol
In einem dritten Entwickelungsstadium (Fig-. 5) — der
Längsdnrchmesser der Samenknospe beträgt 5 — 6 Mm. — haben
die übrigens noch unverdickten Zellen der Oberhaut des Integii-
mentes bereits die Pallisadentbrm angenommen. Die darunter
befindliche Zelllage theiit sich durcii tangentiale Scheidewände.
Die nach innen gelegenen Tochterzellen scliliessen sich in jeder
Hinsicht an das übrige Parenchym an; die an die Epidermis
grenzenden dagegen werden schön prismatisch, schliessen voll-
kommen dicht an einander und behalten nur d i e s e F o r m
bis zur vollständigen Reife des Samens. Die Ausbildung
der übrigen Schichten bietet in diesem Stadium nicht viel Bemer-
kenswerthes; es mag daher bloss auf die Abbildung verwiesen
werden.
Am Hilum zeigt die Pallisadenschicht mit den daran gren-
zenden Zellen des Treunungsgewebes schon eine bedeutende
Verdickung der Wände, das Parenchym in seinen oberen Lagen
sternförmige Ausbildung, und das zu innerst gelegene, an Quer-
schnitten sehr kleinzellig erscheinende Gewebe gleichfalls gallert-
artig verdickte Wandungen.
Um nicht gar zu viele Details anzuhäafen, überspringe ich
nun den Zeitraum bis zur vollständigen Reife des Samens. Die
Veränderungen, welche während desselben mit dem Gewebe der
jungen Testa vor sich gehen, dürften sich zu Genüge aus der
Besprechung des Baues der reif gewordenen Samenschale er-
geben.
Dieselbe ist, wie wir gesehen haben, ein ausschliessliches
Product des äusseren Tntegumentes der Samenknospe. Denn
das zweite Integument wird, nachdem es vorerst stai-k verzerrt
worden, allmälig ganz resorbirt.
An der Samenschale von Pli. vn/f/aris lassen sich im Ganzen
fünf wohl abgegrenzte Schichten unterscheiden. Die Pallisaden-
schicht (I) zeigt den allen Papilionaceen gemeinsamen Typus.
(Fig. 6, I, 7. u. 8.) Die prismatischen, 5 — Gseitigen Zellen be-
sitzen in ihrer oberen Hälfte ein sehr enges, spaltenförmiges
Lumen, welches sich gegen unten zu schlauchförmig erweitert.
Dasselbe ist hier bei verschiedenen Varietäten verschieden gross,
bei Bohnen mit farbiger Samenschale gewöhnlich weiter, als bei
weissen Sorten. In der oberen Hälfte der Zellen treten starke,
38 H ii her I a 11(1 1.
leistentörnii^e Verdickung'en und Porenoanäle auf. Die ziciulicli
schmale Lichtlinie verläuft kuMj)]) unter der Cutieula und wird
nach Behandlung- des Präi)arates mit Chlorzinkjodlö.sung' schön
blau gefärbt. Dasselbe kann übrigens auch an den Fallisa den-
zellen der Testen anderer Leguminosen beobachtet werden,
wesshalb ich Sempolowski nicht beipflichte, wenn er in der
Lichtliiiie auch eine chemische Veränderung der Zellwandungen
vor sich gegangen sein lässt. ' Es genügt wohl die Kussow'sche
Erklärungsweise, welche annimmt, dass an der Stelle der Licht-
linie die Substanz der Zellmembran dichter und wasserärmer sei.^
Unter der Pallisadenschicht folgt nun eine Zelllage (II), die,
wenn sie sich von dem übrigen Gewebe der Testa differenzirt,
bei allen bisher untersuchten Gattungen mit mehr oder weniger
stark entwickelten Intercellularräumen versehen ist. Bei Ph.
vulgaris fehlen aber letztere vollständig und wir werden auch
gleich sehen wesshalb. — Bloss mit Wasser behandelt, zeigt sich
am Querschnitte ein massig breiter, stark lichtbrechender Streifen,
in welchem nach regelmässigen Abständen sehr schön ausge-
bildete Krystalle eingelagert sind. Zellcontouren sind nicht be-
merkbar. Erwärmt man aber den Schnitt vorerst in verdünnter
Kalilauge, so grenzen sich die einzelnen Zellen ganz deutlich
von einander ab (Fig. 6, II); sie stellen kurze, 5— 6seitige Pris-
men vor, und besitzen so stark verdickte, gallertartig angequollene
Zellwände, dass der Krystall, welcher ausnahmslos in jeder Zelle
vorkommt, das ganze Lumen derselben erfüllt. In der Oberflächen -
ansieht zeigt sich eine deutliche Schichtung der Zellwände
(Fig. 9). Bei nur ganz schwachem Anquellen bemerkt man nicht
selten, dass das sehr enge Lumen der Zelle ober- und unterhalb
des Krystalls sich fortsetzt und sich an seiner Endigung sogar
ein bischen erweitert. Die gewöhnlich radiale Stellung der Quer-
wände wird manchmal zu einer schrägen, so dass dann die be-
treffende Zelle zwischen die übrigen sich einkeilt und die Form
einer abgestutzten Pyramide annimmt.
Die Krj^stalle, welche diese überhaupt sehr charakteristische
Zellschicht auszeichnen, bestehen, wie zu erwarten stand, aus
1 L. c. 1). 11.
2 E. Russüw, Verg-leicliende Untersuchungen, betreffend die Histo-
log-ie etc. der Leitbündelkryptogamen. St. Petersburg, 1872, p. 35, 1. Anm.
üb. d. Entwickelung-.-igeschichte etc. bei d. Gattung- Pliancobis. 39
oxalsaurem Kalk und erscheinen in den gewöhnlichen Com-
binationen. Schön ausgebildete Zwillinge sind häufig.
Nach Behandlung mit Chlorzinkjodlösung nimmt die soeben
besprochene Zellschicht anfänglich eine rothviolette Farbe an,
während die Pallisadenzellen und das gleich zu beschreibende
Parenchymgewebe graublau gefärbt werden. Später erscheinen
sie jedoch ebenfalls schön blau.
Die nun folgenden Gewebslagen der Samenschale sind im
trockenen Zustande stark zusammengepresst und dabei von un-
gefähr derselben Dicke wie die beiden vorhin besprochenen
Schichten. In warmer Kalilauge quellen sie jedoch stark auf,
bis zu dem 3 — 4fachen ihrer früheren Breite und lassen nun
drei von einander wohl abgegrenzte Zellschichten erkennen.
Die erste (III), aus 3 — 4 Zelllagen bestehend, setzt sicii aus
sternförmig ausgebildeten Zellen zusammen (Fig. 6 III, 10, 14); sie
weist in Folge dessen zahlreiche Intercellularräume auf und
erinnert sehr an das sogenannte Schwammparenchyra der Laub-
blätter. Das Anquellen der Zellmembranen in Kalilauge ist ein
ziemlich beträchtliches. Der Zellinhalt besteht aus kleinen Proto-
plasmaresten und färbt sich nach Zusatz von Chlorzinkjodlösung
gelb. Auch die Ausbildung dieser Zellschichte difterirt daher
sehr wesentlich von der einfach parenchymatischen Entwicke-
lung derselben bei den übrigen Leguminosen. Nur die Samen-
schale von >l/ü«^i/ns /be^<W« zeigt, wie aus der Schleiden'schen
Abbildung ^ ersichtlich ist, dieselbe Eigenthümlichkeit.
Die zweite, resp. vierte Gewerbsschichte (IV) wird von
dünnwandigen, selbst in Kalilauge nur ganz unbedeutend an-
•quellenden Zellen gebildet, welche tangential sehr stark gedehnt
sind (Fig. 6, IV). Ihr Inhalt besteht aus feinkörnigem Protoplasma.
In dieser Schichte verlaufen auch die zarten Gefässbündel des
Integumentes.
Die innerste Schichte der Samenschale (V) besteht aus
eigentliümlich verzweigten, dicht unter einander verfilzten Zellen,
deren Form bloss an Tange ntialschnitteu deutlich hervortritt.
(Fig. 11.) Die Zellen stehen wie beim i;ewöhnlichen Sternparen-
<?hym durcli Zweigfortsätze mit einander in \'erbindung, doch
1 Über das Albumeu etc. Tab. XLV, Fig. 81.
40 Haborhindt.
fällt liier diu reiche und eiitscjiicdeu dicliotomisclie Verästelung
besonders auf. An Querschnitten glaubt man, ein sehr klein-
zelligTs Parenchynig-ewebe vor sich zu haben. (Fig. 6, V.)
Oberhalb der Radicula, in der Gegend der Mikropyle, be-
sitzt die Samenschale eine etwas beträchtlichere Dicke. Die
Pallisadenzellen sind hier bedeutend länger und l)reiter. Die
darunter liegende Prismenschicht — so will ich von nun an die
Schichte 11 nennen — wird gleichfalls von längeren, dabei aber
schmäleren pallisadenähnlichen Zellen gebildet und spaltet sich
stellenweise in zwei Zelllagen. Gegen innen zu schliesst sich an
die Samenschale eine P^ndospermschicht an, welche allerdings
nur schwach entwickelt ist und 2—3 Zelllagen bildet. Sie besteht
aus ziemlicli grossen, etwas verdickten und mit körnigem Proto-
plasma dicht erfüllten Zellen, unter denen sich die nach unten
gelegenen durch ihre tangentiale Streckung auszeichnen. Die
Spitze der Radicula steckt in einer eigenthümlichen Einsackung
der Samenschale, deren Zustandekommen sich ans der haken-
förmig gekiiimmten Form des Knospenkernes leicht erklärt. Die
zwischen der Padicula und den Cotyledoneu betindliche Innen-
wand dieser Tasche besteht aus einem zartN's andigen Parenchym-
gewebe, welches beiderseits vom Endosperm begrenzt wird-
Letzteres kleidet in 4 — 5 Zelllagen die g;inze Innenfläche der
Tasche aus.
Es fehlt also nuch der Samenschale von Phascoiiis das
Endosperm nicht gänzlich, wie Schlei den angibt.Nurbeschränkt
es sich bei P/i. vuhjaris auf jene Stelle, wo seine Ausbildung
auch dann, wenn die ganze Samenschale eine Endospermschicht
aufweist, eine bedeutend mächtigere ist.
Das Hilum stellt eine ovale Einbuchtung der Samenschale
dar, in welcher am reifen Samen der Rest des Trennungsgewebes
sich vorfindet. Am Grunde dieser Einbuchtung zeigt sich eine
doppelte Lage von Pallisadenzellen. Die eine bildet die unmittel-
bare Fortsetzung der epidermoidalen Sclncht der Samenschale,
die andere gehört dem Trennungsgewebe an. Die Zellen sind
hier länger und schmäler als die übrigen Pallisadenzellen, ihr
Lumen ist durchaus sehr enge und mit Chlorzinkjodlösung wer-
den sie anfänglich gelb und nur ganz allmälig Idaii gefärbt.
Über dieser Lage folgt eine kleinzellige Schichte und dann ein
üb. (\. Entwickelmig.sKeschiclite etc. bei d. CTattiing- Phaseolus. 41
lockeres Gewebe g-rosser, lang-gestreckter, massig- verdickter
Zellen. An der Samenschale selbst umgibt eine schmale, leisten-
törraige Erhöhung rings die Einbuchtung. Unter der Pallisaden-
schicht treten hier polyedrische, stark verdickte Zellen auf,
welche allmälig in das sehr reichlich und schön entwickelte
Sternparenchym übergehen. Letzteres quillt hier im Wasser viel
stärker an als an der Fläche des Samens, und sind in dasselbe
vereinzelte, grosse^ runde und stark verdickte Zellen eingelagert^
deren Lumina Krystalle führen. Die Prismenschicht differenzirt
sich am Hilum nur undeutlich von den darunter liegenden Zell-
lagen und führt keine Krystalle. In der Mitte der Einbuchtung-
bilden die sich verkürzende Pallisadenzellen eine Spalte , von
welcher eine mit Tüpfelgefässen erfüllte ovale Einsackung in
das darunter liegende Gewebe hinabreicht.
An der dem freien Auge als kleines braunes Doppelwärz-
chen erscheinenden Sa mensch wiele in der Region der Cha-
laza wird die Prismenschicht saramt dem Sternparenchym durch
ein in Wasser sehr stark anquellendes Gewebe radial gestreckter
Zellen ersetzt, deren Wände so stark verdickt sind, dass ihr
Lumen bloss einen beiderseits etwas erweiterten engen Spalt
vorstellt. Die Zellen schliessen dicht aneinander.
Die Träger des Farbstoft'es in den Samenschalen einfach
und bunt gefärbter Varietäten von Ph. vulgaris sind diePallisaden-
schicht und das mit IV bezeichnete Parenchymgewebe. Li er-
sterer treten alle die verschiedenen Farbstoffe auf, welchen der
Same seine äusserlich sichtbare Färbung- verdankt; auch dann,
wenn die Bohnen gesprenkelt sind und zweierlei Farben sich
geltend machen. Der namentlich in heissem Wasser leicht lös-
liche Farbstoff erfüllt gewöhnlich das unten schlauchförmig
erweiterte Lumen der Pallisadenzellen, tingirt aber bisweilen
bei gelben und lichtbraunen Varietäten auch die Zellwandungen.
Mit seltenen Ausnahmen enthält nun das oben erwähnte Paren-
chymgewebe gleichfalls einen Farbstoff. Derselbe ist immer
röthliclibraun und ganz unabhängig von der wechselnden Farbe
der Pallisadenzellen. Wie alle anderen, zeigt auch er mit Eisen-
oxydsalzen die Gerbstoffreaction.
Bevor ich an die Besprechung der Samenschalen noch eini-
ger anderer PA^/seofes-Arten gehe, bemerkeich, dass die einzelnen
42 Ha her lau dt.
Subspec'ies und zahlreiclieu Vanetätcu von Ph. vulgaris eine im
Wesentlichen vollständige Übereinstimmung: im Bau der Testa
zei,i;en. Nur die Breite der einzelnen Scliielitcn (besonders von
111 und V) schwankt oft ziendich bedeutend.
2. Ph. mnltiflorus. L. Der Bau der Samenschale zeigt keine
wesentliche Abweichung von dem bei Ph. vulgaris. Der Prismen-
schicht fehlen manchmal die Krystalle; die an dieselbe angren-
zenden Parenchymzellen sind ziemlich stark verdickt und ent-
halten körniges Protoplasma. Auftailig ist die grosse Breite der
mit braunem Farbstotf gefüllten Schichte IV.
3. Ph.lunatNs.L.(¥\g. 12.) Dieiiiv Ph. vulgaris y\ud multi/lor/(s
so charakteristische Prismenschicht wird hier durch eine Lage
trichterförmiger Zellen vertreten, deren breiteres Ende der Epi-
dermis zugekehrt ist; sie lassen, wie die Säulenzellen anderer
Leguminosengattungen grosse Intercellularräume zwischen sich
frei und stehen häufig durch Seitenfortsätze mit einander in Ver-
bindung. Das Sternparenchym setzt sich bloss aus 1 — 2 Zelllagen
zusammen.
4. Ph. inamoenus. L. Die morphologischen Verhältnisse im
Bau der Testa sind hier ganz dieselben wie bei P/r lunafns] nur
fehlen hier den trichterförmigen Zellen die Seitenfortsätze. Eigen-
thümllch ist, dass der braune Farbstoff nicht nur in den Schichten
I und IV, sondern noch reichlicher in II und V auftritt.
5. Ph. Mungo. L. (Fig. 13.) Statt der Prismenschicht können
hier schon ganz wohl ausgebildete Säulenzellen wahrgenonnnen
werden. Die Intercellularräume sind freilicii noch nicht sehr
stark entwickelt, die unverdickten Zelhvandungen selbst in Kali-
lauge nur schwach quellungsfäliig. Zwei Schichten, das sind III
und V fehlen vollständig. Dafür zeigt sich hier eine, wenn auch
nur schmale Endospermlage.
Des Vergleiches halber untersuchte ich schliesslich auch
den Bau der Samenschale bei den folgenden zwei mit Phasrolus
sehr nahe verwandten Gattungen aus der Gruppe der Eupha-
seoleen,
1. Dolichos monachalis. Brot. (Fig. 14.) Die Samen gleichen
hinsichtlich ihrer Form einer kleinsamigen Varietät der gemeinen
Ackerbohne. Ihre Farbe ist gelblich, das Ililum schwarz um-
randet. Die Pallisadenzellen sind autfallend breit, die untere
üb. d. Eiitwickeliuigsgeschichte etc. bei d. Gattimg- P/iaseolns. 43
Hälfte des Lumens ist sehr stark entwickelt. Ein zartes Netz von
feinen, sehräo: verlaufenden und sich kreuzenden Streifungs-
linien bedeckt gleichsam die ganze an Querschnitten der Testa
sichtbare Fläche der einzelnen Zellen. Die Säulenschicht ist
schmal, von zierlichem Aussehen. Darunter folgen tangential
gestreckte Parenchymlagen in grösserer Anzahl.
2. Lalilcih vulgaris, Savi. Die Samen sind oval, seitlich stark
zusammengedrückt, mit langem, durch das Trennungsgewebe
weiss gefärbtem Hilum. Ihre Farbe ist braun oder schwarz. Die
Pallisadenzellen sind langgestreckt und schmal, die Säulenzellen
regelmässig ausgebildet. Die darauffolgende Schichte zart-
wandiger, tangential gedehnter Parenchymzelleu ist sehr fein
getüpfelt und breit. Schliesslich folgt ein Gewebe, das sich von
der oben beschriebenen Schichte V in Nichts unterscheidet.
Wiederholt ist in neuerer Zeit, w^enn auch nur andeutungs-
weise, darauf hingewiesen worden, dass das Studium des Baues
der Samenschalen nicht bloss das Interesse des Morphologen
wachrufe, sondern auch dem Systematiker sehr werthvoUe
Anhaltspunkte für die Beurtheilung der natürlichen Verwandt-
schaftsverhältnisse der Pflanzen darbieten dürfte. Vielleicht zeigt
sich gerade hier der oft gesuchte Parallelismus im Auftreten von
Merkmalen, die einestheiis rein anatomisch-histologischer Natur
sind und anderentheils bloss auf die äussere Gliederung der
Pflanze Bezug haben.
Wenn man lediglich den Bau der Samenschalen bei den
verschiedenen Arten der Gattung Phaseolus in's Auge fasst, so
könnte man fast meinen, dass die soeben gemachte Annahme an
den in der vorliegenden Abhandlung mitgetheilten Beobachtungen
eine Stütze findet. Die systematische Verwerthbarkeit des Baues
der Samenschale für dieUnterscheidung der einzelnen Species
ist in der That uustreitbar. Sobald man jedoch die Gattung Pha-
seolus den verwandten Gattungen gegenüber abzugrenzen sucht,
und zwar el)en auf Grund des anatomischen Baues der Testa, so
will dies durchaus nicht gelingen.
Die unter der Epidermis der Leguminosentesta befindliche
Zelllage erfährt bei fast allen bis jetzt untersuchten Gattungen
44 lliibcrlaiidt.
eine sehr chnrakTeristisc-lie AiisWilduui;'. Es entstehen die soge-
nannten Säulenzellen. Von einander selbst sehr weit abstehende
Genera beweisen durch sie ihre Zni;"eliöri,ij;keit zu ein- und der-
selben grossen Ordnung- des Pflanzenreiches. Bei der Gattung
F/iascohis zeigt aber jene Zelllage Je nach den verschiedenen
Arten eine dreifach verschiedene Ausbildung. Wir lernten hier
prismen-, trichter- und säulenförmige Zellen kennen. Ein Merk-
mal also, welches sonst nicht einmal durcli weit-
g e h e n d e G a 1 1 u n g s-, j a F a ni i 1 i e n u n t e r s c h i e d e b e rührt
w i r d , vv e c h s e 1 1 p 1 ö t z 1 i e h j e n a c h d e n e i n z e 1 n e n A r t e n.
Wir können noch weiter gehen. Lässt sich überhaupt im Bau
der Samenschale ein Merkmal (oder einComplex von Merkmalen)
auffinden, welclies der Gattung Phti.^co/iis allein zukonnnt und
dabei auch selbstverständlich für jede einzelne Species Geltung
hat? Die Schichten I, II und IV fallen bei Beantwortung dieser
Frage ausser Betracht ; II aus dem soeben auseinandergesetzten
Grunde, I und IV, weil sie die ganze Ordnung aufweist. Bleiben
noch Ilt und V^, das Sternparenchym und das Filzgewebe. Erste-
res fehlt zwar den mit Phuseolus zunächstverwandten Gattungen,
kommt aber bei Anagijrk vor. Letzteres wieder ist zwar nur
noch dem mit Phdseolus nahe verwandten Genus Labluh eigen-
thümiich, fehlt aber, sowie auch die Schichte III, der Species
Ph. Miimjo.
Es zeigt sich daher:
1. Dass der Bau der Samenschale zwischen den einzelnen
Arten der Gattung PAa.seo//<,s' weit grössere Verschiedenheiten auf-
weist, als solche zwischen zahlreichen Gattungen der ganzen
Ordnung vorkonnnen.
2. Dass trotz des charakteristischen Baues der Samen-
schalen bei der Mehrzahl der Species von Phaseolus ein für die
ganze Gattung giltiges und dieselbe kennzeichnendes Merkmal,
oder ein ihr eigenthümlicher Coni})lex \on ^lerkmaleii, doch
nicht vorhanden ist.
Wie wenig in unserem Falle die anatomisch- liistologischen
Eigentliündiclikeiten der Testa mit den die äussere Gliederung
und den allgemeinen Habitus betretenden Merkmalen parallel
laufen, ergibt sich auch aus dem Vergleich der Samenschalen
von Dolichos und LdhJuh. Die Samen der ersteren Gattung,
üb. d. Entwieki'lungsgeschichte etc. bei d. Gattung Phasculus. -to
welche deueu von Pluiscoliis so ähnlicb sehen, erinnern im B;ui
ihrer Tesla durch gar Nichts au diese Übereinstimmung. Die
Samen von Lahlah dagegen, welche mit Pliaseolus-Samen nicht
die geringste äussere Ähnlichkeit haben, weisen nichtsdesto-
weniger die charakteristische Schichte V auf.
Es lässt sich natürlich nicht leugnen, dass bei anderen
Familien die hier besprochenen Verhältnisse sich günstiger ge-
stalten können. Welch' grosse Vorsicht aber stets nothwendig
sein wird, wenn in systematischen Fragen der Bau der Samen-
schale das letzte Wm-t sprechen soll, wird aus dem Mitgetheilten
zur Genüge erhellen.
Die Hauptresultate der Untersuchung lassen sich in folgende
Punkte zusammenfassen :
1. Die Samenschalen der Gattung Phuseohis entstehen aus
dem äusseren Integument der Samenknospe und setzen sich aus
3 — 5 verschieden ausgebildeten Schichten zusammen :
n) Die Epidermis ist, wie bei allen Leguminosen, pallisaden-
förmig entwickelt.
b) Die nächstfolgende Zelllage zeigt je nach den einzelnen
Arten eine dreifach verschiedene Ausbildung; sie kann
nämlich bestehen : a) aus p r i s m e n f ö r m igen Zellen, in
denen sich Krj^stalle von oxalsaurem Kalk befinden
(Ph. vuIfjariH, mnUiflorus) \ ß) aus trichterförmigen Zellen
(Ph. lunatus, Inamoenus) ; 7) aus Säulenzellen (Ph. 3Lini/o).
Die Gattung Phnsenlus stellt sich dadurch in Gegensatz
zu den übrigen bisher untersuchten Gattungen der ganzen
Ordnung, bei denen die prismenförmige Ausbildung der
Zellen niemals vorkommt, und die Säulen- oder trichter-
förmige Ausbildung ein allen Arten der betretenden
Gattung eigenthümliches Merkmal ist,
cj Die dritte Schichte ist mit zahlreichen Intercellularräumen
versehen und besteht aus sternförmigen Parenchymzellen.
Sie fehlt bei Ph. Blungo.
d) Die nächstfolgende Schichte wird von zart wandigen, tan-
gential gestreckten Zellen gebildet; sie enthält die Gefäss-
bündel der Samenschale.
46 Habei-l;in(U.
e) Üic unterste Zellschicht besteht ans kleinen, reichver-
zweigten und sich verfilzenden Zellen. Auch sie fehlt bei
der Mungobohne.
2. Der Farbstoff einfach und bunt gefärbter Varietäten tritt
gewöhnlich in den sub (() und c) angeführten Schichten auf. Die
Pallisadenschichte enthält jenen Farbstoff, dem der Same seine
äusserlich sichtbare Färbung verdankt. Nebenher kommt in der
tangential gedehnten Parenchymschichte ein anderer, stets
brauner Farbstoff vor.
3. Die Samen der Gattung PhaseohiH besitzen ein Endosperm-
gewebe ; Pk. Mungo an der ganzen Innenfläche der Testa, die
anderen Arten bloss als rudimentäre Schichte an den der Mikro-
pyle benachbarten Partien der Samenschale.
Hinsichtlich der Schlussfolgerungen, welche die Verwerth-
barkeit des anatomischen Baues der Samenschale für die Syste-
matik betreffen, verweise ich auf die pag. 12 mitgetheilten Sätze.
TIaberIandt.Eiitwi(MTm*s^esdLuBau(LSameivsc]\aleb.l3iaseolüs.
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Sit2nmösl).d.k.Vkad.(i.W.maÜi.na.turwCiirSXTBa.LAl)tlv.l877.
üb. (1. Entwickehingsgeschichte etc. bei d. Gattung l'haseohis. 47
E r k 1 W r u n g" der A b b i 1 d ii n o- e ii.
Tafel I.
Fig. 1. Samenknospe von Phuseoliis vulgovis^ einige Zeit nacli der Bet'nich-
tung; a äusseres, b inneres Integunient. n Knospenkern, e Embryo-
sack, /■ Kaphe. Vergr. 20.
Fig. 2. Querschnittsansicht der Integumente kurz nach erfolgter Befruch-
tung. Vergr. 440.
Fig. 3. Späteres Entwickelungsstadium der jungen Testa; (Länge der
Samenknospe 2*5 Mm.) I, II, III, IV, V. Die sich bereits differen-
zirenden Schichten des äusseren Integuraentes; b inneres Integu-
ment. Vergr. 280.
Fig. 4. Parenchymzellen an der Raphe in Tlieilung. Vergr. 450.
Fig. 5. Noch späteres Entwickelungsstadium; (Länge der Samenknospe
5 Mm.) Bezeichnung wie bei Fig. 3. Vergr. 280.
Fig. »3. Querschnitt der reifen Testa in Kalilauge erwärmt; I Epidermis,
II Prismenschicht, III Sternparenchyraschicht , IV tangential ge-
streckte Parenchymzellen, V Filzgewebe fvergl. Tafel IL Fig. 11).
Vergr. 280.
Fig. 7. Durch Kochen in Kalilauge isolirte Pallisadeuzellen. Vergr. 560.
Fig. 8. Pallisadeuzellen von oben. Vergr. 500.
Tafel II.
Fig. 9. Prismensehicht von oben. Vergr. 500.
Fig. 10. Sternparenchymzellen von oben. Vergr. ,500.
Fig. 11. Verzweigte Zelle aus Schichte V. Vergr. 120t).
Fig. 12. Samenschale von Ph. lunatus L.\ Behandlung wie oben. IL Lage,
trichterförmiger Zellen. Vergr. 280.
Fig. 13. Samenschale von Ph. MHngo\ II Säulenschicht, p Parenchym-
schichte, e Endosperm. Vergr. 280.
Fig. 14. Samenschale von Dolichos monachalis. Vergr. 280.
SITZUNGSBERICHTE
DER
Kii^ERüCEi ämm m wissiscmf™.
\IATHEMATISCH - NATORWISSOSCHAFTLICHE CLASSE.
LXXV. Band.
ERSTE ABTHEILUNG.
2.
Enthält die Abhandlungeu aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik,
Zoologie, Geologie und Paläontologie.
51
IV. SITZUNG VOM 1. FEBRUAR 1S77
Der Präsident g-ibt Naelii'ielit von dem am 24. .Jänner 1. J.
■erfolgten Ableben des correspondirenden Mitg'liedes Heirn Prof.
Dr. Johann Christian Poggendorff in Berlin.
Sämmtliche Anwesende geben ihr Beileid durch Erheben
von den Sitzen kund.
Die Direction des steiei'm. landschaftliehen Realgymnasiums
in Pettan und der Ausschuss des akademischen Lesevereins
„Cienöfsky in Prag übersenden Danksehreiben für die Bethei-
lung' mit akademischen Publieationen.
Das c. M. Herr Prof. Dr. A. v. Walten hofen in Prag über-
sendet eine Abhandlung: „Über den Peltier'schen Versuch".
Das c. M. Herr Prof. Emil We3^r übersendet eine Abhand-
lung: „Über Paumcurven vierter Ordnung mit einem Doppel-
punkte-'.
Herr Prof. F. Lippich in Prag übersendet eine Abhandlung
betitelt: „Zur Theorie der Elektrodynamik."
Der Secretär legt noch folgende eingesendete Abhandlungen
vor:
1. „Zur Theorie der algebraischen Gleichungen", von Herrn
Dr. B. Igel in Wien.
2. „Neue Methode zur Ableitung der Taylor'schen Reihe-,
von Herrn Jacob Zimels in Brody.
Herr Gundaker Graf Wurmbrand erstattet einen Bericht
über die von der kaiserl. Akademie subventionirte Ausgrabung
eines Knoehenlagers im Löss bei Zeiselberg.
An Druckschriften wurden vorgelegt :
Accademia Gioenia di Scienze naturali di Catania : Atti. Serie
terzn. — Tomo VL Catania, 1.^70 ; 4*^. Serie terza. —
Tomo IX. Catania. 1874; 4".
4 *
52
Accademia delle Scieiize dell' Istituto di Bologna: Memorie.
Herie 3. Tomo III. Fa.scicolo 3—4. Bologna, 1872; 4". —
Serie 3. Tomo IV. Fascicolo 1-4. Bologna, 1873. 4". —
Kendiconto delle Sessioni. Anno accadeniico 1873—74.
Bologna, 1874; 8'\
Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin:
Monatsbericht. September u. October 187G. Berlin, 1876; 8".
— Kaiserlich Leopoldinisch- Carolinisch-Deutsche, der .Natur-
forscher: Leopoldina. — Heft XII, Nr. 23 — 24. December
1876. Dresden, 1876; 4«.
Apotheker- Verein, allgem. österr. : Zeitschrift (nebst An-
zeigen-Blatt), lö. Jahrgang, Nr. 2 & 4. Wien, 1877; 8».
Archiv der Mathematik und Physik. Gegründet von J. A.
Grunert, fortgesetzt von K. Hoppe. LX. Theil, J. Heft.
Leipzig, 1876; 8".
Brüssel, Universität: Schriften aus den Jahren 1865 — 74.
Brüssel ; gr. >!".
Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. Tome
LXXXIV, Nr. 3. Paris, 1877; 4".
Genootschap, Bataviaasch van Künsten en Wetenschappen :
Kavi Oorkonden in Facsimile. Flo. Inleiding en Trans-
scriptie van Dr. A. B. Cohen Stuart. Leiden, 1875; 8**.
— Notulen van de Algemeene en Bestuurs-Vergaderingen.
Deel XIH. — 1875, Nr. 3 en 4. Batavia, 1876; 8». Deel
XIV. 1876; Nr. 1. Batavia, 1876; 8". — Tijdschrift voor
Indische Taal-, Land- en Volkenkunde. Deel XXIII. Afle-
vering 2 & 3. Batavia 's Hage, 1875; 8*^. Aflevering 4.
Batavia 's Hage, 1876; 8".
Gesellschaft, Deutsche <'hemisclie, zu Berlin: Berichte.
IX. Jahrgang, Nr. 19. Berlin, 1877; 8».
Gewerbe-Verein^ n.-ö. : Wochenschrift. XXVIH. Jahrgang,
Nr. 2—4. Wien, 1877; 4».
Ingenieur- und Architekten- Verein, österr.: Wochenschrift.
II. Jahrgang, Nr. 3 & 4. Wien, 1877; 4^
M i 1 1 h e i 1 u n g e n aus J. Perthes" geographischer Anstalt.
XXII. Band, 1876. 1'2. Heft. Gotha; 4". — Ergänzungsheft
Nr. 49, Gotha; 4".
53
Museum of Comparative Zoölogy at Harvard College, Cam-
bridge: Memoirs. Vol. IV. Nr. 10. The American Bisons,
living and extinet. By J. A. Allen. Cambridge,! 876; 4",
Nature. Nrs. 377 & 378, Vol. XV. London, 1877; 4«.
„Revue politique et litteraire" et „Revue scientifique de la
France et de l'Etranger-'. VP Annee, 2' Serie. Nr. 30 & 31.
Paris, 1877; 4^
Societas Scientiarum Feunica: Acta. Tomus X. Helsingfors,
1875; 4».
Societe des Sciences de Finlande: Observations meteorologi-
ques. Annee 1873. Helsingfors, 1875; 8^ — Bidrag tili
Känuedom af Finlands Natur och Folk. 24 Hättet. Helsing-
fors, 1875; 8^. — Öfversigt af Finska V^etenskaps — Socie-
tetens Förhandlingar. XVH. 1874 — 1875. Helsingfors,
1875; S'\
V e r e i n , naturwissenschaftlicher von Neu - Vorpommern und
Rügen: Mittheilungen. MII. Jahrgang; mit 1 Lichtdruck-
Tafel. Berlin, 187(3; 8".
Wiener Medizin. Wochenschrift. XXVII. Jahrgang. Nr. 3 & 4.
Wien, 1877: 4o.
54
V. SITZUNG VOM 8. FEBRUAR 1877.
Das c. M. HeiT Prof. Stricker iiberseiitlet eine Abhand-
lung: „Über die collaterale Innervation".
Der Secretär legt folgende eingesendete Abhandlungen vor :
1. J.Beiträge zur Kenntniss des Chloralhydrats", von Herrn
Dr. C. 0. Cech, Privatdocent an der Universität zu Berlin.
2. „Versuche über Verdampfung", von Herrn Dr. Georg
B a u m g a r tn er in Wien.
Das \v. M. Herr Prof. J. Loschniidt legt die dritte Ab-
theilung seiner Abhandlung vor: „Über den Zustand des Wärme-
gleichgewichtes eines Systems von Körpern mit Rücksicht auf
die Seh werk) aft".
Herr Privatdocent Dr. Franz Exner legt eine Abhandlung
vor: „Über die Diffusion der Dämpfe durch Flüssigkeits-
lamellen''.
An Druckschriften wurden vorgelegt:
A c a d e ni i e Royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts
de Belgique: Bulletin, 45* Annee, 2^ Serie, tome 42. Nr. 11.
Bruxelles, 1876; 8". — Programme de C'oncours pour 1878.
Bruxelles, 1876; 4«.
American Chemist. ^'o]. VH, Nr. 4. Whole Nr. 76. New York
1876; 4".
Astronomische Nachrichten. Nr. 2110—2116. Band 89, 1 — 4.
Kiel, 1877; 40.
Bibliotheque Universelle et Revue Suisse: Archives des
Sciences physiques et naturelles. N. P. Tome LVII. Nr. 228.
Geneve, Lausanne, Paris, J876; 8".
Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences. Tome
LXXXIV, Nr. 4. Paris, 1877; 4».
Gesellschaft, k. k. geographische, in Wien: ^littheilungen.
Band XIX (neuer Folge IX), Nr. 12. Wien, 1876; 8".
G e s e 1 1 s e li a f t , geographische in Bremeu : St;it',<teii. Bremen,
1876; 12".
— für Salzbnrg-er Landeskunde : Mittlieilungen. XVI. Vereins-
jahr 1876. 2. Heft. Salzburg; gr. 8".
— österr., für Meteorologie : Zeitschrift. XII. Band, Nr. 2 & o.
Wien, 1876; 4».
— Berliner medieinische : Verhandlungen aus dem Gesellschafts-
jahre 1875/76. Band VII. Berlin, 1876; 8".
— Astronomische, zu Leipzig: Vierteljahresschrift. 1 1. Jain-gaug,
4. Heft. Leipzig-, 1876; 8».
Gewerbe- Verein, n.-ö.: Wochenschrift. XXVIII. Jahrgang,
Nr. 5. Wien, 1877; 4".
Ingenieur- und Architekten - Verein, österr.: Zeitschrift.
XXIX. Jahrgang, 1. Heft. Wien, 1877; 4".
Institute, Anthropological , of Great-Britain and Ireland:
Journal. Vol. VL Nr. ], July 1876. London, 1876; 8".
Journal für praktische Chemie, von H. Kolbe. N. F. Bd XIV.
9. & lU. Heft 1876. Nr. 19, 20. Leipzig, 1876; 8^.
]M 0 n i t e u r scientitique du I )""' Q u e s n e v i 1 1 e : Journal mensuel.
21' Annee, 3' Serie. TomeVII. 422' Livraison. Fevrier 1877.
Paris; 4".
Nature. Nr. 379. Vol. XV. London, 1877; 4".
Nuovo Cimento, Giornale di Fisica, fisica matematica chimica
e storia naturale. Serie 2\ Tomo XVI. Settembre e Ottobre.
Pisa, 1876; 8".
„Revue [tolitique et litteraire'' et „Eevue scientitique de la
France et de l'Etranger^'. VF Annee, 2" Serie, Nr. 32. Paris
1877; 4".
Societe Botanique de France: Bulletin. Tome XXIII. 1876
Comptes rendiis des seances. 3. Paris; 8".
— des Ingenieurs civils: Mömoires et Compte reudu des tra-
vaux. September et Octobre 1876. 3' Serie, 29' Annee.
5' Cahier. Paris, 1876; 8».
— Geologique de France: Bulletin. HI' Serie. Tome IV. 1876.
Nr. 6 & 7. Feuilles 24—30. Paris, 1875—76; 8». IIP S6rie.
Tome V. 1877. Nr. 1. Feuilles 1—3. Paris, 1876 ä 1877; 8«.
56
Societt' Liiiiiconiie de Lyon: Aiinales. Aimee 1<S74 (N.S.) Tome
XXI. Lyon, Paris, J875; s*'. _ Annee 1S75 (N. 8.) Tome
XXIL Lyon, Paris, 1876; 8".
— Matlieniatique de France: Bulletin. Tome IV. — Juin. Kr. 6.
Paris. 1876; 8".
Society, the Linnean of London: The Journal. Botauy. Vol. XV.
Nrs. 81—84. London, 1875—76; 8^ Zoology. Vol. XII.
Nrs. 60—63. London, 1876; 8". — Proceedings of the
»Session 1874—75. — President's address and obituary
notices. London, ]875; 8". — The Trausactions. Secoud
Series. — Zoolog-y. Volume I. Part the second and third.
London, 1875 — 76; 4". — Botany. Volume I. Part the second
and third. London, 1875 — 76; 4". — General Index to the
TransMctions. Vols. XXVI to XXX. London, 1876; 4«^. —
Additions to the Library from June 20, 1874, to June 19.
1875.
— the Royal Astronomical: Monthly Notices. Vol. XXXVII.
Nrs. 1 & 2. November and December 1876. London; 8".
— the Zoolog'ical of London for the year 1876: Proceeding-s
of the scientific Meetings. Parts I— in. London, 1876; 8».—
Trausactions. Vol. IX. — Parts 8 & 9. London, 1876; 4".
Verein für die Deutsche Nordpolarfahrt in Bremen: Forscliungs-
reise nach V\'estsibirien 1876. IX. Bremen, 1876; 12".
— naturliistorischer der preussischen Rheinlande und West-
falens: Verhandlungen. XXXII. Jahrgang. Vierte Folge:
II. Jahrg-ang. Zweite Hälfte. Bonn, 1875; 8". XXXIII. Jahr-
gang-. Vierte Folge: IIL Jahrg-ang. Erste Hälfte. Bonn,
1876; 8".
— naturwissenschaftlicher zu Hamburg: Altona: Abhandlungen
aus dem Gebiete der Naturwissenschaften. Hamburg-, 1876;
4**. — Übersicht der Amter-Vertlieilung und wissenschaft-
lichen Thätigkeit in den Jahren 1873 und 1874; 4",
Wiener Medizin. Woclicnschrift. XXVII, Jahrgang-, Nr. 5.
Wien, 1877: 4«'.
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Oeologisclie üiitcrsuchiuigeii im westlichen Tlieile des Balkan
und in den angrenzenden Gebieten.
2. Barometrische Beobachtungen.
Von Prof. Dr. Franz Toiila.
(Vorgelegt in der Sitzung am 11. Jänner 1877.)
Da ich auf meiner Reise voraussielitlich Geleg-enheit hatte,
Gegenden zu besuchen, wo vorher keine Höhenhestinimungenvor-
genommeu worden waren, so versah ich micli mit zwei Naud et-
schen Aueroiden der grösseren Sorte Nr, 38582 und Nr. 50567.
Auf den Kath des verstorbenen Herrn Directors Jelinek acqui-
rirte ich auch ein Kapeller'sches Heber-Barometer Nr, 3257,
welch' letzteres sich auf das beste bewährte und vollkommen
wohlbehalten wieder nach Wien zurückgebracht wurde, nachdem
es manche Gefahren glücklich überstanden hatte.
Die Correcturen der beiden Aneroide besorgte Herr Prof,
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für Nr. 38582 betrug der Temp. Coetf. C = — U- 150 für 1° Geis,
„ Nr. 505()7 „ „ „ „ ^= -0-129 „ ,. ,.
Ein Sealentheil des erstereu Instrumentes ergab sich mit 0-979'""
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Das Barometer Nr. 1257 wurde in der meteorologischen
Central- Anstalt verglichen unddie Gorrection zu — 0-41 gefunden.
Bei Gebirgstoureu wurde das Heber-Barometer nicht innner
mitgenommen, sondern als Staud-Instrumeut verwendet, mit dem
die Aneroid-Ablesungeu verglichen wurden ; dadurch wurde es
möglich, Correctionen bei den Berechnungen anzubringen, die
aus der Tabelle I zur Vergleichuug des Ganges der drei Instru-
mente entnonnnen wurden. Die Unterschiede der beiden Aneroide
sind während der ganzen Reisedauer unbedeutende, und schwan-
ken zwischen 0- 1 und 1- T".
58 T o u 1 a.
Meine Al)lesiin^<Mi konnte ich leider nur mit den l>eiil»;irh-
tungen in\'idin und ('(»nstantinopel in Vergleicli bringen. InVidin
wurden dieselben von dem k. k. Postassi^tenten Herrn Rudolph
Schnell, auf meine Bitte hin, während der g-anzen Reisedauer
regelmässig um 7ii Früh, 2i' Mittag uml Sh Abends vorgenommen.
In Vidin befindet sieh ein Quecksilber- Barometer (Ky. 1113).
Die Ablesungen des meteorologischen Observatoriums in
Coustantiuopel wurden mir durch die gütige Vermittlung des Herrn
1 >ir. Dr. ('. Jelinek zugänglich und spreche ich Herrn Dir. Coumbary
in Constantinopel meinen verbindlichsten Dank hiefür aus.
Für die nahe bei Vidin gelegenen Orte zog ich nur die
Vidiner Ablesungen in Betracht, auch vernachlässigte ich die
Constantinopler Ablesungen in Fällen autfallender Depression
daselbst gegenüber Vidin, da alle von mir besuchten Orte immer
viel näher der letzteren Stadt gelegen sind. (Dieses gilt für
Xr. 19-23, 42, i56, 73—77).
Der auffallende Unterschied der Barometerstände zwischen
Vidin und Constantinopel ist am 31. August und 1. September
1875 zu verzeichnen. Zu Vidin stieg in dieser Zeit der Barometer-
stand um fast 2""", während in Constantinojjcl gleichzeitig ein Fallen
um 3-8""" verzeichnet ist. Am 1. September Abends 9 Uhr betrug
hier der Barometerstand 757 -5""" und erfuhr eine seiner bedeutend-
sten Depressionen, die nur am 30. SeptemberAbends und aml .Octo-
ber Morgens noch grösser war (757"""). doch sank an diesen Tagen
gleichzeitig auch in Vidin die Quecksilbersäule auf 752-6""°.
Das Fehlen einer meteorologischen Station im Innern des
Landes zur Zeit meiner Reise, ist ein grosser Übelstand. Hätte
eine solche — in Sofia beispielsweise , damals bestanden, so
würde meinen Höhent)erechnungen ein hfdier Grad von Genauig-
keit zuzuschreiben sein.
Die Berechnungen meiner Ablesungen übernahm mein ge-
ehrter Freund und College Herr Professor Walser, dem ich an
dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank ausspreche. Die Be-
rechnungen wurden nach den, von H.Kiefer neu berechneten und
erweiterten J. B. Biot'schen Tafeln ausgeführt.
Wo Ablesungen des Quecksilber-Barometers vorlagen, be-
nützte ich selbstverständlich nur diese zur Höhenbestimnning,
während die gleichzeitigen Aneroid-Ablesungen zur Feststellung
Geolog. Untersnclauig-en im westlichen Theile des Balkan etc. 59
des Corrections-Coefficienten i'iir die daianffolgeiiden alleinigen
Aneroid- Ablesungen benfitzt wurden.
Die Höhe von Vi diu iil)er dem Meere l>ei Constantinopel
ergab sich als Mittel aus 72 Berechnungen mit 34 Meter.
Würde man nur die um Mittag vorgenommenen Beobach-
tungen in Betrachtziehen, so ergäbe sich dieseHöhe mit 40 Meter.
Herr Felix Kanitz gibt die Höhe von Vidin am Landungsplatze
der Dampfschitlfe mit ,,o2(?)" Meter an, während mir im k. k.
railitär-geographischen Institute die Höhe von Vidiii mit 45 Meter-
angegeben wurde. Bei den ausgeführten Höhenberechnungen
brachte ich die Höhe von Vidin mit 34 Meter in Rechnung.
Tergleichiiiig des Gauges der Instrumente.
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SITZUNGSBERICHTE
DEK
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\1ATHEMATISCH- NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.
LXXV. Band.
ERSTE ABT HEILUNG.
3.
I^nthält die Abhandlungen uns dem Gebiete der Mineralogie, Botanik,
Zoologie, Geologie und Paläontologie.
VI. SITZUNG VOM 1. MÄRZ 1877.
Die Directioii des k. k. niilitär geo^Tapliiselieii Institutes
übermittelt 20 Blätter Fortsetzuiig-eu der Speeialkarte der österr.-
ungar. Monarchie.
Der Verein für die Deutsche Nordpolarfahrt in Bremen theilt
mit, dass sich derselbe mit 1. Jänner 1. J. als ,. Geographische
Gesellschaft" daselbst constituirt habe.
Das w. M. Herr Prof. Hering- in Prag übersendet eine für
die Sitzungsberichte bestimmte Abhandlung, betitelt: ,,Grnnd-
züge einer Theorie des Temperatursinns".
Das c. M. Herr Prof. Camill Heller in Innsbruck über-
sendet eine Abhandlung, welche den Titel führt: „Untersuchun-
gen über die Tunicaten des adriatischen- und Mittehneeres".
Das c. M. Herr Prof. Ad. Lieben übersendet eine von ihm
in Gemeinschaft mit Herrn G. Jauecek ausgeführte Arbeit:
„Über normalen Hexylalkohol und normale Onanthylsäure. Die-
selbe schliesst sich an die früheren Arbeiten von Lieben und
Kossi an, die zur Entdeckung des normalen Butyl- und Amyl-
alkohols, der normalen Valerian- und Capronsäure geführt haben.
Das c. M. Herr Prof. Stricker übersendet eine Abhand-
lung: „Untersuchungen über die Ausbreitung der tonischen Ge-
fässnerven-Centren im Rückenmarke des Hundes".
Das c. M. Herr Prof. Hubert Leitgeb in Graz übersendet
eine Abhandlung des Herrn stud. phil. Martin A\'aldner, beti-
telt: „Die Entwicklung des Antheridiums von Anthoceros'-' .
Herr Prof. Dr. V. v. Ebner in Graz übersendet eine Ab-
handlung: ,,Lber Ran vier 's Darstellung- der Knochenstructur
nebst Bemerkiuigeii iil)er die Anwendung- Eines Nicols bei mikro-
skoj)isehen lJnter.snehiini;en'*.
Herr Dr. Leo Lieberniunn , Privatdoeent für medieinische
Clieniic in Innsbruck, übersendet folgende Abhandlungen:
1. „Über Metanitro- und Metamidobenzacetylsäure.-'
2. „Über die fj'nwirkung der Tliierk(»hle auf Salze."
Derselbe übersendet ferner noeh folgende zwei Notizen:
1. ..Lösung von Seliwefe! in Essigsäure'
2. „Nachweis von Fuchsin im Weine."
Herr H. Freiherr Jü])tner v. Jonstorff übersendet zwei
„Notizen über Molecu larunilagerung'en,-'
Der Secretär legt folgende eingesendete Abhandlungen vor:
1. „Beschreibung- einer schwimmenden Rechenschleuse zur
Abwendung von Überfüllung von Schiftfahrtscanälen bei
Gelegenheit desEisstosses und derHoehwässer^', von Herrn
Obersten Murgic in Weissenegg, welcher eine gedruckte
Abhandlung- desselben Verfassers, betitelt: „der Eisstoss
vor Wien, eine hydrophysische Studie zurDonauregulirung-',
beigegeben ist.
2. ,Über die Lösung der Formel a;"'-H//'" = z'"-^, drei Beiträge
von Herrn Moriz Stransky in Wien.
3. „Ansicht über die Entstehung des Zodiakallichtes", von
Herrn Franz Noe, Hilfsämter- Directionsadjunct im k. k.
Landes- Vertheidigungs-Ministeriu in.
4. „Bemerkungen über das Verhalten des Calciumphosphates
gegen die Lösungen des Zuckers"^ von Herrn Franz Kra-
San, k. k. Gymnasiulprofessor in Oilli.
Hen- Stefan T s c h o 1 a G e o r g i e v i c s, Rechnungs - Ofticial
bei der k. k. Smtthalterei in Wien, übersendet eine vorläufige
Mittheilnng zur Wahrung seiner Priorität in Betreff der „Ermitt-
lung der W^erthe eines Kreises auf unmittelbarem Wege".
Das w. M. Herr Prof. Ed. Suess legt eine Abhandlung des
F. Teller, Assistenten an der geologischen Lehrkanzel der
Fniversität, vor, betitelt: „Über neue Budisten aus der böhmi-
schen Kreideformation-' .
Das w. M. Herr Director v. Littrow tlieilt mit. cbiss letzt-
lich fol^^ende telegraphisehe Anzeigen einer Kometenentdeckinig-
eingegangen sind :
Von Paris. ..Comete par Horelly S Fevrier dix sept
treize sud un trente sept. Mouvements i)lus une quarante qnatre
et i)lus trois degres sept brillante ronde noyau".
V o n M a r s e i 1 1 e. ,. Comete B o r e 1 1 y 8 Fevrier ä 15 heitres
41 niinutes 25819 09137 rapide mouvement ronde belle.
8te plian*'.
Von Kopenhagen. ,,Komet Pe c hülc 9. Februar 1645
Kopenhagen. 25909 O88o7 l^)e\vegung wegen Wolken nicht con-
statirt hell. Pechiile-.
Herr Prof. Dr. Franz Toula überreiciit als weitere Mit-
theilnng über seine geologischen Untersncluingen im westlichen
Theile des Balkan eine Abhandlung über die sarmatischen Ab-
lagerungen zwischen Donau und Timok.
Herr Dr. J. Pey ritsch überreicht eine Abhandlung betitelt:
„Untersuchungen über die Aetiologie pelorischer Blüthenbil-
dungen."
Herr Dr. Ernst v. Fle ischl legt eine Abhandlung vor. in
welcher eine neue Methode zum Bestimmen der inneren Wider-
stände galvanischer Ketten beschrieben ist.
Herr Th. Fuchs, Custos am k. k. Hof-Mineralienca])inet,
überreicht folgende vier Abhandlungen:
1. „Die geologische Beschaffenheit der Landenge von Suez.-
2. „Die Pliocänbildungen von Zante und Corfu."
o. „Über die Natur der sarmatischen Stufe und deren Analoga
in der Jetztzeit und in früheren geologischen Epochen.'-
4. „Über die Natur des Flysches.'-
An Druckschritten wurden vorgelegt:
Academia, Real de Ciencias niedicas, fisicas y naturales de la
Habaua. Anales. Entrega 149. Tomo XHI. Diciend)re 15.
Habana, 1S76; 8".
Academie Imperiale des Sciences: Memoires. Tome XXVI.
2"^ partie. Tome XXVII. 1^ & 2" partie. Tome XXVIII.
78
1' partie. St. Petersbourg-, 1876; S^. — Berichterstattung
über die siebzehnte Ziierkenniing; der Uvarov'sehen Preise.
St. Petersbourg', 1875; 8".
American Chemist. Vol. VII, Nr. ö. VVhole Nr. 77. New-York,
1876; 4".
Cotta, Bernhard von: (ileologisches Repertoriiim. Leipzig,
1877; 8".
Comptes rendus des Seauees de l'Academie des Sciences.
Tome LXXXIV. Nr. b, 6 & 7. Paris, 1877; 4o.
Gesellschaft, Deutsche Chemische: Berichte. X. Jahrgang.
Nr. 1 & 2. Berlin, 1877; 8'\
Haeckel, Ernst Dr. Professor: Biologische Studien. Zweites
Heft: Studien zur Gastraea-Theorie. Mit 14 Tafeln. Jena,
]S77; 8".
Ingenieur- u. Architekten -Verein, österr.: Wochenschrift.
Nr. 5—8. Wien, 1877; 4".
Institut, k. k. militär- geographisches in AVien: Übermittlung
von 20 Blättern als Fortsetzung der neuen Specialkarte
Österreich-Ungarns. 1 : 75000.
Istituto Keale Lombardo di Scienze e Lettere: Memorie. Classe
di Lettere e Scienze matematiche et naturali. Vol. XII. —
III della Serie III. Fascicolo VI e ultimo. Milano, 1875; 4*^.
Vol. XIII. — IV della serie III. Fascicolo I. Milano, 1874;
4^'. — Classe di Lettere e Scienze moiali e politiclie. Vol.
XII. — III de la Serie III. Fascicolo IV e ultimo. Milauo,
]875; 4-'. — Vol. XIII. — IV. della serie III. Fascicolo L
Milano, 1874; 4^. — Rendiconti. Serie II. Vol. V. Fascicolo
XVII— XX. (ultimo). Milano, 1872; 8». Serie 2. Vol. VI. -
Fascicolo I. — XX (ultimo). Milano, 1873; 8". — Serie 2.
Vol. Vn. Fascicolo I— XVI. Milano, 1874; 8". — Atti della
Fondazione scientitica Cagnola. Volume VI. Parte I. Anno,
1872. Milano, 1872; 8". — Dal Prof. Santo Garovaglio:
Archivio triennale del Laboratorio di Botanica crittogamica
presse la R. Universitä di Pavia. Milano, 1874; 8**. — Del
Briisone o Carole del Biso. Milano, 1874; 8". Sui Micro-
titi della Ruggine del Grano. Milano, 1874; 8'\ — Notizie
sulla vita e sugii Scritti del Dotl. Carlo Vittadini. Milano,
70
1867; S^. — De Pertusariis Eiiropae niediae Coninientatio.
Mediolani, 1871; 4", — Teiitamen Dispositionis methoclicae
Licheniim in Longobardia nasceutium additis iconibus par-
tium internarum ciijusque speciei. Prolegomena. Mediolani,
1865; 4^ — Sectio IL Ven-ucariae biloculares. Mediolani,
1865; 4". L Genns. Verrucaria. Mediolani, 1865; 4". —
— Sectio III. Verrucariae quadriloculares. Mediolani, 1866;
4'\ — Sectio IV. Verrucariae qninquiplurilocnlares. Medio-
lani, 1868; 4". Thelopsis, Belonia, Weitenwebera et Lim-
boria. IMediolani, 1867 ; 4". Manzonia cantiana. Mediolani,
1866; 4°. Descriziou^ di una nnova specie di Sensitiva
arborea. Milano, 1870; 4". Octona Licliennm g-enera. Medio-
lani, 1868; 4*^. De Lichenibus endocarpeis mediac Europae
H. E. Galliae, Germaniae, Helvetiae nee non totius Italiae.
Commentarius. Mediolani, 1872; 4''.
Jahrbuch, Berliner astronomisches für 1879 mit Ephemeriden
der Planeten Q— lei; für 1877. Berlin, 1877; 8».
— über die Fortschritte der Mathematik. VII. Band. Jahrgang
1875. Heft 1. Berlin, 1877; 8".
Natnre. Nr. 380—382. Vol. XV. London, 1877; 4".
Osservatorio del E. Collegio Carlo Alberto in Moncalieri :
Bullettino meteorologico. Vol. X, Nr. i» & 10. Torino, 1876
& 1877; 4^
ßepertorinm für Experimental-Physik. XIIL Band, 2. Heft.
München, 1877; S^
„Revue politiqne et litteraire" et „Kevue scientifique de la
France et de l'Etranger". VL Annee, 2' Serie. Nr. 33 — 35.
Paris, 1877; 4".
Societe Linneenne de Bordeaux: Actes. Tome XXXI. 4^ Serie.
Tome I; L livraison. Bordeaux, 1876; 8*^.
— Imperiale des Naturalistes de Moscou. Tome XIIL Livrai-
son V. Moscou, 1876; 4".
Society the Royal Asiatic oft Great-Britain & Ireland: The
Journal. N. S. Vol. IX. Part 1. October 1876. London
1876; 8^.
— the Royal Astronomical: Monthly Notices. Vol. XXXVII.
Nr. 3. January, 1877. London, 8".
80
üni^ ersität , Kaiserlich Kasaii'selie: Sitzuii.usberielite und
Denkschriften. Hand XLII. 1875. Kr. 1—6. Kasan, 1875; S''.
Verein, Militär- wissenschaftlicher: Organ. XIII. Band, 4. Heft
1876. Wien, 8". XIV. Band, 1. Heft. 1877. Wien; 8".
— Naturforsclienderin Brunn: Verhandlungen. XIV. Bd. 1875.
Briinn, 1876; 8".
Wiener Medizin. W(.chenschrift. XXVH. Jahrgang, Nr. 6 — 8.
Wien, 1877; 4^
81
Die Entwicklung des Antlieridiums von Anthoceros.
Von M. Waldner.
(Mit 1 Tafel.)
Wohl keine unter <len dermalen zu den Lebermoosen gerech-
neten Formeug-ruppen zeigt so viel Eigenthümliches und Abwei-
chendes, als die Anthoceroten. Erinnern sie einerseits durch die
Ausbildung eines sterilen Gewebestranges in der Kapsel und
durch das Vorhandensein von Spaltöffnungen in derKapselvvaud
an die Laubmoose, so reihen sie sich anderseits wieder durch
die Ausbildung balkenförmiger, allerdings nur Spuren von spira-
liger Verdickung zeigender Zellen (Elateren), und nament-
lich durch die Ausbildung eines vollkommen blattlosen Thallus
den Lebermoosen an, unterscheiden sich aber von diesen wieder
durch das Fehleu einer eigentlichen Kalyptra. Nocli mehr muss
es befremden, die Geschlechtsorgane, die ja bei allen übrigen
Lebermoosen ans oberflächlichen Zellen ihren Ursprung nehmen,
gleich vom Anfange an im Gewebe eingeschlossen zu sehen.
Die ersten L^ntersuchungen dieser, wie so vieler anderer
Kryptogamen verdanken wir Hofmeister. Antheridien und
Archegonien von Anthoceros sind nach ihm endogene Bildungen.
Für letztere lieferte Janczewski den Nachweis, dass sie aus
oberflächlichen Segmentzellen hervorgehen, sich jedoch nicht, wie
jene bei j?«cc/a und Marchantia über den Thallus erheben,
sondern vom Anfange an im umliegenden Gewebe stecken
bleiben. Bezüglich der Antheridien gelten noch heute die später
zu erwähnenden Angaben Hofmeister'Sj nach welchen nicht
blos die Anlage, sondern auch die Entwicklung dieser Organe
in einer von allen übrigen Lebermoosen durchaus verschiedenen
Weise vor sich gehen würden, was a })riori um so unwahrschein-
Sitzb. (1. mathem.-iiaturw. Cl. LXXV. Bd. I. Alith. *5
82 W ;i 1 (1 11 (' r.
lieber erseheint, als die Uiitersueliungen Janczewski's bezüg-
lich der Archeg'onieii denn doch eine gewisse Uebereinstini-
inung- naehg-evviesen haben. Eine Wiederaufnahme der Hof-
ni eister'schen Untcrsiichung-en erschien dalier auch bezüglich
der Antheridien als wünschensvvertli, und es ist Zweck nach-
folgender Zeilen, die von mir erhaltenen IJesultate dem bota-
nischen Publicum niitzutheilen.
Bevor ich jedoch auf dieselben überg-ehe, will ich vorerst
die unter den Lebermoosen bis nun bekannten Entwicklungsty]»en
übersichtlich zusammenfassen :
Bei den Anthoceroten ' hebt sich nahe der Vegetations-
spitze eine Gruppe von beiläufig IG Zellen der obersten Zell-
schichte vom Gewebe unter ihr ab: es entsteht eine linsenför-
mige Lücke, ein Intercellularraum. der, mit wässeriger Flüssig-
keit erfüllt, nach aussen nur von einer einfachen Zellschiclite
bedeckt ist. Nach einigen Längs- und Quertheilungen der
Zellen ihrer Grundfläche wachsen einzelne der so entstandenen
kleineren Zellen papillös in den Intercellularraum hinein und
trennen sich durch eine Querwand von der Tragzelle ab. In der
so entstandenen halbkugeligen Endzelle treten nun, entweder
sogleich, oder nach 1 bis 2 Querwänden, Theilungen durch wech-
selnd geneigte Wände auf. Jede der so entstandenen Zellen
wird durch eine radiale Längswand halbirt, es entsteht ein
kurzer keuliger Gewebecylinder aus vier senkrechten Zellreihen
zusammengesetzt. Eine Zelle des seinem Scheitel zweitnächsten
Doppelpaares von Zellen theilt sich durch eine Wand, die, der
Längsachse des Organes })arallel, mit den Seitenwänden der
Mutterzellen einen Winkel von 45° bildet. Durch zweimalige
Theilung dieser inneren Zelle entsteht in der Spitze der jungen
Antheridie eine Gruppe von vier inneren tetraedrischen Zellen,
die von vier tafelförmigen Zellen umhüllt wird. Diese äusseren
Zellen theilen sich fortan nur durch auf die Aussenfläche senk-
rechte Wände ; es vermehrt sich wohl die Zahl der Zellen, aber
sie stellen stets eine einfache Zellschichte dar, die den Zellkörper
umhüllt, der aus der andauernden Vermehrung der vier inneren
Zellen nach allen drei Richtungen des Raumes hervorgeht. Auf
i Ho fni IM fit er, verg-leiche Ciitersiicliuni^en etc. pag'. 4.
Die Entwickhing- des Anthendiiims von Anthoccros. 83
seiner letzten Entwicklungsstufe besteht der kugelige Antlieri-
diumkörper aus kleinen, fast tafelförmig-en Zellen, den Mutter-
zellen der Spermatözoiden. Die den Hohlraum nach aussen
abschliessende Deckschichte zerreisst unregehiiässig, die Zellen
der Antheridienwanduug- weichen an der Spitze auseinander,
die Samenbläschen gelang-en in die umgebende Flüssigkeit, in
der die Spermatözoiden, die nach Auflösung der Membran der
Bläschen frei geworden, langsam sich herumbewegen.
Aus dieser Darstellung ergibt sich, dass Hofmeister die
Bildung des Intercellularraunies als das primäre annimmt, und
weiters, dass nach seiner Ansicht das erst später entstehende
Antheridium ein länger dauerndes Scheitelwachsthum mit zwei-
schneidiger Scheitelzelle besitzt, und dass der endlich mit
Samenbläschen erfüllte lunenraum des Antheridienkörpers aus
einer Zelle (Inuenzelle eines Segmentes) hervorgeht.
Das erste Stadium der Antheridie von Riecht^ ist eine
junge Aussenzelle, die, vorher in nichts von ihren Nachbarzellen
unterschieden, vorerst alle weiteren Theiluugen einstellt, sich
dafür um das Mehrfache vergrössert und eine deutlich ovale
Form annimmt. Die ersten Theiluugen erfolgen stets durch
Wände, die auf der Längsachse senkrecht, mit der freien Ober-
seite des Laubes parallel verlaufen. Es zerfällt dadurch die
Antheridien-Mutterzelle in 4 bis 6 übereinander liegende Cylinder-
segmente, in welchen die Weiterentwicklung ziemlich gleich-
zeitig beginnt. ''■
Wahrscheinlich zerfällt dann jedes Segment zuerst in zwei
symmetrische Hälften und jede der letzteren wieder in zwei
gleiche Hälften, die vier Theilzellen würden dann nach Art von
Kreisquadranten gruppirt sein. Von der weiteren Entwicklung
ist nur so viel gewiss, dass horizontale und verticale Scheide-
wände abwechselnd auftreten, und dass die äusserste, periphe-
1 Kay, „Über Eutwicklung der Riccien", Pringsheim's Jahrb. f. w.
Bot. V. pag-. 377.
3 Auffällig' ist, dass hier eine Abtrennung der papillösen Vorwölbung
von der Tragzelle durch eine Querwand, wie wir sie überall finden, nicht
erfolgt, vielmehr die ganze pjipillös ausgewachsene Zelle, ohne einen Stiel
zu bilden, zui- Bildung des Antheridienkörpers verwendet wird.
G*
84 Wal (In er.
rische Zellschichte in Raschheit der Tlieiliingen hinter dem
inneren Kern entschieden zurückbleibt ; es bildet sich so eine
allseitig geschlossene Hülle, welche sowohl durch Grösse und
Form der Zellen als auch durch ihren weniger protoplasmareichen
Inhalt vom umschlossenen Körper absticht. Zur Zeit der Reife
stellt die Antheridie ein ovales oder birnförmiges Agglomerat
von tesseralen Zellen dar, deren noch deutlich erkennbare An-
ordnung auf ihre Entstehung in gemeinschaftlichen, horizontal
gestreckten Mutterzellen einen Rückschluss erlaubt. Jede dieser
tesseralen Zellen wird zur Mutterzelle eines Spermatozoids.
Grosse üebereinstimniung mit den Riccien zeigt die Anthe-
ridienentwicklung von Marchantia, die zuerst von Hofmeister
und zuletzt von Strasburger* studirt wurde, deren Verlauf
folgender ist: Einzelne Zellen der Oberseite, am Rande der noch
im Wachsthume begriffenen Antheridienscheibe, wölben sich
nach aussen, bald wird ihr freier Aussentheil von dem ursprüng-
lichen Zellraume durch eine Querwand abgetrennt und rundet
sich ab. Nachdem er zunächst an Grösse noch zugenommen,
theilt er sich durch eine Querwand parallel zur Scheibenfläche
in einen oberen grösseren und einen unteren kleineren Theil. Der
untere wird zum Stiele, der obere zum Antheridienkörper. Dieser
obere Theil entwickelt sich nun weiter, bald sieht man eine neue
Quertheilung in demselben erfolgen und über dieser alsbald
eine zweite nnd dritte. Hiemit ist das Scheitelwachsthum der
jungen Antheridie für die meisten Fälle abgeschlossen, sie
besteht aus der Stielzelle und drei übereinander liegenden An-
theridienzellen.
In der untersten dieser Antheridienzellen, und alsbald auch
in den beiden höheren, sieht man nun je zwei Längstheilungen
erfolgen durch Scheidewände, welche sich unter rechten Winkeln
schneiden nnd zunächst also diese unterste Antheridienzelle in
vier nach Art von Kreisquadranten gruppirte Theile zerlegen.
Jeder dieser vier Theile zerfällt dann weiter durch je eine der
Aussenfläche des Antheridiums parallele Wand in einen äusseren
1 Strasburger, „Die Geschlechtsorgane und die Befruchtung
i)ei Mnriliantia polymorpha'^, Pringsheims Jahrb. f. w. Bot. VII. pag. 409.
Die Enfwickliiny des Antheridlums von Anlhoccros. 85
und einen inneren Tlieil, d. h. in je eine Wandzelle und je eine
Lirmutterzelle für die Spermatozoiden.
Die weitere Entwicklung' der Wandschiclite sowohl, wie des
Antheridienkörpers erfolgt mit grosser Kegelmässigkeit : Durch
radiale Längswände verdoppelt sich die Zahl der Zellen in der
Wandschichte, ebenso vervielfacht sich die Zahl der lunenzellen
durch Auftreten von Querwänden und abermaliger Theilung-
über's Kreuz in jeder der so entstandenen neuen Zellen; auch
in der Stielzelle, die sich vorerst über's Kreuz g-etheilt, treten
zwei bis drei Quertheilungen auf.
Im fertigen Zustande besteht sodann das Antheridium ans
einem von zwei bis drei Etagen von je vier übereinander liegenden
Zellen gebildeten Stiele, einer einzelligen Hüllschichte und dem
von dieser umschlossenen, kugeligen, aus kubischen Zellchen
bestehenden Antheridienkörper.
Auch bei den frondosen wie foliosen I u n g e r m a n n i e e n ^
gehen die Antheridien aus Oberflächenzellen hervor, ihre Aus-
bildung erfolgt im Wesentlichen gleich:
Die durch das Auswachsen der Antheridien - Mutterzelle
keulige Papille wird durch eine Querwand von der Tragzelle
getrennt und differenzirt sich nun durch eine abermalige Quer-
theilung in eine niedere scheibenförmige Stielzelle und eine
nahezu kugelförmige Endzelle. Aus jener geht durch Wieder-
holung der Qnertlieilung der Stiel, aus dieser der Körper des
Antheridiums hervor. Die Zahl der Quertheilungen in der Stiel -
zelle ist nach der Art verschieden, zeigt aber auch bei derselben
Art nicht unbedeutende Schwankungen. Selten besteht der Stiel
nur aus einer Zellreihe, in der Regel sind deren zwei vorhanden.
Die oberste Stiel/.elle, welche unmittelbar an den Körper des
Antheridiums grenzt, wird nach dieser Seite hin weiter und ist
hnmer quadrantisch getheill. Die kugelige Endzelle zerfällt
zuerst durch eine Längswand in zwei nahezu gleiche Hälften,
deren jede nun in vollkonunen gleicher Weise sich ausbildet.
Eine Längswand, die sich in einiger Entfernung vom Scheitel-
punkte und unter circa 45° an die erste Theilungswand ansetzt.
1 Leitgeb, ,.Untersuchnng-eu über die Lebermoose", Heft II.
86 WaldiuT.
trifll"! scitlicli die Oberfläclie der liiilbkugeligen Zelle in der Mitte
ihrer Queransdehinin^. Es sind so zwei Zellen entstanden von
gleicher Höhe und gleicher peripherischer Ausdehnung, aber
A'erscliiedener rndialer Tiefe. Die grössere derselben, die sich
nach innen keilig znschärt't, zert'jillt zunächst in zwei Zellen,
indem eine Wand, welche die beiden ersten Wände unter
gleichen Winkebi, die Aussenwand aber in der Mitte ihrer Höhe
triift, eine trichterförmige bis an die oberste .Stielzelle reichende
axile Zelle herausschneidet, die durch eine ihrer freien Aussen-
fläche parallel verlaufende Wand in eine Deckelzelle und eine
innere Zelle zerlegt wird. Ganz derselbe Theilungsvorgang findet
auch in der anderen halbkugeligen Zelle statt, doch so, dass bei
der Aufeinanderfolge der zweiten und dritten Theilungswand
dieselbe llnigangsrichtung wie in der ersten Hälfte eingehalten
wird. Es besteht jetzt der Körper des Antheridiums aus zwei
inneren (centralen) Zellen, welche von sechs Miillzellen (vier seit-
lichen und 2 Deckzellen) umschlossen sind, die gegen den
Antheridiumstiel hin aber unmittelbar an die oberste »Stielzelle
angrenzen. Aus den beiden Innenzellen gehen nun durch weitere
senkrecht zueinander verlaufende Theilungen endlich die
anfangs kubischen Mutterzellen der Spermatozoiden hervor.
Abweichungen von dieser normalen Entwickhing konnnen da-
durch zu Stande, dass hie und da die zuerst eintretende Hal-
birnng der Zelle unterbleiben kann, so dass gewissermassen
nur eine Hälfte und so nur eine Innenzelle ausgebildet wird,
oder dass nach Bildung der beiden Hälften und Auftreten der
„zweiten Theilungswand", schon nach Bildung der ersten Hiill-
zelle, sogleich die Bildung der Innenzelle erlolgt; es erfährt
aber die spätere Gruppirung der Zellen durch diese Moditication
kaum eine merkliche Veränderung. Eine andere Abweichung
(ScupduinJ besteht darin, dass in der kugeligen Endzelle Qua-
drantentheilung eintritt, worauf dann in jeder der vier (juadran-
tischen Zellen die Sonderung in Innen- und Aussenzellen
erfolgt.
Es ist dies keine so wesentliche Abweichung, und besteht
der LInterschied nur darin, dass in dem einen Falle die vier
Quadranten gleiche radiale Tiefe haben und sich in Folge dessen
gleich ausbilden, während in dem anderen Falle die Bildung
Die Entwicklung des Antheridium« von Authoce) os. ol
von Iimeiizelleii in den beiden Quadranten in Folge ilirev i;eringen
radialen Tiefe unterbleibt.'
Angeregt durch meinen hochverehrten Lehrer, Herrn Prof.
Dr. Leitgeb, unterzog ich die seit Hofmeister nicht mehr
studirten Antheridien von Anthoceros einer möglichst genauen
Untersuchung und stellte mir zunächst die Aufgabe, den Bau
der fertigen Antheridie kennen zu lernen, sodann nach succes-
sive jüngeren Entwicklungsstadien zu suchen, um an ihnen den
Entwicklungsgang zn erforschen. Als Materiale hiezu benützte
ich sowohl unsere einheimischen Arten: A. laecis und punctittus,
als auch eine vom Herrn Prof. Leitgeb mir freundlichst zur
Verfügung gestellte neuseeländische Species.
Betrachtet man die Oberseite desThallns bei durchfallendem
Lichte, so gewählt man im Inneren desselben schon bei Loupen-
vergrösserung bräunliche, kugelige Körper. An älteren Thallus-
theilen zeigen sich an jenen .'^teilen Löcher, welche zu den er-
wähnten Körpern iühren. Am Längsschnitte gesehen, erkennt
man jene Gebilde sofort als Antheridien, die, in einem Hohlräume
des Thallus stehend, ringsum von Gewebe eingeschlossen sind.
Zumeist tindet sich in jedem Hohlraum )iur ein einziges Antlieri-
dium, seltener zwei, dann aber ist fast immer das eine zu Gunsten
des anderen mehr oder weniger verkümmert. Ihre Lage ist immer
eine ganz bestimmte: Gegen die Vegetationsspitze hin geneigt,
grenzen sie nach innen an langgestrecktere Zellen an, nach
aussen überdecken stets zwei Zellschichten den Hohlraum.
Das Antheridium selbst ist ein kugeliger Köri)er auf
kürzerem oder längerem Stiele. Der Stiel besteht aus zwei oder
mehreren Stockwerken von je vier (juadrantisch geordneten
Zellen, nur das unmittelbar an den Antlieridienkörper angren-
zende Stockwerk erweitert sich gegen denselben und besteht
ans acht Zellen. Im reifen Zustande des Antheridiums ist man
oft kaum mehr im Stande den Stiel zu erkennen, da er durch
den stark entwickelten Antlieridienkörper zusammengedrückt
wird, daher das Antheridium sitzend erscheint. Der Kin-per des
Antheridiums, der aus lauter kleinen kubischen Zellchen, den
Mutterzellen der Spermatozoiden besteht, ist von einer einzigen,
aber deutlich erkennbaren Zellsehichte als Hülle umgeben, deren
Zellen durch braun gefärbten Inhalt ausaezeichnet sind. Schon
88 Wal d n e r.
vor der völligen Keife des Aiitberidiuuis werden die zwei den
Hohlraum nach aussen überdeckenden Zellschicliten unregel-
niässig zerrissen ; es entstehen dadurch jene Löcher, die man
schon bei geringer Vergrösserung an der Oberseite des Laubes
bemerkt und durch welche die freigewordenen Spermatozoid-
Mutterzellcn nach aussen gelangen.
Das Jüngste Entwickluugsstadium, das mit Bestimmtheit
als Antheridiumanlage zu erkennen war, ist eine durch Form
und Grösse ausgezeichnete, keulige Zelle eines rückenständigen
Segmentes, in der Nähe des fortwachsenden Scheitels. Mit den
Zellen des umliegenden Gewel)es durchaus in Verbindung, wird
sie nach aussen hin von zwei Zellschichten bedeckt, die nach-
weisbar durch Spaltung einer Zellschichte entstehen (Fig. I
und II). Zum Verständnisse des eben Gesagten muss ich erwähnen,
dass das Spitzenwachsthum der Anthoceroteen durch mehrere
am Scheitel des »Sprosses gelegene Zellen vor sich geht, von
denen jede, ohne Rücksicht auf ihre morphologische Werthigkeit,
abwechselnd nach der Rücken- und Bauchseite gelegene Seg-
mente abschneidet und durch auf der Laubfläche senkrechte
Wände in zwei nebeneinander liegende Randzellen zerfällt.^
An einem durch den Scheitel geführten Längsschnitte sieht
man daher die rücken- und bauchständigen Segmente zickzack-
förmig ineinandergreifen, und es lässt sich auch etwas entfernter
vom Scheitel, trotz der schon erfolgten weiteren Theilungen, der
Umriss eines Segmentes häufig noch deutlich erkennen (Fig. I,
die stärker gehaltenenen Wände).
Solche Antheridienanlagen, deren ich viele gesehen,
zeigten immer dieselbe, ganz bestinnnte Lage zu den umliegenden
Zellen: Sowie das fertige Antheridium grenzen sie nach innen
immer an langgestrecktere Zellen an (Fig. I und II) und sind
nach aussen stets von zwei Zellschichten bedeckt, die (wie aus
Fig. I bis III zu ersehen) durch Spaltung einer Zellschichte
entstanden sind. Diese Umstände drängen zur Annahme, dass
1 Es ist dies also derselbe Wachsthuiustypus, der auch den Mar-
chautiaceen, der Peltia cahirina, der Blasia zukommt und den Kny als
den der Scheitelkante bezeichnet. Eine der Zellen als Scheitelzelle zu
bezeichnen, wie es auch hier vielleicht richtiger wäre, ist für die folgende
Darstellung überflüssig.
Die Entwicklung- des Antheridiums von Anthocevos. 89
die Theilung'en im Segmente, denen die junge Antheridien-
nmtterzelle ihre Entstehung- verdankt, stets dieselben sind und
in ganz bestimmter Weise erfolgen müssen. Trotz vieler Mühe
gelang es mir nicht, diese Zellentheilungsfolge zu ermitteln, da
ich wegen der Gleichartigkeit der Zellen in noch jüngeren Seg-
meuten nicht im Stande war, die Antheridiummutterzelle zu
erkennen. Au Alkoholobjecten, wo der Inhalt der Zellen zu sehr
verändert ist, wird dies überhaupt kaum möglich sein.
Am frischen Materiale, wovon mir leider zu wenig Brauch-
bares zu Gebote stand, dürfte der Inhalt der zur Antheridien-
Mutterzelle werdenden Zelle des Segmentes einen sicheren
Anhaltspunkt für ihre Erkennung bieten.
Man tibersieht sogar ein obengenanntes Stadium (Fig. I)
leicht oder trägt wenigstens Bedenken, es als Antheridium-
anlage zu deuten, wenn nicht in dessen Nähe (Fig. II) ein
weiter entwickeltes vorhanden ist, das jeden Zweifel durch
Vergleich beseitigt.
Die junge Antheridienmutterzelle vergrössert sich nun vor-
erst, den umgebenden Zellen innig anliegend, und theilt sich
durch eine Längswand in zwei gleiche Hälften. Jede dieser
Hälften zerfällt nun durch eine auf die erste Wand senkrechte
in zwei gleiche Theile. Das Antheridium besteht jetzt aus vier
Zellen von gleicher Höhe und radialer Tiefe, nach Art von
Cylinderquadranten gruppirt.
In jeder dieser Zellen tritt nun ungefähr in halber Höhe
eine Querwand auf und es zerfällt so die junge Antheridie in
zwei übereinander liegende Stockwerke, die als das apicale und
basilare unterschieden werden können. Im letzteren wird nun
in der Regel durch eine abermalige Quertheilung eine niedere
Querscheibe abgeschnitten (Fig. III, t) und es folgt nun im
apicalen Stockwerke die Ditferenzirung von Innen- und Aussen-
zellen, die dann auch in der niederen Querscheibe vor sich geht;
oder es unterbleibt vorerst die Bildung der letzteren und es be-
ginnt schon unmittelbar nach dem Auftreten der ersten Quer-
theilung (also vor der Anlage der niederen mittleren Querscheibe)
im apicalen Stockwerke die oben erwähnte Ditferenzirung von
Wand- und Innenzellen, durch das Auftreten von zur freien
Oberfläche parallelen Wänden (Fig. IV, i). -:-r;^>^
IHJ W ii ] (1 n V Y.
Auch in (lern li;iiilii;eren Falle, als, wie oben erwähnt,
der ersten Quertheilimn' sehr rasch eine zweite folgt und somit
eine niedere mittlere Qiicrscheibe gebildet wird, werden in den
vier am Scheitel gelegenen Zellen durch denselben Theilungs-
vorgang Innen- und Aussenzellen gebildet (Fig. V a, i i). Von
oben gesehen (Fig. V b) erscheinen die ersten Längswände
über's Kreuz gestellt, der innere, kleinere Kreis entspricht dem
optischen Durchschnitte der die Inncnzelleu abschneidenden
Wände [i /).
]\[it dem Auftreten der ersten Theilungcn beginnt sich das
junge Antheridium von der Verbindung mit den Nachbarzellen
loszutrennen (Fig. Ell und IV); es entsteht ein anfangs kaum
erkennbarer, sich aber immer mehr vergrössernder Hohlraum
im Thallusgewebe, in welchen das Antheridium nurmehr durch
die vier Zellen des untersten Stielstockwerkes mit dem Gewebe
in Verbindung frei hineinragt.
An dieser Stelle möchte ich auch einer abnormen Bildung
Erwähnung thun, die ich ein paar jMnle fand. Im Gewebe des
Thallus zeigte sich ein Gomplex von lauter kleinen kubischen
Zellchen ganz derselben Form wie im reifen Antheridiumkörper,
der, ohne von einer wahrnehmbaren Wandschicht umschlossen
zu sein, direct dem nmgebenden Gewebe angrenzte. Offenbar
haben wir es mit einem abnorm entwickelten Antheridium zu
thun. Einmal fand ich die diesen Zellcomplex nach aussen
abschliessenden, hier dreischichtigen, Deckschichten bereits
unregelmässig zerrissen; es war eine Aiistrittsöfifnung gebildet
ganz so wie über normal entwickelten Antheridien. Ob in diesen
Fällen, die lebhaft an die fertigen, durch nachträglich starkes
Wachsthum der umgebenden Zellen ins Gewebe versenkten
Antheridien von Riccin erinnern, eine Trennung der jungen
Antheridie vom nndiegenden Gewebe überhaupt niemals statt-
gefunden, oder ob der vielleicht anfänglich vorhanden gewesene
Hohlraum durch starke Entwicklung des Antheridienkörpers
später so vollständig ausgefüllt wurde, dass eine eigene Anthe-
ridicnwandung nicht mehr zu erkennen war, oder ob, wie es
immerhin möglich wäre, eine solche übei'haupt gar nicht ange-
legt wurde, wage ich nicht zu entscheiden, da Jugendzustände
dieser abnormen Bildung nicht aufzufinden waren.
Die EntwicklmiK des Antheridiunis von Anthoceros. 91
Verfolg:eii wir mm wieder das Antheridinni in seiner Weiter-
entwicklung- nach der in seinem Scheitel erfolgten Ditferenziriing^
von Aussen- und Innenzellen: Durcli QuerAvände die in basi-
petaler Folge auftreten, wird der untere Theil des Antheridiunis
(Fig. IV und V, w) in mehrere übereinander liegende Stockwerke
von je vier quadrantisch g:eordneten Zellen getheilt (Fig. II)-
Nun folgt in dem unmittelbar den Scheitelzellen grnndwärts
anliegenden Stockwerke (der niederen tafelförmigen Zelle
(Fig. III, t). zumeist auch im nächst tieferen, die Sonderung
in Innen- undAussenzellen durch zur Oberfläche des Antheridiums
parallele Wände (Fig. II, li). Die vier Innenzellen dieser beiden
Stockwerke (eventuell nur des einen) mit den vier Innenzellen
der scheitelständii;en Zellen bilden den Körper des Antheridiums
— (respective die Urmutterzellen der Spermatozoiden) — , Er
ist unshüllt von zwölf Aussenzellen (Hüllzellen) und grenzt nach
unten unmittelbar an das oberste Stockwerk des Stieles (o in
Fig. VI a), das .sieh hier etwas erweitert und dessen Zellenzahl
sich durch radiale Längswände (r r in Fig. VI «) später ver-
doppelt. Alle übrigen Stockwerke des Stieles bestehen immer
nur aus je vier übereinander gelegenen Zellen, die schon durch
die ersten Längstheilungen im Antheridium entstanden sind.
Die weiteren Theilnngen in den Hüllzellen sowohl, wie in
den Inncnzellen erfolgen mit grosser I{egelniässigkeit. Die Hüll-
zellen theilen sich fortan immer durch auf die Oberfläche des
Antheridiums senkrechte, unter sich rechtwinkelig schneidende
Wände, und folgen so der raschen L^mfangszuuahme des
Antlieridiumkör})ers, dessen Zellen sich stets durch aufeinander
senkrechte Wände theilen (Fig. VII). Im fertigen Zustande
endlich besteht der kugelige Antheridienkörper aus lauter kleinen,
kubischen, dicht mit Protoplasma erfüllten Zellchen — (den
Mutterzellen der Spermatozoiden) — umgeben von einer ein-
schichtigen Hülle.
In Zusannnenfassung des im Vorstehenden über die Anlage
und Entwicklung des Antheridiums von A)ithocer o s Mit-
getheilten ergibt sich vorerst, dass sich dieses Lebermoos in
Bezug auf beide Vorgänge wesentlich von allen übrigen Leber-
moosen unterscheidet, liei diesen ist die Antheridinmmutterzelle
ausnahmslos eine Obertlächenzelle, ihre so häutiü' vorkommende
92 M. W;il(luer.
Verseiikuiii;- in das Tliallnsgewcbe ist ein secuiidärcr \'org-aiig-;
bei Antlioceros aber wird aus dem dorsalen Segmente durch
eine der freien Aussenfläehe parallele Wand eine zur Deeke
sieh umbildende Au.ssenzelle von einer inneren abgeseimitten,
aus der erst (auf eine nicht weiter bekannte Weise) die Anthe-
ridien-Mutterzelle hervorgeht. Das Antheridium von Antho-
ceros ist somit in der That eine endogene Bildung.
Aber auch die Theilung-svorgänge in der die Antheridien-
anlage darstellenden Zelle sind wesentlich verschieden von denen
aller übrigen Lebermoose. Während nämlich die ersten Theilungen
im Antheridi um von Ant h o c eros stets durch L ä n g s w ä n d e
erfolgen, sehen wir bei allen übrigen Lebermoosen vorerst
Querwände auftreten. Bei den Riccien wird (wenigstens nach
den Angaben Kny's) die ganze papillös ausgewachsene Anthe-
ridium-Mutterzelle vorerst durch Querwände in Stockwerke zer-
legt, die sämmtlich zur Bildung des Antheridienkörpers ver-
Avendet werden*; bei Marcha/dia wird von der, durch eine
Querwand von der Tragzelle abgeschnittenen, papillösen Endzelle
vorerst eine Stielzelle abgeschnitten, und die zum Antheridien-
körper sich umbildende Zelle theilt sich, wie bei Riccia, eben-
falls vor Auftreten von Längswänden ni mehrere (drei) über-
einander liegende Stockwerke ; bei den lungermannieen endlich
difterenzirt sich in gleicher Weise vorerst die Stielzelle von der
den Antheridienkörper bildenden, in dieser aber treten sogleich
Längswände auf, die zur Sonderung von Innen- und Wandzellen
führen, so dass also der Antheridienkörper nur aus einem
(dem obersten) Stockwerke hervorgeht. Anthoceros hält also
gewissermassen zwischen den Riccien und Marchantien einer-
seits, und den lungermannieen anderseits die Mitte. Es werden
nicht nur die vier Innenzellen des obersten (Scheitel-) Stock-
werkes, sondern auch die Innenzellen eines, meist jedoch zweier
tieferer Stockwerke in die Bildung des Antheridienkörpers mit
einbezogen. Es unterscheidet sicii aber Anthoceros, wie schon
erwähnt, von allen Lebermoosen durch das vorerstige Auftreten
von Längswänden und die spätere Difterenzirung des Antheriiim-
stieles.
< Nach Kny fehlt also die Stielhildimg- fVj.
Die Entwicklung des Antheridiums von Anthoceroti. 93
Wenn wir aber auch von allen diesen Theilungsverscliieden-
heiten absehen, bleibt die Ausbildung einer so ausgeprägten
Wandschichte des Antheridiums völlig unerklärlich. Ringsum
vom Thallusgewebe eingeschlossen bedürfte das Antheridium
keines solchen Schutzes, wie die an der Oberfläche stehenden
Antheridieu der übrigen Moose. Sehen wir doch auch bei den
Eiccien die Waudschichte, nach dem Versenken des Antheridiums
ins Gewebe, successive soweit verkümmern, dass es oft sehr
schwer wird, das Vorhandensein derselben auch nur nach-
zuweisen.
Ganz etwas Ähnliches sehen wir bei den Marchantiaceeii.
Auch die Archegonienbildung kann zur Betrachtung herbei-
gezogen werden: Bei Anthoccros ist auch das Archegonium
vollständig mit dem Thallusgewebe verschmolzen; aber so wie
beim Antheridium sehen wir in der dem Bauchtheile des Arche-
goniums entsprechenden Zelle ' vorerst die Sonderung in eine
Innenzelle und drei periplierische auftreten^, also ebenfalls eine
Wandschicht sich ausbilden, wie sie in ganz gleicher Weise
auch bei den übrigen Lebermoosen auftritt, wo die Archegonien,
weil über die Thallusoberfläche hervorstehend, einer solchen
schützenden Hülle der später die Embryonalzelle bildenden
Innenzelle bedürfen. Es fehlt aber die Ausbildung dieser Hülle
(Bauchwandschichte) den ins Gewebe versenkten Archegonien
der Gefässkryptogamen und die Embryonalzelle grenzt unmittel-
bar an das Gewebe des Prothalliums ^.
Die Diflferenzirung einer so vollkommen individualisirten
Wandschichte bei den Antheridieu von Anthoceros und in
gewissem Sinne auch bei den Archegonien, und der Umstand,
dass die Bildung dieser Hüllschichten vollkommen der der
übrigen Lebermoose gleicht, lässt wohl die Annnahme als wahr-
• Deren Anlage aus dem dorsalen .Segmente ganz der Anlage der
Antheridien-Mutterzelle entspricht.
2 Vergleiche Jancze ws ky: „Vergl. Unters, über die Entwicklungs-
geschichte des Archegoniums." in Bot. Zeit. 187^?, pag. 414.
3 Bei den Marsileaceen deutet Janczewsky (1. c. pag. 417) freilich
die die Embryonalzelle umgebenden Zellen als zum Archegonium ge-
hörend.
94 Waldll er.
scheinlich erscheinen, dass die Versenkung der Archegonien
und die endogene Entstehung der Antheridien abgeleitete Vor-
gänge sind, dass also die hypothetischen Vorfahren unserer
Anthoceroten ihre Geschlechtsorgane aus oberflächlich gelegenen
Zellen angelegt und dieselben ursprünglich über der Thallus-
ol>erfläche ausgebildet haben und dass somit die Ausbildung der
Wandschichte an den Geschlechtsorganen unserer Anthoceroten
<lurch Vererbung zu erklären sei.
Die Entvvickluni!- des Autliondiiuns von Am/ioci'rus. «^5
Erklärung- der T a f e 1.
Siimmtliche Fig-uren, mit Ausnahme VIII, wurdeu mit der Camera
lucida entwoifeu und bei einer Verg'r(isserung- von 275 gezeichnet.
Fig. I. Längsschnitt durch den Tlialhis mit einer jungen Antlieridien-
Mutterzelle. Die stärker gehaltenen Wände bilden die Umgrenzung
des rückenständigen Segmentes.
Fig. II. Junge Antheridieamutterzelle in der Nähe eines schon weiter ent-
wickelten Antheridiums am Längsschnitte ; nach innen an lang-
gestrecktere Zellen (e e e wie Fig. I) angrenzend, nach aussen von zwei
Zellschichten bedeckt.
Fig. III. Weiter fortgeschrittenes Antheridium: Nach Auftreten der ersten
Längswände die niedere, tafelförmige Zelle (/) gebildet; das Anthe-
ridium beginnt sich bereits vom umgebenden Gewebe loszutrennen.
F i g. IV. Nach Auftreten der ersten Querwand sind in den vier oberen
(Scheitel-) Zellen durch zur Oberfläche des Antheridiums parallele
Wände (/) Innen- und Aussenzellen gebildet worden; der Hohlraum
hat sich bedeutend vergrössert.
Fig. V. Frei präi)arirtes Antheridium, a im medianen Längsschnitte: Die
Sonderung von Innenzellen (wie Fig. IV.) erfolgte erst nach Bildung
der tafelförmigen Zelle (0, b optischer Quershhnitt : Die ersten Längs-
wändc über'sKreuz gestellt, der innere Kreis entspricht dem optischen
Durchschnitte der die Innenzellen abschneidenden Wände (//).
Fig. VI. Noch älteres Stadium im optischen Längsschnitte a und in;
optischen Querschnitte b. Ausser dem ersten Stockwerke (I gleich der
tafelförmigen Zelle t in Fig. III und V) sind durch Querwände in
basipetaler Folge noch drei tiefere Stockwerke gebildet worden. Doch
wurde nur das Stockwerk I in die Bildung des Antheridiumkörpers
{k) einbezogen, das nächst tiefere Stockwerk (das oberste Stockwerk
des Stieles (o) hat seine Zellenzahl durch je eine radiale Längswand (ri
verdoppelt. In den Hüllzellen sowohl, wie in den Innenzellen sind
weitere Theilungen erfolgt ; das Antheridium ist nurmehr mit den
vier Stielzellen des untersten Stockwerkes mit dem Gewebe in Ver-
bindung.
96 Will (In er. Die Entwicklung il. Antl)('iidiuni.s von Aut/iuct'rvs.
Fig. VII. Frei präparirtes Antlicridiuni, a im optischen Längssclinitte
I Kiclitung des Pfeiles y), ff im optischi'n Querschnitte. In die Bildung
des Antheridiumkörpers (A-) traten nicht nur die Innenzellen der vier
oberen (Scheitel-) Zellen, sondern auch die Innenzellen des ersten
und zweiten .Stockvi'erkes (/ und II), st der Stiel des Antheridiums, 1,
2, 3, 4, die succesive aufeinander folgenden Querwände, lo w die erste
Theilungswand der obersten Hiillzellen.
F ig, VIII. Stark vergrössertes Antheridium in körperlicher Darstellung
im Entwicklungsstadium von Fig. VII. Zahlen und Buchstaben haben
dieselbe Bedeutung wie in Fig. VII.
Valdaer: DieEntnicMuno dJnflieridiuinsToa^lnlhoceros.
Tig.l
Fi^.2.
Silzinigsl).d.kAkad.d.W.mathji;aiirw. O . LUV Bd. lAblli. 1877
Di-d.ckT.Jcs.VÄgr.e?;. ften.
97
Über neue Rudisten aus der böhmischen Kreidefoimation.
Von Friedrich Teller.
(Mit 3 Tafeln vuid einer S^kizze im Text.)
lu dem ersten Bande der geog-nostischen Skizzen aus
Böhmen beschreibt Reuss aus der Umgebung von Teplitz Kreide-
bildungen von sehr eigenthümliehem petrographi sehen Charakter,
Längs des ganzen Südrandes jenes Porphyrstocks, an dessen
östlichem Ende die Teplitzer Thermen liegen, finden sich an der
Basis der unter dem Namen der Plänerschichten zusammen -
gefassten Ablagerungen graue Hornsteine und durch Hornstein
verkittete Porphyrconglomerate und Porphyrgrus, an anderen
Orten feinkörnige quarzitische Sandsteine, die mehr oder minder
mächtig in zerstreuten Lappen dem Porphyr auflagern und allent-
halben in die Spalten und Klüfte desselben eindringen. Diese
Bildungen werden schon von F. A. Reuss, Leonhard, Nau-
m a n n und Z i p ]) e erwähnt und wurden, bevor man das permische
Alter des Teplitzer Porphyrs erkannt hatte, als ein Contactproduct
zwischen Porphyr und Pläner aufgefasst. Die Entdeckung
analoger Vorkommnisse durch Gumprecht, * der am Eingänge
des Plauen'schen Grundes in einer Syenitspalte ähnliche Con-
glomeratbildungen mit charakteristischen Kreideversteinerungen
nachwies, und die eben citirten Untersuchungen von Reuss
lassen über das Alter und die Bildungsweise dieser Ablagerungen
keinen Zweifel mehr übrig. Sie gehören zu dew ersten Sediment-
bildungen der cenomanen Meeresbedeckung, wie sie sich nach
den sorgfältigen Untersuchungen von Fric und Krejöi^ allent-
1 G ump recht, Beiträge zur geogiiostisclien Kenntniss von Sachsen
und Böhmen. Berlin 1835.
2 Archiv der naturwissenschaftlichen Landesdurchforsctiung von
Böhmen I. Band, II. Abtheilung-, Prag 180Vi.
Sitzb. d. inathpin.-natuvw. CI. T.XMV. Bd. I. Äbth. 7
98
Teile V.
halben, wo eine Tninsgression über älteres Gebirge stattfindet,,
in den mannigfachsten Modificationeii wiederholen. Professor
Frichat sie unter dem Namen „Conglonieratscliichten" als eine
eigene Facies jener tiefsten als Korycaner Schichten bezeichne-
ten Meeresablagerungen ausgeschieden.
Bei Gelegenheit einer geologischen Übnngsreise, wie sie
Herr Professor Su ess alljährlich mit seinen Hörern unternimmt,
fanden wir auf dem Wege zum Teplitzer Schlossberg in einem
Steinbruche genau in Ost von der Schlackenburg ein typisclies
Beispieljener Spaltausfüllungen, welche Reuss von benachbarten
Locabtäten beschreibt. Im tiefsten Theile des Steinbruches war
von dem in glatten, ebenen Wänden brechenden Porphyr scharf
begrenzt eine mächtige nach oben offene Kluft aufgeschlossen,
von ungefähr 1-5 Meter Breite und der doppelten Höhe, in welcher
Porphyrgerölle von verschiedener Grösse und F(>rm wirr durch-
einander lagen. * Die Zwischenräume waren durch eisenschüs-
1 Die beigegebene getreue Skizze veidauke ich der Güte des Herrn
Dr. G. H a b e r 1 a n d t.
über neue Riidisteii aus der bölimischen Kreidefoniiation. 99
sigen Sand iiiul Grus, den Zersetzmigsrüekständen des Porphyrs
ausgefüllt, der Concretionen von Hornstein und verschiedene
secundäre Mineralbildungen, so die bekannten Drusen von
honiggelbem Baryt umschloss. In diesem AusfüUungsmateriale
lagen tlieils lose , theils mit den Gerollen durch Horn-
stein verkittet, zahlreiche Versteinerungen, vor allen eine über-
raschende Menge von Eudisten aus den Gattungen Caprlna und
Si)li(U'ridites, mit einem solchen Individuenreichthun), dass neben
ihnen die spärlichen Reste aus anderen Formengruppen fast ver-
sciiwinden. Von letzteren führe ich namentlich an:
Astrocoenia sp.
Isdstraen spec.
Galer it es sp.
Spondylus lineatus Gold f.
Spondylus hyslvLv Gold f.
Permi lanceolala
Cardita spec,
Fissurella sp. (ajf. deprcssa Gein.^
Volata Renau.viana d' 0 r b.
In diesen palaeontologischen Einschlüssen ist der Charakter
der ganzen Bildung als der einer Strandbildung auf das deut-
lichsteausgesprochen. Soist es gewiss bezeichnend, dass von aus-
gewachsenen Exemplaren der festsitzenden Formen aus der
Gruppe der Rudisten fast nur isoliite Deckelklappen, diese aber
in i;rosser Zahl und zum Theil stark abgerolltem Zustande vor-
handen sind. Nur ausnahmsweise tinden sich einzelne Unterschalen
und wir trafen nur ein einziges geschlossenes Exemplar von
Caprina. Die zahlreichen geschlossenen Schalen von Sphaeru-
lites aber gehören zu ganz jugendlichen, nur lose angehefteten
Individuen. Auch die übrigen Fossilreste bestehen aus zwerg-
haften, verkrüppelten Formen, oder jungen Individuen, wie sie
jede leichte Woge an die Küste zu tragen im Stande ist.
Die Kalkschalen sind durchwegs in Hornstein umgewandelt
und gewöhnlich in den Porphyrgrns eingebacken. Die mit kräf-
tigem Schlossapparat versehenen Rudisten zeigen zum Theil
einen günstigeren Erhaltungszustand und es liess sich eine Reihe
von Präparaten herstellen, welche für das Studium dieser ab-
erranten Formen werthvolle Anhaltspunkte geben. Herr Professor
JOO Teller.
Siiess, (Ich ich für so vicliaelic Helehruiij;- und Anreg-uni;' stets
zum iiiiiigsteu Danke ver[)fii('liiet sein werde, iiatte die Güte,
mir dieses Material zur Bearbeitung- zu überlassen. Es unifasst
nur zwei den (^attung-en (jiprlmi und Splaierulites zugehörige
Arten, die jedoch mit keiner der aus anderen Kreideablag-erung:en
l)esehriebenen Formen übereinstimmen. Obwohl nun nach den
Mittheilungen von Professor F r i c i die Ausbeutung der Korvcaiier
Schiciiten, welche an manchen Localitäten in einer wahren Ku-
distenfacies entwickelt erscheinen, ein überaus reiches Material
g-eliefert hat, das eine monogTaphisclie Darstellung- der für die
böhmische Kreide charakteristischen Rudisten g-estatten wird,
habe ich mich doch entschlossen, die beiden vorlieg;enden neuen
Arten zum Gegenstand einer kleinen Mittheilung zu machen, da
die verkieselten Schalen manche Merkmale mit grosser Deutlich-
keit erkennen lassen, welche an den im Kalkstein liegenden
Exemplaren nur unter besonders günstigen Umständen dar-
gestellt werden können.
SphaeruUtes boheuiicus nov. spec.
Tat". I, Fig-. 1—8.
Die Mehrzahl der mir vorliegenden Stücke gehört zu
jugendlichen Individuen. Von ausgewachsenen Exemplaren
fanden sich nur isolirte Deckel, welche mit jenen der kleinen
Individuen eine so vollständige Reihe bilden, dass dadurch die
Zusammengehörigkeit der scheinbar so verschiedenen Formen,
wie sie in Fig. 1 und ;> abgebildet sind, ausser Zweifel gestellt
wird.
Die mit der Spitze angeheftete Unterschale ist schlank, ver-
längert kegelförmig, selten gerade , gewöhnlich nach irgend
einer nur durch die Art der Anlieft mig bestimmten Richtung
gekrümmt, sehr häutig zugleich um ihre Längsaxe gedreht. Die
gestreckten, fast cylindrischen Formen sind wenigstens an der
Spitze hakenförniig umgebogen. An der dem hinteren Muskel-
eindruck entsprechenden Wand verlaufen an der Aussentläche
1 PaUu^outülog-ische Untersuchmigeii der einzelnen Schichten in der
böhmiselieii Kreidefonnation iui Archiv der naturwissenschaftlichen Landes-
durobforschung- von Böhmen. T, Band, II. Abtheilung, pag. 189.
über neue Rudisten ;nis der böhmischen Kreideformation. 101
drei abgestumpfte Kanten, die Gegenseite ist gerundet; nur ein-
zelne Individuen besitzen einen deutlicher polygonalen, und zwar
abgerundet sechsseitigen Umriss.
Die oberste Schalenschichte ist dünn, udt eine»* leinen gleich-
massigen Längsstreifung bedeckt, die in grösseren Absätzen von
concentrischen Streifen unteibrochen werden. Eine äussere ge-
faltete Lamellenschicht scheint nicht bestanden zu haben, obwohl
es immerhin möglich ist, dnss diese durch ihre prismatische
Structur ausgezeichnete und leicht lösliche Lage bei der Um-
wandlung in Hornstein verloren gegangen ist. Der dünnwandige
obere Tlieil der Schale, welcher die geräumige Wohnkannner
bildet, ragt ein Weniges über die Deckelklappe hervor; der
untere Schalentheil ist mit Gesteinsmasse ausgefüllt, in welcher
nur einzelne Hohlräume, die sogenannten Wasserkammern frei
bleiben. Die für das Genus charakteristische Schlossfalte gibt
sich äusserlich durch eine schmale Rinne, welche vom Sehloss-
rand bis zur Anheftstelle zieht, zu erkennen. Zu beiden Seiten
dieser Falte liegen auf der Innenwand die zur Aufnahme der
Schlosszähne bestimmten Gruben. (Fig. 4.) Sie sind in die dünne
Schalenwand seihst taschenförmig eingetieft und tragen an der
liückseite scliarfe parallele Furchen, welche den Leisten auf der
Aussenfläche der Schlosszähne entsprechen.
Die Deckelklappc ist mehr oder weniger convex, nie aber
kegelförmig aufsteigend, mit einem excentrischen Wirbel, um
welchen sich feine, dicht gedrängte, gegen den Rand hin stärker
markirte Anwachsstreifen gruppiren. Bei älteren Individuen
Hegen 2—3 Zonen solcher Anwachsstreifen (^Fig. S"^) inniedrigen
Terrassen übereinander. Die auf Tafel L in Fig. 5, 6, 7 und S-"
dargestellten Deckel zeigen sehr schön die einzelnen Stadien in
der Entwicklung dieser wohlunterschiedenen Anwachszonen.
Durch abnorme Verdickung der Schale und durch äussere
zufällige Hindernisse wird die Form der Deckelkla])i)e übrigens
vielfach modificirt. Die Schlossfalte ist an der Oberfläche des
Deckels als ein schmaler, vom Schlossrand zur Wirbelspitze
laufender Schlitz sichtbar.
Der Schlossapparat besitzt den für die Gattung bezeichnen-
den asymmetrischen Bau ; Zahn- und Muskelfortsatz der vorderen
Schlosshälfte sind stärker entwickelt als jene der hinteren. Die
102 T eile r.
beiden cannelirten Sclilosszäliiu' sind durch ein:' breite Uneht
iietrennt, ;incb bei jnni;'en liidi\ idiien nicht so g'enähert, wie das
beiveiwnndten Arten der Fall ist. Die Muskeltbrtsätzesindanfder
Aussenüäehc mit sehvvaehen Streiten und Rauhi^l^eiten versehen,
am Unterrande deutlich gekerbt. Der hintere Fortsatz reicht tiefer
in die Unterschale hinein als der breitere vordere und überrag't
die Wand , welche den kegeltörmig vertieften Wohnraum der
Oberschale umschllesst, um ein Bedeutendes.
Ich habe die vorliegende Art unter einem neuen Namen an-
g'eführtj da sie mit keiner der wenigen aus der Kreideformation
Böhmens und Sachsens bekannt gewordenen Sphärnliten über-
einstimmt, und auch zu den aus anderen Cenomanbildungen
beschriebenen Arten keine Beziehungen zeigt, welche eineldenti-
ficirung gestatten würden.
Caprhia Ilaiiei'l no^ . spec.
'J'af. I. Fig. 9, II. Fig. 1 -5, III. Fig. 1, 2 uud 5.
Über die Geschichte und Organisation des Genus im Allge-
meinen hatZittel in seiner Monographie der Gosaubivalven^,
welche zur Kenntniss der Familie der Eudisten überhaupt die
werthvollsten Beiträge bietet, so eingehende Darstellungen ge-
geben, dass ich mich auf die Beschreibung der vorliegenden Art
bescln-änken kann. Der Abtrennung des Genus P/itf/iopfyc/ms
Math, für die nach dem Typus der Cnpr. AguUloni und Coqumidi
gebauten Formen von der Formengruppe der Capr. adversa,
Avelche Chaper- in Vorschlag gebracht hat, bin ich hier nur aus
dem Grunde nicht gefolgt, weil die Kenntniss dieser letzteren Arten
noch als eine völlig unzureichende ))ezeichnet werden niuss.
Die Unterschale unserer Art ist schon in den wenigen
Exemplaren, die ich untersuchen konnte, in ihrer Form äusserst
Avechselnd, gewöhnlich gerade oder nur wenig gekrümmt, spitz-
kegelförmig mit terminaler Anheftungsfläche. Nicht selten ver-
breitert sich die Basis, die Schale wird abgestutzt, kurz cylin-
1 Deukscln-ifteu deikais. Akudeioio der Wisseuschafteu XXV. Band.
Wien 18<J5.
2 M. Ch aper, Observations surune espece du g-enre Plagioptychus
in den Etudes faites dans la collectiou de l'ecole des niines piibliees par
Bayau, Deiixieme fasc. Paris 1873.
über neue Rudisten aus der böhmisclien Kreideformation. 103
(Irisch, in anderen Fällen zeigt sie eine sehwache Einrollung-
(Tili'. III Fig. 5) in einer der Drehung- der Oberschale entgegen-
gesetzten Richtung. An der Vorderseite verläuft zur Aufnahme
des Ligaments eine breite Rinne vom Schlossrand bis zur
Anheftstelle, bei den gestreckten Schalen geradlinig, bei den
eingerollten dem Verlaufe der Windung folgend. Vom vorderen
Schlossrande zieht, der Krümmung der Schale entsprechend, eine
starke Depression zur Bandrinne, der Rücken der Schale ist
in derselben Richtung ausgewölbt und trägt nahe der Basis
einen oder zwei starke Höcker, welche noch an abgerollten Exem-
])laren zu erkennen sind. Gedrängte concentrische Anwachs-
streifen, die nur an der Bandrinne unterbrochen sind, bedecken
die Aussentiäche der Schale.
Von der Oberklappe liegen mir zahlreiche Exemplare in den
verschiedensten Altersstadien vor. Sie ist kleiner, leichter
gebaut und nicht in dem Grade variabel, wie die angeheftete
Klappe. Die vielfachen Abweichungen, welche nichtsdesto-
weniger in Bezug auf den Lanriss und den Grad der Wölbung
des Buckels vorkommen, lassen sich zum grössten Theil auf
Altersverschiedenheiten zurückführen. Die jüngeren Exemplare
zeigen einen niederen, über den Schlossrand etwas überbogenen
Buckel (Taf. II, Fig. 2), mit zunehmendem Alter schwillt derselbe
an, rollt sich stärker ein und berührt nur noch mit der Spitze den
Schlossrand. Die Kla])pe gewinnt dadurch an Höhe und erhält
einen mehr rundlichen Umriss, während bei jüngeren Individuen
der Qiierdurchmesser gewöhnlich bedeutend jenen derHöhe über-
wiegt. Der Buckel bleibt jedoch immer breit und kurz und ent-
fernt sich nie so weit vom Schlossrand, wie bei den hochgewölb-
ten Foi'men von Capr. A</i(i//oni Er ist durchwegs nach dem
Hinterrand der Schale gewendet, wie man nach der kräftigen
Radialstreifung auch an schlecht erlialtenen Exemplaren beob-
achtet, und gibt somit kein Merkmal für die Orientiriing der
Deckelklappe, die sich nach der Lage des Ligaments und dem
Schlossbau als eine linke Schale bestimmt. Die Structur der
Oberschale stimmt vollkonnnen mit jener der verwandten Arten
überein. Die äusserste, zart concenlrisch gestreifte Schaleulage
ist sehr dünn, blättert leicht ab und ist gewöhnlich nur in
der zwischen Schlossrand und Wirl)el tief eingreifenden Bucht
J 04 Teile r.
sichtbar. Unter ihr tritt eine derbe Eadialstreitinii;' hervor, die
eirem System dieliotom verästeller RadiaHaniellen angehört^
welche vom Buckel bis zum Stirnraiid verlaufend die Hauptmasse
der voluminösen Deckelklappe ausmachen. Sie stellen nicht
eine eigene Schalenschicht vor, sondern entspringen mit breiten
Stämmen aus jener Schalenlage, welche die innere Auskleidung
der Klappe und den Schlossai)parat bildet. Die aus diesen
Stämmen durch nicht immer regelmässige Dichotomie hervor-
gehendenLamellen treten nicht unmittelbar an dieEpithek heran,,
sondern sind noch durch ein dünnes derselben Schalenschicht
angehörendes Klatt bedeckt.
Der Schlossapparat konnte an einer Reihe von unter- und
Oberschalen blossgelegt werden. In der Unterschale fällt vor
Allem der überaus kräftige kegelförmige Schlosszahn auf. Er ist
etwas seitlieh conipriniirt und an der Vorderseite mit einer
leichten Aushöhlung versehen, an welcher der vordere Schloss-
/.ahn der Oberschale in seine Alveole hinabgleitet. Die Aussen-
wand ist mit unregelmässigen, kräftigen Kunzein bedeckt. Hinter
diesem Zahn, an dem Ausgangspunkte der äusseren Bandrinne,
liegt eine zweite, seichtere Grube für den hinteren Schlosszahn.
Die tiefe vordere Alveole ist stumpf dreieckig und mit einem
etwas erhabenen Vorderrand versehen, welcher in eine vor dem
Zahn der Oberschale quer verlaufende Furche eingreift. An diese
Kante schliesst sich nach vorn eine etwas vertiefte Fläche an,
welche mit der unterhalb des Wirbels liegenden Aufwulstung
des Schlossrandes der Oberschale correspondirt, so dass die
Verbinilung der beiden Klappen in diesem Tlieile eine ausser-
ordentlich innige ist. Von den beiden Adductoren inserirt der
stärkere hinter dem Schlosszahn auf einem erhöhten, am Kande
gekerbten Polster, welches fast die ganze, stark verdickte und
in die Mündungsebene verbreiterte Schalenwand einnimmt. Die
Insertionsstelle des vorderen Adductors zieht sieh ohne Erhöhung
und deutliche Abgränzung vom vorderen Schlossraud gegen das
Innere der Schale.
Die Oberschale trägt zw ei niedrige, stumpfe, dreikantige
Zähne von sehr variabler Grösse. Der hintere Schlosszahn erscheint
oft nur als eine Verdickung und Aufwulstung des Schaleurandes,
bei jugendlichen Schalen ist er sowohl gegen das Ligament
über neue Rudisten aus der böhmischen Kreidetorniation. 105
als gegen den hinteren Muskel ei iidnick stark abgesetzt und
übertrifft dann an Grösse den vorderen Schlosszahn. Dieser liegt
nahezu in der Mitte der Sehale, unmittelbar unter dem Buckel und ist
nach vorn durch eine tiefe, quer auf den Schlossrand verlaufende
Furche abgeschnitten, auf der Gegenseite aber angeschwollen,
oft zu einer schwachen Kante vorspringend, welche der Aushöh-
lung an der Vorderseite des Schlosszahnes der angehefteten
Klappe entspricht. Nach unten verlängert er sich in ein Septum,
das die Schale in gerader Richtung durchsetzt und in zwei
Kammern tlieilt. Das Septum steht senkrecht auf dem Schloss-
rand und weicht aus dieser Stellung nur ab, wenn die Schale
durch äussere Umstände in ihrer freien Entwicklung gehemmt
war. Von den beiden Kammern setzt die vordere den Wohnraum
der Unterklappe fort, die hintere wird fast ganz von dem Zahn
der Unterschale und dem hinteren Muskel ausgefüllt. Bei jugend-
lichen, flachschaljgen Exemplaren ist diese Kammer geräumiger
als die vordere (Taf. II, Fig. 3 und 4,), welche sich erst allmälig
und langsam mit dem Waclisthum des Thieres und der stärkeren
Aufwölbung des Wirbels vertieft und erweitert. Immerhin bleibt
auch bei dem erwachsenen Individuum die Grösse der Alveole
im Verhältniss zum gesammten Fassungsraum der Deckelklappe
ein auffallendes Merkmal.
An der Hinterwaud der Alveole liegt eine polsterförniige
Erhöhung, welche mit zahlreichen scharfen, parallel in das Innere
der Schale hinab/.iehenden Leisten besetzt ist. Sie reicht vom
Schlossrande bis zum unteren Eande der hinteren Muskelinser-
tion und umfasst somit die ganze Basis des unteren Schloss-
zahnes, der an dieser Fläche unregelmässige Runzeln und Er-
habenheiten trägt. Der ganze Apparat, deran denkleinsten Deckel-
klappen schon entwickelt ist, aber hier in Form einzelner Höcker
und Narben, musste die Bewegung der beiden Klappen, die sich
offenbar wie bei den übrigen Bivalven öffneten, bedeutend er-
schweren und einschränken. Die Anlage der erwähnten Leisten
und Furchen an der hinteren Alveolarwand ist in manchen
Fällen eine so regelmässige, dass sie an den Bau der Alveolen
bei Sphaendites erinnert, wo eine ähnliche Einrichtung als Re-
gulativ der nur mehr in verticaler Richtung möglichen Bewegung
der Deckelklappe besteht.
lOß Teile r.
Die vorliegende Art stanniit aus den Strandbildungen der
Koryoancr Schichten, also aus eenomanen Ablagerungen. Da
von der aus demselben Schichteonii)lex stammenden Caprina
litni'nicn bis Jetzt nicht viel mehr als der Name bekannt geworden
ist, so müssen wir auf einen Vergleich dersell)en mit der vorliegenden
Art verzichten. Von der zunächst verwandten Caprina A(/ai(/oni
d'Orb., die einem höheren Horizonte angehört, unterscheidet sie
sich durch den allgemeinen Umriss, die Bildung des Schloss-
randes der Oberschale, die Stellung des Septums und zahlreiche
Einzelnheiten des Schlossai)j)arates wohl so weit, dass ihre Be-
schreibung unter einem neuen Namen gerechtfertigt sein dürfte.
Obwohl über die Stellung des Genus Caprina im zoologischen
System heute kein Zweifel mehr besteht und die verwandtschaft-
lichen Beziehungen desselben zu Diceras und Chania als allge-
mein anerkannt gelten, ^ermisst man doch noch iu)nier den
Nachweis für die Uliereinstimmiing der einzelnen, den ver-
wandten Gattungen eigenthündiclien Schlosselemente. F. v.
Hauer hat in einer Abhandlung', welche die Grundzüge der
Organisation des Genus Ca})rinii klar legte, zum erstenmal den
Schlossapparat von Caprina mit jenem von Diccra.s im Detail
verglichen, aber der ungünstige Erhaltungszustand der zu Grunde
liegenden Präparate machte eine vollständige Parallelisirung
unmöglich. Ich habe nun diesen Versuch wieder aul'genonunen
und auf Taf. IH, Fig. 1 — 4 die correspondirenden Klappen der
Eingangs beschriebenen Caprina und eines noch unbeschriebenen
Diceraten von Stramberg aus der Gruppe des Diceras sini-
strum nebeneinander gestellt.
Der Schlossapparat der beiden Oberschalen besteht aus je
zwei Zähnen und zwei Muskeleindrücken, welche bei Diceras an
einem stark gekrümmten Schlossraud liegen, bei Caprina in
einem viel flacheren Bogen angeordnet sind. Von den beiden
Schlosszähnen überwiegt der hintere Zahn (mit 2 bezeichnet) bei
Diceras stets bedeutend den vorderen (1), der nur als eine Auf-
wulstung an dem Vorderrande der Alveole erscheint-, bei
1 Über Cupriiia P ;i r t s c li i i , Natiirwi.ssenschattliche Abhandlnn,^-en ,
heraiisgeg-eben von Ha i tli nge r, I. Band, Wien 1847.
a Bayle, def in den Etudes faites dans la coUection de l'ecole de
luines publ. p. Bayan Paris Is?."). deux. tasc. eing-eliende Untersueliuiigen
Übei neue Eiidisten aus der böhniisclieu Kreidefoiniation. 10«
Citprina sind beide Zähne in der Regel gleichmässig- entwickelt
und nur bei grossen, dickschaligen Exemplaren wird der hintere
Zahn stärker und breiter und nähert sich etwas der Form des
entsprechenden Zahnes von Diceras. Der Hauptnnterschied der
beiden Klappen liegt in der Bildung der Alveolen des unteren
8chloss/>ahnes (in den Fig. a^). Der seichten Vertiefung zwischen
Vorder- und Hinterzahu in der Oberschale von Dicer(is entspricht
bei Caprina eine geräumige Kammer, die, von dem Wohnraum
durch ein Septum abgetrennt, mehr als ein Drittel des gesammten
Innenrauraes des Deckels eiuninmit, und neben dem massigen
Schlosszahn noch den vorderen Muskel beherbergt. Nichtsdesto-
weniger lässt sich eine zwischen den beiden Alveolen bestehende
Analogie nicht verkennen. Eine allmälige Vergrüsserung des
unteren Schlosszahnes (I) musste nicht nur eine Vertiefung der
Alveole, sondern auch ein Vorrücken des Zahnes 1 gegen den
vorderen Rand zur Folge haben; durch diese Verändeiung und
die fortschreitende Vertiefung der Alveole musste sich der
zwischen Zahn 1 und dem hinteren Muskel liegende Alveolarrand
allmälig zu einem Septum umbilden, das Zahngrube und Wohn-
kammer scheidet und der hintere Muskel (m^) wurde in den
Alveolarraum einbezogen. Der Schlossraud wurde durch die Ver-
einigung mit dem vorderen Zahne (1) verstärkt und zu den^>
massigsten Scldosstheile, dem Träger des vorderen Muskels {m^)
umgestaltet.
In den unteren Klappen sind die Analogien viel klarer und
überzeugender. Der grosse konische Schlosszahn (I), das auffal-
lendste Merkmal dieser Klappe, ist beiden Gattungen gemein-
sam, Qweicht ii\)GY hei ('((primi eine noch viel mächtigere Entwick-
lung. Die mehr oder minder starke Aushöhlung, welche dieser
Zahn in der Gattung Diceras zur Aufnahme des Zahnes 1 der
Oberschale trägt, («i) findet sich auch bei Capri/m wieder, wird
aber hier, der grösseren Selbstständigkeit des Zahnes 1 ent-
sprechend, in seiner Function durch einen tiefen, scharf begränzten
über die Diceraten des Coralrag''s veröffentlicht hat, betraclitet diesen
Wulst „bourrelet" nicht als selbstständig-en Z;ihu, da er nicht in eine ge-
trennte Alveole, sondern nur in eine Fossete des unteren öchlosszahne.s
eingreift, und spricht daher nur von einem .Schlosszahn in jeder Klappe
von Diceras.
108 Teller.
Alveoliis {((^) unterstiit/t. Hinter dem Zahn/ liegt bei JJircra.s eine
geräumige, von der Wohnkammer durch eine schmale Leiste ab-
getrennte, lialbin(indförmige Vcrtieiung (a-), welche vom Zahn
2 und dem hinterem Muskel {ni^) ausgefüllt wird. Hei Cajjrind
finden wir an derselben Stelle eine kleine Alveole für den hinteren
Zahn der Oberschale {<i^)^ und eine breite über die Wohnkammer
vorgeschobene Scheidewand, auf welcher der kräftige hintere
Muskeleindruck (/Wo) liegt. Auch diese auf den ersten Blick so ab-
weichende Hildung erklärt sich einfach aus einer Veränderung
des Zalinapparates. Nimmt man an, dfiss sich der mächtige
hintere Zahn der rechten Klappe von Diccras (2) allmälig
reducirt und auf das Mass des correspondirenden Zahnes von
Cnprinn herabsinkt, so muss sich die geräumige Kammer (r/)
verkleinern, ihr Boden hebt sich, der hintere Muskeleindruck
(w^) rückt in demselben Maasse aus der Ebene der Schalenwand
in die Mündungsebene und kommt schliesslich wie bei Capritm
auf einer Brücke zu liegen, deren Vorderrand aus der Vereinigung
der früher erwähnten Leiste und der vom Zahn / gegen den
hinteren Muskel m^ laufenden Kante hervorgegangen ist.
Der vordere Muskeleindruck (^W|) liegt bei beiden Gattungen
in der Ebene der Schalenuand.
Die einzelnen Theile des Sciilosses von Dicerds und Caprina
lassen sich also in der angegebenen Weise ganz ungezwungen
parallelisiren, und wir können auf Grund dieser Analogie mit
einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, dass die Gattung Caprina
zn den geologisch älteren Diceratcn im Verhältniss der Descen-
denz stehe. Wenn uns auch für diese Annahme directe Beweise
lieute noch fehlen, so scheint sie doch durch eine Reihe von
Variationen im Schlossbau der Diceraten unterstützt zu werden, auf
die ich hier kurz hinweise: So ist der Schlosszahn der linken
Klappe hinsichtlich seiner Grösse, Form und der Bildung der
Grube an seiner Vorderseite vielen Veränderungen unterworfen;
der vordere Schlosszahn der rechten Klappe zeigt bei jenen
Arten, wo dieselbe als Deckelklappe fungirt, eine grössere Selbst-
ständigkeit und trägt nicht mehr den Charakter eines „bourrelet"
wie bei Diceraa arietinnm ; die Muskeleindrücke, welche bei den
Diceraten des Coralrag's noch in der Schalenwand liegen
über neue Rudisten aus der böhmischen Kreideformation. 100
rücken bei den jüngeren Formen in die Mündungsebene ^ und
andere Veränderungen mehr. Anderseits müssen wir gestehen, dass
manelie andere Charaktere, so die eigenthümliche Lamellenstruc-
tur in der Obersehale von Caprina, noch ganz unvermittelt dastehen.
Den beiden discutirten Gattungen steht unter den übrigen
Piudisten die (iattung Cnprothift am nächsten. Sie besitzt im
Allgemeinen den Schlossban einer (Wprina, aber mit einigen
eigenthümlichen Abänderungen, wie sie sich aus einer Jener
Zwischenformen, welche üiceras und CKpriiui verbinden, ent-
wickelt haben konnten.
Die Gattung Chanm, mit welcher Diccrtis von jeher in Ver-
bindung gebracht wurde , bezeichnet wahrscbeinlicli das End-
glied einer eigenen Entwicklungsreihe mit fortschreitender Re-
duction des Schlossapparates, eine Variation, welche wohl mit
der in gewissem Sinne parasitischen Lebensweise dieser Formen
im engsten Znsannnenhang steht.
Die Sclialenhälften, welche oben zum Vergleich nel)enein-
audergestellt wurden, betinden sich, wie ein Blick auf die bei-
gegebene Tafel zeigt, in entgegengesetzter Lage, so zwar, dass
die linke freie Klappe von Caprina mit der rechten freien von
Diceras und umgekehrt die rechte angeheftete von Caprina mit
der linken angehefteten von Diceras parallelisirt wurden. Nur
für diesen Fall gelten unsere Analogien. Die gleichbezeichneten
Schlosstheile folgen deshalb in den verglichenen Schalenpaaren
einander in umgekehrter Riclitung, so dass die Schalenhälften
von Caprina hinsichtlich der Lage der Schlosselemente das
Spiegelbild der correspondirenden von Diceras darstellen , mit
anderen Worten: Die analogen Schalen von Diceras und Caprina
sind in entgegengesetzter Richtung eingerollt.
Im Bereiche einer Formengruppe, wo die Anheftung und
die Richtung der Einrollung, somit die relative Lage der Schloss-
theile nicht durchaus als coustante Merkmale gelten, kann diese
Thatsache nicht sehr überraschen, oder gar unsere Analogien
stören. R*li will aber über diesen Punkt noch einige Erörterungen
folgen lassen.
In der Gattung Caprina sind alle Arten mit der rechten
Schale angeheftet, die linke behält stets die Function eines
ij Bayle 1. c.
1 10 Teile r.
Deckelklappe und wurde durch eine juif Entlastung- der Schale
zielende VeränderuniH' ihrer Structur für diesen Zweck besonders
adaptirt. Nur in der Stellung- des Wirbels treten bisweilen ab-
norme Verhältnisse auf, wie die vorliegende Art beweist, welche
aber mit einer sogenannten verkehrten Einrollung der Schale
nichts gemein haben. Sie bestehen nur in einer kleinen Abwei-
chung des Wirbels aus der fast geraden Stellung.
In der Gattung Diceraft lassen sich schon nach der Art der
Anlieftung zwei wohlgetrennte Gruppen unterscheiden, die Gruppe
(\e^Dlcer<(sHrielhtuM, welche sich stets mit der rechten Schale
anheltet, und jene des />/f'f;Y<.s' sinistrum, wo die linke als die fest-
sitzende Klappe erscheint. Die Richtung der Schaleneinrollung ist
jedoch bei beiden Gruppen dieselbe. Die rechte Schale des /)/rcr«.9
fthiisfntm unterscheidet sich nur durch den Mangel der Anheft-
fläche andem Wirbel von der rechten Schale desDice7-as arietinum.
Bei der durch ihr grosses Anpassungsvermögen ausgezeich-
neten Gattung Ch((7)ia ist die Art der Anheftung gar kein fest-
stehendes Merkmal mehr und ausserdem die Richtung der Ein-
rollung so willkürlich, dass rechts- und linksgewundene Exem-
plare bei derselben Species vorkommen (ich führe als Beispiel
die \ehen(\e CJni)iHtpi(/chei/a Re ex G an). Be\C//(nn(i sind also mit
Rücksieht auf Anheftung und Einrollung schon vier Typen mög-
lich, welche aber in Wirklichkeit nicht auch specifisch getrennt
sind und nicht gleich häutig vorkommen. — Zwei mit der ein-
zähnigen Schale aufgewachsene Arten oder Exemplare von Cliamn,
deren analoge Schalen in entgegengesetzter Richtung gewunden
sind, stellen uns das Verhältniss dar, in welchem Diceras und
Caprhia zu einander stehen.
Wälilen wir die linke Bivalvenschale, weil diese im Allge-
meinen den normal gewundenen Gasteropoden entspricht, als
Ausgangspunkt, so können wir die Diceraten als rechtsgewun-
dene, bald rechts, bald links angeheftete, die Caprinen aber als
linksgewundene, constant rechts angeheftete Bivalven bezeich-
nen. Den ersteren entsprechen die normalgewundencn, den letz-
teren die linksgewnndenen Gasteropoden (ChiKsilia etc. ^. Der
Typus, dem Caprina und Caprot Ina folgen, ist in der so variablen
Gattung Chnmn selten, ist aber doch in einem Falle, nämlich
bei Chama '(rc'nwlhi L. constant geworden.
über neue Kudisten aus der böhmischen Kreidefoniiation. Hl
E r k 1 ä ru n o> der A b b i 1 d n ii p- e n.
Tafel 1.
Fig. 1 — S. Spkfwni/ites hoheinicus nov. spec.
1 und 2. Schlanke, jugendliche Exemjilare mit der die Sehlossfalte
bezeichnenden Rinne.
3. Bruchstück eines grösseren Exemplares h' Muskeltbrtsatz, s Schloss-
falte.
3« Deckel von oben gesehen, mit stark markirten concentrischeii
Anwachsstreifen.
4. Aufgebrochene Unterschale eines jugendlichen Sphaendites mit
den in die Wand eingesenkten Alveolen an.
5. 6 und 7. Deckelschalen verschiedenen Alters von oben gesehen, die
allmälige Entwickung der abgesetzten Anwachszonen darstellend.
5a und 5* Deckel eines ganz kleinen Individuums in der Seiten-
sicht.
8, 8a 8& Eine grössere Deckelschale zur Demonstration des Schloss-
apparates: s die Schlossfalte, n«' die cannelirten Schlosszähne.
bh' die Muskelfortsätze, w der Wohnraum der Deckelschale.
9. Eine Unterschale von Caprina Haueri nov. sp. in aufrechter
Stellung: /. Ligamentrinne.
rt. Alveole für den hinteren Schlosszahn der freien Klappe.
h. „ „ „ vorderen ,, „ „ „
C. Schlosszahn der Unterschale.
d. Die leichte Aushöhlung an dessen Vorderseite zum Zwecke
der innigeren Verbindung mit dem Vorderzahn der Ober-
schale, m'. Hinterer Muskeleindruck.
Tafel II.
Fig. 1 — 6. Caprina Haueri nov. sp.
1 Linke freie Klappe eines ausgewachsenen Exemplares l. Schloss-
band .4. Hinterer Schlosszahn B. Vorderer Schlosszahn c. Alveole
für den grossen Zahn der Unterschale m. Insertion des vorderen
Muskels, m' . Insertion des hinteren Muskels /-*. Apparat zur Verstär-
kung der Alveole des Schlosszahnes der Unterschale, s Sclieide-
wand zwischen Alveolar — und Wohnraum.
2. und 5, Oberschalen von jugendlichen Individuen mit niedrigem,
etwas überbogenem Wirbel.
112 'V eile r. ('l)er neue Riidisteu etc.
.'5 und 4. Kleine Haeli f^ewölhtc ()l)Cl•^st■ll;llen mit stark abgerolltem
Wirbel, aber gut erhaltenem Schlosse; der Alveolarraum erscheint
grösser als der Wohnrattni.
(). Ein geschlossenes Exemplar mit stark corrnd'irter Sciiale.
Taf. III.
Fig. 1. Caprina ffancri nov. sp. Linke freie Klappe.
2. „ „ Rechte, augeheftete Klai)pe.
3. Dicrraa sp. aus Srramberg. Rechte freie Klappe.
4. „ Linke angeheftete Kla])pe.
/. Schlossband und Bandrinue.
1. Vorderzahn / , ... ,,,
,T u- . 1 der freien Klappen
2. Hmterzalin ( ' '
ßi und «2, deren entsprechende Alveolen.
/. Grosser conischer Zahn der angehefteten Klappe.
rti dessen Alveole in der freien Klappe.
m^ Vordere Muskelinsertion, m'^. Hintere Muskelinsertion.
b. Wohnkamnier.
Fig. 5. Caprina Haueri. Rechte, angeheftete deutlich eingerollte Schale
eines jugendüchen Individuums, von vorne gesehen.
f. Anheftstelle.
/. Bandrinne, dem Verlaufe der Windung folgend.
a. Schlosszahn h. Wohnkammer.
Die Originale befinden sich sämmtlich im geologischen Museum der
Wiener Universität.
Teller: Feberiieiie Riidisteii etc.
5.
f.. '4
Taf.l
5^
Hud.Schomi aa^h d Ni* hpz u Hth
K.k.Hof-u.Staatsdruckerei.
Sitzung sb.d.k.Akad. d.w. math.nat.Cl. LXXV. B d.i. Ab th. 1877.
Teller: Feberiieiic Riidisten etc.
TafMI
ichbr.n aach d Nat.jez u. .nii. K,k.Hof-u.3ta:.Usdnic«erei.
Sitzun9sb.d.k..Vkad.d.W.math.nat.ri.I\XV. Bd.l.Abth.lSrr.
Teller: lieber neue Rudisten etc
Taf.m
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-«4t;|l'|tea«
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!fc. -^.'-"i
Sud.Srhnnn nach rt Hat qezu- lith. K.k.Hof-u.Staatsäruckrei.
Sitzungsb.(l.k.Akad.d.W.matli.nat.Cl. LXX\\ Bd.I.Abtli. 1877.
ii;
Oeologisclie üiitersucliuiigen im westlichen Tlieile des
Balkan und in den angrenzenden Gebieten.
3, Die sarmatisclien Ablagerungen zwischen Donau und Timok.
Von Frauz Toula.
(Mit 1 Tafel und 4 Illustrationeu.)
Von Vidin aus unternaliiii ich einen Ausflug nach Westen
bis an den Timok und weiter hin nach Süden, um mich über die
ZusammensetzAing- der, dem Balkan nach Norden vorgelagerten
niederen Terrainstufe zu informiren. und die Verbreitung der
Miocän-Ablagerungen zu verfolgen. Dabei ergab sich eine weite
Ausbreitung der sarraatischen Bildungen, und was einigerraassen
til)erraschend war, der Mangel an mediterranen Ablagerungen ;
um so mehr überraschend, als Herr Bergrath Foetterle im
mittleren Bulgarien dieselben iu schöner Entwicklung angetroffen
hatte. '
Im Nachfolgenden gebe ich eine Schilderung der beobach-
teten Verhältnisse, von mehreren Punkten, wo sich bessere Auf-
schlüsse der Schichtenfolgen befinden,^ sowie einige Bemer-
kunffeu über die daselbst aufo-efundenen Fossilreste.
1 F. Foetterle: Die geolog-ischeu Verhältnisse der G-egend
zwischen Nikopoli, Plewna und Jablanica in Bulgarien. Verhandl. der k. k.
geolog. Reichsanstalt 1869, Nr. 9, pag. 189—192.
- Über die topographischen Verhältnisse des Landes vergleiche man:
1. Kurze Übersicht über die Reiserouten und die wichtigsten Resultate
der Reise, LXXII. Bd. d. Sitzungsb. I. Abth., Oct.-Heft 187.i.
•2. Die barometrischeQ Höheabestimmungen. Vorgelegt iu der Sitzung
d, math.-naturw. Classe vom 11. Jänner 1877.
Ausserdem: „Eine geologische Reise in den westlichen Balkan etc.
Topographische Schilderungen von Dr. Fr. Toula." Mit einer Karte. Wien
1876, bei AU'r. Holder.
Sit7.li. d. mathem.-naturw. Cl. T.XXV. Bd. I. Abth. Ö
114
T 0 u 1 a.
1. Koilova
Dieses von Walaehen bewohnte Dorf liegt am Ausgange
eines nach Südost reichenden, kurzen und engen Thaies, das sich
kaum 20 Minuten vom Dorfe tlieilt. Nach Norden hin erstreckt
sich ganz flaches Alluvial- Gebiet, das von Bregova her leicht
ansteigt, so dass Koilova etwa 25 Meter liöher liegt als der
Tiniok bei Bregova; so viel dürfte auch die Höhe der Abstürze
des Thaies betragen, die das Dorf amphitheatralisch umgeben.
Nach Westen hin ist die kleine Bucht von Koilova durch einen
Bergrücken vom Timok getrennt, der, aus einem breiten Ero-
sionsthal kommend, nach Nordosten fliesst.
Die Abhänge der Thalschlucht von Koilova sind sehr steil,
und ans sarmatischen, wohl gescliicliteten Kalkbänken gebildet,,
in die der kleine Bach sein tiefes Bett eingerissen hat.
Fiff. 1.
r.L'.'o I
l.r.iroj
Th.'ilriss des Baches von Koilova.
Die Schichten liegen am linken Ufer vollkommen horizontal,
während sie rechts, am östlichen Gehänge, etwas gegen Osten
hin einfallen. Es lässt sich folgende Schichtenfolge aufstellen :
1. Eine wenig mächtige Lage von gelblich-braunem, sehr
mürben Sandstein, der in Sand zerfällt.
2. Ein lichtgrauer, löcheriger, etwas krystalliniscli körniger
Kalk, der in einer oberen Partie (3) viele Abdrücke und Stein-
kerne von Modiola Volhijinca nel)en Cardiiuii plicdtum enthält
und auf beiden Thalseiten auftritt.
Hierauf folgt eine dünne Lage von Tegel (4), die von einer
beinahe ganz aus Schalentrünnuern bestehenden Kalkbank über-
lagert wird (5). Die oberste Schichtenfolge (6) besteht aus gelb
gefärbten oolithischen oder pisolithischen Kalken, welche schieb-
Geoloiif. Untersuclmni-eu im westl. Theile des Balkan etc.
115
teilweise bald feiner, bald gröber körnig sind und in vieler Be-
ziehung an die Karlsbader Erbsensteine erinnern. Man kann
nämlich bei genauerer Untersuchung, sowohl bei den ausgewitter-
ten Kügelchen, sowie in ganz festen Kalkbänken, die concen-
trisch schalige Structur derselben auf das Deutlicliste wahr-
nehmen.
üoliOiischer Kalk.
Meter.
30
f'einknrn.oohUnlk . oe
dunnpUittigpr Hallt. o os
feste Bank von OoHih . os
-f (lüruiphittiifcr reinkdrii:OolHh . 10
kreulicje Schichte,
sandifjer Tcqei ■
uvic/ipr kreidiger h'alk
teste h'alkbank
(Innnplattiger Halk
sandiijer Thon mit
kreidtavn B andern
livirJier Tegel
Schutt .
o 03
ü 6
oz
OS
<7 4
'eidiger
Kalk
Profil des bteilabstuize.-i au der südlichen Tlialwand bei Koilova.
In festeren, dicht erscheinenden Bänken wird man dabei ver-
sucht, an Nulliporenkalk zu denken. In vielen Fällen tindet man,
8*
11(3 Toula.
(lass diese kiiiieligcn Körper im Inneren kleine Fossilien, zum Bei-
spiele Polystoniellen oder an einer anderen Stelle die kleinen Scha-
len von Paludinn acuta enthalten. Die Entstehung der unzähligen
Kiigelchen, welche, wie wir gleich sehen werden, eine mehrere
Meter mächtige Schichtenfolge fast ausschliesslich zusanmien-
setzen, ist nicht leicht zu erklären. Vielleicht würde man nicht fehl-
gehen, wenn man annehmen würde, dass man es in diesen oolithi-
sclien Kalken mit Producten des Wellenschlages zu thun habe,
derart entstanden, dass kleine Gehäuse von Foraminiferen,
Schueckenschaleu u. dgl., aber auch Sandkörner hin und wieder
bewegt, — (vielleicht kann sogar eine wirbelartiue Bewegung mit
angenommen werden) — und dabei mit Kalk allmälig überkrustet
wurden. Das Vorkommen von Polystomella spricht für Seicht-
wasser, welches eine derartige Annahme noch begreiflicher
machen würde.
Über ein Haufwerk von Blöcken und Schutt ansteigend (1)
kommt man hoch oben am Gehänge an die ersten anstehenden
Bänke (2). Sie bestehen aus weichem, fast kreidig aussehendem
Kalk, der nach oben, von Schutt und Blockwerk verdeckt wird
(3). Hierauf folgen: (4) eine 4 Dm. mächtige Thonschichte (ein
unreiner, etwas sandiger Tegel), darüber (5) eine 5 Dm. mäch-
tige Lage von saudigem Thon, mit vielfach gefältelten Bändern,
aus verwittertem Kalk entstandener kreidiger Substanz, in der
unteren Partie, während er nach obenzu in eine dünne Lage von
grünlich gefärbtem, stark eisenschüssigen, thonigen Saudstein
übergeht, der sehr mürbe ist und in Sand zerfallt. Mit einer
8 Dm. mächtigen Kalkbank beginnt nun der letzte Steilabsturz,
der nach obenzu sogar weit überhängt, vielfach unterwaschen
wird (in den Schichten 8 und 9 ganz besonders), und dann zeit-
weise in ungeheuren Blöcken abbricht, mit denen die Tiial-
gehänge allenthalben übersäet sind. Die erste Kalklage (G) ist
sehr dünnplattig, darüber liegt (7) eine dünne, nur 2 Dm. mäch-
tige feste, fast nur aus Muscheltrümmern bestehende Kalkl)ank,
die überlagert wird von (8) einer Breccienbildung, aus ganz
mürbem, kreidigem Kalk bestehend, beiläufig 1 Meter mächtig
und (^9) von einer V^ Meter mächtigen Lage von grünlich
gefärbtem Tegel, der sich fettig anfühlt und von kreidigen
Stücken durchschwärmt ist.
Geolog. Uiitersnchmigen im westl. Theile des Balkan «^tc. 117
Mein verelirter Frennd Herr Felix Karrer h;)tte die Güte,
eine Probe davon zn scbleinmen und fand darin Foraminiferen in
grosser Menge, in sehr gut erhaltenem Zustande. Nach sorgfäl-
tiger Untersuchung bestimmte er daraus folgende Arten :
PolystoitieUa i'rhp(( d'Orb. in kleinen Individuen,
sehr häufig.
Polystomella crispa var. fkwuosa d'Orb. sp. in kleinen
Individuen, häufig.
Potystomella subumbUicata Czjz., sehr häufig,
., ticuteata d'Orb., sehr selten.
„ Midhati Karr. nov. sp., selten.
NonioHtna f/niHosuiVOrh., sehr häutig.
.. punctata d'Orb., häufig.
Es ist dies eine typisch sarmatische Foraminiferen-Gesell-
schaft, wie sie Herr F. Karr er in seiner schönen Arbeit über
die Foraminiferen der brackischen Schichten (Sitzungsber. d.
Akad. der Wissenschaften, XLVIII. Bd., 1863) geschildert hat.
,,Es sind durchaus dieselben Arten wie sie auch in den
sarmatischen Schichten im Wiener Becken, in Ungarn, in
Kischenev vorkommen,-'
Eine ganz dünne Lage (10) von fast reiner Kreide (3 Cm.
mächtig) liegt zwischen dem Tegel und den nun folgenden ooli-
thischen Kalken.
Zu Unterst liegt hier eine etwa einen Meter mächtige Schichte
von sehr dünnplattigern Kalk (11), einem ungemein fein körnigen
gelblich-weissen Oolith, mit Cerithium Duboisii M. Hörn es, dar-
über (12) eine feste Bank aus oolithischem Kalk (5 Dm. mächtig),
mit vielen, gut erhaltenen Muschelabdrücken, darauf liegt eine
nur 8 Cm. mächtige Lage sehr dünngeschiciiteten fein oolithischen
Kalkes (13) mit vielen kleinen Muschelabdrücken. (Hieraus
dürften die Foraminiferen-Oolithe stammen, die ich in der ersten
Mittlieilung von Girasova erwähnt habe.) Hierauf (14) wieder
dünnplattige Oolithe bis 6 Dm., ganz wie in Nr. 11, und zum
Beschlüsse (15) mächtige Bänke von festem, oolithischem Kalk,
Jenseits des Rückens, der Koilova vom Timok trennt, am
Abhang gegen diesen Fluss, treten auf der halben Höhe desselben
118 Ton ;..
zersetzte Tli(»niiierg:el zu Taiic, die eine Unmasse von Schalender
Mnctra po(/o//ra Eieliw. entlialten. Den Timok aufwärts sieht
man links (auf serbischer), und rechts (auf bulgarischer Seite,
die Hellten sarmatiseheu Kalksteine, in grosser Mächtigkeit und
in fast horitzontaler Lagerung, Aveithin enthalten. Der Timok
selbst durchfliesst hier ein weites Alluvial-Gebiet. Ein graubräun-
licher, glimmeriger Sandstein l)edeckt die Thalsohle und erfüllt
die Thalweitungen.
Fossilreste von Koilova.
Cerithium rttblf/inosHiii Eicliwald var.
Die vorliegende Form ist unter den, von Moriz Hörnes
(Foss, Moll, des Wiener Beckens) angeführten Typen dem auf
Taf. 4],Fig-. 16, abgebildeten Exemplare am ähnlichsten; unter-
scheidet sich jedoch davon durch die, bei allen unseren Exem-
plaren ausgesprochene Knotung mit scharfen Spitzen, die
besonders auf dem letzten Umgange, in zwei Reihen nahe der
Naht auftreten. Ausserdem sind nur Längsstreifen in grösserer
Anzahl sichtbar.
Von Koilova sind nur Abdrücke im Gestein erhalten. Die
bauchigen und kurz gedrung-enen Formen und eine starke scharf-
spitzige Knotenreihe in der Mitte der oberen Umgänge lassen
keinen Zweifel aufkonnnen, dass wir es mit der so überaus
bezeichnenden Art zu thun haben.
Moriz Hörnes gab seinerzeit au, dass diese Art auf die
österreichischen und i)olnisclien Tertiär- Ablagerungen beschränkt
zu sein scheine. Durch Heranziehen von Cerith. Comperel iVOvh.
tritt auch Kischenev in Bessarabien in den Verbreitungsbezirk,
In Koilova ist Cerithium ruhiginosum sehr häutig und zwar
in denselben oolithischen Bänken, die durch das Vorkommen von
Cerithium DuhoisiiM. Hörnes ausgezeichnet sind.
Herr Dr. R. Hörnes führt in seinen Tertiärstudien (1874,
XXIV. Bd. des Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. pag. 35) an, dass
auch das echte Cerithium rubiginomm Eichwald in Kischenev
sehr häufig vorkomme.
Am besten unter allen mir bekannt gewordenen Formen
stimmt auf jeden Fall jene Varietät, welche Herr Dr. R. Hörnes
Ueolog". Untersiicluiug'en im westl. Theilc des Balkan eto 1 !•*
von Knnvarsko in Croatien beschrieben hat (Teriiärstudien 1875,
Jahri). d. k. k. geol. Eeichsanst.pag-. 67, Taf. IL Fig-. 15, IG), die
sich auch zu Hafnerthal bei Lichtenwald in Steiermark und bei
Hautzendorf vorgefunden hat (1. c. Fig. 17, 18).
CeritJu'mn Diiboisi'i Hörne s var.
Mor. Hörn es, Fos^^. Moll. d. \y. B. I. Theil, pag. ^99, Taf. 42, Fig. 4, ö.j
In dem ausgezeichnet feinkörnigen, oolithischen Gesteine fand
sich auch ein gut erhaltener Abdruck dieser Art. Es ist aber keine
Spur von Mundrandwülsten auf den Umgängen wahrzunehmen.
Diese in anderen Tertiärbecken für viel ältere Ablagerun-
gen bezeichnende Art findet sich in den Ablagerungen im bulgari-
schen Becken zusammen mit Cerithium rubiginosiim und pictum
und neben T((pes gregariti. Auf demselben Stücke finden sich
einige Abdrücke von kleinen Cardieii. Ich werde auf diese Art bei
einer späteren Gelegenheit noch einmal zurückzukommen haben.
Neben Cerithium rubiginosum finden sich sehr häufig, wenn-
gleich in weniger zahlreichen Exemplaren, Abdrücke von
Cerithium disjunctuni S o w.
(Mor. Hü in es, Foss. Moll. d. W. B. I. Bd. Taf. 42, Fig. lo und 11 1,
eine Form, die gleichfalls aus Südost- Europa Ijekannt geworden
ist, so ausVolhynien und Bessarabien (von d'Orbigii y: Paleont.
du Voyage de M. Ho mm. de Hell, pag. 468, Taf. IV, Fig. 7 — 9
als Cerithium Taithoutii beschrieben). Die drei stumpf geknoteten
Längsrippen sind sehr deutlich. Dr. R. H(>rnes (1. c pag. 35)
gibt diese Art auch von Kischenev an.
Turbo Bm'hoH n o v. s [) e c.
Fig. 1.
Eine grössere Art, die sich an Turbo Hoernesi Bar bot de
Marny (Geologie des Gouvernements Cherson pag. 151 Taf. IV.
Fig. 18, 19) anschliesst, mit spitz-konischem Gewinde und
kreiseiförmiger Gestalt, mit fünf Umgängen. Diese sind flach
^•ewölbt oder in der Mitte sogar etwas abgeflacht und mit fünt
oder sechs schwachen Längsstreifen < vei:|^ien, die abwechselnd
1 Der öchalenröhie entlang verlaufende Linien.
120 T..nla.
etwas stärker oder sehwäelier sind, theilweise selbst f;aiiz ver-
wischt sein können, und von stärkeren, aber nur weni^' aus-
geprägten schiefen Querlinien („Anwachsstreifung") durchzogen
werden, wodurch hie und da eine ganz schwache Andeutung^
einer Kuotung entsteht. Diese tritt bei den Exemplaren mit
etwas abgeflachten Windungen in der Nähe der Nahtlinie etwas
deutliclier hervor. Die i\lund(iti['nung ist schief oval. Der äussere
Mundrand scheint schaif gewesen zu sein, der innere ist mit
einer niclit sehr bedeutenden Callusbildung versehen, die den
Nabel nicht ganz verdeckt haben dürfte. Da überdies an der
Innenlippe eine Schwiele vorhanden ist, wird man an Moitoilonta
Lam. erinnert. Die Basis ist glatt und nur mit leichten An-
wachsstreifen bedeckt.
Tvrlio Hoernesi. Burh. ist bis jetzt nur von Troickaho bei
Neu-Odessa am Bug, durch Barbot de Marny bekannt ge-
worden, dem nur ein einziges Exemplar davon (neben Mactra
podoUcd und CardiiiDi j)rotracttn)i) vorlag, während in den Kalk-
blücken bei Koilova eine Unmasse von Abdrücken vorkommen.
Bezeichnend ist auch hier das Vorkommen mit JLictra podoNcti,
Tnpes (jre(j<tri(t und Cardien. —
Barliot gibt in seiner (russisch geschriebenen) Abhand-
lung etwa folgende Beschreibung: Die Schale kurz abgerundet,
dick, ziemlich abgestumjjft (85°) konisch und hat fünf convexe
Windungen mit drei groben Streifen auf der kürzeren Hälfte der
Windung, Avelche auf den oberen Windungen sichtbar sind.
Knoten, die das Wachstliuni bezeichnen, sind auf der letzten Win-
dung auffallend dick, sclieinen sich jedoch auf den unteren
Streifen zu verlieren. Die Öffnung ist rund, etuas oval, der
Nabel verdeckt. Die Hölie 28 Mm., Höhe des letzten Umganges
17 Mm., die Breite 26 Mm. — Die Abbildungen erscheinen so
zutreffend mit den Abdrücken von Koilova, so dass ich anfänglich
bereit war, die Ubeieinstininiung beider Vorkommnisse anzu-
nehmen. — Der Unterschied der Exemplare von Koilova besteht
in dem kleineren Schalenwinkel und in der schwächeren, weniger
ausgeprägten Sculptur der Schale.
Unter den anderen Turbo -Arten steht Turbo Onut/hissii
d'Orb. (Ho mm. de Hell. Taf. HI, Fig. 13, 14) am nächsten.
Durch das viel spitzigere Gewinde, die zahlreicheren Längsstreifeu
Geolog Untersuchungen im westl. Tlieile des Balkan etc. 121
lind die fast ganz; vervviselite Knotiing- unterscheidet sich Turbo
Hoeruesi auf das Bestimmteste, auch ist diese Art viel g-rösser
als die Form aus den Steppen. In der Form ist der kleine Tro-
chus angelatus Eichw. (Leth. ross. Taf. IX, Fig. 17, III. Tlieil.
pag. 228) einigermassen ähnlich.
Dimensionen : Länge der Schale : 34 Mm.
Breite derselben : 38 Mm.
Höhe des letzten Umganges: 17 Mm.
Schalenwinkel 70°.
In Koilova wurde dieses Fossil nur in einem ganz licht-
grauen Kalke von ganz bestimmter Beschaffenheit gefunden, in
den oolithischen Kalken fand sich keine Spur davon. Auch
konnte ich den Kalk nicht anstehend finden, obwohl es nicht
wahrscheinlich ist, dass er ans den höheren Schichten stammt.
Auch sind leider nur Abdrücke der Schalen erhalten, die aber so
schön ausgeprägt sind, dass sich die Formen durch Kitt mit
einiger Sorgfalt ganz gut herstellen Hessen.
Es war mir nicht vergönnt, die Ansicht Barbot de
Marny's über den Turbo von Koilova zu vernehmen, sein vor
Kurzem so plötzlich eingetretenes Hinscheiden vereitelte meinen
Vorsatz, ihm die betreffenden Stücke vorzulegen. Ich erlaube
mir daher, das Fossil, dem uns so früh entrissenen Forscher zu
Ehren, Turbo Burboti zu nennen.
Solen siihfragilis Eich.
(Eichwal fl, Li'ih. rossic-A, III. pag. 132)
fand ich neben Tapes f/regnria und Cardium obsoletnm auf
Bruchsteinen aus Koilova im Dorfe Gimsova, in gut erkennbaren
Abdrücken, etwa in der Grösse wie sie Hörn es (Foss. Moll.,
Taf. I, Fig. 1213) abbildet; das besterhaltene Stück ist von
geringerer Grösse.
Mactra podolleu Eiciiwald.
In zwei Al)drücken neben Turbo Burboti erhalten, die auch
das für Mactra so bezeichnende Schloss erkennen lassen. Die
beiden Exemplare sind durch ihre bedeutende Grösse ausge-
zeichnet. Das besser erhaltene Exemplar ist überdies durch die
auffallende Länge der ungemein stark gewölbten Schale
charakterisirt.
122 Ton In.
Am nioisten Ähnlichkeit bat die Form, welche M. Höriies
1. c. Taf. VII, Fig- 2 von Wiesen abg'ebildet hat.
Tapes {/re{/arlci Part seh var.
Von Tapes f/ref/aria, dieser so weit verbreiteten sarmati-
sehen Art (ausser dem Wiener Beeken auch aus Ungarn, Podolien,
Volhyuien, Bessarabien und Grusien bekannt), wurde nur ein
gut erhaltener Abdruck, der die Gestalt und Sculptur der Schale
erkennen lässt, gefunden und zwar neben zahlreichen Bruch-
stücken von Card} um obsoletum Eichw. Abdrücke mit dem
Schlossapparate sind mehrere vorhanden, sie weisen auf die
zartschaligen Formen hin, welche M. Hörn es (1. c.) II. Bd..
Taf. XI, Fig. 2 b und 2Ä- abgebildet hat. Sie würden am besten
als Tapes f/regaria Var t seh var. Fadiefei d'Orb. bezeichnet.
{Voyage de Ho mm. de Hell, Tai. V, Fig 26, 27.)
Cai'diiiin plicatnm Eichwald var. (fraeile Pusch.
1844. Ho m maire de Heil Carttimii ijrucUe crOrl). nach Piiscli
Taf. VI, Fig. 6, 7, 8.
1850. Eichwald Leth. roaslra, III. pag. 9G, Taf. IV, Fig 20.
187G. Hörn es, Foss. Moll. d. Wien B. II. pag. 202, Taf. XXX, Fig. 1.
Diese schöne Art liegt nur in kleinen Exemplaren vor,
welche den von Eichwald (1. c.j abgebildeten Jugendformen
aufs beste gleichen.
Eines der vorliegenden Stücke zeigt zu jeder Seite der
stärkeren Kippen, in der Nähe des Stirnrandes, Je eine zarte
Rippe. Wir haben es jedenfalls mit einer Varietät der typischen
Form zu thun.
Cavdiu m ob.soletum Eich w a l d ,
(Mor. Hörn es, Foss. Moll. d. W. B. Taf. XXX, Fig. 3 «. fj.)
Diese Art ist nur in einigen Abdrücken in den oolithischen
Bänken gefunden worden. Die Exenqdare stimmen sehr gut
mit den von R. Hörn es aus Trembowla im Tarnopoler Kreise
abgebildeten Stücken überein (Tert. Studien, Jahr. d. k. k.
geolog. Reiehsanst. 1875, pag. 71, Taf. II, Fig. 22).
Kleinere Exemplare dieser Art hnden sich, mit der Schale
■erhalten, iu dem ganz feinkörnigen Oolith (Nr. 1 1 in Fig. 2).
Geoloa:. Untersuchungen im westl. Theile des Balk;in etc. 1-3
Ausserdem liegen aiicli aus den festen Oolithbänken zahlreiche
Abdrücke vor, die an die flacheren Formen erinnern, die aus
den Congerien- Schichten bekannt geworden sind. Durch den,
nahe in der Mitte des Sohlossrandes stehenden Wirbel erinnern
diese an jene Form, welche von d'O rbigny (^Voyage de Ho mm.
de Hell, VI. Fig-. 3. und r>) als Cardkim protr((cti())i E i cii w" a 1 d
bezeichnet wurden.
Modiola VoUiyn ica E i c li w a 1 d var. i iicrassata d '0 r b.
1844. Mytütts incransaivs (VOib. Voyage Ho nun. d. Hell. Tat". V,
Fig. 9—11.
1853. Modiola Vollniiiiva Eiclnvald: Lcil,. rosx. HI. pag-. (57, Tat". IV,
Fig-. 16.
1870. Modiola Vol/ii/iiira Hörnes. Foss. Moll. 11. pag. 3.'i2, Tat". IV,
Fig. 8.
1874. Modiola Volkjinira Eicliw. var. incrnasatii d'Orb. K. Hörnes,
Tert. Studien Jahrb. der k. k. geol Reiclisanstalt, pag. 43, Tat". II,
Fig. 14—17.
In einer bestimmten Schichte, die auf beiden Thalseiten aut
tritt, kommt diese Art in grosser Menge neben Cardium plictt-
tum var. grucile vor, u. zw. sowohl in Abdrücken, als auch in
Steinkernen. Die von Kischenev abgebildeten Exemplare stim-
men wohl am besten mit den Stücken von Koilova überein.
PolystomeUa Jfldhati K a r r e r.
Fig. -2.
,,Das eine so grosse Verbreitnug besitzende Geschlecht der
Polystomellen, welches für die sarmatischen Ablagerungen eine
in gewissem Sinne geradezu bezeichnende Rolle spielt, ist sehr
variai)el in seineu Erscheinungs-Verhältnissen. Ein hervorragen-
des Beispiel bietet uns die Art jPo/^s^ow^'//« crispa d'Orb., welche
sowohl recent im Mittelmeer, als auch in den pliocänen Ablage-
rungen von Süd-Italien, Rliodus u. s. v»\, und in den mediterranen
Uferbildungen des Wiener Beckeus in ansehnlicher Grösse und
ziendich flach ausgebildet, in den sarmatischen Schichten dage-
gen meistens nur sehr klein und bauchig vorkömmt.
Unter den flachen, zusammengedrückten Formen steht Po-
lysitomellaFichteUiana d"Orb.,was Compression anlangt, obenan,
sie besitzt in grossen Exemplaren 18 Kammern, mit 11 vertief-
ten Grübchen und eine seichte Nabelbucht.
124 T.Mila.
l\)/ijsf(>ttir//(f Lcftso/iiatm dOrb. von der Küste vuii Pjitago-
nieii 1111(1 den Malouiiien gleicht der Fichtelliaun in der Seiten-
ansiclit so sehr, das» man sie hiernacli unbedingt mit lezterer
identiticiren müsste. Auch sie bat eine seichte Nabelbueht,
aber die Stirnansicht zeigt, dass die rundliche Zuschärfnng eine
viel geringere ist, wodurch der Hal)it(is der Schale wesentlich
verändert ersclieint. Polystomella ohtusa d'Orb. aus dem Wiener
Becken ist ebenfalls sehr flach, hat eine kleine, mehr ausge-
prägte Nabelbucht, aber einen abgerundeten Rücken. Von
Fichtel und Moll wird Naiitilns .^tri(fiU(itu.<i und nmcelfus finsi
dem Mittelmecr angeführt, die ebenfalls ganz flache Formen
repräs^entiren, letztere hat eine sehr merkliche Nabelbucht, und
hat mit unserer neuen Art die meiste Ähnlichkeit.
Ich habe diese Details vorausgesendet, um mich bezüglich
der Aufstellung der neuen Art zu rechtfertigen.
Es ist dieselbe nämlich ebenfalls eine stark zusammenge-
drückte Form, die 16 Kammern besitzt, deutliche Grübchen zeigt,
aber keine Nabelbucht, sondern eine flache Scheibe besitzt,
welche durchbohrt ist. Der Rand ist ebenfalls scharf, und die
Mundfläche wie von zwei perforirten Leistchen eingefasst. Die
Abdachung zum Rande ist bei der Compression der Schale sehr
gering, aber doch weit merklicher als bei Polystomella Fichtel-
liana und beginnt diese bereits von der äussern Hälfte des (le-
liäuses an, während die innere Hälfte mehr eben ersclieint.
Sie ist wenig über einen Millimeter gross, und fand sich in dem
thonigen Sande von Koilova nur ziemlich selten.-' (F. Karr er.)
Polystomella sp.
In einem gelben, sehr porösen Kalk von der südwestlichen
Thalseite, der ganz und gar mit dünnen Kalkkrusten über-
zogen (wie übersintert) erscheint, fand ich auch eine ziemlich
grosse Polysfo7}i('ll(i, unter einem ähnlichen Überzuge. Es ist
die einzige Foraminifcren-Art, die mir aus dem Kalke vorliegt.
Unter den Bruchsteinen zu Gimsova fand ich einen Kalk-
block, der zum grossen Theile aus Foraminiferen bestand, später
iedoch in Verlust gerathen ist. Eine Kalkbank von ganz ähn-
licher Beschaffenheit bildet eine Zwischenschichtc zwischen den
obersten Schichten.
Geolog. Untersuchung'en im westl. Tlieile (ies Balkan etc. 1^5
2. Crnamasnica.
Auf dem Wege von Koilova nach Ornamasni( a tritt kurz vor
dem letzteren Orte, g-egenüber dem serbischen Dorfe Rajac.
ein Sandsteinfels bis nahe an den Timok vor. Der Sandstein ist
grau gefärbt, verwittert sehr leicht, und zerfällt in bräunlichen
Schutt. Dicke, bis V2 Meter mächtige Bänke wechseln mit ganz
dünnen, kaum 5 Mm. dicken Schichten ab. Die Schichten stehen
beinahe vertical, sie fallen nur wenig nach Osten ein, und
streichen von Nord nach Süden (^Str. 12''). Das Gestein erinnerte
mich in Bezug auf seine petrographische Beschatfenheit ganz
und gar an den Wiener Sandstein und stellt das Riff nach meiner
Meinung ein Auftauchen der Eocän- oder Kreide-Sandsteine aus
den sarmatischen Bildungen vor. Am wahrscheinlichsten ist
wohl, dass wir es hier mit eocänem glimmerigen Sandsteine,
analog den Flysch-Sandsteinen aus der nächsten Umgebung
von Wien, zu thun haben.
Der Hügel vor Crnamasnica am Anfange des Dorfes be-
steht ans bräunlichem Sand, der Steilhang hinter dem Orte, auf
der Höhe aber wieder aus sicher sarmatischen Schichten (Kalk-
blöcke mit Mactra liegen allenthalben im Dorfe umher), die auf
einem gelbbraunen glimmerigen und geschichteten Sande auf-
lagern, der dünne Lagen von kreidigem Kalke enthält.
Diese Schichten liegen fast horizontal (nur ganz wenig
nach Westen geneigt), und zeigen hin und wieder eine Lage von
grob sandigem und mergeligem Thon. Auf ihnen Hegt ein Kalk
gestein mit vielen grobrippigen Cardien.
Dieser Abhang ist von tiefen Wasserrissen durchfurcht, die
in einem Schuttmaterial, das aus dem sarmatischen Gesteine
besteht, eingenagt sind. Eine Unmasse von Blöcken mit zahl-
reichen Muschelschalen liegen in den Wasserrissen. Die Fossi-
lien sind z. Th. mit den Farben der Schalen erhalten.
Der Kalk ist gelblich-grau, löcherig, und besteht fast nur
aus den Abdrücken von kleinen Gastropodenschalen fCerithiunt,
Paladina acata)^ nebst kleinen Cardien und Ervilien (letztere in
geringerer Zahl).
Die überkrusteten kleinen Gehäuse bedingen ein oolithi-
sches Aussehen des Gesteines. Am besten erhalten ist ein Ab-
druck von
126 T ü u I a.
CeHthlum JJuboisii M. Hörn es.
Ein aus Kitt herg-estellter positiver Abdruck, stimmt ani' (Ins
beste mit der von Mor. Hörn es, Foss. Moll. d. W. H. I. Taf.XH,
Fig. 5, dargestellten Form iiberein. Auch der weite Mundrand-
wulst an der stark erweiterten Aussenlippe ist deutlich zu er-
kennen, sonst ist jedoch auf der ganzen Schale keinerlei wulst-
förmige Verdickung siclitl)ar.
Vielleicht, dass dieses Fossil auch von dem typischen Ceri-
tliiiini Diihohii M. Hörn es etwas differirt, der Eindruck des
ganzen ist aber ein derart bestimmter, dass ich es an die marine,
resp. mediterrane Art anscldiessen will.
Das von Prof. Dr. R. Hih-nes (Tertiärstudien, Jahrb. 1874,
pag. 67) als Cerithium Ptinli beschriebene Cerithiuni von Kra-
warsko in Croatien, Halnerthal in Steiermark und von anderen
Orten in den südlichen sarmatischen Becken, ist von Cerithium
Difhoisi M. Hörn es nur wenig unterschieden.
Cerithium Duhoisi ist eine der interessanten Formen, welche
aus den Mediterran-x\blagerungen in die sarmatischen Bildungen
aufsteigen, ähnlich so, wie das auch bei Cerithium ruhigino-
sum der Fall ist, für welches man denselben Namen beibehalten
hat, obwohl es „wenn auch selten im Badner Tegel vorkommt".
Ausserdem tinden sich in diesem löcherigen Kalksteine:
Palu'lina (Cyclostonui ) acuta Drap. var.
Fig. 3.
Es liegt ein einziges vollständig erhaltenes, loses Exemplar
vor, dessen Mnndrand unzerbrochen ist. Es sind nur sechs Um-
gänge vorlnmdiMi, wie bei dem später zu erwähnenden Vor-
kommen.
Die Schale ist gegen die S))itze zu etwas abgestumpft, d. h.
die Windungen nehmen rascher an Grösse ab, als bei der von
M. Börnes abgebildeten Form. Im übrigen ist die Überein-
stimmung sehr gross.
Höhe der Schale 2-h Mm.
Breite dersell)en 1-4 Mm.
Höhe des letzten Umganges 1 Mm.
Geolog. Untei'sucliungen im westl. Tlieile des Balkan etc. 12T
Cardiuni plicatuni E i c li w a 1 d.
Die typische, i^rosse Form mit nenn starken Eippen.
Ti'ochus cfr. pietus Eich w.
In einem feinen, körnigen, etwas glimmerigen Quarz-Sand-
steine von bräunlicher Farbe, der in den oben erwähnten Wasser-
rissen herundiegt, ist am häufigsten
Tajjes yregavla Parts ch
enthalten, und zwar in kleinen, zierlichen Exemplaren mit glän-
zenden Schalen. Ausserdem :
Jlodiola Volhynlca E i c h w a 1 d,
Cardin in obsolet um E i c li w a 1 d,
Auf einem ungemein festen, sandig-glimmerigen Kalksteine-
aus demselben Wasserrisse, findet sich neben den oben genann-
ten Fossilien eine weitere Form, die ich als
Cardüuii T fmokif nox. spec.
Fig. 3.
bezeichnen will. Die Schale ist hoch gewölbt, gedrungen, von
dem nach vorne gerückten Wirbel strahlen 24 oder 25 Rippen
aus, die eine schwache Andeutung von Knotung zeigen. Zwei
Rippen sind etwas stärker, \vodurch man an die von Prof. Rud.
Hörn es (Tert. Studien, 1875, Jahrb. d. geol. R. A. pag. 71,
Taf. II, Fig. 24) angeführte Zwischenform , zwischen Cardium
obsoh'hun E i c li w a 1 d und Cardium Suessi B a r b o t, erinnert wird.
Unser Exemplar ist aber noch höher gewölbt, und unsymmetri-
scher als die von R. Hörne s vom Nussgraben bei Wiesen be-
schriebene Varietät.
Näheres über diese Zwischenform könnte erst bei aus-
reichenderem Materiale festgestellt werden.
3. Rabrova.
Die zwischen Ornamasnica und Rabrowa gelegene schmale
Plateaufläche, circa 270 Meter hoch, ist mit Schotter bedeckt.
Vor Rabrova stellen sich wieder tiefe Wasserrisse ein, die aber
nicht mehr den)Timok zuführen, sondern dem Bache von Delena
(Delenska) zugehören, demselben, den wir von Vidin aus vor
Gimsova überschritten hatten. Unter der Ackerkrumme tritt ein
128 Toula.
«andi^er Lehm hei'\'üi", der wieder die so bezeiciiiiendeii, wieder-
holt erwähnten, kreidig-en Piinschlüsse zeig-t und Schalenstücke
von Mui'fra enthält.
Kur/ vor dem Dorfe zeig-t sich am Abhänge in einer durch
Auswaschung entstandenen Furche folgende Aufeinanderfolge
der Schichten.
Ueü-r
rmm 03
1. Eine etwa 2 Meter mächtige Decke von horizontal liegendem Kalk.
2. Kreidige Mergel etwa 1/3 Meter mächtig.
3. Grünlich grau gefärbter Sand 21/2 Meter mächtig.
4. Eine dünne (y, Meter mächtige) Lage von sandigem Thon mit
Mactra podolicn Eich w.
5. Eine Lage (1 Meter) von gelblichem .Sand.
G. Eine ganz dünne lockere Schichte, Muschelbreccie (Mactra- Schalen)
mit tegt'ligem Bindemittel.
7. Daruter mehr als 16 Meter mächtige Lagen von sehr stark '
sandigem Thon.
Hinter dem Orte, also südlich von den letzten Häusern, führt
die Strasse einen Abhang hinan, an dem folgende Schichtenfolge
auftritt :
1. Zuoberst eine 1 Meter dicke Bank, fast nur aus Mactra
podolica bestehend.
2. Darunter 2 Meter mächtige, löcherige Kalke, die ganz so
aussehen, wie die Zellendolomite (Rauhwacken).
3. Unter diesen eine Mergelbank (* 3 Meter mächtig) mit
Mactra podolica.
(k'ülog-. UutersLichuimen im \ve«tl. Theile de» Balkan etc. 129
4. Eine Schichte von festem Foramuiifereiikalk (^1 Meter
mächtig'),
5. Darunter liegt nun ein mürber Kalk mit Mnscheltriimmern
(kleinen Bivalven), der den Abhang" bis an die Thalsohle bildet
nnd mit Schutt bedeckt i.st, in dem viele KalkstUcke mit Cerithien
und Mactrd vorkonniien.
VonRabrova, und zwar von der linken Thalseite hinter dem
Dort'e, liegen in einem ganz lockeren, weiss wie Kreide ab-
färbenden Kalke zahlreiche Schalen von
Mactra podolica E i c h \\ .
vor, nnd zwar zumeist kleine, autfallend dickschalige Exemplare;
ausserdem fanden sich nur noch
CerithliDii cfr. disjunctuni S o w. und
Cerlthiuni nodoso-plicatum M. Hörn es.
Diese letztere im Wiener Becken so seltene Art ist in einigen
gut ausgeprägten Abdrücken erhalten^ welche die zwei Perlen-
(ider Knotenreihen auf das Deutlichste erkennen lassen. Daneben
liegt auf demselben Handstücke eine sehr schlanke an Ceri-
tliittni f/ibhosum Vjii'hw. erinnernde Form, und Abdrücke einer
sehr stark in die Länge gestreckten Macttut podolica.
4. Boinica-Adlieh.
Von Rabrova ans folgten wir einem, in die sarmatischen
Schichten eingerissenen Thale, das nach Südwesten ansteigt. Am
Anstieg nach Süden (_am rechten Gehänge des erwähnten, einen
der Quellenbäche der bei Vidin mündenden Topolovica vorstel-
lenden Baches), kurz vor dem, auf einem schmalen Plateau zwi-
schen dem erwähnten, und einem südlich davon verlaufenden
zweiten Quellbache liegenden Dorfe Boinica, treten die sar-
matischen Bildungen in einem Aufschlüsse gut zu Tage,
Fnten liegt gelbbrännlicher, stark eisenschüssiger
Thon (V3 Met.),
Darüber eine ganz dünne Schichte von Quarz-Sand (8 Cfm.).
Auf diesem ein dunkelbraun gefärbter Thon, der überlagert
wird von Kalkbänken. Diese werden nach oben hin sehr mür))e
und enthalten Mactra podolica. Zu oberst liegen auf einer gelb
Sitzb. d. iiiathein. i.ami w. Cl. I.XXV. Ild. I. Abth. ^^
1 '>0 T o II 1 a.
gefärbten, fast dichten und festen Kalkbank niusclielreiche
Kalkschichten.
Auf dem Wege nach Adlieh (bulgarisch: Kala) treten, am
rechten (südlichen) Glehänge des erwähnten zweiten Quellbaches
der Topolovica, echte Cerithien-.Schichten auf, und zwar in der
Form von ungemein festen Kalksandsteinen, voll von kleinen
Gastropodenschalen: Cerithiuni ruhiginomm , Buccinmn (hipli-
Ciitum, Palndind acuta] auch kleine Cardien- und Foraminiferen-
schalen kommen vor. Diese, sowie die beigemengten Quarz-
körner sind manchmal überkrustet, wodurch das Gestein ein
etAvas oolithisches Aussehen erhält.
Auch hinter Adlieh halten die sarmatischen Schichten noch
an, wenigstens möchte ich die gelblich-braunen Sande in dem
ersten tiefen Bachbette südlich von Adlieh, in welchem sich
auch dünne Lagen eines sandigen Lehmes eingebettet finden,
für sarmatische Bildungen halten. (Wird zur Herstellung von
Lehmziegeln benützt.)
Noch zwei mit dem erwähnten fast pnrallel verlaufende Thal-
risse liegen zwischen Adlieh und dem nächsten Bulgarendorfe
Starapatica. Im dritten Thalrisse und auf der Höhe vor Stara-
patica liegen Sandsteinblöeke herum, welche ganz das Ansehen
des Sandsteins haben, welcher zwischen Koilova und Crna-
masnica in einem Aufschlüsse auftritt und der, wie gesagt, au
Wiener Sandstein erinnert. Dieser Saudstein ist glimmerreich
und dünnplattig, er bildet die Unterlage der sarmatischen Bil-
dungen. Er dürjte auch westwärts an der serbischen Grenze an-
stehen, wenigstens holen sich die Bauern von dort her ihre
wenigen Bausteine. Da sich keinerlei organische Reste vor-
fanden, kann keine nähere Bestimmung des Alters dieser
Bildungen gegeben werden, um so weniger, als diese Sand-
steine unmittelbar auf dem granitischen Grundgebirge aufruhen,
welches etwa vier Wegstunden von Adlieh, — an dem Bache
von Vlachoviti blossgelegt, zu Tage tritt. Vor diesem Granitvor-
kommen treten in dem Bachrisse bei Hamitieh (einTscherkessen-
dorf) grünlich-grauer, sandiger Thon und horitzontal liegende,
verwitterte Sandsteine auf.
Letztere finden sich auch im Thalrisse von Rakovica, an
dem gleichnamigen Bache und zwar hier steil aufgerichtet-
Geolog-. Untersuchungen im westl. Thcile des Balkan etc. 131
Unter den Gerollen des Rakovica-Baches finden sich grosse
Stücke von grünsteinartig-em Aussehen; eines derselben gleicht
einem Diabas-Mandelstein. Es ist dieses Vorkommen darum
interessant, weil es uns beweist, dass die krystalliuischen
Massengesteine, deren gegenseitiges Verhalten ich bei einer
späteren Gelegenheit näher betrachten werde, in den serbisch-
bulgarischen Gren /bergen weit nach Norden hin anhalten. (Die
Höhenverhältnisse der besprochenen Punkte mögen aus meinen
barometrischen Beobachtungen entnommen werden.)
Von dem letzten Aufstieg vor Adlieh liegen folgende Fossi-
lien vor:
Biiccinuin dtipUcatuni Sow. \ar.
Fig. 5.
Ein Exemplar, das in Bezug auf seine Gestalt lebhaft an
die von Dr. Riul. Hörnes (Tertiärstud., Jahrb. d. k. k. g. R.
A. 1874, pag. 34, Taf, II, Fig. 1) von Kischenev angegebene
schlanke Form erinnert, sich jedoch noch dadurch auszeichnet,
dass die zweite Knotenreihe durch eine seichte Längs- (Spiral-)
Furche in je zwei, sehr nahe auseinander liegende Knoten ge-
schieden wird, wodurch eine Annäherung an die von Dr.
R. Hörnes 1. c. Fig. 3, 4 und 5 abgebildeten Exemplare von
derselben Localität eintritt, die er als Buccinnm duplicfttuni S o w.
var. Verneuili d'Orb. bezeichnet hat.
Cerithliini riibiginosuni E i c h w a 1 d.
In derselben Varietät, welche Herr Prof. Dr. R H ö r n e s von
Kravarsko beschrieben hat. Diese spitz-dornigen und an unseren
Exemplaren spiral- gestreiften (längsgestreiften) Fossilien er-
innern in mancher Beziehung an 6Vr<Y/ii?/m ;«m?<^Mm S err. der
mediterranen Stufe, womit sie auch von Dr. R. Hörnes (Tertiär-
studien 1875, pag. 65) in Bezug auf die Knotung verglichen werden.
In noch höherem Grade ist dies an den Stücken von Adlieh der
Fall, welche auch etwas grösser sind als die Stücke aus Croatien.
Bezeichnend erscheint, dass diese dornengeschmückten, an
Cerithiam mlnufum erinnernden Formen auf die südlichen sar-
matischen Becken beschränkt zu sein scheinen.
Cerithlum iiodoso-pUcatuiii Hörnes
ist neben der vorhergehenden Art die häufigste Form.
9 *
132 Toiila
Cerithiutn spec.
Hier niöcbte ich auch eiiiig-e SelialenstUckc einer Ccrithiam-
Arl erwähnen, die icii nicht mit Sieheriieit /ii deuten wage. Sie
erinnert an die sehiUi gerippten Formen, welche Eichwald als
Ceritlnum mtnmii und Cerllhhini dlsfinc/isainiian bezeichnet, For-
men, welche sich an das CerUJiium Brotiiti Parts ch (Hörnes^
I, pag. 407, Taf. XL, Fig. 12) anschliessen.
Bei unseren Stücken fällt auf, dass die Kijipen auf den
einzelnen Umgängen in geraden Linien über einander stehen,
und dass dieselben in den oberen Windungen auch eine deutliche
. Knotung zeigen, indem je zwei, in den unteren Windungen je
drei Knoten auf jeder Rippe stehen. Die Schale ist auch zwischen
den Knoten mit deutlich ausgeprägten Spirallinien versehen.
Paludla cfr, acnta Drap.
Von dieser in Süsswasserablageriingen überaus häufigen
Art, die nun auch schon aus einer ganzen Reihe von sar-
matischen Localitäten vorliegt (Wiesen in Niederösterreich,
Neuhaus und Vizelnova in Ungarn, Hafnerthal in Steiermark,
Kravarsko in Croatien, Kischenev in Bessarabien elc-), fanden
sich auch vor Adlieh mehrere Exemplare. Eines derselben ist
vollkommen gut erhalten. Die Schale ist glatt mit ganz zar-
ten Anwachsstreifen ; sie hat aber nur sechs Umgänge, während
von Pa/udinti acuta sieben angegeben werden. Von der Paliidhia
coiiciun(( Sow., welche nur fünf Umgänge zeigt, unterscheidet
sich unsere Form durch die schlankere Schale.
Auch kleine Schalen, welche Ähnlichkeit mit Rissoa
in f lata Andr. haben, liegen vor, nur sind die Spiralstreifen
in den oberen Windungen noch deutlich, während die Rippen
daselbst fast verschwunden sind.
Ausserdem sind einige kleine Schalen vorhanden, welche
am meisten an Tarritclla vcrmicnlaris Broc. erinnern (M. Hör-
nes, Taf. XLHI, Fig. 17, 18). Drei Spiralleistchen umgeben die
vSchale, von welchen die unterste die stärkste ist. Vielleicht haben
wir es jedoch nur mit kleinen, autfallend glatten Exemplaren von
Cerithium pictum zu thun, wie sie aus dem Wiener Becken von
mehreren Stellen bekannt geworden sind.
Geolog. Untersuchungen im westl. Tlieile des Balkan etc. 133
Von Bivalven liegt ausser einigen ganz kleinen Cavdien,
einem Bruchstücke von Tapes und einem Bruchstücke von Solen
subfragitis nichts vor.
5. Osmanieh.
Nördlich von Belogradcik dehnt sich, bis in die Nähe der
Donau hin, eine wellige Plateaufläche aus, die man auf der
Strasse nach Vidin gleich bei Belogradcik selbst, im Nordosten
von der Festung erreicht. Die erste höhere Stufe derselben reicht
bis an den Arcer, der bei der Tscherkessen-Colonie Osmanieh,
einem grösseren und wohlhabenden Orte, ein von Steilgehängen
begrenztes, enges und tiefes Thal erodirt hat, das in seinem tek-
tonischen Baue lebhaft an die Tiialschlucht bei Koilova erin-
nert. Dieser Zufluss des Arcer wurde mir von den Tscherkessen
als Bersizieh bezeichnet, bei unserem Besuche am 5. October
1875 war er sehr wasserarm.
Hier bei Osmanieh fand ich zuerst wieder die sarmatischen
Schichten deutlichst entwickelt, nachdem auf dem ganzen Wege
her die mit niederem Buschwerk bewachsenen Flächen, ausser
zerstreuten weissen Kalkblöcken nichts als Lehm, Sand und
Schotter erkennen Hessen, die ich für diluviale Ablagerungen
zu halten geneigt bin. Auch viele Qiiarzgerölle (von den unter-
triadisch- dyadischen Sandsteinen und Conglomeraten her-
rührend) kommen daselbst vor.
Am Abhang des Bersizieh gegen Osmanieh liess sich an der
neuen Strasse, von oben nach abwärts, folgende Schichtenreihe
aufstellen.
134
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Die Kalkgesteine kann mau an beiden Seiten des Baches,
an den fast verticalen Abstürzen der Gehänge so weit verfolgen
als das Thal den Ausblick gestattet, sie heben sich durch ihre
lichtgelblich weisse Färbung scharf ai).
Weiter dem Flusse (Arcer) zu tritt über dem Sande eine
mergelig thonige Schichte auf, die sehr viele zum Tlieil noch
Geolog. Unterstiohuiigen im westl. Theile des Balkan etc. 135
mit den Farben enthaltene Exemplar von Cerithium rubiyinosum,
Mactra, Tapes und Cardinm enthält. Sie ist auf jeden Fall
zwischen die beiden zuletzt angeführten Ablagerungen eingelagert
und wurde mit 7 bezeirhnet.
Vergleichen wir die beiden Profile, das von Koilova und
das von Osmanieh, so ergibt sich eine recht gute Parallele. In
beiden bildet eine Sandlage die Basis, bis zu welcher der Auf-
schluss erfolgt, auch die löcherigen Kalke sind au beiden
Localitäten vorhanden (auf Fig. 1 , Profil von Koilova mit
2 und 3 bezeichnet) , desgleichen die Tegel und lehmigen
Lagen zwischen diesen und den hangenden oolithischen Bänken.
Auch längs der ,.alten Strasse" ist bei Osmanieh eine ganz
ähnliche Schichtenreihe aufgeschlossen und zwar liegen zu
Oberst :
1. Kalke mit Cerithien- Abdrücken, darunter
2. oolithische Kalke.
3. feste Kalkbänke mit Cerithien und Bivalven und zu
Unterst
4. die mergeligen Bänke mit losen Cerithien.
JBucclnuni clupUcatuni S o w.
Nur zwei Exemplare liegen von Osmanieh vor, die sich am
besten an die kurzen bauchigen Varietäten anschliessen. Recht
gut stimmt die von d'Orbigny (Voyage de Hommaire de Hell,
Taf. III, Fig. 20 — 22 als Buccinum Doutschmae bezeichnete
Varietät.
CeritJiiuni pictmn Bast.
Nur ein kleines Exemplar der typischen Form, das mit
dem von M. Hörnes 1. c. Taf. 41, Fig 17 abgebildeten Exemplar
gut übei-einstimmt. Auf demselben Handstück mit einer Modiola,
die am besten mit Modiola marf/inata Eichw. übereinstimmt
(Eichwald, Lcth. ross III, Taf. IV, Fig 15), einer Art, die von
R. Hörnes auch von Kischenev angeführt wurde (R. Hörnes,
1874, pag. 4o).
Die von R. Hörnes (^Tertiärstudien 1. c. 1875, pag. 65,
Taf. II, Fig. 8 u. 0) von Kravarsko in Croatien als Cerithium
y^ü'^ww Bast. var. hervorgehobene Abänderung scheint sich an
136 Toula.
(las>, in doli iiördliclieii necken so ungemein seltene CevUlt'nim
iHoraviciim M. Hörn es (1. c. Tai'. 42, Fig. 7) jinziischliessen, um
so mehr, als sieii das für Ceritliiuni /licfiint IJast. bezeichnende
stärkere Hervortreten der oberen Knotenreihe nicht zeigt.
Cerithhini iiodoso-plicafum H ö r n e s.
(Foss. Moll. (1. W. Beck. I. 397, Tat". 41, Fig. 19, 20.)
Zu dieser ausdauernden Art rechne ich ein nur als Bruch-
stück erhaltenes Exemphir; es zeigt nämlich zwei gleich starke
Knoteureihen und eine zwischen beide eingeschobene feine Linie»
Von Cerithiu))! pictuni Bast, dürfte sich eine Formenreihe
zu Cerithkmi no<loHo-p(ic<ihim M. Hörn es ohne sonderliche
Schwierigkeit herstollen lassen und als eine der Zwischenformen
ist wohl auch die von Dr. E. Hörn es hervorgehobene Varie-
tät zu betrachten.
Ceritliiuni riihUiinosuni E i cli w a 1 d .
Die typische Form von Cerithium rubiginosuni, wie es von
Eichwald {Leth. ross. Hl, Taf. VII, Fig. 4) abgebildet wurde,
liegt vor; es ist dies die längere unregelmässig-bauchige Form,
an der auch die charakteristische rothe Färbung der Knoten
noch erhalten ist. Doch fehlen auch die kürzeren gedrungenen
Formen nicht.
Auch die von Dr. Rud. Flörnes von Kravarsko und von
Hafnerthal in Steiermark beschriebene Varietät (1. c. 1875,
pag. 67 und 70, Taf. II, Fig. 15, 16, 19) liegt in einigen Ab-
drücken vor, die ich schon von Koilova erwähnt habe.
CeritMuni disjunctuni S o w.
Nur wenige Exemplare und ein Abdruck liegen vor, an
denen sich jedoch die bezeichnenden drei Knotenreihen auf den
Windungen deutlich erkennen lassen. Am besten stimmt die von
M. Hörn es 1. c. Taf. 42, Fig. 10 abgebildete Form von Wiesen,
an der man noch ander Naht eine schwache Andeutung einer
vierten Reihe erkennen kann. Auch von Kischenev bekannt.
(R. Hörnes 1. c. 1874, pag. 35.)
Trochus podolicus Dtib. var. onodis.
Fig. 6.
Findet sich nur in zwei ziemlich wohl erhaltenen Abdrücken.
Die kegelförmige Schale hatte 6 — 7 Umgänge. Diese waren eben,
Geolog. Untersucliuiig-en im westl. 'J'heile des Balkan etc. 137
nur mit fiiiit' stiunpfeii Spiralleisten versehen, deren unterste die
übrigen etwas an Stärke übertraf", während die beiden nächst-
folgenden auffallend schwächer waren. Nur auf diesen lässt
sich eine ganz feine Anwachsstreifnng- erkennen. Knoten fehlen
vollständig. Die Basis zeigt abwechselnd schwächere und stär-
kere Spiralstreifeu. Vielleicht haben wir es hier mit einer neuen
Art zu thun ; das mangelhafte Material erlaubt jedoch keinen
bestimmten Ausspruch. Jedenfalls ist die vorliegende Form dem
Trochu^ podoficufi Dub. sehr nahe verwandt, doch gibt der
spitzere Schalenwinkel ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ab.
Trochus Popfepacki Part seh unterscheidet sich durch seine
vier scharfen Spiralleisten.
Das Gestein ist ein feinkörniger, oolithischer Kalkstein mit
kleinen Cardien und dem Abdrucke einer Modiola.
Trochus pictiis Eichwald.
Eichwald, Leih. voss. III, pag. 237, Taf. IX, Fig. 2i;.
Moriz Hörn es, 1. c. pag. 456, Taf. 45, Fig. 10, 12.
Von dieser Art liegt nur ein kleines, aber wohl erhaltenes
Exemplar vor. Es stimmt vollkonnnen in Bezug auf seine Ge-
stalt mit der citirten Art übereiu, nur ist die Spiralstreifung viel
schärfer ausgeprägt, als bei den grösseren Exemplaren aus dem
Wiener Becken und von Nova Constatinov und Kischenev in
Bessarabien.
Paludina (Ci/clostonia, Hydrohia) acuta Drap.
ISOö. Cj/clostoma acutum Draparnaud, Hist. naC. des Moll. terr. et
fluv. de la Fr. pag. 40, Taf. I, Fig. 2, 8.
1856. Mor. Hörne s 1. c. I. pag. 584, Taf. 47, Fig. 20.
1874. Dr. R. Hörnes , Tertiärstudien 1. c. 1874, pag. 38.
Diese in den meisten Süssvvasserablagerungen so überaus
häutige Art kommt in zahlreichen Exemplaren in einem fein-
körnigen gelblich- weissen Kalk -Sandstein neben Buccinum
diiplicdtiim und Curdium ohsoletum (?) vor. Viele von den zier-
lichen kleinen Schalen sind überkrustet und führen so zurOolith-
structur des Gesteines. R. Hörnes 1. c. führt dieses Fossil auch
von Kischenev an. Die unter diesem Namen in der Literatur vor-
kommenden Fossilien sind einigermassen variabel, sowohl in
Bezug auf die Anzahl der Windungen, als auch in Bezug auf die
13S T(.ul:..
Gestalt der Sdiale, so dass es sehr walirsclieiiilifli ist, dass man
unter diesem Namen verschiedene Formen suhsnmmirt hat.
Von Bivalven liegen nur weuiii'e Formen von Osmanieii vor,
darunter sind :
Solen suhfrdiftUs Ei e li w.
Tapes (jreijarUi Partseh (ein Abdriu-k eines
grossen Hxemplars),
Mactra podoJica E i e h w.
Cardin iii ohsolettini Ei c h w a 1 d und
3Iodiola rolhynica E i cli w a ) d.
Bryoxoeti
Von Bryozoen liegen zwei Stücke vor, die sicli diirch den
Bau ihrer Stämmchen, sowie durch die Form und Anordnung
der Zellen deutlich von einander unterscheiden lassen, wesshalb
ich sie unter zwei verschiedenen Namen beschreiben werde.
Leprcdla orfliostichia nov. spec. (Fig. 7.;
Das StJimmchen ist drehrund und zeigt keine Verästelung,
die Zellen sind in gerade verlaufenden Längsreihen angeordnet,
deren sich auf der frei liegenden Seite nicht weniger als acht
erkennen lassen, so dass etwa 14 im Umkreise vorhanden sein
dürften. Die Zellen sind länglich oval und deutlich von ein-
ander getrennt. Sie stehen in wenig steilen Spiralen neben ein-
ander, so dass keine reine Qiiincunx-Stellung auftritt. Ihre flach
gewölbte Zellendecke ist mit zahlreichen feinen Körnchen l)e-
deckt. Die Mündung ist kreisrund und von einem nur scliwach
vorragenden Ring umgeben. Unter demselben erhebt sich bei
den meisten Zellen ein kleiner Höcker.
Von allen Formen scheint die von Reuss als Lepridia
verrnculosa Ijescliriebene Art am nächsten verwandt zu sein
(Über tertiäre Bryozoen von Kischinev. Sitz.-Ber. der k. k.
Akad. d. W. 18G8, I. Abth. pag. 509 Taf. 8), doch zeigt unsere
Form nirgends den für jene Art bezeichnenden Spalt der grossen
Zellenmündungen. Auch die ungemein ästige Form, welche von
Eichwald (Leflt.ro.^s., III Theil. pag. 3ß, Taf. XI, Fig. 2()) als
Vincularia spiropora aus Volhynien und Podolien beschrieben
wurde, zeigt einige Ähnlichkeit. Es liegt mir nur ein einziges
Stämmchen von 1() Mm. Länge vor, dasselbe ist jedoch ziendich
gut erhalten.
Geolog. Untersuchungen im westl. Theile des Balkan etc. 3 39
Auf demselben Handstücke liegt ein zweites Stänimchen,
welches hei gleicher Form der Mund()ffnung- und ähnlicher Be-
schatfenheit der Zellendecke die für die letztgenannte vol-
hyniseh-podolisehe Art charakteristische Verästelung zeigt, doch
sind die Zellen weniger regelmässig angeordnet und die Reihen
derselben zeigen Neigung zur Dichotomie, indem sehr häutig
an Stelle einer Reihe zwei auftreten. Diese Erscheinung hängt mit
der Unregelmässigkeit der Gestalt des Stämmchens zusammen,
während nändich LeprdUa nrthostichid eine rein cylindrische
Form besitzt, ist die zweite Form, für welche ich den Namen
Lepralia dichotomla nov. spec.
Fig-. s.
vorschlagen möchte, stellenweise verdickt.
Auf demselben Handstücke betinden sich Abdrücke von
Trocims podolicus Eich w a 1 d.
Die sarmatischen Sohichten halten von Osmanieii nach Nor-
den bis zum Absturz der niederen Terrasse vor Yidboi, also bis
in die unmittelbare Nähe der Alluvialtläche von Vidin an. Zwi-
sclien Osmanieh und Vidbol liegt der Babadia Han, neben einem
Wachthause (Karaul), auf der weiten ebenen Plateaufläche. Die
Decke bildend, liegt an vielen Stellen gelber Sand auf dem oolithi-
schen Kalke. Zu oberst in den letzteren, treten auch oolithische
Sandeinlagerungen mit Mactra podolica auf. —
Beim Babadia Karaul liegen grosse Steinplatten (Bau-
steine), von denen die einen voll sind von Mactra- Steinkernen,
andere daneben aber viele Cardien-Abdrücke enthalten; einige
zeigen die auf den Cerithien-Sandsteinen des Wiener Beckens so
häufigen Wülste.
Am Abhang vor Vidbol tritt sandiger Tegel mit kreidigen
Concretionen zu Tage, der von dünnplattigen oolithischen Kalken
überlagert Avird. Es zeigt sich hier ein ganz ähnliches Verhalten,
wie ich es von Koilova beschrieben habe (Schichte 9, 10 und
11 — 15). Im Orte liegen allenthalben Blöcke von weissem
Kalke herum, der voll ist A'on Cardien- und Mactra-Schalen. —
Es ist die typische Form von Mactni podolica Eichw. und von
Cardium obsoletum Eichw. Ausserden) fanden sich nur noch
kleine Gastropoden schalen.
14U Ton In.
Die ►Snbanljriickc zwisclicn Vidbol und Vidin ist aus Mactra-
Kalkstein erbaut, demselben, der auch in Vidin selbst den Bau-
stein aller Steinbauten bildet.
Hier möchte ich auch eines Fundes gedenken, den ich
unter dem Stambul-Thore von Vidin machte, er betrifft ein gut
erhaltenes Exemplar von
Cm'dium in-otr actum E i c ti w a 1 d.
Fig. it.
1S.-j4. Eich wald Lc//i. /m'.v.lll, pag. 9S. Taf. IV, Fig. IS.
Das vorliegende Fossil zeigt die charakteristische Form
der von Eichwald aus Volhynien und Podolien beschriebenen,
mit Cardinrii ohaoletum Eichw. auf jeden Fall in ziemlich naher
Verwandtschaft stehenden Art.
Bei unserem Exemplar erscheint der hintere Tlieil noch auf-
fallender verlängert und verbreitert, und der Wirbel ganz nach
dem vorderen, abgerundeten Band hingerückt. Nur 20 flache,
durch breite Zwischenräume getrennte Rippen sind vorhanden,
über welche die zarten Anwachsstreifen hinüberziehen.
Eine ähnliche Form ist die von Dr. R. Hörn es (lert Stud.
1875, pag. 71, Tat". H, Fig. 20) aus den sarmatischen Schichten
von llafnerthal in Steiermark als Varietät des C«rf/mw< obsoletum
angeführte Form, die auch von Trembowla im Taniopoler Kreise
(Taf. n, Fig. 21 und 22, d. cit. Abhandl.) abgebildet wurde. —
Das betreffende Stück dürfte aus den Steinbrüchen von Girca,
von wo her jetzt die Bausteine nach Vidin geführt werden, her-
stammen.
Ubei- die weitere Ausdehnung der tertiären Ablagerungen
in der Nähe von Westbulgarien liegen uns von Dr. Ami Boue
Mittheilungen vor. (Man vergleiche seine „ Mineralogisch-
geognostischen Details" über einige seiner Reiserouten in der
europäischen Türkei, EXI. Bd. d. Sitzb. d. k. Ak. d. Wiss. Febr.
Heft, pag. 8;], ff. d. Sep. Abdr.)
Daraus geht hervor, dass auch am Svrljicki-Timok „Molasse''
vorkömmt. fJei Knjazevac im südöstl. Serbien wird „eine Tegel-
art mit Venus u. s. w.-' angegeben.
Herder in seiner bergmännischen Reise in Serbien (Pest
1846) führt am unteren Timok bei Negotin „einen tuffartigea
Geolog' Unfersucliung-en im westl. Tlieile des Balkan etc. 141
versteiiiernngsreichen, leicht zu bearbeitenden Kalkstein- an, der
sofort an die feinkiirnigen foraniinit'erenreielieii Ränke unserer
sarniatisclien Kalksteine erinnert.
Auf dieses Vorkommen weist Boue schon in seinem Haupt-
werke über die europäische Türkei (1840) hin (Esquisse geolo-
g-ique de la Turquie d'Europe pag. 99) und betont das Vorkom-
men von Venus, Cerithien und anderen Uni- und Bivalven. Auch
das Vorkommen von mikroskopisch klein 'U Schalen wird an-
geführt.
Nöidlich von Kragujevac gibt Boue (Esquisse geol. de
la Turquie, pag. 71) das Vorkommen von sandigem Kalk mit
Cerithium j)ictn»i, Tapes f/re{/ari(( und Cardium an. Auch erwähnt
er an derselben Stelle das Vorkommen älmlicher Schichten l)ei
Eakovica südlich von Belgrad.
Prof. Peters gibt in seinem vorläutigen Bericht (Sitzber. d.
k. Ak. d. W. L. Bd., Sonder-Abdnick, pag. 3) an, dass man in
Belgrad selbst bei einer Brunnengrabung miocänen Kalkstein
mit Polystomella crispn durchfahren habe und auf marinen Thou
gekommen sei.
Herr Dr. Mor. Hörn es bestimmte die sandigen Tegel-
ablagerungen bei Rakovica, südlich von Belgrad nach einer
grossen Anzahl von bezeichnenden Arten als Äquivalente der
Schichten von Baden und Lapugy. Als Leithakalk-Localitäten
werden in Serbien angegeben „Tasmajdan, Knezevac undVisch-
nitza". Als den Cerithienschiehten entsprechend werden an-
geführt: „die Ablagerungen bei Mokrilng und Belaboga, sowie
der Festungsberg von Belgrad (Jahrbuch der k. k. geol. R. A.
1854 pag. 891). Demnach herrschen in Serbien ähnliclie Ver-
hältnisse wie im mittleren Donaubulgarien.
Die Angaben Foetterle's, in Bezug auf die miocänen
Ablagerungen im mittleren Donaubulgarien lassen sich in Kürze
folgendermassen zusammenfassen : Bei Nikopoli treten, unmittel-
bar an der Donau, die sarmatischen Schichten auf und zwar in
der Form von sandigen Kalkbänken, die von Löss bedeckt sind,
und auf sandigen Leiten aufliegen. Sie brechen mit senkrechten
Wänden ab und bilden einen ganz charakteristischen Zug in der
landschaftlichen Beschaffenheit des Landes. Die Letten bilden
sanftere Gehänge nut üppiger Vegetation. Höchst bezeichnend
1 42 T 0 11 1 a.
ist CS hier nur, ilass bei Plevna, — also kaum fünf Meilen von der
Doniin entfeint, unter den sarniatisc-lieu Schichten die mediter-
ranen Ablai;'crung'en, mit den bezeichnendsten Fossilien in
ziemlich mächtig'en Bänken, und von fast horitzontaler Lage-
rung- hervortreten und zwar aus einer oberen Kalk- und einer
unteren Tegelschichte bestehend, welch letztere südwärts sehr
bald ihre Auflagerung auf gleichfalls fast ungestörten, sandig-
kalkigen Gesteinen erkennen lassen, die eine weite Verbreitung
besitzen und nach Foetterle' als obere Kreide zu deuten sind.
Auch bei Varna sammelten die Herren Fr. v. Hauer und
Foetterle unmittelbar beim Bahnhofe (1. c. pag 374) aus sar-
matischem Letten: Tapes (jrciinrui, Mnctra podollca, Cardium
ohso/etiini, Bulla Lajonkairiana etc. nebst einer grossen „Helix-
Art". Auch Cap. Spratt- fand bei Baljik unweit Varna die
sarniatischen Schichten, woraus das Vorkommen sicher gestellt
erscheint, wenngleich vielleicht kein ganz unmittelbarer Zu-
sammenhang der sarnuitischen Schichten von Nikopoli - Plevna
und Varna- Baljik besteht, da das dazwischen liegende Plateau
zwischen Kustschuk, Schuuila nach von Hochs tett er 's Dar-
stellung^ aus den vorhin erwähnten oberen Kreidekalken be-
steht. Herr Prof. Peters führt übrigens^ auch vom Lom (bei
Kraisnai 3 Stunden von Rustschuk entfernt sarmatische Forami-
niferen- Kalke an, die unt Pofi/stomella ci'ispa d'Orb. erfüllt sind.
Die Darstellungen, die Herr Prof. Peters von dem Auftreten
der sarniatischen Formation in der Dobrudscha gegeben hat'', ist
von grösster Wichtigkeit. Am See von Kanara liegen sie auf
der Kreide, „erstrecken sich quer über das Land bis Bekiragi-
ortu bei Cernavoda" und erreichen die Donau, „um sich fortan
sowohl landeinwärts als stromaufwärts und entlang der Küste
über Baljik gegen Varna zu erstreckend
Auch hier bestehen die Ablagerungen aus zwei Abtiieilun-
gen, während jedoch in unserem westlichen Gebiete, zu oberst
' Verhandlungen 1869, pag. 190 und o71.
2 Quart. Journ. geol. Soc. XIII. 77, 82.
a Die geolog. Verhältn. d. em-. Türkei, I, Jalirbutli d. k. k. geolog.
Eeichsanstalt 187u, pag. 402.
* Vorl. Bericht, Sonder- Abdruck pag. 5.
^ Geologie der Dobrudscha. Denkschriften der kais. Akademie der
Wiss. XXVII Bd., pag. 51—55 d. Sonder-Abdruckes.
Geolog. Untersuchungen im westl. Theile des Balkan etc. 143
die Kalkbäiike und imter diesen thonige Schichten auftreten,
besteht nach Prof. Peters in de;- Dobrndsclia die untere Ab-
theihmg- aus ^festem, obgleich porösen, zum Theile oolithischen
Kalkstein«, die obere jedoch aus einer Thonschichte. —
Recht bezeichnend ist das Auftreten der oolithischen Kalke,
besonders für die südlichen Localitäten der sarmatischen Abhi-
gerungen, so schon in Südsteiermark, bei Berislaw am Dnjepr,
bei Stawropol und im Ust-Urt zwisclien Caspi- und Aral-See.
Die oolithischen Kalke sind demnach in derDobrudscha aus
den überkrusteten Schalen, der winzigen Brut, der vorkommenden
Fossilien und einiger Foraminiferen, gebildet. Auch sind die
Fossilien hier wie dort, fast nur als Abdrücke und Steinkerne
erhalten. Wobei aber wie schon Prof. Suess (1. c. pag. 20) her-
vorgehoben hat, das Fehlen der Cerithien in der Dobrndsclia
auffällt, während diese sich bei Adlieh, Koilova und besonders bei
Osmaniehso überaus häufig fanden. Dagegen zeigt das Vorkommen
beiOranamasnica undEabrova wieder grössere Übereinstimmung'
mit dem östlichen Becken, da auch hier fast ausschliesslich und
in grosser Häufigkeit Bivalven vorkommen, wobei noch hin-
zukianmt, dass auch in Rabrova die Bänke mit Mactra podolica
zu oberst liegen.
Hervorheben möchte ich demnach die Übereinstimmung der
beiden äussersten Vorkommnisse tertiärer Ablagerungen nörd-
lich vom Balkan, dem zwischen Donau und Timok und dem in
der Dobrudscha, in Bezug auf das vollkommene Fehlen der
mediterranen Ablagerungen, während nach Fötterle's Angaben
die letzteren im mittleren Donaubulgarien sowie auch in Serbien
so schön entwickelt sind. Es ist dies nur ein weiteres Beispiel
von Transgression des südöstlichen Theiles des sarmatischen
Meeres ^ über die mediterranen Ablagerungen.
Die Frage nach dem Zusammenhange zwischen dem wala-
chisch-bulgarischen Becken des sarmatischen Meeres mit dem
grossen ungarisch-serbischen Becken, ist noch nicht gelöst.
Eine der grössten Annäherungen besteht auf jeden Fall
einerseits dort, wo die sarmatische Bucht von Karansebes bis
1 Prof. Suess. Untersuchung über den Charakt. der österr. Tertiär-
Abi. II. Sitzungsber. d. kais. Akademie d. Wiss. LIV. Bd., pag. 22 d.
Sonder-Abd.
144
'l'ou 1 a.
g-egen Meliadia reicht,' luul andererseits am Tiiiiok, wo mir eine
schmale Seheidewand /wischen diesem Flusse und der bidi;aii-
schen Morava besteht.
Wo aber der Becken\erhindende Hospuriis gewesen, das
ist noch immer die offene Frag-e. Ein Blick auf eine Höhen-
schichtenkarte würde uns freilich immer wieder auf die heute
von der Donau durchfiossene Enge zwischen Turn-Severin und
Bazias verweisen^ denn selbst eine Eihebimg des Meeresspie-
gels um 300 Meter ergäbe noch keine weitere Verbindung.
Bticciniuni d/iplicntiini S o w. .
Ccvithiuiii pictum B a t; t
„ ruhiginosuni E i c li \v. . . .
„ nofloau ■ pUcatiiin M.
H ö r n e s
„ Utihoisi M. H ü ru c s . . .
„ disjiiiictuin 8 o w
„ spec
Trochns podolints D ii b. var.
„ Clin f. pirii/.s Eich \v. , . .
Tiirijit liarhoti nov. sprc.
PaliidiiKt (lli/ilrof/ia) aoila
Drap
Jiisnoa iiiftalu Ar. drz
Solen sub fragil in E i c li w. . . .
ßlartra piidolica Eich w.
Tapcs grcycifia F a r t s c h. . .
Card i um p/icatnni Eichw. . .
„ (i/isotctiiin Eichw
„ J iniolii nur. ,spec
„ protrur/iim Ei ch w. . . .
Modiola \'o(/ii/iii(aK\c\nv. var
incrassata
Folystontella criapa d'Oi'b. . .
„ crispa rar. f/e.ransa
d'O r b
„ .sahuinbilicata d'Orb . . .
„ aiuleuta d'O ib
„ Midliuti Karr. nov. sp.
Nouionina grniiiisa d'Orb.. . .
„ ptinctala d'O r b
Lcpndia urlh(»>tichia iio\ . %\).
Lrpralia dicliotitinia iiov. sj).
-H
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18
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+
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4-
-h
» Riid. Hörnes. Über TertiJirconchylien ans dem Banat. Vcrhandl.
^*er k. V. geolog-. R. A. 1874. pag. 387.
Toula : (iooloij.l nloi'siu'lmiujeii im wesü: Ballicin.
2"
ie«* "•-■•■■■■■«Sra
RTii.'^chonnnaGhdNat.nsznM*.
i(.k. Bof-u.Staatsdruckerei
Sitziiucjsb.d.k.Akad. (I.W. mnth. nat .Cl. LXXA^ Bd.LAbth. 1877.
Geolox'. üntersuchiiii"-en im westl. Tlieile des Balkan etc. 14{.>
T a f e 1 e r k 1 ä r u n ö".
Fig. 1. Turbo Bavhoii nov. spec. von Koilova.
Fig. 2. Poli/stomeäa Midhati Kavvev (nov. spec.) aus tlionigem Sande von
Koilova.
Fig. 3. Pntiidina fCyclostoma) «r-M^aDrap. var. von Crnainasuica.
Fig. 4. Caidiiini Timoki nov. spec. von Crnamasnica.
Fig. 5. Buccinutn dupliratum Sow. var. von Adlieh.
Fig. G. Trochiis podiilicus Dnb. var. enodis von Osmanieli
Fig. 7. LepraVa nrtitostichia nov. spec. von Osmanieh.
Fig. S. „ dichotomin nov. spec. von Osmanieh.
Fig. 9. Cardiuin protvactum Eich w. Vidin.
Sitzb. d. matheia.-naturw. Cl. LXX.V. Bd. I. Abth. 10
146
VII. SITZUNG VOM 8. MÄRZ 1877.
Herr Gundaker Graf Wurmbran d dankt für die ihm zum
Zwecke der Fortsetzung seiner im vorigen Jalire mit Unter-
stützung der kaiserl. Akademie der AVissenseliaften unternom-
m.enen Ausgrabung fossiler Knochenlager bei Zeiselberg in
Niederösterreich neuerdings gewährte Subvention.
Das w. M. Herr Prof. Linnemann übersendet drei Mit-
theilungen aus dem Laboratorium für medic. Chemie der Prager
Universität, von Herrn Dr. Franz Hofmeister, Assistent der
Lehrkanzel für angewandte medicinische Chemie.
1. „Über einige Reactionen der Amidosäuren".
2. „Über die Kupfersalze des Leucins, des Tyrosins, der
Asparaginsäure und der Glutaminsäure".
3. „Über das Lösungsvermögen der Amidosäuren für Kupfer-
oxyd in alkalischer Flüssigkeit".
Das c. M. Herr Prof. Ludwig v. Barth übersendet eine in
seinem Laboratorium von den Herren Dr. G. Goldschmiedt
und G. Ciamician ausgeführte Arbeit: „Über eine Modifi-
cation der Danipfdichtenbestimmung".
Herr Dr. Franz Exner, Privatdocent an der Wiener Uni
versität, übersendet eine Abhandlung, betitelt: „Weitere Ver-
suche über die galvanische Ausdehnung".
Der Secretär legt folgende eingesendete Abhandlungen
vor :
1. „Chemische Untersuchung der Mineralquellen in Neudorf
nächst Petschau in Böhmen'^, von Herrn Dr. Wilhelm
Gintl, Professor an der deutschen technischen Hochschule
in Prair.
147
2. ;,Ein Beitrag- zur Kenntniss des Zahnapparates bei Frö-
schen und deren Larven'^, von Herrn Leopold Wajgel,
Professor am k. k. Real-Obergymnasium zu Koloraea in
Galizien.
3. ,Das Skeloid und dessen Bedeutung für die Planimetrie",
von Herrn stud. Victor J. Wagner in Salzburg.
4. .,Eine Berichtigung nebst Nachtrag zu den über die Lösung
der Gleichung x"'^y''" = z™" in der letzten Sitzung vor-
gelegten Abhandlungen des Herrn Moriz Stransky.in
Wien.
5. „Über die Gleichung j'" = .v'«-i-i/"'-', von Herrn Josef
Seh äff er, behördl. autor. Civil-Ingenieur in Karlsbad.
6. „Beschreibung eines Apparates einer lenkbaren Fiug-
maschine in Gestalt eines Adlers'^, von Herrn Gregor
Grois in Wien.
Der Secretär legt ferner ein versiegeltes Schreiben
zur Wahrung der Priorit<ät des Herrn Professors E. Lippmann
in Wien vor, welches die Aufschrift führt: „Über das Paraffin".
Das w. M. Herr Prof E. S u e s s legt im Namen des Herrn Dr.
A. Manzoni in Bologna die zweite und letzte Abtheilung einer
Abhandlung, betitelt: „Die fossilen Bryozoen des österr.-ungar.
Miocäns" vor.
Das w. M. Herr Director Tschermak spricht über den
kosmischen Vulcanismiis.
Das c. M. Herr Prof. Emil Weyi- überreicht eine Abhand-
lung: „Über Punktsysteme auf rationalen Raumcurven vierter
Ordnung'^
Ferner legt Herr Prof. Weyr folgende Abhandlungen vor:
1. „Über eine geometrische Verwandtschaft in Bezug auf Cur-
ven dritter Ordnung und dritter Classe^', von Herrn Dr. Karl
Zahradnik, Professorder k. Universität in Agram.
2. „Die reciproken linearen Flächensysteme", von Herrn Dr.
Gustav V. E s c h e r i c h in Graz.
Das c. M. Herr Prof. Dr. C. Claus übergibt den ersten
Theil seiner Studien über Polypen und Quallen der Adria, welcher
über Scyphistointi und StrobUa der Aurelia anrlta handelt.
Herr Prof. Clans überreicht ferner eine im zootoinischen
Institute der Universität Graz mit dem Materiale der Triester
10 *
148
Station ausi;et'Ulirte AbliJiiullung;- (IcsHeiTu Dr. nicd.A. v. Heider
über Sagarlia troglodytes Gosse.
Herr Dr. J. Piilnj, Assistent am |)liysikalischeu Cabinet
leg't die erste Ahliandiinig „l'bcr Diffusion der Dämpfe durch
Thonzellen" vor.
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Acadeniie Imperiale des Sciences de St. Petersbourg: Bulletin.
Tome XXII. Nr. 3 & 4. (Feuilles 21—36.) Tome XXIII.
Nr. I. ^Feuilles 1—11.) St. Petersbourg, 1876 & 1877; 4".
— Koyale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de
Belgique. 4;y Annee, 2^ serie, tome 42. Nr. 12. Bruxelles,
1876; 8«'.
Accademia R. delle Scienze di Torino: Atti. Vol. XI, disp.
V—6\ 1875 & 1876. Torino, 1875 & 1876; 8". — Memorie.
Serie seconda. Tomo XXVIIL Torino, 1876; 4".
Akademie der Wisseiischal'ten, Kaiserliche zu St. Petersl)urg:
Repertorium für Meteorologie. Band V, Heft 1. St. Peters-
burg, 1876; 4".
— Kaiserlich Leopoldinisch Carolinisch-Deutsche der Natur-
fors'her: Leopoldina. Heft 13, Nr. 1—2. Dresden, 1877; 4",
Annales des Miues. VIP Serie. Tome X. 4' Livraison de 1876.
Paris ; 8".
Apotheker-Verein, Allgem. üsterr. : Zeitschrift (nebst An-
zeigen-Blatt). 15. Jahrgang, Nr. 5—7. Wien, 1877; 8'-.
A s t r o n 0 m i s c h e Nachrichten. Bd. LXXXIX. 5. — 7. Heft-
Nr. 2117—2119. Kiel, 1877; 4".
Bureau des i^ougitudes: Connaissance des Temps pour Fan
1878. Paris, 1876; 8". — Additions ä la Connaissance de
Temps, 1878. Paris, 1876; 8". Annuaire pour Tan 1877;
Paris, 1877; kl. 12".
Comptes rendus des seances de 1' Acadeniie des Sciences.
Tome LXXXIV, Nr. 8. Paris, 1877; 4".
(i ew erbe-\' erei n, n.-ö.: Wochenschrift. XXXVIII. Jahrgang,
Nr 5—8. Wien, 1877; 4<'.
Gruber, AVen/.el, Dr.: M(tiiogra})hie über das Corpusculum tri-
triceum und über die accidentelle Musculatur der Ligamenta
Hyo-thvreoidea lateralia. St. Petersburg 1876; 4".
149
Ingenieur- und Architekten -Verein, österr. : Wochenschrift.
II. Jahrgang, Nr. 0. Wien, 1877; 4".
L ab ü r a 1 0 r i o di Botanica Crittogamica : Regohimento e Norme
relative. Pavia, 1871; 8". — Relazione delhi Visita esegnita
uel giorno 20 Giugno 187)) al Laboratorio di Botanica critto-
gamica presso la R. l'niversitä di Pavia. Pavia, 1875; 8". —
Sui piii recenti Sisteini Liehenob)gici c sulla JmporUmzd
comparatka de caratteri adoperati in essi per la limitazione
dei generi e delle specie. Memoria dal Dr. Santo Garo-
vaglio. Pavia, 1865 ; 8**. — La Normandina Jungennanniae,
Lichene delia tribn degli Endocarpi, nnovamente descritta
e figurata. GaraviKjIio e GiheUL Estratto dal Nuovo Gior-
nale botanico Italiano, Vol. II, 1870. Firenze; 8". — Sulla
Placidiopsis Grappae, nuovo genere di Licheni fondato dal
Dott. Beltramini. Nota del prof. Santo Garavaglio.
Milano, 1870; 8".
Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt,
von Dr. A. Petermann, 23. Band, 1877. 1. u. 2. Heft.
Gotha; 4".
Nachrichten über Industrie, Handel und Verkehr aus dem
statistischen Departement im k. k. Handels-Ministerium.
X. Bd., ?>. Heft. XI. Bd., 1. Hälfte. Wien, 1876 u. 1877; 4».
Nature. Nr. 383, Vol. XV. London, 1877; 4".
Osservatorio della Piegia Universitä di Torino: Bollettino
Anno X. (1875), Torino, 1876; 4o. — Bolletino meteorolo-
gico ed astronomico. Anno IX. (1874.) Torino, 1875; 4^.
Reichsanstalt, k. k. geologische: Verhandlungen. Nr. 16 u.
17, 1876. Wien; 8«. - Jahrbuch. Jahrg. 1876, XXVI. Bd.
Nr. 4. October, November, December. Wien ; 8". — Ver-
handlungen. Nr. 1 & 2. 1877. Wien; 8".
Revue Mensuelle de Medecine et de Chirurgie. Nr. 1. Janvier,
1877. Paris, 1877; 8".
„Revue politique et litteraire" et „Revue scientifique de la
France et de l'Etranger". VP Annee, 2" Serie, Nr. 36. Paris,
1877; 4"\
Societä degli Spettroscopisti Italiaiii: Memorie. Dispensa 12.
Dicembre, 1876. Palermo; 4".
150
Societä Toscana di Scien/.e naturali residente in Pisa. Vol. II.
Fase. 2" ed nltimo. Pisa, 1876; 8".
Soeiete entomolog-ique de Belgique: Compte rendu. Serie 2.
Nr. 34. Bruxelles, 1877; 8 .
Society American Philosopliical: Proceediiigs. Vol. XVI. Nr. 97.
Philadelphia, 1870; 8».
— Zoolo^ical of Philadelphia: The iourth Annual Report of
the board ol Directors. Philadelphia, 1876; 8*^.
l'nited States Coast Snrvey: Report of the Superintendent,
during the years 1869—1873. Washington, 1872—1875; 4«.
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Washington, 1876; 4**. Catalogue of the Piiblications. Wa-
shington, 1874; 8^.
Wiener Medizin. Wochenschrift. XXVII. Jahrgang, Nr. 9.
Wien, 1877; 4".
Zeitschrift des österr. Ingenieur- und Architekten - Vereins.
XXIX. Jahrgang, 2. Heft. Wien, 1877; 4'^
151
Über den Vulcauismus als kosmische Erscheinung.
Von dem w. M. Gr. Tscheruiak.
Bei Geleg-enheit einer Besprechung der wahrscheinlichen
Bildungsweise der Meteoriten erwähnte ich bereits, dass, nach
den bisher gewonnenen Erfahrungen zu urtheilen, der Vulca-
nismus nicht auf unsere Erde beschränkt, vielmehr eine
kosmische Erscheinung sei in dem Sinne, dass alle Gestirne in
ihrer Entwicklung eine vulcanische Phase durchmachen.
Die Betrachtung der Formen, welclie die Mondberge dar-
bieten, regte schon Aor zweihundert Jahren den scharfsinnigen
Robert Hooke zu dem Gedanken an, dass jene Trichterformen
durch Eruptionen von Dämpfen hervorgebracht sein dürften.
Seitdem sind ähnliche Ideen mehrfach ausgesprochen worden,
und in der letzten Zeit haben Nasmyth und Carpenter nach
.sorgfähiger Beschreibung und Darstellung jener Bergformeu
deren eruptive Entstehung auf Grundlage einer neuen Hypo-
these zu erklären versucht.
Die Sonne bietet uns noch gegenwärtig das Schauspiel
heftiger Ausbrüche auf ihrer Oberfläche. Die spectroskopischen
Beobachtungen, welche, allenthalben von ausgezeichneten For-
schern angestellt, die Natur dieses Centralkörpers mehr und
mehr enthüllen, ergeben als nothwendigen Schluss, dass fort-
während und an vielen Punkten glühende Gasmassen mit un-
glaublicher Geschwindigkeit aus dem Innern hervorbrechen.
Diese und andere damit zusammenhängende Veränderungen der
Sonnenoberfläche brachten schon vor einigen Jahren Zöllner
zu der Überzeugung, dass dieselben in ihrem Wesen mit den
vulcanischen Erscheinungen der Erde übereinstimmen und
nur ihrer Intensität nach davon unterschieden seien. Das
plötzliche Aufleuchten mancher Sterne, unter welchen der
152 Tscheimak.
zuletzt von J. F. J. Scliniidt im Sternbilde des Seliwanes vvaliv-
genumniene am eitrigsten beobaehtet wurde, erfährt gegenwärtig
eine Deutung im Sinne grossartiger Ausbrüche des feuerflüssi-
gen Innern jener Himmelskörper.
Das Studium der Meteoriten bietet fernere Gelegenheit, die
Vorstellung von einem allgemeinen Vulcanismus weiter zu ent-
wickeln. Die Meteoriten haben Formen, welche beweisen, dass
sie lange vor ihrer Annäherung: an die Erdedurch Zertrümmerung^
aus grösseren Massen hervorgegangen sind. Sehr viele von
ihnen zeigen ein Getüge, welches mit demjenigen bestimmter
vulcanischer Tutte ültereinkonnnt.
Darauf gestützt habe ich vor Kurzem die Ansicht entwickelt,
dass die Meteoriten Auswürflinge kleiner Phmeten seien, welche
ein Stadium heftiger vulcanischer Tliätigkeit durchliefen und
während dieser Zeit ganz oder zum Theil in Trümmer aufgelöst
wurden. *
Es ist nun möglich, dass die liier genannten Erscheinungen
untereinander und mit den vulcanischen Erscheinungen der
Erde in keinem Zusammenhange stehen, es ist möglich, dass die
Ähnlichkeit in den besprochenen Thätigkeiten eine bloss äusser-
liche ist. Wir sind aber geneigt, einen solchen Zusammenhang
anzunehmen, denn jede eigentliche Forschung beginnt mit der
Voraussetzung einer Znsammengehörigkeit der Erscheinungen.
Seitdem die spectroskopischen Beobachtungen die Gleichartig-
keil der Materie in unserem Sonnensysteme und weiter hinaus
lehrten, ist es uns aber sehr nahe gelegt, alle jene eruptiven
Bewegungen von derselben Eigenscliaft der in den Himmels-
körpern sich wiederholenden Stotfe abzuleiten.
Wir hotten demnach dahin zu gelangen, jene merkwürdigen
Erscheinungen auf dieselbe Weise zu erklären wie den Vulcanis-
mus der Erde.
Die Aufgabe, welche zu lösen ist, besteht darin, eine An-
nahme zu tinden, aus der sich alle hierher gehörigen Wahr-
nehmungen iolgerichtig ergeben, f^ine ganz neue Hypothese
zu suchen wird kaum nöthig sein, denn seitdem ein Plato, ein
1 Diese Berichte 187;j, Bd. 71, Abth. IL pag. «itil.
über den Vulcauisimis als kosmisclie Erscheinung'. lob
Strabo sowie ein Seiieea, Liicrez u. A. ihre Ideen über die
Ursache jener Erscheinungen aussprachen, bis zur heutigen Zeit
waren viele Forscher bemüht, eine Grundlage zu gewinnen, welche
(lieErklärinig des tellurischen Vulcanismus ermöglicht. Es dürfte
demnach genügen, die wichtigsten der bisherigen Versuche zu
prüfen, um zu erkennen, ob eine der vorgebrachten Ideen der
Übertragung auf die ausserirdi sehen Erscheinungen und der
Ausdehnung auf die kosmischen Verhältnisse fähig sei.
Eine grosse Anzahl der Geologen ist heute der Ansicht, dass
die vulcanischen Phänomene der Erde durch das Zusammen-
treffen des in die Tiefe sickernden Wassers mit dem heissen Erd-
innern vollständig erklärt werden können. In der That ergeben
sich viele an den Vulcanen gemachte Wahrnehmungen unge-
zwungen aus der Hypothese eines feurig flüssigen Erdinnern,
aus der Annahme von Spalten in der Erdrinde und aus der
unzweifelhaften Verbreitung des Wassers in dieser Rinde.
Diese Annahme, welche durch L. v. Buch und A. v. Hum-
boldt begünstigt, die aber später durch Const. Prevost,
Hcrope, Dana, Daubree u. A. modificirt wurde, hat sich
allmälig den Erfahrungen der Physik über das Verhalten der
Flüssigkeiten und Dämpfe bei hohem Drucke angepasst.
Das Wasser, welches in Folge der Schwere sich auf Spalten
abwärts bewegt, erleidet den Druck der ganzen darüberstehen-
den Wassersäule. Durch denselben wird es weiter abwärts
durch die feinsten Klüfte und capillaren Offnungen gepresst, bis
es in jene Tiefen gelaugt, in w^elehen nach jener Hypothese eine
sehr hohe Temperatur herrscht. Das Wasser kann sich hier
unter dem hohen Drucke nicht in Dampf verwandeln, sondern es
vereinigt sich mit der heissflüssigen Schmelze zu einem Magma,
welches fähig ist zu explodiren, sobald der Druck abnimmt.
Dort wo die Erdrinde von solchen Spalten durchsetzt ist,
die bis auf den flüssigen Inhalt der Erde hinabreichen, steigt
jenes Magma empor, und zwar zufolge des Druckes der Erdrinde
auf das flüssige Innere. In die Nähe der Erdoberfläche gelangt,
wo der Druck gering ist, explodirt dieses Magma, liefert Wasser-
dampf und Lavastaub, die tiefer liegenden Massen werden
dadurch auch vom Drucke befreit, kochen auf, und drängen
empor als Lava.
V
154 Tb c he r ui a k.
So iing-efälir (lenken sich i^cgenwärtii;' die meisten Anliiing-er
jener Hypothese den Vor^-ang l)ei Mileanisclien Eruptionen. Die
heissen Quellen sind nach ihrer Ansicht autsteigende Quellen,
deren Wasser aus der Atmosphäre stammt, auf .Si)alten bis in
die warme Tiefe dringt, und von dort nach dem Grundsatze der
connnunicirenden Röhren auf anderen Spalten emporgedrängt
wird.
Die Erdbeben sind, soferne sie nicht durch Verschiebung:en,
Trennungen und Einstürze innerhalb der Rinde entstehen, ent-
weder durch Schwankungen des flüssigen Erdinnern oder durch
unterirdische Explosionen jenes Magma verursacht.
Obgleich die Annahme eines heissflüssigen Erdinnern durch
die Fortschritte der Astrophysik eine bedeutende Stütze erhalten
liat, obwohl demnach eine künftige Theorie des Vulcanismus
diesen Boden kaum verlassen dürfte, so ist doch die zuvor an-
gedeutete Erklärung, welche das Wasser als einziges Agens an-
nimmt, keine vollständig genügende, weil sie nicht für alle vul-
oanischen Erscheinungen ausreicht und die Ausdehnung auf
andere Himmelskörper nicht gestattet.
Wenn die Ursache der vulcanischen Eruptionen einzig in
<lem eindringenden Wasser und dem heissen Erdinnern läge, so
würde nicht einzusehen sein, woher die Unregelmässigkeit und
die grosse Seltenheit der Eruptionen kommt. Auf der einen
Seite wirkt das Wasser, welches beständig in die Tiefe dringt,
eontinuirlich, ebenso ist die zweite Ursache eine continuirliche.
Auf der anderen Seite aber erfolgen die vulcanischen Eruptionen
discontinuirlich, selten und unregelmässig.
Den angenommenen Ursachen zufolge könnte das Resultat
von zweierlei Art sein. Die vulcanischen Eruptionen müssten
entweder continuirlich sein, es müssten auf den vulcanischen
Spalten beständige Ausbrüche erfolgen und es wäre ein gross-
artiger vulcanischer Kreislauf des Wassers hergestellt, so lange
das Erdinnere heiss bleibt — oder die Eruptionen müssten
periodisch erfolgen, indem die Periodicität von der Schwerkraft
veranlasst wurde wie bei dem Geisyr-Phänomen.
Weder das Eine noch das Andere trifft zu, und gegenüber
der Riesengrösse der angenommenen wirkenden Ursachen ist
dasjenige, was von der Erde durch die vulcanischen Eruptionen
über den Vulc.niisniiis als kosiuisclie Ersclieinmig. 1.^5
geleistet wird, ein so geringer Betrag, dass dieses Missverhältniss
allein zur Genüge zeigt, dass der Zusannnenbang kein direeter
sein könne.
Findet die Hypothese schon hier einige Schwierigkeiten, so
verlässt sie uns vollständig bei der Erklärung der chemischen
Verhältnisse. Der Vesuv, der Ätna, die Eruptionen auf Santorin
und auf Island liefern nach den Untersuchungen von Bunseu,
Ch. 8. C.Deville, B oussi ngault, Fouque u. A. nicht bloss
Wasserdämjjfe, sondern auch verschiedene andere Dämpfe und
Gase wie Salzsäure, schweflige Säure, Schwetelwasserstoflfgas,
Kohlensäure, Kohlenwasserstoffe, Wasserstoffgas, Stickstoflfgas,
Ammoniakgas etc. Die Salzsäure kann man allerdings aus der
Zersetzung des im eingedrungeneu Meerwasser enthaltenen Koch-
salzes ableiten, die schweflige Säure und den Schwefelwasser-
stoffschon sehr schwierig von der schwefelsauren Magnesia und
dem schwefelsauren Natron des Meerwassers, und zwar sowohl
in qualitativer Hinsicht als aucb deshalb, weil die Quantitäten
in keiner Beziehung mit der Zusammensetzung des Meerwasssers
stehen.^ Wie sollen aber die ungeheuren Mengen von Kohlensäure
erklärt werden, welche aus dem vulcanischen Boden dringen?
Wie bei den vulcanischen Emanationen ergeht es bei den
von heissen Quellen emporgebraciiten Stoffen. Zwar sind dieselben
noch viel zu wenig untersucht, aber das Beobachtete genügt, um
die bier eintretenden Schwierigkeiten zu zeigen. Wiederum sind
es vor Allem die gewaltigen Mengen von Koblensäure, W'elche
von so vielen Quellen ausgehaucht werden, die der Erklärung
spotten. Bischof denkt sich in der Tiefe Kalksteiniager, welche
durch die Hitze allein oder durch heisse kieselhaltige Wässer
zersetzt werden, so dass freie Kohlensäure entsteht. Es ist aber
sehr misslich, unter jedem Vulcan, unterhalb jeder Sauerquelle
ein Kalksteiniager annehmen zu müssen, umsomehr, da in Gegen-
den, deren Boden aus Granit und Gneiss besteht, die Existenz
solcher Lager öfters geradezu höchst unwahrscheinlich ist.
Die besprochene Vulcanhypothese, welche nur das Wasser
und die Hitze als Agentien voraussetzt, erscheint somit in chemi-
scher Hinsicht zu unvollständig, um die Erscheinungen auf der
1 Vgl. Ch. Ö. riaire Deville in Cpt. rend. 1H75, Bd. 80, pag-, 833.
]5() Tschcrmak.
Krde klar zu inaclien, sie crlaul)t ferner keine Aiiwenduni;' auf
den Mond, welcher mit kratertörini^en Bildnn^-en überdeckt ist,
aber keine Spur einer früheren oder späteren Wasserbedeckung
zeigt, und sie gibt auch kein Mittel an die Hand, die vulcanische
Bildung und die Zertrümmerung jener Massen, von welchen die
Meteoriten herrühren, auf bek;inntc Thatsachen zurückzuführen,
umsomehr als die letzteren niemals eine Ähnlichkeit mit unseren
Laven oder mit sedimentären Gesteinen erkennen lassen.
Eine andere Idee, welche in der letzten Zeit viel discntirt
wird, ist neueren Datums. Seitdem die Verwandlung mechani-
scher Bewegung in Wärme aufmerksamer verfolgt wird, und
sich durch die Bemühungen eines Rumford, Clapeyron,
R. Mayer, Olausius, W. Thomson, Joule u. A. eine neue
Auffassung der Wärmeerscheinungen entwickelte, hat es nicht
an Versuchen gefehlt, die gewonnene Einsicht auch für den Vul-
canismus zu verwerthen. Die Hitze, welche bei den vulcanischen
Erscheinungen beobachtet wird, entsteht nach dieser Annahme
durch das Niedersinken von Theilen der Erdrinde. In Deutsch-
land haben V olger und später Mohr diesen Vorgang wahr-
scheinlich zu machen gesucht, in der letzten Zeit fand die Idee
an R. Mall et einen Vertheidiger, welcher die Rechnung und das
Experiment zu Hilfe nahm, um dersell)en Anerkennung zu
verschaffen. •
Mali et geht von der Annahme aus, dass die Erde im
P>kalten begriffen sei, und dass bei ihrer Abkühlung im Inneren
durch Zusammenziehung Hohlräume entstehen. Dadurch wird
der Raum geschaffen, in welchen überlagernde Stücke der Erd-
kruste, die von Spalten begrenzt sind, hinabsinken. Die so ent-
standene Bewegung verwandelt sich in Wärme und diese bringt
das Gestein an den Spalten zum Schmelzen, Zu der Schmelze ge-
langt herabsickerndes Wasser, daher die Eruption. Mall et geht
übrigens sehr ausführlich darauf ein, dass alle Theile der Erd-
kruste nicht nur nach abwärts einen Druck ausüben, sondern
' Philos. Transactions Bd. KJo, pag. 147. Übersetzung- von A.
V. La sau Ix in den Verh. d. natiiiliist. Vereins d. preuss. Klieinlaude
Jahrg. 32, Bd. 2. Die Ansichten Volg- er"s und Mohr's besprochen in
Pfaff: Allgeni. Geologie pag. 12—24.
über den Vulcanisimis als kosmische Erscheinung. 157
auch nach der Seite drücken, so dass auch dann eine ruck-
weise Bewegung- eintreten kann , wenn sich innerhalb der
Erdkruste eine Höhlung gebildet hat. Durch den allenthalben in
der Erde herrschenden Druck kann die Höhlung ansgetüllt, zuge-
Cjuetscht werden, die so erfolgte Bewegung gibt Wärme.
Mall et gibt sich Mühe, durch Versuche zu zeigen, dass
durch Zerquetschen von Granit und anderen Gesteinen mittels
grosser darauf gelegter Lasten wirklich Wärme entsteht, doch
sind alle diese Experimente deren Resultat vorauszusehen war,
nicht im Stande, seine Anschauung zu stützen. Auch wenn die
Voraussetzungen, nämlich die Zusnmmenziehung, die Bildung
von H()hlungen in der Erde und das Niedersinken und Quetschen
zugegeben werden, so folgt doch nur, dass die herabsinkende
oder in die Höhlung hineingepresste Erdmasse sehr wenig
erwärmt wird, denn die entstandene Wärme vertheilt sich auf
die ganze bewegte Masse, ferner aber auch, wie dies schon von
J.Roth bemerkt wurde, ' auf lange Zeiträume. Die Höhe des
Herabsinkens aber, und auf diese Höhe kommt es hier haupt-
sächlich an, ist immer nur eine geringe. Von einer Erhitzung
des Gesteines bis zum Schmelzen kann demnach gar keine Rede
sein. Auch wenn man durchwegs jene Verhältnisse annimmt,
welche der Ma lle t'schen Ansicht günstig sind, berechnet sich
eine Temperaturerhöhung von 15 bis 55° 0. auf den vulcani-
schen Spalten, diese ist aber unfähig, irgend einen merkbaren
Effect hervorzubringen (sielie Anmerkung 1).
Die Schwächen der Mallet'schen Ansicht haben J. Roth,
0. Fish er u. A. beleuchtet,^ so dass von derselben wohl ab-
gesehen werden kann und es fast überflüssig ist, darauf hinzu-
weisen, dass dieselbe nicht nur durch die Beschaffenheit der Lava
widerlegt wird, welche ein Krystallniagma ist, und weder als
eine blosse Schmelze, noch als Zerreibungsproduct der benach-
barten Gesteine erscheint, sondern dass die Hypothese auch die
chemischen Erscheinungen nicht zu erklären vermag. Es ist
ausserdem einleuchtend, dass sie auf andere Himmelskörper
ebensowenig anzuwenden ist, wie auf die Erde.
t Zeitsclir. d. d. geolog-. Ges. 1875, pag. 550.
2 Phil. Mag. 1S75, pag. 302.
158 T s c h e !• in a k.
Eine eigeiithiimlichc Erklärung- vnlcHiiischer Krscheiimiigen,
welche sicli auf die IMldung der Mondberge bezieht, rührt von
N a s m y t h und C a r p e n t e r her. * Dieselben denken sich den
Mond aus einer Masse bestehend, welche im starren Zustande
ein grösseres Vohimen besitzt als im flüssigen. Wenn eine vor-
dem flüssige Kugel, die aus solchem Material besteht, mit einer
Erstarrungsrinde überzogen ist, wird sie Risse erhalten, wofern
die Erstarrung weiter fortschreitet. Durch diese Risse wird etwas
von dem flüssigen Inhalt an die Oberfläche treten. Dies ist ganz
richtig. Die Verfasser glauben aber, dass bei diesem Hervortreten
sich eruptive Erscheinungen entwickeln, dass Material empor-
geschleudert und Krater aufgebaut werden können.
Obgleich es nun sicher ist, dass Körper, welche sich beim
Erstarren ausdehnen, im Stande sind, mit grosser Gewalt ihre
Hülle zu zersprengen, wie das Wasser, wenn es in einem ge-
schlossenen Gefässe friert, so gibt es anderseits gar kein Beispiel,
dass das Wasser, welches doch jahraus jahrein unter den ver-
schiedensten Umständen und sowohl in kleinen, wie in grossen
Mengen unter unseren Augen zum Erstarren kommt, jemals
eruptive Erscheinungen und einen Aufbau von Kratern darböte.
Es ist allerdings durch die Versuche von William in Quebek
bekannt, dass der Stöpsel, mit welchem eine mit Wasser gefüllte
Bombe verschlossen war, beim plötzlichen Erstarren des im Zu-
stande der Überschmelzung beflndlichen Wassers weit wegflog,
aber dieser Versuch Hesse sich höchstens unter Zuhilfenahme
neuer Hilfshypothesen zur Erklärung von Erscheinungen ver-
wenden, bei welchen eine Kraterbildung erfolgte.
Wir wissen aber mit voller Sicherheit, dass in jedem Falle,
da beim Erstarren von Flüssigkeiten ein Herausschleudern der
Masse, ein Aufbau von Trichtern etc. erfolgt, wie beim Erstarren
von Silber, Schwarzkupfer, von wasserhaltigem Schwefel, diese
Eruptionen von der plötzlichen Ausdehnung von (Tasen oder
Dämpfen herrühren, und es erscheint deshalb das Auftreten dau-
ernder Eruptionen, durch welche Aufschüttungskegel erzeugt
werden, ohne die Thätigkeit von Gasen oder Dämpfen nicht
wohl denkijar.
1 Tlie Moon. London 1874.
über den Vulcanisniiis als kosmische Erscheinung. lo!^
Der Versuch von Na sin ytli lind Carpenter, welche der
Schwierigkeit entgehen wollten, die in der Abwesenheit merklicher
Mengen von Wasser sowie von Gasen und Dämpfen auf dem
Monde liegt, dürfte daher wohl keinen allgenieinen Anklang
tinden.
Um die vulcanische Hitze zu erklären, sind auch chemische
Vorgänge angenommen worden, so von Davy die Verbrennung
von Kalium beim Zusammentreffen mit Wasser, doch Hess Davy
selbst diese Annahme wieder fallen, weil bei dem Zusammentreff'en
von Kalium und Wasser grosse Mengen von Wasserstoffgas ent-
wickelt werden, während die Vulcane, nach den damaligen Er-
fahrungen, kein Wasserstoffgas aushauchen.
Später wurde von Bunsen in isländischen Fumarolen
Wasserstoffgas entdeckt, doch betrachtet Bunsen diese Beobach-
tung nicht als eine Stütze der Davy'schen Hypothese, weil jene
Fumarolen neben dem Wasserstoffgas Kohlensäure, aber kein
Kohlenoxydgas enthalten. Letzteres würde aber aus der Kohlen--
säure entstehen, wenn ein solcher Vorgang wie die Zerlegung
von Wasser durch Kalium srattfände, welcher eine hohe Tempe-
ratur hervorruft.
Ausser den zuvor genannten Hypothesen ist noch eine sehr
alte, bis jetzt aber wenig entwickelte Anschauung anzuführen,
welche die vulcanischen Erscheinungen von der Tliätigkeit
solcher Gase und Dämpfe ableitet, welche ganz direct aus dem
Innern der Planeten hervorströmen. Der Gedanke ist in sehr
einfacher Form im Alterthume gehegt, später zuweilen wieder in
den Vordergrund gestellt, aber erst 1842 von Angelot etwas
ausführlicher entwickelt worden. '
Nach der letzteren Anschauung sind im Erdinnern, welches
heissflüssig gedacht wird, Stoffe absorbirt enthalten, welche sich
beim Erstarren gas- oder dampfförmig entwickeln und, in den
Spalten der Erdrinde aufsteigend, Eruptionen veranlassen. Die
aus den Vulcanen, den Fumarolen, den heissen Quellen aufstei-
1 Bulletin de la soc. geol. de F. t. 13, p. 178. Früher schon (1834)
hatte F Oll rn et die Idee kurz besprochen ibid. t. i, p. 200, später auch
Delanoüe ibid. 2. ser., t. 27, p. 635, der letztere freilich ohne Erwähnung
der Vorgänger.
1 60 T s c h c r m a k.
^ciideii (jusii iiiiil l);üu[)tc staiuiueii siHuieli aus dem rtiissii^eu Krd-
innern, in dem sie in irg'eiid einer Form absorbirt enthalten waren.
Obgleich sich die vnlcanischen Phänomene auf diesem Wege
ungezwungen erklären lassen, so fand doch An gelo t bald nach-
her, dass er diese Erklärungsweise einschränken müsse, weil er
meinte, die geringe Menge des flüssigen Erdinnern, welche jähr-
lich zur Erstarrung kommt, sei nicht hinreichend, die während
dieser Zeit von der Erde gelieferten vnlcanischen Gase zu ent-
wickeln. '
Wenn man aber die Rechnung, welche Angelot zu dieser
Beschränkung führti'. genauer prüft, so zeigt sich, vonllechnungs-
fehlern abgesehen, dass unterZugruiidelegung von Zahlen, welche
der heutigen Erfahrung entsprechen, ein günstigeres Resultat
hervorgeht. Wenn man annimmt, dass von jener Wärmemenge,
welche die Erde jährlich durch Abkühlung verhert, die Hälfte
direct von dem heissen Erdinnern abgegeben, die andere Hälfte
aber beim allmäligeu Festwerden des Erdinnern als Erstarrungs-
wärme entwickelt wird, so ergibt sich auf Grundlage der Pois-
son'schen Zahlen, dass von dem Erdinnern, wofern selbes aus
flüssigem Eisen bestehend gedacht wird, jährlich ungefähr 190
Kubikkiiometer erstarren. Diese können aber, wie die bisheri-
gen Erfahrungen zeigen (s. Anmerkung 2), ganz wohl beim Er-
starren das cOfaclie ihres Volumens an Gasen und Dämpfen
ausgeben. Diese Quantität Avürde aber genügen, um 20.000
Vulcanschlote zu speisen, die sich das ganze Jahr hindurch in
heftiger Thätigkeit betinden. (Genaueres in Anmerkung 3.)
Daraus ist zu ersehen, dass die genannte Idee immerhin
«ine Berechtigung hat, bei der Erklärung des Vulcanisnnis be-
rücksichtigt zu werden. Die Quantität dessen, was nach dieser
Schätzung die Erstarrung des Erdinnern an Gasen und Dämpfen
liefern kann, erscheint vollständig hinreichend, um die Eruptionen
-auf der Erde zu veranlassen. Die Unregelmässigkeit in der Auf-
einanderfolge der letzteren würde von Ungleichförmigkelten in
der Beschaffenheit des Erdinnern abzuleiten sein.
Die chemische Zusanmiensetzung der Emanationen würde
darauf hinweisen, dass im Erdinnern in jenen Tiefen, wo die
1 1. c. pag-. 399.
über den Viilcaiiismus als kosmische Erscheinung. lt>l
Temperatur sehr hoch, die Elementargase Wasserstoff, Sauerstoff,
Stickstoff, Chlor absorbirt vorhanden seien, dass ferner Scliwefel
und Kohlenstoff in erheblicher Menge in der heissflüssigen
Masse enthalten sein müsste.
Wenn wir nun hier einen Augenblick, der von Daubree
ausgesprochenen Idee folgend, eine Verwandtschaft zwischen dem
Erdinnern, und den Eisenmeteoriten annehmen, so werden uns
die Gase, welche in den letzteren absorbirt enthalten sind, Stoff
zum Vergleiche bieten. Die Untersuchungen von G-raham, J. W.
Mallet, A. Wright haben nun gezeigt', dass eine Anzahl von
Meteoreisen beim Erhitzen 1 bis 47 Volume Gas liefern, welche
aus Wasserstoff, Stickstoff, Kohlensäure und Kohlenoxyd beste-
hen. Das Eisen von Ovifak, welches von vielen Forschern für
ein tellurisches gehalten wird, entwickelt nach Wo hl er und
Daubree ungefähr 100 Volume Gas, welches aus Kohlenoxyd
und Kohlensäure besteht. In den Meteoreisen ist ferner Kohlen-
stoff in der Gestalt von Graphit und Schwefel in der Form von
Schwefeleisen (Troilit), Chlor in der Form von Eisenchlorür
verbreitet.
Der Vergleich ist sonach der hier besprochenen Idee günstig.
Dass kein freier Sauerstoff in den Meteoreisen gefunden wurde,
stimmt mit der Vorausetzung, dass diese Körper aus dem heiss-
flüssigen Zustande hervorgegangen seien; denn wenngleich der
Sauerstoff bei sehr hoher Temperatur im freien Zustande exi-
stirt, so wird er sich bei der Abkühlung doch mit den hiezu
fähigen Stoffen verbinden. Unter den entwickelten Gasen sind
aber Kohlensäure und Kohlenoxyd, also Saueistoffverbinduugen,
und das Eisen von Ovifak enthält eine grosse Menge von oxy-
dirtem Eisen beigemischt.
Der Vergleich wird deshalb kein unpassender, weil das
Verhältniss der Gase in den Meteoriten ein anderes als in den
vulcanischen Emanationen der Erde, denn die Meteoriten ver-
rathen uns nicht, wie viel von den einzelnen Stoffen darin absor-
birt enthalten war, so lange sie flüssig gewesen, sondern nur,
wie viel nach dem Erkalten als Überrest darin zurückgeblieben
I A. Wrig-ht American Journal of Sc. 1876. April- und Septem-
ber-Heft.
Jiitzb.d. matheni.-iiaturw. Cl. LXXV. Bd. I. Abth. H
162 Tscliei-mak.
Der Vorgang' der Gasentwicklung uii.s dem Erdinnern
würde so zu denken sein, dass bei dem allmäligen Erstarren des-
selben Stoffe aiisg'escbieden werden, welche bei Abnahme des
Druckes gasförmig werden können. Durch die ungleiciie Verthei-
liing der absorbirten Stoffe, durch Strömungen etc. wird eine Un-
regelmässig:keit der Ausscheidung bedingt und es wird öfters
eine plötzliche Entwicklung jener Stoffe eintreten. Die letzteren
liaben aber nur in Sj)alten der Erdrinde einen Ausweg, der ihnen Je-
dochauch hier durch die Lava verlegt wird. Es ist schwer zu sagen,
wie man sich die Wanderung jeuer Stoffe bei hoher Temperatur
und bei so ungemein grossem Drucke zu denken habe, aber es
ist klar, dass eine beissflüssige Masse, wie die Lava, welche mit
Dämpfen gesättigt ist und welcher von Neuem Gase zugeführt
werden, schliesslich zum Aufschäumen und zum Zerstäuben
kommt. '
Demgeniäss wären die emporkommenden Gase als die Er-
reger des Aulcnnischen Ausbruches zu betrachten, wozu die in
den Spalten vorhandene Lava, welche durch Einwirkung des
überhitzten Wassers auf die umgebenden Gesteine gebildet wird,
das Materiale liefert.
Die Lava, welche oft grosse und schöne Krystalle fertig
gebildet emporbringt, hat gewiss eine langwierige und ruhige
Bildung. Zur Erklärung derselben ist das Eindringen und Ein-
sickern von Wasser in die Tiefe ganz wohl heranzuziehen, gleich-
wie die Wassermassen der heissen Quellen auch auf dieses Hinab-
1 Die L;iva dürfte beiiu Enipordriiig-(;n noch eine nicht ganz uner-
hebliche Menge der einfachen Gase: .Sauerstoff, Wasserstoff', Chh)r mitbrin-
gen, welche sich infolge der zähflüssigen Beschaffenheit der Lava nicht ver-
einigen konnten. Bei Verminderung des Druckes werden sich diese Gase
verbinden, wesshalb die Lava beim Empordringen eine viel höhere Tem-
peratur annehmen muss, als sie früher besass. Ohne diese Verbrennungs-
wärme müsste sich die Temperatur der Lava bei der Ankunft an der Erd-
oberfläche infolge der Entwicklung der Wasserdämpfe erniedrigen.
Dass nun wirklich die Lava im Augenblicke des Hervorbrechens
eine höhere Temperatur annimmt, liat Stoppani mit allem Nachdruck her-
vorgehoben (Bull. soc. geol. -ide s., t. -27, p. 204, Cörso di Geologia, III, 173)
indem er auf die von den Forschern bisher zu wenig beachtete, aber von C.
W. C. Fuchs ausführlich beschriebene Erscheinung hinweist, welcher zu-
folge die Krystalle in den Laven theils deutlich angegiiffen, theils abge-
schniolzen erschienen, die Laven sicli oberflächlich verglasen etc.
über den ^'ulcanismlls als kosiuit-che Erscheinung'. i^Vd
dringen der Wässer zurltekzutuhren sein wird. Es ist demnach
niclit aller Wasserdampf der Vulcane von der \'erbrennung
absorbirt gewesenen Wasserstoffes abzuleiten, sondern die Vor-
stellung von dem Hinabsinken' der Wässer bis zur heissen Tiefe
bleibt aufrecht, und macht uns jene Vorgänge deutlich, bei
welchen nicht mehr Gase und Dämpfe die Hauptrolle spielen.
Die Erklärung der vulcanischen Erdbeben dürfte auf Grund-
lage dieser Emanationshypothese auch in gewissem Grade ver-
ändert werden, es ist jedoch nicht meine Absicht, in dieses Ge-
biet hier einzugehen.
Das Wichtigste, was nun bezüglicli der zuletzt erwähnten
Hypothese zu erörtern bleibt, ist ihre Anwendbarkeit auf die
dem Vulcanisnius verwandten Erscheinungen anderer Hinunels-
körper.
In dieser Beziehung darf wohl vor Allem bemerkt werden,
dass diese Hypothese den grossen Vortheil hat, weder mehrere
besondere Annahmen noch irgend eine neue Annahme voraus-
zusetzen, denn sie ist bereits in jener weittragenden Hypothese
von Kant und La place enthalten, welche bisher allein fähig war,
die Biklung der Himmelskörper dem Verstände anschaulich zu
machen. ^
Denkt man sich die Himmelskörper durch Condensation
entstanden, so gelangt man zu der Überzeugung, dass jeder der-
selben ein Stadium passiren musste, in welchem er flüssig zu
werden begann, und jedes der zusammenfliessenden Theilchen
von Dämpfen und Gasen um'geben war. Da die Flüssigkeiten,
auch jene, welche nur bei hohen Temperaturen als solche existiren,
Absorptionsfähigkeit besitzen, so wird eine solche allmälig
entstehende Flüssigkeitskiigel jene Menge von Gasen und
Dämpfen in sich aufnehmen, welche der Temperatur, dem unter
solchen Umständen hohen Atmosphärendrucke und der gebotenen
Quantität entspricht.
Bei den hohen Temperaturen, welche durch die Conden-
sation entstanden sind, werden die chemisch einfachen Stoffe
keine Verbindungen eingehen können, daher die zuerst entstan-
1 In der That haben beide Autoren schon auf die Möglichkeit einer
Entwicklung- von gasförmigen Körpern aus dem Erdinnern hingewiesen.
11*
164 T s c h e !• III a k.
dene Flüssigkeit vorzugsweise aus den schwerer flüchtigen
Metalleu bestehen wird, wm-in alle anderen Stoffe, die unter
solchen umständen absorbirt werden oder bleiben können, in
Lösung vorhanden sein werden.
.Sobald in der glühend flüssigen Kugel durch ihre Abküh-
lung Strömungen, überhaupt Bewegungen erfolgen, ferner sobald
eine Erstarrung eintritt, werden sich Gase und Dämjife aus dem
Innern entwickeln. Ist der äussere Atmosphärendnick verhält-
nissmässig gering, so kann diese Entwicklung sich zur Eruption
steigern. Gelangen bei dieser Entwicklung die glühenden Gase
in weniger heisse Schichten, oder erniedrigt sicii ihre Temperatur
durch die Ausdehnung, so wird endlich die Temperatur erreicht,
bei der sich die einfachen Gase zu Verbindungen vereinigen
können. Da dieser Act bei vielen solchen Gasgemischen von
einer plötzlichen Wärmeentwicklung begleitet ist, welche eine
Explosion hervorruft, so werden je nach Umständen entweder
nahe der Oberfläche oder auch auf derselben Explosionen statt-
finden müssen.
Diese Betrachtung ist genügend, um zu zeigen, dass die
eruptiven Erscheinungen auf der Sonne sich als eine noth-
wendige Folge ihrer Bildung durch eine Condensation solcher
Stoife, wie sie auf der Erde vorkommen, darstellen lassen. Hierin
weiter zu gehen, ist nicht meine Sache und erscheint über-
flüssig, da die Schriften eines in dieser Richtung so ertaln-enen
Forschers wie Zöllner die Besprechung und Erklärung der
auf der Sonne wahrnehmbaren Veränderungen in grosser Voll-
ständigkeit enthalten. •
Ich darf aber einen Augenblick bei einer besonderen Er-
scheinung verweilen, welche eintreten kann, sobald durch den
Vorgang der Ballung und Condensation sehr kleine Himmels-
körper entstanden sind. Auch diese werden zuerst ein bestän-
diges Aufkochen zeigen, und sich darauf mit einer Schlacken-
kruste bedecken. Die letztere wird Risse und Spalten zeigen,
und auf diesen wird sich eine eruptive Thätigkeit von grosser
Heftigkeit entwickeln, weil die Abkühlung und Erstarrung bei
1 Berichte der k. sächs. Ges. d. Wiss. zu Leipzig- 1870, pag. 103 und
338, ferner 1871, pag. -lO, 174 u. s. w.
über den Vulcanismus als kosmische Erscheinung. l^^J
«iner sehr kleinen Kugel rasch vorschreitet und sich demnach iu
kurzer Zeit eine relativ grosse Menge gasförmiger Körper aus
dem Innern entwickelt. Abgesehen von dem heftigen Aus-
strömen der Gase wird diese Thätigkeit auch von beständigen
Explosionen begleitet sein, weil die aus dem Innern sich ent-
wickelnden Elementargase, wie Wasserstoff, Sauerstoff, nahe der
Oberfläche unter einem geringen Drucke zusammentreffen, den
sie bei ihrer Verbindung durch die dabei entstehende Explosion
überwinden können.
Diese heftigen Eruptionen und Explosionen werden Stücke
der zertrünnnerten Kruste euiporsclileudern, welche bei dem
geringen Masse von Schwerkraft, welche ein so kleiner Welt-
körper ausübt, iu den Hinmielsraum getrieben, in der Form von
eckigen Trümmern ihre Bahnen schwarmweise verfolgen werden.
Durch solche Thätigkeit würde die Masse eines solchen kleinen
Sternes beständig verringert, unter Umständen könnte auch eine
vollständige Auflösung desselben in kleine Theile erfolgen.
Es wird dem Leser nicht zweifelhaft sein, dass ich hier auf
deductivem Wege die Bildung der Meteoriten anschaulich zu
machen versuche, nachdem ich in einer anderen Schrift gezeigt,
dass die Beschaffenheit derselben auf eine solche Entstehungs-
weise, wie sie vorhin geschildert wurde, hinweist. ^
1 Die Bildung der Meteoriten durcli Zertheilung eines Gestirns ist
schon von C'hladni als ein möglicher Fall betrachtet worden,, doch
entschied sich dic'^er Forseher für die Annahme einer Bildung aus Kometen-
masse, welche später von Reiche nbach, öchiaparelli u. A. weiter
entwickelt wurde. Brewster, L. Smith, Haidinger, Daubree
kamen auf die Entstehung der Meteoriten durch Auflösung eines Himmels-
körpers zurück, und Ha id in;.; er, welcher die Aehnlichkeit mit ßreccieu
undTntten hervorhob; dachte sich dieselben aus einem Weltkörper hervor-
gegangen, der sich aus einer staixbförmigen Materie ballte und sicli nach-
her, ähnlich wie eine Thonkugel oder Septarie, von innen heraus zer-
theilte. (Sitzungsber. d. Wiener Akad. XLIH, p. 370). Einen ähnlichen
Oedankcn sprach Meuuier aus (Geologie comparee ISTi), der sich die
Meteoriten aus einem Planeten entstanden denkt, welcher wie eine
trocknende Thonplatte Risse bekam und zersprang. Meine Entwicklung
geht von vielen kleinen Himmelskörpern aus. und fasst den Vorgang der
Zertheilung als einen vulcanischen auf.
Es ist daher wohl sehr sonderbar, dassMeu n i e r mir gegenüber eine
Priorität reclamiren will (Comptes rend. t. 81 p. 1278), anstatt die älteren
]<)H Ts c li (M- in a k.
Auf den kleinen Plinnnelskürpern, von welchen ich die
Meteoriten lierznleiten versuelie, konnten sich Itegreiflicherweise
keine Ansammlungen von Wasser bilden, auch wenn sich ans
dem Innern derselben Wasserdanipf entwickelte, denn erstens
musste die Menge des letzteren zu der kleinen Masse jener
Kugeln im Verhältnisse stehen, also nicht sehr gross sein, zwei-
tens konnten aus demselben Grunde diese Kugeln keine Atmo-
sphäre auf ihrer Oberfläche verdichten, welche jenen Druck
hervorgebracht hätte, der erforderlich ist, um das Wasser im
flüssigen Zustande zu erhalten.
Damit stimmt die Thatsache überein, dass die Meteoriten
fast durchwegs aus wasserfreien Mineralen bestellen, und nur sehr
\venige kohlige Meteorsteine einen geringen Wassergehalt er-
kennen lassen, endlich dass keine solchen vorkommen, welche eine
Ähnlichkeit mit den sedimentären Bildungen der Erde darbieten.
Es erübrigt noch anzuführen, dass auch die Beschaffenheit
der Mondoberfläche mit der Hyi)othese von der selbstständigen
Entwicklung von Gasen aus dem Innern harmonirt. R. Hooke
vergleicht treft'end die Mondkrater mit den ringförmigen Vertie-
fungen, welche auf der Oberfläche von gepulvertem Gyps ent-
stehen, wofern dieser erhitzt Avird, und der ausgetriebene Wasser-
(lanipf Eruptionen veranlasst. ]Man hat in der That einige Be-
rechtigung, auf der Oberfläche des Mondes, die nie einen Wind-
stoss erfährt und niemals durch Wasser geebnet wird, alles ans
einer leichten, vielleicht pulverförmigen Masse aufgebaut zu
denken.
Wenn man annimmt, der Mond sei aus einer Stofifmasse ge-
bildet, welche früher das P^rdcentrun) ringförmig umgab, und
wenu man zugibt, dass die Stoife sich ungefähr nach ihrem speci-
flschen Gewichte anordneten, so wird man vermnthen dürfen,
dass der Mond sich aus leichteren Massen formte als die Erde.
Damit stinnnt seine mittlere Dichte, welche ungefähr mit jener
Schriften zu würdigen nnd Hnidinger die gebührende Priorität zuzuer-
kennen.
Wenn man nicht die Kometen als Erzeuger der Jleteoriten ant^'asst,
.sondern, wie Zöllner, die Kometen und die Meteoriten als gleichzeitig
entstandene Prodncte aufgelöster Himmelskörper ansieht, so kann man
diese und die oben entwickelte Idee vielleicht in Einklang bringen.
über den Vulcaiiisiuus als kosmische Erscheinung'. KJ •
des Basaltes übereinkömmt. Der Mond enthielte demnach im
Innern nur wenig- von schwerem Metall, dagegen mehr von
ähnlichen Massen wie unsere eruptiven Gesteine, weiter nach
aussen bestünde er aber aus leichten Stotfen. Auf der Erde sind
leichte Minerale im Meerwasser gelöst, nändich Steinsalz,
schwefelsaures Natron, schwefelsaure Magnesia, Chlormagnesium
etc. Dieselben Stoffe kommen in den Salzlagern vor. Mehrere
darunter haben die Eigenschaft, grosse Mengen vonWasserdarapf
begierig aufzunehmen.
Man könnte also in der Rinde unseres Nachbarplaneten
solche Stoffe vermuthen, welche Wasserdämpfe und auch andere
Dämpfe begierig aufnehmen.
Dass der Mond, welcher bei seiner geringeren Masse eine
raschere Abkühlung erfuhr als die Erde, desshalb eine heftigere
vulcanische Thätigkeit entwickelte, ist aus dem Früheren ver-
ständlich. Wird angenommen, das bei den Eruptionen vor/Aigs-
weise Wasserdampf ausströmte, so ist bei der Annahme absor-
birender Stoffe an der Oberfläche des Mondes das Verschwinden
des Wassers begreiflich. Andere Dämpfe besitzen eine noch ge-
ringere Tension und würden schon desshalb wenig zur Bildung
einer Atmosphäre auf dem Monde beitragen. Dass der Mond schon
von Anbeginn keine aus permamenteii Gasen bestehende Atmo-
sphäre besass, würde mit dem Vorigen insoferne im Zusammen-
hange stehen, als man sich denken darf, dass die Hauptmasse
dieser Stoffe schon bei der Bildung der Erde absorbirt wurde.
Bei der Annahme leichter ))nlveriger absorbirender Massen
auf dem Monde würde sich der vulcanische Process theils als
Eruption und Aufschüttung von Kratern, theils als eine Auftrei-
bung grösserer Flächen ohne Eruption und als nachherigen
centralen Einsturz, ungefähr im Sinne der Buch'schen Erhe-
bungenslehre darstellen, und es Hesse sich demgemäss auch die
Bildung der grossen Ringgebirge anschaulich machen.
Dauern die Veränderungen der Mondoberfläche noch fort,
wie dies Beobachtungen von Lohrmann, Mädler, J. F. J
Schmidt, Webb ergeben, so wird die Astrophysik auch in
diesem Gebiete über blosse Vermuthun^en hinauskommen.
1 68 T s c li e 1- 111 a k.
A n in e v k n n i;- 1 (zu Seite 7).
Man kann sieh leicht Überzeugen, dass durch das Hinab-
sinken von Theih'U der Erdrinde keine solche Teni])eratur-
erhöhung stattfindet, welche die vulkanischen Erscheinungen
zu erklären vermöchte.
Nennt man das Gewicht des hinabsinkenden Theiles der
Erdrinde P und die Strecke, durch welche das Sinken stattfindet
u, ferner das Wärmeäquivalent der Arbeitseinheit A, so ist die
entstehende Wärmemenge
W=APu.
Denktman sich nun der Einfachheit wegen das hinabsinkende
Stück der Erdkruste von prismatischer Gestalt, oben begrenzt
durch eine quadratische Fläche deren Seite = / und von einer
Höhe h, welche der Dicke der Erdkruste gleichkommt, und ist
das mittlere Voiumgewicht der Erdkruste = s, so beträgt, weil
hier von der Krümmung der Erdoberfläche abgesehen wird,
jenes Gewicht
P=hFs.
wonach die beim Hinabsinken entwickelte Wärmemenge
W= Ah/hu.
Ist nun das Gewicht jener Gesteinsmasse, welche erhitzt
wird p, deren mittlere si)ecifische Wärme = c, so ist die erfolgte
Temperaturerhöhung
t =^
pc
worin r/ der Coefficient, welcher angibt, welcher Theil der ent-
wickelten Wärme unverloren bleibt, respective zi\ dieser Tem-
peraturerhöhung auf den Spalten verwendet wird.
Die entstehende Wärme wird in der That zum Theil dort
entwickelt, wo die Reibung bei dem Hinabsinken stattfindet, also
auf den seitlichen Begrenzungsfläehen jenes Prisma's, und es wird
sich im ersten Augenblicke die Wärme von den Spalten aus zu
beiden Seiten nur auf eine bestimmte Strecke o verbreiten.
über den Vulcanismus als kosmische Erscheinung. 160
Somit ist das Gewicht der Erdrinde, welches durch die g-cbildete
^^'ärme erhitzt wird,
p = S dhls
und die Temperaturerhöhung
Es ist wohl nicht wahrscheinlich, dasseiue ganze vulkanische
Gegend von 100 Quadratmeilen in kurzer Zeit 1 Meter tief
sinkt, umsomehr als dieses Sinken öfters stattfinden müsste, um
eine länger dauernde vulcanische Thätigkeit zu erklären, doch
mag dies immerhin angenommen werden, weil es der zu bekäm-
pfenden Ansicht günstig ist, also / = 10 Meilen = 74.'iOO Meter
und w = 1 IMeter.
Die erzeugte Wärme wird sich theils auf den Spalten ent-
wickeln und wird dort die zerriebene und zerquetschte Stein-
masse erhitzen, theils aber und zwar in nicht geringem Masse
wird sie sich auf der unteren Fläche durch Stoss auf die Unter-
lage, und wenn diese als flüssiges Erdinnere nachgiebig ist, auf
deren fester Umhüllung entwickeln, endlich wird in dem ganzen
Prisma allenthalben infolge des Stosses Wärme entstehen.
Es ist viel zugegeben, wenn man annimmt, der zuerst erwähnte
Wärmeantheil sei so gross wie die übrigen beiden zusammenge-
nommen, doch möge auch dies zugestanden, sonach q = y^
gesetzt werden.
Wenn überdies angenommen wird, dass sich die auf den
Spalten angehäufte W^ärme anfänglich beiderseits nur einen Meter
weit verbreite, was eben wegen der eintretenden Zerquetscbungen
ein Minimum ist, so berechnet sich, wofern die specifische Wärme
des Gesteins, wie es wahrscheinlich ist, 0-2 gesetzt wird, die
Temperaturerhöhung, welche bei jenem Niedersinken im Bereiche
der Spalten entsteht :
ein Betrag, welcher gegenüber den an Vulcanen beobachteten
Temperaturen ganz und gar unbedeutend zu nennen ist. Wenn
nun noch Wasser hinzutritt, so erniedrigt sich obige Temperatur
170 'rscliciMiiiik.
selir bedeutend, wenn z. B. die Hälfte des Gewichtes an Wasser
liin/.iikommt, auf 10-6° C.
Die Temperaturerhöhung- würde aber in der That eine viel
geringere sein, denn die hier geniaeliten Annahmen sind alle
in hohem Masse günstig für die Mall et 'sehe Ansieht gemacht
worden.
An dem Resultate der Rechnung würde sich auch nichts
ändern, wenn der Vorgang complicirter gedacht, wenn also
anstatt des Niedersinkens die Ausfüllung einer beim Erstarren
der Erdkruste gebildeten Höhlung durch nebenlagernde Massen,
und wenn ein Zersplittern und Zerquetschen der hinein gepress-
ten Gesteinsmassen angenommen würde. Im Gegentheile würde
hiebei die entstandene Wärmemenge noch weiter vertheilt,
folglich die Temperaturerhöhung der bewegten Massen eine sehr
unbedeutende sein.
Anmerkung 2 (zu Seite 10).
Dass die im Erdinnern enthaltenen flüssigen Massen
grosse Mengen von Gasen und Dämpfen absorbirt enthalten,
zeigt wohl schon die Lava, welche, sobald sie an die Erdober-
fläche gelangt ist, gewaltige Mengen von Dämpfen aushaucht. Sie
entwickelt die Dämpfe in geringerem Masse, solange sie dünn-
flüssig ist, auch die Bewegung über steile Abhänge vermag ihr
nicht grössere Dampfmengen zu entlocken, wie man dies am
Vesuv bei den Eruptionen im Jahre 1871 so schön beobachten
konnte. Beim Erstarren aber entwickeln sich grössere Dampf-
mengen.
Das flüssige Glas, welches der Grundmasse der Laven ähn-
lich ist, hat nach der Beobachtung von H. S. C. DeviUe und
Troost' auch die Eigenschaft, schon bei gewöhnlichem Drucke
Gase zu absorbiren und dieselben beim Erstarren zu entlassen,
aber die Menge der letzteren ist sehr gering. Daraus ergibt sich
der Einfluss des hohen Druckes, welcher die Laven befähigt, so
grosse Quantitäten aufgelöst zu erhalten, dass beim Erstarren
eruptive Erscheinungen auftreten.
1 Comptes. rend. Bd. 57, pag. 965.
über den Vnlcauisimis als kosmische Erscheinung. 1 ' 1
Der Schwefel ist ein Körper, der nach v. Hochs tet t er' s
Beobachtungen • sich zur Nachahmung der Lava vorzüglich eignet,
weil er im flüssigen Zustande und bei höherem Drucke viel
AVasser zu absorbiren vermag, welches er beim Erstarren dampf-
förmig und unter Eruptionserscheinungen ausgibt.
Aus der Zunahme der Dichtigkeit der Erde gegen ihr Cen-
trum, sowie aus dem Vergleiche zwischen den Meteoriten und den
Gesteinen der Erde schlössen Dana, Daubree u. A., dass das
Erdinnere aus flüssigen Metallmassen, vorzugsweise aus flüssigem
Eisen bestehen dürfte. Aber auch solche Flüssigkeiten besitzen
nach den gegenwärtigen Erfahrungen die Fähigkeit, Gase und
Dämpfe zu absorbiren und dieselben l)eim Erstarren zu entlassen.
Als Beispiele hiefür mögen einige Beobachtungen angeführt
werden, welche sich vorzugsweise auf Eisen, Kupfer und Silber
beziehen.
Nach Dürre (Constitution des Roheisens, Leipzig 1868)
zeigt das Roheisen beim Erstarren ein eigenthümliches ..Spiel",
indem es sich mit einer Haut überzieht, welche Spalten bekömmt
und ein abwechselndes Zerreissen und Zusammenschieben zeigt.
Die Erscheinung ist die Folge von inneren Strömungen. Auf der
Oberfläche zeigen sich oft Blasen von runder Form, welche als
dunkle Flecken hin und her schiessen und endlieh erstarren.
Manche Roheisenarten werfen Funken aus, welche mit blaulichem
Lichte verbrennen. Dabei zeigt sich eine Gasentwicklung, die ein
Geräusch wie beim langsamen Kochen hervorbringt.
Nach Schott (Die Kunstgiesserei in Eisen, Braunschweig
1873) zeigt garflüssiges Eisen nach dem Ausfliessen reticulare
Spaltenbildung. Sobald sich die Spalten schliessen, entwickeln
sich Gasbläschen, so dass das Ganze eine schüttelnde Bewegung
annimmt.
Halbirtes Eisen zeigt Spalten und das Hin- und Herschieben
und entwickelt reichliche Gasbläschen, die zum Theil auf der
Oberfläche erstarren. Grelles Eisen entwickelt viele Gasbläschen,
die platzen und glühende Sterne auswerfen.
Ledebur bemerkt (Berg- und Hüttenmänn. Zeitung 1873
Bd. 32. pag. 365), dass das Gas, welches sich aus dem flüssigen
1 Diese Berichte Bd. 62, Abth. II, pag. 771.
172 'I'sclH'i-iuak.
Kolieiisen entwickelt, /iiiu grossen Tlieil schon fertig darin ge-
bildet und in denselben! absorbirt enthalten sei. Es entwickelt
sich daraus infolge der Verminderung des Druckes, infolge von
Bewegungen und Strömungen sowie beim Erstarren. Ein anderer
Theil der Gase rührt her von der Einwirkung der Luft, welche
Sauerstoff zur Verbrennung des enthalteuen Kohlenstoffes liefert,
ein Theil der Dämpfe stammt aus der Feuchtigkeit der Guss-
formen. Das Spiegeleisen entwickelt beim Erstarren viel Gas,
wirft Eisenkügelchen aus. Die Oberfläche ist in Flammen ge-
bullt, die einen weissen, aus Kieselsäure bestehenden Rauch
bilden. In den entwickelten Gasen wird daher Silicinmwassei-
stoft" angenommen.
Die übrigen aus Spiegeleisen entwickelten Gase sind nach
Troost und Hautefeuille (Comptes rendus 1875, T. 80,
pag. 909) Wasserstoffgas, welches eine schwach leuchtende
Atmospiiäre bildet, später aber Kohlenoxydgas.
Dip aus dem Gusseisen und Eoheisen überhaupt sich
entwickelnden Gase sind nach Cailletet (Comptes rendus
T. 61, pag. 850) Wasserstoffgas, Kohlenoxydgas und Stickgas. ^
Troost und Hautefeuille bestimmten ausserdem auch
Kolilensäuregas. Dieselben fanden, dass die Gasentwicklung
aus dem flüssigen Eisen unter gleichbleibenden Umständen lange
andauern könne, da nicht bloss das Erstarren sondern auch die
im Innern der Flüssigkeit erfolgenden chemischen Processe neue
Gase liefern.
Troost und Hautefeuille fanden, d:iss Gusseisen im
Kohlentiegel in einer Wasserstoff-Atmosjjhäre geschmolzen ruhig
fliesst. Ninmit der Druck des Wasserstoffgases plötzlich ab, so
entsteht Gasentwicklung und Auswerfen von Eisentropfen, ebenso
beim Erstarren. Eine Kohlenoxyd-Atmosphäre wirkt schwächer.
Das in einer Wasserstoft'-Atmosphäre geschmolzene und hier
erstarrte Eisen gab beim Wiedererhitzen ein Gasgemisch ans,
welches in Volumpercenten 74-07 Wasserstoff, 16-70 Kohlenoxyd,
0-57 Kohlensäure und 5-58 Stickstoff enthielt. Bei anderen Ver-
suchen mit Robeisen, Stahl und weichem Eisen wurden hievon
1 Regnard beobachtete einen starken AmmoiiiakgtMuch an dem
Wasserstoffgas, welches sich aus einem Gussstahl beim Ei'kalten ent-
wickelte; Comptes rend. 1877, Bd. 84, pag. 2G0.
über den Vulcanismus als kosmische Erscheinung. 17o
abweichende Zahlen gefunden. Bei einem Versuche, der die ge-
nannten Zahlen ergab, lieferten 509 Gramm Eisen beim Erhitzen
16-7 C. C. Gas, also 1 Volum Eisen ungefähr 0-23 Volnme Gas.
Unvergleichlich mehr Gas fand J. Parry (American Chemist
1875, Nr. 63, pag. 107). Er schmelzte Roheisen in einer Wasser-
stoff-Atmosphäre und beobachtete die nach längerem Schmelzen
erfolgte Wasserstoff-Absorption. Er fand, dass das Eisen mehr
als das 20fache seines Volumens an Wusserstoff aufnimmt, welche
Quantität nach dem Erstarren und längerem Erhitzen ohne
Schniel/Aing im Vacuum wieder entwickelt wird.
Diese Bestimmungen beziehen sich immer auf das starre
Eisen, und geben keinen Aufschluss darüber, wie viel Gas von
dem damit gesättigten flüssigen Metall beim Erstarren abgege-
ben wird. Die Beobachtungen am Roheisen führen aber zu dem
.Schlüsse, dass diese Quantität eine bedeutende sein müsse.
Kobalt und Nickel verhalten sich ähnlich wie Eisen. Troost
und Haute feuille fanden (Comptes rendus 1875, T. 80, pag.
788) in den im Wasserstoflfgas geschmolzenen Metallen ebenfalls
Wasserstoff absorbirt.
Kupfer zeigt als sogenanntes Schwarzkupfer in einer
bestimmten Periode des Reinigungsprocesses ein Sprühen, wobei
aus dem flüssigen Metallbade eine Menge feiner metallischer
Kügelchen, oft in Gestalt eines feinen Regens zertheilt mit
Gewalt emporgeschleudert werden. Wenn nicht der richtige
Grad der Gase getroffen wurde, erfolgt beim Erstarren ein
Spratzen und Steigen in den Gasformen. Als die Ursache der
genannten Erscheinungen gilt die Einwirkung des atmosphäri-
schen Sauerstoffs auf den im Schwarzkupfer enthaltenen
Schw-efel. Beim Erstarren solchen Kupfers wird die schon gebil-
dete Haut durch die Gasentwicklung und das Herausschleudern
der Kügelchen durchbrochen , und es bilden sich auf der
Kruste kraterartige Erhebungen, aus welchen Kupfer ausfliesst.
(Stölzel Metallurgie pag. 685.)
Wird über reines flüssiges Kupfer entweder Wasserstoffgas
oder Kohlenoxyd-, Kohlenwasserstoff- oder Ammoniakgas gelei-
tet, so zeigt sich beim langsamen Erkalten in jedem Falle das
Sprühen, Spratzen und Steigen. (Caron in Dingler polyt. Jonrn.
Bd. 183, pag. 384.)
174 Tscli enun k.
Silber zeigt beknnutlicli das Spnitzen sehr ausg-ezeielinet.
Silbci, welches in einer Sauerstoff- Atmosphäre in Fluss erhalten
wird, absorbirt ungefähr das 22tache seines Volumens an Sauer-
•stotf, welchen es beim Abkühlen wieder entlässt, sobald die
Oberfläche starr wird. Die Erscheinungen, welche hiebei aut-
treten, tindet Fournet (Bull. soc. geol. Bd. IV, pag. 200) voll-
ständig gleicli mit jenen, welche die vulkanischen Eruptionen
darbieten. Nichts mangelt. Erhebung, Ergiessung, Erschütterung
des Bodens, Spalten, Gänge, Vulkane mit Kratern, Eruptionen ,
Ströme, Grasentwicklung, alles mit einer schlagenden Ähnlich-
keit, besonders wenn man mit einer Quantität von ungefähr
50 Pfund arbeitet.
Der Silberkuchen, welcher von Osterreich exponirt in der
IVeltausstellung von 1878 zu sehen war, zeigte die Kraterformen
und Eruptionserscheinungen ganz ausgezeichnet.
Anmerkung o (zu Seite 10).
Wenn man zu einer beiläufigen Schätzung des Volumens,
Avelches jährlich im Erdinnern aus dem flüssigen Zustande in
den starren übergeht, gelangen will, so kann man, wie dies
schon Ängelot versuchte, von der Wärmemenge ausgehen,
welche die Erde nach Poisson's Theorie während dieses Zeit-
raumes von ihrem inneren Wärmeschatze verliert. '
Demnach gäbe die Erdoberfläche per Jahr eine Wärme-
menge ab, welche geeignet wäre, eine Eisschichte von 0*00693
Meter Höhe zu schmelzen. Daraus würde folgen, dass jeder
Quadratmeter der Erdoberfliiche jährlich 507 Wärmeeinheiten
nach Aussen abgibt. Bezeichnet nun iv die letztere Zahl und
0 die Erdoberfläche in Quadratmetern ausgedrückt, so ist die
jährlich durch Leitung aus dem Erdinnern nach Aussen gelau-
gende Wärmemenge icO. Ausserdem aber gibt die Erde auch
Wärme durch die heissen Quellen, die vulcanischen Dämpfe,
die Laven ab. Die letztere Wärmemenge wird viel geringer sein
als die erstere. Um sie überhaupt in Rechnung zu bringen,
möge angenommen werden, dass sie von der ersteren um das
1 Tlieorie inatheinatique de la chaleiir. Paris 1855.
über den Vulcanismus als kosmische Erscheinung. 175
zehnfache übertroffeii wird; so dass die gesammte Wänneiiienge
1 • 1 wO
beträg-t. Ein Theil derselben miiss nun daher rühren, dass
beständig- Theile des Erdinnern erstarren, der übrige Theil
würde durch die Temperaturerniedrigung des Erdinnern gelie-
fert. Welches das Verhältniss dieser beiden Antheile ist, lässt
sich wohl kaum vermuthungsweise aussprechen. Werden, wie
es nicht sehr unwahrscheinlich, beide ais gleich angenommen
und ist e die Erstarrungswärme der Volumeinheit des Erdinnern
und J das jährlich zur Erstarrung gelangende Volum, so hat man
1-1 r
— — wO= eJ.
Entwickelt dabei die Volumeinheit das r-fache Gasvolum,
letzteres unter dem gewöhnliehen Atmosphärendruck gemessen,
und strömt dieses Gas mit der Geschwindigkeit v aus 71 Erup-
tionsöflfnungen hervor, deren jede den Querschnitt q hat, und ist,
z die Zahl der Secunden per Jahr, so ist
, ^ _ rw 0
n = ()-55 .
eqvz
Wird angenommen, dass das Erdinnere, welches gegen-
wärtig zur Erstarrung kommt, aus Eisen bestehe, so wäre für e
die Erstarruugswärme des Eisens zu setzen. Diese ist wohl
nicht näher bekannt, doch lässt sich nach den Versuchen von
y c h 0 1 1 und von M a 1 1 e t darauf ei n Schluss ziehen.
Nach »Schott gibt die Gewichtseinheit flüssigen Eisens bei
der Abkühlung bis auf 24° 0. an Wasser 283-7 WE. ab, nach
Mall et bei der Abkühlung auf 77° C. hingegen 273-3 WE.
Wird nun die Schmelztemperatur des Eisens wie gewöhnlich zu
1500° C. angenommen, und wird die specifische Wärme ohne
Fiücksicht auf das Steigen derselben mit der Temperatur mit
dem von R e g n a u 1 1 ermittelten Werthe zu 0- 1 14 angenommen, so
beträgt die Abkühlungswärme 171 WE. Demnach ergäben sich
für die Schmelzwärme, respective Erstarrungswärme des Eisens
278—171 = 107 WE., welche Zahl aber in Betracht der Um-
stände zu erniedrigen ist, so dass man vielleicht die Zahl 100
1 <6 Tschcnn;ik. Über d. Viilcanisnuis als ko^in. Erscheinung.
auiiehmen darf, welche von der für Eis geltenden (80) nicht sehr
verschieden ist.
Ein Kubik-Meter flüssiges Eisen, dessen Voliinigewicht zu
7-5 angenommen, würde sonach beim Erstarren e^= 750.000 WE.
entwickeln. Das flüssige Eisen ist nun, wie aus der vorigen
Anmerkung zu ersehen, schon bei gewöhnlichem Druck im Stande,
bedeutende Mengen von Gasen und Dämpfen absorbirt zu er-
halten. Mit Berücksichtigung des Druckes ist die Annahme, dass
ein Kubik-Meter des in der Tiefe erstarrenden Eisens so viel
Gas ausgibt, dass letzteres unter dem einfachen Atmosphären-
druck 50 Kubik-Meter einnimmt, eine solche, die gewiss nicht zu
hoch gegriffen erscheint.
Um eine Zahl zu erhalten, welche die Geschwindigkeit der
erumpirenden Dämpfe angibt, ist die Beobachtung J. F. J.
Sehmidt's anzuführen,' welcher als das Maximum der Ge-
schwindigkeit, mit welcher die Dampferuptionen auf 8antorin
erfolgten, zu 40 par. Fuss per Secunde angibt. Nimmt man die
Zahl noch etwas höher, so kann « =r= 15 Meter gesetzt werden.
Wird schliesslich für jede Eruptionsöffnung ein Querschnitt
von 1 Quadrat-Meter angenommen, was schon ein bedeutender
Dampfschlot zu nennen ist, so erhält man nach Einsatz der
Werthe von 0 = 9261.000 Meilen jede zu 7420 Meter und
2;= 31536.000, für die Anzahl der Eruptionsöffnungen, welche
gespeist werden können
n = 20040.
Unter den gemachten Voraussetzungen würde also die
Menge von Gasen und Dämpfen, welche sich beim allmäligen
Erstarren des Erdinneru entbinden, ausreichen, um 20.000 Ernp-
tionsöffnungen in beständiger, heftiger Thätigkeit zu erhalten.
Diese Zahl ist wohl ohne Zweifel grösser als jene, die man
durch Summiruug der vulcanischen Dampfentwicklungen auf
der ganzen Erdoberfläche erhalten würde.
1 Vulcanstudien 1874, pag. 175.
177
VIII. SITZUNG VOM 15. MÄRZ 187 7
Der Secretär legt die lur die Bibliothek der kais. Akademie
bestimmten Schlussbände des Novara-Reisewerkes vor, und zwar
den II. Band des zoologischen Theiles, welcher die Abtheilung
der ..Lepidoptera'-^ von den Herren Dr. Cajetan und Rudolf
Felder enthält, nebst dem dazu gehörigen Atlas von den ge-
nannten Verfassern und Herrn Custos A. Rogenhof er, mit
140 Tafeln, enthahend die colorirten Abbildungen von 2500
Schmetterlingen aus allen Himmelsstrichen, welche von der
Novara-Expedition und Herrn Dr. Felder gesammelt wurden.
Das w. M. Herr Prof. Rollett in Graz übersendet eine
Abhandlung: „Über die Bedeutung von Newton's Construction
der Farbenordnungen dünner Blättchen für die Spectralunter-
suchung der Interfereuzfarben für die Sitzungsberichte".
Herr Dr. B. Igel in Wien übersendet eine Abhandlung:
,.Uber die Singularitäten eines Kegelschnitt-Netzes und Gewebes".
Herr Prof. A. Tomasch ek in Brunn übersender eine Ab-
handlung: ..Zur Entwicklungsgeschichte (Palingenesie) von
Equisetwn'^.
Herr Oberstabsarzt a. D. August Dyer in Hildesheim
(Hannover) übersendet eine von ihm erschienene gedruckte
Schrift, unter dem Titel: „Arztliche Beobachtungen, Forschungen
und Heilmethoden'^.
Dr. G. Escherich in Graz übersendet eine Notiz zu
seiner in der Sitzung am 8. März durcli das c. M. Herrn Prof.
E. Weyr vorgelegten Abhandlung, betitelt: „Die reciproken
linearen Fiächens^steme".
Das c. M. Herr Prof. Dr. C. Claus legt vor die Fortsetzung
seiner „Studien über Polypen und Quallen von Triest" I. Aca-
lephen : 2. Über Bau und Entwicklung der Acalephengattungen
Aurelid, Chrysaora, Discomedusa, Rhizo Stoma.
Sitzb. d. mathem.-uaturw. Cl. LXXV. Bd. I. Abth. \'2
178
Herr Prof. Claus legt ferner folgende Arbeiten aus dem
zooloiiiseh-vergleiohend anatomischen Institute der Wiener Uni-
versität vor :
VII. , Beobachtungen über Gestaltung und feineren Bau des
als Hoden beschriebenen Lappenorgans des Aals", von
Herrn stud. med. Sigmund Freud.
VIII. „Das Centralorgan des Nervensystems der Selnchier^y
von Herrn Josef Victor Rohon.
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Acadcmie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts
de Belgique: Bulletin. 4(3' Annee, 2'' Serie, tome 48. Nr. 1.
Bruxelles, 1877; 8".
Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin:
Monatsbericht, mit4Tafeln. November 1876. Berlin, 1877 ; 8^
— Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinisch-Deutsche der Natur-
forscher: Leopoldina. Heft XIII. Nr. 3— 4. Dresden, 1877 ; 4^.
Association, the American for the Advancement of Science:
Proceedings. Vol. XXIV. 187.^). Salem, 1876; 8^
Boettger, Oscar Dr.: Die Reptilien und Amphibien von Ma-
dagascar; mit 1 Tafel. Frankfurt a. M. 1877; 4". Über eine
neue Eidechse aus Brasilien ; mit 1 Tafel. Frankfurt a. M. 8''.
Central-Commission, k. k. statistische: Statistisches Jahr-
buch für das Jahr 1874. 6. Heft; für das Jahr 1875. 9. Heft.
Wien, 1877; 8".
Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences.
Tome LXXXIV, Nr. 9. Paris, 1877; 4".
Dyes, August Dr.: Ärztliche Beobachtungen, Forschungen und
Heilmethoden. Hannover, 1877 ; 8^
Gesellschaft, Deutsche Chemische, zu Berlin: Berichte.
X. Jahrgang, Nr. )^ & 4. Berlin, 1877; 8".
— Deutsche, für Natur- und Völkerkunde Ostasiens. 10. Heft,
Juli, 1876. Yokohama; 4*\ — Das schöne Mädchen von
Pa<>. Yokohama; 4'\
— k. k. der Ärzte: Medizinische Jahrbücher. Jahrgang 1877,
1. Heft, mit 9 Holzschnitten. Wien, 1877 ; !^'\
— k. k. geographische, in Wien : Mittheilungen. Bd. XX (neue
Folge X), Nr. 1. Wien. 1877; 8«.
179
Gesellschaft, österr., für Meteorologie : Zeitschrift. XII. Rand,
Nr. 5. Wien, 1877; 4«.
— Oberlaiisitzisehe, der Wissenschaften : Neues Laiisitzisches
Magazin. LIL Band, 2. Heft, Görlitz, 1876; 8".
Gewerbe - Verein , n.-ö. : Wochenschrift. XXXVIII. Jahr-
gang. Nr. 9 u. 10. Wien, 1877; 4^
Jahresbericht des k. k. Ministeriums für Cultus und Unter-
richt für 1876. Wien, 1877; S^.
J 0 u r n a 1 für praktische Chemie, von H. K o 1 b e. N. F. Band XV .
2., 3. & 4. Heft. Leipzig, 1877 ; 8^
La ndwirthschafts - Gesellschaft, k. k., in Wien: Ver-
handlungen und Mittheilungen. Jahrg. 1876. November- und
December-Heft. Wien; 8*^. Jahrg. 1877. Jänner- u. Februar-
Heft. Wien; 8«.
Militär -Co mite, k. k., technisches und administratives: Mit-
tlieilungen über Gegenstände des Artillerie- und Genie-
Wesens. Jahrgang 1876. 12. Heft. Wien, 1876; 8". Jahr-
gang, 1877, 1. Heft. Wien, 1877; 8^
Mittheilungen, Mineralogische, von G. T seh er mak. Jahr-
gang 1876, Heft 4, mit 1 Tafel. Wien, 1876 ; 8".
Nature. Nr. ;J84. Vol. 15, London, 1877; 4"^.
Observatoire de l'Universite d'Upsal: Bulletin meteorologique
mensuel. Vol. VII. Annee 1875. Upsal; 4".
K e i c h s f 0 r s t v e r e i n , österr. : Osterr. Monatschrift für Forst-
wesen. XXVII. Band. Jahrg. 1877. Jänner-, Februar- und
März-Heft. Wien, 1877 ; S^.
„Eevue politique et litteraire'' et „Revue scientifique de la
France et de l'Etranger". VF Annee, 2'"^ Serie, Nr. 37;
Paris, 1877; 4<\
Societas regia Scieutiarum Upsalensis: Nova Acta. Ser. 3^
Vol. X. Fase. 1. 1876. Upsaliae, 1876; 4^
Societe entomologique de Belgique: Compte rendu, Serie 2,
Nr. 35. Bruxelles, 1877; S*\ Annales. Tome XIX. Bruxelles,
Paris, Dresde, 1876; 8^.
— Linneenne de Bordeaux: Actes. Tome XXXI. 4* Serie.
2" Livraison. Septembre 1876. Bordeaux, 1876; 8".
12*
180
Societe Linneeniie du Nord de la France: Bulletin mensuel.
Nr. 55—57. 6^ Annee. Tome III. Amiens, 1877; 8".
Statistisches Jahrl)uch des k. k. Ackerbau-Ministeriums für
1875. 4. Heft. Der Berg-werksbetrieb Österreichs im Jahre
1875. II. Abtheihing:. Berichtlicher Theil. Wien, 1876; 8".
Verein für die deutsche Nordpolarfahrt in Bremen. 40. und
letzte Versammlung am 29. Deceinber 1876. Bremen ; 8**.
V i e r t e 1 j a h r e s s c h r i f t , österr., für wissenschaftliche Veteri-
närkunde. XLVI. Band, 2. Heft. (Jahrgang 1876. IV.) Wien,
1876; 8».
Wiener Medizin. Wochenschrift. XXVII. Jahrgang, Nr. 10.
Wien, 1877; 4".
181
Zur Entwickeliingsgeschichte (Paliiigenesie) von Equisetum.
Von A. Toiuaschek,
Prrijessor in Brunn.
(Mit 1 Tafel.)
Der Generationswechsel der Equisetaceen zeigt auffallende
Eigenthlimliehkeiten. Der höher entwickelten Generation, dem
eigentlichen Equisetum fehlen die Geschlechtsorgane ; die Ver-
mehrung erfolgt durch ungeschlechtlich erzeugte Sporen. Die aus
der Spore hervorgehende, nur die Organisationsstnfe der Leber-
moose erreichende Pflanze, producirt die Eizelle, deren Thei-
Inng, hauptsächlich durch den Act der Befruchtung angeregt,
nicht zur Bildung von Sporen mutterzellen, wie bei den Leber-
moosen, führt. Die fortschreitende Zellentheilung , anfänglich
einen übereinstimmenden Verlauf nehmend, wie bei den LiCber-
moosen ^ (Riccia Marchantia), führt zur Bildung des Embryo der
primären Axe, aus welcher die Equisetumptlanze hervorgeht.
Die Befruchtung der Eizelle erfolgt durch kräftige mit unduliren-
der Flosse versehenen Spermatozoiden und zwar durch Ver-
mittlung des Wassers. Beide Generationen besitzen übrigens
eigenthümliche Vermehrungsweisen: zunächst die sporenbil-
dende durch unterirdisch kriechende ausdauernde Rhizome, aus
denen sich senkrecht aufstrebende Sprosse erheben; ferner
durch eigenthümliche Knollen, welche mit Reservenahrungs-
stotfen erfüllt, lange ruhen, um bei günstiger Gelegenheit neue
Stöcke zu bilden. Die Geschlechtsgeneration erzeugt oft Adventiv
Sprosse, welche durch Absterben des älteren Theiles des
stammähnlichen Thallus selbstständig werden.
1 Botanische Zeitung- von A. de Bary: Über (ten genetischen
Zusammenhang etc. Dr. F. Kieni tz-Ger lof f 187.5, Nr. 45, pag. 710.
1 82 T I) ni ;i s c li e k.
Die Gesclileolit.sgeneiation ist an die bölicr organisirte
sporent ragende dadurch noch näher geknüpft , dass die erstere
Animcndicnst bei der ant'äng-liehen Entwiekelung der Equisetum-
l)flanze leistet; da das erste Internodiinn der letzteren von den
anstossenden Gewebezellen des Stammtheiles der ersteren so
dicht umringt wird, dass eine i)arasitische Ernährung ans den
stärkereichen Gewebezellen nahe liegt. Das vorschreitende
Entwickeln der Equisetmnpflanzc hat demnach die Zerstörung
der ernährenden Pflanze zur Eolge. i
Die Selbstständigkeit und Lebensfähigkeit der Pflänzchen
der Geschlechtsgeneration angehörend, steigert sich zuweilen
durch das so häutig stattflndende Eehlschlagen der Embryo-
bildung; ferner durch Nichtvorhandensein männlicher anthe-
ridientragenderStämnichen. Beides wirkt fördernd auf die Dauer
und Stärke des Pflänzcheus ; deshalb findet man Pflänzchen
der Art mit noch jugendlichen Equisetumsprossen , oder
ganz ohne dieselben an sandigen Flussufern (Schwarzawa,
Brunn) bis Ende October lebhaft vegetirend. Solche alte
Stämnichen wurden sammt Erde ausgehoben und in Töpfe
gepflanzt, sodann in ein feuchtes Warmhaus gebracht, woselbst
sie noch in den Monaten November und December lebhaft vege-
tirten und immer von Neuem sowohl Antheridien als Arche-
gonien entwickelten. Die jungen Equisetumsprosse wurden,
um die Pflänzchen nicht zu schwächen, sorgfältig exstirpirt. Im
Monate Februar verminderte sich der Fenchtigkeitsgrad des
Treibhauses der Art, dass die Pflänzchen vertrockneten und zu
Grunde gingen.^ Es scheint jedoch nichts dagegen zu sprechen,
dass die Pflänzchen unter fortdauernden günstigen Umständen
überwintert werden kcinnten. Mit Kücksicht auf den bestimmt
ausgesprochenen Generationswechsel, der sich in den erwähnten
1 Hierüber war schon Dr. Bise ho ff liclitig- orieutirt; er sagt:
„Wiewohl derVorkeim seiner Entstehung nach nicht mit den Sanienlappen
der höheren Pflanzen vergHcheu werden kann, so ist doch seine analoge
Function, nämlieli die erstt' Ernährung des I\.eimpflänzchens, nicht zu ver-
kennen." Die Kryptogamengewäciise etc. Nürnberg 182S, pag. 43.
2 Die Equisetumsprosse überd inerten die Eintrocknung und
vegetiren fort! (Miirz.)
Zur EntwicUelung-sgeschichte (Palingeuesie) von Equisetmu. 183
Vorgängen ausspricht, halte ich die Bezeichnung- „ Prothallium -'
nicht mehr für entsprechend und werde im Nachfolgenden die
geschlechtliche Generation mit dem Ausdrucke „Protoriccia"
bezeichnen, wodurch angezeigt werden soll, dass, wenn die
Pflanze mit der Bildung von Sporocarpien abschliessen würde,
sie ihre Stellung im Systeme auch ihrer übrigen Eigenthümlich-
keiten wegen in dei' Nähe der Riccien an der tiefsten Stufe der
Lebermoose finden müsste. Diese Bezeichnung könnte übrigens
auch für die Prothallien der Farne gebraucht werden, da die
Prothällien derselben nicht nur durch Brutknospen ' vermehrt
werden können, sondern auch durch die Dichotomie des thallus-
ähnlichen Stammes noch mehr an die Riccien erinnern.
Unter der Voraussetzung der Descendenztheorie in ihrer
Anwendung auf die Phylogonie^ des Equiselum, liegt es
übrigens nahe, die Proforiccia, als eine in der Entwickeluugs-
geschichte des Equisetums auftauchende Ahuenform (Stamm-
pflanze) der letzteren aufzufassen, einer Form, mit welcher die
Pflanze seiner Zeit ihren Entwickelungsgang gänzlich abge-
schlossen haben mag. Es wären hiebei Anhaltspunkte zur
Erklärung zu suchen, warum die Gefässkryptogamen (in
unserem Falle Equisetum) in ihrer Entwickelung zur Ahnenform
der Protoricvia zurückgreifen müssen. Dieses Zurückgreifen
höher differenzirter Landpflanzen zur Ahnenform zum Behufe der
Befruchtung, verschwindet successiv erst dann, bis es der
Pflanze gelungen, sexuelle Differenz zu erwerben und zu einer
Befruchtungsweise zu gelangen, welche ohne Vermittlung des
Wassers (^Pollen, Vermittlung des Windes oder der lusecten)
vor sich gehen kann. (Vergleiche einen ähnlichen Gedanken -
1 Über die Propagation der Farn-Prothallien. Näheres bei Hof-
meister's: „Vergleiche üntersucliuugen etc. pag öS — 84. Auch Prings-
heiui, Bd. X, pag. 9-^ — loO; dann Sachs' Lehrbuch, 4. Aufl., pag. 23ii.
2 Im Pflanzen- und Thierreiche gibt es bekanntUch eine Menge
Thatsachen innerhalb der Entwiokehmgsgeschichte der Individuen (Onto-
gonie), welche auf die 8tamnigeschichte (Phylogonie) hinweisen, oder
wenigstens Zustände beurkunden, welche bei anderen Pflanzen- und Thier-
formen bleibend erhalten sind. Vergleiche beispielsweise Entwickelungs-
geschichte des Menschen vonKölliker, 187(j, pag. 392. Biogenetisches
Grundgesetz, E. Ha e c k e 1.
184 T () 111 a s c li c k.
gang bei Dr. Saclis' Leliibiich 1S74, png. o2. Das Wesen der
-Sexualität bes. 873, am Schlüsse; ferner: „Über den gene-
tisclien Znsammenliang' der Moose mit den Gefässkryptogamen
und Phanerogamen von Dr. F. Ki e nitz-Gerl off. Botanische
Zeitung-, Nr. 45 und 46.)
Die Equisetumpflanze steht gegenüber de»- Pvotnrlccia nicht
ganz unvermittelt da; zunächst ist die primäre Achse, an der
die erste Wurzel und Knospe angelegt werden, noch gefässlos.
Die ersten Gefässe (Ringgefässe) entwickeln sich innerhalb des
neu gebildeten Wurzelchens. Endlich geht aus dem primären
Internodiurn bei Equisetimt arvensc, E. paliistre, E. variegatiim
und vielleicht bei allen bekannten Arten eine Pflanze hervor,
die sich durch Dreizähnigkeit der Blattscheiden (lü — 20
Internodien bildend) und durch die geringe Anzahl (3 — 4) der
Zweigquirle von der ausgebildeten Form wohl unterscheidet.
Die secundären Aste dieser vorläufigen Equisetumpflanze ent-
springen am primären Internodium, viel tiefer unterlialb der
))rimären Blattscheide, während die S])äter herAortretenden
tertiären Zweige ausschliesslich innerhalb der Basis der Blatt-
scheiden entspringen. Erst später beginnt die Bildung bleiben-
der Ehizome und Brutknospen. Die geschilderte vorläufige
Pflanze geht mit Eintritt der ersten Fröste zu Grunde ; könnte
jedoch unter günstigen Temperaturverhältnissen überwintert
und weiter entwickelt werden.
Seit einer Zeit mit der Revision der übrigens in ihren
Hau])tzügen grösstentheils bekannten Entwickelungsgeschichte
von Eqniselum beschäftigt, erlaube ich mir im Nachfolgenden
einige Resultate dieser Untersuchung mitzutheilen.
Entwickelung der Protoriccia aus der Spore.
Die Keimung'.
Durch endosmotisclie Wasseraufnahme dehnt sich der proto-
j)lasniatische Inhalt der Spore aus, findet in diesem Dehnungs-
streben anfänglich ein Hinderniss an dem nur wenig dehnungs-
fähigen Exosporium. Mit einer anfangs massigen Aussackung
der Spore an der Schattenseite, an welcher auch das dehnungs-
fähige Endosporium Theil nimmt, zerklüftet der protoplas-
Zur Entwickehingsg-eschichre (Palingenesie) von Eqidsctiim. 185
matische Inhalt, indem er in ungleiche Fortionen sich trennt,
zwischen welchen eine lamellenartige Scheidewand auftritt,
während gleichzeitig- die getrennten Protoplasmamassen von
Zellenwänden umgeben werden; die kleinere neu gebildete
Zelle folgt der sackförmigen Ausdehnung des Endosporiums.
Das Exosporium wird gewöhnlich in 2 oder 3 um V20° von
einander abweichende Rissen getheilt, und bei fortschreitender
Dehnung meist abgeworfen.
Das Exosporium. Die äusserste Umhüllung der Spore ist
mit kurz c} lindrischen Erhabenheiten besetzt, welche jedoch
am besten in trockenem Zustande bei starker Vergrösserung
(Zeis. Oc. II. Obj. F.) erkennbar sind. Die bei der Keimung
abgeworfenen Segmente derselben erscheinen an der Ober-
fläche runzelig, von schwach rauchgrauer Farbe und wurden
mit den Trümmern der Schleidern nach Wochen in der Nähe
der Keime unversehrt angetrotfen. Zuweilen bleiben derartige
Fragmente des Exosporiums durch längere Zeit an den sich
weiterentwickelnden Keimen selbst hängen.
Die innere Undiüllung der Sporenzelle, das Endosporium,
besteht aus zwei Schichten, welche nur in seltenen Fällen durch
Einwirkung von Säure von einander getrennt, zur Anschauung"
gebracht werden konnten. Die erwähnte Zerklüftung des proto-
plasmatischen Inhaltes der Spore findet der Art statt, dass etwa
der sechste Theil der ganzen Masse sich lostrennt und durch
eine gleichzeitig gebildete Zwischenlamelle (Protoplasmaplatte)
getrennt wird.
Durch Einwirkung von Säure kann ersichtlich gemacht
werden, dass es sich bei diesem Vorgange nicht um eine Fäche-
rung des Zellenraumes , wie es den Anschein hat , handelt^
sondern um die Neubildung zweier Zellen, da nämlich die
getrennten Protoplasmamassen frühzeitig von einer zarten Zellen-
haut umgeben erscheinen. Die Aussackung in der Nähe der neu
gebildeten kleineren Zelle (Haarwurzelzelle), bezieht sich an-
fänglich sowohl auf die ursprüngliche Hülle (Endosporium) der
Spore, als auf jene der neugebildeten Tochterzelle. Sie erweitert
sich bald zur prinntiven Haarwurzel. Mit der allmäligen Aus-
bildung dieses primitiven Haarwürzelchens schwindet der nur
wenig chlorophyllenthaltende protoplasmatische Inhalt des-
180 T (> 111 ;i s c li e k.
selben und es Ideihcii endlicli nur einzelne hyaline Körperchen
zurück, welche sich im Haarwürzelchen zerstreuen. Durch
Behandlunii' mit Säure kann man sich auch überzeug'cn, dass
die Haarwui'zelzcUe, so wie Jiuch jede nachfolgende Zelle seit-
lich angelegt wird.
Eine höchst beachtcnswerthe Erscheinung ist die, dass es
beim Keimen der Spore im Dunkeln wohl zur P)ildung der Haar-
wurzelzelle kommt, dass sich diese jedoch sehr lange nicht
(oder wie es den Anschein hat bei tiefer Dunkelheit gar nicht)
zur Haarwurzel ausdehnt. Schon Milde hat diesen Versuch
inaugurirt (Zur Entwickelungsgeschichte der Equiseten. p. 627);
er berichtet: „Bevor ich den Fortgang des Wachsthuuis
beschreibe, will ich von einem Versuche berichten, den ich mit
Sporen anstellte, indem ich sie an einem finsteren Orte keimen
Hess. Hier dehnten sich die Sporen ungemein aus ; von Chloro-
phyll war nur in ihnen im Verhältnisse zu dem grossen Räume
eine kleine Menge zerstreut. Die Papille an der Spore behielt
sehr lange Zeit ihre ursprüngliche Grösse und zug sich also
nicht in eine Wurzel aus; und in diesem Zustande theilte sich
die Spore durch Querwände in 2 — 3 Zellen. Nach Verlauf
von 14 Tagen verwandelte sich die Papille in eine Wurzel . .-
Ich sah, so lange ich die Keime in geschlossenen Metallbüchseu
erhalten konnte (8 — 10 Tage,) niemals die Bildung einer Haar-
wurzel zu Stande kommen, somit hat es den Anschein, dass die
Haarwurzel zu den negativ heliotropischen Organen zu zählen
sei.* Jedenfalls findet bei den zuerst gebildeten Zellen rücksicht-
licli ihres Verhaltens gegen das Licht ein derartiger CTegensatz
statt, dass die eine die Wurzelzelle (neg. heliotr.) durch das
Licht im Längenwachsthume befördert, die andere, in der es
bald zur Neubildung von Zellen kommt (pos. heliotr.), im Dun-
keln sich ungemein ausdehnt. Auch bei dichten Aussaaten, die
im Lichte vorgenommen wurden, fanden sich immer einzelne
Keime, welche wohl eine Haarwurzelzelle besassen, die jedoch
in ihrer Anshildung zur Haarwurzel mehr oder weniger zurück-
blieb — eine Erscheinung, die sich aus der mehr oder weniger
1 Auch die Wiirzeüiaare der Manhanüa sind nach Pft'ffer mit
Sicherheit als negativ heliotropisch erkannt.
Zur Entwickelung'Sg-eschichte (Paliugenesie) von Eqniselum. 18 <
schattigen Lage einzelner Sporen bei dichter Aussaat erklären
lässt.
Sowohl in der ursprünglichen Keimzelle (Spore) vor dem
Eintritte der Keimung, als nachher in den neugehildeteuTochter-
zelleu, bemerkt man zuweilen deutlich den Zelleukern ; in der
Reg-el ist derselbe jedoch vom Protoplasma oder von den sieh
später ditfereuzirenden Chlorophyllkörnchen so umhüllt, dass er
sich der Beobachtung entzieht. Sonstige Wahrnehmungen
gestatten die Annahme, dass bei der Neubildung der ersten
Zellen eine Theilung des primitiven Zellenkerns stattfinde.
Direct konnte icli den Vorgang des Verschwindens und der
Neubildung- des Zellenkerns nicht heobachten. Auch die Beob-
achtung Hofmeister's (Vergi. Unters. Taf. XX, Fig-. j!0
und 41) liefern eigentlich nur eine Andeutung dieses Vor-
ganges.
Keime , im Monate Juli der directen Insolation ausgesetzt,
wurden hiedurch, ungeachtet hinreichender Befeuchtung, getödtet
und hierbei auch die ChlorophylUvörnchen gänzlich ausgebleicht.
An den g-etödteten Keimen traten aber die bräunlich gewordenen
Zellenkerne deutlich hervor; und es war hiebei deutlich ersichtlich,
dass jede Zelle, selbst die Haarwurzelzelle, mit Zellenkern
versehen sei. Wenn es beim Beginne des Keiniens der Spore
zur Dehnung derselben und zur Neubildung von Zellen kommt,
so differenziren aus dem anfänglich massigen, grüngefärbten
Protoplasma mehr oder weniger kugelige, hellgrüne Körperchen,
welche sich bei wachsender Ausdehnung der Zellen, sowohl an
die primitiven Wände, als an die neugebildete Zwischenwand
anlegen oder den Zellenkern dicht umlagern. Besonders die
zur Neubildung bestimmten Zellen sind anfangs dicht mit
Chlorophyllkörperchen angefüllt. Überhaupt zeigt die vielartige,
verschiedene, bald gruppenbildende, bald regelmässig strahlige
Anordnung dieser Gebilde, ungleich oft bei Zellen gleicher Ent-
wickelungsstufe von einer, wenn auch langsamen Bewegung
derselben, welche in vielen Fällen erkennbar, durch äussere
Umstände (Wärme und Licht) veranlasst wird. Die Wachs-
thumserscheinungen der Chlorophyllkörperchen bestehen theils
in Dehnung derselben durch lutussusception, in Folge deren
sie eine ansehnliche Grösse erreichen, theils in Vermehrung
188 T 0 in a s c h e k.
derselben duieli Theilniii:. Diese Theilung- ist eine dojtpelte und
geschieht hei den stärkefreien ('hlorophyllköri)erchen durch
Einschnürung, wobei der Theilung jene bekannte charakteri-
stische biscuitiorniige (oder stundenghisförmige) Gestalt des
sich zu derselben anschickenden Chlorctphyllkörperchens vor-
ausgeht; bei jenen 7 welche Stärkekörnchen erzeugen, durch
Zerfallen des Chlorophyllkörperchens in mehrere Theilstücke,
deren Zahl sich nach den vorhandenen Stärkekörnchen richtet,
indem ein Theil der vorhandenen griintingirten Protoplasma-
masse den einzelnen Stärkekörnchen anhaftet und dieselben
überzieht. In vielen Zellen verliert sich endlich der grüne Über-
zug und die Stärkekörnchen liegen sodann frei in der Zeile.
Solche Stärkekörnchen sind von verschiedener Gestalt und
Grösse: rundlich, oval oder länglich; immer aber von der Seite
etwas zusammengedrückt. Besonders frühzeitig und häufig
traten solche mit Stärkekörnchen gefüllte Chlorophyllkörperchen
in den Zellen jener Keime auf, welche in Karlsbader Wasser
entstanden waren.
Bedingungen der Weiterentwickelung der Sporenkeime im Freien
und bei künstlichen Aussaaten.
Die Spore, deren Grösse etwa 0-03 Mm. beträgt, ist nach
ihrer Trennung von der Mutterpflanze alsogleich zur Weiterent-
wickelung beiähigt und verliert im Trockenen schon nach wenig
Tagen ihre Keimfähigkeit, Besonders in den ersten Entwicke-
lungsstadien zeigt die sich entwickelnde Protoriccia einen hohen
Grad der Anpassungsfähigkeit an das Wasserleben und kaim
füglich als Wasserpflanze betrachtet werden. Ob die Ausbildung
der Fructificationsorgane unter Wasser möglich sei, ist mir noch
zweifelhaft; doch erhielten sich Keime von E. elo?if/atum über
sechs Wochen im Karlsbader Wasser lebens- und entwickelungs-
fähig; aber selbst im gewöhnlichen Wasser war die Erhaltung
derselben durch Wochen hindurch möglich. Milde (Flora,
1852, pag. 497) berichtet: „Am 12. April dieses Jahres säete ich
die, aus einer Ähre von lebender E. Telnutteja genommenen
Sporen zum Theil auf Wasser . . . die, auf dem Wasser schwim-
menden Vorkeime hatten sich vielfach mit ihren Wurzeln in ein-
Zur Entwickeluugsgeschichte (Paling-enesie) von Equisetum. 189
ander verschlungen und bildeten auf der Oberfläche des Wassers
eine zusammenhängende grüne Decke. Über acht Wochen
wuchsen die Vorkeime fort, ohne zu faulen. Nach Verlauf von
nicht einmal sechs Wochen, seit ich die Sporen ausgestreut
hatte, beobachtete ich an diesen Vorkeimen die Antheridien!
Um die Antheridien der Equiseten zu beobachten, hat man
also nur nöthig, eine Menge Sporen auf Wasser auszusäen, das
Glas zu bedecken und dem Lichte auszusetzen. In der sechsten
Woche wird man die Spermazoen gewiss auftinden.-' Auch nach
J. Du val-Jouve's (Histoire naturelle d' equisetum de France
pag. 119) gelangten die Sporenkeime an der Oberfläche des
Wassers schwimmend bis zur Production der Antheridien,
während die im Wasser untergetauchten, sich sehr lange lebend
erhielten; sie blieben vom 15. April bis 3. October (1860) lebens-
fähig und nur durch Zufall wurde ihre Weiterentwickelung unter-
brochen. Bei der Keimung und Entwickelung der Protoriccia
haben die die S|)ore begleitenden Schleidern keinen Einfluss.
Indessen sind sie für das gesellige Zusammenleben der zur
Diöcie hinneigenden Pflanze jedenfalls von Bedeutung, indem
sie beim Ausstreuen der Sporen aus der Fruchtiihre der Equise-
tumpflanze durch Verschlingung das Zusammenhalten mehrerer
Sporen bei der Aussaat bewirken und so das nahe Zusammen-
wachsen mehrerer Individuen veranlassen, ein Umstand, der
für das Hervorgehen der Equisetumpflanze aus der beinahe
diöcischen Protoriccia von Bedeutung ist.
Das dichte, gesellige Zusammenwachsen von Moosen, Algen
undNostoc ist der Entwickelung der Protoriccia nicht hinderlich,
da ich häutig mitten in der entwickelten Pflanze ohne Benach-
theiligung derselben, blattknospeutreibende Rhizoiden von
Moosen (Bitrbula) stecken sah. Den schädlichsten Einfluss auf
die Entwickelung der Protoriccia übt die Austrocknung des
Bodens oder der Luft, w-eun sie auch nur kurze Zeit anhält; Fäul-
niss, Insectenfrass, Überw^uchern von Vaucherien, Oscillatorien
und Vorkeime von Moosen mögen künstliche Ansaaten ver-
drängen, im Freien ist dies gewiss nicht der Fall, wenn die
übrigen Bedingungen des normalen Gedeihens vorhanden sind.
Im Innern einzelner Zellen und an der Oberfläche siedelt
sich auch eine Leptotrix (parasitica?) an , ohne die Vegetation
100 Toniasclick.
der Protoricciü sichtlich zu bciiachtheiligen. An deg-enevirten
Antheridien fand ich auch die Hyi)lien eines Pilzes, dessen
Conidien bereits ausgestreut waren. Bei Aussaaten im Wasser ist
die Zahl der sich in die Nähe der keimenden Spore drängenden
Parasiten allerdings eine grosse und herrscht insbesondere
eine in eine gallertartige Hülle eingeschlossene Alge vor,
welche oft massenweise, besonders an den Haarwurzeln der
Keime hängt. Künstliche Aussaaten der Protoriccia und viel-
leicht auch solche an ungünstigen Orten im Freien, werden von
einem Pilze Pythititn Equheti nach Beobachtungen von Dr. R.
Sadebek (Unters, über P. E</iiisett in den Beiträgen zur Bio-
logie der Pflanzen von Dr. F. C o h n, o. Heft, 1875) zerstört. In den
übrigens nicht häufigen Fällen, wo künstliche Aussaaten voll-
ständig gelangen, scheint die Befeuchtung durch Infiltration
besonders massgebend gewesen zusein. Hofmeister machte
die Erde der Aussaattöpfe geflissentlich uneben , hielt die
jungen Prothallien massig feucht, entzog sie den directen
Sonnenstrahlen und erfrischte dieselben durch zeitweiliges
Überbrausen mit kaltem Wasser. Ebenso Milde, der die
Sporen von hJ. Telmafajd zum Theil auf Wasser, zum Theil auf
schwarzer Erde in einem, einen Fuss langen und einen Fuss
breiten mit Glas bedeckten Kästchen aussäete.
J. Douval-Jouve nimmt einen Topf von 20 Cm. Durch-
messer, der bis zum letzten Viertel mit gewöhnlicher Erde
gefüllt wurde. Ein zweiter Blumentopf vom Durchmesser eines
Decimeters, dessen Boden durchlöchert ist, wird so in den
ersten versenkt, dass <las ISiiveau der Erde in demselben um
] Cm. über jenem der Erde des ersten Topfes erhaben ist. Die
Erde für den inneren Topf, der zur Aussaat der Sporen benützt
wurde, nahm er von einem Orte her, an dem Equi^-tum reich-
lich wuchs und ül»erdeckte sie überdies auf 2 Mm. mit einer
ebenen Schichte feinen Kieselsandes. Der Sand von einem Orte
genommen, wo Eqnisetum wuchs, wurde zum Behüte der Zerstö-
rung der allenfalls darin enthaltenen Kryptogamenkeiiue mit
siedendem Wasser gewaschen und auf einem Eisenblech aus-
geglüht. Die Saat wurde mit einer Glasglocke bedeckt, und
niemals direct begossen, sie erhielt die Feuchtigkeit von unten
auf durch Infiltration, da nur die äussere Schichte der Erde
Zur Entwickelungsgeschiclite (Pa)ingeiiesie) von Equisetum. 15H
Morgens niid Abends im ersten Topfe begossen wurde. Nur
während der Antheridienbildung wurde auch die Erde des
inneren Topfes benetzt, um den Übergang der Spermatozoiden
zu den Archegonien zu ermöglichen. Die ganze Vorrichtung*
wurde an einen hellen Ort gestellt und gegen directe Insolation
geschützt.
In übeiraschend übereinstimmender Weise tiiiden die ersten
Keimungsvorgänge der Spore von Marchanlia polymorphd statt.
Auch hier wird zunächst die Haarwurzelzelle gebildet, welche
sich bald schlauchförmig zur primären Haarwurzel verlängert.
Die Marchantiaspore ist jedoch nach ihrem Freiwerden aus dem
Sporenbehältnisse insofern nicht so keimbereit wie die Equise-
tumspore, als ilir die grüne Färbung, das Chlorophyll, abgeht.
Die Chloropliyllbildung wird nachgeholt. Die anfänglich ganz
klaren Körnchen im Innern der Spore (die farblose Grundsub-
stanz des Chlorophylls) gehen erst allmälig durch Gelb ins
Gi'ün des Chlorophylls über. Die grüne Färbung der Körn-
chen tritt erst dann entschieden hervor, wenn die Haarwurzel
bereits vorhanden ist.* Nicht so bei der Keimung der Sporen
von Riccia (glauca)\ hier tritt aus einer Spaltungslücke des
Exosporiums ein farbloser, durchsichtiger Schlauch hervor, an
dessen freiem Ende die erste chlorophyllhältige Lagerzelle zur
Entwickeln ng kommt.
Weitere Entwickelung der Protoricciakeime.
Rücksichtlich der weiteren Entwickelung der Prothallien
spricht Milde (Zur Entwickelungsgeschichte etc., pag. 629)
den Satz aus: , Der Vorkeim wächst vorzüglich an der Spitze.
Im Allgemeinen ist die Quertheiluug die häutigste, wenn der
Vorkeim schon eine bedeutende Grösse erlangt hat. Das ganze
Wachsthum und die Gestalt des Vorkeimes beruht daher: 1. auf
der Theilung der Zelle (Qnor- und Längstheilung); 2. auf der
Fähigkeit der Zelle sich beliebig aussacken zu können.-'
Sorgfältige Beobachtungen des Wachsthumsverlaufes der
Keime gestatten mir folgende Auffassung der Wachsthums-
1 Es scheint hier ein Stoff (Eisen?) zu fehlen, den die Wurzel aus
dem Boden heranzieht.
192 'I' () 111 ;i s (• hc k.
vorg'äii^'ti. Das Wacli.sthiun der Proloriccüi. buriilit zimäcli.st auf der
Zwcithcilung" der Zellen. Schon der erste Tlieiliuigsvorg-ang' der
Spore schliesst in sieh dasGesetz ein, nach welelii in dasWachs-
thnni, und in Folge dessen die Gestalt des Keimes geregelt wird.
Die erste prindtive Zelle, die Keimzelle (Spore) theilt sich
in zwei neue Zellen, die jedoch in ihrer Grösse sehr ungleich, in
ihrer Wachsthumsrichtung und auch in den Verrichtung-en, die
ihnen zukommen, einander entg-egengesetzt sind. Die eine, die
^Scheitelzelie, übernimmt, da sie sich weiter theilt, die Function
der Zellenvermehrnng; die andere, die Basalzelle, indem sie
y.ur weiter untheilbaren Haarwurzel auswächst, dient nunmehr
durch Wasserant'nnlime aus dem Roden zur Ernährung. Auch im
weiteren Verlaufe des Wachstliums bleibt jener Gegensatz
zweier gemeinschaftlich entstehender Zellen insofern aufrecht,
als auch bei späterer Zeilentheilung eine der neuentstandenen
Zellen bald nach ihrer Entstehung die Tendenz nach Neubildung
von Zellen vorwiegend erkennen lässt (d. h. zur Scheitelzelle
wird) ; die andere hingegen zur Ruhe- oder Dauerzelle sich aus-
bildet, in welcher die Entwickelung der Chlorophyllkörpercheu,
ihre Theilung, die Bildung von Amylum etc. ihren ungestörten
Verlauf nimmt. Es ist kaum zu bezweifeln, dass auch diese
Zellen einer weiteren Tlieilung fähig sind und auch wirkliche
Theilung derselben stattfindet, nachdem der Keim durcli rasches
Voranschreiten mit Hilfe der Scheitelzelle eine bestimmte Länge
erreicht hat. Aus solchen basal und marginalständigen Dauer-
zellen gehen auch nach mehrtägigem Wachsthume des Keimes
endlich die secundären Haarwurzehi hervor. Sie vertheilen sich
entweder über die ganze Länge des Keimes an der Schatten-
seite desselben, oder nur am Grunde, oder geschieht beides
zugleich. Die secundären Haarwurzeln bilden sich ganz analog
der primären, nur mit dem Unterschiede, dass meist die sich
bildende Haarwurzelzelle mehr oder weniger zwischen zwei
Zellen eingekeilt erscheint. Mit der Entstehung einer neuen
Haarwurzel steht auch in der Regel die Entstehung einer neuen
Scheitelzelle an der Lichtseite des Keimes in Verbindung, durch
deren Weiterentwickelung der Keim eine lappige Gestalt an-
nimmt. Nicht selten entspricht der Zahl der Haarwurzeln die
Zahl der neugebildeten Lappen. Mit dem Hervortreten einer
Zur Entwickelungsg-esehiclite (Palingenesie) von Equiseium. 193
neuen Haarwurzel ist nicht selten die Wiederbelebung eines
dem Anscheine nach verdorbenen Keimes in Verbindung, indem
mit demselben eine neue Scheitelzelle thätig- wird. Oft erkrankt
die Scbeitelzelle, indem sich der Inhalt verfärbt (kaffeebraune
Masse); während so die Weiterentwickelnng in einem Punkte
sistirt wird, bildet sich benachbart eine neue Scheitelzelle.
Die Übereinstimmung in der Bildung der secundären mit
der primären Haarwurzel hat schon Milde bemerkt (Zur Ent-
wickelungsgeschichte, pag. 629): „Bisher hatte der Vorkeim
immer noch eine Wurzel, welche sich gleich bei den ersten
Anfängen des Keimes gebildet hatte ; aber jetzt bilden sich auf
dieselbe Weise, wie die erste eine oder zwei neue Wurzeln.-'
Die Entstehung der Haarwurzel ist jedoch von Milde entschie-
den unrichtig aufgefasst worden: „irgend ein Theil des Vor-
keimes", bemerkter, „verlängerte sich, nämlich in eine farb-
lose Papille und diese in eine lange mit Schleim erfüllte Wurzel ;
später entstand auch h i e r z w i s c h e n ihr und d e m V o r-
keime ei neSc beide wand.'' Die Bildung der Haar wurzelzelle
vor der Bildung der Haarwurzel ist Milde entgangen. Einen
anderen erkennbaren Einfiuss übt ferner die Unbestimmtheit der
Richtung der Scheidewand zweier neu entstandener Zellen. Diese
Unbestimmtiieit in der Richtung der betreffenden Scheidewände
zeigt sich schon bei der zAveiten Zellentheilung, wo die Rich-
tung der Scheidewand gegen die Längenaxe des Keimes bei
den verschiedenen Keimen in dem Spielräume von mindestens
80 Gr. variirt, so dass diese anfängliche Theilung bald als
Längen- bald nahezu als Quertheilung aufgefasst werden kann.
Dieser Umstand in Verbindung mit der ungleichen veränder-
lichen Dehnung und Grösse der neu entstandenen Zellen ver-
leiht den einzelnen Keimen ein höchst verschiedenes Aussehen,
so dass kaum zwei vollständig übereinstimmende Keime auf-
gefunden werden können. Jedenfalls ist die Quertheilung anfangs
selten oder wenig constant, daher auch anfänglich höchst selten
fadenförmige Gebilde zum Vorschein kommen. (Auch in diesem
Falle sind die Zellen etwas seitlich angeordnet!) Nur eine
vollständige Quertheilung der Scheitelzelle, d. i. die Anlage
der neugebildeten Zellen an dem Endpunkte ihrer Längenaxe
hätte offenbar die Bildung eines fadenförmigen Sprosses nach
Sitzb. d. mathein. .naturw. Cl. LXXV. Bd. I. Abth. l-^
194 ToniHSfhck.
Art der Fadenalgcn zur Folge. Milde bemerkt: ,.ftelten findet
man, dass die Vorkeime sich nur durch Quertheilung; ver-
grössern ; ich habe Vorkeime gefunden , die sich auf die Weise
in 3 — 5 über einander stehenden Zellen getheilt hatten; diese
Vorkeime hatten eine regelmässige oblonge Gestalt". Bisch off
(die kryptog. Gew. 1828, pag. 41) findet zuweilen alle über
einander gestellten Zellchen lang gestreckt und bemerkt dazu,
dass das ganze Keimgebilde dann einem kurzen, gegliederten
Coufervenfaden nicht unähnlich sähe, diese stärkere Dehnung
in die Länge rühre inciessen nur von dem Aufstreben her, wenn
die keimende Spore durch Zufall mehr in den Schatten zu liegen
kam (posit. heliotr.), denn bei den meisten neigen sich die
Zellchen mehr zur kugeligen Form. Was Milde von der Aus-
sackung der Zellen sagt, bezieht sich wohl nur auf jene papil-
lenartige Erhebung, welche nach seiner Ansicht zur Bildung der
Haarwurzel führt. ^ Zu Folge der häufigen Störungen, welchen
die Ansaat von Sporen des E. pnlustre und K. variegatum (Juli
und August) ausgesetzt waren, gingen dieselben vor der Ent-
wickelung der Fructificationsorgane zu Grunde. Zur selben
Zeit wurde meine Aufmerksamkeit durch den Fund einer grossen
^[enge von Protoriceiarasen an den steilen, sandigen Ufern der
Schwarzawa in Anspruch genommen, so dass ich eine neue
Ansaat nicht mehr vornahm und die Fortsetzung der Keimen -
versuche unterbrechen musste. Die Ergebnisse der Unter-
suchung der entwickelten Protoriceia folgen.
Beschreibung der ausgebildeten Protoriceia von Equisetum palustre.
Der Vegetationskörper der Protoriceia (E. puliistrej besteht,
zunächst aus einem thallusähnliclien Stamme, der, wenn er
ohne Verzweigung geradlinig fortwächst, bei einer Breite von
1 bis 2 Mm. und V^ Mm. Höhe, eine Länge von mehreren Milli-
metern erreichen kann. Der Verlauf derselben wird am besten
durch horizontale Durchschnitte des Piotoricciarasens ersicht-
lich gemacht. Es zeigt sich hierbei, dass der ältere Theil
1 Wenn Dr. Sac h s (Lehrbuch, LS74) bemerkt: „Durch Ausstülpung-
seitlicher Zellen werden Verzweigungen angelegt", so weiss ich keinen
Waehsthnmsvorgang, in diesem Sinne besonders zu deuten.
Zur Entwickehmgsg-eschichte (Piilingenesie) von Equisctum. 19o
desselben zuweilen bereits abgestorben ist, während das ent-
gegengesetzte Ende lebhaft weitersprosst. Auch Krümmungen
und unbestimmte dichotome Verzweigungen des Stammes
kommen vor. Dieser stammähnliche Grundkörper besteht bei
älteren Pflänzchen aus einem chlorophyllfreien, stärkehaltigen
Parenchymgewebe, aus kleinen polygonalen Zellen bestehend,
zwischen denen grössere oder kleinere Luftlücken wahr-
genommen werden (Fig. 10 a), welche zuweilen so häufig auf-
treten, dass sie einigermassen mit ähnlichen, jedoch immer
mehr gleichmässig vertheilten Luftlücken der Riccia crystallina
verglichen werden können. Auf der Unterseite (Boden, Schatten-
seite) wird besonders an älteren Theilen des Sprosses eine
rindenartige, aus Zellenreihen kleinerer oder grösserer recht-
eckiger Zellen gebildete Epidermis differenzirt. Diese Zellen -
schichte zeigt jene, den absterbenden Theilen eigenthümliche
braune Färbung. Auch der Inhalt dieser Zellen scheint gänz-
lich erschöpft zu sein. Doch kommen auch jüngere, noch einiger-
massen lebensfähige Schichten derselben vor. An der oberen
Seite (Lichtseite) des Stammes erheben sich besonders dicht an
dem fortwachsenden Ende angehäufte chlorophyllreiche Emer-
genzen. Sie sind der Gestalt nach höchst mannigfaltig, jedoch an
der Spitze meist keil- , spatel- oder lötfelartig erweitert. Der in
einzelnen Fällen gewissermassen verzweigte stielartige Grund-
theil besteht grösstentheils aus einem Gewebe von schmalen,
gestreckten, zuweilen beinahe prosenchymatisch ineinander
greifenden Zellenreihen. Dem gegenüber sind die Zellen der
Ausbreitung rundlich polygonal und mit zahlreichen grösseren
Chlorophyllkörperchen erfüllt. Der Grundtheil geht allmälig in
das Gewebe des Stammes über. (Fig. 8.) Die erweiterten Aus-
breitungen dieser Gebilde sind selten ganzraudig und eben;
in der Regel erscheinen sie am Rande gelappt oder kraus und
werden in dieser Beziehung von J. Duval-Jouve (Hist. nat.,
pag. 99) mit den Blättern von Cichorium, Endivia var. crispum
verglichen. Diese Gebilde, welche ihrer Function nach, durch
ihren Chlorophyllreichthum, die Blätter höherer Gewächse voll-
kommen vertreten, gleichen hinsichtlich ihrer Entstehung an
dem oberen Rande des Thalloms, so wie in ihrer anfänglichen
Gestaltung den Trichomen. Demgemäss müssen diese Anhangs-
13=^
196 'l'o 111 a s c h ek.
gebilde als Lbergangsfornien zwischen Triclioineii und Hlätteni
angesehen werden, da sie den ersteren in ihrer Entstehimg,
letzteren riicksichtlich ihrer Functinn gleichen. Von Trichomen
unterscheiden sie sich wohl auch dadurch, dass ihre Gesamnit-
niasse gegenüber der, des sie tragenden Stnnnnes nicht so
unbeträchtlich ist, wie dies gewöhnlich bei Trichomen der Fall
ist. Von Blättern weiclien sie insbesondere durch die Unbe-
stimmtheit der Gestalt und Vertheilung ab. Auf der Unterseite
des Stammes entspringen zwischen den Rindenzellen zahlreiche
in den Boden eindringende Haarwurzeln. Sie erreichen die
Länge der nach oben sich erhebenden laubartigen Sprosse,
sind stets einfach (einzellig), meist farblos, hie und da zuweilen
sackartig erweitert, aber nicht septirt. In einzelnen Haarwurzeln
älterer Pflanzen finden sich nach innen gekehrte, zuweilen ver-
zweigte, an der S])itze kugelig anschwellende, zapfenartige
Verdickungen, welche ganz wohl mit ähnlichen Bildungen,
welche Hofmeister bei Haarwurzeln der Riccia g/rmca nach-
gewiesen und Taf. X, Fig. 19 b, in seinen Vergl. Unters, etc.
dargestellt hat, verglichen werden können. Ahnliche Vor-
sprünge finden sich auch in den Haarwurzeln der Mcirchantia
(Vergl. Sachs' Lehrb. 1874, pag. 22).
Hinsichtlich der Propagation üppiger Stämmchen muss ich
bemerken, dass auch an älteren Theilen des Thalloms, welche
scheinbar bereits abgestorben sind, Adventivsprosse zur Ent-
wickelung kommen. Bildungen, welche als Brutknospen auf-
gefasst werden könnten, konnte ich bis jetzt nicht beobachten.
Was die Fructificationsorgane anbelangt, so müssen die Anthe-
ridien sowohl, als die Archegonien als Bildungen der obersten
Zellenlage des stammartigen Thalloms angesehen werden. Ins-
besondere entstehen die Antheridien an Stelle jener laubartigen
Emergenzen , aus deren Materiale sie aufgebaut werden an der
Lichtseite des stammartigen Thalloms. Auch die Archegonien
entstehen zugleich mit Adventivsi)rossen jener laubartigen Bil-
dungen; in der Nähe des fortwachsenden Stanunendes sind sie
jedoch, da sie häufig fehlschlagen, meist überall zwischen
den entwickelten laubartigen Emergenzen anzutreffen. Während
also Archegonien längs des Stammes zerstreut zwischen den
laubartigen Bildungen angetroffen werden, verdrängen die dicht
Zur Eutwickelungsgesohiclite iPalingenesiei von EquhftiDn. !*•*<
liervortretenden Antheridien oft g-änzlich jene laiibartigen Bil-
dungen. Die Unterscheidung des stamniartigen Theiles der
Pflanze von seinen blattartigen Emergenzeu ist zur richtigen
Auffassung der Gliederung der Pflanze, so wie zur richtigen
Angabc des Ortes der Entstehung der Geschlechtsorgane noth-
v^'cudig. Zuerst scheint Milde auf jenen stammartigen Theil
der Pflanze aufmerksam geworden zu sein; er sagt (Entw.
Gesch., pag. 637): ,,Die einzelnen Lappen des Proembryo sind
sämmtlich am Grunde zu einer sehr dichten Masse, welche des
Chlorophylls entbehrt, dafür aber mit Amylum dicht erfüllt ist,
verwachsen". Schwankend sind die Angaben Hofmeister's
rücksichtlich der Ursprnngsstelle der Antheridien (Unters, etc.
pag. 100 und 170), in welcher Beziehung bemerkt werden muss,
dass weder Archegonien noch Antheridien sich am Rande der
laubartigen La])])en entwickeln können. Die Antheridien ent-
wickeln sich in der Regel an selbstständigen Individuen. Solche
männliche Individuen entwickeln nur selten, wie schon Hof-
meister bemerkt, zugleich auch wenige Archegonien (Bei-
träge etc., pag. \ 70).
Wenn jedoch Hofmeister (ebendaselbst) behauptet, die
archegonienerzeugenden Prothallien i)ilden durchaus keine
Antheridien, so habe ich dagegen einen Fall aufzuweisen, wo
sich am Aussenrande des reichlich mit loubartigen Sprossen und
Archegonien versehenen Thalloms Antheridien entwickeln. In
Rezug auf die Hinneigung der Pflanze zur Diöcie, stimmen auch
die zahlreichen Beobachtungen J. D uval- Jouve's überein
(vergl. Histoire nat., pag. 107); derselbe findet unter mehr als
100 Individuen höchstens 1 oder 2 Exemplare, welche mit
Archegonien zugleich auch Antheridien trugen. Hieraus ergibt
sich, dass wohl jedes Individuum beiderlei Geschlechtsorgane
zu entwickeln fähig erscheint. Doch gibt es solche Individuen,
welche zuerst Antheridien, andere, welche zuerst vorwiegend
Archegonien entwickeln; hierauf beruht auch der Umstand,
dass jene anscheinend sterilen Protoricciarasen, welche in ein
Treibhaus übertragen wurden, in den Monaten November und
December noch reichlich Equisetumpflänzchen entwickelten. Sie
haben nachträglich an Adventivsprossen auch Antheridien
erzeugt.
198 T •) m a s c h 0 k.
Die Aiitheridien bedecken in ungleichen Eiitwickelungs-
stjulien diclit neben einander lagernd, in Form von Kiigelab-
schuitten die Lichtseite des Thalloms.
Durch die nach aussen gewölbten Zellen ihrer Hülle,
gewinnen die Antheridien ein hinibeerenartiges Aussehen. Die
Hüllschichte, welche unmittelbar in das Zellengewebe des
Grundkörpers übergeht, besteht aus, nach aussen gewölbten,
im Grundrisse unregelmässig polygonalen Zellen. In der mit
gelber Flüssigkeit erfüllten Zelle, lagert eine zellenkernähn-
liche, mit röthlichen , feinen Körnchen erfüllte rundliche Masse,
um welche einzelne röthliche feine Körnchen zerstreut liegen.
Am 26. October fand ich am Rande eines Protoricciarasens ein
männliches Ptlänzclien mit beinahe orangegelben Antheridien.
In einem anderen Falle erscheinen die Antheridien durch wenige,
in den Hüllzellen zerstreute Chiorophyllkörpcrchen grünlich.
Im Übrigen schwankt der Farbenton der Antheridien zwischen
den zwei erwähnten Extremen. In manchen Fällen war die
Mehrzahl der Antheridien degenerirt, was sich an der braunen,
resp. purpurnen Färbung derselben erkennen lässt. Solche
degenerirte Antheridien haben ihren Inhalt nicht entleert. Durch
angemessenen Druck kommen aus demselben Spermatozoidzellen
zum Vorschein, deren Inhalt jedoch ebenfalls jene braune Fär-
bung angenommen hat. Stellt man das Mikroskop auf die
Mittelebene des Antheridiums (^optischer Querschnitt) ein, so
verschwinden die Hüllzellen aus dem Gesichtsfelde und in Folge
der Durchsichtigkeit derselben, eröffnet sich hiedurch die Aus-
sicht auf das Innere des Antheridiums, welches dicht n)it den
Mutterzellen der Antherozoiden angefüllt ist. Die seitlichen
Hüllzellen erscheinen in diesem Falle als ein , die kreisförmige
Inuenmasse umgebender King von blass goldgelber Färbung.
Bei der Reife nimmt das Antheridium eine längliehe, kegel-
förmige Gestalt an; meist 4 Scheitclzellen schwellen an, weichen
auseinander und gestatten den Austritt der Spermatozoidzellen,
Die Antheridien entstehen aus chlorophyllreichen, rundlichen
Zellen der Oberfläche des Thalloms. Rücksichtlich der ersten
Zeilentheilung der Mutterzelle des Antheridiums stimmen meine
Wahrnehmungen grösstentheils mit den Angaben J. Duval-
Jouve's überein. Nach den Beobachtungen desselben beginnt
Zur Ent\vickeluiig-sg-eschiclite (Palingeiiesiej von Equivctnut. 199
die Bildung der Antheridien durch zweifache, rechtwinkelige
Längentheilung der ersten eiförmigen oder länglichen Mutter-
zelle. Mir scheint jedoch ^ dass dieser Längentheilung eine
Quertheilung vorangeht, wodurch die Mutterzelle in eine obere
grössere und untere kleinere (Stielzelle) zeriallt, welche letztere
sich jedoch nicht weiter entwickelt. Die oben geschilderte
Längentheilung bezieht sich nur auf die obere Zelle. Bald ver-
doppeln sich die vier neuen Zellen durch transversal gegen das
Centrum gerichtete Scheidewände. In Bezug auf die folgende
Theilung durch parallel gegen die Peripherie gerichtete Quer-
wände, wodurch jede Zelle in eine innere und äussere getheilt
wird, von denen die letztere zur Hüllzelle wird; so wie in dem
weiteren Verlaufe der Theilung der Innenzellen, stimmt auch
J. Duval-Jouve grösstentheils mit Hofmeister überein.
Die Archegonien der Protoriccia von Equisetum sowohl, als
die des Prothalliums der Farren charakterisiren sich durch die
Verschmelzung des Bauchtheils mit dem Gewebe des Thallus, so
dass also nur der Halstheil vollkonnnen individualisirt erscheint
und über das Gewebe des Grundkörpers emporragt. Bei den
Lebermoosen ist der Bauchtheil des Archegoniums schon an und
für sich weniger individualisirt als bei den Laubmoosen, ins-
besondere bei den Piccien aber von dem umgebenden Gewebe
des Thallus umwallt. Es ist also begreiflich, dass es bei der
Protoriccia nicht zur Bildung der Calyptra kommt; doch mit
der Bildung des Embryo beginnen die Zellen der denselben
umgebenden Zelleuschichten sich lebhaft zu vermehren und
bilden eine Hülle, welche zur Ernährung des jungen Equisetum-
pflänzchens beiträgt, indem sie auch später das erste bauchig
anschwellende Internodium desselben bleil)end einschliesst.
Allerdings ergibt sich hieraus der Unterschied, dass der
Bauchtheil des Archegoniums der Protoriccia mit dem Gewebe
des Thalloms verwachsen und der Embryo nur von einer epithe-
liumartigen Zellenschichte begrenzt erscheint, während das
Archegonium der Riccia frei in einer Höhle des Zellengewebes
des Thallus eingebettet liegt und nur am Grunde mit demselben
verbunden ist. Allein das Sporogonium der Riccia bleibt sammt
der einfsich gebildeten Calyptra im Gewebe des Thallus zurück.
Der Halstheil des Archegoniums der Protoriccia besteht nur aus
200 T o m a s c li e k.
acht, in vier Reihen gestellten Zellen, welche durch ihr Auseinander-
weichen den Einfnhrungsgan^' bilden. Verhältnissmässig- mehr
entwickelt sind die vier Mnndunpszellen. Gegenüber dem kurzen
säulenförmigen Halstheil, ertheilen die ersteren dem Arche-
gonium der Protoriccia ein eigenthümliches Ansehen, besonders
wenn sich dieselben im Stadium der Bef'ruchtungsfähigkeit
gemshornartig zurückbeugen oder wenigstens Flügeiförmig aus-
breiten. Auch die Mündungszelleu des Archegoniunis der Riccia
glauca und crystallina schwellen zur Zeit der Befruchtungsfähig-
keit an und neigen sich etwas zurück ; sind aber im Verhält-
nisse zu den viel längeren in 4 Reihen in der Zahl 6 in jeder
Reihe übereinanderliegenden Zellen gebildeten Halstheil weniger
entwickelt. Die Archegonien der Riccia sind der Befruchtung
leicht zugänglich, da sie nur selten fehlschlagen, sondern die
meisten zur Fruchtbildung gelangen, daher auch die in einem
Pflänzcheu zur Reife gelangenden Sporoearpien (Sporogonien)
sehr zahlreich sind. Beachtungswerth erscheint der Umstand,
dass die meisten Archegonien der Pro^orzrcm fehlschlagen, dass
also ein Protoricciapfiänzchen nur selten mehr als einen Equisetum-
keim entwickelt. Die fehlschlagenden Archegonien der Proto-
riccia erleiden dadurch eine eigenthUmliche Veränderung, dass
die Bauchzellen, sowie die von ihnen eingeschlossene Eizelle,
die Ränder des Einführungscanais, die Scheidewände der Hals-
zellen eine mehr oder weniger kaffeebraune Färbung annehmen.
Die Münduugszellen fallen endlich ab, und es bleiben nur die
kurz cylindrischen Halszellen zurück. Ein ähnliches Verhalten
zeigen auch die alternden Archegonien der Riccia, nur dass bei
Riccia glauca und crystallina nebst der braunen, auch blaue
und violette Färbung auftritt und nicht nur die Mündungszellen,
sondern auch ein Theil der zahlreichen Halszellen abfallen.
Die erste Theihmg der Eizelle, durch welche der Embryo
angelegt wird, bemerkte ich auch im Innern solcher Arche-
gonien, welche sich durch ihre braune Färbung als fehl-
geschlagen erwiesen. Das Fehlschlagen scheint sich daher auch
auf befruchtete Archegonien zu beziehen.
Nach Dr. E. Janczewski (Vergl. Unters, über die Ent-
wickelungsgesch. des Archegoniums Bot. Zeit, von A. de Bary
1872, p. 420) stimmen die Equiseten rücksichtlich der Ent-
Zur Entwickehingsgeschiclite (Palingenesie) von Equiseüim. 201
Wickelung- des Archegoniums mit den Farreu überein. Eine
Basalzelle , welche bei den Farren constant vorhanden ist,
konnte er bei Epuisetum nie wahrnehmen. Die keilförmige Hals-
zelle durchsetzt ferner höchst wahrscheinlich nicht die ganze
Halslänge.
Weitere Mittheilungen, insbesondere die Entwickelung des
Embryo von Equisetam und das Verhalten des denselben um-
gebenden Gewebes der Protoriccia sollen nachfolgen.
13**
202 T o m :i s c li (^ k. Zur Eiitwickclini^-axcscliiclitc ( l';iliiii;(Mi('sio) etc.
Verzeicliniss der Aljb i 1 du no-en.
F\^. 1. Eine Spore mit Schwefelsäure beliaiidelt; zeigt die Entstehung
der Haarwurzel.
„ 2. Eine keimende Spore von Marehantia polymorphn.
„ 3. Der Inhalt zusammengezogen. Die erste Hautbildung der 2. und
S.Jugendlichen Zelle ersichtlich. Protoriccia.
4. Die Entstehung secundärer Haarwurzeln.
„ 5. Der Keim an der Sonne ausgebleicht. Es treten die Zellenkerne
deutlich hervor.
,. G. Mit der Entwickelung neuer Haarwurzeln beginnt die lappige
Form des Keimes.
„ 7. Ein Längsschnitt durch ein Protoricciapflänzchen, bei « Antheri-
dien, fj verkommene Archegonien.
„ H. Der Übergang des Stammtheils in die blattartigen Emergenzen;
(I stärkeführende Zellen; /!»Riudenzelle ; r- Zellen des Grundtheiles
der Phyllotrichome.
B 9. Antheridien bei b im reifen Zustande; c und d einzelne Zellen mit
dem eigenthümlichen Zellenkern.
,, 10. Querschnitt aus dem Stammtheile der Pro on'rcia : Stärkezellen, bei
a eine Luftlücke.
,. 11. Haarwurzelende mit eigenthümlichen nach innen gekehrton Vor-
sprüngen.
„ 12. Das Equisetumpflänzchen noch im Zusammenhange mit der
Proioriccia'i bei b ist die erste Scheide noch mit Lappen der
Protoriccia besetzt.
„ 13. Die jugendlichen Equisetumpflänzchen von der Pn>/(>riVv?'ö befreit.
Das verdickte mit grubigen Eindrücken der Zellen der l'rofnrirria
versehene erste Internodium hat sich verzweigt.
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Zoologie, Geologie und Paläontologie.
303
IX. SITZUNG VOM 12. APRIL 187
Das w. M. Herr Prof. Brücke übersendet eine Abhand-
lung-, betitelt: ,,Beiträge zur chemischen Statik".
Das w. M. Herr HotVath Langer übersendet eine Abhand-
lung des k. k. Regimentsarztes Prosectors Dr. A. Weichsel-
baum in Wien, betitelt: „Die senilen Veränderungen der Ge-
lenke und deren Zusannnenhang mit der Arthritis deformans-^ .
Das c. M. Herr Prof. Dr. L. Boltzmann in Graz übersen-
det eine Abhandlung: .,Ül)er eine neue Bestimmung einer auf
die Messung der Moleküle Bezug habenden Grösse aus der
Theorie der Capillaritäf^
Das c. M. Herr Director Dr. Karl Hornstein in Prag über-
sendet eine Abhandlung des Adjuncten der Prager Sternwarte
Herrn Dr. August Seydler: „Über die Bahn der Dione i^ioe ".
Herr Prof. Maly in Graz übersendet eine in seinem Labo-
ratorium von Herrn Dr. Jul. Donath ausgeführte Arbeit: „Über
die Zersetzung des Hydroxylamins durch alkalische Kupl'er-
lösung^.
Der Secretär legt folgende eingesendete Abhandlungen
vor:
1. „Über eine Methode, die Widerstände schlechter Elektrici-
tätsleiter zu bestimmen", von Herrn Dr. Karl Domali p in
Prag.
2. „Eine neue Methode zur Berechnung der reellen Wurzeln
quadratischer und cubischer Gleichungen", von Herrn Dr.
J. Od st r eil, Gymnasialprofessor in Teschen.
o. „Weitere Bemerkungen zur Theorie der Wirkung von
Cylinderspiralen mit variabler Windungszahl", von Herrn
Dr. Ignaz Walleutin, Docent für mathem. Physik an der
technischen Hochschule in Brüun.
Sitzb. d. luathein.-uaturw. Ol. LXXV. Bd. I. Abili. 1-1
304
4. ;^ri)er (Ion Eiiifliiss der Temperatur auf die V'erdaiupfungs-
geschwiudigkeit-, von Herrn Dr. Georg- Bau mg- artner
in Wien.
5. „Über die Functionen C^(ai)'', von Herrn Prof. Leopold
Gegenbauer in Gzernowitz.
Ferner legt der Secretär ein versiegeltes Schreiben zur
Wahrung der Priorität von Herrn Stefan v. Heinrich, Ingenieur
in Budapest, vor, mit der Aufschrift: „Kräfte im Räume', und
bringt der (lasse zur Kenntniss, dass die von Herrn Gregor
Grois in der Sitzung am 8. März d. J. zur Wahrung der Prio-
rität vorgelegte Beschreibung seines Apparates einer lenkbaren
Flugmaschine in Gestalt eines Adlers von demselben zurück-
gezogen wurde.
Die Accademia delle Scienze dell' Istituto di Bologna theilt
die Ausschreibung dreier von Aldini gestifteter Preise mit,
woruach zwei derselben, bestehend in goldenen Medaillen im
Werthe von 1000 und 500 Lire, für zu lösende Aufgaben auf
dem Gebiete des Galvanisnms bestimmt sind und eine dritte
goldene Preismedaille im Werthe von 500 Lire der Lösung einer
die Elektro-Ph3^sioIogie betreffenden Aufgabe zufällt. Der Ein-
sendungstermin der Bewerbungsschriften für diese drei Preise
ist bis zum 30. Mai 1878 festgesetzt.
Das w. M. Herr Director v. Littrow meldet, dass am
6. April folgende Nachrieht einer Kometenentdeckung eingegan-
gen ist:
„Strassburg. Komet Kern Schweifspur. 1445 33157 constant
07508 abnehmend 60. Win necke".
Auf die telegrapliische Verbreitung dieser Anzeige erfolgten
Zusendungen von Positionen aus Kremsmünster, Mailand, Pola
etc. Herr Dr. J. Holetschek gründete auf Beobachtungen von
Strassburg, Kremsmünster und Wien die im hier beigefügten
Circular XXIV d. d. 9. April gegebene Elementen- und Ephe-
meridenrechnung.
Am 1 1 . April erhielt die Akademie nachstehendes Telegramm :
„Odessa Komet 10. April 1548 33300 6854 plus 4 recht hell
3 Kern. Obgleich wegen Dämmerung Bewegung nicht
üanz constatirt, sende Telegramm, da in obiger Position
305
kein so heller Nebelfleck verzeichnet, wenn Irrthiim
meinerseits, telegraphire sobald ihn erkannt". Block.
Das w. M. Herr Prof. Win ekler überreicht eine für die
:Sitzung-sberichte bestimmte Abhandlung-: „Über die Integration
der linearen Differential- Gleichungen zweiter Ordnung".
Herr Dr. J. Puluj, Assistent am physikalischen Cabinete,
legt die zweite Abhandlung: ,,Über Diffusion der Dämpfe durch
Thonzellen" vor.
Der k. k. Artillerie-Hauptmann A. v. Obermayer legt
eine Abhandlung vor, betitelt: ,,Ein Beitrag- zur Kenntnis« der
zähflüssigen Körper^.
Herr F. C. Puschl, Capitular des Benedictiuer- Stiftes
Seitenstetteu, hat in der »Sitzung am 15. März 1. J. eine Abhand-
lung: „Über den inneren Zustand und die latente Wärme der
Dämpfe" übersendet.
An Druckschriften wurden vorgeleg:t:
Academia Real de Ciencias medicas, fisicas y naturales de la
Habana: Anales: Entreg-a 150. Tomo XHI. Enero 15. Ha-
bana, 1877; 8».
Bibliotheque Universelle et Revue Suisse: Archives des
sciences physiques et naturelles. N. P. Tome 58. Nrs. 229
& 230. Geneve, 1877; 8".
Boettger, Oscar Dr. phil. : Über das kleine Anthraeotheriuoi
aus der Braunkohle von Rott bei Bonn. 4'^.
C i n c i n n a t i Observatory : Publicatious. Catalogue of new double
Stars. Cincinnati, 187G ; 8".
Commisäo central permanente de Geographia: Annaes. Nr. 1
Dezembro, 1876. Lisboa, 1876; 8".
Forbes Watson, J. : Vienna universal Exhibition, 1873. A clas-
sified and descriptive Catnlogue of the Indian Department.
London, 1873; gr. 8".
Comptes rendus des seances de FAcademie des Sciences. Tome
LXXXIV. Nrs. 10—13. Paris, 1877; 4".
•Gesellschaft, Deutsche Chemische, zu Berlin: Berichte.
X. Jahrgang, Nr. 5 & 6. Berlin, 1877 ; 8».
— Deutsche geologische: Zeitschrift. XXVHI. Band, 3. Heft.
Berlin, 1876; 8".
14*
306
Gesellschaft, k. bayer. botaii., in Kegensbiirg-: Flora. N. R^
M. Jahrgang-, Js7G. Regensburg; 8».
— k. k. geographische, in Wien: Mittheilungen. Band XX
(neuer Folge X.), Nr. 2. Wien, 1877; 8«.
— naturwissenschaftliche, Isis in Dresden: Sitzungsberichte.
Jahrgang J87G. Juli bis Deceniber. Dresden, 1877; 8*^.
— österr., für Meteorologie: Zeitschrift. XII. Band, Nr. 6 & 7.
AVien, 1877; 4".
— k. k. zoolog. - botan. in Wien: Verhandlungen. Jahrgang
1876. XXVI. Band; mit 14 Tafeln. Wien, 1877 ; 8".
G e w e r b e - V e r e i n, n. - ö. : Wochenschrift. XXXVIII. Jahrgang.
Nr. 11—14. Wien, 1877; 4".
Governo I. R., niarittimo in Trieste eR. inFiume: Annuario
marittimo per l'anno 1877. XXVII. Annata. Trieste, 1877 ; 8".
Handels- und Gewerbekammer in Pilsen. Statistischer Bericht
für die Jahre 1870—75. Pilsen, 1877; 8».
Ingenieur- und Architekten -Verein, österr.: Wochenschrift.
IL Jahrgang, Nr. 10—14. Wien, 1877; 4». — Zeitschrift.
XXIX. Jahrgang, 3. u. 4. Heft. Wien, 1877; 4".
Löwenberg, M. Dr., De l'eehange des gaz dans la Caisse du
Tympan. Paris, 1877; 12o.
M 0 n i t e u r scientifique du D''"' Q u e s n e v i 1 1 e : Journal mensuel.
3""^ Serie. Tome VII. 423^ & 424^ Livraison. Mars et Avril,
1877; Paris, gr. 8^
Napp, Richard: Die Argentinische Republik auf der Phila-
delphia-Ausstellung. Buenos-Aires, 1876; 4''.
Nardo, Giandomenico Dott. : Sopra una pietra di origine e di
provenienza incerte. Venezia, 1877; 12*^.
Nature. Nr. 385—388. Vol. XV. London, 1877; 4".
Peschka, Gustav, Ad. V. Dr.: Der Indicator und dessen An-
wendung. Brunn, 1871; 8». — Graphische Lösung der
axonometrischen Probleme. Berlin, 1875; 8''. — Perspec-
tivische Bilder des Kreises und directe Bestimmung ihrer
Durchmesser. Leipzig, 1875; 8*^. — Construction der Durch-
schnittspunkte von Geraden mit Kegelschnittslinien. Greifs -
wald, 1876; 8". Kotirte P^benen und deren Anwendung.
Bninn, 1877; 8^
307
^,Revue politique et Htteraire" et „Revue scientifique de la
France et de l'Etranger". VI' Aiinee, 2' Serie, Nr. 38—41.
Paris, 1877; 4^
Sn eilen S. C. van, Vellenhoven, pliil. nat. Doct.: Pinaoographia.
Part. 4. Afl. 4. 'SGravenliage, 1876; gv. 4".
Societä italiana di Antropologia e di Etnolog-ia: Archivio. VI.
Volume, fascicoli terzo e quarto. Firenze, 1877; 8**.
Societe botanique de France: Bulletin. Tome XXIIP. 1876;
Revue bibliographique C — D. Paris; 8". — Comptes rendus
des seances. 4. Paris; 8". — Session uiycologique ä Paris,
Octobre, 1876. Paris; 8".
— d'Ag-riculture, Histoire naturelle et Arts utiles de Lyon:
Annales. Quatrieme serie. Tome sixieme 1873. Lyon, Paris,
1874; 8».
— de Medecine et de Chirurgie de Bordeaux. 1. & 2. fasci-
cules, 1876. Paris, Bordeaux, 1876; 8».
— de Physique et d'Histoire Naturelle de Geneve: Memoires.
Tome XXIV, 2^ Partie. Geneve, Paris, Bäle 1875—76; 4«.
— des Ingenieurs civils: Memoires et compte rendu des tra-
vaux. Novembre et Decembre 1876. Paris, 1876; 8".
— des Sciences de Nancy: Bulletin. Serie 2. Tome II. —
Fascicule V. 9' annee 1876. Paris, 1876; 8".
— Geologique de France: Bulletin. 3' Serie. Tome IV. Nr. 8.
Paris, 1875 ä 1876; 8'\
— Mathematique de France: Bulletin. Tome V. Nr. 1. Paris,
1877; 8^
— nationale des Sciences naturelles de Cherbourg. Compte
rendu. ('herbourg, 1877; 8<'.
Society, Tbe Royal Astrouomical, of London: Monthly Notices.
Annual Report of the Council. Vol. XXXVII, Nr. 4. London.
1877; 8^
— The Royal Geographica! of London: Proceedings. Vol. XXI.
Nr. 2 & 3. London. 1877; 8«.
— The Zoological, of London : Transactions. Vol. IX, Part 10.
London, 1877; 4'\
308
Verein, uaturhistorischer, „Lotos*^: Jahresbericht für 1876.
XXVI. Jahrgang der Zeitschrift Lotos. Prag, 1876; 8<».
Wiener Medizin. Wochenschrift. XXVII. Jahrgang, Nr. 11 — 14.
Wien, 1877; 4«.
Zepharovich V. v. : I. Galenit von Habach in Salzburg. —
II. Die Krystallfornien des Kampferderivates CgHjgOg.
Leipzig, 1877; 8«.
309
Die Pliocänbildiingen von Zante und Corfu.
Von Th. Fuchs.
(Mit I Tafel und 4 Holzschnitten.)
(Vorgelegt in der Sitzung am I. März 1877.)
Im Frühliiige 1875 auf der Rückkehr ans Griechenland be-
griffen, wo ich mich im Anftrage der kaiserlichen Akademie der
Wissenschaften in Begleitung meines verehrten Freundes des Herrn
Dr. A. Bittner mit dem Studium der jungtertiären Süsswasser-
bildungen beschäftigt hatte, hielt ich mich noch je eine Woche
auf den Inseln Zante und Corfn auf, in der Absicht, die daselbst
auftretenden Tertiärbildungen aus eigener Anschauung kennen
zu lernen.
Ich erlaube mir im Nachfolgenden ein Resume der Beob-
achtungen zu geben, welche wir während dieser Zeit anzustellen
Gelegenheit hatten.
I. Zante.
Die ältesten und wie ich glaube bisher auch einzigen Nach-
richten über die geologische Beschaffenheit von Zante stammen
von Strickland ' her, aus dessen Arbeit auch das beistehende
Kärtchen entlehnt ist, welches den allgemeinen geologischen
Bau dieser Insel sehr richtig wiedergibt. (Fig. 1.)
Die westliche Hälfte der Insel besteht aus Hippuritenkalk, '^
die östliche aus drei von einander isolirten Partien von Pliocän-
bildungen, welche zwischen sich eine vollkommen flache, niedrige
Ebene einschliessen, welche wie durch einen Einsturz gebildet
erscheint und der Sitz jener reichen, gaitenähnlichen Cultur ist,
der die Insel den Namen ,,la fiore del Levante" verdankt.
1 On the Geology uf the Island of Zante (Transactions of the Geol.
Soc. London. II senes, V. pag. 4U3).
2 Ein Theil davon mag wohl auch Nummulitenkalk sein.
110
F u c h s.
Der allg'emeiiie Cluirakt(M- der Pliocäiibildniigen ist ein
ausserordentlich einfacher und erinnert in jeder Beziehung voll-
ständiii- an die
Pliocäiihildungfen,
wie sie am Nord-
rande der Apen-
ninen, z. B. bei
Ancona, Bologna
und Modena vor-
kommen. Die herr-
schendenG esteine
sind bhxuer, pla-
stischer Mergel,
gelbe Saude, Con-
glomerate , und
mächtige spä-
thig-e Gypsflötze,
a Zante.
b Monte Scopo
c Port Clieri.
d Catastari.
y. Hippiiritcnkalk.
,3 Pliocän.
'i Alteies Pliocän (Miocän?)
d Alluvium.
v(;^elche ganz de-
nen vom Monte
Donato bei Bo-
logna gleichen.
Versteinerungen sind im Allgemeinen ausserordentlich selten,
doch sind es lauter wohlbekannte Formen, wie man sie überall
in den Mittel- und Ober-Pliocänbildnngen antrifft.
Bemerkenswerth scheint mir die Thatsache, dass auch hier,
wie regelmässig durch ganz Italien die mächtigen, späthigen
Gypsflötze nicht dem Miocän, sondern dem Pliocän angehören,
ja es kann auf Zante sogar kein Zweifel sein, dass sie hier
nicht einmal an der Basis des Pliocäns vorkommen, sondern in
Verbindung mit den Conglomeraten die höchste und jüngste Ab-
theilung dieser Formation bilden.
Eine sehr auffallende und merkwürdige Erscheinung bieten
die Wände von blauem Pliocän-Mergel dar, welche im südwest-
lichen Theile von Zante von Port Cheri angefangen beiläufig
auf die Erstreckung einer Wegstunde hin die Küste des Meeres
bilden.
Diese Mergelwände zeigen nämlich eine derartige Menge
von Verwerfungen, Verstürzungen und verschiedenartigen Fal-
Die Pliocänbildungen von Zante und Corfu. 311
tunken, wie sie mir in ähnlicher Weise noch niemals \'orgekonnnen
sind lind wie mau sie von vorneherein vielleicht sogar für
unmöglich halten würde.
Da mir die Sache äusserst bemerkenswerth erschien, war ich
bemüht, eine möglichst genaue Skizze diesei- Störungen anfzuneh-
nien, und die Darstellung derselben, wie ich sie auf beifolgender
Tafel gebe, hat umsomehr Anspruch auf eine richtige Repro-
ducirung des Sachverhaltes, als die Mergelwand in ihrer ganzen
Erstreckung wie mit einem Messer senkrecht abgeschnitten
erscheint und jede kleine Störung mit vollkommener Sicherheit
zu erkennen und zu verfolgen gestattet.
Sehr wenig Bemerkenswerthes bietet die nordöstliche Partie
von Pliocänbildungen dar, an deren östlichem Fusse die Stadt
Zante liegt. Es ist ein massig hohes Plateau, das zu unterst
aus blauem Pliocänmergel und darüber aus gelbem Sand und
Sandstein besteht, dem indessen in seinem oberen Theile no^h
eine zweite, weniger mächtige Tegelmasse eingeschaltet ist.
In dem unteren Tegel fanden wir einige Exemplare von
Limopsis, Leda und Deutalium, in den darüber liegenden Sauden
bei der Citadelle einige Stücke von Cardium edule. Die Schichten
sind leicht gegen Nord geneigt.
Eine sehr auöallende, äussere C'onliguration zeigt die dritte
oder östliciiste Partie von Pliocänland, welches den Berg Scopo
zusammensetzt.
Fii<. •>.
\
Bl. Tegel
Monte Scopo von Norden gesehen. — ff Fundort der Petrefacte.
Wenn man sich vom Norden her der Insel Zante nähert,
fällt vor allen Dingen an ihrem östlichen Ende ein mächtiger,
kuppeiförmiger Berg auf, welcher, die übrigen Theile der Insel
gewaltig überragend, den Eindruck eines isolirt dastehenden
312 F u c h s.
Vulcaiis macht. Wir würden auch in der That heim Anblicke
desselben eher an alles Andere als an Tertiär g-edaclit haben und
waren daher nicht wenig üherraseht, als wir hinterher fanden,
dass diese ganze, allein dastehende, imposante liergmasse von
der Sohle bis zum Gipfel aus ganz denselben Pliocänbildungen
bestehe, wie das Plateau von Zante, welches sich daneben aller-
dings sehr kümmerlich und bescheiden ausnimmt.
Was den Schiehtenbau des Berges betrifft, so lässt sich so
viel erkennen, dass die Schichten ziemlich steil gegen West ein-
fallen und dass der Berg zu unterst aus blauem Tegel, darüber
aus gelbem Sand und zu oberst aus einem äusserst harten, festen
Conglomerate besteht, mit welchem zusammen grobspäthige
Gypsflötze, so wie ein erdiges, löcheriges, rauchwackenartiges
Gypsgestein von dunkelbrauner Farbe vorkommt.
Eine genauere detaillirte Schichtenfolge Hesse sich nur sehr
schwer geben, da namentlich die gegen Nord und West gekelirten
Abhänge des Berges von einer Unzahl von kleinen und grösseren
Absenkungen und Verschiebungen betroffen sind.
In dem blauen Tegel an der Basis des Berges unterhalb des
Gypses fanden wir eine Anzahl von Fossilien, aus denen sich
nachfolgende bestimmen Hessen:
Bucciniim miitiifn/e L i n n e.
„ semistriafum B r o c c.
Caliimbella mtssoides Bell.
P/f'iirotonia pustuUdd Broec.
., cf. infcrniptii Brocc.
Tiirrife/fn tricri((ii(it<(. Brocc.
Trochus patulus B r o c c.
Naticd helicina Brocc.
Vcrnietuti intortiis Lam.
Venus mnJtilnmella Lam.
Cardhini cdule L i n n e.
echlnatnm L i n n e.
., h'ians: Brocc.
Aren (lihirii L am.
Pecfiiftculiis pilosiis Linne.
Osfrttea sp.
Die Pliocäiibildungen von Zanto und Cortn. olo
Über dem Gypse landen wir:
Cardiion edule L i n n e.
Cerithium ludgntwn Brug".
An dem westlichen Absturz des Berges soll sich an seiner
Basis ein schwaches Lig-nitflötz befinden, welches wir jedoch
nicht mehr Gelegenheit hatten zu besichtig-en.
Eine besondere Erwähnung verdient schliesslich noch eine,
von den beiden geschilderten Pliocäuablagerungen verschiedene
und oflfenbar einer etwas älteren Zeit angehörige Tertiärbildnng,
welche bei Port Cheri in beschränkter Ausdehnung- vorkommt.
Diese Ablagerung besteht zum grössten Theile aus einem
zarten, homogenen, etwas spröden Mergel, welcher petrographisch
ausserordentlich den bekannten Zankleenmergeln von Messina
gleicht, sowie dieser beim Schlemmen eine ungeheuere Menge
von Orbulinen und Globigerinen liefert und an einigen Punkten
eine grosse Menge von Pteropodenschalen, Pecteji duodecini-
lumellntus, sowie bei Port Cheri an der Küste auch zahlreiche
Fischreste enthält.
Nach oben zu geht der Mergel allmälig in einen feineu gelben
Sand mit harten Platten über und wird zu oberst von einem
gelben Grobkalk vom Charaktei mancher Leithakalke bedeckt.
(Taf. I, a h.)
in diesem Grobkalke, u. z. in den herabgestürzten Blöcken
dieses Gesteins, welche sich in grosser Menge an der Küste an-
gehäuft finden, gelang es uns, eine Anzahl mehr oder minder
schlecht erhaltener Fossilien aufzufinden. Es waren: Clypeaster,
Echiniden, Cellepora, grosse, dickschalige Austern, sowie eine
Anzahl von verschiedenen Pecten arten, die sich auf P. uitissimus,
Holgei'i, c/ega/ts, Malvinae, substriatus, (trcuatus u, s. w. zurück-
führen Hessen.
Während nun die vorerwähnten weissen Mergel für ein
älteres Pliocän (Zanclen) zu sprechen scheinen, lässt sirh nicht
verkennen, dass die Gesammtheit der hier erwähnten Fauna nut
grossem Nachdrucke auf ein miocänes Alter dieser Ablagerung
hinweist, ja, um die Sache noch mehr zu verwirren, entdeckten wir
plötzlich zu unserem grössten Erstaunen, dass in diesem Grobkalke
auch Nummuliten vorkommen u. z. mehrere Arten, welche mit
314 F 11 f h «.
TV. /((eüigata Lam. und JV. Luc<(s<inft Del'r. übereiiizustimmen
schienen.
Unsere erste Idee, dass diese Nuniniiditen in dem Ge-
steine sich auf secundärer Lagerstätte l)efändcn, niiissten wir
bald aufgeben, als wir sahen, dass dieselben mitunter wahre
Nummulitenkalke bildeten und dass ihre Oberfläche immer voll-
kommen gut erhalten, niemals eine Spur von Abnutzung oder
Abrollung zeigte.
Unser zweiter Gredanke war, dass die nununulitenführenden
Blöcke nur zufällig hieher gekommen seien, und es musste dieser
Gedanke umso näher liegen, als gerade an der Stelle, wo wir
die ersten derartigen Blöcke fanden, auf der Höhe eine kleine
Befestigung gestanden hatte, welche bei einem Einstürze der
Klippe theilweise mit herabgestürzt war. ^^'ir fanden jedoch
später Blöcke mit Nummuliten auch ziemlich entfernt von diesem
Punkte, und überdies war die petrographische Beschaffenheit
absolut dieselbe wie bei den übrigen, ja auch dieselben Pecten-
scherben kamen in ihnen vor. Schliesslich wäre es doch auch
äusserst merkwürdig, dass man zum Baue einer kleinen Befe-
stigung riesige Blöcke aus grosser Entfernung sollte hertrans-
portirt haben, wo an Ort und Stelle ein ganz identisches Gestein
vorkommt. — Kurz und gut, wir kamen über diesen Punkt nicht
ins Reine und müssen uns begnügen, nachkommende Geologen
auf ihn aufmerksam gemacht zu haben.
Stricklaud hat in seiner eingangs erwähnten Arbeit die
Eigenthümlichkeit und das höhere Alter dieser Ahlageruug ganz
richtig erkannt. Er nahm aber an, dass dieselbe einen fort-
laufenden Streifen längs des ganzen Zuges von Hippuritenkalk
bilde, was unserer Erfahrung nach nicht richtig ist. Wenigstens
konnten wir in der Umgebung von Catastaro am nördlichen Ende
des Hippuritenzuges keine Spur von dieser Bildung erkennen
und liegen hier überall die blauen Pliocänmergel unniittell)ar
auf dem Hippuritenkalk '.
1 Dieser IIipi)iiriteiik;tlU, der am Meeie die scliönsteiiEntblössung-eu
darbietet und Binde für Bank auf das genaueste zu verfolj^en gestattet, bot
tins abermals ein eigenthümliches Räthsel. Wir fanden nämlich in innigster
Verbindung mit ihniNunimiditenkalke. Es schien zwar allerdings, dass die
Nummulitenkalke im Allgemeinen höher, die Hippuritenkalke tiefer liegen^
doch war die petrographische Beschaftenheit des Gesteines absolut die-
Die Pliocäiibildiiiiffen von Zante und Cortii.
315
IL Corfu.
Über die geologische Beschaffenheit der Insel Corfu existiren
bereits zwei kleine Abhandlungen von Unger' und Mousson*
und haben auch diese beiden Forscher die Grundzüge ihres
Baues vollkommen richtig erkannt.
Nachfolgende kleine Skizze (Fig. 3) ist eine verkleinerte
Copie der von Unger gegebenen geologischen Karte.
H = Hippuiitenkalk.
P = Pliocän.
tMeiichia,
selbe nnd von irgend einer tektonischen Trennung, einer Discordanz
u. dgl. nicht die leiseste Spur zu entdecken. Es war genau dasselbe System
dünnbankiger, dichter, weisser Kalksteine, welches hier Hippuriten und
gleich daneben Nummuliten führte. An einem Punkte glaubten wir auch
eine Wechsellagerung der beiden Bildungen constatiren zu können, und
wenigstens gelang es uns, mehrere Handstücke zu schlagen, in denen
Hippuriten und Nuninmliten zusammen vorkamen. Der hier auftretende
Nummulit ist eine kleine glatte Form ähnlich dem N. garansensis. Leym,
1 Wissenschaftliche Ergebnisse einer Reise in Griechenland und in
den jouischen Inseln, Wien, 1862.
2 Ein Besuch auf Corfu u. Cephalonia. Zürich, 1859,
ol(') F u c li s.
Die Grundlage der Insel wird aueli hier wie auf'Zante von
dem Hippnritenkalke gebildet, dem in zwei Gebieten |)iiocäne
Tertiärbildnnuen aufgelagert sind. Die eine dieser Partien bildet
die Umgebung der Stadt Cort'u und kann das Becken von Corfu
genannt werden, während die andere Partie im Süden der Insel
vorkommt, wie die Ausfüllung einer zwischen zwei IIii)])uriten-
kalkmassen gelegenen Meerenge quer über die Insel reicht und
nach dem Haui)tfundorte der Petrefacte das Gebiet von Melichia
genannt werden mag.
Der Charakter der Pliocänbildungen ist hier ganz genau
derselbe wie aufZante, respective wie im nördlichen Italien, und
werden dieselben auch hier wie dort aus blauem Subapennin-
tegel, aus gelben Sauden, aus Conglomeraten und Gypsflötzen
zusannnengesetzt.
Über die gegenseitige Lagerung dieser verschiedenen Glieder
konnten wir ebensowenig zu einem definitiven Resultate gelangen,
wie Mo usson, doch scheint mir wenigstens so viel sicher zu
sein, dass die Gypse in der Regel in Gesellschaft der Conglo-
merate auftreten, und da dieselben am Monte Deca die höchste
Position einnehmen, so scheint es mir wahrscheinlich zu sein,
dass sie hier ebenso wie auf Zante die oberste Gruppe des
Pliocän bilden und nicht die unterste, wie Mousson annimmt.
Die Pliocänbildungen im Becken von Corfu bieten wieder für
den Stratigraphen noch für den Paläontologen irgendwelche her-
vorragende Momente. Das hügelige Land ist vollständig bebaut,
Aufschlüsse sind selten, Versteinerungen fehlen fast gänzlich.
Wir sind oft halbe Tage in den Hügeln iimhergewandert, ohne
etwas Anderes gesehen zu haben, als eine kleine Ziegelei im
blauen Tegel, oder etwas gelben Sand in einem Hohlweg und
kehrten vollständig unverrichteter Sache wieder heim.
In den kleinen Tegelgruben unmittelbar vor dem östlichen
Thore der Stadt fanden wir einige wenige Fossilien. Es waren
folgende :
Mtire<v triinmlna Li nne.
Carffiutn ediilc Li nne.
ech ht (if u tn hiwne,
Ttfpcs (icnissdta L i n n e.
Die Pliocänl)ilfliing'en von Z;nite und C'orfii. 317
MytUus aquifanicns Mayer.
Venus ven-ucosa Liniie.
Pecten pcs felis L i n n e.
Die Meeresküste von Castrades bis zu der kleinen Meeres-
bucht, iu welcher das sogenannte „Schiff des Odysseus-' liegt,
besteht nicht, wie auf der ünger'schen Karte angegeben ist,
aus Hippurilenkalk, sondern aus einem gelben, pliocänen Sande,
und Sandstein mit einzelnen Clerölllagen. Das ganze Terrain ist
ausserordentlich gestört und verstürzt. Versteinerungen fanden
wir gar keine, doch gelang es später Herrn Dr. Bittner, als er
sich im Jahre 1876 bei seiner Reise nach Griechenland wieder
einige Tage in Corfu aufhielt, in der Nähe der vorerwähnten
Bucht einige Exemplare von Cerithien aufzufinden.
Bei Benitza findet man zu unterst einen versteinerungsleeren
blauen Mergel, darüber mächtige späthige Gypsflötze und zu
oberst Sandsteine und Conglomerate. Diese Sandsteine und Con-
glomerate steigen am Monte Deca so hoch an wie die vStrasse,
welche über den Berg führt, und stehen hier an vielen Punkten
mit löcherigen, saudig- mergeligen, rauch wackenartigen Gyps-
steinen in Verbindung, wie sie in ganz analoger Weise auch auf
Zante vorkommen. (Monte Scopo).
Etwas interessantere Verhältnisse bieten die Pliocänbil-
dungen im südlichen Theile der Insel in der Umgebung von
Melichia dar, wo dieselben auch durch einen ausserordentlichen
Fossilienreichthum ausgezeichnet sind.
Das Hauptinteresse besteht darin, dass sich hier eine Reihe
von einzelnen Schichten unterscheiden lässt, welche in Bezug
auf ihre Fauna innerhalb der Pliocänzeit alle jene charakteristi-
schen Glieder wiederholen, welche man z. B. im Wiener Becken
innerhalb der marinen Schichtengruppe unterschieden hat.
So finden sich in der Umgebung der Gemeinden Ringlades,
Anaplades und Theodoro in mächtiger Entwicklung zarte blaue
Mergel, welche vorwiegend Pleurotomen, Murices, Fusus, Triton
u. dgl., kurz eine Fauna von reinstem Badener Typus führen. Bei
Melichia finden sich über diesen Schichten blaue Mergel mit
N(itk'(( niiUepunctatUj Pecten cristatiis, Isocnrdid cor, Venus, Area
u. s. w., kurz, eine Fauna, welche in ihrem Charakter ganz an
318 F u c h s.
den Tegel von Perchtoldsdorf, Grinzing und Gainfahrn erinnert.
.Schliesslich stellen sich weiter gegen das Meer zu über diesen
Mergeln gelbe Sande mit Austern, Pecten und Balaneu ein, die
ein genaues Analogen der sogenannten Sande des Leitliakalkes
(Neudorf) bilden.
Um die Übereinstimmung mit den analogen Verhältnissen
im Wiener Becken noch prägnanter zu machen, sieht man, dass
sich über diesem Sande noch einmal die blauen Mergel mit Ve?ius^
Area, Naticn, Pleurotoma u. s. w. wiederholen, so dass auch hier
diese verschiedenen Glieder in ganz derselben Weise mit ein-
ander wechsellagern, wie dies für das Wiener Becken bereits so
vielfach nachgewiesen ist.
Nachfolgende Skizze (Fig. 4) möge die eben besprochenen
Verhältnisse noch anschaulicher machen.
Fig. 4.
Rbifflades
g J'ot-anti
■V :..'"-r>,,,-
a) Blauer, homogener Tegel von Ringlades, Anaplades und
St. Theodoro. (Analog Baden.)
Ri?igicu/fi hucciuea Desli. 20
Mit Vit pyramidelhi B r o c c. 3
Coliinilx'lhi /tai^soides Bell. 12
uov. sp. cf. compta Bell. 2
Biicciiiinn semisfriafum Brocc. 6
„ costuldtum Brocc. 1
r, prismaf icum Br OGQ. 2
Chenopiüi pes pclecani Phil. 2
Mnrex tnuiculns Linne. 1
Tip h }/ .« p'sf II lo .v ?/ s Brocc. 3
Tritoniiini Apenninicum Sassi. 56
Cancelhiriii ßoNeffi heW. 1
,. fi/)-iit(i Brocc. 2
Pleinotonid cutiiphractd Brocc. 6
., dimidiatd BroQO. 46
„ rotata Brocc. 36
Die Pliocänbildungen von Zante und Cortu. 319
Pleurotoma oOcliscus Duj. 12
„ furriciilu Brocc. 11
Turritella subanfjulata Brocc. 26
Naficti miUepiinctatd Lam. 20
lieliciiin Brocc. 80
Crepidiihi cochlearis Bast. 1
Deiittditim i'Iephinitbiuni Liniie. 23
Liiciua horcnJifi Linne. 2
Cardiutn edule Linne. 1
Area dilavii Lam. 2
b) Blauer Tegel von Meliehia. (Analog- Grinzing.)
Ritifiictihi hiwrittea D e s h.
Biicch/ion semist liat um Brocc.
S(d(iri/n)t simple.v Bronn.
Na tieft Josephbiia Risso.
,, milh'))HNct((ta Lam. hh.
DentaVmm clcphantinuni Linne.
Venus multihonelld Lam.
,, islandieoides Lam.
Isocard ia cor Linne.
Card tum ethtle Linne.
Area di//irt't hau\.
Pecten crisftifits Bronn.
Osfraea lamellosa Brocc.
c) Grauer Tegel unter der Sandklippe am Meere. (Analog
rritoniitm doliare B a s t. Grinzing.)
Murex trunculns Linne.
Natictt millepiutctata Lam.
Vettns tiiiiltilamelht Lam.
Card'tum hitttts Bast.
Area diltiini La^ui.
Pecten cristatiis ß r o n n.
d) Gelber feiner Sand mit Concretionen. (Analog Neudorf.)
Osfraea lamellosa B r o c c.
Pecten Jacohaetts Li nne.
scahrellifs Lam. h h.
„ flahellifonnis Lam.
Sitzb. d. mnthem.-nattirw. Cl- I.WV. l!.l. I. Ablli. l'"^
320 Fl! eil s. Dio Pliofiinbildim^on von Zante und Corfu.
Prcten polyniorplnis Bronn.
Mo li iaht tu o dt n Ins Linne.
Ditrupa sp.
Ba/((fnis sp.
e) Grauer Tegel ol)er dem Sande. (Analog- Raden u. Grinzing.)
Mitr(( fitsif'ormis Bro cc*.
PJcKvotonid ntfiiphractu B r o c c.
„ dimidiata B r o c c .
„ tiirricu/d Brocc.
Xenophora crispd König.
Nntica millepunctata Lam.
„ Joseph inia R i s s o.
Vermetiis (fif/ns B i v o s s a.
„ iiitortus L a ni.
Detitalium elcphantinnm L i n n e.
Venus isJandicoides L a m.
Aren diluvü Lam.
Pecten cristntus Brocc
321
Über die Natur der sarmatischen Stufe und deren Analoga in
der Jetztzeit und in früheren geologischen Epochen.
Von Th. Fuchs.
(Vorgelegt in der Sitzung vom 1. März 1877.)
Nach den zahlreichen Arbeiten, welche im Verlaufe der
letzten Jahre über die sogenannte „sarmatische Stufe'- des süd-
östlichen Europas erschienen sind, unter denen ich nur auf die-
jenigen vonSuess, Barbot, H örn es, Höchst etter, Siuzow,
Karrer u. a. hinweisen will, darf wohl vorausgesetzt werden,
-dass die Eigenthümlichkeit dieser in jeder Beziehung so
abweichenden und abnormen Formation auch in weiteren Kreisen
bekannt ist. '
Umsomehr hat es mich daher Wunder genommen, dass bis-
her so vollkommen übersehen werden konnte, dass bereits in
früheren geologischen Epochen eine Reihe von Formationen vor-
kommt, welche sowohl in Bezug auf ihre Verbreitung, als den
Charakter ihrer Fauna , die Beschatfenheit ihres Sedimentes
lind ihr Verhalten zu anderen normalen Ablagerungen auf das
vollständigste mit der sarmatischen Stufe übereinstimmt, und
1 Ich führe zur Oi'ientiriiug folgende QiieUen speciell au:
Hoiuinaire de Hell. Les steppes de la mer caspienne. Paris 1844.
(Paleontolog-ie par D'Orbigny.)
Murchison. Geologie des europäischen Russlands. Stuttgart
1848.
S t e i n d a c h n e r. Beiträge zur fossilen Fisch fauna Österreichs
(Sitzbr. Wiener Akad. 1859. p. 673.) [Fische des Hernalser Tegels.]
Barbot de Marny. Beschreibung der Astrachanskischen oder
Kalmücken-Steppe. Petersburg 1863.
Karrer. IJber das Auftreten der Forarainiferen in den brackischen
.Schichten des Wiener Beckens. (Sitzbr. d. kais. Akad. d. Wiss. Wien
1863.)
If) *
o22 F u c h s.
(lenigemäss gewisserniassen, sit venia verbo, ältere „sarniatisclie
Stufen'' darstellen.
Die Fürniationen, welche ich hiebei im Auge habe, sind
folgende :
1. Die Formation des Zechsteines in Riissland, Norddeiitsch-
land und England.
2. Die Formation des deutschen Muschelkalkes.
3. Die sogenannten Raiblerschichten der Alpen.
4. Die Contortaschichten ausserhalb der Alpen mit Einschluss
jenesTheiles der Rhaetischen Formation der Alpen, welcher
von GümbeP als „oberer Muschelkeuper*', von .Suess
und Mojsi so vics^als „schwäbische Facies der rhätischen
Stufe", von Stoppani*'' als „cjroiipe de hütiachcHes''^
angeführt wird.
In derThat kann man die Faunen dieser Formationen nicht
näher ins Auge fassen, ohne von der ausserordentlichen Ähnlich-
keit überrascht zu sein, welche sie in ihrem Grundcharakter
sowohl untereinander als mit der sogenannten sarmatischen Stufe
zeigen.
Es lässt sich dieser gemeinsame Grundcharakter in Kürze
folgendermassen charakterisiren :
Abich. Geologie der Halbinsel Kertsch und Tanian. (Mem. Akad.
imp. St. Petersboiirg' 1865. IX. Nr. 4.)
Suess. Über die Bedeutung der sogenannten „brackischen Stnfe"^
oder der „Cerithienschichten". (Sitzbr. d. Wiener Akad. ISBG.j
Bar bot de Marny. Geologie des Gouvcrneuients Cherson.
Petersburg 1869 (in russischer Sprache).
Hochstetter. Die geologischen Verhältnisse des östlichen Theiles
der europäischen Türkei. (.Jahrb. d. geolog. Reichsanst. 1870. p. 365.)
Sinczow. Geologische Skizze des bessarabischen Kreises. Odessa
1873 (in russischer Sprache).
Hörn es jun. Die Fauna der sarmatischen Ablagerungen von
Kischeneff in Bessarabien. (Jahrb. d. geol. Reichsanst. 1874. p. 33.)
> Geologische Beschreibung des baierischen Alpengebirges.
3 Die Gebirgsgruppe des Osterhorns. (Jahrb. d. geol. Reichs-
anstalt. 1868.J
3 Essai surles conditions generales des couches a avicuia contorta.
Milan 1861.
über die N;itui- der saruiatischeu Stufe etc. d2d
Die Korallen, Spoiig'ien, Bryozoen. Ecliinodernien, Cephalo-
poden iiud Brachiopoden, sowie unter den Lamellibrandiien
und Gastropoden alle grossen, dickschaligen und reicher ver-
zierten Formen treten vollständig zurück oder verschwinden
tlieilweise auch ganz, so dass die gesammte Fauna schliesslich
fast nur aus einer beschränkten Anzahl mittelgrosser, unschein-
barer Bivalven besteht, welche gesellig vorkommend, im Vereine
mit einigen kleinen, unscheinbaren Gastropoden an allen Punkten
des Vorkommens mit ermüdender Gleichförmigkeit wiederkehren.
Eine nicht minder grosse Übereinstimmung als in der Fauna
zeigen diese Formationen auch in der petrog-raphischeii Zusam-
mensetzung ihrer Sedimente, wodurch sie sich auch in dieser
Richtung ;ils Ablagerungen darstellen, welche unter analogen
äusseren Bedingungen entstanden.
Es bestehen diese Ablagerungen nämlich fast ausschliesslich
aus dünngeschichteten Sandsteinen und Mergeln in Verbindung
mit dünnpl.ittigen Kalken, Muschelbänken, eigenthümliclien,
bläschenförmigen Oolithen und leichten, porösen Schaumkalken,
während alle dichten und massigen Kalk- und Dolomitbildungen
vollständig fehlen.
Eine ganz besonders charakteristische Eigenthümlichkeit
sind die ebenerwähnten bläschenförmigen Oolithe. Dieselben
treten beinahe überall auf, wo sarmatische Schichten vorkommen
und sind bisher noch niemals in den normalen marinen Ablage-
rungen (Mediterranstufe) gefunden worden. '
Es existirt über sie eine eigene Literatur und sie werden
als ganz charakteristisch für diese Formation angesehen. Da
ist es nun in der That äusserst auffallend und unmöglich auf einen
Zufall zurückführbar, dass dieselben Oolithe in genau derselben
Weise auch allenthalben im russischen, norddeutschen und
englischen Zechstein, sowie im mitteldeutschen Muschelkalk auf-
treten, wo sie einen Theil des sogenannten „Schaumkalkes- im
weiteren Sinne bilden, während sie umgekehrt noch niemals in
anderen Ablagerungen aufgefunden worden sind.
1 Bei Syrakus zeigen die obersten Bänke des Leithakalkes eine auf-
.lallende Verariuung- der Fauna, welclie ganz an diejenige der sarmatischen
324 F u c li s.
Aus dem englisclieuZechsteiii werden grosse, nnregelmässig:
knollige Kalkconcretionen von eoncentriscli-schaliger Zusammen-
setzung besehrieben, welelie in auffallendster Weise an die
sogenannten „ßiesenoolitlie'-' der Ilaiblerschichten erinnern und
mit ihnen wohl auch identisch sein dürften.
Endlich kommen in allen hieher gehörigen Bildungen sehr
häufig Gyps- und .Steinsal/ablagerungen vor.
Eine weitere Eigentliiimlichkeit aller hieher gehörigen For-
mationen besteht darin, dass sie innerhalb ihres gesammteu Ver-
breitungsgebietes sowohl in Bezug auf ihre petrographische Aus-
bildung, als auch in Hinsicht ihrer Fossilien eine ausserordent-
liche Gleichförmigkeit beibehalten, so dass Stücke aus den
entferntesten Punkten genommen sich oft zum Verwechseln ähneln.
Es geht aus dieser Eigenschaft die eigenthümliche Doppelstellung
aller dieser Ablagerungen hervor, dernach sie ebensowenig inter-
essant für den Paläontologen als wichtig für den Stratigraphen
sind, indem sie ersterem immer nur dieselben wenigen und un-
scheinbaren Fossilien liefern, während sie dem letzteren einen
scharfen, leicht kenntlichen und niemals irreführenden Horizont
abgeben.
Wenn wir uns nun aber weitergehend die Frage vorlegen,
wodurch denn der eigenthümliche Charakter der angeführten
Formationen bedingt sei, respective unter welchen äusseren Ver-
hältnissen die Bildung aller dieser Ablagerungen erfolgte, so
ergeben sich sofort grosse Schwierigkeiten.
Die Ablagerungen der sarmatischen Stufe (im engeren Sinne)
wurden anfangs für brackische Bildungen gehalten, und die
gleiche Anschauung wurde auch von Ranisay für die Bildungen
der Contortazone geltend gemacht. '
Stufe erinnert, und zu gleicher Zeit treten daselbst juicli in ausg'e-
zeichneter Weise bläschenförmige Oolithe auf, weiche sonst im normalen
Leithakalke dieser Gegend nirgends getunden werden. (Siehe meine kleine
Is(»tiz: Über Miocänbildnngen vom Charakter der sarmatischen Stufe bei
Syrakus, in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie).
i On the physical relation of the new red marl, rliaetic beds, and
lower Lias. (Quart. Journ. Geol. Soc. 1871. p. 189.) Siehe auch von dem-
selben Autor: On the red rocks of England ot (dder dats than the Trias.
Idem i)ag. 2-41).
über die Natur der isannatischen Stute etc. 'j^^
Es lässt sich nun allerdings nicht leugnen, dass in dem
Zurücktreten, respective Fehlen der Korallen, Bryozoen, Echino-
dermen, Brachiopoden und Cephalopoden, sowie überhaupt aller
grösseren, autfallenderen f'onchylieu eine entschiedene Andeu-
tung brackischer Verhältnisse vorhanden ist, sowie auch das
gesellige massenhafte Vorkommen der wenigen übrig bleibenden
Formen der gesammten Fauna einen entschieden brackischen
Habitus verleiht. Immerhin würde es jedoch gegen die bisherige
Auffassung dieser Verhältnisse Verstössen, wollte man eine Fauna
schlechtweg „brackisch^' nennen, welche doch ausschliesslich
aus echt marinenConchylien besteht, und vor Allem würde man
sich wohl kaum cntschliessen können, Ablagerungen wie den
Zechstein und Muschelkalk als „brackische" Ablageruiigen zu
bezeichnen.
Eine andere Ansicht geht dahin, in den angeführten Ab-
lagerungen einfach „Strandbildungen" zu sehen.
Auch diese Ansicht hat gewiss Vieles für sich, indem in
der That die vorkommenden Organismen grösstentheils solche
sind, wie wir sie in Strandbildungen zu linden gewohnt sind, und
die so allgemein verbreiteten Oolithe auch mit grosser Entschieden-
heit für eine Bildung in geringer Tiefe sprechen.
Immerhin scheint mir auch diese Anschauung die vorliegende
Frage nicht vollkommen zu erschöpfen, da ja Strandbildungen
auch in anderen Formationen sehr häufig auftreten, ohne dass
dieselben jedoch jemals jene Einförmigkeit und Abgeschlossen-
heit zeigen würden, welche ja gerade den wesentlichen Charakter-
zug der in Bede stehenden Formationen bildet.
In der letzten Zeit ist nun eine dritte Anschauungsweise
aufgetaucht, welche zuerst mit Rücksicht auf die sarmatische
Stufe aufgestellt, später auch auf die Fauna des Muschelkalkes
und des Zechsteines übertragen wurde, und dieselbe ging einfach
dahin, dass alle diese Faunen nordischen Ursprunges seien und
ihr Auftreten durch ein Vordringen polarer Gewässer gegen
Süden bedingt würde.
So verlockend diese Ansicht nun auch für den ersten Augen-
blick sein mag, indem sie eine sehr einfache Lösung des Problems
zu bieten scheint, so kann ich doch nicht umhin, nach einer reif-
326 F u 0 h 8.
liclieii rrülitng- aller liieher gehö'igen Thatsaehen, mich mit aller
Kntseliicdeiilieit gegen dieselbe auszusprechen.
Vergleicht man die Fauna der sarmatischen Stufe mit
derjenigen unserer jetzigen nordischen Meere, so findet man,
dass dieselben nicht die mindeste Ähnlichkeit miteinan(h'r besitzen.
Vor allen Dingen sind die nordischen Meere durchaus nicht
so arm an Formen, wie man gewöiinlicli anninnnt. Wenn in der
sarmatischen Formation Korallen, Echinodermen, Brachiopoden^
Pteropoden, Cephalo])oden, Balanen, Dekapoden und Haitische
vollständig fehlen, so findet sich dieser Mangel durchaus nicht
auch in den nordischen Meeren, avo vielmehr alle dieseTypen, und
zwar mitunter sehr reichlich und durch grosse und autfallende
Formen repräsentirt sind.
Die nordischen Meere besitzen ferner eine sehr reiche und
charakteristische Tiefseefauna mit zahlreichen Korallen, Echino-
dermen, Spongien, Brachiopoden, Krabben, Aiakruren u. s. w.,
welche der sarmatischen Stufe vollständig abgeht.
Die Conchylienarten der nordischen und Polarmeere zeichnen
sich durch eine durchschnittlich sehr bedeutende Grösse aus,
während die Conchylien der sarmatischen Stufe und der ver-
wandten Ablagerungen durchgehends klein sind.
Fasst man die einzelnen Genera ins Auge, aus denen die
("ouchylienfauna der nordischen Meere und die der sarmatischen
Stufe zusammengesetzt sind, so findet man auch hier einen tief-
gehenden Gegensatz.
So gelten als besonders charakteristisch für die nordischen
Meere folgende Genera: Biiccinnm (im engeren Sinne). Tropkon,
Trichotropis, Lilornia, Lucnna. Marfjarita. Piincturc/ia, Crenella.
Yoldia, Astarte, Cijjrn'tui, Mya, S<txicaf(i, G/ycinwris, Lyonsitt.
Nicht ein einziges dieser Genera ist jedoch bisher in der sar-
matischen Stufe nachgew^iesen. Umgekehrt fehlen die in der
sarmatischen Stufe auftretenden Genera: T'apes, Don((x% Erviliu,
Cerithium. Coliimlx'llti, 31iirex, l^orlms, PhdsidueUa, in den
nordischen Meeren entweder ganz oder sie sind daselbst doch
nur äusserst schwach vertreten. ^
1 Siehe Mi ddenrt ort", lieise in den äussor.sten Norden und Osten
Sibiriens. Vol. II, Zoologie. Petersburg- 1851. (Vergleich der Fauna des
Schwarzen Meeres mit derjenigen des Polarmeeres.)
über die Natur der sarmatischen Stufe etc. 32 i
An den Küsten Norwegens, Englands und Nordamerikas
finden sich bekanntlich in grosser Verbreitung glaciale Ablage-
rungen der üiluvialzeit, dieselben haben aber niclit die mindeste
Ähnlichkeit mit den Ablagerungen der sarmatischen Stufe. <
Zu ganz ähnlichen Resultaten gelangt man, wenn man die
triasischen und pei'niischen Ablagerungen In Betracht zieht.
Man kennt gegenwärtig bekanntlich aus Spitzbergen sowohl
Ablagerungen der Trias, als auch der Permformation ^^ dieselben
zeigen jedoch keine Spur von einer Verarmung der Fauna, wie
Avir sie im mitteleuropäischen Zechstein und Muschelkalk finden,
sondern die Fauna ist im geraden Gegentheile sehr fornienreich
imd gleicht vielmehr derjenigen, welche in den gleichalterigen
Ablagerungen der Alpen auftritt.
Wenn ich nun versuchen wollte, bei diesem Stande der
Dinge meine eigene Ansicht über diese Frage auszusprechen, so
liesse sich dieselbe in Kürze folgendermassen formuliren:
Als erstes und wichtigstes Moment zur Bildung von Forma-
tionen, wie sie im Vorhergehenden geschildert wurden, betrachte
ich die Existenz abgeschlossener, isolirter Binnenmeere, welche
nach Art des Schwarzen Meeres, des Mittelmeeres oder auch
der Ostsee nur durch einen engen Canal mit dem Occan in Ver-
bindung stehen.
1 Vor Kurzem hat mein verehrter Freund Dr. A. B i 1 1 n e r sich in seiner
Habilitationsvorlesung- als Docent an der Wiener Universität ebenfalls mit
grosser Entschiedenheit gegen die nordische Natur der sarmatischen Stufe
ausgesprochen und hiefür fast genau dieselben Gründe angeführt, welche
auch icli als die ausschlaggebenden betrachte. Es ist sehr zu bedauern,
dass dieser interessante Vortrag nicht der Öffentlichkeit übergeben wurde.
2 Nordenskiöld. Sketch of the Geolog}- of Spitzbergen. Stock-
holm 1867.
Lind ström. Om Trias och .Iura försteningar fran Spitzbergen.
Akad. Handlingar. Stockholm 18(3.').)
Toula. Kohlenkalkfossilien von der Südspitze von Spitzbergen.
( Sitzb. Wiener Akad. 1873. I.)
— Kohlenkalk und Zechsteiufossilien aus dem Hornsund an der
Südwestküste von Spitzbergen, i Idem 1871. I.)
— Eine Kohlenkalkfar.na von den Barents-Inseln (No waja Semlja).
(Idem 187.5. l.)
— Permo-C'arbonfossilien von der Westküste von Spitzbergen.
(Neues Jahrb. für Mineralogie 187ö.y
328 F u c li s.
Es ist bekannt, dass das Wasser des ji^rossen Oceans sich
ähnliclj wie die Atmosphäre in einem grossen Kreislaute befindet,
indem das warme Oberflächenwasser vom Äquator fortwährend
nach den Polen strömt, während umgekehrt die abgekühlten
Gewässer der Pole sich in der Tiefe wieder langsam gegen den
Äquator zu bewegen. — Es wird auf diese Weise eine fortwäh-
rende Erneuerung des Wassers auch in den Tiefen des Oceans
bewirkt und namentlich auch die zur Unterhaltung des anima-
lischen Lebens unentbehrliche atmosphärische Luft stets von
Neuem von den Polen aus in die Tiefe geführt.
Stellen wir uns nun aber ein abgeschlossenes Meeresbecken
vor, welches nur durch einen engen und stets auch verhältniss-
mässig seichten Canal mit dem Ocean in Verbindung steht, so
ist es klar, dass das Wasser desselben nur nach Massgabe der
Tiefe des Verbindungscanales in die allgemeine Circulation mit-
einbezogen werden kann, während die tieferen Wassermassen,
von dieser Circulation ausgeschlossen, einen gleichsam stagni-
reuden Sumpf darstellen, der nur in sehr unvollkommener Weise
im Stande ist , seinen Gehalt an atmosphärischer Luft zu
erneuern.
Als eine unmittelbare Folge dieser Verhältnisse muss sich
aber sofort die Erscheinung einstellen, dass in derartigen abge-
schlossenen Meeresbecken die Fauna der grösseren Tiefe in auf-
fälligster Weise verkünnnert, während diejenige der geringeren
Tiefe, welche eben noch unter dem Einflüsse der Circulation
steht, sich in vollkommen intacter und normaler Weise erhalten
kann.
Es sind diese Verhältnisse zuerst von Carpenter, der im
Jahre 1870 die englische Expedition der Porcupine in das Mittel-
meer als Physiker begleitete, im Zusammenhange dargestellt
worden, und erklären dieselben in ebenso einfacher als befrie-
digender Weise die auffallende Thatsache, dass im Mittelmeere
eine wirkliche Tiefseefauna fast vollkommen fehlt.
Einer freundlichen Mittheilung meines verehrten Freundes
des Herrn Widhalmin Odessa, welcher als Zoologe der russi-
schen Expedition zugetheilt war, die im Jahre 1868 eine Ver-
messung des Schwarzen Meeres auf der Strecke Odessa-Poti
zum Zwecke der Legung des indischen Telegraphenkabels aus-
über die Natur der sarmatischen Stufe etc. 329'
führte, verdanke ich die Kenntniss der Thatsache, dass auch,
im Schwarzen Meere die grösseren Meerestiefen auffallend arm
an lebenden Wesen seinen. •
Das Gleiche wurde auch von der Commission zur wissen-
schaftlichen Erforschung der deutschen Meere in Bezug auf den
tieferen Theil des östlichen Ostseebeckens constatirt, ja, wenn
man die Thatsache in Erwägung zieht, dass nach den Unter-
suchungen der Challenger Expedition auch im grossen offenen
Ocean die grössten Meerestiefen fast vollkommen leblos sind^
während au manchen Stellen doch noch bis zu einer Tiefe von
2400 Faden und darüber ein ausserordentlich reiches und kräf-
tiges Thierleben gefunden wird, so ist man sehr geneigt, auch
diese Erscheinung nicht auf Rechnung der grossen Tiefe zu
setzen, als vielmehr dem Umstände zuzuschreiben, dass ja auch
hier die grossen, beckenförmigen Aushöhlungen des Meeres-
grundes, welche die grösste Tiefe enthalten, von einer Wasser-
masse erfüllt sind, die, von der allgemeinen Circulation aus-
geschlossen, stagnirende Wassermassen darstellen.
Wenn sich nun auch auf diese Art, wie ich glaube, in befrie-
digender Weise die Erscheinung erklärt, dass sowohl in den Ab-
lagerungen der sarmatischen Stufe als in den analogen älteren
Bildungen eine wirkliche Tiefseefauna gar nicht existirt, so lässt
sich aus diesem Verhältnisse doch nicht die eigenthümliche Ver-
armung ableiten, welche selbst die Strandfauna in diesen Ablage-
rungen zeigt. Zur Erklärung dieser Thatsachen ist wohl noch
die Annahme eines zweiten Factors nothwendig und ich vermag
denselben in nichts Anderem als in einer kleinen Verringerung
des Salzgehaltes zu erblicken, den das supponirte Binnenmeer
1 An einer .Stelle fand sich in einer Tiefe von 12 — 20 Faden ein
stinkender Schlamm, welcher vollständig von einer Bulla erfüllt war, und
bei Farschangut in einer Tiefe von 48 Faden warder Schlammboden auf
eine Erstreckung von 10 — 15 Werst vollständig mit einer Schichte von
zwei kleinen, papierdünnen Modiolaarteu bedeckt. Es erinnert dies ausser-
ordentlich an das massenhafte Vorkommen von Bulla Lajonkaireana und
Modiola tnargtnata in den sarmatischen Tegelablagerungen, während die-
selben Arten in den gleichzeitigen Sandbildungen entweder vollständig
fehlen oder doch nur selten und auch dann nur meist in kleinen Exemplaren
vorkommen.
330 F 11 c li s.
durch den Eintluss grosser Ströme erlitt, in ganz derselben Weise,
Avie dies lieutzntage z. B. im Scdiwarzen Meere der Fall ist.
In der Tliat, man kann die Fauna des .Sehwarzen Meeres
nicht näher ins Auge fassen, ohne von der ausserordentlichen
Übereinstimmung überrascht zu sein, welche dieselbe mit der
Fauna der sarmatischen Stufe zeigt.
Ganz wie dort, finden wir auch hier das charakteristische
Zurücktreten der Korallen, Echinodermen, Bryozoen, Balanen,
Brachiopoden, Pteropoden, Cephalopoden, Dekai)oden, Haifische
und Rochen, welche bei einigen dieser Typen bis zum vollstän-
digen Verschwinden geht, und ganz so wie dort findet man auch
hier fast die gesammte Fauna auf eine beschränkte Anzahl
mittelgrosser, unscheinbarer, mariner Conchylien reducirt, welche
jedoch, in grosser Häufigkeit gesellig auftretend, der Fauna einen
brackischen Habitus verleihen. i
Vergleicht man die Genera, welche im Schwarzen Meere
vorkommen, mit denjenigen der sarmatischen Stufe, so findet
man auch in dieser Richtung eine ausserordentliche (Jberein-
stimmung, wie aus folgender Zusammenstellung hervorgeht:
1 Als Quellen für die Fauna des Schwarzen Meeres dienten mir fol-
gende Arbeiten :
Middendurt". Beiträge zu einer „Malacozoologia lossica" (Mem. sc.
nat. VI acad. imp. des sciences. St. Petersbourg.j
Mi ddendo r f. Reise »in den äussersten Norden und Osten Sibiriens
Vol. II, Zoologie, part. I. Petersburg 1858.
Seil mar da. Die geographische Verbreitung derTliiere. Wien 1853,
pag. 609.
Demidoff. Voyage dans la Kussie meridionale. Vol. III, pag. 355.
(Fischfauna des Schwarzen Meeres.)
Heller. Die Crustaceen des südlichen Europas (Zool. Bot. Gesellsch.
Wien 1863. j Erwiihnt 13 Arten aus dem Schwarzen Meere.
Marco US on. Zur Fauna des Schwarzen Meeres. (Transactions of
tlie first meeting of Ru&eian Naturalist at St. Petersburg. 1868. p. 178. —
Referirt in Toschels Archiv für Naturgesch. 1867. XXXIII pag. 357.)
Uljanin. Materialien zur Fauna des Schwarzen Meeres. (Schriften
der Freunde der Naturwisssenschaften, der Anthrop. und Ethnogr. in
Moskau 1872.) In russischer Sprache. Vollständigstes Verzeichniss.
Kessler. Die Fische des Aralo-Caspisch-Euxinischen Beckens. (Re-
ferirt in „Natur" 16. Nov. 1876.)
über die Natur der sarmatihschen Stute etc.
331
Sarjuatische Stufe '
Schwarzes Meer '
(nach rijanin 1872)
Col nmh eJ l((.
*Nnssa
*Mure.v
Pleurot onui
'^Cerith in tu
Melanopsis
Melanla
'^Trocli HS
*Ph(i s 1(171 eil a
Nerit inn
Rissoa
Paludina
Nntica
NdviceUa
Acniaen
""Bulla
Solen
Pholas
*Tapes
*D 0 H a X
^Mactra
Syndosmya
*ErvHia
'^Cardlum
L u c i H II
Gastropoden.
Bivalven.
Conus. 1
Mifra 1
Ter ehr II 1
C ol II m bei In
JS (IS SU 4
Mure.v 2
PI e II r oto ma
Calypfraea 1
Ph (IS inn eil a
Delphin II In 1
Tr 0 c h u s 7
Ne r i t i n n 1
Litorinn 2
Cerithium \
Paludina 2
Truncatella 1
R i s s o a 5
Chiton 2
Pafella 2
Bnlln 1
Tallinn 5
Venus 5
Ve?ierupis 1
Petricola 1
Lud n (t 2
Teredo 1
Solen 2
Mnctrn 1
Erycina 1
1 Die gemeinsamen Genera sind durchschossen gedruckt, die in der
sarmatischen »Stufe herrschenden Genera mit einem Sternchen versehen.
332 F u c h s.
Sarinatische Stufe. Schwarzes Meer
(nach Ulljanin 1872)
*M odf'oln Mf'fiodefima 1
Oftfi'd rn D ())Ki.v 2
C II r d i iini C
Aren 1
M o d i ol II 1
MytUiis 1
Pccteu 1
0 üfra eit 1
Es gibt jedoch ausser dem Schwarzen Meere noch andere
Beispiele von Meeresfaunen, welche eine ähnliche Verarmung'
aufweisen und ebenfalls lebhaft an die Fauna der sarmatischen
Stufe erinnern.
Ein solches Beispiel bieten uns der Timsahsee und die so-
genannten Bitterseen auf der Landenge von Suez. In diesen
kleinen, seichten abgeschlossenen Meeresbecken, welche vor der
Grabung des Canales vollkommen trocken lagen, hat sich, seit
sie wieder mit dem Meere in Verbindung gesetzt sind, eine aus
dem Rothen Meere stammende Fauna angesiedelt, welche fast
■ausschliesslich aus folgenden Arten besteht:
Cardium ednJc L i n n e.
Mactra oJorina Phil.
Mytilns vdrlabilis K r a u s s.
Ccrithium conicnm Blainv.
,. KViihridiim Phil.
Mehiniii tnln-rvidutu Mülle r.
Diese wenigen Arten kommen jedoch gesellig lebend in
tiusserordentlich grosser Menge vor und da sie auch in ihrem
äusseren Ansehen correspondirenden Arten der sarmatischen
Stufe sehr ähnlich sehen, i so ist die Übereinstimmung mit der
' So ähnelt die Mactra oloriua sehr den schmalen Varietäten der
Mactra podotica, Mi/täas rarialnlis der Modiola marginata, Ccrithium sca-
hriduni dem Ccriihiiitn rnf/ii/inosi/in und Cerit/iiiiiii cimicuin dem Cfritimou
nodo opiicatinu oder gewissen \'anetäten des, Cerithiinn pictum.
über die Natur der sarinatischen Stufe etc. 333
sarmatisclien Fauna in der Tliat eine sehr gTosse. Benierkens-
werth ist, dass in diesem Falle die Verarmung: der Fauna ohne
Zuthun einer Aussüssung erfolgt und oifenbar ausschliesslich
durch die Isolirung- und Seichtheit der kleinen Meeresbecken
bedingt wird.
Ein weiteres Beispiel für den in Rede stehenden Gegen-
stand scheint sich in der Meeresfauna der Westküste von Florida
zu bieten. Es hat damit folgende Bewandtniss:
In der geognostischen Sammlung des k. k. Hof-Mineralien-
cabinetes befindet sich unter den Beispielen von „recenten Ab-
lagerungen" zwischen Korallen- und Nulliporenkalken auch ein
Muschelcouglomerat von Florida^ welches aus Do?ia.v, Cardiiim,
ErvUiu und Bulla besteht und so vollständig den Ablagerungen
der sarmatisclien Stufe gleicht, dass ich lange Zeit der festen
Überzeugung w.-ir, dass das fragliche Stück nur irrthümlicher-
weise den Fundort „Florida- trage und in Wahrheit aus den
sarmatischen Schichten von Nexing stamme.
Ich war daher nicht wenig überrascht, gelegentlich der
Wiener Weltausstellung in der amerikanischen Abtheilung grosse
Blöcke von genau demselben Gestein zu finden und von dem
betretfenden Aussteller zu erfahren, dass dasselbe wirklich von
Florida, und zwar von der Westküste herstamme, wo es an der
Küste ausgedehnte Ablagerungen bilde.
Betrachtet man nun aber den Meerbusen von Mexiko, so
sieht man sofort, dass derselbe eigentlich ein sehr isolirtes ab-
geschlossenes Meeresbecken darstellt, und erwägt man ferner,
dass in seinem nördlichen und östlichen Theile die grossen Ströme
Nordamerikas münden, so Hesse es sich begreifen, dass hier
stellenweise eine Verminderung des Salzgehaltes und in Folge
dessen eine ähnliche Verarmung der Fauna eintrete wie im
Schwarzen Meere.
Leider bietet die vorhandene Literatur gar keine Hand-
haben, um diesen Gegenstand weiter zu verfolgen und muss ich
es daher der Zukunft überlassen, zu entscheiden, inwieferne die
hier geäusserten Vermuthungen sich als richtig erweisen. Jeden-
falls scheint mir bereits aus den angeführten Thatsachen, sowie
aus der Fauna der Bitterseen so viel mit Sicherheit hervorzu-
gehen, dass zur Entstehung verarmter Meeresfaunen, wie diejenige
334 F u c li s.
der sarniatischen .Stufe ist, keinesfalls eine niedrige Tenipeiatur
erforderlieh ist.
Aus den vorherg-elienden Auseinandersetzungen ergeben
sieh nun aber einige Folgerungen von allgemeinerer Bedeutung.
Wenn nämlieh die Ablagerungen der sarniatischen Stufe so-
wohl, wie diejenigen der anderen analogen Formationen nichts
weiter als die Bildungen etwas ausgesüsster Binnenmeere
sind, so folgt daraus wohl von selbst, dass es für jede dieser
Formationen ausserhalb ihres Verbreitungsgebietes gleichzeitige
Ablagerungen geben müsse, welche nicht eine verarmte, sondern
eine normale marine Fauna enthalten, wie ja auch gegenwärtig
neben der verarmten Fauna des Schwarzen Meeres die reiche
Fauna des Mittelmeeres und des Atlantischen Oceans besteht.
Dies ist nun auch wirklich der Fall. Seitdem man nämlich
das Studium der geologischen Verhältnisse der Alpen intensiver
zu betreiben begonnen hat, hat es sich herausgestellt, dass es
sowohl für den Muschelkalk, als auch für den Keuper und die
Contortaschichten, welche ausserhalb der Alpen nur mit ver-
armter Fauna auftreten, innerhalb der Alpen mächtige Abla-
gerungen gebe, welche zum grössten Theile aus massigen
Kalk- und Dolomitmassen bestehen und eine reiche, marine
Fauna mit Korallen, Cephalopoden, Brachiopoden und einer
grossen Anzahl anderer Conchylien enthalten, ja in neuester Zeit
wurde es von Stäche nachgewiesen, dass die sogenannten
Bellerophonkalke der Südalpen, welche bisher theils zur Trias -
theils zur Kohlenformation gezogen wurden, genau genommen,
keiner von beiden zugehören, sondern nichts Anderes, als die
marinen Äquivalente des mittel- und nordeuropäischen Zech-
steines darstellen. '
Von Spitzbergen und Nowaja Semlja wurde vor Kurzem
von Toula eine reiche paläozoische Fauna beschrieben,^ welche
im Allgemeinen den Habitus einer Kohlenkalkfauna zeigt,
daneben aber eine so grosse Anzahl echter, typischer Perni-
fossilien enthält, dass Toula die betretfenden Ablagerungen mit
1 Über eine Vertretung derPermfunnation von Nebraska in den Süd-
alpen. (Verhandl. Geol. Keichsanst. 1874.)
3 Toula. Permo-Carbonfossilien von der Westküste von Spitz-
bergen. (Neues Jahrb. für Mineralogie. 1875.)
über die Natur der sarniMtischen Stufe etc. 335
dem Ausdrucke „Permo- Carbon^' bezeichnete. Es ist wohl l^aura
zu zweifeln, dass wir in diesem „Pernio -Carbon" nichts Anderes,
als ein Äquivalent der alpinen Bellerophonkalke, oder mit an-
deren Worten ein marines Äquivalent des Zeclisteines vor uns haben.
Neben diesen Bildungen treten auf Spitzbergen auch Trias-
bildungen auf, dieselben haben aber durchgehends den Charakter
der Hallstätter und Cassianer Schichten und fehlen Ablagerungen
mit verarmter Fauna hier vollständig.
Noch auffallender stellen sich diese Verhältnisse iniHimalaya
und überhaupt in Indien dar.
Hier sind in den letzten Jahren durch die Bemühungen der
Geological Survey of India fast alle Glieder der Triasforniation,
ferner der Kohlenkalk, sowie eine ganz eigenthündiche Zwischen-
bildung nachgewiesen worden, welche in bisher unbekannter
Weise zwischen Kohlenkalk und Triasformation vermittelt und
daher gewissermassen die Perniformation repräsentirt. '
Alle .diese Ablagerungen treten jedoch in ganz normaler
Weise mit einer reichen, marinen Fauna auf nnd sind Ablage-
rungen mit einer verarmten Fauna, welche beiläufig dem Werfner
Schiefer, den Raibler-Schichten, den Gervilliaschichten u. s. w.
entsprechen würden, in diesen Gebieten noch niemals nach-
gewiesen worden. ^
In den westlichen Staaten von Nordamerika zeigen die
obersten Kohlenkalkschichten eine Reducirung der Fauna, welche
an den europäischen Zechstein erinnert, s Die Sache geht jedoch
hier nicht so weit wie in Europa nnd überdies sind die Schichten
so innig mit dem darunter liegenden, normalen K<ihlenkalk ver-
bunden, dass sie gegenwärtig von den amerikanischen Geologen
meist als oberster Kohlenkalk bezeichnet werden.
1 Waagen. Ou the occurence of Ammonites, associated with Cera-
tites and Goniatites in the Carboniferous deposits of the Salt Range. (Mera.
Geol. Survey, of India IX.)
3 Stoliczka. Geological Sections across the Himalayan Mountains
frora Waugtu-Bridge on the River Sutley to Sungdo on the Indus: with an
account of the formatiouo in Spiti accompanied by a revlsion of all kuown
fossiis frou) that district. (Meuj. Geol. Survey of India. V. 18G5.)
3 Geinitz. Carbonformation und Dyas in Nebrasca. (Akad. Leop.
Carol. 1867.)
Sitzb. d. mathem.-natui-w. Cl. I.XXV. Bd. I. Abth. 16
33() F u c h s.
Bemerkenswcrtli ist es, dass bereits mehrere der aus diesen
Schichten zuerst bescliriebenen Fossilien im BcUerophonkalke
derAlen, sowie im Permo-Carbon Spitzbergen nachg■e^^ lesen
worden sind.
Aus diesen Betrachtuni;cn geht nun aber eine weitere Fol-
gerung hervor.
Wenn Jemand die Absicht hätte, den Charakter der jetzt
lebenden Meeresfauna zu bestimmen, so wird er als Beispiel hie-
für vielleicht die Meeresfauna der Philip})inen, Westindiens oder
auch des Mittelmeeres , gewiss aber niemals die Fauna des
Schwarzen Meeres wählen und ebenso wird es Niemandem ein-
fallen, die Eigenthündichkeiten der Miocänfauna aus den sarma-
tischen Ablagerungen ableiten zu wollen, sondern er wird sich
zu diesem Zwecke gewiss an die Mediterranstufe der Wiener
Becken und an die Analoga im Osten und Süden Europas
halten.
Wenn dies nun aber für diese beiden Fälle gilt, so muss
dasselbe auch für alle analogen Fälle Geltung haben, oder mit
anderen Worten, man muss in allen Fällen, wo es sich um die
Charakterisirung der Meeresfauna einer bestimmten geologischen
Epoche oder aber um die geologische Entwicklung der Meeres-
faunen im Allgemeinen handelt, stets einzig und allein die nor-
malen marinen Ablagerungen in den betreffenden Zeitabschnitten,
niemals aber diejenigen ins Auge fassen, welche nach Art der
sarmatischen Stufe eine verkümmerte Fauna besitzen.
Versuchen wir es auf Grundlage dieser Anschauungen, die
lebenden und fossilen Meeresfaunen des europäischen Faunen-
gebietes in ein Schema zu bringen, so würde sich dies ))eiläufig
folgendermassen ausnelnaen müssen :
Normale Faunen. Verarmte Faunen von sarmatl-
schem Charakter.
1. Fauna des atlantischen Fauna des schwarzen Meeres
Oceans und des Mittel- (und des Oaspischeu Sees.) i
meeres.
1 V'ou einem höheren Gesichtspunkte aus könnte man aucli die
Fauna des Caspischen Sees und der Congerienschichte hier einschalten,
obwohl dieselben schon mehr einen wirklich brackischen Charakter besitzen.
über die N;itui- der sarmatischeu Stufe etc.
337
Normale Faunen.
1?. Fauna der Piiocäuablage-
ruiig-eii.
3. Fauna der siid- und west-
europäischen Miocänbil-
dungen.
4. Fauna der älteren Tertiär-
bil düngen.
5. Faunen der Kreideforma-
tion.
6. Faunen des Jura und Lias.
7. Fauna der rliätisclien For-
mation der Alpen mit Aus-
schluss der schwäbischen
Facies.
8. Fauna von Esino und St.
Cassian.
9. Fauna von Hallstatt.
10. Fauna der Schichten mit
Arcestes Studeri.
11. Fauna des Bellerophon-
kalkes.
12. Fauna des Kohlenkalkes.
13. Fauna des Devonkalkes.
14. Fauna des Silurkalkes.
15. Primordialfauna.
Verarmte Faunen von sarmati-
schem Charakter.
(Fauna d. Congerienschichten.)
Fauna der sarmatischeu Stufe.
Fauna der Contortaschichten
(schwäbische Facies).
Fauna der Raibler Schichten.
Fauna des deutschen Muschel-
kalkes.
Fauna des Werfner Schiefers
(Buntsaudstein).
Fauna des nord- und mittel-
europäischen Zechsteines.
Es ist bekannt, dass im Gebiete Europas im Verlaufe der
geologischen Entwicklung zweimal continentale Verhältnisse
die Oberhand gewannen. Das eine Mal am Schlüsse der paläo-
zoischen Periode bis zum Beginne der Lias, das zweite Mal von
der Miozänzeit angefangen bis in die Jetztzeit.
Diese beiden Perioden sind durch das häufige Auftreten
von Süsswasserbildungen, sowie durch ein gewisses Maximum
16
838 F u c h s.
in der Bildung- von Steinkohlen- und Salzlai^ern aus^e/eiflinct,
welche beide das Vorhandensein j^rösserer zusammenhängender
Landmassen voraussetzen.
Es stimmt nun mit dieser Thatsache sehr gut überein, dass
genau in dieselben Zeitepoehen auch alle vorerwähnten Ablage-
rungen mit verkümmerter Meeresfauna fallen, und ist nur der
Unterschied vorhanden, dass während in der Permo-Triaszeit der
Mittel])unkt dieser pseudo-sarmatischen Ablagerungen mehr im
Norden und Westen Europas lag, derselbe in der Jetztzeit mehr
nach Süden und Osten gerückt scheint.
So treten in der ersten Epoche im Norden und Westen
Europas ausschliesslich verkümmerte Meeresfaunen auf, im Süden
Europas in den Alpen, treffen wir einen mehriachen Wechsel von
verkünnnerten und normalen Faunen, weiter gegen Osten in
Ungarn und Siebenbürgen scheinen von Ablagerungen mit ver-
kümmerter Fauna nur mehr die Werfner Schiefer vorzukommen,
und wenn wir noch weiter gegen Osten in das Gebiet des Hima-
laja vorschreiten, so linden wir die verkümmerte Fauna voll-
kommen verschwunden und alle Ablagerungen dieses Zeitab-
schnittes in normaler mariner Ausbildung entwickelt.
Umgekehrt verhält es sich in der Neogenzeit, Hier finden
wir gerade im Osten Europas nacheinander die Fauna der sar-
matischen Stufe, die Congerienschichten der aralo-caspischen
Formation und des Schwarzen Meeres, lauter verkümmerte, halb-
brackische und brackische Faunen, während wir im Westen und
Norden an den atlantischen Küsten Europas aus derselben Zeit
ausschliesslich Ablagerungen mit normaler mariner Fauna an-
treffen.
Im südlichen Frankreich, im nördlichen Italien, sowie in
Griechenland finden wir zwischen den marinen Miocän- und
Pliocänbildungen die Congeriensciiichten mit verkümmerter,
brackischer Fauna eingeschaltet, und wenn wir, der geologischen
Entwicklung voraneilend, uns in die Zeit versetzen, wo vielleicht
in Folge einer allmäligen continentalen Hebung, das Mittelmeer in
den Zustand des jetzigen Schwarzen Meeres oder des Caspischen
Sees versetzt sein wird, so werden wir in seinem Gebiete einen
ebenso complicirten, mehrfachen Wechsel mariner, halb brackischer
über die Natur der sarmatischen Stufe etc. 339
und brackisclier Faunen vorfinden, wie sie uns g-egenwärtig die
Trias der Alpen zeigt. '
Im Jahre 1874 besehrieb ich aus der Umgebung vouHyrakus
einen Schiohteneomplex, welclier daselbst im Hangend des Leitha-
kalkes auftretend, eine eigenthümlich verarmte Fauna enthielt,
die auiitallend an diejenige der sarmatischen Stufe erinnerte.
Kachdem es mir jedoch im weiteren Verlaufe meiner Studien
nicht gelang, in Griechenland Ablagerungen von ähnlichem
Charakter aufzufinden, und überdies die Identität der Species
bei näherem Vergleiche auch nicht so gross war als ich im ersten
Augenl)lieke glaubte, so neige ich mich gegenwärtig der Ansicht
zu, dass wir in diesen Ablagerungen doch nicht eine wirkliche
Verbreitung der sarmatischen Schichten nach Westen, sondern
vielmehr nur eine analoge Erscheinung von local-beschränkter
Bedeutung vor uns haben, die vielleicht am besten mit den Ab-
lagerungen der Bitterseen auf dem Isthmus von Suez verglichen
werden könnte, die ja bekanntlich ebenfalls eine reducirte Meeres-
fauna von sarmatischen! Habitus enthalten.
In Nordamerika traten mit Schluss der paläozoischen Epoche
ebenfalls continentale Verhältnisse ein , und dem entsprechend
finden wir auch hier in der letzten Phase der Carbonzeit eine
Verkümmerung der Meeresfauna eintreten, welche, wenn auch
nicht so weitgehend, wie im europäischen Zechstein, doch sehr
viel Ähnlichkeit mit der Fauna desselben zeigt.
Eine damit analoge Erscheinung dürften wie heutzutage in
der eigenthündich verarmten Meeresfauna erblicken, welche den
nordöstlichen Theil des Meerbusens von Mexiko zu bewohnen
scheint.
1 Das wiederholte Auftreten naeli Art der sarmatischen Faunen ver-
kümmerter Meeresfaunen innerhalb der alpinen Trias fällt im Wesentlichen
mit jener Erscheinung- zusammen, welche Mojsisovics als wiederholte
Einlagerung- mechanischer Litoralsedimente in die pelagischen Kalkbil-
dungen bezeichnet (Über die Gliederung- der oberen Triasschichten der
Alpen. Jahrb. d. geol. Reichsanst. 1869, pag. 91), doch rechnet Mojsiso-
vics auch einige Schichten hiezu, welche nach der in vorliegender Arbeit
vertretenen Ansicht richtiger zu den pelagischen Bildungen gestellt werden
müssten. (Cassianer Schichten, Aonschiefer u. dgl.)
340
Über die Natur des Flysches.
Von Theodor Fuchs.
(Vorgelegt in der Sitzung am 1. März 1877. j
Als Stiider im Jahre 1853 seine „Geologie der Soliwei//'-
veröffentlichte, begann er im Bd. II, pag. 111 das Capitel über
die Flyschformation mit folgenden Worten : „ W e n n j e a u f e i n e
G ebirgsbildung die Bezeichnung einer abnormen
anzuwenden ist, somuss sie deniFlysche vorzugs-
weise zukommen.''
Seit diese Zeilen niedergeschrieben wurden , haben alle
Untersuchungen, welche sich auf dieses Gebilde beziehen, nur
dazu geführt, die Richtigkeit dieses Ausspruches zu erweitern
und zu erhärten.
In der That, man mag die Arbeiten Studer's, Tlieobald's,
Kaufmann 's über den- Schweizer Flysch, die Arbeiten von
G ü m b e 1 , Hauer, H o h e n e g g e r , F a 11 o u , Stäche, N e u -
mayr, Paul und Tietze über Wiener und Karpathensandsteine,
die Arbeiten Stach e's über den Flysch von Istrien, oder aber
die endlose, unerschöpfliche Reihe von Piiblicationen durchgehen,
welche von den italienischen Geologen über Wire Ar f/il/e scagliose,
über Macujno und Alberese veröffentliclit wurden, so wird man
auf Schritt und Tritt einer solchen Fülle eigenthümlicher und
abnormer Erscheinungen begegnen, dass mau sich nur wundern
muss, dass die Discussion nach dem eigentlichen Wesen aller
dieser Abnormitäten nicht seit langem die geologischen Kreise
in hervorragender Weise beschäftigt.
Ich muss gestehen, dass, seit ichmich überhaupt mit Geologie
befasse, neben meinem eigentlichen Arbeitsfelde, der Paläontolo-
gie, der angeregte Gegenstand mich stets in besonderem Masse
interessirte, und indem ich fortwährend bemüht war, sowohl im
Wege der eigenen Anschauung, als auch durch Studium der vor-
handenen Literatur meine Einsicht in denselben zu erweitern
und zu vertiefen, glaube ich schliesslich auch einen Schlüssel
gefunden zu haben, welcher mir geeignet scheint, die aufgeworfene
über die Natur des Flysches. 341
Frage zu löseu. Es stellte sich mir nämlich nach einer sorg-
fältigen Erwägimg aller einschlägigen Umstände die Überzeu-
gung fest, dass der ganze Complex von charakteristischen Eigen-
thümlichkeiten, welchen die Flyschbildungen aufweisen, sich nur
unter dem Clesichtspunkte vereinigen lassen, dass man den
gesammten Flysch nicht für eine Detritusbildung,
sondern für das Product eruptiver Vorgänge er-
klärt, deren beiläufiges Analogon in der Jetztzeit
die sogenannten Schlammvulkane darstellen.
So sonderbar und gewagt nun auch Manchem auf den ersten
Blick diese Ansicht erscheinen mag, so muss ich doch gleich in
vorne hinein erklären , dass dieselbe eigentlich gar keine neue
mehr ist, dass vielmehr die Mehrzahl der italienischen Geologen
die Flyschbildungen in der einen oder anderen Weise mit erup-
tiven Vorgängen , namentlich mit der Eruption des Serpentin in
Verbindung bringt, und dass mehrere von ihnen, wie z. B.
Bianconi ^, Do derlei n, Stöhr^, Mantovani^ und Stop-
pani die Ärffille scaglt'ose, welche ja den wesentlichsten und
charakteristischesten Theil der Flyschbildungen ausmachen, ganz
directe für eruptive Schlammmassen erklären und Stoppani
dieselben in einem Lehrbuche der Geologie (Corso di Geologia)
1 Die Arbeiten Bianconi's gehören wohl zu den wichtigsten,
welche diesen Gegenstand behandeln, und da dieselben ausserhalb Italiens
wie es scheint fast unbekannt sind, zähle ich die wichtigsten im Nach-
folgenden auf.
1840. Storia naturale dei terreni ardenti, dei Vulcani fangosi , delle
sorgenti infiamraabili dei pozzi idropirici e di altri fenomeni geolo-
gici operati dal gas idrogene e dellaorigine die essogas. Bologna. 8».
18fi7. Escursioni geologiche e mineralogiche nel territorio Porrettano.
Bologna. 8«.
1875. Intorno alle Argille scngliosa di origine raiocenica. (Mem.Accad.
Bologna. III. serie, vol. V.)
1876. Considerazioni snl deposito die rame di Bisano. (Scienza a})plicata,
vol. I. Bologna 187G.)
3 Alcuni osservazioni intorno alla storia naturale delle Ar gute, scag-
liosu. (Anuuario dei Naturalisti di Modena. III. 1868.)
3 Delle Argille scagliona e die alcuni Animoniti deirApennino dell'
Emilia. (Atti Soc. Ital. scienze nat. XVIII. Milano 1875. pag. 28.) Ein sehr
gutes Referat darüber in Leonhard's Jahrbuch 1877, pag. 213, nur ist
hier statt „Argillf. ncagliosa^ immer „Scaglio'^l gesetzt.'
V..
342 Fuclis.
ohne Weiteres in dem Oapitel über die Scblaninivulkane
behandelt. ^
Auch Abich, dessen schöne Arbeit über die Schlamm-
vulkane der caspischen Region,'^ wie ich g-laul)e bei Vulkanisten
Meli möchte hier auch eine Sclfilderiing- citireu. die ich im Jahre
IHTfi in meiner Arbeit: „Die Gliederung der Tertiärbildungeu am Nord-
abhange der Apenninen von Ancona bis Bologna" (Sitzbr., Wiener Akad.).
über die ArgilU- scnfiliose machte zu einer Zeit, als mir noch nichts ferner
stand als die Idee von der eruptiven N.'itnr des Flysches. Es heisst auf der
vierten Seite dieser Abhandlung folgendermassen: Wo Aiq Argille scagliosi'
in ihrer typischen Entwicklung auftreten, gleichen sie aus der Entfernung
gesehen riesigen Schlammmassen; bei näherer Betrachtung überzeugt man
sich jedoch, dass sie nicht sowohl aus einerweichen, plastischen Substanz,
sondern vielmehr ans einer ungeheueren Anhäufung kleiner, halbharter,
scharfkantiger Thonfragmente bestehen , welche einen ausgezeichnet
muscheligen Bruch zeigen. Von Schichtung ist entweder gar nichts zu sehen
oder dieselbe erscheint in der Form merkwürdiger Faltungen und Windun-
gen, welche den Eindruck machen, als sei die ganze Masse einmal in einer
inneren, rollenden und tliessenden Bewegung gewesen. Die Farbe des
Gesteins ist in der Regel dunkel-biaugrau, doch kommen auch grüne und
rothe Abänderungen vor. Mitunter ist die ganze Masse gypshaltig und zeigt
an ihrer Oberfläche mannigfache Ausblühungen. An solchen Stellen zeigen
sich dann mitunter au der Oberfläche auch eigenthümliehe hügelförmige
Auftreibungeu, welche Maulwurfshaufen, oder noch mehr vielleicht den,
durch das Entweichen der Gase auf der Oberfläche eines Lavastromes ent-
standenen Aufblähung gleichen und in dem vorliegi'uden Falle wahrschein-
lich durch dieAusblühungen liervorgebracht sind. In derUmgebung derselben
i«t die Oberfläche häutig gelb gefärbt. Von Versteinerungen ist niemals eine
Spur zu sehen und selbst die Fucoiden fehlen vollständig. Alle iliese
Umstände geben dem .Ir^zV/e scagliose den Charakter einer
abnorm en Gesteinbil düng, und wenn m ;i n z. B. am Fusse des
Monte Titani) in San Marino auf den kahlen Hügeln d er Argille
scagliose steht, und seinen l>lick über die z erri ssen e und ge-
borstene 0 b erfläche , die zahlreichen Fo mit o - ähnli chen
Auftreibungen, di e mannigfachen Aus bl Übungen, die grau en,
grünen, rothen und gelben Farbentöne gleiten lässt und
allenthalben bis in" gross e Tiefe n hinab die Spuren statt-
gefundener Bewegung zu bemerken meint, so glaubt man
vielmehr auf einem alten Lavastrome als auf einer nor.
malen sedimentären Ab Lagerung zu stehen.
2 Über eine im kaspischen Meere erschienene Insel nebst Beiträgen
zur Kenntniss der Schlammvidkane der caspischen Region. — {M6m. de
l'Acad. imp. des sciences de St. Petersbourg. VII. Serie, vol. VI. 1873.)
über die Natur des Flysches. 343
noch iuinier nicht die verdiente Berücksielitiguiig" g'efunden hat,
scheint mir, in Betreff vieler Flysoh- und verrncanoartigen Bil-
dungen, welche in inäciitiger Entwicklung" in den kaukasischen
Gebirg'ssystemen auftreten , zu ganz ähnlichen Anschauung-en
gelangt zu sein. '
Indem ich mich daher in Bezug auf das Wesentliche der
Frage auf diese meine Vorgänger stützen kann , will ich nun im
Kachfolgenden versuchen, der Reihe nach diejenigen Momente
zur Sprache zu bringen, welciie mir zu Gunsten dieser Auffassung
zu sprechen scheinen und hiebei namentlich diejenigen hervor-
heben, welche bisher entweder übersehen, oder doch nicht in
ihrer vollen Bedeutung gewüi-digt wurden.
Es sind dies der Beihe nach folgende Punkte: 1. Petro-
graphische Beschaffenheil des Flysches. 2. Seine
Verbindung mit Eruptivgesteinen. 3. Fremde Blöcke
und Klippen. 4. Sein Verhalten zu Fossilien. 5. Ver-
breit u n g und Lager u n g.
1. Petrographische Beschaffenheit. Die erste auf-
fallende Eigenthümlichkeit des Flysches äussert sich bereits in
seiner petrographischen Beschaffenheit. Es besteht derselbe
nämlich in einer typischen Ausbildungsweise ausschliesslich aus
halbliarten Mergeln und mannigfachen Sandsteinen, während
' Über denselben Gegenstand hat Abi eh vor Kurzem eine in-
teressante Mittheibmg- in den Verhandlungen der k. k. geol. Keichsaustalt
(1877, \). 29) veröft'entlicht.
Anmerkung-. Seit diese Zeilen niedergeschrieben wurden, erhielt ich
durch die gütige Vermittelung desselben Verfassers Kenntniss von
einer von ihm im Jahre 1867 in Tiflis verötfentlichten Publication
(Ab ich, Geologische Beobachtungen auf Reisen in den Gebirgs-
ländcrn zwischen Kur und Araxes. Tiflis 1867), iu welcher derselbe
ausführlich die in den dortigen Gebirgssystemeu iu untrennbarer
Verbindung mit mannigfachen Eruptivgesteinen iu mächtiger Ent-
wicklung auftretenden Flyschbilduugen beschreibt, dieselben aus-
drücklich mit den ganz analoge Verhältnisse zeigenden Flysch-
bilduugen Italiens vergleicht, und schliesslich alle diese Flysch-
bildungen für Produkte eruptiver Vorgänge erklärt. — Ich muss
gestehen, dass, wenn mir die Publication früher bekanntgeworden
wäre, ich wohl Anstand genommen hätte meine Arbeit in der
vorliegenden Form zu publiciren.
344 i u e h s.
reine Kalkbil(liing:ei) sowie alle Geschiebe und Gcröllablage-
rnngen voUkomiueii ausgeschlossen sind. Man kennt wohl auch
andere weit verbreitete Sedimentbildiingen, welche hiinptsächlich
aus .^lerg-el und Sandsteinen bestehen, wie z. B. Subapenninbil-
diing, die nordalpine Mollasse, die Gosaubildiingen u. s. w. In
allen diesen Ablagerungen trifft man jedoch neben Mergel und
Sand auch Gerolle, Geschiebe und mannigfache Kalkbildungen.
Von alledem ist im Flysche keine Spur, allenthalben, weit und
breit bestellt das Gebirge vielmehr in seiner ganzen Mächtigkeit
ausschliesslich aus Mergel und Sandstein, deren Herkunft meist
vollständig problematisch erscheint, so dass sie schon von diesem
Standpunkte aus den Eindruck riesiger Schlammeruption machen.
Die Mergel bilden theils dickere Bänke , theils zeigen sie eine
mehr plattige oder schieferige Structur. Die Mergelbänke (Albe-
rese, hydraulische Mergel) sind fast immer von einer Unzahl
feiner Klüfte durchsetzt, welche senkrecht auf die Schichtflächen
stehen, das scheinbar so solide Gestein ausserordentlich brüchig
machen und zuderEntstehung der sogenannten „Ruineiimarmore''
Veranlassung geben, welche fast in allen grösseren Flyschgebie-
ten vorkommen, noch niemals aber in anderen Gebirgsbildungen
angetroffen worden sind. Die schieferigen Abänderungen sind
ebenfalls ausserordentlich brüchig und zerfallen sofort in eine
Unzahl kleiner, halbliarter Mcrgelsplitter, welche dort, wo sie als
vorherrschende Gesteinsart auftreten , die berüchtigte „Argille
scagliose" der Italiener bilden. Diese allgemeine Brüchigkeit des
Flyschmergels, welche in gleicher Weise in keiner andern For-
mation vorkommt, lässt sich sehr ungezwungen als eine Cou-
tractionserscheiuung auffassen , welche bei der Erhärtung des
ursprünglich halbflüssigen Mergelbreies eintrat. Weichere oder
plastische Mergel, wie sie sonst doch allenthalben in den Sub-
apenninbildungen, in der Molasse, in den Eocän- und Gosaubil-
dungen auftreten, kommen im Flysch niemals vor. Dieselben sind
vielmehr immer spröde und brüchig.
Was die Sandsteine anbelangt, so ist an denselben auffallend,
dass sie niemals das Phänomen der falschen Schichtung zeigen.
Sie sind meist in Bänke gesondert, bisweilen aber auch mehr
massig. Sehr häufig finden sich glaukonitische Abänderungen.
über die Natur des Flj'sches. 345
In der Schweiz kommt in Verbindung,' mit dem Flysoh ein
sehr eigenthümlicher Sandstein vor, der denl^amen ,,Taviglianaz-
sandstein^' führt and den Stnder^ foli^endermassen beschreibt:
„An mehreren Punkten erscheint der Taviglianazsandstein so eng'e
mit dem Flyschsandsteine verbunden, dass er als eine eigenthümliche Ab-
änderung desselben betrachtet werden kann. Die Steinart zeigt sich ge-
wöhnlich als ein kleinkörniger, wie halb verwittert aussehender Sandstein,
dunkelgrün, mit hellgrünen oder grünlich-grauen, rundlichen Flecken, die
oft auch vorwalten und zusammenfliessen. Meist sindkreideweisse Theilchen
eingemengt, zuweilen mit Perlmntterglanz, zertrümmertem Feldspath oder
Zeolith ähnlich, nicht selten Nadeln oder Tlieile von schwarzer Hornblende
Die Kluftflächen sind Öfters, wie die des Flyschsandsteines, mit wulstartigen
Erhöhungen und einem firnissglänzenden , braunen Überzug, wie vom
Glimmerschlamni bedeckt, auch wohl mit kleinen Kalkspathkrystallen be-
kleidet, oder mit flach anliegenden, in der Regel mehlicht verwitternden,
dünnen Prismen und kurzstrahliger Aggreg;itur einer Zeolith.-irt, wahr-
scheinlich Laumonit.
Die ganze Beschaffenheit des Stein es erinnertan einen
dio ritischen Tuff.— In Savoien zeigt zieh die Sreinart auch im frischereu
Zustande, als ein dunkelgrüner, bis grünlich schwarzer, sehr fester Sand-
stein, den man mit alpinischem Gault, oder mit Diorit verwechseln könnte.
Ebenso zweideutig, als die petrographischen Charaktere, sind die
Lagerungsverhältnisse. Auf den Alpen von Sous la Sex im Ansteigen von
Bex nach Auziendaz, erscheint die polyedrisch zerklüftete Steinart, wie
eine plutonisclie Masse, welche in den Kalk von unten her
eingedrungen wäre. Rückwärts von diesem Felsen liegt die Alp
Tavayanaz oder Taviglianaz, 2060 M., von welcher das Gestein den Namen
hat. Auch auf Oldenalp, 2225 M., in der östlichen Fortsetzung dieser Ge-
birge, tritt diese Felsart wie eine abnorme Bildung, buckeiförmig aus dem
Schiefer der Felswände hervor. Ebenso im Kaudergrunde am Fusse des
Mittagshorus. In anderen Gegenden ist dieselbe Steinart deutlich geschich-
tet und wechselt in massig dicken Bänken mit Schiefer. So bereits in der
Nähe des Kaudergrundes, am Ostabf ille des Gevihorns, wo jedoch die
ziemlich mächtigen Taviglianazbänl<,e Anlage zu dickprismatischer Zer-
klüftung zeigen, und als liegende Trappbänke gedeutet werden könnten.
In Uri und Olarus aber ist die Wechsellagerung mit Schiefer so allgemein,
dass man jeden Gedanken an plutonische Verhältnisse aufgeben muss. An
mehreren Punkten endlich beobachtet man allmälige Uebergänge des
gewöhnlichen grauen Flysch- oder Nummulitcnsandsteines in geflecktes
Taviglianazgestein. Die graue Farbe geht in braune, lauchgrüne und b<'rg-
grüne über, die Festigkeit nimmt zu, die Ablösungen bedecken sich mit
braunen (4limmersclilamm, es stellen sich krummschalige, oder rhom-
1 L. c. pag. 113.
♦346 F u c li s.
bo(_'(lriselie Zerklüft;nig'en ciiuiintl iiiiwillkiiilirh (U'iikt iiiaii aiiUuiWiindlimgs-
l»iocpssso mitei- Einfluss höherer 'reiiiijeratiir. So zeig-t sich uns der Tavi-
glianjizsnndstein an der DalleHäche oberhalb Halligen, so auch nicht selten
in der inneren Schweiz.
Die Stellung der Steinart in der eocänen Lagerfolge ist keineswegs
constant die nämliche. In Savoien sieht man sie wohl immer über dem
Nummulitenkalk als eine Abänderung des Flyschsandsteines. In Uri und
Glarus scheint sie mit den höheren Massen des Nuniniulitensandsteines in
enger Verbindung zu stehen. Bei Kaliingen tritt allerdings der Taviglianaz
aus der Grundlage des Spatangenkalkes hervor, aber mit ihm auch der
Flyschsandstein, der durch Übergänge mitihm verbunden ist. DieLagerung
ist offenbar eine, durch Überschiebung, oder wie die der Voirons, durch
{Quetschung eines Gewölbes gestörte. In den westlichen Berueralpi'u lässt
sich kaum bezweifeln, dass unsere Steinart dem tieferen Theile der Nummu-
litenbildung angehöre. So bereits am Gebirgsstock der Diablerets, auf
Sous la Sex und Tavayannaz, so auf Olden und im Kandergmnde. Die
Sandsteine aller Stufen der EocänbiMungen können daher mit den eigen-
tiiümlicheu Charakteren des Taviglianazsandstcines auftreten."
Eruptionen fester Massen sind gegenwärtig- fast ausnahms-
los von der Exhalation gasiger Substanzen begleitet, u. zw. sind
es bei den jetzigen Schlammvulkanen vorzugsweise Kohlenwasser-
stoffe und Scbwefehvasserstotfe, welche in grosser Masse ent-
bunden werden. Ganz analoge Erscheinungen scheinen nun auch
bei der Entstehung der Flyschbildungen mitgewirkt zu haben.
Das galizische Petroleum hat seinen Sitz ausschliesslich in der
Formation desKarpathensandsteines und in den nördlichen Apen-
ninen sind die so häutig vorkommenden Exhalationen von
Kohlenwasserstoffen fast ausschliesslich auf das Gebiet der
Flyschformation beschränkt. ^ Die ArgiJle scag/iose sind häufig
derartig mit Gyps durchtränkt, dass sie eigentlich nur Gyps-
mergel darstellen, ja es kommen mitunter auch selbstständige
Gypslager in ihnen vor.
Auch sonst erweisen sich die Flyschbildungen sehr häufig
als die Stätten grosser chemischer Veränderungen, und sind z. B.
1 Doderlein. Geolog. Karte der Umg. von Modena und Keggio.
(Mem. Reg. Acad. Modena XII.)
Fouque et Gorseix. Recherches sur les sources de gaz infiamma-
biles des Apennins et des lagoni de laToscane. (Annales des sciences geo-
log. II. 1870.)
Bianconi. Storia naturale dei terreni ardenti, dei vulcani fangosi,
delle sorgenti inflamuiabili etc. Bologna IS-IO.
über die Natur des Flysches. 347
die mannigfachsten Verquarzung-en ganz allsemein in ihnen ver-
breitet. ^
ZiT den petrographischen Eig-enthüralichkeiten des Flysches
könnte man auch das häutige Vorkommen von Thong-allen und
mergelig-en Schlieren, sowie auch jene auf den Schichtflächen der
Flyschbänke so liäufig vorkommenden kuchen- oder thauförmigen
gewundeneu Wulstigkeiten rechnen, welche ganz den Eindruck
machen, als ob hier ein dickerBrei geflossen wäre, oder auch, als
ob blasenförmige Auftreibungen stattgefunden hätten. Ebenso
wäre es wohl auch noch zu erwägen, ob nicht ein Theil der für
die Flyschbildungen so überaus charakteristischen „ Hieroglyphen*'
sich in irgend einer Weise aus der eruptiven Natur des Flysches
ableiten lassen könnte, und möchte ich hier namentlich auf die-
jenigen hinweisen, welche den Charakter von Spritzern haben.
2. V erbind ung mit Eruptivgesteinen. Ein weiterer
Umstand, welcher mir für die eruptive Natur des Flysches zu
sprechen scheint, ist die bekannte Thatsache, dass der Flysch so
häufig in innigster Verbindung und Wechsellagerung mit echten
Eruptivgesteinen getrotfen wird , die mannigfachsten und ganz
allmäligen Übergänge in dieselben zeigt, und sich zu ihnen ganz
wie eine dazu gehörige Tutfbildung verhält. In den Karpathen
und nördlichen Alpen ist üiese Erscheinung meines Wissens bis-
her allerdings noch nicht bekannt geworden, um so häufiger tritft
man sie hingegen in Nord- und Mittelitalien, auf Elba und Cor-
sica, in Griechenland, sowie überhaupt fast im ganzen Gebiete
des östlichen Mittelmeerbeckens, u.zw. sind es hier hauptsächlich
Serpentine und Gabbros, welche in Gesellschafr und innigster
Verbindung mit den verschiedenen Gliedern der Flyschformation
angetroffen werden. Die geologische Literatur Italiens wimmelt
von kleineren und grösseren Arbeiten über diesen Gegenstand,
und die italienischen Geologen sind überhaupt ganz einstimmig
der Ansicht, dass zwischen den Flyschbildungen oder wenigstens
den Argille scngliose und den Serpentinen irgend ein genetischer
1 ."Siehe aiicli: D'Acchiavdi .Sulla cunversione di una roccia argil-
losa in serpentino. (Bullet. Com. Geol. Italia, 1S74, pag. 366. j
Sowie: Bi an colli, Escursioni geologiche e mineralogiche nel
territorio Porrettano, Bologna 1867, wo pag. 53 eine lange Reihe von
Mineralien aus den Argille scngliose aufgezählt weiden.
348 Fuchs.
Zusammenhang- bestehen müsse. Die wichtigsten Erscheinun-
gen, aufweiche sie sich hiebei stützen, und welche in verschie-
denen Moditicationen immer wiederkehren, sind folgende:
a) Die Seri)entine treten fast ausnahmslos im Gebiete des
Flysches, namentlich in Gesellschaft der Argillc scnfjUn^e auf. ^
h) Der Serpentin w^ecbsellagert mit normalen Flysch-
bildungen. -
c) Die Flyschmergel gehen durch verschiedene grüne und
talkige Schiefer ganz allmälig in echten Serpentin über. ^
d) Im Serpentin kommen häutig Brocken, Schollen und
Nester von Flyschgestein eingeschlossen vor. *
e) Der Flysch enthält Schollen, Brocken und Nester von
Serpentin, welche mitunter den Charakter eruptiver Breccien
annehmen. ^
Man kann die betreffenden Arbeiten der italienischen Geo-
logen nicht durchgehen, ohne auf Schritt und Tritt an die meister-
haften Schilderungen erinnert zu werden, welche Richthofen'-
in einer Ijekannten Arbeit über die Geologie Südtirols von dem
1 Siehe Doderl e i u, Geolog'. Karte der Umgebung von Modena.
(Mem. Reg. Acad. Medena XII, 1871.)
2 Pareto. Cenni geognosHohi sullaCorsiea (Atti scienze. Ital. 1844,
pag. (iOl).
DeStefani. Le rocce serpentinose della Garfagnana. (Boll. Coiu.
Geol. Italia, 1876, Nr. 1 und 2.)
Hier ist wohl auch der Ort, auf die intere.ssauie Arbeit de? Professor
A. Ko c h : „Neue Beiträge zur Geologie der Frtisca Gora in Ostslavonieu"
(.Jahrb. Geol. Reichsanst. 187G, p. 1) hinzuweisen, aus welcher hervorgeht,
dass in diesem Gebirgszuge ein mehrfacher Wechsel von Serpeutinlagern
mit Mergeln und Sandsteinen stattfindet , welche sich durch ihre Petrefac-
tenführung als der Kreideformation angehörig erweisen. Es wird nach dieser
Dar8tellung wohl Niemand mehr zweifeln können, dass es in der That Ser-
pentine von crefacischem Alter gibt.
3 Fuchs. Über die in Verbindung mit Flyschgesteinen und grünen
Schiefern vorkommenden Seri)entine bei Kumi auf Euboea. (Sitzbr. der
Wiener Akad. 1876. j
4Bianconi. Storia naturale dei terreni ardenti, dei vuleani fau-
gosi, delle sorgenti inflammabili etc. Bologna 1840.
5 Gastaldi. Sugli elementi checompougono i conglomerati mioceni
dei Piemonte. (Mem. Real. Accad. Scienze. Tormine. II. Serie, XX, 1861.)
eRichthofen. Geognostische Beschreibung der Umgebung von
l\edazzo, St. Cassian und den Seisser Alpen in Süd-'l'yrol. Gotha 1860.
über die Natur des Flysches. 349
dortigen Porpbyrg-ebiet gibt. Ganz so wie bier Porpbyre und
Porpb^rtuffe in ganz allmäligen Übergängen und in innigster
Verbindung mit verscbiede'ien rotben Mergeln, Sandsteinen und
verrucanoartigen Bildungen auftreten und mit denselben zu einem
untrennbaren Complexe verbunden sind, so ist dies in den nörd-
lichen Apenninen mit den Gabbros , Serpentinen und den ver-
schiedenen Gliedern der Flyschformatiou der Fall, ja wie um
diesen Gedanken recht nahe zu legen, erscheinen in den Alpes
maritimes und auf Elba den Flysclibildungen untergeordnet in
der That auch Porphyre in Begleitung aller jener rotben Mergel,
Sandsteine und verrucanoartigen Bildungen, wie sie Eicht-
h 0 f e n aus dem südlichen Tyrol beschreibt. '
Ganz analoge Bildungen sind nach Virlet in Morea und
nach Abi ch Inder kaukasischen Provinz sehr verbreitet, und
nach Hochstetter kommen ganz ähnliche Flyschbilduugen in
Verbindung mit Eruptivgesteinen und Eruptivtufien in weiter
Verbreitung im Balkan, namentlich bei Aidos und Sophia vor. ^
Ich selbst habe vor Kurzem in den Sitzungsberichten der Wiener
Akademie ein ganz äbnliches Vorkommen von Kiimi auf Euboea
beschrieben, wo auf einem kleinen Eaume zusammengedrängt,
fast alle jene Fälle vorkommen, welche icb vorhin von der Ver-
bindung von Flysch und Serpentin angefülirt habe. -^ Besonders
möchte ich hier noch auf jenen sonderbaren Fall aufmerksam
machen, wo mitten in einem schlissigen und etwas schieferigeu
Serpentin rundliche, kuchenförmige Massen von Molasse auf-
treten, welche keineswegs die Natur von Bruchstücken haben,
sondern vielmehr mit jenen abgerundeten Einschlüssen fremden
1 Stil der. Sur la Constitution geologique de 1' ile d'Elbe. (Bul.
Soc. geol. France. XII. pag. 279, 1841.)
Gastaldi. Studii geologici sulle Alpi occidentali. (Mem. del Com.
geol. d'Italia 1. 1871.)
C'occhi. Descrizione geologica delF Isola d'Elba. (Mem. del Com.
geol. dltalia. I. 1871.)
3 Hochstetter. Die geologischen Verhältnisse des östlichen
Theiles der europäischen Türkei. (Jahrb. geol. Reichsanst. XX. 1870.
pag. 365 und XXU. 1872. pag. 331.
3 Fuchs. Über die in Verbindung mit Flyschgesteinen und grünen
Schiefern vorkommenden Serpentine bei Kumi auf Euboea. (Sitzbr. Wiener
Akad. 1876.)
350 Fuclis.
Materials verglichen werden müssen , welche sich so liänfig in
eruptiven Gesteinen finden, und für welche Reyer in seiner
jüngst erschienenen schönen Arbeit über die Eng-aneen die Be-
zeiclnmng ..Schlieren'' in Anwendung gebracht hat.
3. F r e m d e B 1 ö c k e u n d K 1 i p p e n. Eine der auffallend-
sten Eigenthüralichkeiten, welche die Flyschbildiuigeii darbieten,
ist das Vorkommen von fremden (»der exotischen Blöcken, welche
meist aus granitischen Gesteinen, seltener aus Serpentin, oder
aus Kalk- und Sandsteinen bestehen, den Flyschbildungen ent-
weder einzeln oder in grösserer Menge beisammen eingebettet
sind, und deren Herkunft meistentheils vollständig räthselhaft
erscheint. Auffallend ist es, dass diese Blöcke, welche oft wahr-
iiaft riesige Dimensionen erreichen und meist noch vollständig
eckig sind, fast niemals in den Sandsteinen, sondern fast aus-
nahmslos in den zartesten Mergeln des Flysches gefanden wer-
den, der dann in der Umgebung desselben meistens in der wun-
derbarsten Weise geknickt, gefaltet und durcheinander gewunden
erscheint. Es wurden diese Blöcke in letzter Zeit nach dem Vor-
gehen von Lyell, gewöhnlich für eine erratische Erscheinung
gehalten und darauf hin vielfach Hypothesen über mehrfache,
vordiluviale Eiszeiten gegründet. Ich kann mich jedoch dieser
Anschauungsweise aus vielen Gründen nicht anschliessen, sondern
nehme vielmehr an, dass diese Blöcke bei dem Empordringen
der Flyschmasse aus der Tiefe mit heraufgebracht wurden, wie
ja bekanntlich alle Ernptivmassen, so auch die Schlammvulkane
bei Eruptionen fremde Gesteinschollen aus der Tiefe mitbringen,
welche dann in ihnen eingebettet bleiben. Gegen die erratische
Natur dieser Blöcke scheint mir vor allen Dingen der Umstand
zu sprechen, dass es darnach vollständig unverständlich Aväre,
warum diese Blöcke stets nur im Flysclie und niemals in den
normalen Ablagerungen derselben Epoche vorkommen, wie sich
denn auch die Spuren dieser supponirten älteren Eiszeiten über-
haupt in viel allgemeinerer Verbreitung bemerkbar machen müss-
ten, und unmöglich auf den Flysch beschränkt sein könnten.
Die Literatur über die!^e fremden Blöcke ist ausserordentlich
gross, und namentlich kommen die Schweizer Geologen immer
und immer auf dieses Thema zurück. Aber auch in den bayri-
schen Alpen wurden dieselben namentlich durch G um bei, in
über die Natur des Flysches. 351
den österreichischen durch Hauer, in den schlesischen Karpa-
then durch Ho hene*^i;er, in Siebenbürgen neuerer Zeit durch
Loczi 1 nachgewiesen, und man begegnet ihnen überhaupt fast
überall, wo von den Flyschbilduiigen der Nordalpen oder des
karpathischen Gebirgszuges die Rede ist. Merkwürdig ist es,
dass in den Flyschoildungen Italiens, Griechenlands, sowie über-
haupt des Mittelnieergebietes , die fremden Blöcke seltener zu
sein, oder auch in manchen Gebieten vollständig zu fehlen schei-
nen, sowie es überhaupt den Anschein hat, dass das Auftreten
von krystallinischen Ei-uptivgesteinen und von fremden Blöcken
im Flysch in Beziehung auf die Häufigkeit des Vorkommens in
nmgekehrtem Verhältnisse zu einander stehen. -
Um einen näheren Einblick in den Charakter dieses merk-
würdigen Pliänomens zu geben, erlaube ich mir im Nachfolgen-
den aus der reichen Literatur über diesen Gegenstand einige
Beschreibungen besonders prägnanter Vorkommnisse zu repro-
duciren.
(Stil der. L. c. \)ag. 123.) Bei Sepey, wo die Flyschzone mit dem
wet^tliclieu Ende der fünften Zone zusammentriffr, ist auf beiden Seiten der
Grande Eau. und in dem tiefen Graben bei Aigremont, eine der wun-
derbarsten Gesteinsbildungeii entblösst. Ein Conglomerat eckiger Blöcke,
oft über 2 Meter gross, bestehend aus Protogin, Gneiss, Talkgesteinen,
Quarz, von aipinischem Charakter wechselt in mächtigen Bänken mit glim-
nierigen, dickschieferigen Sandsteinen nnd Mergelschiefern, die als Stein-
art sich vom Flyschgestein nicht unterscheiden lassen. Ein Cement des Con=
glomerates ist selten zu erkennen; die Bl«>cke sind wie cyklopische Mauern
dicht in einander gepresst, wo sie mehr anseinanderstehen ist Flyschsand-
stein eingedrungen. Das Vorkommen und die begleitenden Steinarten
sprechen dafür, dieses Conglomerat dem Flysch beizuordnen; auch enthal-
ten die Mergelschiefer deutliche Fucoiden, die vom Cfio)idritesinlriratn.s üch
kaum unterscheiden lassen; zugleich aber scliliessen sie in Schwefelkiess
übergegangen, doch gut erhaltene, die Schieferimg senkrecht durchsetzende
> Mittheilungen über die geologischen Ausflüge in das Hegyes
Droesaer Gebirg. (Földtaui K(3zlöny. 1876.)
2 In neuester Zeit hat Bianconi eine Anhäufung von Blöcken von
Serpentin, Euphodit und Gabbro beschrieben, welche bei Bisano südöstlich
von Bologna den dortigen ArgiUf scagliose eingebettet vorkommen und
Anlass zu einem, freilich sehr rasch versiegenden, Kupferbergl)au boten.
(Considerazioni siil deposito di rame di Bisano. Scienza applicata. vol. I.
Bologna 187G,)
Sitzb. d. iiiathemnaturw. C'l. I.X^XV. Hd. I. Abth. 17
352 Fach s.
Belemnitcn ein, die bis jetzt in \v;ihreni, über Nnninmlitenkiilk liej^enden
Flysch nie gefunden worden sind."
Png. l;}0. „Das Habkerntlial ist die beiiihnite Laj^erstätte lother,
fremdartiger Granitblöcke, gleicher Art wie diejenige, die wir, von den
Voirons her, stets als Begleiter des Flysches und mit Flyschbreccien, die
rothen Feldsparth enthalten , verwachsen gefunden haben. Die Blöcke
liegen meist eutblösst im Thalgriinde, oder auf Terrassen der Thalwäude,
oft so dicht gedrängt, dass man mit jedem Schritt anstehendes Granit-
gebirge zu erreichen meint. Von gewöhnlichen erratischen Blöcken unter-
scheidet sie nicht nur die den Alpen ganz fremde Steinart, sondern auch
die starke Abrundung, wie sie an Findlingen in dem Grade selten oder
niemals vorkommt; viele Klafter im Durchmesser haltende Blöcke des
härtesten Granites sind beinahe zu Kugeln abgeschliffen. Der grosse Block,
auf einer Schutt-Terrasse gegenilber dem Dorfe, übertriflft auch an Grösse
alle noch vorhandenen Findlinge. M u r c h i s o n schätzt seinen Inhalt, wohl zu
niedrig, auf 400 0. F.; er mag nahe an 500, d:is Achtfache des erratischen
Blockes von Steinhof enthalten. So wie ich früher den Stammort dieser
Bhicke im Traubachgraben, in einem offenbar zur Flyschformation gehö-
renden Conglomerate hausgrosser Elemente gefunden habe, so hat später
R ü t i m e y r am Ursprung des Lammbachgrabens, auf d(.'r Nordseite des Boh-
leck, einen zweiten Stammort entdeckt, wo die Einlagerungen der Blöcke in
den Flysch, wie es scheint, noch überzeugender au den Tag tritt. Es drängen
die Blöcke von allen Seiten her sich um die Bohleck herum zusammen, als
ob in diesem ganz bewachsenen Gipfel der Granitfels zu suchen wäre, des-
sen Trümmer wir nun im Flysch eingebacken finden. Mit einer so einfachen
Erklärung verträgt sich aber weder die grosse Abrundung der Blöcke,
noch die Beschaffenheit der die Granite begleitenden Steinarten. An meh-
reren Stellen, besonders an der Südseite des Bohleck, werden die Blöcke
von einem dunkelgrünen, schuppigkörnigem Mineral begleitet, das beinahe
an Serpentin erinnert. Die Analogie dieses Vorkommens fremdartiger
Blöcke mit demjenigen der mineralogisch identischen Granite, die am
N.-Fusse des Ai)ennin ausdemMacigno hervorgestossen worden sind, wird
hiedurch noch vermehrt."
(Kaufmann. Über die Granite von Habkern. Verhandl. der Gool.
Reichsanstalt, 1871, pag. 265.) „Man muss vom Bachbette an etwa 30Fuss
hoch über eine steile Schutthalde ansteigen, erreicht nun anstehenden,
schwärzlichen Flyschschiefer von südöstlichem Einfallen und sieht darin
eine Menge eckiger Stücke dicht gedrängt, wie eingepfercht, theilweise in
schichtenartiger Anordnung. Die Stücke sind meist eckig, nussgross, faust-
gross, kopfgross, bilden zum Theile auch la genhafte Bänke von i/g bis 1 ' g
Fuss Mächtigkeit. Es sind theils fertige Granite, i theils granitische Breccien
'Kaufmann hält nämlich an der zuerst von Murchison aufge-
stellten Ansicht fest, dass die Granite des Flysch durch eine Metamorphose
desselben gebildet wurden.
über die Natur des Flysches. 353
theils Coriglomerate, theils grüne, coinpacte Gesteine, die zwischen Tavi-
glianazsandstein nnd Spilit zu schwanken scheinen. Fast allenthalben, wo
man anschlagen mag-, treten dem Beobachter die Zeichen der granitisclien
Metamorphose entgegen. An einem und demselben Stücke gewahrt man
alle Übergänge vom Granit znr Breccie oder vom Granit zum grünen
Gestein."
„Dieser vorläutigen Mittheihing kann ich noch beifügen, dass Granite
und Granitbreccien noch au mehreren anderen Stellen dieser Gegend im
Flysch vorkommen, aber merkwürdigerweise bis jetzt stets nur angetroffen
wurden im schwärzlichen, wildgelagerten, oft wellig gewundenen, vielfach
zerklüfteten und gequetschten weichen Schiefer, was die Vermuthung er-
weckt, dass dieses Muttergestein das Material zur granitogeuen Infiltration
hergebe, dieser molecularen Massenbewegung aber auch seine starken
Lagerungsstörungen zu verdanken habe."
„Dass die Granitblöcke des Habkeruthales durch starke Abrundung
sich auszeichnen, wie gesagt wird, kann hauptsächlich nur von solchen gel-
ten, die in den Bachbetten als Geschiebe liegen. Weitaus die meisten Blöcke
sind scharfkantig. So trifft man im Hinaufgehen von Habkern (Schwändi)
nach Lombachalp eine zahllose Menge eckiger Blöcke, gross und klein,
meist an der Oberfläche liegend, theils aber auch im Diiuvialschutt steckend,
der hier eine bedeutende Mächtigkeit und Ausbreitung erlangt und nur
solches Material enthält, wie es in der nächsten Umgebung anstehend vor-
kommt, namentlich sehr viel Flysch. Auch der berühmteste aller erratischen
Blöcke, der rothe Habkerngranit auf dem Lugiboden, ist eckig."
Eine mit den fremden Blöcken sehr nahe verwandte Ersehei-
niing scheinen mir die in der karpathisclienFlyschzone auftreten-
den sogenannten Klippenzüge zu bilden, ein deniFlysche durchaus
eigenthümliches Vorkommen, welches bereits vor langer Zeit die
Aufmerksamkeit der österreichischen Geologen anreg-te und den
Gegenstand zahlreicher Untersuchungen undDiscussionen bildete,
ohne bisher zu einem eigentlichen allgemein befriedigenden Ab-
schluss gebracht worden zu sein. Das Wesen dieser Erscheinung
besteht darin, dass in den Nordkarpathen mitten aus den Flysch-
bildnngen lange Züge von kleinen und grösseren Kalkfelsen auf-
ragen, welche ganz das Ansehen eines älteren, gleichsam ver-
sunkenen Gebirgszuges darbieten, dessen zerrissene Gipfel klip-
penartig aus der allgemeinen Flyschmasse auftauchen. Indem
man nun auch anfangs von dieser Voraussetzung ausging, war
man daher nicht wenig überrascht und erstaunt, als sich bei
näherer Untersuchung herausstellte, dass die meisten der ver-
meintlichen Klippen keineswegs Theile eines zusannnenhängenden
Gebirgszuges, sondern nur isolirte Blöcke sind, welche vollkom-
17 *
354 F u (■ h s.
men frei in den zarten Flysclinierf>eln eing-ehettet liegen, die in
ilirer Umgel)uni»' stets in der wiinderl)arsten Weise geknickt,
gefaltet und durch einander g-ewnnden erscheinen.
Die Anpassung dieser Krseheinnng- ging nnn l)ei den
verschiedenen Autoren ziemlich weit auseinander.
Stäche hält für die grösseren Klippen die ursi)riingliche
Anschauung fest, und sieht in den isolirten Partien, den so-
genannten ,.BIockklippen-' nichts anderes als Fragmente, welche
durch die Brandung von den eigentlichen Klippen losgelöst und
in die damaligen Meeressedimente (den Elj-^schmergel) abgesetzt
wurden, i
Neumayr hingegen^ stellt sich die Sache so vor, dass liier
ursprünglich im Liegenden des Flysches ein normales Schich-
tungssystem harter Kalksteine vorhanden gewesen sei. Als nun
später das ganze Gebirg durch einen gewaltigen Seitendruck
in Falten zusammengeschoben wurde, wären die spröderen Kalk-
steinschichten anstatt sich regelmässig zu falten, in einzelne
Fragmente zerbrochen, und die einzelnen Bruchstücke in die
nachgiebigeren Flyschmassen hineingepresst worden.
Er spricht sich über diesen Punkt, 1. c. pag. 529, folgender-
niassen aus: „Die Definition der karparthischen Klippen lässtsich
nach dieser Erklärung ihrer Bildung etwa folgendermassen for-
muliren: die karpathischen Klippen sind Trümmer und Reste
eines geborstenen Gewölbes, welche als Blöcke oder Schichten-
köpfe von Schollen und anstehenden Schichtmassen in jüngere
Gesteine, von welchen sie überwölbt werden, in discordanterLage-
rung hinein- oder durch dieselben liindurchgepresst worden sind. ^
Ich niuss gestehen, dass mir keine dieser Anschauungen
den thatsächlichen Verhältnissen zu entsprechen scheint, dass
ich vielmehr in den Klippen, in soweit sie Blockklippen sind,
nichts anderes als die bekannte Erscheinung der fremden Blöcke
zu sehen im Stande bin, welche ja so häufig in den Flyschbil-
dungen vorkommt und hier nur in aussergewöhnlichem Masstabe
entwickelt ist.
1 Die .geologischen Verhältnisse der Umg-ebungen von Unghvär in
Ungarn. (.lahresb. Geolog. Reiehsanst. 1871, pag. 379.)
2 Jurastudieu, 3. Folge. Der penninische Klippeuzug. (Jahrb. Geol.
Reichsanstalt 1S71, pag. 451.)
über die Natur des Flysches. 355
Würden die Blockklippen in der That, wie Stäche an-
nimmt, Producte der Brandung- sein, so müssten ja dort, wo die
grossen Blöcke liegen, auch um so leichter kleinere Fragmente hin-
gekommen sein oder mit anderenWorten, es müsste sich eine Breccie
oder ein Conglomerat gebildet haben, welches einzelne grössere
Schollen und Blöcke einschlösse; vollkommen unverständlich würde
es aber sein, wie auf eine Entfernung von vielen Meilen lauter
einzelne, riesige, eckige Blöcke mitten in zarten Mergelschiefer
hineingerathen sein sollten, ohne dass sich daneben eine Spur
einer Breccien- oder Conglomeratbildung zeigt.
Was die von Neumayr vertretene Anscliauungsweise an-
belangt, so scheint mir auch diese an mehreren schweren Un-
wahrscheinlichkeiten zu leiden.
Vor allen Dingen müsste man doch glauben, dass, wenn
die Klippenbildung wirklich nur auf dem Gegensatze von hartem
und weichem Gestein, so wie auf einer intensiven Faltenbildung
beruhen würde, man dieses Phänomen doch auch sonst sehr häufig
antreflfen müsste, da diese Bedingungen sich doch sehr häutig
vereinigen. Neumayr scheint das Gewicht dieses Umstandes
sehr wohl empfunden zu haben, da er dieses Bedenken selbst aus-
spricht, und für die karpathischen Verhältnisse nocli einige
secuudäre, begünstigende Umstände geltend zu machen sucht, die
mir indessen ebenfalls keineswegs ausreichend zu sein scheinen.
Ferner muss man bedenken, dass ja auch sonst Faltungen
in harten, spröden Kalksteinen sehr häufig vorkommen, u. zw.
Faltungen jeden Grades, von flachen, wellenförmigen Unduli-
rungen angefangen, bis zu kurzen, scharfen Knickungen, ohne
dass man dabei eine allgemeine Zertrümmerung des Gesteines
beobachten würde. Würde man sich indessen eine solche unter
besonderen Umständen auch als möglich denken, so könnte auf
diesem Wege im äussersten Falle doch nur ein breecienartiger
Trümmerwall nach Analogie eines aufgethürmten Eisstosses ent-
stehen; vollkommen unverständlich scheint es mir jedoch, wie auf
diese Art der Fall eintreten könnte, dass längs gewisser Linien
die verschiedenartigsten Blöcke im regellosesten Durcheinander
jeder für sich vollständig isolirt, in weiche Mergelschiefermassen
eingebettet werden könne, wie dies der allgemeine und herr-
schende Charakter der sogenannten Klippen ist.
356 Fticiis.
4. Fossilien. Nicht minder abweichend als wie die bis-
her geschilderten Eigenthünilichkeiten des Flysches und einzig-
in seiner Art ist sein Verhalten /ii den Fossilien. Allenthalben, wo
iil)erhaupt Fl3'sch vorkommt , enthält er in unglaublicher Menge
und wunderbar schöner Erhaltung Fucoiden, * so wie jene eigen-
thümlichen, hierog'lyphischen Zeichnungen, welche wohl mit
Eecht zum grössten Theile als Annelidenfährten aufgefasst werden.
Wenn nun diese Vorkommnisse beweisen, dass sich im
Flysche auch sehr zarte Organismen unddebikle sehr gut erhalten
konnten, so wird es doppelt räthselhaft, warum andere Thiere so
vollständig mangein. Es gibt allerdings Punkte, wo auch im
Flysche Reste von anderen Thieren gefunden werden, doch sind
dies entweder schwimmende Thiere wie Fische und Cephalopoden
oder die Reste treten nur ganz isolirt wie fremde oder erratische
Köri)er in ihm auf, wie die beiden Inoceramen aus dem Flysche
djs Kahlenberges, der von Capellini im Flysche der Apenninen
gefundene Hippurit u. dgl. mehr,
Bänke und Lager von Bivalven, Brachiopoden, Bryozoeu,
Korallen u. dgl., welche beweisen würden, dass hier an Ort und
Stelle durch längere Zeit eine Ansiedlung von Thieren bestanden
habe, fehlen vollständig und sind noch niemals im Flysche nach-
gewiesen worden.
Es wird diese Erscheinung nur um so räthselhafter, wenn
man bedenkt, dass oft in ganz geringer Entfernung von Fljsch-
bilduugen vollkommen gleichaltrige Ablag-erungen gefunden wer-
den, welche eine reiche fossile Fauna enthalten.
Betrachtet man die Sache jedoch von dem in vorliegender
Arbeit vertretenen Standpunkte, so bietet sieh eine sehr einfache
1 Ich möchtt! hier auch noch auf die eigenthüinliche Erhaltuiigsweise
hinweisen, welche dieFucoideu überall im Flysche zeigen, und welche voll-
ständig' von denjenigen abweicht, welche man sonst in g-ewohnlichen sedi-
mentären Bildungen antrift't. Die Fucoiden erscheinen nämlich nicht auf den
.Schieterungsrtächen in gewissermassen g-epresstem Zustande, sondern sie
haben ihre ursprüngliche Stellung und Ausbreitung nach allen Dimensionen
erhalten, und durchwachsen gleichsam die Flyschmergel senkrecht auf die
iSchichtungstiäche wie körperliche Dendriten. Es macht dies ganz den
Eindruck, als ob Algenrasen mit einem Male von einem flüssigen Breie um-
flossen und in ihm eingebettet worden wären.
über die Natur des Flysches. o^r> i
Losung- des Problems dar. Es ist nämlich \on den Sclilanmivul-
kanen her bekannt, dass eruptive Massen fast stets von übel-
riechenden, flüssigen und gasigen StoHteu begleitet werden,
Avelche den meisten Thieren widerwärtig sind, während es sich
leicht denken lässt, dass Algen und Würmer gegen diese Ein-
flüsse weniger empfindlich sind und dort noch freudig prosperiren,
wo sich alles andere Leben sehen zurückgezogen. ^
5. Verbreitung und Lagerung. Von ganz besonders
einschneidender, ja geradezu massgebender Bedeutung zur Ent-
scheidung der in Rede stehenden Frage muss wohl Alles sein,
was sich auf Verbreitung und Lagerungsverhältnisse der Flysch-
formation bezieht. Glücklicherweise sind es aber auch gerade
diese Momente, welche mir am entscliiedensteu und unzweideu-
tigsten für die hier vertretenen Anschauungen der eruptiven Natur
des Flysches zu sprechen schienen.
Vor allen Dingen muss hervorgehoben werden , dass der
Flysch vollständig selbstständig auftritt, ohne irgendwelche be-
stimmte Beziehungen zu benachbarten älteren Gesteinen erken-
nen zu lassen.
Wenn mau die ungeheure Entwickelung des Flysches in
den Karpathen und Apenninen ins Auge fasst, so wäre man in
der Tiuit in der grössten Verlegenheit, wenn mau sich die Frage
vorlegen wollte, woher denn diese ungeheuere Masse von Detri-
tus gekommen sei, wenn der Flysch wirklich nur nach Art der
Molasse oder der Subapenninenformation als ein mechanisches
Meeressediment aufgefasst werden sollte.
In den Nordalpen, in Istrien und Dalmatien liegt der Flysch
meist auf Kalkstein. (Nummuliten- oder Hippuritenkalk.) In Ca-
labrien, Sizilien und Corsica hingegen auf Granit und anderem
krystallinischen Urgestein. In beiden Fällen zeigt jedoch der
Flysch genau dieselbe Beschaft'enheit und übt der anstehende
Kalk oder Granit nicht den mindesten Einfluss auf seine petro-
graphische Zusannnensetzung aus.
1 Eine ähnliche Ansicht wurde bereits von G Um bei in seiner „Geo-
h>gie des Bayrischen Alpengebirges" ansgespiochen , indem auch er die
Fossilieuannuth des Flysches auf Exhalationen schädlicher Substanzen
zurückführt.
358 Fuchs.
Des Weiteren miiss liier iiocli einmal liervorgehoben werden,
(lass sehr häutig- nnmittelbar an Flyschgebiete angrenzend, ganz
gleichzeitige Ablagerungen vorkommen, welche sich in jeder
Beziehung vollständig wie ein normales Sediment verhalten und
keine Spur von Flyschmaterial erkennen lassen.
Die mächtigen Flyschbildungen, welche den grössten Theil
der nördlichen Apenninen zusammensetzen, sind bekanntlich
theils cretaischen, tlieils eocänen Alters. Das unmittelbar in
Süden angrenzende Kalkplatcau derTerra d'Otranto i^ehört eben-
falls zum Theile der Kreide und zum Tlieile dem Eocän an;
während wir aber dort eben den Flysch mit allen seinen charak-
teristischen Eigenthümlichkeiten haben, sehen wir hier ein ganz
gewöhnliches Kalkplateau mit zahlreichen Fossilien ohne irgend
eine Spur abnormer Erscheinungen.
In Istrien wird das Nummulitengebirge von mächtigen
Flyschmassen bedeckt, welche angenommener Massen das obere
Eocän repräsentiren. In den benachbarten vicentinischen Gebir-
gen sind jedoch alle Tertiärhorizonte, vom tiefsten Eocän bis
zum Badner-Tegel in ununterbrochener Reihentolge mit grossem
Fossilienreichthum entwickelt, ohne dass irgendwo eine Spur von
wirklicher Flyschbildung bemerkbar werden würde.
Der Flysch am Nordrande der Aljieii gehört el)enfalls theils
der Kreide, theils dem Eocän an und doch trifft man allenthal-
ben etwas weiter im Gebirge hinein, aber doch in unmittelbarer
Nähe, Kreide- und Eocänbildungen jeglichen Alters in vollkom-
men normaler Ausbiblung und mit grossem Fossilienreichthum,
ohne dass man irgendwo Übergänge oder Zwischenformen zwi-
schen diesen beiden Arten des Auftretens bemerken könnte.
Am allerauÖallendsten verhält sich jedoch die Sache in den
Karpatheii. Hier treten sämmtliche Kreide- und Eocänbildungen
in zweierlei Ausbildungsweisen auf. Einmal in normaler Sedi-
mentform, mit zahlreichen Fossilien, mantelförmig die älteren
Gebirgskerne umsehliessend, und das zweitemal in der Flysch-
form, ohne jegliche erkennbare Beziehungen zu den älteren
Bestandtheilen des Gebirges in vollkommen selbstständiger Weise
den grössten Theil der Karpathen zusammensetzend.
Nicht minder abnorm als die Verbreitungsweise gestalten sich
auch die Lagernngsverhältnisse des Flysches. Wer die geologischen
über die Natur des Flysches. '^^^^
Vei'hältiiisge der nördlichen Kalkalpen kennt, der weiss doch
was Faltunaen, Verwerfungen nnd Verschiebungen in einem
Gebirge zu bedeuten haben. Alle Fachleute stimmen jedoch darin
überein, dass alle diese Störungserscheinungen geradezu unbe-
deutend sind im Verhältnisse zu denjenigen, welche der Flysch
darbietet. In der That, so wie man das Gebiet des Flysches be-
tritt, geht der Massstab, n)it dem man in normalen .^ecundären
Formationen die Störungen desGebirgsbaues zu erfassen gewohnt
war, vollständig verloren und das ganze Gebirge erscheint wie
durch eine innere in seiner eigenen Masse liegende Kraft oft
bis in seine kleinsten Theile hinein in einer Weise gefaltet^
gebogen, geknickt und durch einander gewunden, wie man dies
wohl sehr häufig bei Gneissen und Glimmerschiefern, so wie
überhaupt bei krystallinischen Phylliten, niemals aber bei normalen
Sedimentgesteinen antrifft.
Indem ich nun im Vorhergehenden bemüht war, jenen Com-
plex von Eigenthümlichkeiten hervorzuheben, durch die sich die
Flyschbildungen von normalen Sedimentgesteinen unterscheiden
und gewissermassen als eine abnorme Gesteinsbildung documen-
tiren, muss ich wohl zur Vermeidung von Missverständnissen
schliesslich noch ausdrücklich bemerken, dass ich hiebei aus-
schliesslich den Flysch in seiner typischen Entwicklung vor
Augen hatte und dass ich sehr wohl weiss, dass sich dieselbe
nicht unter allen Umständen in jener absoluten Weise ausdrückt,
als es nacli meiner Darstellung vielleicht den Anschein haben
sollte.
Vor allen Dingen möchte ich hier auf die östlichen Kar-
pathen als auf ein Gebiet hinweisen, in welchem die Eigenthüm-
lichkeiten des Flysches vielleicht am meisten verwischt sind,
indem hier nicht nur stellenweise in ziemlicher EntWickelung
normale Geröllbildungen in ihm auftreten, sondern die jüngsten
Glieder der Formation, die sogenannten Magurasandsteine, auch
überhaupt bereits vollständig den Charakter einer normalen,
sedimentären Sandsteinbildung an sich tragen. — Ich glaube
jedoch nicht, dass diese, so wie ähnliche Erscheinungen, welche
sich in kleinerem Masstabe hie und da auch in anderen Flysch-
gebieten zeigen, die im Vorhergehenden vertretene Ansicht von
der eruptiven iSatiir des Flysches alteriren können.
360 Fuchs.
Es ist bereits von vorne herein an/nnebnien, dass die Erup-
tionen von Schlanun und Sand vielfach an Stellen ertolgen werden,
wo gleichzeitig- auch normale Sedimentbildungen im Gange sind
und es ist alsdann nur eine nothwendig-e Folge davon, dass diese
beiden Bildungen sich in der mannigfachsten Weise durchdringen
werden. Andererseits ist es ja auch möglich, dass das durch
Eruption heraufbeförderte Material hinterher durch die Wirkung
des bewegten Meeres eine theilweise Umlagerung und Mengung
mit gewöhnlichem mechanischem Landdetritus erleidet.
Ahnliche Vorkommnisse sind ja auch bei den Tuffbildungen
anderer unzweifelhafter Eruptivgesteine, wie der l'orphyre.
Melaphyre, Trachyte und Basalte, eine sehr gewöhnliche und all-
bekannte Erscheinung, indem ja auch hier sehr häutig unmöglich
ist zu unterscheiden, ob man es noch mit einem Tufte oder bereits
mit einem gewöhnlichen mechanischen Sedimente zu thun habe.
In unserem Falle muss aber diese Schwierigkeit noch um so grösser
sein, als ja hier das eruptive Material von vorne herein eine viel
grössere Ähnlichkeit mit gewöhnlichem Verwitterungs -Detritus
besitzt.
Zum Schlüsse gebe ich noch eine übersichtliche Zusammen-
fassung derjenigen Thatsachen, welche mir bei der Beurtheilung
der vorliegenden Frage die ausschlaggebenden zu sein scheinen:
1. Die Materialien, welche den Flysch in seiner typischen
Ausbildung zusammensetzen, sind ausschliesslich solche, wie sie
noch heute aus Schlammvulkanen ergossen werden, d. i. ein
zarter, homogener Mergel, welcher seinem ganzen Aussehen
nach auf einen ehemals breiartigen Zustand hinweist, so wie in
untergeordneter Weise verschiedenartige Sande, während alle
reineren Kalkbildungen, so wie normale Conglomerate, voll-
ständig fehlen.
2. Die Mergeln des Flysdies zeigen ein von den gewöhn-
lichen, sedimentären Mergeln ganz verschiedenes Aussehen. Sie
bilden entweder dickere Bänke, welche senkrecht auf ihre
Schichtungsfläche von unzähligen feinen Eissen und Spalten
durchsetzt sind (Alberese, Ruinenmarmorl oder aber sie sind
mehr schieferig und zerfallen dann in lauter kleine, eckige Bruch-
über die Natur des Flysches. 361
Stückchen. (ÄrgUle scdgliose.) Beide Erscheinuug-eii la.sseu sieb
am einfachsten als Contractionserscheinung-en bei dem Übergang
aus dem breiartigen in den festen Zustand erklären.
3. Die Mergeln des Flysches sind sehr hantig von Petroleum
und Gyps durchtränkt, von denen ersteres ganz allgemein dem
eruptiven Materiale der Schlammvulkane beigemengt ist, wäh-
rend letzterer sich durch die Zersetzung des gleichzeitig exhalir-
ten Schwefelwasserstoffes secundär bildet. Ebenso kommen im
Flysche sehr gewöhnlich Verquarzungen (Jaspis) so wie Um-
wandlungen in Späth- und Brauneisenstein vor, welche Erschei-
nungen ebenfalls auf die Wirkung von Mineralquellen hin-
weisen.
4. Die Flyschbänke zeigen an ihrer Oberfläche häutig
kuchen- oder thauförmige, gewundene Unebenheiten, welche den
Eindruck eines dicken, geflossenen Breies machen.
5. Der Flysch kommt sehr häufig in Verbindung mit
Eruptivgesteinen, namentlich mit Gabbro und Serpentinen vor
und verhält sich zu denselben wie eine dazu gehörige Tuff-
bildung.
6. Die Fiyschmergelu enthalten sehr häufig mannigfache
fremde Blöcke, welche meist noch vollständig eckig sind, mit-
unter bedeutende Dimensionen erreichen. Die auf die Flysch-
bildungen der Karpathen beschränkte Erscheinung der so-
genannten „Klippen" scheint nichts als ein besonderes Vorkommen
von „fremden Blöcken" in riesigen Dimensionen zu sein.
7. Die Flyschbildungeu sind ausserordentlich arm an Ver-
steinerungen. Mit Ausnahme der allgemein verbreiteten Fucoideu
und Annelidenspuren, kommen in grösserer Menge nur an ein-
zelnen Punkten die Eeste von schwimmenden Thieren (Fischen
und Cephalopoden) vor. Alle anderen Vorkommnisse haben einen
ganz sporadischen Charakter.
8. Im Flysche sind noch niemals Kohlenflötze gefunden
worden.
9. Die Flyschbildungeu sind an keinen bestimmten geologi-
schen Zeitabschnitt gebunden, sondern finden sich in ganz gleich-
bleibender Ausbildung von der älteren Kreideformafion ange-
fangen bis ins Oligocän.
362 Fuchs. Über die Natur des Flysclies.
10. Das Auftreten der Flysclibildungen ist ein räiunlicli be-
schränktes und finden sich oft in unmittelbarer Nähe desselben
Ablagerungen desselben Alters, welche reichlich Fossilien führen
und auch sonst ein vollständig normales Ansehen besitzen.
11. Die Flyschbildungen zeigen überall ausserordentlich
gestörte Lagerungsverhältnisse und namentlich erscheinen sie
oft bis ins Kleinste hinein gefaltet, gekniciit und durch einander
gewunden.
ImicIiS: Di*' PIio< änbiidiiiHjf'ii von Zaiite und Cortu.
a. geWI. . Vri^fl in tiarfm Plailtn . 1 . Miiwaen otlrr
h. IIa rif.pln tilge iialktltine.) afIttpesPliorani.
Blnutp gpetitigrr Ttßfl.
Blauer ajutJngfr TegeL
St/itt (jrnu.r, frinKUniliijer Tefffl mit
gelben^ feinunmliiji'n lläiiUcn werhifflnd ,
BUiiiei . fniihundtßpr T^gel.
Statur Ttgfl.
^^rtv\TTV^vr^,
matter TegrJ
Oifps u ilünnhi,ill,-',,f,r Oijfismergrl.
Sil/.un(jsl.,(i.l<.Ak-ad(l.\\:in;illiniit,Cl.LX\\;B(U.Al)th.IH77.
363
X. SITZUNG VOM 19. APRIL 1877
Das k. k. Ministerium für Ciiltus und Unterriclit theilt das
von der königl. italienischen Regierung eingesendete Programm
des für den Monat September I. J. nach Rom einberufenen zwei-
ten internationalen meteorologischen Congresses mit.
Der Präsident der Organisations-Commission des für die
Zeit der Pariser Weltausstellung anberaumten internationalen
Oongresses für Botanik und Horticultur ladet die kaiserl. Aka-
demie zur Theilnahme an diesem Congresse, welcher vom 16.
bis 22. August 1878 stattfinden wird, ein.
Herr Prof. G. v. Niessl in Brunn übersendet eine Ab-
handlung: „Beiträge zur kosmischen Theorie der Meteoriten.
I. Nachweis identischer Meteoriten-Bahnen".
Der Secretär legt folgende eingesendete Abhandlungen
vor :
1. „Über die Einwirkung alkoholischer Atzkalilösung auf die
ätherartigen Nitrokörper", von den Herren Hauptmnnn des
Geniestabes Filipp Hess und Artillerie - Oberlientenant
Johann Schwab in Wien.
2. „Über die Anwendung des Mikroskopes zu quantitativen
Bestimmungen", von Herrn Hanns Freiherrn Jü ptner
V. J 0 11 s 1 0 r ff.
3. „Über die Schöpfungsgeschichte unseres Planetensystems
etc.", von Herrn Leopold Jedlitschka in Znaim.
Herr Prof. Dr. Edmund Reitlinger übersendet folgende
IV. Mittheilung über die von ihm und Herrn Alfred v.Urbanitzky
gemeinschaftlich angestellten Untersuchungen: „Über einige
merkwürdige P^rscheinungen in Geissler'schen Röhren^.
Herr Prof. Dr. Friedrich Simouy übermittelt von den unter
seiner Leitung im Jahre 1876 ausgeführten photographischen
364
Gletscheraufnahmen aus dem Dachsteingebiete, eine zweite Col-
lection dieser Landschaftsbilder in 57 Blättern.
Das w. M. Herr Director v. Littrow bringt zur Kenntniss
der Classe, dass letztlich mehrere eine Konietenentdeckung
betreffende Telegramme bei der k. Akademie der Wissenschaften
eingegangen sind.
An Druckschriften wurden vorgelegt
Academie Imperiale des Sciences de 8t. Petersbourg: Bulletin.
Tome XXIII. Nr. 2. St. Petersbourg, 1877; 4«.
Accademia Reale deiLincei: Atti. Anno CCLXXIV 1876 — 77.
Serie terza. Transunti. Vol. I. Fascicolo 3. — Febbrajo
1877. Roma, 1877; 4«.
Accademia Pontificia de' Nuovi Lincei: Atti. Anno XXIX.
Sessione 5"^ del 23. Aprile 1876, Sessione 6'^ del 21. Maggio
1876 e Sessione 7'^ del 18. Giugno 1876. Roma, 1876; 4^.
Akademie, kaiserlich Leopoldinisch - Carolinisch Deutsche
der Naturforscher: Leopoldina. Heft 13. Nr. 5— 6. Dresden,
1877; 4«.
— Königl. Schwedische der Wissenschaften: Üfversigt af kongi.
o
Vetenskaps Akademiens Förhandlingar. XXXIII Argängen.
Nr. 6, 7 & 8. 1876. Stockholm, 1876; S«^.
American Chemist. Vol. VII, Nr. 6 & 7. New-York, 1876,
1877; 40.
Archiv der Mathematik und Physik, gegründet von J. A.
Grunert, fortgesetzt von R. Hoppe. LX. Theil, 2. Heft.
Leipzig, 1877; 8".
Astronomische Nachrichten. (Band LXXXIX. 8 — 11.)
Nr. 2120—2123. Kiel, 1877; 4'.
Belt, Thomas, F. G. S.: The Steppes of Siberia. 1874; 8*^. —
The Drift of Devon and Cornwall. 1876; 8^ — Geological
age of the Deposits containing Flint — Iniplenients at Hoxne
and the relation that palaeolithic mau bore to the glacial
period. London, 1876; 8°. — On the Loess of the Rhine
and the Danube. London, 1877; 8^
Bureau, statistisches, der kgl. dalm. kroat. slav, Landes-
regierung: Statistisches Jahrbuch für das Jahr 1874. Zagreb,
1876; 4».
365
Central- Com niissio 11, k. k. statistische: Statistisches Jahr-
buch für (las Jahr 1875. 1. Heft. Wien, 1877; 8^
Comptes rendus des seances de rAcademie des Sciences.
Tome LXXXIV, Nr. 14. Paris, 1877; 4".
Gesellschaft, Natiirforschende zu Leipzig. Sitzungsberichte.
I. Jahrgang 1874. Leipzig, 1875; 8". — IL Jahrgang 1875.
Leipzig, 1875; 8°. — IIL Jahrgang 187(i. Leipzig, 1876;
S\ — Nr. 1. Januar 1877. Leipzig; 8".
Helsingfors, Universität: Akademische Gelegenheitsschrifteu
pro 1875/6. 15 Stücke 8" u. 4«.
Institute Essex: Bulletin. Volume VIL 1875. Salem, Mass.
1876; 8^
Jo urnal für praktische Chemie, von H. Kolbe. N. F. Band XV^
5. Heft. Leipzig, 1877; 8".
Lecoq de Boisbaudran, M. : Sur un nouveau metal, le Gal-
lium. Paris, 1877; 8^
Matton Louis -Pierre: Le Bissegment, principe nouveau de
Geometrie curviligne. Lyon, 1876; 4^. — Premiere suite et
Premiers developpements de la brochure ,,Le Bissegment".
Lyon, 1876; 4". — Eeponse ä une seule et derniere objec-
tion contre la tendance des trois brochures sur le Bisseg-
ment. Lyon, 1876; 4". — Resume des deux premieres bro-
chures sur le Bissegment. Lyon, 1876; 4**. Sommaire des
cinq brochures sur la Quadrature de tous les Polygones
reguliers et sur le Bissegment. Lyon, 1877; 4». — Quadra-
ture de tous les Polygones reguliers, depuis de Triangle
equilateral, jusqu'au Polygone d'un nombre infiui de cotes.
Lyon, 1877; 4P.
Militär- Comite , k. k.. technisches und administratives: Mit-
theilungeii. Jahrgang 1877. 2. Hefr. Wien, 1877; S'\
Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt:
Ergänzungsheft. Nr. 50. (Erste Hälfte.) Gotha, 1877; 4«. _
Inhaltsverzeichniss von Petermann 's „Geographischen
Mittheilungen- 1865—1874. Gotha, 1877; 4". XXIII. Band,
1877. HI. Gotha, 1877; 4».
Nature Nr. 389. Vol 15. London, 1877; 4».
Nuovo Cimento. Serie '2\ Tomo XVI. Novembre e Dicembre
1876. Pisa, 1877; 8o.
360
Obser vatoire de Moscoii: Aimalcjs. Vol. III. T' lixrai.sou.
Moseoii, 1877; 4".
Osservatori 0 de! R. Collegio Carlo Alberto in Monealieri :
Bullettiiio iiieteorologieo. Vol. X. Nr. 11 — 1'J. 30 Novembre
e 3] Dicembre l<S7r); 4'\
Palisa, J.: Beschreibung- des Meridian - lustriuneutes V(»n
Troiigliton & Simms. 8-'.
Reichsanstalt, k. k. g-eolog-ische : Verhandlungen. Nr. 3 — 5.
Wien, 1877; 4".
,.Revue politique et litteraire" et ,,Revue scientifique de la
France et de TEtranger", VP Annee, 2' Serie, Nr. 42.
Paris, 1877; 4".
Simony, Friedrich Dr. Prof.: Geographische Landsciiaftsbilder
aus dem Dachsteingebiete in photographisehen Aufnahmen.
IL Ahtheilnng. Aufnahmen von 187(3. Wien, 1877; Folio.
8ocieta Adriatica di Scienze naturali in Trieste. Nr. 3. An-
nata IL Trieste, 1876; 8".
— degli Spettroscopisti italiani: Memorie. Appendice al Vo-
lume V. Anno 1876. Palermo 1876; 4^ — Indice. Vol. V.
anno 1876; Palermo, 1876; 4". — Disp. 1' e 2\ Geunaro e
Febbraro 1877. Palermo, 1877; 4".
Societe Imperiale des Naturalistes de Moscou: Bulletin. Annee
1876, Nr. 3. Moscou, 1876; 8".
— des Ingenieurs civils: Seances du 17 Novembre et du 1"
Decembre 1876, du 5 et 19 Janvier, du 2 et 16 Fevrier, du
2 et 16 Mars 1877. Paris, 1876—77; 8^
— des Sciences physiques et naturelles de Bordeaux: Me-
raoires. 2* Serie. Tome I. 3' Gabler. Paris et Bordeaux,
1876; 8".
Society the American geographical : Bulletin. Nr. 3. New- York,
1877; 8".
Thime, J. : Memoire sur le rabotage des Metaux. St. Peters-
bourg, 1877; 8".
Wiener Medizin. Wochenschrift. XXVII. Jahrgang, Nr. 15,
Wien, 1877; 4".
367
Aus (lern zootomischen Institute der Universität Graz.
Hag^«i*tia troglod.>^tes G08SE,
ein Beitrag zur Anatomie der Actinien.
Von Med. Dr. A. v. Heitier.
(Mit 6 Tafeln.)
Vorgelegt in der Sitzung am 8. März 1877.1
Auf Anregung Prof. F. E. Sehulze's unternahra ieli es, im
zootomischen Institute zu Graz einen Repräsentanten der Familie
der Actinien einer histologischen Untersuchung zu unterziehen.
Ich wurde hiezu noch ermuthigt durch den Umstand, dass in
neuerer Zeit gerade in Bezug auf diese Thierfamilie wenig ein-
gehende Untersuchungen verötfentlicht worden sind.
Das ]Material zu meiner Arbeit erhielt ich durch die
zoologische Station in Triest in grosser Menge, wie ich es mir
nicht besser wünschen konnte und fühle ich mich verpflichtet,
hiefür, sowie für die zahlreichen, einem Anfänger so noth-
wendigen Rathschläge Herrn Prof. F. E. Schulze meinen
A'erbindlichsten Dank abzustatten.
Geschichtliches.
Nachdem Reaumur in der ersten Hälfte des vorigen
Jahrhunderts in den Abhandlungen der französischen Akademie
der Wissenschaften über Polypen und zu gleicher Zeit Peys-
sonnell in einem nicht zum Drucke gelangten Manuscripte die
erste Anregung zum Studium der sogenannten Ptlanzenthiere
gegeben, beschäftigten sich bis zum Anfange unseres Jahr-
hunderts Forscher, wie Forskai, G-aernter, Ellis, 0. F.
Müller u. A. mit der Aufstellung und Beschreibung verschie-
dener neuer Arten von Actinien, ohne jedoch über deren feineren
Sitzli. d. mathem.-naturw. Cl. LXXV. Bd. I. Abth. IH
368 H e i d c r.
anatomischen Bau mehr anzugeben, als es bereits Reaumur
gethan. Auch die Untersuchungen des Abbe Dicqucmare
bezeichnen keinen weiteren Fortschritt in Bezug auf Anatomie
dieser Thiere, wenngleich durch ihn die Kenntniss von deren
Lebensäusserungen und Gewohnheiten wesentlich gefördert
wurde.
Cavolini gab durch seine ,,Memorie per servire alla storia
dei polipi marini 1785-' zuerst den Anstoss zum Studium der
feinern Anatomie oder Histologie. 1809 lieferte Spix in Mem.
du Museum eine Beschreibung der iunern Organisation der
Actinien, in welcher, wie Hollard berichtet, ausser schon Be-
kanntem, dieser Thiergruppe auch ein bisher noch nicht weiter
bestätigtes Nervensystem zugesprochen wurde. Während sich
nun Lamark, Cuvier, Lamouroux, Ehrenberg etc.
wieder grösstentheils mit der Classification unserer Thiere
beschäftigten, erschienen 1825 und 1829 Arbeiten, welche die
Anatomie der Actinien mit Sorgfalt behandelten und zwar von
Delle Chiaje (Memoria suUa storia e notomia degli animali
senza vertebre 1825) und Kapp (Über Polypen im Allgemeinen
und Actinien im Besondern, 1829), in welchen wir zwar noch auf
mehrere durch die damaligen Anschauungen beeintlusste talsche
Angaben stossen, die aber im Allgemeinen schon eine ziemlich
richtige Vorstellung über die Organisation der Polypen lieferten.
In den zahlreichen nun folgenden Bearbeitungen einzelner
Gattungen, Arten oder auch nur specieller Organe des Körpers
der Polypen, sehen wir nur einen mit der Ausbildung des
Mikroskops Schritt haltenden Fortgang in der Erkennung der
feineren Structurverhältnisse. Diese durch partielle Arbeiten
gewonnenen Resultate tinden wir in Contarini's Trattato delle
Attinie 1844 und später in HoUard's Monographie anatomique
du genre Actinia (Ann. des sc. nat, s6r. 3, tome XV, 1851)
gesammelt und theilweise durch Nachuntersuchungen bestätigt.
Im Jahre 1857 — 1860 erschien Milne Edwards' Histoire
naturelle des Coralliaires, in welcher nebst einem Abschnitt über
die Organisation, hauptsächlich die Classitication der Polypen
eingehend behandelt wird.
In neuerer Zeit haben wir, meines Wissens, ausser
G osse's British Sea-Anemones und Laca ze-Duthiers' Histoire
Sagartia Iruglodjiteh. ohJ
naturelle du Corail kein die histologischen Verhältnisse der Familie
der Actinien behandelndes Werk zu verzeichnen, indem ich
Kölliker'slcones histiologicae als eine die Gewebe dieser Thier-
gruppe nur allgemein berührende Arbeit nicht hinzurechne.
Ich möchte noch bemerken, dass mir keine grosse Auswahl
besonders der englischen und amerikanischen Literatur zu
Gebote stand und glaube ich damit eine eventuelle Nicht-
berücksichtigung einschlägiger Arbeiten wohl entschuldigen
zu dürfen.
Naclifolgend gebe ich ein chronologisch - geordnetes Ver-
zeichniss der in meiner Arbeit citirten Werke und werde ich
statt dieser nur die jedem beistehende Nummer anzugeben
haben.
1. Delle Chi aje, Memoria sulla storia e notoinia degli aniinali
^enza vertebre, 1825.
2. N. Contariui, Trattato delle Attinie, 1844.
3. Frey und Leuckart, Beiträge zur Keuutniss wirbelloser
Thiere, 1847.
4. Hollard, Note in Compt. rend. T. XXX, 1850.
5. Derselbe, Monographie du genre Actinia, Ann. d. sc. nat..
T. XXV, 1851.
6. L. K. Schmarda, Zur Naturgeschichte der Adria, Denkschr. d.
Wiener Akad. math. nat. Cl., Bd. IV, 1852.
7. J.Hai nie, Obseivations sur quelques points de l'organis. des
Actinies, Compt. rend., T. XXXIX, 1854.
8. M. Edwards, Hist. nat. des Coralliaires, 1857.
9. Ph. Go sse, The British Sea-Anemones and Corals, 1860.
10. C. Claus, Über Pliysuphora hydrostatica, 18G0.
11. Derselbe, Neue Beobachtungen über Struct. und Entw. der
Äiphonophoren, Zeitsehr. f. wiss. Zool., Bd. XU.
12. H. Lacaze-Duthiers, Hist. nat. du Corail, 1864.
13. A. KöUiker, Icones histiologicae, 2, Abth., 1865.
14. C. Möbius, Bau, Mechanismus u. Entw. d. Nesselkapseln, lö66.
15. F. E. Schulze, Cordylophnra lacustris, 1871.
16. N. K 1 e i n 6 n b e r g , Hydra, 1872.
17. A. Korotneff, Lucernaria, 1876.
18. H. N. Mosely, On the structure and relations of the Alcyon.
Heliopora coernlea, philos. trans., 1876.
19. Tasc li enberg, Anatomie. Histologie und Systematik der Cyli-
^ozoa, Inaugural-Diss., 1877.
20. A. Korotneff, Organes des sens des Actinies, Arch. de zool.
€xp. et gen., T. V, p. 203.
18*
•X 0 , Heide r.
Allgemeine Beschreibung.
Sagartia troglodytes zeichnet sich aus durch (iiiien 0 bis
8 Cm. hohen, schUmken Körper mit breiter Basis und einer mit
zahlreichen, j^ewöhnlicii in tJ Reihen angeordneten Tentakeln
besetzten Mundscheibe, welclie entfaltet, circa G bis 7 Cm. im
Durchmesser hält. Der Rand der letzteren ist im ausgestreckten
Zustande meist stark wellig oder zu breiten Falten verzogen und
mit der letzten Tentakelreihe besetzt; er geht direct in das
Mauerblatt über, ohne durch eine Rinne davon getrennt zu sein,
wie es bei einigen verwandten (Jattungen der Fall ist. — Nach
Gosse, dem ich bei der Bestimmung der Gattung und Art
gefolgt bin, ist für Sagartid troglodytes die Zeichnung der
Tentakelbasis charakteristisch. Die Bestimmung der Varietät
gelang mir nach Gosse beinahe nie vollständig. Die unter-
suchten Exemplare näherten sich am meisten den von ihm
(Nr. 9, p. 90) aufgestellten «, j3, 7, ^ und c. Die charakteristische
Zeichnung besteht in einem mehr minder deutlichen, quer liegen-
den lateinischen B oder verkehrten 2 von weisslich- gelber Farbe
auf dunklem bis schwarzem Grunde; oft aber wird die Bestimmung
dadurch sehr erschwert, dass das B in der übrigen Zeichnung
der Mundscheibe ganz verwischt wird und muss man sich in
diesem Falle durch die Ibereinstimmung der weiteren Merkmale
leiten lassen. Hiezu gehören nebst dem schlanken Körper, der
breiten Basis und dem mit Tentakeln besetzten, im ausgestreckten
Zustande welligen Rande der Mundscheibe eine deutliche radiäre
Streifung der Letzteren und die Anordnung der schwach
konischen, mit abgerundeter .Spitze endigenden Tentakel, von
denen die längsten, 15 bis 20 Mm. langen, die innerste oder
erste Reihe bilden und die der folgenden Reihen an Länge
successive abnehmen, so dass die letzte, äusserste Reihe auch
von den kürzesten, '2 bis 5 Mm. langen Tentakeln gebildet wird.
Die Tentakel der innersten Reihe sind entweder mit mannig-
fachen Quer- oder Längslinien oder nur mit unregelmässig
zerstreuten Pünktchen gezeichnet und erscheinen in der Anzah^
von 12 bis 18. Zwischen je zwei Tentakel des ersten, sitzt ein
Tentakel des zweiten Cyklus, dieser besteht demnach, wenn wir
von einem ersten Cyklus mit 12 ausgehen, ebenfalls aus 12
Sagnrda /roglod>/fei. O i 1
Tentakelo. Dieselben haben eine gleiclie Zeichnung, wie die des
ersten Cykius, nur ist sie gewöhnlich nicht so deutlich aus-
gesprochen. Die Fangarme der dritten Reihe sind so angeordnet,
dass sie den Zwischenräumen der Tentakel der ersten und
zweiten Reihe entsprechen, demnach in der Zahl von 24 vor-
handen sind. Nach derselben Anordnung verdoppelt sich ihre
Anzahl in den nächsten Reihen, so dass die vierte von 48, die
fünfte von 96, die sechste Reihe von 192 Tentakeln gebildet
wird. Am ausgewachsenen Thiere fand ich meist sechs Reihen,
sehr selten fünf oder sieben und ist das Gesetz in der Anordnung
der Fangarme immer regelmässig ausgesprochen.
Die Mundscheibe, sowie die Tentakel der Individuen, die
ich aus dem Meerbusen von Triest erhielt, besassen immer eine
zwischen hell- und dunkelbraun variirende Grundfarbe, die aber
durch die aufgetragene Zeichnung der Radien und der oft letztere
verbindenden Querstreifen oder Punkte und Flecke von licht-
gelber bis weisser Farbe beinahe ganz unerkennbar wurde.
MundöflFnung wird die im Centrum der Mundscheibe gelegene,
das Tliier durch ihre Verläno-eruno- in zwei svmmetrische Hälften
^heilende Spalte genannt, welche von einer Reihe dicht anein-
anderliegender Höcker, der Lippe, umrandet wird. Die Zeichnung
der Mundscheibe setzt sich bis auf die Lippe fort und hört unter
derselben mit einer scharfen Grenze auf, indem das hier
beginnende Magenrohr immer ungefärbt, in durchsichtigem Weiss
erscheint. Gewöhnlich ist der Mund bei entfaheter Tentakel-
scheibe geschlossen und bildet eine in der Ebene der letzteren
gelegene Spalte. Manchmal öffnet sie sich gleichförmig zu
einem kreisrunden Loche, durch welches man in das cylin-
drisch erweiterte Magenrohr sehen kann; zu anderen Zeiten
wieder erhebt sich die Lippe 10 bis 15 Mm. hoch über die Mund-
scheibe rüsselartig empor, öffnet sich zu einer elliptischen Spalte
und lässt das Magenrohr wie zwei Blasen sich hervorstülpen,
oder es werden bei sonst geschlossener Lippe nur die beiden
Enden der Mundspalte geöffnet und dadurch zwei in das Magen-
rolir führende Canäle gebildet; kurz, die mannigfachen Formen,
welche die Mundöffnung annehmen kann, sind leichter zu beob-
achten als zu beschreiben.
3 < 2 Heide 1-.
Das Mauerblatt ist schön orangegelb gefärbt, gegen die
Basis hell, nach oben zu immer dunkler werdend. Auf dem so
beschaffenen Grunde befinden sich in der oberen Hälfte weisse,
je nach dem Znstande der Ausdehnung, in der sich das Thier
befindet, längliche oder kreisrunde Flecke in Längsreihen an-
geordnet oder unregelmässig zerstreut. In der unteren Hälfte
verschwinden diese Flecke und treten statt derselben parallele
Längsstreifen auf, die bis zum Basalrande reichen. — Die
Körperoberfläche ist immer mit einer dünnen Schichte durch-
sichtigen, sehr flüssigen Schleimes bedeckt, welcher die Flimmer-
bewegung nicht verhindert und bei anderen (iattungeii durch Auf
nähme fremder Körper eine Art Schutzdecke bildet. Wird das
Thier gereitzt, so sondert sich der Schleim stärker ab und ist
dann oft mit der Pincette in Fäden abhebbar; er verleiht dem
Thiere eine Schlüpfrigkeit, die festes Anfassen meist unmöglich
macht.
Im ungereizten Zustande lauert das Thier mit mehr weniger
vollständig entfalteter Tentakelsclieibe und ausgestrecktem
Mauerblatte scheinbar bewegungslos auf Nahrung. ' Von Zeit zu
Zeit sieht man einzelne Partien des Tentakelkranzes sich
plötzlich gegen den Mund bewegen und bald wieder langsam
entfalten oder, wenn der Reiz zu stark war, auch die übrigen
Tentakel sich einziehen; im weiteren Verlaufe contrahirt sich
dann die Mundscheibe, und ihr Rand zieht sich über den zu
kleinen Knöpfchen eingezogenen Tentakeln und dem Munde zu-
sannnen. Das Thier erscheint nun als ein bloss vom Mauer-
blatt gebildeter, bis auf ein Viertel der früheren Länge ver-
kürzter stumpfer Kegel. — Zu erwähnen wäre auch die von mir
oft beobachtete, bereits von Anderen (Reaumur, Delle
Chiaje, Contarini etc.) angegebene Fähigkeit der Sagartien,
im entfalteten Zustande einzelne Tentakel bis zu einer Länge
von <) bis lU Cm. auszustrecken, während die übrigen kurz
bleiben (Tat III, Fig. 8); diese verlängerten Tentakel erscheinen
dann beinahe durchsichtig und machen lebhafte schlangenartige
1 Dass der ganze Körper dabei deunitch für das freie Auge nicht
waruehmbare. aber constante Bewegungen maclie, erfuhr ich bei Gelegenheit
einer versuchten photdgraphischen Aufnahme des Thieres, welche auch bei.
möglichst kurzer Exposition immer nur verschwommene Bilder lieferte.
Saf/drlia tioglothites. o75
Beweg-img-eii. Meist wurden einzelne Fangarnie in dieser Art
ansg'estreckt, nachdem das Thier gefüttert worden war und
glaube ich diese Gewohnheit so erklären zu sollen, dass ihr
mehr die Circulation des Chylus im Körper, als das Suchen
nach Nahrung zu Grunde liegt. — Ich sah übrigens meist nur
1 bis 2, selten bis 8 Tentakel zu gleicher Zeit in dieser Weise
verlängert.
Sngartia trofjloflyles bleibt, wenn sie einen passenden Ort
im Aquarium gefunden, auf demselben lange, vielleicht die ganze
Lebenszeit sitzen. Wird ein Individuum, ohne auf einer Muschel-
schale zu haften, ins Aquarium gesetzt, so wandert es einige Tage
langsam umher, bis es einen detinitiven Platz am Boden oder
an den Seitenwänden in der Nähe desselben erreicht, von dem
es sich nicht mehr entfernt; meist wurden die Thiere schon in
der Höhle von Muschelschalen (gewöhnlich von Area oder
Austern) sitzend übersendet und blieben auf denselben auch im
Aquarium. Ich kann nicht behaui)ten, dass sie gerade dunkle
Winkel lieben, wie Gosse beschreibt (welcher der Art danach den
Namen gab), ich sah im Gegentlieile sehr oft alle im Aquarium
befindlichen Thiere unserer Gattung sich mit ihrer Tentakel-
scheibe dem Tageslichte zuwenden und auch die einen stabilen Ort
erst suchenden Sagartien keineswegs dunkle Stellen wählen.
Die Nahrung der Sagartien besteht, wenigstens in der
Gefangenschaft meist nur aus mikroskopischen Organismen, wie
die Untersuchung des Inhalts der Körperhöhle ergibt. Wenn sie
Pflanzentheile erreichen, werden diese letztern mittelst der
Nesselkapseln, welche Tentakel und Mundscheibe in so grosser
Menge ausrüsten, dass Gosse danach den Gattungsnamen ent-
schied , erfasst und durch das Magenrohr in die Körperhöhle
befördert. Pflanzen, wie Ulven, Algen etc. werden sehr bald, wie
zu vernnithen ist, nachdem die daran haftenden thierischen Orga-
nismen verdaut worden, wieder ausgeworfen. Die ihnen von Zeit
zu Zeit im Aquarium verabreichte Nahrung, bestehend aus rohen
Fleischstücken, kleinen Fischen, Mollusken etc., scheint ihnen
übrigens sehr wohl zu bekommen, indem sie alle Weichtheile voll-
ständig verdauen. Ob die Nahrung der festsitzenden Actiiiien im
freien Zustande gewöhnlich aus grösseren Thieren besteht, muss
erst eine längere und ausgedehnte Beobachtung ergeben; ich konnte
'574 H e i d (■ r.
mich oft ül)ei'zeug'en, dass ein Paar Palämon, die zu gleicher Zeit
sich im Aquarium befanden, ohne g-rosse .Schwierigkeit sich vou
der Umarmung der Sagartien mit einer kräftigen Bewegung los-
machten, auch wenn der ganze Schwanztheil derselben von
Tentakeln umklammert war. — Die Sagartien ziehen sich, an
ihren empfindlichen Stellen berührt, sehr rasch zusammen u. z.
schlägt sich immer erst der Rand der Muudscheibe nach Innen
und dann folgt eine allgemeine Contraction des ganzen Thieres.
Nimmt man dieses aus dem Wasser und reizt es durch Drücken
oder Stossen noch mehr, so contiahirt es sich bis auf ein Zehntel
seines früheren Volumens, wobei das in der Körperhöhle enthaltene
Wasser aus zerstreut über der 01)erfläche des Mauerblattes er-
scheinenden Ötfnungen im Bogen entsendet wird ; in einzelnen
Fällen werden auf demselben Wege eine Anzahl von Mesenterial-
iilamenten frei, welche, wird nun das Thier in Ruhe gelassen,
durch dieselben Öffnungen zurückgezogen, oder bei weiterer
Reizung zuletzt abgekniffen werden und sich noch ganze Tage
lang auf dem Boden des Gelasses herumschlängeln.
Anatomie.
Nachdem ich die äussere Erscheinung von Sagartia Iroglo-
dytes, die durch die zahlreichen Beschreibungen schon so bekannt
ist, dass sie wenig Neues bietet, kurz geschildert, will ich deren
innere Organisation, soweit ich sie mir klar machen konnte,
zu beschreiben versuchen.
Es war mir nicht gelungen, ein Individuum unserer Art so
schnell zu tödten, dass es keine Zeit hatte, sich mehr minder
stark zu contrahiren. Selbst auf Injection von Osmiumsäure
verkürzten sicii die Septen auf ein Minimum, während das
Magenrohr vollständig ausgestülpt, die Lippe zu einer dasselbe
umgebenden Blase ausgedehnt und die Mundscheibe um die so
veränderte Lippe zu einem schmalen Bande contrahirt wurde.
Die Lagerungsverhältnisse vverden dadurch bei der grossen
Weichheit aller Organe oft sehr verändert. — In absolutem
Alkohol zieht sich das Thier ganz zusammen, wobei die
Tentakel zu kleinen Knöpfchen eingezogen, die Mundscheibe
über dem Munde geschlossen wird. — Durch Einträufeln von
Sagartia troqtodi/tes. ^ ' &
Opiiiiii in das Hingebende Seewasser (nach Gosse) wird
zwar eine g-rosse Unempfindliclikeit gegen äussere Reize er-
zeugt, aber die Sagartie nicht getödtet. — Eben solche negative
Resultate erreichte ich durch laugsames Znfliessenlassen von
Mü lle r'scher Lösung oder Chromsäure ; die Thiere blieben lange
entfaltet, endlich aber zogen sie sich doch zusammen, wie mir schien,
schon desshalb, um die ihnen schädliche Flüssigkeit aus ihrem
Innern zu treiben. Nur einmal, als im Winter eine Sendung von
Seethieren auf der Fahrt eingefroren war, war unter diesen
auch eine todte Sagartie nur halb contrahirt mit weit geöffneter
Scheibe, ziemlich langen Tentakeln und normal oifenem Munde.
Ich beutete dieses Exemplar, nachdem es längere Zeit in Alkohol
gelegen, in jeder Richtung aus und controlirte an diesem die
durch Schnitte anderer minder günstiger Exemplare erhaltenen
Bilder.
Durch Eröffnung einer in Alkohol gehärteten wenigstens
nicht vollständig eingezogenen Sagartia trogtodytes kann man
die allgemein den Actinien eigenthümliche Organisation leicht
erkennen. An einem Längsschnitte (Taf. II, Fig. 1) sieht
man, dass sich die Mundscheibe direct in das Magenrohr fort-
setzt; das durch diese beiden und durch das Mauorblatt und die
Fussplatte abgeschlossene Innere wird durch die von der
Körperwand abgehenden Septen in zahlreiche Kammern, Inter-
septalräume getheilt, welche mit den zwischen Fussplatte und
Magenrohr freien Rändern der Septen in die gemeinsame Körper-
höhle im Centrum des Thieres münden, nach oben aber mit den,
ihnen entsprechenden Tentakelhöhlen communiciren. Die die
Kammern oder Fächer bildenden Septen bestehen aus dünnen,
im lebenden Thiere fast durchsichtigen Lamellen, deren grösste
Anzahl mit, wie wir sehen werden, regelmässig angeordneten
Längsmuskelbündeln versehen ist. An Querschnitten (Taf. II,
Fig. 3, 4), sowie durch vorsichtiges Präpariren vom Mauerblatt
aus nach innen überzeugt man sich, dass nicht alle Septen bis
zum Magenrohr reichen, um hier zu inseriren, sondern dass dies
nur zum Theile der Fall ist, während sich die übrigen, an ihrem
inneren Rande von der Mundplatte bis zur Basis frei bleibenden
Scheidewände in verschiedene Gruppen theilen lassen, welche zu
den an der Mundplatte befindlichen Tentakelreihen in einem
376 11 (\ i (1 0 r.
ganz bestimmten Verhältnisse stehen. Vom freien Rande des
Magenrohrs nach abwärts sind natürlich alle Septcn an ihren»
inneren Rande frei, von jenem aufwärts fand ich jedoch in dieser
Beziehung eine Anordnung, wie sie im Allgemeinen schon
Hollard,' sowie Schneider und Röttek en (Hitzber. d. ober-
hess. Ges. f. Nat. u. Heilk. Oi essen, 1871) gaben.
Je zwei durch die Anordnung der Muskel zusammengehörige
.Septen entsprechen einem Tentakel und wechseln diese «Septen-
paare in der Weise miteinander ab, dass zwischen solchen,
welche, durch die ganze Breite der oberen Körperhöhle reichend,
ain Magenrohre inseriren, andere liegen, welche mit ihrem ganzen
inneren Rande frei in die Körperhöhle hängen. Ich nenne der
Kürze halber die erstere Art v o 1 1 s tä n d i g e , die letztere unvoll-
ständige Septenpaare, wobei ich von ihrer Entwicklung ganz
absehe. — Bei ausgewachsenen Sagartien entsprechen allen
Tentakeln des 1., 2. und 3. Cyklus vollständige (Taf. II, Fig. 4,
iS'i, So, Ss), denen der nächsten drei Cyklen unvollständige
Septenpaare (Taf. II, Fig. 4, S^, S-,). Letztere reichen nicht alle
gleich weit nach innen, sondern wälirend die dem 4. Cyklus
entsprechenden Septen (Taf. II, Fig. 4, 5^) am breitesten sind,
erscheinen die des 5. (iSj) bedeutend schmäler, die des 6. kaum
oder nur an einzelnen Stelleu als kleine Falten schwach an-
gedeutet. Die unvollständigen Septa versehwinden übrigens
ganz, je mehr man in der Untersuchung nach oben gegen die
Mundplatte fortschreitet, so dass zuletzt (Fig. 2) nur vollständige,
den Tentakeln des 1. bis 4. Cyklus entsprechende Septenpaare
vorhanden sind, von denen die des 4. Cyklus bei ihrem Abwärts-
steigen unvollständig Averden.
Die Musculatur der Septen ist insoferne nach einem
gewissen Principe angeordnet, als jedes Septum nur auf einer Seite
mit einer mehr weniger starken Gruppe von Längsfaserbündeln
versehen ist, während die andere Seite ganz frei davon bleibt
(Fig. 2, 3, 4, 5 und 0). Dadurch werden die zusammengehörigen
Septen])aare auf Querschnitten streng von einander geschieden,
indem je zwei einem Tentakel entsprechende Septen an ihren,
' Nr. 4, \)i\^. 2.
Sayarlia (loglodi/li's. o / <
einander zugewendeten Flächen die Musculatur zeigen, während
die abgewendeten Flächen glatt erscheinen.
Erst durch Festhalten an diesen Grundregeln in der An-
ordnung der Septenpaare werden die durch Querschnitte in
verschiedener Höhe erhaltenen Bilder vollkommen klar. Be-
trachten wir eine Sagartia mit 6 Tentakelreihen, deren erster
innerster Cyklus von 12 Fangarmen gebildet wird, und nennen
wir die dem ersten, zweiten etc. Tentakelcyklus entsprechenden
Septen solche erster, zweiter etc. Ordnung, so finden wir auf
Querschnitten folgendes Verhalten:
In der Nähe des Überganges der Mundscheibe in das
Mauerblatt (Fig. 2) sind nur vollständige Septen vorhanden und
schliessen je zwei solche einen mit einem Tentakel communici-
renden Interseptalraum ein. Wir finden deren in dieser Gegend
96, d. i. die den Tentakeln des ersten bis vierten Cyklus ent-
sprechenden Räume. An den sie bildenden Septen erscheinen
schon die Muskelfasern als kleine, in den betreffenden Raum
vorspringende Ballen, u. z. besitzen solche die Septen der ersten,
zweiten und vierten Ordnung, die der dritten Ordnung erscheinen
noch frei davon. Die Musculatur der Septen erster und zweiter
Ordnung ist am stärksten ausgebildet und reicht am weitesten
gegen die Axe des Thieres, während die der Septen vierter
Ordnung schwächer und mehr gegen die Peripherie hinaus -
gerückt erscheint.
Ein Schnitt parallel dem obigen und etwas tiefer angelegt
(Fig. 3) zeigt dieselben Verhältnisse. Alle vollständigen 96 Septen-
paare besitzen hier die eigenthümliche Musculatur, die der Septen
vierter Ordnung ist am schwächsten, jene der Septen erster und
zweiter Ordnung am stärksten entwickelt. Zwischen je zwei
vollständigen Paaren zeigen sich, vom Mauerblatt ausgehend,
zwei kleine Falten, die dem fünften Tentakelcyklus entspre-
chenden, erst hier beginnenden unvollständigen Septa fünfter
Ordnung.
Allfeinem Querschnitt zwischen Mauerblatt und Magenrohr
(Fig. 4) sind nur mehr die Septa der ersten, zweiten und dritten
Ordnung vollständig, die der vierten Ordnung sind zurückgeblieben
und bilden mit denen der fünften das System der unvollständigen
378 H e i d e r.
Schoi(le\viiii(i(\ Letztere sind hier schon bedeutend läni;er, als
weiter (»l)en. Aiioh durch die Querschnitte der Muskeln werden
die den Tentakeln entsprechenden Sei)tensysteme deutlich hervor-
gehoben^ indem die der ersten Ordnung, wie oben schon ange-
deutet, durch ihre Stärke autfallen und letztere abnimmt, je
nachdem man in der Betrachtunii- auf die Septen der zweiten bis
vierten Oidnung- übergeht.
Die Anordnung in der Breite der Septen und der Stärke
der Muskel setzt sich bis auf die Basis fort; an einem Quer-
schnitte unter dem Magenrohre erhält man demnach dasselbe
Bild (Fig. 5), w\e oben, nur sind alle Septenräuder nach innen
frei und mit Mesenterialtilamenteu und Genitalorganen besetzt.
Die letzten beiden, die freien Septenränder bedeckenden Organe
füllen die ganze untere Körperliöhle aus und reichen auch noch
bis in den Raum zwischen Mauerblatt und Magenrohr, wo sie an
den unvollständigen Septen der vierten und einzelnen solchen
der fünften Ordnung erscheinen (Fig. 4, GMe).
Sehr selten bilden sich auch noch Septen der sechsten
Ordnung zwischen denen der fünften aus ; ich wenigstens fand
meist schon die letzteren sehr klein und nur gegen die Basis
stärker entwickelt. Danach entsprächen die Septen fünfter
Ordnung dem fünften und sechsten Tentakelcyklus und dürften
sich erst Septen sechster Ordnung bilden, wenn eine siebente
Tentakelreihe hervorsprosst, was bei unserer Sagartia von mir
nur sehr selten gefunden wurde.
Das, wie schon bemerkt, eine Fortsetzung der Mundplatte
bildende Magenrohr, ist ein in der Längsachse des Thieres
gelegenes, oben mit dem sogenannten Munde beginnendes,
cylindrisches Rohr, das in die Körperhöhle mit freiem unterem
Rande hinein hängt und beiläufig in deren halberHöhe endigt. An
der der Leibeshöhle zugewandten Fläche des Magenrohrs inseriren
die vollständigen Septa und erscheinen deren Insertionen auf der
gegen die Achse des Thieres zugewendeten Fläche des Magen-
rohrs durch Bindegewebsvorsprünge des Mesoderms angedeutet,
welchen sich das Ektoderm dicht anlegt (Fig. 4, Mg)\ dadurch
bekommt das Magenrohr ein längsgefaltetes Ansehen (Fig. l,i%),
welches nur an den sogenannten Mundwinkelfurchen verschwindet
und einem glatten Streifen Platz macht.
Süfjarlia trog/udi/tes. 'J i <-'
Der Mund ist eine läng-liehe, elliptische Spalte, die von
den durch die Fortsetzur.gen derMag-enrohrfalten quergefurehten,
den Übergang der Mundplatte in das IMagenrohr bildenden
beiden Lippen erzeugt wird, und an zwei, die grosse Achse der
elliptischen Spalte verbindenden Punkten, den Mundwinkeln^
durch je zwei stärker ausgebildete Querfurchen ausgezeichnet
wird. Diese Falten oder kleinen Höcker (Gosse's yonidial
tubercles) schliessen eine glatte Grube ein, die sich am Magen-
rohr selbst in die, oben als glatte, nicht gefurchte Streifen
erwähnte Furche, die M n n d w i n k e 1 f u r c h e , fortsetzt.
Hollard, sowie Frey undLeuckarti geben an, dass
sich diese einander gegenüberstehenden Mundwinkelfurchen am
unteren Ende des Magenrohrs zu hervorrag-enden zungenförmigen
Lappen fortsetzen, was ich au Sagartin troglodytes nicht be-
stätigen konnte. — Die vollständigen Septa inseriren am Magen-
rohr nicht dessen ganzer Länge nach, sondern lassen in der
Gegend der Lippe eine Stelle frei, wodurch unter der Lippe ein
von der Lippenwand und den Septalrändern gebildeter Ring-
canal entsteht, der an ausgewachsenen Thieren, welche in
Alkohol aufbewahrt worden sind, so eng ist, dass er nur schwer zu
finden ist. Gosse^ verlegt an einem schematischen Längsschnitt
von Sagartia diese Septendurclibohrung zu weit nach aussen
und zeichnet sie (abgesehen davon, dass sie zu gross ist) so, als
wäre die Öffnung nur vom Septum allein gebildet. Ich überzeugte
mich jedoch an jungen durchsichtigen Actinien (Fig. 7, Lk),
dass nur der untere und äussere Rand der Öffnung von den
Septen, der obere und innere aber von der Lippenwandung
gebildet wird. Indem im Verlaufe des Wachsthums dieser halb-
mondförmige Ausschnitt der inneren, oberen Ecke jedes voll-
ständigen Septums sich mehr and mehr verkleinert, bleibt endlich
nur eine ganz kleine Lücke übrig-, welche die Communication
zwischen den vollständigen Interseptalräumen in der Gegend der
Mundplatte allein vermittelt und den Lippencanal erzeugt
(Fig. 1, Lk). Denselben hat Rötteken (/. c.) ebenfalls erwähnt,.
1 Nr. 3, pag. 3.
2 Nr. 9, Taf. XI, Fig. 1.
:iHO H 0 i d (' r.
ich hin jedöcli der Ansicht, dass der Caual /n dem Ringg-efäss
der Quallen keine morphologische Verwandtschaft besitzt.
Von einem leberähnlichen Organe, wie es Grosse« gerade
in der Gegend dieses Lippencanals beschreibt, konnte ich nichts
finden.
Die Tentakeln bilden hohle, konische Ansstülpungen der
Mundplatte und haben, wie ich mit der Loupe deutlich sehen
konnte, an ihrer Spitze eine feine Öffnung, welche schon
Hollard, 2 Schmarda,3 Rapp, Delle Chiaje* u, A. bei
verschiedenen Actinien gefunden. Nach Schmardas beschreiben
solche Öffnungen an der Tentakelspitze auch L e s s o n , R. J o n e s
G r u b e und A g a s s i z.
Ein Canalsystem , wie es Delle Chiaje, Contarini u. A.
in der Leibeswand der Actinien annehmen, konnte ich nicht
constatiren, Avohl aber sah ich im Bindegewebe des Mesoderms
der Mundplatte und des Mauerblattes zahlreiche Lücken und
kleine Öffnungen, die demselben das Aussehen einer spongiösen
Substanz verleihen und möglicherweise zur Aufnahme und Fort-
führung von Ghylusflüssigkeit dienen können.
Histologie.
Was die Methoden der histologischen Untersuchung betrifft,
80 benutzte ich, ausser der directen Untersuchung lebenden Gewe-
bes, zur Härtung für Schnitte hauptsächlich Uberosmiumsäure in
0-5 bis l'07o Lösung, indem ich kleine, etwa linsengrosse Stücke
des zu untersuchenden Organs dem lebenden Thiere ausschnitt
und sofort in einige Tropfen derselben warf. Nach ungefähr sechs
Stunden können daraus schon sehr feine Schnitte gemacht werden.
Länger als 48 Stunden in der Lösung gelegene Stücke geben zu
dunkle Schnitte, deren Details nicht mehr vollkommen deutlich
erscheinen. Man muss übrigens die Dauer der Einwirkung des
Osmiums nach dem zu untersuchenden Objecte bestimmen; so
1 Nr. 9, pag". XVII.
2 Nr. 5, pag. 269.
3 Nr. G, pag. 17.
4 Nr. 1. pag. 232.
5 1. c.
Sagartia troglodijtes. ool
zeigt ein nur wenige Stunden gehärteter .Schnitt die leinen
Flimraerhaare des Ekto- und Entoderms sehr schön , während
die Bindegewebs- und Muskelschichte noch ganz hell und
undeutlich von einander getrennt erscheinen ; letztere Glewebe
hingegen werden sehr schön dargestellt durch 36 — 48stündige
Einwirkung der Säure, indem dadurch wohl die Flinuiiern und
der äussere Rand der Zellen unkenntlich, dafür aber die Muskel-
fasern dunkelgrau, die Bindegewebstibrillen hellgrau gefärbt
werden. Die schönsten Präparate erhielt ich nach 12 bis 16 Stun-
den; man kann die Schnitte allenfalls noch mit sehr verdünnter
Eosanilinlösung färben; ich kam jedoch ohne diese Tiuction
immer auch gut aus. Die Schnitte verfertigte ich entweder
in freier Hand, oder ich fixirte allzu kleine gehärtete Stücke
mit Hollunderniark; alle Einbettungsmittel erwiesen sich inso-
ferne als unzweckmässig, als die zarten Zellen dadurch ver-
nichtet wurden. Aufbewahrt wurden die Schnitte in verdünntem
Glycerin.
Auf diese Art verfertigte ich die meisten Präparate. Mit
Picrocarmin gefärbte Schnitte von in Alkohol gehärteten Thiereu
benützte ich nur zum Studium der Lageiung der einzelnen
Gewebe; das Entoderm wird durch Alkohol ganz unkenntlich
(z. B. Tat". VI, Fig. 42, En), das Ektoderm insoferne verändert,
als die Zellgrenzen in demselben durch Schrumpfung schwer
oder gar nicht mehr zu erkennen sind.
Durch Beobachtung lebender junger, noch durchsichtiger
Actinien von 2 bis 4 Mm. Länge gelang es mir, einzelne Fragen
zu beantworten, deren Lösung beim ausgewachsenen Thiere in
Folge dessen Undurchsichtigkeit unmöglich schien. Schnitte aus
lebenden Thieren lieferten keine Resultate, indem durch die
fortwährenden Contractionen jedes kleinsten Stückes die feineren
Details schon während des Schneidens zerstört wurden. — In
Nachfolgendem werde ich auf einzelne Methoden der histolo-
gischen l ntersuchung noch zurückkommen.
382 H e i d e r.
Gewebe im Allgemeinen.
Binde- und Muskelsubstanz.
Im lebenden Zustande haben beide Gewebe ein so gleiches
Ansehen, dass eine strenge Trennung schwer möglich ist. Das
Bindegewebe zeigt in den meisten Fällen schon im frischen Zu-
stande eine deutliche fibrilläre Structur; nur manchmal ist die-
selbe so schwach angedeutet, dass man eine homogene Masse
vor sich zu sehen glaubt, in welcher sich jedoch durch Tinction
mit Carmin immer mehr weniger deutlich Fibrillen darstellen
lassen.
Das Bindegewebe bildet entweder durch fest miteinander
verkittete parallele Lagen von Fasern ein dem Messer ziemlichen
Widerstand leistendes Gerüste für den Ansatz von Muskel-
fasern und der Zellen des Ekto- und Entoderms, oder es sind
feine Fibrillen zu einem Gewirre von nach allen Richtungen
ziehenden Fäden aufgelockert, wodurch Maschen und Räume
entstehen, in denen oft die verschiedenartigsten Zellen liegen.
An letzteren ist besonders das lockere Bindegewebe des Magen-
rohrs reich; die hier (Taf. IV, Fig. 24, 25 und 28) sehr leicht zu
findenden und von mir als spindelförmige Bindegewebszellen
gedeuteten Elemente haben ein grobkörniges Protoplasma, in
welchem gewöhnlich excentrisch ein homogener Kern liegt und
einen oder zwei, manchmal verzweigte Fortsätze. Zwischen
diesen Zellen liegen zahlreiche dunkle Körnchen oft in Linien
aneinandergereiht, sowie hin und wieder grössere Massen einer
dunkelgekörnten protoplasma-ähnlichen Substanz, in der ich
keinen Kern entdecken konnte
Im straffen paralielfaserigen Bindegewebe, wie esKölli-
ker^ von den Actinien angibt, fand ich keine deutlichen Zellen,
wohl aber fielen mir oft die zahlreichen zwischen und in die
Fasern selbst eingestreuten Lücken auf, welche dem Mesoderm
die Structur eines cavernösen Gewebes verliehen (Fig. 22 und 35).
1 Nr. la, pag-. 116.
Sdffarfin troylodytcs. obo
Kalilauge und Essigsäure machen anfangs die Bindegewebs-
fasern etwas deutlicher, lassen sie aber nach einiger Zeit zu einer
Gallerte /erfliessen.
Die Muskelfasern heben sich tiberall, wo sie vorkommen,
durch ihren schärferen Contour von dem sie umgebenden Binde-
gewebe ab; sie bestehen aus sehr langen, nach beiden Enden
sich allmälig verdünnenden Spindeln, die so innig miteinander
verbunden sind, dass eine Isolirung einzelner Fasern beinahe
unmöglich wiid. Mir gelang eine solche mit verschiedenen
Maceratiousmitteln immer nur theilweise, indem ich entweder
ganze Bündel oder nur kleine Stücke einzelner Fibrillen erhielt.
Letzteres war der Fall, als ich einen feinen Längsschnitt eines
mit Osmium gehärteten Tentakels 14 Tage lang in 10 7o Koch-
salzlösung liegen liess und dann vorsichtig zerzupfte. Die so
erhaltenen Präparate zeigten neben ganzen Stücken noch zu-
sammenhängender Musculatur einzelne abgerissene Muskel-
fasern, die, schwach grau gefärbt, auf einer Seite oft einen An-
hang einer feinkörnigen farblosen Substanz tragen, in der sich
ein paar Gruppen dunkler Körnchen befanden und welche, an
einem Punkte am mächtigsten, nach beiden Seiten der Faser
sich allmälig verlor (Tafel III, Fig. 15 n). Dieselbe Substanz sah
ich auch in noch nicht isolirten Stückoi der Musculatur in Form
von spindelförmigen , undeutlich contourirten Massen zwischen
den einzelnen Fibrillen liegen (Fig. 15 h). Ich lasse es dahin-
gestellt, welche Bedeutung diese allem Anscheine nach proto-
plasmatischen Haufen an den Muskelfasern haben und erwähne
nur, dass Untersuchungen von Muskelfasern anderer zu den
Coelenteraten gehöriger Thiere dieselben oder ähnliche Bilder
geliefert haben. '
Gegen Kalilauge und Essigsäure zeigen sich die Muskel-
fasern sehr resistent, indem sie mit diesen Reagentien höchstens
noch schärfer hervortreten, aber nicht verändert werden. — Zur
Auseinanderhaltung von Muskel und Bindegewebe benützte ich
entweder die Tinction mit Picrocarmin oder die Osmium-
behandlung. Durch ersteres wird das Bindegewebe schön roth.
1 Brücke. Über die mikioskop. Eiern, d. Schirmmusk. v. Medusa
aur. Sitzber. d. Wiener Akad. d. Wiss. math. nat. Classe; Nr. 15, pag-. 26;
Nr. 17, Taf. V, Fig. 1, 2, 3 u. 4; Nr. 19, pag. 44.
Sitzb. d. niathem s aturw. Cl. LXXV. Bd. I Abth. 19
;)S4 H (■ i (i (• r.
die Muskelsubstauz orange oder rotld)rauii gefärbt; Osiniiun gibt
den Miiskelu eine dunkle, beinahe schwarze, dem Bindegewebe
eine hellgraue Farbe.
Ectoderm.
Vom Ektoderm, jener Zellenlage, die die ganze äussere
Oberfläche des Tiiieres bedeckt und sich über das Magenrohr
bis zu dessen unterem freien Rande erstreckt, möchte ich an
dieser Stelle nur erwähnen, dass die dasselbe zusammensetzenden
Elemente an der Mundplatte und am Magenrohr mehrere
Schichten, am Mauerblatt und der Basis nur eine Schichte
bilden. Diese letztere, sowie von jenen die obere Schichte wird von
Zellen gebildet, die im Allgemeinen Flimmer-, Drüsen- und
Nesselkapselzellen darstellen, aber an den einzelnen Abtheilun-
gen der Körperdecke so wesentlich verschieden sind, dass ich
erst bei der si)eciellen Beschreibung der Organe näher darauf
eingehen werde.
Entoderm.
Das Entoderm überzieht als einschichtige Zellenlage die
ganze innere Oberfläche der Körperhöhle und deren Fortsetzungen
in die Tentakel. Da dasselbe überall von so ungemeiner Zartheit
ist, dass es durch Schnitte von lebendem Gewebe immer total
zerstört wird, war es mir nicht möglich, Entodermzellen im
lebenden Zustande, also ganz unverändert zu beobachten. Auch
die für Epithelien gebräuchlichen Tsolirungs- und Macerations-
mittel (Chromsäure in verschiedenen Lösungen, Müller'sche
Flüssigkeit allein und in Gemischen mit Chromsäure oder
Speichel, Chlornatriumlösungen in verschiedener Concentration,
etc.) leisteten mir in diesem Falle keine Dienste, indem die
Zellen sehr bald zu einem Brei zerfielen. Feine Schnitte von in
Alkohol gehärteten Theilen des Thieres ergaben wohl gute
Bilder des Binde- und Muskelgewebes, aber das Ekto- und Ento-
derm zeigte sich immer so geschrumpft, dass, besonders in
letzterem auch durch Tinction keine Zellgrenzen mehr sichtbar
gemacht werden konnten. — Meinen Erfahrungen nach bleibt
für so leicht zerstörbare Elemente die Behandlung mit Über-
osmiumsäure allein übrig und genügten mir die damit erhaltenen
Siif/aftia troff/odi/fcn. OoD
Präparate, um mindestens eine allgemeine Vorstellnng- von der
Strnctur der einzelnen Zellen zu gewinnen. — DiÖ Entodernizelle
besitzt eine dünne, meist kaum sichtbare Zellmembran und
einen feinkörnigen Inhalt, der gewöhnlich in der Mitte der Zelle
am dunkelsten gefärbt also am dichtesten ist, und sowohl gegen
die Basis, als gegen das freie Ende hell und durchsichtig wird.
Besonders in letzterem sah ich oft wasserhelle, blasige Räume,
•die die Zellenmembran nach aussen bauchten und dadurch der
ganzen Zelle ein Ansehen verliehen, welches den von Kleinen-
berg an Hydra beschriebenen^ Entodermzellen in gewissem
Grade sehr ähnlich war. — Ausser dem von mir übrigens selten
genau geseiienen Zellkern enthält jede Entodermzelle in grösserer
oder geringerer Menge die bekannten Pigmentkörner (Taf. ITI,
Fig. 20 u. tf.), jene runden, meist mit doppeltem scharfem Contour
und grobkörnigem, bei Sagartia dunkelbraunem Inhalt ver-
sehenen Körper, die nach Kleinenberg mit der Nahrungs-
aufnahme in Beziehung stehen sollen.
Die Entodermzellen sind in den Tentakeln niedrig und
breit (Fig. 18 u. ff.), in der Körperhöhle, besonders am Magenrohr
und an der Mundplatte (Fig. 22, 24 u. IT.) ungemein lang und
schlank. Das Basalende sitzt dem Gewebe so fcf^t auf, dass eine
Ablösung nie gelingt und die Zelle bei solchen Versuchen immer
in der Mitte zerrissen wird.
Das freie, mit Flimmern versehene Ende fand ich entweder
kugelig hervorgewölbt (Fig. 20, 21, Taf. VI, Fig. 45) oder mehr
minder eben (Fig. 18, Taf. VI, Fig. 47), so dass der Rand der
ganzen Zellgruppe entweder unregelmässig ausgebuchtet oder
melir geradlinig erschien. Die Flimmerhaare selbst sind nur
durch sehr vorsichtige Präparation zu erhalten. Es gelang mir
dies in den seltensten Fällen. Sie sind in den Tentakeln viel
länger (Fig. 21, En) als in der Körperhöhle (Fig. 47) und scheinen
durch Osmium theilweise verkürzt zu werden, wenigstens sah
ich die Mimmern in gehärteten Schnittpräparaten nie so lang,
als an einzelnen zufällig mit den Flimmern abgerissenen Stücken
von Entodermzellen in Zupfpräparaten lebenden Gewebes. —
Bei der Undurchsichtigkeit von Sagartia konnte ich die Richtung
1 Nr. IG, pag. 4.
19*
o8() Heide r.
(los Flinimerstronies der Entodernizelleii nicht eniiren, doch
glaube ich an jungen Actinien den Körperinhalt sich gegen die
Mundscheibe und in die Tentakel bewegen gesehen zu haben.
Ich unterlasse nicht, hier zu erwähnen, dass ich manchmal
im Enloderm Nesselkapseln eingeschlossen fand; dieselben
lagen ganz unregelmässig quer oder auch verkehrt mit der
Ausstii]])ungsstelle nach Innen. Ob man ans dieser Lagerung
schliessen kann, dass diese der jetzigen Annahme gemäss, aus-
schliesslich dem Ektoderm und den Mesenterialtilamenten eigen-
thitmlichen Körper nur durch Zufall in die Chyhismasse der
Körperhöhle und mit ihr in oder zwischen die Entodermzellen
gelangt seien, sowie dass man vielleicht aus dieser Thatsache
noch einen weiteren Schluss auf die Art der Resorption der
Nahrung durch das Entoderm ziehjn könnte, möchte ich vor-
läufig noch dahin gestellt sein lassen.
Nerven,, oder auch nur als solche allenfalls zu deutende
Elemente konnte ich in keinem Theile von Sagnrtia entdecken,
— Während von den Untersuchern der Actinien nur Spix
(Mem. de Museum 1809) in der Basis ein System von Fasern
und Ganglien angibt, welche er bestimmt als Nervenelemente
erklärt, und Gran dt (Outl. of comp, anat.) im Allgemeinen
dies bestätigt, leugnen alle anderen Forscher, wie Blain vi lle,
Delle Chiaje, Teale, Johns ton, Contarini, Hollard,
Gosse etc. mehr oder weniger entschieden, das V^orhanden-
sein von dem Nervensystem höherer Tliiere analogen Elementen
ab. Ich war ebenfalls nicht im Stande, solche zu finden und halte
dies für einen weiteren Beweis für die Richtigkeit der jetzigen An-
schauungen, wonach bei den Coelenteraten eine Differenzirung
in Muskel und Nerv noch nicht stattgefunden hat, sondern beide
Elemente vereint, als sogenannte Neuro-Muskelzellen vor-
kommen. Diese werden natürlicher Weise in den verschiedensten
Modificationen bei einzelnen Gruppen unseres Typus erscheinen^
wie schon die in ihren Einzelheiten von einander verschiedenen,
im Allgemeinen aber immer auf dasselbe Princip hindeutenden
Angaben Kleinenberg's, Eimer's und Koro tneft^s zeigen.
In letzter Zeit hat Korotneffi eine Bearbeitung der Rand-
i Nr. -20.
Sagarllu troglodytcs. Oöi
Papillen von Act. mesembryanthemiini , auf welche vorher schon
Hollardi sowie Schneider und Röttekeu hingewiesen,
geliefert und dieselben als Sinnesorgane gedeutet. Ich konnte
diesen Papillen analoge Organe am Körper von Sagartia nicht
nachweisen.
Die Empfindlichkeit der Sagartien, wie der Actinien über-
haupt ist nicht an jeder Körperstelle gleich gross. So genügt
schon eine schwache Berührung eines Tentakels oder der Mund-
scheibe, um eine kräftige Contraction hervorzurufen, während
das Thier gar nicht reagirt, wenn man bei klaffendem Munde
vorsichtig, ohne die Lippen zu berühren, mit einem Stabe in das
Magenrohr, ja bis in die Körperhölile fährt. Ebenso zeigt das
Mauerblatt eine im Verhältniss zur Mundplatte geringe Sensi-
bilität.
Histologie der einzelnen Körpertheile.
Mundplatte und Tentakel.
Um Wiederholungen zu vermeiden und der grösseren Über-
sichtlichkeit wegen, bespreche ich Mundplatte und Tentakel
unter Einem, da letztere nur Ausstülpungen der ersteren sind
und, wie die histologische Untersuchung ergibt, bis auf Unter-
schiede in der Mächtigkeit der einzelnen Schichten, dieselbe
Anordnung der verschiedenen Elemente angetroffen wird.
Das Ektoderm (an der Mundplatte 0-2 Mm., am Tentakel
0-06 Mm. breit 3) kann hier in zwei Schichten, eine äussere
Zellenlage und eine darunter liegende Lage einer feinkörnigen
Substanz gesondert werden. Die Zellenschichte (an der Mund-
platte 0-13 Mm., am Tentakel 0-05 Mm. breit) besteht aus
dreierlei Elementen welche wir, da sie wesentlich von einander
verschieden sind, gesondert besprechen wollen.
An Schnitten fallen vor allem die Nesselkapseln auf,
welche in der ganzen Ausdehnung der Mundplatte und Tentakeln
gleichmässig vertheilt, gerade bei Sagartia in zahlloser Menge
1 Nr. 5, pag. 272.
2 Bei diesen und den folgenden Angaben der Breite einzelner
Schichten ist zu bedenken, dass sie immer an mehr weniger contrahirten
Organen gemacht wurden, demnach nur auf relative Richtigkeit Anspruch
machen dürfen.
388 Heide r.
vorkommen und einen Haiiptbestandtheil des Kktodernis bilden.
Mei.st kann mau in der Lagerung derselben zwei Schichten
unterscheiden (Taf. III, Fig;. 20, 21), indem die zu äusserst
liegenden ganz ausgebildet und zurAussendung des Fadens bereit,,
die darunter liegenden erst in der Bildung begriifen erscheinen.
Die Nesselkapseln sind theils gerade, theils schwach gekrümmte,
walzenförmige Körper mit abgerundeten Enden, deren oberes
etwas spitz zulaufend erscheint. Sie sind beiläufig 0-02 Mm. bis
O'Oo Mm. lang, ihre Breite erreicht höchstens ein Zehntel der
Länge. Das Innere der ausgebildeten, von einem sehr feinen, oft
gar nicht sichtbaren, starren Haut eben gebildeten Kapsel ist
entweder entleert und erscheint dann wasserhell und homogen
(Fig. 11, d), oder es wird von dem in regelmässigen, rechts-
gewundeuen Spiralen aufgerollten Nesselfaden vollständig aus-
gefüllt (Fig. 11, c). Das Object ist bei Sagart ia frngJodytes zu
klein, um mit Sicherheit auch das in der Achse liegende Gebilde
erkennen zu können ; ich sah hier nur einen hellen Streifen
(Fig-. 11, c) oder manchmal zwei in der Längsachse verlaufende
feine Linien, — Es ist leicht, durch Druck auf das Deckglas
den lebend unter das Mikroskop gebrachten Tentakel zur Aus-
sendung zahlreicher Nesselfäden und ganzer nicht entleerter
Kapseln zu vermögen. An solciien Präparaten konnte ich nun
mit ziemdicher Leichtigkeit die schon von Mob ins und Claus
gemachten Angaben bestätigen.
Während ich an der unentleerten Kapsel nichts von der
Einstülpungsstelle des Fadens bemerken konnte, sah ich, wenn
jener ausgesendet war (Fig. 13), deutlich dessen Abgangsstelle
durch eine scharfe Querliuie markirt. Am ausgestülpten Faden
konnte ich immer dessen auf der Nesselkapsel aufsitzenden,
cylindriscben, circa 004 bis 0-05 ]\Im. langen Basaltheil und den
darauffolgenden dünneren Nesselfaden unterscheiden. Jener
zeigte entweder die bekannten , etwas schief nach unten ab-
stehenden, soviel ich unterscheiden konnte, nur in einer rechts-
gewundenen Spirale angeordneten Härchen (Fig. 13, a) oder er
entbehrte der letzteren und erschien nur durch abwechselnd
dunkle und helle Längslinien eigenthümlicb gezeichnet (Fig. 13, h).
— Nach vorne verjüngt sich der Basaltheil plötzlich in den 6- bis
Sdijarlia trixjlodyteti. »j"^'
8mal so langen Faden , der meist doppelt contourirt und als
meinen Erfahrungen nach, glatte Röhre erschien.
An Zerzupfungspräparaten Irischer, sowie in Osmium
gehärteter Tentakel sah ich beinahe an jeder Nesselkapsel ein
mehr minder grosses Stück einer schwach granulirten Substanz
haften, welche sich durch weitere Präparationen als der Über-
rest einer die ganze Kapsel im normalen Zustande einhüllenden
Masse erwies. Diese von L e y d i g , i Clausa und Kefersteins
schon gezeichnete, von Gosse,* der sie Peribola nennt, und von
Lacaze-Duthiers5 erwähnte und von F. E. Schulze
genau beschriebene Protoplasmahülle (Fig. 11, c, 20,) zeigte
manchmal einem oder mehrere kernartige Gebilde und umgab
die Kapsel in der Weise, dass diese meist excentrisch, d. h. an
eine Wand der Hülle zu liegen kam. Sie setzt sich, wenn sie
vollständig erhalten ist, nach oben in eine, über und seitlich der
Nesselkapsel liegende, fein auslaufende Spitze fort: dem von
Leydig, Claus und Schulze bei Coi-dylopkora und Hydra
schon angegel)enen und von letzterem Cnldocil genannten kegel-
förmigen Härchen, welches über der Nesselkapsel an der Ober-
fläche des Ektoderms hervorragt und immer so gelagert ist, dass
es nie direct über der Nesselka|)sel, sondern stets etwas seitlich
davon steht (Fig. 11, c). Ob die (nach Gos se^) von Wright
sogenannten und als Tastorgane angesprochenen Palpocils mit
diesen Fortsätzen identisch seien, will ich nicht entscheiden.
Am unteren Ende verjüngt sich der Körper der Protoplasma-
hülle entweder langsam oder plötzlich zu einem feinen, durch
Osmium dunkler gefärbten Faden, der, an Tsollrungspräparaten
mehr weniger lang erhalten, eine oder mehrere Erweiterungen
trägt (Fig. 11, «); auch an Schnitten von Tentakeln oder Mund-
scheibe (Fig. 20, 21, Taf. IV, Fig. 22, 23) sah ich diese mit
Knötchen versehenen Fortsätze der Nesselzellen sehr deutlich.
— Dasselbe fand Grob ben an den Nesselzellen der grossen
1 Müller's Archiv, 185i, Taf. X, Fig. 4.
■i Nr. 10, Taf. XXVII, Fig. 43.
3 Zeitschr. f. wiss. Zool. XII, 4'af. 1, Fig-. 15«.
4 Nr. 9, pag. XXXVI.
5 Nr. 12, pag. 59.
•3 Nr. 9, pag. XV.
390 H p i (l e r.
Spiralzooide von Podocoryne S. \ sowie Claus eine ähnliche
Eij^cnsohait an den Nesselzellen der Nesselknöpfe der Siphono-
])hoien. — Taschenberg' beschreibt die Nesselzellen von
LucenuiviK auf gleiche Weise. Seine Vorstellung jedoch, » dass
die anfangs in den unteren Ektodernischichten gelegenen und
mit ihrer Ausbildung- allmälig gegen die Oberfläche rückenden
Nesselzellen auf dieser Wanderung die feinen Fortsätze des
unteren Endes der Protoplasniahülle gleichsam selbst ausziehen
und in keiner Weise irgend eine Bedeutung als nervöse Elemente
beanspruchen können, bedarf wohl noch weiterer Bestätigungen.
Nebst den vollständig ausgebildeten, mit Protoplasmahülle
versehenen Nesselkapseln findet man, besonders in zerzupftem
Ektoderm, zellige Gebilde, welche verschiedenen Entwicklungs-
stadien von Nesselkapselzellen entsprechen. Zu den ersten Stufen
derselben gehören ineiner Ansicht nach auch ovale, 0-01 Mm.
lange, an einem Pole zu einer feinen Spitze ausgezogene, am
entgegengesetzten Ende sich in einen feinen Faden fortsetzende,
schwach granulirte Zellen (Fig. 11, e, /'; Fig. 21, w), deren
grosser, immer am unteren breiteren Ende liegender, heller Kern
meist ein Kernkörperchen zeigt. Nebst dem Kerne haben diese
Zellen oft noch ein oder mehrere dunkle Körnchen in ihrem Proto-
plasma. In anderen ähnlich gebauten, etwas grösseren Zellen
(Fig. 11, g, h, i), in denen kein Kern mehr sichtbar ist, kann
man schon die durch schwache, spiralig angeordnete Punkte
oder Linien erkennbare Nesselkapsel sehen, während es mir
nicht gelang, die vonMöbius* beschriebenen Zwischenstadien
zu beobachten, nach denen die junge Nesselkapsel aus einer
durch Verdichtung des Inhaltes der Bildungszelle entstandenen
halbmondförmigen Krümmung hervorgeht,
Drüsen. An Schnitten sieht man die Räume zwischen den
Nesselkapseln ausgefüllt von langen, gewöhnlich durch die ganze
Breite der Zellenschichte des Ektoderms reichenden Zellen
(Fig. 20, 21, (l), die sich durch ihren scharfen Contour von der
1 Podocoryne Sarsii, Wiener akad. Ber., Bd. LXXII.
3 Nr. 19, pag. 35.
3 1. c. pag-. 38.
4 Nr. 14, pag. 10.
Sagartia troglodyles. 6vl
Umgebimg- leicht abheben, einen giobkörnigen Inhalt besitzen
und nach unten breit abgerundet, nach oben (d. i. gegen die
Oberfläche des Ektodernis) mit einer halsartigen Verengerung
enden. Einen Kern konnte ich bei ihnen nie wahrnehmen. Ihrem
Inhalte, wie ihrer Form nach, sehe ich diese Elemente für ein-
zellige Drüsen an. Schon an Schnitten, noch mehr aber an
Isolationspräparateu bemerkte ich, dass das untere, meist auf-
getriebene Ende ebenso, wie die Nesselkapselzellen einen mit
Anschwellungen versehenen Faden besitze (Fig. 12, fs).
Fl i m ni erz eilen. Die dritte Art der das Ektoderm der
Mundplatte zusammensetzenden zelligen Elemente sind jene
Zellen, welche zwischen Nesselkapseln und Drüsen liegend, die
Oberfläche der Mundplatte und Tentakeln mit einer Flimmerhülle
versehen. Dieselben sind ungemein zart und leicht zerstörbar;
die Flimmern gehen auch bei der vorsichtigsten Behandlung des
Objectes fast immer zu Grunde und der freie Hand der Zelle
verwandelt sich auch bei Behandlung mit Osmium meist in eine,
jedes Detail verwischende dunkle Masse. Da die Zelle selbst sehr
durchsichtig ist, so wird sie an Schnitten durch die über und unter
ihr liegenden Drüsen undNesselkapseln ganz unsichtbargemacht ;
nur an selir feinen Schnitten des mit aller Behutsamkeit in Osmium
nur einige Stunden gehärteten Organs gelang es mir endlich, die
Flimmerzellen in der Mundplatte von Saf/artia troglodytes und
im Tentakel einer jungen Actinie darzustellen (Fig. 14 und 30).
— Die im Allgemeinen cylindrische, von äusserst zarten Contouren
begrenzte und durch den Druck der benachbarten Elemente in
ihrer Form beeinflusste Zelle besitzt einen feinkörnigen, hellen
Inhalt, in dem ich keinen Kern entdecken konnte. Der obere
freie Rand liegt in der Ebene der Oberfläche des Ektoderms, ist
auch bei ganz geringer Einwirkung des Osmiums immer mehr
weniger dunkel gefärbt und macht den Eindruck, als bestünde
er aus einer vom übrigen Zellplasma verschiedenen, resistenteren,
homogenen Masse. Dieser Rand trägt die, im lebenden Zustande
0-02 bis 0-03 Mm. langen, sehr feinen, nicht mit einer Spitze,
sondern wie abgeschnitten endigenden Flimmern; mit Osmium
behandelt, erscheinen sie bedeutend kürzer, bis auf ein Zehntel
der natürlichen Länge contrahirt und oft zu einer starren Masse
verklebt, in der kaum bemerkbare Längslinien die Zusammen-
392 H c i (l (• r.
Setzung aus Härchen errathen lassen. — Im Verlauie nach
abwärts verjüngt sich die Zelle allniälig und verschwinden ihre
Grenzen in den gleichlörniig granulirt erscheinenden tieferen
Partien der Zellenlage des Ektoderins. Da mir eine vollständige
Isolirung einzelner dieser Zellen nicht gelingen wollte, bin ich
auch nicht im Stande, ihren weiteren Verlauf nach unten,
sowie die Art und Weise des Ansatzes ihrer Basis anzugeben;
ich bemerke nur, dass mir diese an einem Querschnitte der
Mundplatte sich ebenfalls in einen dünnen Faden sich fortzusetzen
schien. — Die Flimmerzellen des Ektoderms werden auch von
Gosse 1 erwähnt, aber er nimmt an, dass dieselben fortwährend
abgestossen, den an der Hautobertläche befindlichen »Schleim
erzeugen, was mir zum mindesten sehr unwahrscdieinlich dünkt,
wenn auch nicht geleugnet werden kann, dass in dem von den
Drüsen gelieferten Schleime hin und wieder eine ganz oder
theilweise abgerissene Flimmerzelle aufgeschwemmt sein dürfte,
besonders wenn behufs Gewinnung des Schleims an der Ekto-
dermoberfläche etwas unzart geschabt würde.
Betrachtet man den Rand eines dem lebenden Thiere ab-
geschnittenen Tentakels in Seewasser unter dem Mikroskop
(Fig. 0, 10), so kann man an demselben mit Leichtigkeit zweierlei
verschiedengestaltige Fortsätze unterscheiden; die einen sind
niedrig, starr, kegelförmig, 0-005 bis 0-006 Mm. hoch, fast
wasserhell und erweisen sich als Cnidocils der darunterliegenden
Nesselkapseln; bei sorgfältiger Untersuchung und wenn der
Rand durchsichtig genug ist, kann man auch die oberen ab-
gerundeten Enden der letzteren sehen, und beobachten, dass
jedem derselben ein seitlich gestelltes Cnidocil entspricht. Die
anderen, drei- bis viermal so langen, dünnen, zarten und
cylindrischen Fortsätze bewegen sich pendelartig hin und her,
und sind, wenn auch die Dunkelheit des Tentakelrandes es
nicht erlaubt, die Zellen selbst zu erkennen, nach den Ergeb-
nissen, die Schnitte gehärteter Tentakel lieferten, die Flimmern
der oben besprochenen Flimmerzellen des Ektoderms.
Wie ich mich durch Verfolgung der Bewegung von nur in
Alkohol löslichen, im Seewasser suspendirten Anilinkörnchen
i Nr. 9, \r.\g. 12.
Sayartia Irogludi/tes. OJo
an der ausgebreiteten Mundscheibe überzeugte, geht der durch
die Flimmern erzeugte Strom (wie auch Gosse' angibt) vom
Munde hinweg längs der Radien zu den Tentakeln und an diesen
aufwärts bis zu deren Spitze.
Die zweite unter den Zellen liegende und den Raum
zwischen diesen und der Muscularis des Mesoderms erfüllende
Lage des Ektoderras zeigt sowohl bei Osmiumbehandlung, als an
mit Pierocarmin tingirten Schnitten in Alkohol gehärteter Thiere
immer nur ein feinkörniges Ansehen, in welcher Richtung auch
der Schnitt geführt sein mag. Ich konnte in derselben keine be-
sonderen Elemente, weder Zellen noch auf faserige Structur
hinweisende Streifen auffinden, nur manchmal erschien die obere
Partie, welche an die Zellen grenzt, etwas dunkler granulirt.
Um diese (in der Mundplatte 0-07 Mm., in den Tentakeln
O'Ol Mm. breite) feinkörnige Scliichte genauzustudiren, istesnoth-
wendig, die Tentakel oder Mundplattenstückchen längere Zeit,
etwa36Stundenin Osmium zu härten; es wird dann zwar die obere
Zellenlage des Ektoderms sehr dunkel und dessen freier Rand
ganz unkenntlich, aber die körnige Structur der unten liegenden
Schichte tritt um so deutlicher hervor und sieht man dieselbe
dann quer durchzogen von den zahlreichen, mit ganglienartigen
Erweiterungen versehenen Fortsätzen der Nessel- und Drüseu-
zellen der oberen Schichte (Fig. 20, 21, 22, 23, i). — Ich möchte
diese, die Basalfortsätze der Ektodermzellen umhüllende, fein-
körnige Substanz, bis ihre Zusannnensetzung durch weitere
Untersuchungen genauer bekannt geworden, Interbasal-
sub stanz nennen und damit nur ihre Lage in Bezug zu den
anderen Schichten bezeichnen.
P>esondere Pigmentzellen konnte ich nirgends finden,
nochweniger eine besondere Schichte solcher Zellen im Ektoderm
constatiren, wie von Milne Edwards 2 und Gosse^ geschehen
ist. Meines Erachtens wird die mannigfache Färbung und
Zeichnung der Mundplatte durch die verschieden gefärbten oder
1 Nr. 9, pHg. XX.
2 Nr. 8 , pag-. (j.
3 Nr. 9,pag-. XII.
Bi>4 H e i (1 (' r.
farblos l)leil)eiulcn Drüsenzellen des Ektodenns liervorg-chracht.
Die Stellen von durelisichtig' brauner Farbe in verschiedenen
Tönen, wie sie meist an den Tentakeln vorherrscht, werden
demnach von dem, durch das farblose, durclisiclitig-e Ektoderm
scheinende, mit braunen Pigmentkcirnern ertiillte Entoderm er-
Tieugt, während die von gel])lichweiss bis dunkelbraun g-efärbten
Streifen und Punkte der Mundscheibe von in dieser \Yeise
gefärbten Drüsenzellen hervorgebracht werden. Das Durch-
scheinen des braunen Entodernis wird auch an diesen Stellen zu
mannigfachen Nuancirungen beitrag-en.
Das Mesoderm derjMundplatte (0*09 Mm.) und der Tentakel
(0-005 Mm. breit) wird zusammengesetzt von einer Längs- und
Quermuskelschichte und einer diese beiden trennenden Binde-
gewebslage. Letztere, das Analogon der bei den Hydroidpolypen
sogenannten Stützlamelle , ist in der Mundplatte (Taf. IV,
Fig. 22, 23, h) viel mächtiger entwickelt, als in den Tentakeln
{Fig. 20, 21, b) und während sie in diesen meist homogen er-
scheint und man nur selten einzelne auf Fibrillenstructur
deutende Linien bemerkt, ist die Zusammensetzung aus Fasern
in der Mundplatte, wenn auch nicht sehr scharf, doch immer
deutlich zu erkennen. An parallel den Radien geführten Schnitten
der Mundplatte sieht mau in deren Bindegewebslamelle dunkle
schwach contourirte spindelförmige Querschnitte der einzelnen
dicht miteinander verbundenen Fibrillen, während an darauf
senkrechten Schnitten, diese grösstentheils der Länge nach
getrotfen erscheinen. Demnach bestellt das Mesoderm aus
€oncentrisch zur Achse des Thieres, respective zur Achse des
Tentakels geordneten, fest miteinander verkitteten, platten-
förmigen Bindegewebsfasern, die im Allgemeinen paiallel mit
der Oberfläche verlaufen und nur dort, wo sie sich mit dem
Bindegewebe der Septen verbinden, einen unregelmässigeren
und mehr verworrenen Verlauf haben. — In seiner ganzen
Breite ist das Bindegewebe der Mundplatte von zahlreichen,
runden oder länglichen Lücken durchbrochen, welche eine Art
Canalsysteni im Gewebe zu bilden scheinen. Im Bindegewebe
der Tentakel konnte ich von diesen Lücken nie etwas bemerken.
Als eine Folgeerscheinung des immer mehr weniger
Contrahirten Zustandes der Organe betrachte ich die auf Quer-
Sagart ia troglodytes. o,)i>
schnitten am oberen, auf Längsschnitten am unteren Rande sich
zeigenden faltenartigen Erhebungen des Bindegewebes, welche
beweisen, dass dieses im Stadium der Contraction auf der
äusseren Fläche zu starken parallelen Längs-, auf der inneren
Fläche zu schwächeren concentrischen Querwülsten erhoben
wird. — Beide Flächen sind von einer einschichtigen Muskel-
lage bedeckt, u. z. sind deren Fibrillen auf der äusseren Fläche
der Länge nach, auf der inneren der Quere nach angeordnet,
so dass Mundplatte und Tentakel folgende Anordnung in den
Schichten zeigen: Auf die Interbasalsubstanz des Ektoderms
folgt die Längsmusculatur (an der Mundplatte richtiger Radiär-
musculatur genannt), auf diese die Bindegewebsschichte und
unter letzterer die Ringmusculatur, auf welcher direct das Ento-
derm sitzt. Die Längsinuskeltibrillen sind bedeutend stärker,
etwa 0-002 Mm. im Durchmesser haltend, die Querfasern zarter
und kaum 0-001 Mm. erreichend.
Die feinen Basalfortsätze der Ektodermzellen kann man
leicht durch die Interbasalsubstanz bis zur Längsmusculatur
verfolgen ; ob und wie sie sich aber mit dieser in Verbindung
setzen, zu entscheiden, muss weiteren Untersuchungen über-
lassen werden, nachdem ich kein positives Resultat in dieser
Beziehung erreichte. In Zerzupfungspräparaten sah ich wohl
Gruppen von Basalfortsätzen von den Längsfibrillen abgehen
(Fig. 16) und in anderen Fällen sah ich einzelne Basalfortsätzcr
die nach unten mit einer quer abgesetzten Verbreiterung endeten
(Fig. 11, a\ 29, b f), welche den Eindruck erzeugte, als sei die
Zelle hiemit auf der Muskelfaser aufgesessen; da es mir jedoch
nicht gelingen wollte, Muskelfasern zu isoliren, die noch in Ver-
bindung mit Basalfortsätzen waren, so halte ich einen bestimmten
Schliiss in dieser Frage nicht lUr berechtigt.
Erwähnenswerth ist auch noch, dass ich von den Spitzen
der äusseren Wülste des Mesoderms, also vom Bindegewebe
selbst sich Fortsätze in die Interbasalsubstanz erstrecken sah
(Fig. 17. //>), ohne dieselben weiter hinauf verfolgen zu können.
Das Entoderm zeigt hier die schon beschriebenen Eigen-
schaften. Es ist an der Mundplatte am Mächtigsten (Ol Mm. bis
0-15 Mm. breit), und besteht aus meist doppelt so langen Zellen
als im Tentakel (wo sie 0-05 bis 0-06 Mm. erreichen). Im
896 H (' i (1 e r.
Übrig-en aber zeigen beide Or;^:ine in dieser Beziehung- keine
wesentlichen Unterschiede.
Indem ich hier anf die von Claus > gegebene Histologie des
Stammes von Apoleniia aufmei-ksam mache, da mir dadurch die
enge Verwandtschaft beider Gruppen der Coelenteraten noch
wahrscheinlicher geinacht erscheint, bemerke ich weiters, dass
unter den vorhandenen und mir zu Gesichte gekommenen
histologischen Beschreibungen der Haut von Polypen die von
Moseley bei Heliopora und von Koro tn elf bei Lucernaria
g:cgebene noch am meisten mit der von mir gelieferten der
Mnndplatte übereinstimmt. Die Zeichnung, welche Moseley^
davon gibt, zeigt, wenn auch grob ausgeführt, und wie es scheint,
etwas schematisch gebalten, deutlich die 3 Schichten des Ekto-,
Ento- und Mesodernis. Während sich in letzterem, ganz abgesehen
von dem bei Saf/arfia nicht in solcher Mächtigkeit vorkommenden
Canalsystem Muskeltibrillen und Bindegewebszellen ohne be-
stimmte Anordnung kreuz und quer schneiden und das Entoderm
als aus neben einander gereihten Kugeln bestehend abgebildet
wird, zeigen die Ektodermzellen in ihrer Gestalt eine gewisse
Ähnlichkeit mit den von mir gefundenen Drüsenzellen und
scheint mir in der zwischen den Ausläufern derselben an-
gebrachten Schattirung eine meiner Interbasalsubstanz analoge
Schichte angedeutet, wenn auch der Verfasser davon im Texte
nichts erwähnt.
Ebenso merkwürdig ist die Übereinstimmung in der Zu-
sammensetzung des Ektoderms von Lurernarui, wie sie Korot-
neffs gibt, mit der von mir bei Sagftrtia gefundenen. Da ich
dessen russisch geschriebene Abhandhing nicht zu lesen ver-
mochte, musste ich mit der deutschen Tafelerklärung und dem
französischen Auszuge der Arbeit, welche dem Werke bei-
gegeben wurden, auskommen und verweise nur auf einige
Figuren in demselben. Taf. V, Fig. 1, 2, 3 werden Muskelfasern
abgebildet, die mit dem ihnen anhaftenden Protoplasmaklumpen
bis auf die Deutlichkeit des in demselben abgebildeten Kernes
1 Nr. 11 , pag-. (j.
2 Nr. 18, Platte 9, Fig. 10.
3 Nr. 17; —
Sdfiartia ti'nglodi/tes. o,' i
vollstäiKlig- mit meinem Befunde übereiustiiumen. Freilich konnte
ich den Zusammenhang dieses Klumpens mit darüber befindlichen
Zellen nie bestimmt constatiren. Auch in Bezug auf die Nessel-
und Drüsenzellen des Ektodernis und ihre Fortsetzung- in feine,
von ganglienartigen Knötchen unterbrochenen Fäden gibt
Korotneff (Taf. VI, Fig. 2, 3, 4, 1(3, 18) den meinen merk-
würdig ähnliche Bilder, die sich nur durch ihre Grösse und
Deutlichkeit von ersteren unterscheiden.
Die Beschreibung-, die M. Edwards* von der allgemeinen
Decke der Polypen gibt, machte mir den Eindruck, als sei sie
nach am lebenden Thiere verfertigten Schnitten gehalten; da
solche jedoch meiner Erfahrung nach in Folge der geringen
Consistenz der Substanz nur gequetschte und in allen feineren
Details undeutliche Bilder geben, glaube ich die Verschiedenheit
zwischen meiner und der Darstellung M. Edwards nur betonen
zu müssen, da ich der 1 berzeugung bin, dass bei den Actinien
die vorherige Härtung den Vorrang verdient vor der Methode,
Schnitte aus frischem Gewebe zu untersuchen, welche sonst
bei kleinen Hydroidpolypen so grosse Dienste leistet. Das En-
toderm beschreibt M. Edwards (p. 8) als aus zwei Schichten
bestehend, während ich in Übereinstimmung mit den neuen Unter-
suchungen über die Coelenteraten, nur eine Schichte von Flimmer-
zellen und in diese eingeschlossen die Farbkörperchen fand.
Magenrohr.
Wie vorauszusetzen war, zeigte das Magenrohr (Taf. IV)
als Fortsetzung der Mundplatte eine dieser ähnliche Zusammen-
setzung. Das Bindegewebe bildet auch im nicht contrahirten
Zustande Längsfalten, die im Allgemeinen den auf der inneren
Seite befindlichen Septeninsertionen entsprechen. Längsschnitte
zeigen demnach eine verschiedene Breite, je nachdem ein solcher
gerade eine Falte oder den Raum zwischen zwei solchen getroffen
und zwar wird dieser Unterschied in der Magenwandstärke nur
durch das gefaltete Bindegewebe gegeben, da das Ektoderm,
welches jenem anliegt, überall dieselbe Stärke besitzt. Das
1 Nr. S , pag-. ().
398 11 0 i d e r.
Magenrolir wird durch dieses Verhalten deiitlicli längsgevifft,
was man schon am lebenden Thiere beobachten kann.
In der histologischen Betrachtung desselben mit dem Ekto-
derm beginnend^ können wir an diesem (0-2 Mm. stark) wieder
die äussere Zellenlage und die unter ihr liegende Interbasal-
substanz unterscheiden. In der (circa 0-13 Mm. breiten) Zel-
lenlage sind die Nesselkapseln (Fig. 24, 25, fi), wenn wir die
Lippe nicht in Betracht ziehen, am spärlichsten vertreten ; ich
sah zwar solche an allen Schnitten, aber immer im Vergleich mit
der Mundplatte in bedeutend geringerer Anzahl. Die meisten der-
selben erschienen homogen dunkel gefärbt, nur wenige zeigten
den Spiralfaden im Innern, hatten übrigens dieselbe Form und
Grösse wie in der Mundplatte.
Das Ektoderm des Magenrohrs besteht hauptsächlich aus
Flimmerzellen und Drüsen. Die ersteren (Fig. 24, 25, /') sah ich
an Osmiumpräparaten sehr schön als schwach granulirte, gegen
das Mesoderni sich gleichmässig verjüngende, meist in eine
Spitze auslaufende Zellen; oft konnte ich den Übergang dieser
spitzen unteren Endes in einem feinen Faden beobachten. Der
äussere, quer abgestutzte Rand, die breiteste Partie der Zelle
ist dunkler gefärbt und trägt die Flimmerhaare, welche die Ober-
fläche des Magens gleiclimässig auskleiden.
Die zwischen den Flimmerzellen frei bleibenden Räume
werden erfüllt von den einzelligen Drüsen. Der grösste Theil
derselben wird durch Osmium gleichmässig grünlich-grau bis
schwarz gefärbt (Fig. 24, 25, d), nur hin und wieder stösst man
auf solche Drüsen, welche das grob granulirte, von deutlichem,
scharfen Contour umgebene Innere zeigen, wie wir es an der
Mundplatte kennen gelernt haben. Darnach hätten wir im Magen-
rohr zweierlei, durch ihre Reaction gegen Osmium unterschiedene
Drüsen zu verzeichnen; beide Arten haben übrigens dieselbe
keulenförmige Gestalt, besitzen nach unten ein breites ab-
gerundetes Ende, nach oben einen mehr minder engen lang-
gezogenen Hals, der an der Oberfläche des Magenrohrs zwischen
den Flimmerzellen mündet.
Das Gewebe nimmt unter den besprochenen Ektodermzellen
ein schwach granulirtes, von zahlreichen, den P)asalfortsätzen
der Zellen entsprechenden Streifen durchzogenes Aussehen an
Sagartid froglodijfi's. d.K'
und geht eiullicli in die Interbasalsubstanz über. Wie j^-esag-t,
konnte ich den Znsammenhang der Streifen mit den Flinimer-
zellen oft deutlich beobachten, während mir dasselbe mit den
Drüsen oder Nesselkapseln hier nicht gelang. — In dieser
Kegion sah ich meist das Gewebe durch blasige, wasserhelle
Räume (Fig. 24, hl) unterbrochen , welche, ohne deutlichen
Contoiir in der Interbasalsubstanz beginnend, nach oben breiter
werden und zwischen den Ektodermzellen mit abgerundeter,
scharfumrandeter Kuppel enden. Da ich in diesen keulen-
förmigen Räumen nie einen Inhalt entdecken konnte, der irgend
einen Schhiss auf ihre Function erlaubt hätte, will ich dieselben
nur hier erwähnt haben.
Die Inter basalsubstanz ist am Magenrohr überall
deutlich und in verschiedener Mächtigkeit, zwischen 0-04 bis
0-07 Mm. schwankend, vorhanden. Durch die eng aneinander
liegenden parallelen Streifen, die sie durchziehen, wird ihre
feinkörnige Structur oft in ein scheinbar faseriges Gewebe
verwandelt (Fig. 25, i).
Im Mesoderm kann man zweierlei Bindegewebsarteu
unterscheiden. Man sieht auf Querschnitten (Fig. 24, J/) die Fasern
von dicht verfilztem Bindegewebe über jeder Septeninsertion
sich in zwei Schichten theilen, von denen die innere glatt weiter
verläuft, während die äussere, sich zu einer Falte erhebend, einen
Raum frei lässt, der von sehr lockerem Bindegewebe ausgefüllt
wird. Zwischen den, von den beiden dichtfaserigen Binde-
gewebsschiehten abgehenden und senkrecht auf diese verlaufen-
den feinen Fasern innerhalb der Falten lagern die schon oben
als Bindegewebszellen besprochenen Elemente und granulirten
Körper in mehr minder grosser Menge (Fig. 24, 25, 28, z). —
An der Kuppe jeder Falte des Mesoderms hebt sich auch das
Ektoderm von der straffen Bindegewebsschichte in unregel-
mässigen Linien ab und werden die dadurch entstehenden
kleineren Räume, welche den Eindruck machen, als wären sie
durch Abhebung des Ektoderms in Folge der Contraction der
Gewebe erst während der Härtung entstanden (Fig. 24, 25, r)
ebenfalls durch lockeres Bindegewebe ausgefüllt. — An Längs-
scimitten wird das Ektoderm vom Bindegewebe durch scharf
contourirte feine Linien abgegrenzt, die ich für Längsmuskel -
Sitzt, d. mathem.naturw. Cl. LXXV. Bd. I. Abth. 20
4U() II (• i (i (' r
fasern als Fortsetzung der Musculatur der Mnnili)latte halten
möchte; da ich jedoch in darauf senkrechten Schnitten nie mit
Gewissheit deren Querschnitt darstellen konnte , lasse ich die
Deutung dieser Linien noch dahingestellt. — An der Innenseite
des Mesodernis ist die einschichtige l^ingiuusculatur sehr
deutlich auf Quer- und Längsschnitten zu sehen und liefert die-
selhen Bilder, wie an der Mundplatte und den Tentakeln [Fig.
24, 25, m).
DasEntoderni ist sehr stark entwickelt und besteht aus
0-2 bis 0-3 Mm. laugen, schlanken Zellen (Fig. 24, En).
Schnitte der Mun d win kelfurch e zeigen keine von der
allgemeinen am Magenrohr geltenden abweichende Structur und
wird ihr glattes, nicht gefurchtes Aussehen dadurch bedingt,
dass das Mesoderm an dieser Stelle eine breite Falte bildet oder
dass hier der Zwischenraum zwischen zwei Falten und demnach
auch zwischen zwei Septeninsertionen ein sehr grosser ist und
das Ektoderm glatt darüber wegstreicht. Der der Furche ent-
sprechende Intersei)talraum ist sehr breit, ohne indess eine
weitere EigenthUmlichkeit zu zeigen. Ich kann also nicht Hol-
lard's Angabe bestätigen, der* von dreierlei Muskelzügen im
Gewebe der Mundwinkelfurchen spricht, sowie andeutet, dass
die Furchen eine Verschiedenheit in den Geweben zeigen, ohne
dieselbe genau anzugeben. — Ebenso unwahrscheinlich klingt
Delle C h i aj e's ^ Behauptung von einer knorpeligen Beschaffen-
heit der Furchen.
Das Magenrohr hängt nach unten einfach mit freiem Rande
in die Körperhöhle, indem das Bindegewebe desselben plötzlich
endet und das demselben anliegende Ektoderm an der Umschlag-
stelle ohne Übergangsstadien an die Entodermzellen grenzt; ich
konnte an dieser Stelle keine Muskelfasern mehr unterscheiden
(M. Edwards^) und stimme mit Gosse* darin überein, dass
wenigstens Sagartin hier keinen Sphinkter besitzt.
Die Lippe, die Übergangsstelle der Miindplatte ins Magen-
rohr, hat, wie Längs- und Querschnitte (Fig. 26, 27) beweisen.
1 Nr. 5-, pag. 275.
2 Nr. 1; pag. 231.
3 Nr. 8; pag. 11.
* Nr. 9;p;ig. XVI.
Sagartla troglodiites. 401
keine Museulatur, entgegen M. Edwards, der* eine Art Lippen-
sphinkter der Actinien besclireibt. Indem an der Lippe sich das
Mesoderm zu einem Walle erhebt (Fig-. 2(5, b), verlieren sich so-
wohl die über demselben liegenden Radial-, als die darunter
anhaftenden Ringfasern der Museulatur. Die Falten, welche der
Lippe das gezakte Aussehen verleihen, sind sehr ausgebildet
und rühren von den starken Erhebungen des Mesoderms her,
zwischen welchen die Längsmuskelfasern der Mundplatte noch
auf eine kurze Strecke sich fortsetzen (Fig. 27, m), um endlich
ganz zu verschwinden. Die Quermuskulatur beginnt unter der
Lippe wieder und bildet nun die Ringfaserschichte des Magen-
rohrs. — Das Ektoderra der Lippe ist vom oben besprochenen
des Magenrohrs nur insoferne verschieden, als es eine grosse
Menge Nesselkapseln enthält.
Das Mauerblatt.
Das Mauerblatt ist, wenn auch durch das Bindegewebe in
•directer Verbindung mit der Mundplatte , von dieser hinsichtlich
des Ektoderras und der Anordnung der Museulatur so verschieden,
dass man die zwei Körpertheile streng von einander trennen
kann. Das Mauerblatt besitzt, wenn man von den Septen als
für sichbestehendenAbschnitten absieht, nur eine Ringmusculatur,
die, an seinem oberen Rande beginnend, bis zur Fussplatte ver-
folgt werden kann. Wir betrachten demnach das Mauerblatt als
dort beginnend, wo sich die ersten Ringmuskelbündel zeigen. Es
wird diese Grenze dadurch noch schärfer hervorgehoben, dass
an derselben Stelle das Ektoderm der letzten Tentakelreihe seine
Nesselkapseln verliert und durch das Verschwinden der Inter-
basalsubstauz schon bei oberflächlicher Betrachtung ein ganz
anderes Aussehen erhält (Taf. V, Fig. 31). Wie Längsschnitte
zeigen (Fig. 39), verschwindet gegen die Basis zu die Muscularis
allmälig wieder, so da^s tliggelbe in der Mitte des Thieres am
stärksten entwickelt erscheint und von hier aus nach beiden
Seiten (u. z. nach unten rascher) an Mächtigkeit abnimmt. Diese
Mächtigkeit wird aber nicht durch mehr minder zahlreiche Lagen
von Muskelfasern erreicht, sondern durch grössere oder geringere
' Nr. 8- pag. 9.
20*
402 H V i (l (■ r.
Ausbildung' in der Länge und Verzweigung der einzelnen cigen-
tliümlichen Fiilten, zu weichen die innere Fläeiie des Mesoderius
eriioben ist, und die mit einer einzigen Schichte dicht aneinander
liegender musculöser Fasern bedeckt ist (^Fig. 31, 34, 3't, m).
Zum grossen Theil dürfte diese Verzweigung auf Rechnung der
Contraction des Thieres zu setzen sein 5 nachdem ich aber Unter-
schiede in derselben auch bei anscheinend gleiclimässig zu-
sammengezogenen Sagartien constatiren konnte, halte ich die
Ansicht für nicht unberechtigt, dass im lebenden, ausgestreckten
Thiere die Ringmusculatur in der Mitte des Körpers dadurch
am stärksten entwickelt erscheint, dass sie hier immer zu Quer-
falten erhohen bleibt, welche sich gegen den obern und untern
Rand allmälig abflachen.
Das Ektoderm des Mauerblattes besteht aus Flinunerzellen
und Drüsen. Die Fliniui erzellen (Fig. oG, ol,f) sind schlank,
sehr hoch und reichen durch die ganze Schichte bis auf das
Mesoderm. Sie zeigen einen stark granulirten Inhalt, dessen
oberste Partie von Osmium dunkel gefärbt wird. Der freie,
durch eine scharf markirte Linie ausgezeichnete Rand trägt die
kurzen, in den gehärteten Präparaten starr und borstenförmig
erscheinenden Flimmern. Einen Kern konnte ich in der Zelle
nicht w'ahrnehmen, wenn ich die Fälle, wo einzelne schwach
gefärbte und feiner granulirte rundliche Stellen im Zellplasma
einen solchen andeuteten, unberücksichtigt lasse.
Von Drüsen kann man im Mauerblatt-Ektoderm zweierlei
Formen unterscheiden. Die einen sind zwischen den Flinuner-
zellen gleichmässig vertheilt, in allen Partien der Körperober-
fläche vorhanden (Fig. 35, 36, 37, </); sie haben Keuleuform,
das dünne untere Ende ist bis an die Basis des Ektoderms zu
verfolgen, das obere, breit abgerundete Ende reicht in ver-
schiedene Höhe, meist bis zu den Flimmern und drängt die an-
stehenden Flimmerzelleu blasenartig auseinander. Ihr Inhalt ist
schwach grau gefärljt oder zeigt feine Granulation, in der einzelne
grössere Kügelchen zu sehen sind. — Die zweite Art Drüsen ist
von obiger ganz verschieden. Indem sie in isolirten Gruppen
ohne Beimischung anderer Elemente im Ektoderm des Mauer-
blattes vorkonmien und durch ihre Farblosigkeit das Mesoderm
weisslich durchschimmern lassen, bilden sie jene über die obern
Sayarlin troglodjUc^. 4Uo
Tiwei Drittel des Mauerblattes zerstreuten runden oder ovalen
^elblichweissen Flecke, an denen, als Sa u gvvarzen allgemein
bekannt, meist Pflanzen oder Steinchen, Muscheln etc. haften.
Wenn man eine Sagartia durch Erwärmen des Seewassers, in
dem sie sich befindet^ tödtet, so lässt sich das Ektoderm des
Mauerblattes leicht in Fetzen abstreifen und bleiben nur noch
die fester damit verbundenen Saugwarzen daran haften. Eine
solche mit Osmium oder Alkohol g-ehärtet und untersucht
{Fig. 38) erweist sich als aus zahlreichen parallelen Stäbchen
zusammengesetzt, die, spindelförmig und beiderseits ziemlich
spitz endend, im Innern fein gekörnt erscheinen und so dicht
aneinander gedrängt sind, dass die einzelnen Elemente nur am
Eande des Schnittes, wo sie sich isolirten, deutlich zu sehen
sind. Am vordem Ende derselben konnte icli in Folge der
Feinheit desselben keinen Ausführungsgang entdecken; in An-
betracht der Function dieser Elemente aber glaube ich, einen
solchen wohl voraussetzen, sowie diese als Drüsen ansehen zu
müssen, deren Secret die Eigenschaft besitzt, als Klebestoff fremde
Körper mit dem Mauerblatt fest zu verbinden. Demnach hätte
das Mauerblatt zwei Arten von Drüsen, von denen die eine in
dessen ganzer Ausdehnung zerstreut vorkommend, jenen oft das
ganze Thier einhüllenden Schleim absondert, und die andere,
die Saugwarzen bildende Art, die Fähigkeit besitzt, sich mit
bemerkenswerther Kraft durch ihr Secret an andere Körper zu
kleben. Die Saugwarzen sind durch ihre Färbung gekennzeichnet
und bilden ganz deutlich abgegrenzte Punkte am Mauerblatt ; ich
kann also nicht Gosse beipflichten, der' die ganze Muscularis
des Mauerblattes als netzförmig angeordnet beschreibt und an-
nimmt, dass dessen Maschen zugleich nach aussen als Saug-
warzen wirken, wonach einmal diese, das andere Mal jene
Masche in Thätigkeit trete und jede Stelle der Oberfläche als
Saugwarze funktioniren könnte. Hollard^ und J. Haime'^
haben die Saugwarzen als eine mit zwei Lippen versehene Ver-
tiefung beschrieben und meinen, dass die Anheftung durch
1 Nr. 9; pag. XIII.
2 Nr. 5; pag. 273.
3 Nr. 7; pag. 596.
4()4 11 ei (1 (■ r.
Saugen mittelst Muskelzuges statttiiulet; da jedoch die >Saug'-
wirkniig nach dem Tode nicht aufhört, was nach dieser Er-
klärung- jedenfalls geschehen mlisste, erscheint die Ansicht der
beiden Forscher unhaltbar.
Mit ihrer Basis sitzen die Elemente des Ektodcrms direct
auf dem Mesoderm. Zwischen diesem und dem Ektoderm
bemerkte ich oft eine feine, homogen gefärbte oder doppelt
contourirte helle Linie, die schon von Kölliker* an-
gegebene ß{(S(')7ient niembrant% wobei mir manchmal an sehr
dünnen .Schnitten, besonders an den Saugwarzen, eine feine senk-
rechte Strichelung der Basis der Ektodermzellen auffiel (Fig. 35,
38, st).
Gegen die Fussseheibe zu, nehmen die Flimmerzellen mehr
ab und verwandeln sich die Schleimdrüsen mehr und mehr in
die spindelförmigen Drüsen der Saugwarzen.
Ob die Flimmerzellen am Mauerblatt auch eine Strömung
des umgebenden Wassers erzeugen, kann ich nicht angeben.
Anilinkörnchen blieben meinen Beobachtungen nach ohne Be-
wegung, wenn sie darauffielen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass
die im Verhältniss zur Mundplatte immer stärkere Schleim-
schichte die Bewegungen der Flimmern aufhält oder sehr ver-
langsamt.
Das Bindegewebe des Me so d e rms zeigt in den am meisten
nach innen gelegenen Partien eine dichte, fast homogene
Structur, in der von Faserung meist nichts zu sehen ist und
verwandelt sich gegen das Ektoderm zu, in ein lockeres und aus
deutlichen parallelen Faserzügen bestehendes Gewebe (Fig. 35^
J/). Die innere Schichte ist von zahlreichen kleinen Lücken
durchbrochen, welche sich desto mehr nach aussen verlieren, je
deutlicher die Faserung erscheint. Diese Structur zeigt sieb
durch das ganze Mauerblatt und beginnt die bedeutende Auf-
lockerung der äusseren Schichten schon gleich am oberen Rande.
Die innere Fläche des Mesoderms ist zu den schon bekannten
Falten erhoben und von der Schichte der Quermuskelfasern
bedeckt (Fig. 34, 35, m).
1 Nr. 13; pag. 116.
Sayurtiu liof/lodi/k'ti. 4UÖ
Ot)\volil ich durch das Mauerblatt oft Wasserstrahlen oder
Mesenterialtilainente hervorijuellen sah, war es mir doch nicht
möglich, die hiefür bestinnnten Öft'nung'en am getödteten Thiere
aufzufinden. Selbst als ich das Stück des iMauerblattes, aus dem
ein Mesenterialtilameut hing, ausschnitt und, nachdem es in
Osmium gelegen, zu Flächenschnitten verwendete, in der Hoffnung
im Mesenterialtilamente eine Art Wegweiser zur Auftindung der
Öffnung, durch die es gedrungen, zu besitzen, fand ich, dass
ersteres nur noch an der Oberfläche haftete, also durch die
starke Contraction abgekniffen war, in der Substanz des Mauer-
blattes selbst aber nicht die Spur einer Öffnung, überhaupt in
der ganzen Fläche, auf der früher die Durchbohrung statt-
gefunden hatte, kein Zeichen einer solchen. Ich halte sie desshalb
im Gegensatze zu Gosse, der diese Offnungen i als präformirte
zurComninnication zwischen Körperhöhle und äusserer Umgebung
dienend beschreibt und Cinclides nennt, in Übereinstimmung mit
M. Edwards, wenigstens bei Sagartla, für zufällige, durch die
Druckdifferenz zwischen innen und aussen rein mechanisch
herbeigeführte Berstungen der weichen Körperwand, indem das
nur aus Zellen bestehende Ektoderm und das lockere Binde-
gewebe des Mesoderms schon einem geringen Drucke ebenso
leicht nachgeben und die innen gelagerten Muskelfasern in Form
von Qiierspalten auseinander weichen können, als sie nach
Behebung des Druckes wieder voUkonunen sich aneinander zu
lagern vermögen. Für ein sidches Auseinanderweichen spricht
auch die von Gosse- beschriebene, liderförmige äussere
Mündung dieser Canäle, welche von ihm nur am lebenden Thiere
beobachtet, also nicht weiter histologisch untersucht wurden.
Dort, wo die Septen inseriren, ist der Widerstand der Wandung
jedenfalls grösser und der Druck geiinger, es werden die
Offnungen demnach nur in, den Interseptalräumen entsprechenden
Linien entstehen und kann ich diese Angabe Gosse's nur
bestätigen; wenn die Cinclides meinen Beobachtungen nach auch
nicht so regelmässig in jedem dritten bis vierten Interseptalraum
entstanden, so wäre, wenn dies der Fall sein sollte, auch dieses
iNr. 9;pag. XXVI.
2 Nr. 9 ; pag. XXVII.
406 Heide r.
Factum (liircli die verschiedene Stärke der Septen allenfall.s zu
erklären.
Niemals sah ich eine Öffnung im Bereiche einer durch die
helle Färbung gekennzeichneten Saugvvarze entstehen, welche
Contarini ) mit den Cinciidcs zu identiticiren schien.
Die Fussplatte.
Die Fussplatte oder Basis zeigt auf Schnitten eine Binde-
gewebslage als Fortsetzung des Mesoderms des Mauerblattes,
sowie innen eine Ento-, aussen eine Ektodermlage (Fig. 39).
Muskelfasern konnte ich an der Fussplatte nicht finden. Das
Ektoderm besteht ausnahmslos aus jenen l)ei den Saugwarzen
des Mauerblattes beschriebenen, stäbchenförmigen Drüsenzellen,
welche der äussern Zellenlage der Basis an Schnitten ein quer-
gestreiftes Ansehen verleihen. Fast ganz ebenso beschreibt
Taschenberg- das Ektoderm der Fussplatte von Lucernaria.
Das Secret dieser Drüsen dient zur Anheftung an fremde
Körper. Ich halte diese Erklärung des Kestklebens der Basis,
wie bei den Saugwarzen für angemessener, als wenn man mit
Contarinis und Anderen die Anheftung so auffasst, wie sich
zwei Glasplatten aneinanderhalten oder wenn man dieselbe
als Saugwirkung ansieht, welche durch Muskelzug hervor-
gebracht wird, aber nach dem Tode sofort aufhören müsste,
während das Thier, auch wenn es lange Zeit in Alkohol gelegen,
nur mit grosser Kraftanstrengung von der anhaftenden Muschel-
schale loszulösen ist.
Die Septen-
Die Septen sind dünne, mit Entoderm bedeckte Lamellen,
deren Quer- und Längsschnitte deutlich ihre Zusammensetzung
aus im Allgemeinen in querer Richtung verlaufenden Binde-
gewebsfasern zeigen. Diese gehen aus dem Mesoderm der an-
liegenden Köri)ei\vände hervor, indem sie die Fasern der Ring-
niusculatur durchbrechen (Fig. 22, S); die Septen sind demnach
1 Nr. 2 ; pag. 8.
2 Nr. 19; pag. 33.
3 Nr. 2; png. 11.
Sagartla troylodyti'S. 40 <
in iniiig-er Verbindung mit der Körperwand und können auch als
Fortsetzungen desMesodenns und Eiitoderms derselben betrachtet
werden. Man kann in der Substanz des Septums (Taf. VI,
Fig. 43, S) eine die Milte einnehmende Lage lockern Binde-
gewebes unterscheiden, welches zu beiden Seiten von straffem,
faserigem Gewebe eingeschlossen wird, dessen Fibrillen grössten-
theils horizontal verlaufen. Die ganze Oberfläche des Septums
ist von Entoderm bekleidet, dessen dichtgedrängte, lange und
schmale Zellen (Fig. 45, 46, 47) mit ihren Flimmern den Körper-
inhalt in Bewegung erhalten und in Folge ihrer Zartlieit nur
äusserst schwer vollständig darzustellen sind.
An der Stelle jedes Septums, wo sich dessen Musculatur
befindet, erheben sich als Träger derselben Bindegewebsfalten,
die, gleich von ihrem Ursprünge an verzweigt, endlich zahlreiche
dünne Lamellen bilden, zwischen denen sich die Muskelfasern
befinden. Querschnitte des Septenmuskels liefern demnach bei
schwacher Vergrösserung (Fig. 41, m S) das Bild eines dem
Septum aufsitzenden Strauches, dessen einzelne Zweige, vom
Entoderm der Leibeshöhle bedeckt, in den Interseptalraum ragen.
An Schnitten von in Osmium gehärteten Septen erscheinen die
ovalen Querschnitte der Muskelfasern dunkel, die Bindegewebs-
lamellen hell gefärbt und gibt die eigenthümliche Anordnung
beider Gewebe einer einzelnen Falte bei starker Vergrösserung
(Fig. 43), besonders an deren freiem Ende das Bild einer Ähre,
an der die Querschnitte der Muskelfasern die einzelnen Früchte,
die diese einhüllenden und schief abstehenden feinen Binde-
gewebslamellen die Spelzen darstellen können.
Längsschnitte der Septenmuskel zeigen die parallelen,
mächtigen, bis 0-005 Mm. breiten Fasern, welche manchmal
durch Faltung ihrer ganzen Länge nach quergestreift erscheinen,
indem dünne, helle, mit breitern dunklen Streifen oft sehr regel-
mässig abwechseln. Indessen erkennt man bei genauer Be-
trachtung leicht die Faltung als Ursache der scheinbaren Quer-
streifung (Fig. 48).
Die auf diese Art gebauten Muskel sind schon mit freiem
Auge als vorstehende, längsgestreifte Wülste an jedem Septum
zu erkennen und nehmen sie, wie ich schon aufjings bemerkte,
nur die mittlere Partie der Scheidewand ein; die übrigen Theile
408 11 e i (1 e r
derselben, sowolil gegen den freien Rand, als gegen das Maucr-
blatt zu sind gewöhnlich frei davon. — Der Theil des Septums
/wischen Mauerblatt und eigentlichem ^luskelballen ist übrigens
manchmal auf einer oder beiden Flächen von einer glatten
Schichte von Längsfasern bedeckt, die ich auch -au den Muskeln
rechne, da sie sich an Querschnitten deutlich vom Bindegewebe
abheben (Fig. 3o, m).
Ich fand am Septum selbst nur Längsmusculatur und kann
die Angaben früherer Untersucher nicht bestätigen, welche
mehrere Muskelzüge beschreiben. So nimmt Hollard' vier
Arten streng von einander gesonderter Muskelzüge an jedem
Septum an, M. Edwards- hat an demselben zwei Systeme sich
schief schneidender Längsmuskelfibrillen, Gosse 3 Quer- und
Längsmusculatur angegeben.
Das Entode rm, welches die Oberfläche des Septums über-
zieht, setzt sich auch in die durch die Muskelfalten gebildeten
Vertiefungen fort, so dass die Muskelballen von dessen Zellen
vollständig eingehüllt werden. Durch die starke Contraction des
Thieres bei dessen Zerschneiden, sowie durch die Härtung wird
diese Entoderndage zu einem mehr minder unkenntlichen Brei
verwandelt, der oft, besonders an etwas dickeren Schnitten, die
Deutlichkeit des Bildes bedeutend verringert.
Der freie, in die Körperhöhle und die Interseptalräume
hängende Rand des Septums wird von den sogenannten Mesen-
terialfi la nienten eingenommen. Es sind dies weisse, gerade
bei Saf/artia in grosser Menge vorkommende Schnüre, die, aus
einer Verdickung des Septenrandes hervorgehend, theilweise mit
diesem noch in Verbindung stehen, theils auch durch fort-
gesetztes Wachsthum sich davon ablösend. Schlingen und Knäuel
bilden, die die Körperhöle des contrahirten Thieres ott ganz
ausfüllen. Der grössere Theil des Convoluts der Mesenterial-
filamente eines Septums liegt an dessen unteren Partien, wenn
jenes nach dem Tode des Thieres durch die Schwere nach ab-
1 Nr. 4; pag. 2.
2Nr. 8;pag-. i».
3Nr. 9n)Hg. XIV.
Saguflia troglinhites. 40&
wäits gesunken war, so dass nach oben, gegen den freien
Mag-enrand, meist nnr ein gerade verlaufendes Mesenterial-
filament den Septeurand begrenzt und am Magen mit jenem
selbst endet; dadurch kommt ein Bild zu Stande, wie es Frey
und Leuckarti zuerst geliefert haben, und welches von hier in
andere Arbeiten über Actinien gewandert ist. Dasselbe verleiht
dem an der Basis liegenden Ballen der Mesenterialfilamente das
Ausseben einer Drüse, deren Ausführungsgang längs des Septen-
randes nach aufwärts steigt, um am Magenrohr zu münden.
Eine dem lebenden Thiere entnommene und mit Seewasser
unter dem Mikroskop betrachtete Mesenterialschuur zeigt noch
lange Zeit eine langsame schlängelnde Bewegung; ihre ganze
Oberfläche (Fig. 50) ist mit Flimmerhärchen dicht bedeckt und
kann man während der durch ihre Bewegung erzeugten Drehung
um die Längsachse schon deutlich erkennen, dass nur ein Theil
der Oberfläche in Form eines Längsstreifens mit Nesselkapseln
besetzt ist. Wrgen der geringen Durchsichtigkeit ist es nicht
möglich, am lebenden Mesenterialfilamente dessen innere Sfructur
zu Studiren und hjiben mir erst Schnitte von in Osmium gehärteten
MesenterialschnUren folgende Organisation gezeigt.
Der bindegewebige Theil des Septenrandes theilt sich vorne
in zwei, nach rechts und links ragende verdickte Falten (Fig. 51^
Fb), wodurch am Querschnitt eine T-fcrmige Figur entsteht.
Die auf das Septum selbst senkrecht stehende, dem Querbalken
des T entsprechende Lamelle, bildet die bindegewebige Achse
(Fig. 51, Ah) des Mesenterialfilaments und kann man an dessen
Querschnitt eine rechte und linke, sowie vordere und hintere
Partie unterscheiden, indem letztere die Stelle der Insertion an
das Septum bezeichnet. Das Bindegewebe dieser Achse ist meist
so locker und durchsichtig, dass es erklärlich wird, w^enn einzelne
Untersucher (Hollard, J. Haime, M. Edwards, Gegen-
baur) es nicht gesehen und die Mesenterialschnur für eine hohle
Röhre betrachtet haben. Dass letzteres nicht der Fall sei, hat
übrigens schon Leuckart behauptet, der die Mesenterialfilamente
der Actinien für solide Cylinder erklärte. ^
1 Nr. 3; Taf. 1, Fig-. 1.
■i^v.-d; pag. 11.
410 11 (' i (1 e r.
Die scliarf heii'renzte Achse wird von einem Kpitliel mnliüllt,
welclies, vorne am breitesten und dit; Nesselkapseln enthaltend,
sich, allmälig" etwas niederer werdend, beiderseits inn die ver-
dickten Ränder derselben schläft und an der liintern Seite eine
Furche bildet, aus der, mehr weniger lang', die abgerissene
Bindegewebsfortsetzung hervorragt. Das Mesenterialfilanient hat
demnach im Querschnitt (Fig. 51) die Form einer Niere, an deren
Hilus im lebenden unverletzten Thiere das Septum inserirt (JS).
Das Epithel besteht zum grössten Theil aus einzelligen grob-
granuli 1 ten D r ü s e n z e 1 1 e n , zwischen denen die F 1 i m ni e r-
zellen liegen; ich konnte letztere sehr schwer vollständig dar-
stellen, da sie, wie Isolirungen zeigten (Fig. 52, F), nur an ihrem
freien Rande, der die Flimmern trägt, verbreitert, nach unten
sich sehr bald zu einem feinen Faden verjüngen, der im zu-
sammenhängenden Schnitte entweder durch die granulirten
Drüsen verdeckt wird, oder, wenn sie einen tiefer nach abwärts
reichenden, breiten Zellkörper besitzen, so durchsichtig sind?
dass sie ebenfalls schwer verfolgt werden können. Die Drüsen,
(Fig. 51, 52, d) sitzen unten auf einer, der Interbasalsubstanz
der Mundscheibe sehr ähnlichen granulirten Masse, welche, in
den vorderen Partien am stärksten, zugleich mit dem Niedriger-
werden des Epithels nach beiden Seiten immer schwächer wird
und sich gegen die Furche an der hintern Fläche verliert. In
diese granulirte Substanz geht das untere Ende der Flimmer-
zellen über.
Die beiläufig 4 Fünftel der vordem Fläche des Epithels
einnehmenden Nesselkapseln (Fig. 51, n) bestehen aus
zweierlei Arten. Die eine grössere, 0-04 Mm. lange, zeigt im
noch nicht entladenen Zustande in der Achse den beiläufig
0'025 Mm. langen Achsenkörper (Fig. 53, (i, h, c), unter welchem
dunklere Linien den nur in einigen Windungen geschlängelten
kurzen Faden andeuteten. Meist sieht man diese Nesselkapseln
im Zustande einer theilweisen Ausstülpung, indem aus dem
obern, quer abgestutzten Ende der, im Ganzen ziemlich undurch-
sichtigen Kapsel ein bei 0-01 Mm. langes, cylindrisches Stück
des Achsenkörpers hervorragt, welches nacli oben ebenfalls
quer abgestutzt, eine feine Spitze trägt. Das untere Ende des
Achsenkörpers in der Kapsel sell)st war meist ganz undeutlich
Sayarlid troglodiiies. 411
und sah ich es nur einige Male so konisch erweitert (Fig. 53, n),
wie Mübius es angibt. Den in dieses sieh fortsetzenden Faden
konnte ich mit meinem Instrumente nicht sehen. — Vollständig-
ausgestülpte Nesselkapseln (Fig. 53, d) zeigten den diese um
ein Drittel in der Länge überragenden, durchwegs mit in einer
Spirale angeordneten Härchen besetzten und mit einer feinen
Spitze endigenden Nesselfaden, während die Kapsel nun ganz
hell und durchsichtig erschien. — Die zweite Art von Nessel-
kapseln ist nur 0-03 Mm. lang, sehr schmal und oft etwas
gebogen (Fig. 54), ihr oberes P^nde knopfförmig eingeschnürt.
Über das Innere der unentleerten Kapsel konnte ich nichts
Bestimmtes eruiren, die entleerte Nesselkapsel hat einen zwei- bis
dreimal so langen Schlauch (Fig. 54, c), dessen unteres Drittel
entweder die in Spiraltouren angelegten Härchen, oder nur die
schon bei den Nesselkapseln der Mundplatte erw^ähnte Zeichnung
von abwechselnd hellen und dunklen Feldern zeigt.
Beide, anscheinend in ziemlich gleicher Anzahl vorhandenen
Arten von Nesselkapseln, erscheinen ausschliesslich an der
vordem Fläche des Mesenterialülaments, indem sie, dicht ge-
drängt und beinahe nur Flimmerzellen zwischen sich fassend,
sich scharf von den anliegenden Drüsen abheben ; letztere
scheinen übrigens auch zwischen den Nesselkapseln einzeln vor-
zukommen. Die Nesselkapsel schichte reicht nicht bis an die
granulirte Schichte hinab, sondern befindet sich zwischen dieser
und jener ein Eaum, der längliche, durch Osmium nicht genau
definirte, dunkle Körper enthält, die ich für junge, in der Ent-
wicklung begritfeue Nessel/.ellen halten möchte.
Es war mir ein paar Male gelungen, aus einem, nur von
wenigen Schlingen von Mesenterialfilamenten besetzten Septen-
rande Querschnitte zu erhalten, an denen deutlich die directe
Fortsetzung des Bindegewebes des Septums in die Achse des
Mesenterialfilaments zu verfolgen war. An einem derselben
(^Fig. 49) war der Septenrand in mehrere Lamellen getheilt,
deren jede am freien, aufgewulsteten Rande das für die
Mesenterialfilamente charakteristische Epithel trug, welches sich
gegen das Entoderm des Septums scharf abhob. Ich wage es
nicht, aus diesen wenigen, durch Schnitte von in Alkohol ge-
härteten Septen gewonnenen Bildern schon einen bestimmten
412 H 0 i d e r.
Sclilnss beziig-licli der Entwickliinj;- des Ej)itlicls, besonders nber
der Nesselkapseln der Mesenterialtihunente /u ziehen und möchte
nur erwähnen, dass Bilder, wie Fig. 49, eine Umwandlung dieser
Elemente aus Eutodermzellen vermuthen lassen, so unglaublich
dieser Vorgang vorläufig auch zu sein scheint. — Dass sieh aus
dem Septenrande mehrere Mesenterialfilamente zu gleicher Zeit
neben einander bilden, macht die grosse Anzahl dieser Organe
bei Sagartia erklärbarer.
Den Mesenterialtilamenten wurden alle nur mögliehen
Functionen zugesprochen. Su erklären sie Contarini', Delle
Chiaje, Johns ton, Wagner, Owen für Samencanäle,
Rapp, Cuvier, ]{. Jones und Quatrefages für Eierstöcke,
T e a 1 e , E r d 1 , M. E d w a r d s tu r Gallengefässe, währen d ich
mit Anderen, wie Frey, Leuckard und Schmarda mich der
Ansicht anschliessen zu müssen glaube, dass sie, da Drüsen und
Nesselkapseln sie zusammensetzen, nel)en ihrer Haupttiinction als
Secretionsorgane, auch noch zur Lähmung oder Tödtung der
Beute und allenfalls zur Vertheidigung durch Entsendung nach
aussen dienen. Mit der Anordnung der Drüsen zu runden, langen
Schnüren, wird sowohl die Anzahl derselben und das zu liefernde
Secref bedeutend vermehrt, wie auch die verdauende Ober-
fläche vergrössert, so dass ein in die Körperhöhle gelangtes Thier
von den Filamenten mitteist der Nesselkapseln allseitig umstrickt?
auch von einer grossen Menge Secvets bespült werden wird.
Hollard2 ist ebenfalls geneigt, die Mesenterialfilamente
für Secretionsorgane zu erklären, nur hält er sie für hold. —
Warum Gosse dieselben in zwei Gruppen theilt, ist mir nicht
ganz klar. Er nennt die Mesenterialschnüre, so lange sie nicht
ausgestossen werden, Craspeda, s die ausgesendeten, Äcontia, * in
deren Beschreibung aber ist er gleich undeutlich, d. h. er nimmt
nur unter dem Deckglas zerquetschte Schnüre vor und findet in
beiden Arten bloss ein Gonvolut von Kügelchen, Schleim und
Nesselkapseln. So viel ich ihm entnehme, besteht der Unterschied
< Nr. 2 ; pag. 42, 104.
2 Nr. 5; pag-. 280.
3 Nr. 9; pag. XXIII.
4 Nr. Ibid.; pag. XXIV
Saf/artia frog/odi/tes. 4 1 o
zwischen Crmpedu und Äcontia nur darin, dass erstere an dem
Septenrand noch haftende, letztere auf eine grosse Strecke davon
abgelöste Meseuterialfilaniente sind; es kann demnach jedes
Crdfipediim zu einem Acontium werden. — J. Haime hat bei
einigen Actinien ' dreierlei Mesenterialtilaraente unterschieden,
von denen nur eine Art zur Entsendung nach aussen bestimmt
sein sollte.
Die die Reproduc tion sorgan e erzeugenden Zellen
liegen in der Bindegewebssubstanz der Septen, und zwar in
deren Partie zwischen Muskel und Mesenterialfilamenten. Da ich
die Bearbeitung von Sagartia zu einer Zeit unternahm, wo keine
Spermatozoide erzeugt wurden, bin ich auch nur in der Lage,
die Ovarien genau zu beschreiben. Trotz der Untersuchung zahl-
reicher Sagartien, gelang es mir nändich nie, Samenfäden oder
solche enth altende Zellen zu sehen, woraus ich schliesse, dass
dieselben nur vorübergehend zur Zeit der Geschlechtsreife ge-
bildet werden; dass Snf/artiu troglodytes übrigens Zwitter ist,
dürfte nach den zahlreichen Angaben kaum mehr zweifelhaft
sein (Go sse).~
Wenn man ein einzelnes Septum ausschneidet und unter der
Loupe betrachtet (Fig. 40), so sieht man gegen dessen Rand hin,
an den Längsmuskelballen desselben (niS) mit einer dünnen,
durchsichtigen, nur von Entoderm bedeckten Septenfortsetzung
(iS'), dem sogenannten Mesenterium, geheftet die ovalen, bei-
läufig stecknadelkopfgrossen Geschlechtsorgane (</), welche an
der Fussplatte beginnend und mehr weniger weit aufwärts
reichend, paarweise angeordnet und durch eine röthlichbraune
Farbe leicht zu erkennen sind.
Der vordere Rand derselben ist bedeckt von den Knäueln
der Mesenterialfilamente {Me).
Betrachtet man den Querschnitt eines noch unentwickelten
Ovariums (Fig. 42, 0), so sieht mau dessen Entstehung inner-
halb der Bindegewebsfasern sehr deutlich, indem sich die
Fasern des Septums zu polygonalen Lücken trennen, in denen
1 Nr. 7 ; pag. 597.
2 Nr. 9: n-As:. XXI.
414 H c i <l 0 r.
rimdliclie Zellen liegen. Nach vorne vereinigen sich die Fasern
wieder und gehen in die Mesenterialfilamente über (Me).
Ein entwickeltes Ovarium (Fig. 55) besteht ans einem, zu
S förmiger Krümmung gefalteten Strange von, durch Binde-
gewebs/üge umkleideten, in 2 bis 3 Reihen unregelmässig neben
einander liegenden Eiern. Der Septalrand bildet zwei solcher
Stränge, wodurch die paarweise neben einander liegenden Körper
entstehen (Fig. 40).
Das von einer Bindegewebshülle eingeschlossene Ei f Ol-
li kel (Fig. 56) zeigt bei starker Vergrösserung die mächtige
gelbbraun gefärbte Dottermasse (dt), in welcher, immer excen-
trisch, oft ganz am Rande liegend, sich das circa 0-03 Mni. im
Durchmesser haltende, polyedrische, durch Carmin siel) schön
roth färbende Keimbläschen befindet. Dieses besitzt eine doppelt
contourirte Membram und ein excentrisch gelegenes, stark licht-
brechendes, bis 0-007 Mm. grosses Kernkörperchen.
Die männlichen Genitalorgane sollen nach den An-
gaben Anderer in ihrer Lagerung und Beschaffenheit sich von
den weiblichen, oben besprochenen, höchstens durch eine geringe
Farbendifferenz unterscheiden. An Schnitten erscheinen in den
Bindegewebsräumen statt des Eies die Spermatozoide.
Sagartia troglodifte^. 410
Erklär u n i>- der Tafeln.
Zur mikroskopischen Untersuchung- benutzte ich gTösstentheils ein
Instrument von Winkel; theihveise wurde auch ein Guudlach gebraucht.
Die beigeg'ebeuen, eingekhimnierten Zahlen bezeichnen die lineare Ver.
grösserung.
Tafel I.
Sagartia troglodi/tes in ausgestrecktem Zustande auf Area Noae. Ein
junges Individuum in nat. Grösse.
Tafel II.
ß = Bindegewebe. — El, = Ektoderm. — F = Fussplatte. — G = Genital-
organ. — / = Interseptalraum. u. z. /j ^ der ersten, /, = der zweiten
Ordnung etc. — A' = Körperhöhle. — L = Lippe. — Lk = Lippencanal.
— if = Muskel. — iMn = Mauerblatt. — ßle = Mesenterialfilamente. —
Mg = Magenrohr. — ßlu = Mundplatte. — 5 = Septum, u. z. -S, = der
ersten, S^ = der zweiten Ordnung etc.
Figur 1. Längsschnitt durch eine Sagartia mit einem ersten Cj^klus von
12 Tentakeln, An der linken Seite sind die Mesenterialfilamente
und Genitalorgane weggelassen. Rechts ein Septum ersrerOrdnung,
links solche zweiter bis fünfter Ordnung. Halbschematisch,
r igur '1. Querschnitt in der Höhe von V der Figur 1. \
Figur 3. Querschnitt in der Höhe von A' der Figur 1. f
TT.. , r\ 1 -i-i. • 1 TT-i T 1 171- 1 > Schematisch.
Figur 4. Querschnitt in der Hohe von 1 der Figur 1. /
Figur 5. Querschnitt in der Höhe von Z der Figur 1. j
Figur 6. Querschnitt zwischen Mauerblatt und Magenrohr. Entoderni weg-
gelassen. (1:33).
Figur 7. Mundplatte einer jungen Actinie (1:40;.
Tafel III.
b ^= Bindegewebe des Mesoderms. — c = Cnidocil. — rf^ Drüsenzelle. —
Ek = Ektoderm. — En = Entoderm. — F ^^ Flimmern. — Fs — Zelleu-
fortsatz. — Fz = Flimmerzelle. — i = Interb;isaisubstanz. — / = Längs-
musculatur. — J/ = Mesoderm. - m = Nesselkapsel. — p = Pigment-
körner. — pr := Protoplasmasubstanz. — q t= Quermusculatur.
Figur 8. Ein Theil des Tentakelkranzes von Sagartia troglodytes mit zwei
übermässig verlängerten Tentakeln.
Figur 9. Tentakelrand des lebenden Thieres (l:590j.
Jiiub. d. mathtm.-naturw. Gl. LXXV. Bd. I. Abth. -21
416 II 0 i d e r.
Fig-nr 10. Tentakelspitze einer lebenden jungen Actinio (1:590).
Figur 11. Aus zerzupftem Ektodenn des Tentakels von Sagartiu iroqlo-
djfies. — (t. Nesselzelle einer mit Osmium getödteten jungen
Actinie (1:630). _ />. ebenso (1 : 790). — c. Nesselzelle aus dem
'i'entakel einer Sagartiu tnu/ltidiites (1:590). — d. Leere Nessel-
zelle aus dem Tentakel einer Sagartia troglodytes (1 : 590). —
e bis /. Entwicklungsstadien von Nesselzellen aus dem Tentakel
von Sagartia troglodgtes (1:590).
Figur 12. Drüse aus dem Ektoderm eines mit Osmium behandelten
Tentakels von Sagartia troglodyles. — a = Aust'ühruugsgang,
b = Hals. — (1:590).
Figur 13. Entladene Nesselkapseln aus dem Tentakel. « = Basaltheil des
Fadens mit Härchen- b = derselbe ohne solche (1:790;.
Figur 14. Tentakellängsschnitt einer mit Osmium getödteten jungen
Actinie (1 : 790).
Fi gur 15. Längsmuskelfasern eines mit Osmium gehärteten Tentakels
(1 : 590j.
Figur 16. Stück aus einem mit Osmium gehärteten Tentakel (1:590).
Figur 17. Mesoderm des Tentakelquerschnittes einer mit Osmium ge-
tödteten jungen Actinie. fh = Fortsätze vom Mesoderm aus
(l:79()j.
Figuren 18 und 19. Entoderm vom Tentakel (1:790).
Figur 20. Querschnitt und
Figur 21. Längsschnitt eines mit Osmium gehärteten Tentakels von
Sagartia troglodytes. Wj ^ Entwicklungsstadien von Nesselzellen
(1:590). In beiden Figuren ist der äussere freie Kand durch
Osmium unkenntlich geworden.
Tafel IV.
// = Bindegewebe. — hf = Basalfortsätze der Ektodermzellen. — rf =
Drüse. — £'A- = Ektoderm. — £;« ^ Entoderm. — i^ = Flimmerzelle. —
i := Interbasalsubstanz. — iW = Mesoderm. — m =^ Muskel. — n = Nessel-
kapsel. — p ^ Pigmentkörner. — .S = Septum. ~ z ^ Bindegewebszelle.
Figur 22. Mundplatte. Radialschnitt und
Figur 23. Mundplatte, Querschnitt (1:520). Li beiden Figuren ist der
obere freie Rand durch Osmium so verändert worden, dass
die Flimmern nicht mehr zu erkennen sind.
Fignr 24. Magenrohr, Querschnitt^ hl = blasige Räume zwischen den
Ektodermzellen (1:520).
Figur 25. Magenrohr, Längsschnitt (1:520). — In beiden Präparaten
wurden die Details des äussern freien Randes durch Osmium
theil weise vernichtet.
Figur 26. Lippe, Radialschnitt und
Figur 27. Lippe, Querschnitt (1:150).
Figur 28. Bindegewebe des Magenrohrs, Osmiumpräparat (1:660).
Safffirtiu troff/odi/les. 417
Figur 29. Isolirte Zellen des Ektoderms der Muiidplatte (1:660).
Figur 30. Ektoderm der Mundplatte (1:660).
Tafel y.
h = Bindegewebe. — </ ^ Drüse. — Ek = Ektoderm. — En = Entoderra.
— F = Flinimerzelle. — M = Mesoderm. — m = Muscularis. — 5 = Sep-
tum. — st = Strichelung an der Basis des Ektoderms.
Figur 31, Längsschnitt durch den obern Rand des IMauerblattes. In Folge
uer unregelmässigen, starken ('ontraction des Thieres wurde
das Mauerblatt so verzerrt, dass vom Schnitte auch ein paar
seitlich gelegene Septa getrnfifen erscheinen. Ek T r= Ektoderm
des Tentakels. — Ek Mn = Ektoderm des Mauerblattes (1:260).
Figur 32. Querschnitt durch den obern Rand des Mauerblattes, Alkohol-
präparat; das Entoderm sehr verändert (1:150).
Figur 33. Querschnitt durch das Mauerblatt in halber Höhe des Thieres.
Alkoholpräparat; Entoderm zu einem Brei verwandelt, m S ^=
Muskelbaileu des Septums. — w = einschichtige Lage von
Längsmuskelfasern ausserdem eigentlichen Septenmuskel(l:150 ).
Figur 34. Längsschnitt des Mauerblattes in halber Höhe des Thieres
(1:150).
Figur 35. Längsschnitt des Manerblattes (l:790i.
Figuren 36 und 37. Ektoderm des Mauerblattes. Osraiumpräparat (1 : 790.
Figur 38. Saugwarze des Mauerblattes. Verticalsehnitt (1:660).
Figur 39. Fussplatte, Radialschnitt. Alkoholpräparat (1:150).
Tafel VI.
f/ = Bindegewebe. — d = Drüse. — Ek = Ektoderm. — En = Entoderm.
— /" = Fhmmerzelle. — </ = Genitalorgan. — m = Muskelgewebe. —
Me = Mesenterialfilaiuente. — m S = Muskel des Septums. — n^ Nessel-
kapsel. — 0 = Ovarium. — p ^= Pigmentkörner. — 5 = Septum.
Figur 40. Mesenteriallilamente mit dem Genitalorgan in natürlicher
Lagerung am Rande eines Septums (1:5). — q = Querschnitt
des Septalmuskels. — fyi] = Querschnitt der Genitalorgane. —
5 = die muskelfreie Lamelle des Septums (Mesenterium).
Figur 41. Querschnitt eines Septums. Alkoholpräparat; das Entoderm zu
einer breiigen Masse verändert (1:150).
Figur 42. Querschnitt des freien Randes eines Septums (1:150).
Figur 43. Querschnitt der Muscularis eines Septums. Das Entoderm weg-
gelassen. bf= Bindegewebsfalten (1:630).
Figur 44. Basis der Entodermzellen eines Septums (1: 790).
Figuren 45, 46 und 47. Entoderm der Septen (1:660).
Figur 48. Muskelfasern der Septen; Alkoholpräparat (1:660).
Figur 49. Querschnitt durch den Rand eines Septums (1:310).
Figur 50. Mesenterialtilament, lebend (1 :310).
21 *
H e i d e r. Sngartia troglodytes.
Mcsenterialfilanient, Osniiumpräparat, Querschnitt. Ah = binde-
gewebige Achse. — Fb = seitliche verdickte Falten derselben.
— ft = Insertion der Achse an das Septuni (1 :630).
Ans dem Querschnitte eines Mesenterialfilaments (l:790j.
Grössere Nesselkapseln der Mesonterialtilaraente «, b und c
noch nicht entladen ; d ausgestülpt.
Figur 54. Kleinere Nesselkapseln der Mesenterialfilamente. (Beide Figuren
1 : 790.)
Figur öf). Ovariumquerschnitt. Alkoholpräparat (1:150;.
Figur 56. Eifollikel. dt = Dotter. — k = Keimbläschen. — A' = Fleck
in demselben. (1: 630).
418
F
i g u r
51
1^
i g 11 r
52.
F
igur
53,
Heider: Sa(|ai'lia ti'oijlodytes.
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Gezv-VerflithvOr JKatzmam i,- 1, tr <■ q, * j i ■
IVK.Hut iiütaatsdruckerei.
Silzuiujsb.,l.k.Akad.d.\V.inath.nat.(l.LXXV. Bd.r.Abni.J877.
Iloitlcr: Sai|arli:i li'i)i|lo(lylos.
K.k,Hof-u.SlaalsämckiirBi
Silzum)sb.il.k..Vl;aa.d.W.mani.n;it.n.I.XXA'. Bd.I.Vblh.lSr
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Heidep: Sagaviia iroglo^'tcs.
Taf.lII.
i Fig. 12.
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Gei.TVerf.litiuvDÜ Uoitmann
X.k.Eof-u.Staatsäruckerei.
Sitzungsb.d.k.AIv-ad.d.W.math.nat.Cl. LXXV. Bd.I.Abth. 1877.
Heider : Sagartia U-ojjlodj'les .
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K.k . Hof - u.SualstoclieKi-
Sil'/im(|sh.(l.k.Ak:ul.<l.A\'.matli.nat.('J.LXXV. Bd.I.Abl1i.l877.
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Sil/.unqsli.(l.k.Akail.(l.W.iunl1i.nn1.('l.I.XXV. B<l.l-Ablli.l87
Heider: Siujavlia lrü(|lodytes.
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K.k.Hof-u.Staatsdruckerei
SilÄiiii(|sb.d.k..\lv'ad.(l.W.math.nat .Cl. LXXA'. Bd.I . Ablh. 1877.
419
Arbeiten aus dem zoologisch-vergleichend-anatomisclien
Institute der Universität Wien.
VII. Beobachtungen über Gestaltung und feineren Bau der als
Hoden beschriebenen Lappenorgane des Aals.
(Mit 1 Tafel.)
Von Sig'innud Freud, stud. med.
(Vorgelegt in der Sitzuns am 15. März 1877.)
In den Monaten März und September des Jahres 1876
liabe ich in der zoologischen Station zu Triest auf Anregung
nieines Lehrers, des Herrn Professors Claus, die Geschlechts-
organe des Aals untersucht, über welche einige Zeit vorlier
Dr. Syrski eine zu neuen Untersuchungen anregende Mit-
theilung gemacht hatte. Diejenige Jahreszeit, welche von den
Autoren als die Laichzeit des Aals bezeichnet wird — von
October bis Januar — konnte ich nicht in Triest zubringen.
Herr Professor Claus hat aber in den letztgenannten Monaten
eine grössere Menge von Aalen aus Triest kommen lassen und
sie mir zur Untersuchung im zoologisch - vergleichend - anato-
mischen Institut übergeben. Dafür, wie für die anderweitige
Unterstützung bei der Ausführung dieser Arbeit, sei mir gestattet,
Herrn Prof. Claus aufs Wäimste zu danken.
Ich habe im Ganzen etwa 400 Aale untersucht, die zwischen
200'"'" und 650""Mang waren ; doch betanden sich unter dieser
Anzahl nur wenige Thiere kleiner als 250""" oder grösser als 480""",
denn ich war nicht im Stande mir hinreichend viele winzige
Thierchen zu verschätzen und habe andererseits die Unter-
suchung von Aalen, deren Länge einen halben Meter über-
schritt, bald aufgegeben, weil ich bei keinem dieser grossen
420 FIMMUI.
TliitM-e das von Syrski beschriebene Organ .'luftiuden konnte.
Der Triester Markt bot mir auch die Gelegenheit 36 Exemplare
des Meeraals (Cunr/rr vulgaris) auf ihre Geschleehtsoi'gane zu
untersuchen; es ist inirabernicht geglückt ein dem Syrski'schen
Organe des Aals analoges Organ l)eim Conger aufzufinden.
Dr. Syrski hat in einer Abhandlung „über die Repro-
ductionsorgane der Aale^^ (Sitzungsberichte der Wiener Akademie
Bd. LXIX., I. Abth.) angegeben, dass bei kleinen und mittel-
grossen Aalen anstatt der Ovarien ein paariges Organ gefunden
wird, das aus einer Reihe von Läppchen besteht, und das er für
den lange gesuchten Hoden der Aale erklärte.
Es fehlte aber d e r N a c h weis \ o n S ]> e r m a t o z o e n
und war überhaupt keine Rücksicht auf den histo-
logisch e n Bau der L a p p e n o r g a n e genommen, so dass
die vom Entdecker gegebene Deutung als Hoden durchaus nicht
unanfechtbar zu sein schien. Besonders nahe lag für den Leser
der Syr ski'schen Mittheilung die Vermuthung, dass das Lappen
organ doch nichts anderes als ein moditicirter Eierstock sei.
Es knüpfte sich auch ein so grosses Interesse an die
Frage nach den Geschlechtsorganen des Aals und waren so viele
Bemühungen den Hoden mit Sicherheit nachzuweisen missglüekt.
Wenn ich daher auch nicht erwarten konnte, durch ein-
gehendere Untersuchung Jenes Organs, die seit Jahrhunderten
schwebende Frage in Erledigung zu bringen, so schien es doch
angezeigt, die anatomischen Angaben von Syrski einer Nach-
untersuchung zu unterwerfen und Einiges über den feineren
Bau des Lappenorgans in Erfahrung zu l)ring<n.
Meine Untersuchungen führen mich nun dazu die Angaben
Syrski's fast durchgehends zu bestätigen. Die histologische
Untersuchung des Lappenorgans macht es mir aber nicht möglich,
der Meinung, dass dieses der Hoden des Aals sei, entschieden
beizupflichten oder sie mit sichern Gründen zu widerlegen.
Im Folgenden will ich nun das Lappenorgan nach seinen
anatomischen und histologischen V' erhältnissen beschreiben und
mit dem Ovarium vergleichen. Die anatomische Beschreibung
kann nichts wesentlich Neues zu dem von Syrski Mitgetheilten
hinzufügen.
Beobachtungen über die Lnppenorgane des Aals. 421
Das Laypenorgan des Aals liegt jederseits in dem Winkel,
wo sich dieKückwand der Leibesliöhle mit den Seitenwänden der-
selben vereinigt, in seltenen Fällen ist es weiter medianwärts
gerückt und sitzt dem Peritonialüberzug-e der Schwimmblase
auf. Seine paarigen Antheile ziehen durch die ganze Länge
der Leibeshöhle und erstreckten sich weithinein in die caudale
Fortsetzung- derselben. Das rechte Lappenorgan beginnt etwas
weiter vorne und reicht zur Ausgleichung weniger weit nach
hinten als das linke. Bis zur Aftergegend verlaufen das rechte
und das linke Lappenorgan parallel , von da ab nähern sie sich
einander innner mehr, bis sie im caudaleu Antheil der Leibes-
höhle median neben einander zu liegen konnnen und nur durch
eine dünne Scheidewand, die hinter der Afterötfuung beginnt,
und die caudale Leibeshöhle in zwei Theile theilt, getrennt
werden. Genau die nämliche Lage im Eumpf und im Abdomen
haben auch die beiden gekrausten Blätter, die man seit Rathke
mit Sicherheit als die Ovarien des Aals kennt.
Jedes Lappenorgau besteht aus einem schmalen bandartigen
Streifen und aus den Läppchen, welche dieser an seinem freien
Ende trägt. Die Läppchen sind derb und Aveisslich, die grössten
finden sich im vordersten, die kleinsten im Caudaltheil des
Organs. Die einzelnen Läppchen decken sich manchmal mit
kleinen Partien ihrer anstossenden Flächen; zwischen zwei gut
eutw^ickelte grössere Lappen schiebt sich oft ein kleinerer ver-
kümmerter ein. Der Caudaltheil des Organs besteht nicht mehr
aus einer einfachen, sondern aus einer doppelten Reihe von
Läppchen, von denen die äussere Reihe in der Continuität des
Organs liegt, die innere aber das darstellt, was Syrski p«\s
uccessoria oder pars recurrens genannt hat. Die jffn's accessoria
fehlt oft auf einer oder auf beiden Seiten, häutiger auf der rech-
ten, weil d;is rechte Lapi)enorgan nicht soweit nach hinten als
das linke reicht.
Auch der Eierstock hat eine piirs acces.soria. Im caudaleu
Theil der Leibeshöhle kann zu jedem Blatt des Ovariums ein
zweites inneres Blatt hinzutreten. Man sieht die pars accessoria
des Eierstockes aber nicht so leicht wie die des Lappenorgans,
weil die beiden Blätter des Ovariums an ihren breiten Flächen
mit einander verklebt sind. In seltenen Fällen kann man die
422 Freud.
Doppel blättng:keit des Ovariiinis aiicli in der Leibeshöhle selbst
auffinden.
E i n vv e s e n 1 1 i c h e r U n t e r s c h i e d d e s L a ]) p e n 0 r g- a n s
vom Eierstock liegt darin, d a s s das e r s t e r e der
Wandung eines L ä n g s c a n a 1 s aufsitzt, welcher n u r
/ngleieh mit dem Lappen organ vorkommt und den
weiblichen Aalen immer fehlt. (S y r s k i)
Dieser Längscanal folgt durchaus dem Verlaufe des Lappen-
organs. Er beginnt blind dort, wo jederseits das Lappenori:an
beginnt und reicht mit demselben bis hinter den After. Ich fand
seine Wände jedesmal aufeinander liegen, so dass sein Lumen
geschlossen war, und er keinerlei Inhalt führte. Er steht mittelst
einer dreieckigen Ausbuchtung in der Gegend des Afters in
offener Communication mit der Leibeshöhle, denn man kann ihn
mit Leimmasse füllen, wenn man durch den porus f/enifalis des
unversehrten Thieres injicirt. Syrski erklärt diesen Canal für
das Vns def'erens.
Man kann natürlich nichts Endgiltiges über denselben aus-
sagen, bevor die Natur des Lappenorgans sichergestellt ist,
denn er scheint eine bestimmte Beziehung zum Lappenorgan zu
besitzen. Ich will bemerken, dass ich keine Oetfnungen finden
konnte, die aus den Läppchen in diesen Längscanal führen.
— In Betreff der Angaben über die Einfachheit des porus geni-
talis und das Vorkommen einer >^palte zwischen Mastdarm und
Hals der Harnblase muss ich Syrski beistimmen. Ich habe
mich überzeugt, dass beim Conger diese Verhältnisse die näm-
lichen sind.
Den erwähnten Längscanal konnte ich aber nur bei Thieren
darstellen, wo das Lappenorgan gut entwickelt, die einzelnen
Läppchen breit, weisslich und vollkommen von einander geson-
dert waren. Diesen am meisten vorgeschrittenen Zustand des
Lappenorgans habe ich nur bei den grösseren Aalen etwa von
400'"'" bis 430 ' und zwar häufiger im September und den
folgenden Monaten als im März angetroifen. Währenddes ganzen
Zeitraumes meiner Untersuchungen fand ich aber bei kleineren
Aalen Formen des Lappenorgans, die ich als minder entwickelte
ansehen muss, und bei denen ich mich vergebens bemühte, den
Längscanal aufzufinden.
Beobachtiing-en übor die Lappenorgane der Aals*. 423
Das unentwickelte Lappenorgan ist ein schmales Bändchen,
(las nur sehr selnver in situ 7A\ sehen ist. Die einzelnen Läppchen
sind nicht weisslich^ sondern hyalin- oder röthlichgran von den
reichen Blutgefässnetzen, die sie führen, sie sind ferner dünner
und schmäler als die entwickelten Lappen und lassen zwischen
sich grössere oder kleinere Strecken des ungelappten freien
Eandes des Organs. Je kleiner das ganze Lappenorgan ist, desto
undeutlicher heben sich die einzelnen glashellen Läppchen von
dem freien Rande des Organs ab, desto seichter werden die
Einkerbungen zwischen ihnen ; bei kleinen Aalen von 200" "
sind die Läppchen ganz unkenntlich geworden: der freie Rand
des schmalen Bändehens, als welches das Lappenorgan nun
erscheint, zeigt eine schwach wellige oder gar vollkommen
geradlinige Begrenzung. (Fig. 1.) Im letzteren Falle verdient das
Lappenorgan seinen Namen nicht mehr, es hat sein charak-
teristisches Aussehen eingebüsst und unterscheidet sich wenig
von einem schmalen, undeutlich gekrausten, hyalinen Ovarium,
wie man es bei 200""" grossen Aalen tinden kann.
Das „krausen-' oder manchettenförmige Aussehen des
Eierstocks beruht nämlich auf der Bildung von Querfalten auf
der äusseren von der Leibeshöhle abgekehrten Fläche des
Organs und ist nur der Anfang einer complicirten Falten- und
Nebenfaltenbildung daselbst, die gleichen Schritt mit der Reife
des Organs hält. Wie die Lap])ung des Lappenorgans , so
scheint die Quertaltung des Eierstocks bloss ein Wachsthiims-
vorgang zu sein und einem frühen Zustand des Organs abzu-
gehen.
Obwohl also die kleinsten Ovarien, die man bei Thieren
von 200 findet, immer noch zwei bis drei Mal breiter sind als
die kleinsten ungelappten Formen des Syrski'schen Organs bei
gleich grossen Thieren, so muss man doch zugestehen, dass das
Aussehen des unentwickelten Lappenorgans sich dem eines
ganz unreifen Ovariums so sehr nähert, dass bei der Identität
aller topographischen Verhältnisse beider Organe nur mehr die
histologische Untersuchung entscheiden kann, ob das Lappen-
organ ein Organ sui generis oder eine Modification des Eier-
stocks ist, die sich aus einem sehr frühen Zustand des letzteren
entwickelt.
424 Freud.
Die mikroskopische Untersucliiuig' des Laiijx'iiorgans macht
eine solche Beziehung- zum Ovarium sehr unwahrscheinlich. In
Bezug auf den feineren Bau unterscheidet sich die nngelappte
Form des Syrski'schen Organs nicht wesentlich von den
Formen mit deutlichen^ aber noch schmalen und hyalinen Lappen.
Ich will darum eine der letzteren Formen zum Ausgangsi)unkt
der Beschreibung nehmen.
Das Lappenorgan kehrt eine Fläche derLeibesli»)hle zu, eine
andere liegt der Seitenwand derselben an. Von der ersteren,
der inneren Fläche treten die reichlichen Blutgefässe in das
Organ ein, die sich zu einem capillaren Kranz an dem freien
Bande des Organs auflösen. Auch das wellige Bindegewebe des
Peritonäums rückt auf der inneren Seite weiter gegen den Rand
des Organs vor als auf der äusseren, wo die zelligen F^lemente
freiliegen. Man kann daher beim Lappenorgan, wie beim Ovarium,
das auch seine Gefässe an der Innenseite empfängt und aus-
schliesslich auf seiner äusseren Fläche Falten bildet (daher sich
diese beim reifen Ovarium sammtartig anfühlt), die äussere
Fläche „Keimseite-' und die innere Fläche „Bl utg efäss-
seite" nennen.
Beide Seiten des Lai)iienorgans w^erden bedeckt von einem
Plattenepitelium, das sich in das Peritouealepitel fortsetzt, aber
kleinzelliger und leichter zur Anschauung zu bringen ist als
dieses. Die einzelnen Plattenepitelien sind polygonal, mit grossen
ovalen oder polygonalen Kernen, strecken sich aber an manchen
Stellen und zwar besonders an den Rändern der Läi)pchen und
am angehefteten Rand des Organs in die Länge und ziehen sich
zu Spindelzellen aus. (Fig. 2.)
Auf der äusseren Fläche des Organs sind sie zu eigenthünb?
liehen sternförmigen Figuren angeordnet. Das Epitel des Eier-
stockes ist dem eben beschriebenen sehr ähnlich. Unterhalb des
Epitels tindet sich ein bindegewebiges Maschenwerk, das je
nach der Reife des Organs eine mehr oder minder complicirte
Ausbildung erreicht hat. und in den Lücken dieses Gerüstes
Zellen, die ich als die wesentlichen und charakteristischen
Elemente des Lappenorgans betrachten muss.
Diese Zellen sind, frisch untersucht, ganz durchsichtig, wie
die frischen Eizellen; nach Behandlung- mit Reagentien werden
Beobachtungen über die Lappenorg-ane des Aals. 425
sie granulirt, sie haben einen g-rossen, rundlichen, g-ewöliulieh
sich stärlver imhibirenden Kern , welcher constant ein sehr
dunkles Kernkörperchen zeigt.
Die Zellen selbst sind kleiner als die Eizellen und auch
sonst leicht von diesen zu unterscheiden, sie sind rundlich, wenn
sie einzeln in den Maschen des C4erüstes liegen, dagegen kubisch
wenn sie zu mehreren in einer Gewebslücke beisammen liegen
und sich gegenseitig abge})lattet haben. Für gewöhnlich sind die
Grenzen der Zelle durch scharfe Contouren gegeben, es kommen
aber Zellen vor, denen diese abgehen. (Fig. 3 d.)
Diese Inhaltszellen des Lappenorgans charakterisircn sich
durch mancherlei Eigenschaften als jugendliche und wenig resi-
stente Elemente. Sie sind sehr empfindlich gegen Reagentien,
schwer in unveränderter Form zu conservireu, sie geben auch bei
denselben Methoden nichtdurchwegs dieselben Bilder. Ich konnte
Zellen mit hellen Kernen isoliren, während gewöhnlich die Zell-
kerne ein dichteres Gefüge als der Zellenleib zu haben scheinen.
Mitunter ergaben sich aus kleinen Läppchen Zellen, die wenig
Ähnlichkeit mit der Mehrzahl der Inhaltszellen zu haben schie-
nen. Sie zeigten eme sehr stark glänzende Kerncontour und
anstatt des so charakteristischen dunkeln Kerukörperchens den
Kern erfüllt von einer dunkeln fein granulirten Masse, die noch
durch einen hellen Hof von der Kerncontour geschieden war.
(Fig. 4 a, b.)
Ich glaube nicht, dass diese Zellen eine besondere Art aus-
machen, die man von den anderen Elementen des Lappenorgans
abtrennen sollte; ich vermuthe vielmehr, dass unbemerkt ge-
bliebene Veränderungen in der Stärke der Reagentien und
gewisse Zustände der Zellen, welche die Eigenthümlichkeit
haben die Kerne in Mitleidenschaft zu ziehen und ihr Aussehen
zu verändern, diese abweichenden Bilder hervorgebracht haben.
In ganz kleinen Lappen habe ich einige Male Zellen in
sehr geringer Menge gefunden, welche durch ihre Grösse und
ihr Aussehen, besonders durch einen Kranz von hellen Kügelchen
in der Peripherie des Kernes ganz dieselben Bilder wie mittel-
grosse und kleine Eizellen gaben, (Fig. 4 c.) Ich enthalte mich
einer Deutung- dieser sehr seltenen Elemente.
426 F r e u d.
Die Inlialtszellen liegen, wie erwähnt, in den Lücken eines
bindegewebigen (ilerüstes. Dureli Zerzii])fungen ganz kleiner
Läppchen oder durch die Betrachtung der Partien eines Lappen-
organs, die sich zwischen den Läppchen befinden, kann man
sich überzeugen, dass dieses Gerüste aus Zellen und deren ver-
schieden gestalteten Ausläufern besteht, neben denen dickere
Bindegewebsfasern vorkommen.
Die Zellen tragen die Charaktere von Bindegewebsköri»ern
an sich : sie sind unregelmässig, halbmondförmig, dreikantig,
mitunter sternförmig, gewöhnlich aber spindelförmig, zeigen
einen nicht granulirten, sich stark färbenden Kern, der meist
die Gestalt der Zelle bestimmt und von einem schmalen Saum
umgeben ist, welcher in die faserförmigen, gewöhnlich leisten-
und plattenförmigen Fortsätze ausläuft. Durch diese Leistchen,
die oft absonderlich geformt, geknickt und mit Einlagerungen
von glänzenden kleinen Körpern versehen sind, verbinden sich die
Zellen mit einander und stellen Rahmen — mitunter scheint es,
sogar geschlossene Räume her, — in denen die Inhaltszellen liegen.
(Fig. 4 ./, y, f.)
Von letzteren erhält num oft Bilder, die auf Proliferations-
zustände schliessen lassen. Es ist vielleicht kein Gewicht darauf
zu legen, dass man in den unreifsten Läppchen und gegen den
freien Rand auch etwas grösserer Lai)pen die Inhaltszellen
gewöhnlich einzeln in den Lücken des bindegewebigen Zelhjn-
netzes trifft, dagegen im Innern der kleineren Läjipchen und in
älteren Läppchen überhaupt in einem Maschenraum zwei, drei
oder mehr Inhaltszellen antrifft, die ganz das Ansehen von
Spaltungsproducten tragen. (Fig. 3 a, b.) Man sieht aber auch
oft in einer Lücke anstatt einer einzigen Zelle ein kleines
Häufchen von Kernen im Protoplasma eingebettet, welches keine
Zellgrenzen erkennen lässt, (Fig. 3 c.) und dann andere Stellen,
wo sich um einige dieser Kerne schon Zellgrenzen gebildet
haben, während andere noch frei im Protoplasma liegen. Endlich
ist anzuführen, dass die Inhaltszellen an Grösse ab- und an
Zahl zunehmen, je grösser und reifer das Lappenorgan ist.
Eine solche Proliferation der Inhaltszellen verbunden mit
Wucherung des Gerüstes scheint den Vorgang der Läppchen-
bildung auszumachen. In den kleineren aber gut gesonderten
Beobachtungen über die Lappenorgane des Auls. 427
Lappen sind die Maschenräunie weiter geworden, das Gerüste
zeigt sich derber, aus Platten, dicken Fasern, Spindelzellen be-
stehend, die Inhaltszellen, die keine neuen Charaktere zeigen,
liegen in Haufen beisammen. (Fig. 5 hz). Von der Fläche besehen,
zeigen die Läppchen das facettirte Aussehen, das Svrski
beschrieben hat; die Facetten entsprechen Anhäufungen von
Zellen, die unmittelbar unter dem Epitel liegen, die Scheide-
wände der Facetten entsprechen dem bindegewebigen Gerüste.
Ein frisches Läppchen zeigt sich ausserdem mit Fettkörnehen
erfüllt, die die Zellen oft verdecken können. Ebenso kann das
reiche Blutgefässnetz, dessen Capillaren überall mit den Balken
des Gerüstes verlaufen, die Ansicht der Zellen im frischen
Zustand stören.
Li den grossen, dicken und weisslichen Lappen ist das
Gerüste noch mächtiger geworden und gibt dem Gewebe trotz
seines Zellenreichthums grosse Derbheit und Festigkeit. Vom
freien Rand des Lappens haben sich Dissepimente hinein gebil-
det, die Inhaltszellen sind bedeutend kleiner geworden, sie
liegen nicht mehr unregelmässig durch das Gerüste zerstreut,
sondern haben eigenthümliche Zellstränge entstehen
lassen, welche am Rande des Lappens durch die erwähnten Dis-
sepimente getrennt sind, einen sehr unregelmässigen Verlauf
durch den Lappen nehmen und in dessen Innerem mit einander
vielfach anastomosiren. Ein Lumen schliessen die Zellstränge
nicht ein, sie sind durchaus solide; ob ihnen Schläuche von einer
membruna pnypria ausgekleidet entsprechen : dies zu ent-
scheiden, ist mir nicht geglückt.
Ich zweifle nicht, dass mit der zuletzt beschriebenen Form
die Entwicklung des Lappenorgans nicht abgeschlossen ist,
aber ich kann keine Mittheilung über die weiteren Schicksale
desselben machen, denn es ist mir nicht gelungen, einen reiferen
Zustand des Lappenorgans zu erhalten. Ich bedaure dies umso-
mehr, als unsere jetzigen Kenntnisse vom Lappeuorgan einen
sicheren Ausspruch über dessen Natur nicht zu rechtfertigen
s-cheinen.
Wenn man sich zu orientiren sucht, was sich mit einiger
Wahrscheinlichkeit über das Lappenorgan sagen lässt, so ergibt
sich Folgendes: Die Meinung, dass das Lappenorgan eine Modi-
428 Freud.
fication des Ovarinms ist, welche von einem frühen Entwicklungs-
ziistand des letzteren ausgeht, ist zwar nicht völlig auszii-
schliessen, denn es ist ja nicht g-elnngen nachzuweisen, dass
die erste Anlage beider Organe schon eine verschiedene sei ; sie
ist aber gar nicht wahrscheinlich, denn soweit das Lappenorgan
in seiner Entwicklung zurückverfolgt worden, hat es sich als
diflferent vom unreifen Ovarium erwiesen. Es fehlen auch alle
Übergänge zwischen entwickelten Formen des Lappenorgans
und des Ovariums, vielmehr entwickelt sich das Lappenorgan
zu einem ganz anderen Typus als der Eierstock. Hier werden
die Zellen grösser, ohne wie es scheint, sich zu vermehren,
bleiben in Reihen angeordnet ; dort hingegen proliferiren die
Zellen, werden kleiner und ordnen sich endlich zu anastomo-
sirenden Strängen. Für die Hodennatur des Lappenorgans
spricht der histologische Bau nicht direct, denn ein binde-
gewebiges Gerüste und rundliche Zellen in dessen Maschen,
die proliferiren, sind Restandtheile, welche vielen jugend-
lichen Organen zukommen mögen. Die mikroskopische L^nter-
suchung des Lappenorgans spricht aber auch nicht gegen die
Auffassung, dass das Lappenorgan der Hoden der Aale sei,
denn das Lappenorgau, wie es Syrski bei bis 430'"'" grossen
Aalen gefunden hat, stellt sich als ein unreifes Organ heraus,
und jene Veränderungen der Zellen, welche zur Spermatozoen-
bildung führen, könnten noch bei weiterer Reife auftreten. Die
beständige Proliferation, die Verkleinerung der Zellen und ihre
Anordnung zu Strängen: diese Vorgänge in dem Lappenorgau
des Aals scheinen der Meinung, dass das Lappenorgan der Hoden
sei, die ja von Syrski durch anatomische Gründe gestützt ist,
wenigstens nicht zu widersprechen.
Es würde sich dann thatsächlich so verhalten, wie v. Sie-
bold es in seinem Buch über dieSüsswasserfische Mitteleuropa's
ausgedrückt hat „dass die Aale nicht im Geringsten
für das Fortpflanzungsgeschäf t v orb ereit e t in das
Meer hinaustreten.''
Es wäre dann auch der Ausspruch von Syrski, dass bei
den Aalen Dimorphismus herrsche, indem die Weibchen grösser
seien als die Männchen, einzuschränken; es lässt sich dies
höchstens von den nicht geschlechtsreifen Thieren sagen, denn
Beobachtungen über die Lappenorgane des Aals. 429^
selbst wenn man zugibt, dass das Lappenorgan der Hoden ist^
80 bat docb niemand ein reifes Lappenorgan und ein reifes
Aalmänneben gesehen.
Syrski bat aucb angegeben, dass die Aale, welche das
Lappenorgan besitzen, grosse Augen haben. M. C. Dareste
hat (in einer Mittheihing, die ich aus den Annais nat. History^
Vol. 16, Nr. 96 kenne) hinzugefügt, dass diese kleinen Aale
mit grossen Augen in Frankreich als Varietät pimperneau
unterschieden werden . und dass es von dieser Varietät auch
solche gebe, die Ovarien und kein Lappenoi'gan besitzen,
er hat darauf die Meinung gegründet, dass die Aalvarietät
pimperneau beiderlei Geschlechter besitze und fruchtbar sei,
und dass die anderen Aalvarietäten, die bloss Ovarien haben,
die Eier nicht zur Entwicklung bringen und steril bleiben.
Ich muss gestehen, dass mir die Schlüsse, die Dareste
gezogen hat, wenig zwingend erscheinen. Weder er noch Sy rsk i
liaben, so viel icli weiss, Messungen mitgetheilt, aus denen
hervorgehen würde, dass die Aale mit Lappenorganen grosse
Augen haben. Ich habe in Triest gegen 50 Aale, theils Weibchen,
theis solche mit Lappenorgan, gemessen und niemals gefunden,
dass zwischen dem Vorhandensein oder Fehlen des Lappen -
Organs und der — relativen oder absoluten — Grösse des Auges ein
Zusammenhang bestünde; ich darf also behaupten, dass auch
bei Aalen mit kleinen Augen, die also nicht zur Varietät pimper-
neuu gezählt werden können, das Lappenorgan vorkommt und
damit fällt (iie Unterscheidung der Aale in sterile und frucht-
bare Varietäten.
Um anschaulich zu machen, dass die Grösse der Augen wohl
von anderen Dingen als von der Anwesenheit des Lappenorgans
beeinflusst wird, theile ich die Messungen der Kövperlänge des
Kopfes und des horizontalen Durchmessers des Auges von drei
Aalen mit, die alle drei das Lappenorgan besassen und alle gewisse
sehr auffallende ^lerkmale, ^ mit einander gemein hatten.
1 Diese Merkmale sind: 8ehr dunkle, ius Grünliche oder Bläuliche
spielende Färbung des Rückens, tief schwarze Brustflossen, wenig steiler,
geradliniger Abfall des Kopfes zur «chnauze, grosse Deutlichkeit der
Seitenporen amKopfe. Ich habe auch Aale von solchem Aussehen gefunden.,
die Ovarien hatten.
480 B^reiicl.
A H ('
Körperliin-e 350 390 430'""
Von der Sclinauzenspitze bis zum Kienienloch 42 47 42
Horizontaler Diirclnnesser des Auges ... 8 9 6
Das Thier C hatte also trotz seiner bedeutenden Körj)er-
läng-e relativ r- ', 'iSolut kleine Augen und zwar relativ kleinere
Augen als die meisten Aahveibohen.
Dareste bat allerdings auch seine Untersclicidung der
Aale in grossäugige fruchtbare und kleinäugige sterile darauf
basirt, dass die ersteren, die pimperneau, sich nur an den
Flussmündungen aufhalten, während die letzteren in die Flüsse
selbst aufsteigen. Ich habe über die Thatsache selbst keine
Erfahrung, möchte es aber für gewagt halten, Unterscheidungen
von Varietäten auf Verhältnisse wie Körperlänge, Aufenthalt
und Dimensionen des Auges zu gründen, welche theiis mit dem
Alter, theiis individuell und physiologisch variiren können.
V'i'oml : rbei' das Syrsldsche Organ et(\
Kit}. 1.
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^."k.Hof-Ti StaatsirucKei'
Sil/.inujsb.d.k.Akad.fl.W.inntli.nnt.Cl. hXXV. Bd.r.Ablli. 187
Beobachtuug-en über die Lappenoigane des Aals. 431
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 1. Die hauptsächlichsten Formen des Lappen org-ans. Schematische
Zeichnung.
A Lappenluses Organ.
B Organ mit schmalen hyalinen Läppchen.
C Entwickeltes Lappenorgan.
Fig. 2. Epitelien des Lappenorgans isolirt aus Müller'scher Flüssigkeit.
jj. E. polygonales Epitel.
sp. E. Spindelzellen-Epitel.
Fig. 3. Inhaltszellen und Bindegeweoskörper des Lappenorgans isolirt
aus Müller'scher Flüssigkeit. Vergrössert gezeichnet nach Ha r t n. Yg,
a drei Inhaltszelleu
h zwei Zellen von Bindegewebskörpern umringt.
c Kerne in feinkörnigem Protoplasma von Bindegewebskörpern
eingeschlossen.
d zwei Bindegewi^bskörper miteinander verbunden, deren leisten-
förmige Fortsätze eine Zelle einrahmen.
e ßindegewebszelle mit grossem Protoplasmasaum,
/■ Bindegewebszelle mit ringförmiger Leiste.
g Bindegewebskörper mit leistenförmigem Fortsatz.
k Ungewöhnliche Form der Verbindung zweier Bindegewebs-
körper durch ein geknicktes Leistchen.
Fig. 4. Ungewöhnliche Zellen aus einem kleinen Lappen, a und b isolirt
aus Müller'scher Flüssigkeit, c isolirt aus Überosmiumsäure. Die
Zellen von spindelförmigen Körpern umgeben.
Fig. 5. Ansicht eines Stückchen vom freien Rande des Lappenorgans
zwischen zwei kleinen Läppchen.
sp. Spindelzellen.
b. Bindegewebskörper.
z. Zellen des Lappenorgans.
hz. Zellen des Lappenorgans in Hänfehen angeordnet.
^jfZb. d. inathem.-naturw. C). LXXV. Bd. I. Abth.
22
432
XI SITZUNG VOM 26. APRIL 1877.
Das c. M. Herr Prof. Ad. Lieben übersendet eine In
seinem Laboratorium ausg-efiiln-te Arbeit des Herrn Dr. Z. H.
Skraup: „Zur Kenntniss der Eisencyanverbindungen", welche
das 8uperferrideyankaliiim zum Gegenstande hat.
Herr Prof. Rieh. Maly in Graz übersendet eine Abhand-
lung, betitelt: „Über ein neues Derivat des Sulfoharnstoflfes :
Die Sulfh y da ntoYn säure oder Sulfoearbamide ssig-
säure*^.
Das w. M. Herr Prof. Vikt. v. Lang legt eine Abhandlung
vor, betitelt: ..Theorie der Circularpolarisation", in welcher die
vom Verfasser vor Kurzem gegebene Theorie der Doppelbrechung
auch auf circularpolarisirende Medien ausgedehnt wird.
Das w. M, Herr Director v. Littrow theilt mit, dass der
kais. Akademie von Herrn E. Block in Odessa am 20. April
nachträglich (siehe Anzeiger vom 19. April) folgendes Tele-
gramm :
„Komet 10. April ungefähr 00900 03807, der Ort ist nur
durch Alignement eingetragen",
als von hier aus am 20. telegraphisch verlangte Ergänzung einer
brieflichen Notiz des Herrn Block vom 17. April zuging, wonach
er am 10. April nahe an 7 Cassiopeae einen bei Herschel nicht
vorkommenden Nebel in den Dien'schen Atlas einzeichnete und
erst am 16. bestimmt als Kometen erkannte.
Das w. M. Herr Prof. E. Suess legt eine Abhandlung des
Dr. A. Bittner vor, betitelt: „Über Phymutocarcinus speciosus
Keuss".
Herr Prof. Toula überreicht als weitere Mittheilung über
seine, im Auftrage der hohen kaiserl. Akademie unternommenen
geologischen Untersuchungen im westlichen Theile des Balkan,
433
eine Abhandlung- unter dem Titel: „Ein geologisches Profil von
Osmanieh am Arcer, über den Sveti Nikola -B alkan, nach
Ak-Palanka an der Nisava."
An Druckschriften wurden vorgelegt;
Academie Royale de Relgique: Bulletin. 46" annee, 2' serie,
tome 43. Nr. 2. Bruxelles, 1877; 8".
Akademie, k. k. der bildenden Künste : Geschichte. Festschrift
zur Eröffnung des neuen Akademie - Gebäudes von Carl
V. Lützow. Wien, 1877; 4'^.
Akademija Jugoslavenska znanosti i umjetnosti: Rad. Knjiga
XXXVIII. U Zagrebu 1877 ; 8^
Annales des mines. VIP Serie. Tome X. 5' Livraison. Paris,
1876; 8".
Anstalt, königl. ungar. geologische: Mittheilungen aus dem
Jahrbuche. VI. Band, 3. Heft. Budapest, 1876; 8'^.
A potheker- Verein, allgem. österr. : Zeitschrift (nebst An-
zeigen-Blatt). 15. Jahrgang Nr. 8—12. Wien, 1877; 4».
Eartoli Adolfo : Sulla seusibilitä dell' Occhio. Pisa, 1876; 8**.
— Spiegazione di aleuni fatti relativ! alla teoria del Magne-
tismo di rotazione. Pisa, 1875; 8**.
Bibliotheque Universelle et Revue Suisse: Archives des
Sciences physiques et naturelles. N. P. Tome LVIII. Nr. 231.
Geneve, Lausanne, Paris, 1877; S^.
Bolroni, Pompeo Dr.: Sul Cholera con riguardo speciale dell'
Igiene publica e Polizia sanitaria, Padova, 1877; 8'\
Burmeister, H. Dr.: Description physique de la Republique
Argentine. Tome I et IL Paris, 1876; 8'\
Comptes rendus des seances de 1' Academie des Sciences.
Tome LXXXIV. Nr. 15. Paris, 1877; 4^
D'Arbois de Jubainville: Les premiers Habitants de l'Europe.
Paris, 1877; 8^
Gesellschaft, gelehrte estnische zuDorpat: Sitzungsberichte.
1876. Dorpat, 1876; 12^
— königl. der Wissenschaften und der G. A. Universität zu
Göttingen: Nachrichten. Nr. 1—9. Göttingen, 1877; 12".
— k. k. geographische, in Wien: Mittheilungen. Band XX
(neuer Folge X), Nr. 3. Wien, 1877; 8*>.
22 *
434
Halle, Universität: Akademische Gelegenlieitsschritteii pro J876>
Halle, 1876; 40 & 8".
Marburg, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften pro-
1875/6. 4« & 8».
Ministere de Tlnstniction publique et des Beaux Arts: Rap-
ports sur le Service des Archives, de la Bibliotheque Natio-
nale et des Missions pendant l'annee 1876. Paris, 1876; 4".
Inventaire general et methodique desManuscrits fran^ais de
la Bibliotheque Nationale par Leopold Delisle. Tome I.
Theologie. Paris, 1876; 4».
National- Museum, ungarisches /u Budapest: Termeszetrajzi
füzetek. I. Band, 1. Heft. Budapest, 1877; S^.
Nature. Nr. 390. Vol. XV. London, 1877; 4^
„Revue politique et litteraire'* et „Revue scientifique de la
France et deTEtranger". VP Annee, 2^ .Serie, Nr. 43. Paris,^
1877; 4^
Societe geologique de France: Bulletin, o^ Serie. Tome V%
Nr. 2. Paris, 1877; 8".
— mathematique de France: Bulletin. Tome V, Nr. 2. Paris,
1877 ; 8^
Verein für Landeskunde von Nieder-Osterreich: Blätter. Neue
Folge. X. Jahrgang. Nr. 1—12. Wien, 1876; 8«. — Topo-
graphie von Nieder-Osterreich. H. Band, 1. u. 2. Heft. Wien,
1876; 4«^.
— der cechischen Chemiker : Listy Chemicke. L Jahrgang, 1877.
Nr. 5—7. Prag, 1877; 8".
— militär - wissenschaftlicher in Wien: Organ. XIV. Band..
Separat-Beilage zum 1. Hefte. Wien, 1877; 8". — XIV. Bd.,
2. u. 3. Heft. Wien, 1877; 8*^.
Wiener Medizin. Wochenschrift. XXVII. Jahrgang, Nr. 16.
Wien, 1877; 4«.
435
Über Phymatocarcinus speciosus Reuss.
Von Alexander Bittner.
(Mit 1 Tafel.)
Unter voranstehendem Namen wurde von Professor Reuss
im LXIII. Bande der Sitzungsberichte der k. Akademie der
Wissenschaften, I. Abtheiiung-, Jahrgang 1871 ein sehr schön
erhaltener Cephalotborax eines knrzschwänzigen Krebses
Ijeschrieben, welcheraus demLeithakalkconglomerate des Rauck-
stallbrunngrabens bei Baden stammte. Dieses Stück, Privateig:en-
■thum des Herrn Gonvers in Wien, war bisher ein Unicum
geblieben, nicht nur in seiner Art, sondern was die g-esammte
Brachyurenfauna der sonst an Organismen aller Ordnungen so
reichen österreichischen Miocänablagerungen anbelangt. Vor
kurzem jedoch hatte Herr Professor Dr. Rudolf Hörn es in Graz
die Freundlichkeit, mir mehrere Brachyurenreste aus dem
Leithakalke von Gamlitz in Steiermark zur Bestimmung zu über-
geben und es stellte sich heraus, dass dieselben mit der Krabbe
von Baden identisch seien. Es ist dieser Umstand wohl von
einigem Interesse, denn er zeigt, dass Phymatocnrcinus speciosus
Reuss, der erste und einzige aus dem Wiener Becken bekannte
Brachyure, auch wohl noch an anderen Localitäten in den alters-
gleichen Schichten zu erwarten und ein recht häufiger Bewohner
•des miocänen Meeres gewesen sein möge. Da diese Art nun in
Gamlitz gar nicht selten vorzukommen scheint und die heute
vorliegenden Stücke eine ziemlich wesentliche Ergänzung zu der
Reuss'schen Darstellung zu liefern im Stande sind, so möge
es gestattet sein, etwas näher auf ihre Beschreibung einzu-
gehen.
Was zunächst das Gestein anbelangt, in welchem die
Garalitzer Krabben eingebettet sind, so ist dasselbe von mehr
mergeliger als kalkiger Beschaftenheit und wird von zahlreichen
436 Bittner.
Nulliporentriininiern erfüllt. Es gehenabevleidcrso viele Kluft- und
Rutsclifläclien durch dasselbe, dass grössere organische Reste
gewiss sehr schwer in vollständiger Erhaltung daraus zu gewinnen
sind. Daher kommt es auch, dass die Krabben, die an dieser
Localität durchaus nicht selten zu sein scheinen, mehr oder
weniger fragmentarisch oder doch verschoben und verdrückt
erscheinen. Einzelne Sclieerenglieder sind häutiger und zwar
solche von mehreren Arten. Schon Professor Reuss erwähnt
1. c. pag. 1 Bruchstücke von Scheerentingern, die dem Gen.
Scylla Deh. angehören mögen, aus dem Leithakalke von Gam-
litz und pag. 2 von ebendaher einen sehr schadhaften Cephalo-
thorax, der sich in der Sammlung des Hof-Mineralien-Kabinets
befindet und (nach seiner völlig glatten Oberfläche, seinem un-
gezähnten Vorderseitenrande, an dem nur eine Abbruchsteile
eines Zahns oder Höckers, da wo er mit dem Hinterseitenrande
zusammenstösst, bemerkbar ist, und der ganzen Gestalt zu
urtheilen) wohl einem Carpilius angehört haben möchte. Auch;
kleinere Portunidenscheeren i liegen in derselben Sammlung,
sowohl von Gamlitz als von Pols bei Wildon. Ferner befindet
sich ebenda ein Stück sandigen Tegels von St. Florian, auf
welchem ein von der Schale entblösster Cephalothorax eines
Catometopen liegt, der unzweifelhaft dem Gen. yiacrophfhnbnus
zuzuzählen sein dürfte. Endlich fand sich beim Herauspräpariren
der hier zu beschreibenden Phymatocarcinusreste ein sehr kleiner
nur 3 Mm. laiiger Cephalothorax, der, nach Gestalt und Lobu-
lirung, einer Art aus dem Gen. Titunocdrcinus A. Edw. zuzu-
schreiben ist.
So wenig auch diese Reste zu einer genaueren Determi-
niruiig und Beschreibung zu verwenden sind, so zeigen sie doch,
dass auch für die Kunde der brachyuren Krebse in unseren
Miocäuablagerungen mit der Zeit etwas zu erwarten sein
wird.
Um nun zur Beschreibung der Phymatocarcinusreste übeV-
zugehen, so sei gleich hier erwähnt, dass das von Professor Reuss
beschriebene Exemplar nur ein Steinkern ist, eine Tliatsache,
1 Im JahrbiK'lie dei geol. Reiclis*;iii8t;ilt 1860, Verh\ pag. 139 er-
wähnt .Stäche einer Liipoa-artigen Krabbe von Tscbatesoh in Kraiu.
über Phyiiiai.ocarviniis speciosus Henss. 4b7
deren Erwähnung man in der Reuss'schen Beschreibung ver-
misst. Würde man nur ein Schalenexeniplar mit der R e u s s'schen
Abbildung zu vergleichen haben, so wäre es wohl sehr gewagt,
die Identität beider behaupten zu wollen, da aber unter dem
mir vorliegenden Materiale ausser einem mit völlig unversehrter
Schale erhaltenen Individuum noch zwei andere sich befanden,
welche nur theilweise noch die Schale besassen, und ich ander-
seits durch die Zuvorkommeniieit des Herrn Gonvers Gelegen-
heit hatte, das Reuss'sche Original vergleichen zu können, so
musste jeder Zweifel an der Identität des Gamlitzer und Badener
Vorkommens schwinden.
Der Kopfbrustschild ist sehr breit, in transversaler Rich-
tung ziemlich flach, in longitudinaler Richtung dagegen um sehr
viel stärker gewölbt, insbesondere aber im vorderen Drittel
ausserordentlich stark herabgebogen, die Stirn- und Leber-
gegend daher steil abschüssig. Die Vorderseitenränder mit-
sammt der Stirn bilden einen Bogen, der mehr als die Hälfte
einer Ellipse beträgt, die Stirn selbst ist ziemlich breit, sie
nimmt fast den fünften Theil jenes Bogens ein ; ihre Mitte ver-
längert sich in zwei stumpfe Lappen, die durch eine ziemlich
breite und flache Rinne getrennt werden. Gegen die Augen-
höhlen hin tritt der Stirnraud zurück und die Innern Orbital-
winkel springen kaum vor. Der Supraorbitalrand bildet einen
vollkommenen Halbkreis und ist wulstig aufgetrieben. Deutliche
Einschnitte besitzt er nicht. Die Augenhöhle selbst (im Lichten
gemessen) erreicht kaum mehr als ein Drittel der Stirnbreite.
Die Vorderseitenränder erreichen eine Länge, auf welche sich
(vom Extraorbitalvvinkel an gerechnet) die Stirnbreite genau
zweimal auftragen lässt. Die Hinterseitenränder sind nur halb
so lang als die Vorderseitenränder und stark concav. Der
Hinterrand ist fast völlig geradlinig und gleicht an Länge dem
Hiuterseitenrande. Es folgen hier die genaueren Maasse des mit
der Schale erhaltenen (zugleich des grössten) Exemplares:i
» Da ein Vergleich der Reuss'schen Maasse zeigt, dass diese und
die hier gegebenen differiren, so erlaube ich mir die von Reu ss gegebenen
nach dem Originale zu corrigiren. Bei diesem beträgt:
(rrösste Breite 35 Mm.
488
B i t t II
Orösste Breite (am drittletzten Seiteiiraiidzahne
gemessen) 41 Mm.
Stirnhreite (zwischen den Infraorbitalwinkeln) . 1 1 r
Durchmesser der Augenhöhle -* r
Breite des Cephalothorax zwischen den beiden
letzten Vorderseitenrandzähnen .... 32 ,,
Hinterrand 12
Länge des Cephalothorax 27 „
Verhältniss der Länge zur Breite 1 : 1-52 ,,
Die ganze Oberfläche des Cephalothorax ist mit gerun-
deten bis halbkugeligen Erhöhungen bedeckt und zwar so, dass
jede der deutlich und scharf begrenzten Regionen deren mehrere
grössere besitzt, an und zwischen welche sich fast allseitig
kleinere anlegen, so dass die ganze Oberfläche von Furchen
und vertieften Linien durchzogen ist, wie von ebensovielen
Schnittlinien sich gegenseitig durchdringender grösserer und
kleinerer Kugelsegmente. Die Anordnung der hauptsächlichsten
dieser Höcker ist folgende:
Das Stirnfeld besitzt deren vier von flacher, wenig her-
vortretender (xcstalt, von denen die äusseren am Stirnrande
selbst neben den Orbitalwinkeln, die inneren aber ein wenig
weiter nach rückwärts, zu beiden Seiten der breiten Stirnfurche
liegen, welche Furche selbst zwischen jenen Höckern zwei
hintereinander stehende kaum merkbare unpaare Hervorragungen
(im Steinkerne sind sie deutlicher) zeigt. Hinter diesem Frontal-
felde liegt eine sehr deutlich hervortretende Furche oder Rinne,
die sich beiderseits in derselben Breite fortsetzt und dergestalt
einen gleich breiten Zwischenraum zwischen dem Fronto-Orbital-
und Anterolateralrande einer- und der Scheibe des Schildes
andererseits herstellt. Aber auch diese Rinne ist nicht glatt und
Läag-e 23 Mm.
Stirnbreite 9-5 „
Durchmesser der Orbita . . 3-r>7 „
Läiiffedes Hinterraiuies . . 1(»
Die abweichende Angabe der Augenhöhlenbreite bei Reiiss (6 Mm.)
beruht auf der Undeutlichkeit der Erhaltung des Originals in dieser Ge-
gend; die falsche Angabe der Länge (IS-j Mm.) kann nur einem Irrthum
zugeschrieben werden.
über I'/iipnatocorciniis speciofUts Reuss. 439
eben, sondern wird von einer Anzahl kleinerer Wölbnng'en er-
füllt, die gegen die Stirn- und Augenreg'ion in einf:ieher Reihe
stehen und als Dependenzen der Seheibenhöcker anzusehen sind,
während sie in der Seitenrandgegend zweireihig angeordnet er-
seheinen und zum Theil als Satelliten der Seitenrandzähne, zum
Theil als solche der Scheibenhöcker gelten müssen. Daraus geht
von selbst hervor, wo der tiefste Theil dieser Rinne verläuft.
Die Gastralregion zeigt zunächst hinter den Stirnhöckern
zu beiden Seiten der Mittelfurche eine sehr starke Hervorragung,
die wohl als dem Epigastralfelde entsprechend zu deuten sein
wird (Reuss sieht darin den Postfrontalhöcker); daran schliesst
sich rückwärts und seitlich das grosse scharf umgrenzte Proto-
gastralfeld, durch eine Längsfurche in zwei rückwärts etwas cou-
vergirende Kücken getheilt, deren jeder vier grosse Höcker
trägt, um welche sich einige kleinere in den Furchen selbst
liegende finden. Zwischen den beiderseitigen Protogastralfeldern,
bis zum hinteren VAide der Epigastralia reichend, schiebt sich
die lange spitze Zunge des Mesogastralfeldes ein, die sich hinter
der Protogastralregion zu einer unregelmässig fünfeckigen Figur
erweitert. Die Mesogastralzunge besitzt vier Höcker in einer
Längslinie, die beiden vorderen sehr klein, der dritte grösser,
der vierte am grössten und zwischen diesem und dem dritten
noch zwei sehr kleine flache Wölbungen nebeneinander. Dann
folgt an der Stelle, wo die Zunge sich in das eigentliche Meso-
gastralfeldverbreitert,eine flacheRinne und in dieser vier schwache
Hervorragungen in Querreihe und hinter dieser wohl auch noch
eine fünfte unpaare. Hierauf folgen die nebeneinander stehenden
zwei breiten und flachen Mesogastralhöcker, selbst wieder unter-
abgetheilt, und hinter ihnen abermals eine Furche, in welcher
man in querer Richtung sechs schwache Höckerchen
bemerkt, von denen die beiden mittleren etwas grösser sind.
Diese Furche mnss als die Abgrenzung gegen die Urogastral-
region angesehen werden, welche vorn zwei grössere seitliche
und zwis hen diesen zwei kleinere unpaare, nach rückwärts
aber in der Gastrocardiacalfurche eine aus 5 — 6 sehr schwachen
Erhebungen gebildete Querreihe besitzt. Die von Reuss ange-
gebenen beiden nach vorn gerichteten Poren seitlich vor dem
vordersten unpaaren Höcker des Urogastralfeldes zeigen die
44U Bittner.
nanilitzer Steinkerne ebenfalls. Dass dieselben nic.lit dureli das
Aiisl'allen vorhanden gewesener Borsteniiaare entstanden sein
können, ist klar; aber diese Vermutliung Reuss' lässt wohl dar-
auf schliesson, dass er den ihm vorliegenden Rest keineswegs
für einen blossen .Steinkern erkannt habe. Diese beiden poren-
artigen Eindrüeke, welche man auf der Oberfläche fast eines
jeden Brachyurencephalothorax deutlich wahrnehmen kann, sind
oifenbar nichts anderes als die äusseren Andeutungen von Vor-
sprüngen der festen Schale, die im Inneren den Mandibular-
muskeln zum Ansätze dienen.
Die Hepaticalregion theilt sich wieder in drei verschiedene
Felder, ein inneres mit zwei Höckern, ein von diesem durch eine
breite Furche getrenntes äusseres mit einem grossen Höcker,
hinter dem noch ein weit kleinerer steht, und ein vorderes Feld,
welches von dem inneren nicht scharf getrennt ist, mit nur einem
Höcker. (Reuss scheint diesen vorderen Hepaticalhöcker gänz-
lich übersehen zu haben.)
Die Branchialgegend ist sowohl von der Leber- und Proto-
gastral-, als von der Meso- und Cardiacalgegend durch eine
sehr stark ausgeprägte Furche geschieden, die insbesonders da
wo sie aus der transversalen in die longitudinale Richtung um-
biegt, also an der Spitze der Protogastralloben, sehr breit und
tief wird. An dieser dreieckig erweiterten Stelle steht in ihrer
Tiefe selbst ein ganz schwaches Höckerchen. Nicht so deutlich
ist die Scheidelinie zwischen der vorderen und der hinteren
Branchialgegend ausgedrückt. Als die Grenze dieser beiden Re-
gionen muss man eine Furche betrachten, welche als directe
Fortsetzung der Gastrocardiacalfurche in mehrfacher Bogen-
krümmung nach Aussen verläuft. Die vordere Branchialgegend
zerfällt ihrerseits wieder in drei Felder, von denen das äusserste
zwei sehr grosse, den benachbarten Seitenrand/.ähnen entspre-
chende, das mittlere drei ebenfalls sehr grosse im Dreieck ge-
stellte und das innerste drei etwas kleinere Höcker besitzt; von
diesen drei letztgenannten ist insbesondere der vorderste stark
abgetheilt, so dass er wie aus zwei Erhebungen zusammenge-
setzt erscheint. Das mittlere und innere Anterobranchialfeld sind
durch eine Rinne getrennt, welche ganz geradlinig von der hin-
teren Spitze der Protogastralregion zum letzten Seiteurandzahne
über P/ii/iiuitoctircinKs speciosus Rens s. 441
verläuft und besonders in ihrer vorderen Hälfte scharf hervor-
tritt, während sie innerhalb der hinteren Branchialregion an
Deutlichkeit verliert. Nach aussen von dieser Furche besitzt die
Posterobranchialgegend nur mehr einen Höcker, nach innen da-
geg:en (abgesehen von den Randhöckern) noch acht, und zwar
sämmtlich von geringerer Grösse und derart in zwei g'leichge-
staltete, gleichgrosse und fast gleichschenkelige Dreiecke ge-
ordnet, dass zwei solche Höcker die Basis, einer die Mitte und
einer die Spitze je eines dieser Dreiecke bilden, und dass die
Spitze* des äusseren von beiden gerade nach aussen, die des
inneren aber gerade nach vorn gekehrt ist.
Die Cardiacalregion bildet ein ziemlich gleichseitiges Drei-
eck mit nach rückwärts gewendeter Spitze, welches von neun
bis eilf Höckern geringerer Grösse dergestalt bedeckt ist, dass
vier davon die vordere Seite, zwei dicht nebeneinander stehende
die Spitze, einer die Mitte und vier, von denen die beiden hinteren
sehr schwach entwickelt sein können, den noch übrigen Raum
der Seiten einnehmen. Eine tiefe Grube schliesst diese vordere
Herzgegend ab, jenseits welcher die Bianchiocardiacalfurchen
abermals weit auseinander treten, so dass aus einer Reihe von
sieben Höckern, die fast geradlinig ein kurzes Stück von dem
Hinterrande auftreten, die drei mittelsten zwischen beide Fur-
chen zu liegen kommen, und also der Metacardiacalregion ange-
hören, die sich weiter nach rückwärts über die gesammte Breite
des Hinterrandes erstreckt. Es folgt aber vordem eine Furche,
und dann erst der mit einer aus circa zwölf kleinen Höckerchen
gebildeten Leiste verzierte Hinterrand.
Zwischen dem äusseren Höcker der vorletzten Reihe und
dem letzten Vorderseitenrandzahne zählt man noch fünf rand-
ständige Höcker, welche die Metabranchialregion nach aussen
begränzen und einen stark gekrümmten Bogen bilden. Als letzter
Vorderseitenrandzahn dürfte derjenige zu bezeichnen sein, welcher
in die Verlängerung der vom Hinterende des Protogastrallobus
zwischen dem mittleren und inneren Anterobranchialfelde ver-
laufenden Furche, oder ein wenig nach auswärts von dieser zu
liegen kommt. Derselbe liegt dem Unterrande des umgebogenen
Theiles der Branchialregion am nächsten und überragt noch den
Rand des Cephalothorax, während der hinter ihm folgende bereits
442 B i 1 1 n e r.
Stark unch einwärts gerückt erseheint; aiieli liegt in ilun die
Grenze zwiselien der convexen Kriunmiuif? der Vorder- und der
■conenven Krlimmung der Hinterseitenränder. Mit Einschluss
dieses erwälinten Zahnes sind sechs Vorderseitenrandzähne, den
f'xtraorbitalwinkel nicht mitg-erechnet, vorhanden. (Würde man
mit Dana von der Fünfzahl ausgehen und am äusseren Augen-
Avinkel selbst zu zählen beginnen, so käme der letzte 8eitenrand-
7ahn um zwei weiter nach vorn zu liegen , an die Stelle der
g-rössten Körperbreite.)
Die Vorderseitenrandzähne sind insgesammt stumpf und
von etwa zitzenförmiger Gestalt. Der hinterste ist ziemlich klein
und einfach, der nächst folgende schon bedeutend kräftiger und
am Hinterrande von einem kleinen Nebenhöcker begleitet, der
tiritte, dem äussersten hinteren Höcker der Anterobranchialregion
entsprechende, ebenso gebildet, aber noch etwas stärker, der
vierte von dreilappiger Gestalt und daher von der grössten
Breite, der fünfte, welcher dem äusseren hinteren Hepatical-
höcker entspricht, ist ebenfalls noch dreilappig, aber schon ge-
ringer an Grösse, der sechste (vorderste) ist nur mehr schwach
entwickelt und erscheint einspitzig, im Steinkerne aber zwei-
spitzig; von ihm ans wendet sich der Rand nach abwärts und
verläuft parallel unter dem Infraorbitalrande und von diesem nur
durch eine schwache Furche getrennt, zur Mundgegend. Knapp
unter dem äusseren Augenwinkel tritt er noch als schwaches
Zähnchen liervor, im Übrigen bildet er nur mehr eine granulirte
Leiste. Die Unterseite ist im Bereiche der Vorderseitenränder glatt,
unterhalb der Hinterseitenrandzähne dagegen noch schwach
granulirt.
Es sei noch einmal hervorgehoben, dass diese grossen
Höcker von noch zahlreicheren, in den Furchen vertheilten
schwächeren Erhebungen umgeben werden, ja dass sie selbst
wieder, wenigstens die stärkeren von ihnen (und diese liegen in
der Mesogastral-, Hepatical- und vorderen Branchialgegend)
durch feinere Furchen unterabgetheilt sind. Die Anordnung
und Zahl aller dieser Hervorragungen ist bei sämmtlichen mir
vorliegenden vier Exemplaren bis in das kleinste Detail genau
dieselbe, daher als äusserst constant und für die Art charak-
teristisch zu betrachten.
über Phyinatocnrcittus «ptciusiis- Reu SS. 443
Die gesammte Oberfläche der .Schale ist äusserst fein netz-
artig granulirt und zeigt insbesondere in den Furchen eine An-
zahl grösserer dunkler Punkte, welche wohl Ansatzstellen haar-
artiger Gebilde gewesen sein mögen.
Aus der vorangehenden Beschreibung und einer Vergleichung
derselben mit der von Professor Reuss gegebenen dürfte sich
wohl die vollkommene Identität der Gamlitzer Keste mit dem
Badener Exemplare ergeben und eine Beschreibung der Gam-
litzer Steinkerne wäre hier umsoweniger am Platze, als sie
nur eine Wiederholung des bisher gesagten, und der Reuss'schen
Beschreibung sein könnte. Die geringen Differenzen und einige
unbedeutende Unrichtigkeiten in der Reuss'schen Beschreibung
die zum Theil auf Rechnung des Erhaltungszustandes zu setzen
sind, wurden bereits oben bemerkt. Es wäre nur noch hinzuzufügen,,
dass bei den Gamlitzer Steinkernen die Oberfläche der säulen-
artigen Höcker nicht so flach ist, wie bei dem Badener Originale,,
was wohl von einer geringen Abreibung des letzteren herrührt.
Auch zeigt sich erst am Steinkerne deutlicher, dass der Supra-
orbitalrand zwei Fissuren besitzt, beide in der gegen aussen
liegenden Hälfte. An der Oberfläche der Schale tritt nur die
innere etwas merkbarer hervor.
Die merkwürdige und auffallende Verschiedenheit in der
Sculptur der Oberfläche der Schai. < iner- und des Steinkernes
andererseits steht wohl im Zusam'ne'ihange mit der eigenthüm-
lichen Bildung der Schale selbst. Ihr Aussehen ist an der Ober-
fläche weiss und kreidig. An etwas angegriftenen Stellen be-
merkt man, wie zunächst die Oberfläche der stärksten Höcker
gelitten hat. Sprengt man ein Stück der Schale ab, so zeigt sich,
dass dieselbe aus drei erkennbaren Lagen besteht, einer kreidigen
weissen äusseren, einer eben solchen inneren, die meist noch in
den Furchen des Steinkernes haften bleibt, und einer mittleren,,
welche am stärksten ist. Diese mittlere Schichte bildet aber kein
zusammenhängendes Ganzes, sondern ist von zahlreichen
grösseren und kleineren Otfnungen mit zugerundeten Rändern,
welche Oifnungen den Höckern entsprechen, netzförmig durch-
brochen und insbesondere an den Rändern der grössten Säulen
aufgebogen, als habe sie auch über diese hinüber sich wölben
wollen. Dadurch entsteht nun ein unregelmässiges Maschenwerk
444 Hittucr.
welches aus im Qncrsclinitte ,i;enindeteu, vielfach verzweigten
soliden Stäben gebildet ist, und dieses Maschenwerk füllt die
Vertiefungen zwisciien den Säulen des Steinkerns aus. Die Unter-
fläche dieser Netzscliiclit ist völlig glatt, die Oberfläche dageg-en
von zahllosen kleinen H()ckerchen rauh. Einzelne Fetzen dieser
Schale flndct man hie und da isolirt im (icstein, und könnte sie
dann leicht bei oberflächlicher Betrachtung für Bryozoen, etwa
der Gattung Rctepora halten. Dieses Gitterw'Crk liegt übrigens
nirgends an die Säulen des Steinkernes an, sondern diese sind
von der weissen kreidigen Schicht umgeben, deren untere Lage
also hier mit der oberen communicirt. Ein Verticaldurchschnitt
dieser Schale würde also beiläuflg das in Fig. )\ dargestellte Bild
geben. Ob diese auttallende Structur etwas Ursprüngliches oder
ob sie ganz oder theilvveise der Verwitterung und dem Fossili-
sationsprocesse zuzuschreiben sei, wage ich nicht zu entscheiden.
Der Umstand aber, dass die gegen die Säulen gekehrten Ränder
der Maschen völlig glatt und gerundet sind und die ganze sonder-
bare Verschiedenheit in der Oberfläciienform des Steinkernes
gegenüber der Aussenseite der Schale, scheint wohl eher zu
Gunsten der ersteren Ansicht zu sprechen.
Von Extremitäten sind zunächst die ScheerenfUsse zu er-
wähnen. Von der rechten Körperseite ist ein Oberarm da ; derselbe
hat eine sehr breite und kurze Form. Die Breite (respective Höhe)
desselben an der Einlenkungsstelle des Vorderarmes gemessen
beträgt 12 Mm., die Länge des unteren Randes kaum 11 Mm.
Die Gestalt ist wie gewöhnlich eine dreikantige und es sind an
dem Exemplare nur die Aussen- und die Unterseite sichtbar.
Die obere Kante ist äusserst scharf. Die Aussenseite ist auf der
Mitte ziemlich glatt , gegen die Kanten zu aber, insbesondere
gegen die obere höckerig; besonders starke Höcker stehen
an den distalen Enden der beiden Kanten selbst. Das distale
Ende ist auf dieser Fläche übrigens durch eine Furche abge-
grenzt und von einer granulirten Randleiste eingefasst. Den
Höckern der Schale entsprechen im Steinkerne genau so wie am
Cephalothorax stärkere und spitzere Hervorragungen. Die untere
Fläche des Oberarmes ist glatt und eben, mit sehr starkem, die
Hälfte der Länge erreichendem Gelenksausschnitt für den
Vorderarm.
über Pliyinatocarcinus speciosus Reu SS. 445
Der Vorderarm ist kurz, von gerundetem Querschnitt, innen
fast glatt, aussen mit mehreren unregelmässigen Längsreihen
grösserer und dazwischen mit kleineren Tuberkeln besetzt. Der
stärkste Höcker steht am Oberrande nahe dem Carpus.
Der Carpus ist etwas länger und bedeutend l)reiter als der
Vorderarm, massig comprimirt und an seiner Aussenfläche eben-
falls mit Längsreiheu von grösseren Tuberkeln, insbesondere in
der oberen Hälfte, besetzt. Die grössten davon stehen am Ober-
rande selbst und zwar diesmal am proximalen Ende desselben.
Die Innenfläche ist an der unteren Hälfte glatt. Die Finger sind
nur t'ragmentär erhalten; der bewegliche besitzt mindestens zwei
Keiheu grosser spitzer Höcker, die eine an der oberen Kante. Es
ist kaum zu bezweifeln, dass die rechte Seheere bedeutend
stärker war als die linke, denn von den eilf Oarpalieu, die mir
vorliegen, gehören acht zurrechten Seheere und von diesen sind
sechs grösser und unverhältnissmässig robuster gebaut als jedes
der drei übrigen der linken Seite angehörigen Carpalia. Die
Länge des grössten Carpale der rechten Seite (an der unteren
Kante gemessen) beträgt 15 Mm., die Länge des grössten der
linken Hand dagegen nur 11 Mm.
Von den Gangfüssen sind nur zwei Fragmente vorhanden.
Das eine ist ein Schenkel der rechten Seite, der zum Durch-
schnitte ein gleichseitiges Dreieck mit sehr spitzem ungleichem
Winkel (der oberen scharfen Kante entsprechend) hat. Diese
Kante ist mit gegen das distale Ende an Stärke zunehmenden
spitzen, dünnen Stacheln besetzt. Die Aussenseite ist gegen die
Unterkante hin stark gekörnelt, die Innenseite glatt. Das zweite
Fragment ist eine Schiene der linken Seite. Ihr Querschnitt ist
elliptisch, ihre Aussenseite mit spitzen Höckern, ihre obere
Kante mit zwei Reihen langer Dornen besetzt.
Von den Mundwerkzeugen und vom Abdomen ist leider
gar nichts erhalten, was umsomehr zu bedauern, als eine Kennt-
niss von der Beschaifenheit der Kieferfüsse zur endgiltigen Ent-
scheidung der systematischen Stellung dieses Fossils sehr
erwünscht wäre. Dass eine solche Verwandtschaft sehr intimer
Art zum Genus Daira De Hudn {Lagostoma M. Edw.) besteht, hat
schon Reuss hervorgehoben. Die hier mitgetheilten neuen
Daten bestätigen diese abermals, und zwar in dem Maasse, dass
446 Bittnor.
Phymatocarcinus speeiosus lieuss wohl unbedenklich in das
Genus Dairu eingereiht werden könnte, auch ohne dass das
charakteristische Merkmal dieser Gattung, der scharfe Ausschnitt
im Vorderrande des dritten Gliedes der äusseren Kieferfüsse
nachgewiesen worden wäre. Denn in der That, vergleicht man
z. B. die Abbildung von Daira L'ario/osu Fabr. spec. bei Dana
tab. X. Fig. 4, so zeigt sich, dass bis auf ein etwas anderes
Veriiältniss der Länge zur Breite (1:1-4 bei Daira varioloxa
gegenüber 1 : 1-52 bei Phymatoc. speciosus) und bis auf geringe
Abweichungen in der Ornamentirung der hintersten Regionen
und in der Bezahnung der Seitenränder eine \ erschiedenheit
zwischen den vergleichbaren Theilen der genannten Arten nicht
besteht. Es ist also wohl /u hoffen, dass sich in Zukunft auch
das für Daira ausschlaggebende Merkmal an Phymatocarcinus
wird nachweisen lassen.
Noch auf eine andere, möglicherweise bestehende nahe
Verwandtschaft aber sei es erlaubt, zum Schlüsse hinzuweisen.
Diese scheint sich herauszustellen gegenüber dem Phlyctetwdes
depressus A. E dw. vom Monte Grumi im Vicentinischen. (Hist.
nat. d. Ornst. podophth. foss., pag. 367, tab. XXXIII. 2.)
Es lässt sich nicht verkennen, dass diese allerdings ungenüi^end
bekannte Art, die in wesentlichen Merkmalen von den beiden
anderen Ph/yctenodes - Arten abweicht, gerade in diesen Merk-
malen eine ganz auffallende Annäherung an Phymatocarcinus
und Daira zeigt.
über Phyniatocarcinits speciosus Reuss. 447
E r k 1 ä r u n g der T a f e 1.
Fig. \a. Phiimotocarcinus speciosus Reuss. Mit wohlerhaltener Schale. In
natürlicher Grösse. Der rückwärtige Theil nach Steinkernen ergänzt.
„ Ib. Stirnansicht desselben Exemplares.
„ Ic. Seitenansicht „ ,.
„ 2. Loses Schalenfragment von unten gesehen, um die Gitterstriictur
der Mittelschicht zu zeigen.
„ 3. Idealer Durchschnitt durch die Schale.
„ 4. Oberarm der rechten Seite, Aiisseufläche. Steinkeru.
„ 5. Schalenoberfläche des Vorderarmes und Carpus.
„ 6. Carpus der linken Seite mit z. Th. erhaltenem beweglichem Finger.
Schalenoberfiäche.
„ 7. Hand der linken Seite. Steinkern.
„ 8. Carpus der linken Hand. Innenseite. Steinkern.
„ 9. Schenkel eines Gangfusses der rechten Seite. Steinkern.
„ 10. Schiene eines Gangfusses der linken Seite. Steinkeru.
Das sämmtlicheMateriale istEigenthum der k. k. geologischen Reichs-
anstalt.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. I.XXV. Bd. T. Abth. 23
Biüiier : Phvmatocarcinus
PhymMtocarciniis speciosus R-eiiis,.
lld.ßcl|öim ■n..d.ITat.^ez.u.lit\ K.k.Hof-u.otaatsdnickerei
Sitzuiigsb.d.k.Akad.d.W.matli.nal.Cl. LXXV. Bd.I.Abtli.l87r.
SITZUNGSBERICHTE
DER
ummm iiiüiiE üer wissisceÄFTi
MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.
LXXV. Band.
ERSTE ABTHEILUNG.
5.
Enthält die Abhandlimg-en aus dem Gebiete der Mineralogie , Botanik,
Zoologie, Geologie iind Paläontologie.
l
451
XIL SITZUNG VOM 11. MAI 1877
Die Direction der k. k. Staats-Unterrealschule im V. Bezirk
in Wien und die Direction der mährisch-schlesischen Forstschule
in Eulenberg- danken für die Betheilung- mit dem akademischen
Anzeiger.
Das c. M. Herr Prof. L. v. Barth übersendet zwei in seinem
Laboratorium vollendete Arbeiten.
Die eine : „Über die Einwirkung- von Brom auf das Tria-
midophenol bei Gegenwart von Wasser", ist von Dr. H. Weidel
und Dr. M. Grub er ausgeführt.
Die zweite Abhandlung von Dr. H. Weidel und M.
v. Schmidt betrifft: „Eine Modificatiou der Schwefelbestim-
mung- von Sauer".
Der Secretär legt folgende eingesendete Abhandlungen
vor :
1. „Über Brechung und Reflexion unendlich dünner Strahlen-
systeme an Kugelflächen", von Herrn Prof. F. Lippich
in Prag.
2. „Über die Discriminante der Jacobi 'sehen Covariante",
als Nachtrag- einer früheren Abhandlung, von Herrn Dr.
B. Ig-el in Wien.
3. „Über die stationäre Strömung der Elektricität in einer
Platte bei Verwendung- geradliniger Elektroden" , von
Herrn Dr. Max Margule s in Wien.
Ferner legt der Secretär ein versiegeltes Schreiben zur
Wahrung- der Priorität von Herrn Prof. Dr. A. Frisch in Wien vor.
Das w. M. Herr Dr. Boue hält einen Vortrag- über die tür-
kischen Eisenbahnen und ihre grosse volkswirth-
sc haftliche Wichtigkeit, besonders für Osterreich
und U n g a r n , namentlich ü 1) e r die d i r e c t e n a c h
24*
452
Constuuti iiopel und die nach Salonik von Wien über
Pest.
Das w. M. Herr Hofratli Bill rotli legt eine Ahliandlung des
Herrn Prof. Dr. A. Frisch in Wien: ;,Uber den Einfluss niederer
Temperaturen auf die Lebensfcähigkeit der Bacterien", vor.
Herr Prof. Dr. H. W. Reichardt legt eine Abhandlung vor,
betitelt: „Beitrag zur Kryptogamenflora der Hawaiischen Inseln".
Herr stud. techn. Ludwig G rossmann in Wien legt eine
Abhandlung vor, betitelt: „Theorie und Lösung der irreductiblen
transcendenten Gleichungen".
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Aeadeniia, Real de Ciencias medicas, tisicas y naturales de
la Habana: Anales. Entrega CLI & CLH. Tomo XHL
Febrero 15 & Marzö 15. Habana, 1877; S".
Academie des Sciences et Lettres de Montpellier: Me'moires
de la section des Sciences. Tome VL — 1" Fase. Annee
1875. Montpellier, 1876; 4". Tome VIU — HP & IV^ Fase.
Annee 1875. Montpellier, 1876; 4".
Accademia, Reale, dei Lincei: Atti. Anno OCLXXIV 1876 —
1877. Serie terza. Transunti. Vol. L Fase. IV. ^larzo 1877.
Roma, 1877; 4'^.
Akademie, Kaiserlich Leoi)oldinisch-(Jaro1iuisch-Deutsche, der
Naturforscher: Leopoldina. Heft XIIL Nr. 7—8. April 1877.
Dresden; 4".
— Königl. der Wissenschaften zu Berlin. Aus den Abhandlun-
gen: Über die Krystallisation des Diamanten von Alexander
Sadebeck. Berlin, 1876; 4^
American Chemist. Vol. VII, Nr. 8. Whole Nr. 80. New York,
February, 1877; 4".
Astronomische Nachrichten. Bd. 89 — 12—16. Nr. 2124 —
2128. Kiel, 1877; 4".
Ateneo Veneto: Atti. Serie II. Vol. XIL Anno accademico 1874
—75. Punt. H. e IH. Venezia, 1875; 8«^.
Comitato, R. (Jeologico, d'Italia: Bollettino. Nr. 11 e 12.
Novembre e Dicembre 1874. Roma, 1874; 4*^.
Comptes rendus des seances de TAcademie des Sciences. Tome
LXXXIV, Nrs. 16 & 17. Paris, 1877; 4». — Tables des
453
Comptes rendus des seances de l'Academie des Sciences.
Deuxieme seinestre 1876. Tome LXXXIII. Paris; 4*^'.
Gesellschaft, Deutsche Chemische: Berichte. X. Jahrgang.
Nr. 7. Berlin, 1877; 8».
— Geographische in Bremen: Deutsche geographische Blätter.
Jahrgang I. Heft 1. Bremen, 1877; 8*'.
— k. k. der Ärzte in Wien: Medizinische Jahrbücher. Jahr-
gang 1877. 2. Heft. Wien, 1877; 8^
— der Wissenschaften, königl. böhmische: Jahresbericht, aus-
gegeben am 12. Mai 1876. Prag, 1876; 8". — Sitzungs-
berichte. Jahrgang 1876. Prag, 1877; 8*^. — Abhandlungen
vom Jahre 1875 & 1876. VI. Folge. VHI. Band. Prag,
1877; 8».
— österr., für Meteorologie: Zeitschrift. XII. Band. Nr. 8 & 9.
Wien, 1877; 4^
— k. k. mährisch-schlesische, zur Beförderung des Acker-
baues, der Natur- und Landeskunde in Brunn. LVI. Jahr-
gang 1876. Brunn; 4^*.
G e w e r b e - V e r e i n , n.-ö. : Wochenschrift. XXXVIII. Jahrgang.
Nr. 15-18. Wien, 1877; 4".
Giessen, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften im
Jahre 1876. Giessen; 8''.
Ingenieur- und Architekten- Verein, österr. : Wochenschrift.
H. Jahrgang. Nr. 15—18. Wien, 1877; 4".
Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie für 1875.
2. Heft. Giessen, 1877; 8«.
Landbote, Der steierische. 10. Jahrgang, Nr. 2 — 9. Graz,
1877; 4^
Mitth eilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt.
Ergänzungsheft Nr. 51 (2. Hafte). Gotha, 1877; 4'\ —
XXIII. Band, 1877. IV. & V. Gotha, 1877; 4^'.
Moniteur scientitique du D'°"' Quesneville. 2V Annee,
3" Serie. Tome VIL 425'Livraison. Mai 1877. Paris, 1877 ; 4^
Nature. Nr. 391—392. VoL XV & XVL London, 1877; 4».
Osservatorio del R. CoUegio Carlo Alberto in Moncalieri:
Bollettino meteorologico. Vol. XI, Nr. 1. Torino, 1877; 4».
Pulkowa, Nicolai-Hauptsternwarte: Jahresbericht von 1875 &
1876. St. Petersburg, 1875—76; 8^. — Hilfstafelu zur
454 ^
Berechnung' der Polaris- Azimute von Eugen Block. St. Pe-
tersburg. 1875; 4". — Declinaisons moyennes corrigees
des Jfitoils print'ipales pour l'epoque 1845, par Magnus
Nyren. 8t. Petersbourg, 1875; 4".
Radcliffe Observatory, Oxford: Eesults of Astron omieal and
geological Observations in the Year 1874. Vol. XXXIV.
Oxford, 1876; 8».
Reichsanstalt, k. k. geologische: Jahrbuch. Jahrgang 1877.
XXVII. Band, Nr. 1; Jänner, Februar, März. Wien, 1877;
80. — Verhandlungen. Nr. 6. 1877. Wien ; 8». — Abhand-
lungen : Geologie der Kaiser Franz Josef- Hochquellen-
Wasserleitung, von Felix Karr er. Wien, 1877; 4".
„Revue politique et litteraire" et „Revue scientifique de la
France et de l'Etranger". VP Annee, 2' Serie, Nr. 44 &
45. Paris, 1877; 4".
Schneider Ernest: Der Distanzmesser. Wien, 1877; 8°.
Societe des Ingenieurs civils: Memoires et Conipte rendu des
travaux. oSSerie. 30' Annee, 1". Cahier. Paris, 1877 ; 8'^.
— Entomologique deBelgique: Compte rendu. Serie 2. Nr. 37.
Bruxelles, 1877; 8^
— Geologique de France: Bulletin. 3*^ Serie, Tome IV. 1876.
Nr. 9. Paris, 1875—76; 8".
Society, The Royal Astronomical : Monthly Notices.Vol. XXXVII.
Nr. 5. March, 1877; S^.
Strassburg, Universität: Akademisclie Gelegenheitsschriften
pro 1873, 1875 & 1876. 40 Stücke; 8".
Verein der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg::
Archiv, 30. Jahr (1876) Neubrandenburg, 1876; 8".
— Naturhistorisch -medicinischer, zu Heidelberg: Verhand-
lungen. Neue Folge. I. Band. 5. Heft. Heidelberg, 1877; 8".
Wiener Medizin. Wochenschrift. XXVII. Jahrgang, Nr. 17— 18.
Wien, 1877; 4^
455
Über die türkischen Eisenbahnen und ihre grosse volkswirth-
schaftliche Wichtigkeit, besonders Einiges für Österreich und
Ungarn.
Von dem w. M. Dr. A. Boue.
In meinem letzten Vortrag- im Juli des vorigen Jahres habe
ich die Gelegenheit gehabt, auf die AViclitigkeit der correcten
Darstellung der Terrainplastik für EisenbahntraceUj besonders
für jene in noch wenig bekannten Ländern , hinzudeuten.
Daraufkam in meine Erinnerung eine Scheda'sche Karte mit
einem vorläufigen Entwurf einiger möglichen Eisenbahnen in der
Centraltürkei. Ich bildete mir irrthümlich ein, dass diese Trace
von Herrn Ingenieur Pres sei herrühre. Doch dieser Letztere war
ganz in seinem Rechte, als er nämlich mir bemerkte, dass er nur
für das gut stehe was von ihm selbst herstamme, und ich mich
einer Übereilung schuldig gemacht liatte, als ich diesem Ent-
wurf seinen so weltbekannten Namen hinzufügte. *
Diese wohlverdiente Rüge verschaffte mir aber das Glück,
eine Einsicht in der so ausgedehnten Kenntniss des Herrn Pr es s el
1 Dieser Fall erinnert mich an etwas Ähnliches, durch welches ich,
ohne im Mindesten es zu woUen, den seligen tüchtigen Paläontologen
Oppel, sowie vielleicht auch gar den berühmten Hiraalaya- Reisenden,
Herrn Hermann v. S c h 1 a g i n t w e i t ärgerte. Durch mir ganz unbekannte
Gründe hatte mein unvergesslicher College, der selige Dr. H örnes, sich
irrthümlich eingebildet, dass in der Beschreibung und m den Zeichnungen
gewisser Flötzpetretacte des Himalaya eine solche Art von Irrthum sich
eingeschlichen hätte, dass Oppel fälschlich Alpenpetrefacten mit einigen
indischen vor sich gehabt hätte. Nun, in diesem Punkte hat Hörne s sich nur
durch die accurate Identität gewisser Gattungen sowie sie einschliessender
Felsarten täuschen lassen. In meinem Eifer für den Fortschritt und die
Irrthumsberichtigungen griff ich diese Neuigkeit leider auf und erfuhr
wieder, dass ich meine Voreiligkeit vernünftiger hätte zügeln sollen.
45G Rone.
nicht mir für den gTössten Tlieil der europäischen Türkei,
sondern auch in die viel nn1)ckannteren und besonders abseits
gelegenen asiatischen Provinzen. Es wird wohl kaum Jemand
geben, welcher, wie Herr Pressel, so viele und ausführliche,
mit aller wissenschaftlichen Genauigkeit bearbeitete Eisenbahn-
tracepläne über jene ausgedehnten Länder gemacht hat.
Man möge nur unter seinen Berichten lesen: „Rapport ä Edhem
Pascha, ministre des travaux publics sur les chemins de fer de la
Roumelie-Constantinople 1874, 4», 75 S. mit 2 Karten.
Wer aber Derartiges hat verfertigen können, hat mittelst der
besten technischen Mittel nicht nur für die Belebung des Han-
dels, des Volkswohlstandes und der allgemeinen Civilisation
tüchtig gewirkt, sondern auch für physikalische Geographie und
Geologie einen Schatz von Erfahrungen eingestreut.
Was fördert eigentlich das Eisenbahn -Ingenieurwesen?
Erstlich eine gute geographisch -topographische Karte, dann
besonders ein ganz ausführliches Bild der Terrainplastik mit
ihrer physikalischen Geographie und Geologie. Dazu kommen
weiters alle Arten von statistischen Details und endlich die
strategischen und internationalen Nothwendigkeiten.
Wenn uns aber, als Geologen, letztere Kenntnisse grössten-
theils fremd bleiben , so muss der Ingenieur auf unsere Hand,
sowie auf das Besprochene sich stützen , um seinen Zweck ganz
zu erreichen. Kennen wir ein Land und seine Plastik genau, so
muss unsere Wissenschaft zu den für Eisenbahntraceu vernünf-
tigsten Plänen führen. So z. B., als wir mit unserem unvergess-
lichen Professor Riepl im Jahre 1821, wo nur die Linzer-Pferde-
balin nach Böhmen existirte , die günstige Lage von Osterreich
für Eisenbahnanlagen besprachen, da frug mich mein Freund,
wohin würden Sie die nordböhmische und galizische Bahn führen?
Damals mit Mähren's und Schlesien's Plastik eben bekannt,
k(»nnte ich nur den durch die Natur gegebenen leichtesten und
zur Ausführung am wenigsten kostspieligen, nämlich das
Marchtlial, ihm zur Antwort geben. Auf den directen Weg von
Wien nach Brunn kannte ich ja die vielen Hiigelu und Einschnitte.
Weiters war es uns leicht , bei Lundenburg die einstige
Abzweigung der ijöhniischen und schlesisch-galizischen Bahn
zu erkennen u. s. w.
üb. d. türk. Eisenbahnen u. ihre volkswirthschaftl. Wichtigkeit. 457
WeDu v\ir Geologen alle beide soweit vorauseilen konnten,
blieb es meinem Freunde überlassen, die weitere Detailtrace
auszuklügeln, namentlich durch seine selbständige Kenntniss der
Lage einiger besonderer Mineralschätze, vorzüglich der Kohle,
des Eisens und anderer Erze, sowie der metallurgischen Hütten,
dann durch das ethnographische und statistische Detail jener zu
durchschreitenden Länder. Vergessen wir nicht, dass Riepl
15 Jahre warten musste, bis er die endliche Ausführung seiner
für Österreich'« Wohlstand so wichtigen Pläne mit seinem ihm
eigenen Enthusiasmus erleben konnte und doch steht sein Stand-
bild noch nicht neben dem von Res sei, vor jener durch Kaiser
Franz gegründeten Schule , welcher Osterreich die meisten
seiner hervorragenden Gelehrten dankt. ^
Als ich für die europäische Türkei mich nur als Geognost
wagte , die beste Eisenbahntrace anzugeben, so musste ich
mich natürlicherweise ganz vorzüglich nach der Terrainplastik
richten. Aber, wie schon gesagt, mittelst dieser Kenntniss allein
kann nicht immer wie im eben erwähnten Falle, die Geologie
einen sichern Pfad für die Ausführung einer Eisenbahn geben. So
zum Beispiel fallen daselbst zwei Hauptfactoren in Berück-
sichtigung, nämlich die verchiedene Länge der verschiedenen
Trace, die gegenseitigen Kosten ihrer Ausführung. dieConcurrenz
anderer Communicationsmittel, sowie endlich politische oder
strategische Rücksichten.
Durch solche Ursachen erklären sich die Differenzen
zwischen der angenommenen, und unserer vorgeschlagenen Trace
in den Jahren 1840 und 1852. Wir müssen nur die praktische Vor-
trefflichkeit unserer Wissenschaft hoch preisen, wenn wir in den
Hauptrichtungen der türkischen Bahnen vollständig mit den
Resultaten eines so eminenten Eisenbalmerbaiiers als Herrn
P r e s s e 1 zusammentreffen. Wenn auch manche unserer als geniein-
1 Ohne einen Tadel gegen meinen verehr testen Freund, Dr. Stur aus-
zusprechen, aber nur um die leider öftere zufällige Vergesslichkeit der
Menschen für verstorbene , verdienstliche Männer zu beweisen, mag das
Fehlen des Namens Riepl in einer Aufzählung der Geologen Steiermarks
durch Stur dienen .Mein Freund übersah ihn zufälligerweise imd ärgerte
sich selbst darüber.
458 B () II 6.
niitzig- und wiclitii;' crkaiiiiteii Traeen noch iiiclit jetzt ausgeführt
wurden, so nahm Herr Pres sei sie doch in seinen allg-emeinen
Linien aul, wie seine Generalkarte es hinlänglich beweist. Aasser-
deni war Herr Pre ssel in der Ansführnng seiner Pläne ganz und
gar nicht alleiniger Herr, sondern im Gegentheil nicht nur oft
durch knauserige Geldgründe, sowie durch wissenschaftlich
unvollständige Grillen geplagt.
Sprechen wir erstlich von den Hauptadern des Eisenbahn-
verkehrs von Wien oder Pest nach Constantinopel sowie nach
Salonik. Der erste Weg war und konnte nur derjenige sein,
welcher von uralten Zeiten der gewöhnlichste war. Da finden
sich für den Geographen und Geologen alle natürlichen Zeigefinger
für eine Trace der kürzesten zu überfliegenden Entfernung.
Wenn ich aber in Thracien anstatt der jetzigen, im Thale bleibenden
Trace einen etwas längeren und kostspieligeren auf der Anhöhe
vorschlug, so war ich dazu durch einige statistische Daten
bewogen und berücksichtigte nicht den Hauptpunkt scheinbar in
der jetzigen Lage der Türkei namentlich dieNothwendigkeit der
grössten Wohlfeilheit. Nur zu wünschen blieb es übrig, dass die-
sem Princip nicht zu streng hätte gefolgt sein sollen, und den
Geldgeber-Profit zu Liebe die Eisenbahn nur auf diese Art gebaut
wurden, dass ihre Dauer die gewöhnlich in Europa nament-
lich angenommene möglichst nicht erreiche. Ich erlaube mir
diese Bemerkung, weil ich glaube, meine Türken zu kennen,
welche oft technisch sehr wenig dauernde Werke errichten, um
nur scheinbar alles Mögliche geleistet zu haben. So zum
Beispielwaren die für die Durchreise des Sultan Mahmnt erbauten
Brücken und tlieilweise selbst die Strassen nur sehr kurze Zeit
überdauernde Werke.
Wenn ich weiter die Möglichkeit von E i s e n b ah u e n durch
die Terrainplastik am Meere eben sowohl südlich des
Eh 0 dop, sowie längs der albanesischen Küste von
Anlona über Duratzo bis nach Scutari erwähnte, so berück-
sichtigte ich nicht als Geognost, dass das Meer schon daselbst
Verbindungen genug gebe, obgleich in den civilisirtesten Ländern
sich manchmal neben einer Wasser-Communication eine Eisenbahn
rentirte. So zum Beispiel längs der Garonne, wo Eisenbahn-, Fluss-
iind sogar Canal- Verbindung stattfinden u. s. w. Mir schienen
üb. d. türk. Eisenbahnen ii. ihre volkswirthscliaftl. Wiclitigkeit. 459
aber in Albanien die Anlagen von Eisenbahnen tief im Lande
viel länger und kostspieliger als jene an der Küste zu sein. So
zum Beispiel von Arta über Janina, Premeti, Berat, Elbassau,
durch das Ischimi - Thal nach Scutari mit vier oder selbst fünf
Wasserscheiden. Ausserdem liegen längs der Küste die wich-
tigsten Handelsstädte. Kein Eisenbahn- Ingenieur scheint auch
bis jetzt weder die möglichen a 1 b a n e s i s c h e n Eisenbahnen
noch die mace do nisch- albanische längs des Bistritza
und Devol studirt zu haben. (Siehe meine Trace in Viquesner.s
Atlas.) Ähnliche Betrachtungen berühren auch den Nutzen
einer Eisenbahn durch ganz Dalmatien, weil daselbst
die Meeresverbindungen vorhanden sind und Dalmatien eine
Eisenbahn besonders brauchen wird, wenn das Hinterland aus
seiner Wildheit herausgetreten sein wird, dann wird jenes Land
blühen und sich rentiren. (Siehe Herrn H. v. Stern ek's geogra-
phische Verhältnisse und Communicationen in Bosnien und dei*
Herzegowina, 1877.)
Auf der anderen Seite wurde mir die Freude zu Theil, meinen
vorgeschlagenen Plan einer Bahn von der Central-Türkei
über Alt-Serbien nach Scutari in Albanien unter den
erkannten Möglichkeiten oder Nützlichkeiten in der türkischen
Eisenbahntrace des Herrn Press el zu bemerken. Doch wann
wird einmal die Zeit und das viele dazu nothwendige Geld
kommen, denn es wird doch in allen Fällen ein schweres Stück
Arbeit sein, ob man nun von dem Verbitzathale nur längs dem
Drim oder theilweise durch die Miredita oder das Djoska- und
Fanti-Matithal oder durch das felsige Saphuscharethal von Spuss
aus sich durcharbeitet, stets harte Felssprengungen, sogar
Tunnels wird es da geben. Solche Rücksichten liegen aber ausser
dem Bereiche des Geologen, weicher nur die Terrain- und Fluss-
plastik sein Studium nennen darf.
Dieses führt mich wieder zu zwei Bahnprojecten, welche
alle beide kostspielig wären und einige strategische Zwecke
verfolgen. Namentlich die Eisenbahn von Dubnitza und
Kosten dil oder von Rad pmir nach Uskub oder besser
präcisirt nach Kapetanhan auf den Vardar.
Die Türken halten erstaunlich darauf und doch, wenn sie
auf diese Art die Salonik - Mitrovitzabahn mit der Sofia nicht
460 B 0 u c.
verciiiig-t wünschten , dachten sie nur an Bosnien und Nord-
Albanien und verg-assen g-änzlich auf Mittel- und Süd- Albanien,
indem sie das prächtige B ecken des T s c h e r n a ■ V o d a oder
des Karasu oder die Ebene von Perlepe , Bitoglia und Florina,
der Sitz des Kumeli-Valesi und seiner immer bedeutenden
Trujjpenanzahl mit dem Vardar-Thal oder dem grossen
fruchtbaren Becken des obern und mittlem Vardar, der Ptschinja,
der Bregalnitza (oder von Uskub, Köprili, Istib) nie in Verbin-
dung zu setzen suchten.
Dieses bleibt doch sehr ])rakticabel, obgleich mehr als eine
einfache Thal-Sohlbahn dazu nothwendig wäre.
Die andere kostspielige Bahn wäre die D i a g o n a 1 c d u r c h
Bosnien von Mitrovitza an mit verschiedenen Varianten in
Trace und Mündungen , in Slavonien und Croatieu. Über diese
verbietet die jetzige politische Ungewissheit etwas aphoristisch
zu melden. Scheinbar kann man, nach dem Ausspruch der
Techniker, hinzufügen, dass, solange Serbien von Bosnien getrennt
bleibt, der Eisenbali nstraug nicht in den Thälern auf der bosnisch-
serbischen Grenze, sondern dann fast nur von Mitrovitza längs
der Ibar über Rojai herunter zum Sim-Thale bei Bielopolie
gefühlt werden kann.
Wenn Herr Fr es sei für meinen Vorschlag einer Bahn
von Trn nach Bresnik und Grlo und von da nach
Pirot oder Scharkoe wohl die mögliche Ausführung zugab,
so erwähnte er dagegen, dass die vielen Schluchten daselbst die
Kosten erhöhen würden, indem ausserdem Sotia mit Köstendil
durch eine Abzweigung der Eisenbahn von Fhilippopoli nach
Pirot verbunden sein würde. Doch würde diese Frage vorzüg-
lich iii Berücksichtigung kommen, wenn sein Plan, eine Eisen-
bahn längs dem Strymou von Kosten dil-Dubnitza
nach Sc res einmal an die Zeit kommen würde.
Solche coinmerciell nützliche Unternehmungen würden viel
Geld kosten, aber wie im Centralbalkan würden grosse Wälder
dadurch ihren Wertli bekommen. Darum ist es auch sehr zu
bedauern, dass der Plan des Herrn Pres sei von Adrianopel
nach Janboli und Sli ven (Islimnie) zu bauen nicht in
Ausführung kam. Der hohe Balkan hinter Islimnie wn-d von
dichten Wäldern bedeckt.
üb. d. türk. Eiseubnhnen u. ihre volkswii-tliscbaftl. Wichtigkeit. 461
Da wir von der nord(")stlichen Türkei jetzt sprechen, so
können wir nns nur wundern, dass die E i s e n b a h n R u t s c li u k-
V a r n a , n i c h t Sc h u m 1 a die g-rösste türkische Festn ng^
Bulgariens berührte. Nur brav Dummheiten befehlen, scheint in
Stambul noch nicht ausser Mode.
Von der anderen Seite suchen die Türken noch immer, um
von Adrianopel nach Schumla direct oder durch Aidos zu
g-elang-en, sowie auch die Verbindung von Sofia mit
Widdin durch die Schluchten des Isker oder mit Übersteigung
ziemlich grosser Höhen und durch Tunnels zu bewerkstelligen.
Endlich wären in der Türkei schon jetzt wahrscheinlich sich
rentirende Zweigbahnen angezeigt, wie die zur Verbindung der
blühenden Städte von Kalofer, Kezanlik , Eski-Sagra und
Kirklisse mit Adrianopel u. s. w.
Würde es uns erlaubt sein, auf strategische Bahnen zu
deuten , so würden wir fragen, ob neben der Donau eine Ver-
bindungsbahn zwischen den Hauptfestungen längs
dieses Flusses nicht im jetzigen Augenblick von grösstem Nutzen
gewesen wäre.
Zum Schluss meiner Bemerkungen komme ich wieder zu der
so natürlichen Eisenbahnverbindung zwischen Wien
oder Pest mit Salonik und dieser nicht mit dem Umweg von
Nisch nach Mitrovitza, sondern auf dem geraden Weg herauf
längs der grossen serbischen Morava, dann längs der bulgarischen
Morava bis über Vranja und von da über die niedrige Wasser-
scheide der Moravitza und Gomela, Ivieka nach Kumanovo bis
zum Kapetanhan im Vardarthale bei der Vereinigung der
Ptschanya mit letzterem Fluss.
Wissen denn diejenigen, welchen die Bestimmung der Rich-
tungen der künftigen Eisenbahnen zufällt, nicht, dass es von
Wien n a c h S a 1 0 n i k n u r z w e i lange, w e n i g g e n e i g t e
S t e i g u n g e n g i b t , dass man nur e i n e W a s s e r s c h e i d e
zu übersteigen hat, und dass diese durch Herrn Pres-
se 1 a 1 s z u d e r H ö h e oder selbst unter d e r H ö h e der
Scheidewand bei u n s e r m R e k a w i n k e 1 angenommen ist ?
Ist es möglich, dass eine solche Gelegenheit nicht sobald aus-
gebeutet wurde, und alle politischen Verhältnisse bei Seite
gelassen , ein solcher für Ungarn und Osterreich mit Gold
462 p,..ur.
l»('l»tlasterlerWeg- durch alle iiiögliclie Mittel iiiclit zurAiisfülirnng-
kainV Kein, mir sclieiiit es eine unmög-lich bleibende Anomalie yai
sein, (lass diese schöne, von mir seit 40 Jahren gemachte Traee,
dann im Jahre 1852 durch mich, und im Jahre 18G7 durch Herrn
Consul V. Hahn wieder aufgewärmten, endlich gänzlich durch
uusern wackern Pres sei befürworteten Plan in dem Ministerial-
Archiv noch lange verschlossen bleibt. Durch diesen neuen Aus-
fuhrweg bekämen wir, und besonders Ungarn, ein zweites Triest,
welches vielleicht das erstere bald selbst verdunkeln würde,
l'ngarn's Agriciütural- und Erzschätze würden in kurzer Zeit in
jenem herrlichen Lande Industrien der verschiedensten Art
hervorrufen und beleben, dann österreichische und besonders
ungarische Producte würden endlich in Ooncurrenz mit England und
Frankreich, wenigstens anfangs, für manche unserer industriellen
tüchtigen Arbeiten treten, wenn namentlich die Frachtkosten dazu
billig gestellt würden. Mit der Belebung unserer Industrie und
unseres orientalischen Handels könnten wir hoifen, s])äter in der
europäischen Türkei in Mode zu kommen, und dadurch bald unsern
Markt im Orient und in Afrika erweitert und erhöht zu sehen.
Österreich hätte nie den Bau der türkischen Eisenbahn vom
Meere aus nach dem Innern erlauben sollen , oder konnten denn
andere Nationen mehr Gewicht und mehr Einfluss, als wir, die
unmittelbaren Nachbarn der Türkei, in jenem Lande geniessen, wo
niedrige Käutlichkeit jetzt leider zu herrschen ])flegt? Auf der
andern Seite wird Niemandem zugemuthet werden können , den
albernen Popanz des russischen Eintiusses mit den vermeinten
thönernen Stützen in jene Schlachtlinie der Volkswirthschaft
hineinbringen zu wollen ; denn es ist weltbekannt, dass dieser
Österreich zugefügte Schabernack nur von den lieben englischen
und französischen Kaufleuten herstammt. Und doch ist glück-
licherweise die Zeit vorbei, wo ich vor 40 Jahren die kläglichen
Lamentationen der österreichischen Beamten in der Türkei in
meinem Werke einschalten konnte, welche die meisten die unzu-
längliche Unterstützung ihrer Regierung offenherzig anerkannten,
um gegen die heillosen Intriguen einiger fremden Völker sieg-
reich zu bleiben. Wir waren damals noch nicht von dem chine-
sischen Abs])errungssystem und der heiligen Allianz heraus-
gekommen. Schlug sich Don Quixotte gegen Mühlenflügel, so
üb. d. tüik. Eisenbahnen u. ihre volkswirthschaftl. Wichtigkeit. 4G3
wehrte man sich damals gegen das, was theilweise wenigstens
Phantome waren, welche doch jetzt fast allerorts Realitäten
Platz gemacht haben.
Endlich die Eisenbahnlinie Wien -Salonich würde uns die
slavisch-griechische Türkei zu Freunde machen und wir würden
nicht die Schande erleben, durch eine hinterlistige egoistische
Handelspolitik von weit von uns wohnenden Völkern zu unserem
grössten Schaden unsere Länder verarmen anstatt bereichern
zu sehen, so dass wir selbst von immerwährendem Deticit hören
müssen. Es würde sich vielleicht auch zeigen, dass Ungarn's Budget
auch wieder bald geregelt sein könnte, und das alte magyarische
Adage: ^^Extra Unguriam si est vita non est ita^'- würde eine
ganze Wahrheit werden und kein Trugbild nur wie jetzt sein,
denn in Fett nur ersticken war nie gesund. Doch um zu diesem
Eldorado zu gelangen, muss Osterreich nicht erlauben, dass in
einem Krieg in der Türkei das Land in eine Wüstenei durch
Racen- Würger, Religionskriege und Raubvölker verwandelt werde.
Jetzt bitten wir jeden Unpartheiischen, zu urtheileU; welcher
ungeheure Unterschied zwischen jener Wien directe Salonik
leicht ausführbaren Bahn und die schwierige , kostspielige,
selbst für Österreich theilweise sehr unproductive, diagonal
bosnische Bahn vorhanden sei ! Letztere ist vielmehr eine türkische
strategische, zu gleicher Z'^it vielleicht eine englische gerade
Linie nach Indien. Doch auch, wenn man will, würde sie eine
möglichst civiüsatorische für das arme, vernachlässigte und arg
])edrückte, christliche, bosnische Volk sein. Einiger Nutzen für
Österreich wird wohl daraus entstehen, aber die Wien-Saloniker-
Bahn wird als Weltbahn fast eben so wichtig als die
von Wien nach Constantinopel, besonders für die
Donau -Einwohner werden. Sie wird zu allen Jahreszeiten
eine leicht befahrene bleiben, indem die Bosnische im Winter
manchen Unterbrechungen ausgesetzt wurde.
Salonik wird gewiss einmal eine grosse Stadt, weil sie
gegenüber Egypten und Syrien sowie der künftigen Alexandretto-
Aleppo-Bagdad-Babn liegt. Wie St. Francisco's Lage zum Stillen
Meer und dem inneren Amerika, wie ihre Terrainplastik die grosse
Ebene hinterMeer und Hügel sie zu einer Millionstadt prädestinirt,
so hat die Natur ungefähr in einer bescheideneren Weise Salonik
4G4 Bouö. Über die tiirkisclien EisiMibaliiifii etc.
mit seinein fiacheu fruchtbaren Terrain und seinen prächtigen
benaclibarten gesegneten Gegenden ausgestattet. Zu erwähnen
brauchen wir nur folgendes Paradiesisches, namentlicli das
scliöne Vodena sammtMaglenitza-Thal, die blühenden griechisch-
zinzaren Städte Veria u. s. w., der prächtige Olymp und das
idyllische Thal derTempe; zudem prangen von der andern Seite
der in der Chalcis bewaldete Athos und das majestätische
Becken von Seres, ein östliches Prachtgegenstück zu Bitoglia's
westlicher Ebene mit seiner hohen Pyramide des Peristeri oder
Sua-Gora, eine jetzt schon bestehende Goldgrube der durch
Natur- und künstliche Bewässerung erhöhten Landwirthschaft.
Die Pest-Saloniker Bahn würde gar keinen Tunnel und nur
4 bis 5 Hauptbrücken benöthigen.
465
Geologische Untersuchungen im westhchen Theile des Balkan
und in den angrenzenden Gebieten.
IV. Eiu geologisches Profil von Osmanieh am Arcer, über
deu Sveti-Nikola-Balkau^ nach Ak-Palauka au der Msava.
Von Franz Toula.
(Mit einer geologischen Kartenskizze und acht Tafeln.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 26. April 1877.)
1. Von der Grenze der sarmatischen Bildungen bis Belograd^ik.
In meiner letzten Mittheilung- i habe ich die Verbreitung der
sarmatischen Ablagerungen, in dem von mir bereisten Gebiete
darzustellen gesucht, und bin dabei bis zu den, im westlichen
Donau-Bulgarien als Unterlage derselben auftretenden Gesteinen
gekommen.
Hinter Vlachoviti kamen wir auf Sandsteine von granitischem
Aussehen, die man förmlich als regenerirte Granite bezeichnen
könnte, da sie aus Quarz, wenig Feldspath und Glimmerschüpp-
chen bestehen. Aber schon früher, auf der linken Thalseite des
Wasserrisses beiBulgarisch-Rakovica fanden wir im Bachbette ein
graues, grobkörniges aus Quarz und weissem Glimmer bestehen-
des klastisches Gestein mit kalkigem Bindemittel.
Diese Gesteine Hessen uns die Nähe des granitischen
Grundgebirges vermuthen, das wir auch alsbald, in Wasser-
rissen am Wege nach Rabis, noch vor dem Kabisberge, auftreten
sahen.
Es ist dies ein sehr grobkörniger, glimmerarmer Granit,
von grauer Färbung, der hier am Bache auf weite Erstreckung
1 Geologische Untersuchungen im westlichen Balkan. 3. Die sarma-
tischen Ablagerungen zwischen Dou;iu und Tiniok. Vorgelegt in der
Sitzung d. math. natiir. Classe am 1. März 1877.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LXXV. Bd. I. Abth. 2Ö
466 T () u 1 :i.
entblösst ist und in .grossen Blöcken auftritt, über luid zwischen
welchen das Wasser liinfliesst ; ein Gestein von ung-enieiner
Festigkeit, so dass es schwer, war Probestücke los zu bringen.
Der orthoklastische Feldspath kommt in grossen Tafeln vor und
auch der Quarz tritt in g-rösseren Stücken auf; beide sind auf
das Innigste verbunden.
Dieses Gestein hat hier eine weite Verbreitung, wie schon
ans der Thatsache hervorgeht, dass wir es auch auf der Strecke
zwischen Rabis und Belogradcik in ganz ähnlicher Ausbildung
an der Stelle, wo von der Strasse nach Vidin der Weg nach
Rabis abzweigt, antrafen. Hier ist es ein Granit, der aus licht-
grau gefärbtem Quarz , wasserhellem Feldspath (Orthoklas)
und lichtgrünlicli gefärbtem Glimmer besteht. Der letztere ist
jedoch sehr verwittert und tritt gegen die beiden anderen Ge-
mengtheile zurück.
Das Gestein ist vielfach zerklüftet; die beiden Hauptrich-
tungen der Zerklüftung verlaufen hora 5 und hora 1 1 (also 0. 15° N.
und S. 15° 0.). Die ersteren Klüfte sind fast vertical, während
die letzteren nahezu horizontal liegen. Diesen Zerklüftungen ent-
sprechen hin und wieder Gänge von grobkörnigem, weissgefärb-
tem Granit, welcher gleichfalls glimmerarm ist.
Dieses Granit - Grundgebirge bildet vor Rabis die Unter-
lage, auf welcher sich der aus weissem, stellenweise fast
krystallinisch aussehendem Kalk bestehende Berg von Rabis,
die Magura oder der Pilav bair („Reis - Haufen") genannt,
erhebt.
Es ist dies ein mit Kalkblöcken übersäter, fast völlig kah-
ler, nur stellenweise auf den Abhängen und oben, auf einem viel
zerrissenen Plateau, mit niederem Gestrüppe bewachsener, nur
etwa 100 Meter über der Umgebung aufragender Kalkberg, der
Der Berg von Rabis. die Masiira oder der Pilav bair.
Geologische Untersuchung'en im westl. Theile d. Balkan etc. 46 i
sich aber trotz seiner g-ering-en Höhe doch recht autfallend
abhebt.
Das Gestein, aus welchem der Berg aufgebaut ist, besteht
wie gesagt aus einem lichten, halb-krystalliuisch aussehendem
Kalke, der von 0. nach W. streicht und mit 20" nach Süden ein-
zufallen scheint. Die Lagerungsverhältnisse Hessen sich nicht
mit voller Sicherheit bestimmen.
Gegen Osten hin tritt an der Strasse ein röthlichg;rauer, sehr
feinkörniger, fast dichter Kalk auf, der zahlreiche Belemniten
und Ammoniteu enthält, Reste, die keine nähere Bestimmung
zulassen. Diese Sehieliten streichen von Osten nach Westen,
wie dies auch bei dem weissen Hangendkalk des Berges der
Fall zu sein scheint, stehen jedoch fast vertical und zeigen, be-
sonders an der Quelle nördlich von Rabis (Vrlo radisko), die
deutlichen Spuren eines Einsturzes, indem hier die Schichten
wie durcheinander geworfen erscheinen. Aus dem Schutt und
Blockmaterial dieser Verwerfung quillt das Wasser einer Quelle,
welche zeitweilig mit ganz ansehnlicher Gewalt und grosser
Wassermenge erodirend in dem gegen Südost massenhaft ange-
sannnelten Schuttmaterial auttritt, wie die tiefe Schlucht auf
Ei'osious-Schlucht im N. W. von Rabis (bei Vrlo radisko).
1. Eine etwa 1 Meter mächtige Krnrae auf mergeliger Unterlage.
2. Lehm mit Einlagerungen von Schotter, geschichtet.
3. Ungeschichtete Gerolle.
4. Grauer Sand mit Gerollen, geschichtet.
5. Weissget'ärbter Sand.
6. Gelber Sand.
7. Weisser Mergel.
Bei X eine Verwerfuugskluft.
25*
4G8 'r o u 1 u.
(las Deutlichste erkennen lässt, in weicher das Wässerchen
abfiiesst.
Die Schlucht ist eng und hat eine Tiefe von etwa 20 Meter.
Sie zeict an der Eintrittsstelle des kleinen Quellabflusses einen
ausnehmend schönen trichterförmigen Scblott, der nacli vorne
durch einen breiten Spalt geöflnet ist, durch den das Wasser in
die Schlucht eintritt. Diese ist von steilen Wänden begrenzt.
Am Grunde liegen grosse Blöcke von Kalktutf in Menge herum.
Es scheint, dass das Wasser eine Zeit lang unterirdisch abge-
flossen ist.
Indem weissen Kalk des Rabisberges fanden sich, besonders
am westlichen Gipfel, mehrere, freilich nicht auf das Beste erhal-
tene Versteinerungen, welche mich vermuthen lassen, dass wir
es hier mit tithonischen, den Stramberger Kalken entsprechenden
Schichten zu tliun haben, für welche Meinung auch die petrogra-
phische Beschatfenheit der Gesteine sprechen würde. Es lässt
sich hierüber kein sicheres ürtheil abgeben, da die vorgefundenen
Versteinerungen spärlich sind.
Es fanden sich einige Reste von Brachiopoden, Nerineen
und Korallen, nebst einem kleinen glatten nicht näher zu bestim-
menden Pecten.
Von Brachiopoden erhielt ich beim Zerschlagen einiger
Handstücke, Bruchstücke von einer Terebratula.
Auch eine Rhynchonella liegt in Bruchstücken vor.
Von Nerineen fanden sich zwei verschiedene Formen:
1. Ein kleines Exemplar (Taf. VII, Fig. 6; 11 Millimeter
lang, 6-3 Millimeter breit), kurzspindelig und zierlich
gefaltet, die sich auf das Beste mit der von Prof.
Peters (die Nerineen des ob. Jura in Osterr.,
Taf. II, Fig. 8 und 9) abgebildeten JSerinea Staszycii
Zeuschn. sp. vergleichen lässt, wenngleich auch die
von Dr. Zittel (Gastropoden der Stramberger Schichten,
pag. 343, Taf. 41, Fig. 4 bis 9) als Itieria Austriaca
bezeichnete Form recht ähnlich ist.
Da nur ein einziges Exemplar dieser Art gefunden wurde,
ist es schwer eine sichere Entscheidung zu treften, obwohl es
höchstwahrscheinlich ist, dass wir es mit einer zu Nevinea (Itieria)
Staszycii Zeuschn. gehörigen Form zu thun haben.
Geologische Uutersiicliungen im westl. Theile d. Balkan etc. 469
Unter den Kreide-Neriueen ist die, welche Pictet und Cam-
piclie von 8aint croix abbildeten (Description des Fossiles du terr.
cretace de Saint croix, IL Band, pag. 224, Taf. LXIII, Fig-. 6
und 7) und als Nerinea (Itieria) cyathus beschrieben die Ein-
zig:e, die einigermassen ähnlich ist, sie stammt aus der untersten
Eta£:e des Neocom, dem Yalangien, (dem calcaire roux), ist
aber eine viel grössere Form.
2. Ein zweites SchalenbruchstUck (Taf. VII, Fig-. 7) zeigt
die Faltung recht gut, wonach wir es zu Nerinea Morenna
d'Orb. stellen müssten.
Von den Korallen ist eine
Thamnastra'ü
noch am besten erhalten, sie erinnert an die vonQueustedt
als Astrea conßuens bezeichnete Form von Nattheim (Petrefacten
K., Taf. 75, Fig. 1), welche neuerlichst von Becker (Paläeon-
tographieaXXIBd. Taf. 40, Fig. 10) als Thamnastred discreyans
bezeichnet wurde. Au den vorliegenden Bruchstücken lassen
sich am Längsbruche nahestehende parallele Leisten verfolgen,
die durch zahlreiche zarte, horizontale Leistchen gekammert
erscheinen.
Ausserdem fanden sich einzelne Durchschnitte, welche an
MooitUvdJfiti fffspar H a i m e (^= AnthophijJhon ohcom'nnn Gold f.)
erinnern, sowie auch kleinere Kelchdurchschnitte von Thecos-
milien.
An einem stark ausgewitterten Stücke ist die vordere Kelch-
wand entfernt, so dass die centrale Achse sichtbar wird, die
ganz kleine blasige Hohlräume enthält.
Die Septa lassen 3 Cjklen deutlich erkennen; von diesen
reichen die beiden ersten bis nahe zum Centrum des Kelches,
eine Scheidewand scheint querüber gegangen zu sein, ganz
ähnlich so, wie es Quenstedt bei Litliodendron dianthus
(Petref. Kunde, II. Aufl., pag. 785) angibt. Viele Ähnlichkeit hat
Ph(cophyUl(( (^7)rugosa Becker (Korallen der Nattheimer Schich-
ten 1. c. pag. 140, Taf. 38, Fig. 9).
AndieserStelle möchte ich auf die ,. weissen zuckerkörnigen"*
Kalke hinweisen, welche Herr Dr. Tietze am Stol nördlich
von Saitsar in Serbien, kolossale Felsraauern bildend, unmittelbar
470 T () 11 1 a.
auf Granit laj;:eni(l angctroifeii hat. ' Sie stimmen, wie ich mich
an Stücken, die sich in der Sammlung der k. k. geologischen
Reichsanstalt befinden, überzeugen konnte, in petrographischer
Beziehung auf das Beste mit den weissen Kalken des Babisberges
übereiu, und auch die am Stol gefundeuen Terebrateln und
Korallen scheinen für die Übereinstimmung beider Gesteine zu
sprechen.
Diese Ül)ereinstimmung wird noch vermehrt, wenn man die
stratigraphischen Verhältnisse mit in Betracht zieht. Der blen-
dend weisse Kalk des Rabisberges liegt nämlich, wenigstens im
westlichen Theile, unmittelbar auf krystallinischen Gesteinen,
während im östlichen Theile ein etwas älteres Gestein (wahr-
scheinlich oberer Malm) zu Tage tritt. Doch sind leider gerade in
diesem Theile die Lagerungsverhältnisse sehr gestört.
Herr Dr. Tief ze ninnnt für jene weissen Kalke ähnlieh so
wie für gewisse äquivalent Kalke bei Maidan pek in Serbien
und l)ei Weitzenried im Banate senones Alter an, was jedoch
mit den Vorkommnissen am Kabisberge nicht übereinstinmit, da
die letzteren älter sein dürften.
Petrographischsehr ähnlich sind auch die weissenNerineen-
Kalke von Balaii und Hagymar, ^ wo neben viel grösseren Arten
auch die Nerinea Sttiszyzü Zeuschn. angeführt wird. Hier
spielt freilich das Vorkommen von grossen Schalen die als
Diceras Lucil Defr. bestimmt wurden, eine Hauptrolle, wesshalb
ich auch eine Parallelstellung hier nicht näher eingehen will, um-
somehr, als ich auf ähnliche Gesteine bei einer andern Gelegen-
heit wieder zurückkommen werde. —
Was die geologische Beschaffenheit der kurzen Strecke
zwischen Kabis und Belogradcik anbelangt, so ward mir dieselbe
zum grossen Theile, bei Gelegenheit eines Ausfluges, den ich
von dem letzteren Städtchen aus nach Norden hin unternahm,
recht klar. Es ergab sich dabei, dass das verliältnissmässig nur
wenig iindulirtc, mit sanft geböschten Hügeln bedecktes Terrain
aus krystallinischen Gesteinen bestellt, also eine Fortsetzung
« Geologische Notizen aus deiu noidüstlicheu Serbien Jalirbiicli d.
k. k. geol. R. A. 1870 (XX. Bd.) pag. 579-583 u. pag. 597.
2 V.Hauer und Stäche: Geologie von .Siebenbürgen, pag. 308.
Geologische Unteisiichungeu im we^itl. Tlieile d. Balkan etc. 471
bildet des Vorkommens von granitischeu Gesteinen im Nord-
westen vomEabisberg-e. Kurz vor Rabis, im Norden dieses Dorfes,
zieht sich jedoch offenbar eine Verwertiing-slinie hin.
Bei jenem Austiuge fand ich numittelbar vor den Schranken
des Städtchens, „bei der ersten Brücke", ein diinnschieferiges
gneissartiges Gestein, das mit Quarzlagen wechselt und
von einem etwa einen Meter mächtigen Gang von Granit durch-
setzt ist. Dieser letztere hat eine röthliche Färbung und besteht
aus grauweissem Quarz, fleischrothem Orthoklas und sehr wenig
Glimmer.
Die gneissartigen Schiefer sind weissglimmerig und unge-
mein verwittert. Sie streichen hör. 7 — 8 (0.20° S.) und fallen steil
(mit 63°) nach Süden ein.
Auch hier haben wir es mit einer Verwerfungslinie zu thun.
Belogradcik liegt auf der Höhe und unmittelbar bei den letzten
Häusern beginnt der Steilabhang.
2. Die Dyas-Formation bei Belogradcik.
Einer der Gesprächsstoffe bei meinem Besuche iniKonak des
Pascha's von Vidin, ))etraf ein Kohlenvorkommen bei Belograd-
cik, für welches sich der Pascha lebhaft interessirte.
Einer der ersten Ausflüge, die ich von Belogradcik aus unter-
nahm, war daher in die romantische Schlucht südlich von dem
Städtchen gerichtet, wo kaum 2 Kilom. vom Beginn des jähen
Absturzes, im Wasserriss eines kleinen , der Steikovca Ejeka
zufliessenden Baches, unmittelbar an der Strasse, die Schürfungen
mit der grössteu Sorglosigkeit, unmittelbar unter dem Strassen-
niveau ausgeführt wurden.
Der Stollen zieht sich schlecht gezimmert unter die
Strasse hin. Freilich war er bei meinem Besuche erst wenige
Meter tief.
Das Kohlenflötz ist am Eingange in den Stollen 30 — 50 Cm.
mächtig und theilt sich weiterhin in drei ganz schwache Lagen,
die zwischen harten, etwas bituminösen Thonmergeln liegen, und
dünne, sandige Zwischenmittel zeigen. Es streicht bor. 7 — 8 und
fällt steil nach Süden ein (mit 65—70°).
472
Toula.
Auffallend ist die Übereinstimmimg der Lagerung- mit der,
der gneissartigen Schieter auf der Höhe bei Belogradcik.
Fig. 3.
Scliichtenfolge an der Westseite gegen die .Strasse zu.
1. Grauwackenartige Conglomerate und etwas feiner körnige Sand-
steinbänke.
2.)
.3 } Dunkle Tlionmergel, spiegelkliiftig, in dünneren und dickeren
Bänken.
4. Sehr feinkörnige, lichte Quarzsandsteine.
5. Die Kohlenschichte, auskeilend zwischen dunklen Thonmergeln
und mit sandigen dünngeschichteten Zwischenlagen.
6. Sandige thouige Mergellager.
7. Weisser feinkörniger Quarzsand.
8. Harte düuugeschichtete Tlionmergel.
9. Gelblicher Sand.
10. Breccienartige Grauwacke.
Vorstehende Skizze, die an Ort und Stelle angefertigt wurde,
gibt eine Vorstellung von den Lagerungsverhältnissen.
Auch zwischen 9 und 10 finden sich einige Kohlenspuren.
über dem steilaufgerichteten Schichtensystem liegen in
horizontaler Lagerung braunrotlie Sandsteine und Conglomerate.
Die Schichten der einander schräg gegenüber liegenden Auf-
schlüsse (mau vergleiche Fig. 3 mit Fig. 4) scheinen sich nur
theilweise zu entsprechen, und zwar:
die Schichte 4 von der Ostseite, der Schichte 1 von der
Westseite ;
die Schichte 3 von der Ostseite, der Schichte 2—4 von der
Westseite ;
Geologische Untersuchuugen im westl. Theile d. Ballvan etc. 473
die Schichte 1 und 2 von der Ostseite, der Schichte 5 und 6
von der Westseite.
Fig. 4.
- -\\
Schichteureihe an dei Ost.seite
1.
2,
3,
4
5
6,
7
8
9
10
gefärbte
liegend
Sandig-mergeliges Gestein (licht gefärbt).
Kohle mit sandigem und mergeligem Zwischenmittel 0-3 Meter.
Grünlich gefärbte, sehr feinkörnige Sandsteine mit Concretionen.
Granwackenartige, sehr feste Gesteine.
Grünliche Sandsteine.
Mergeliges Gestein. Verschiedenfarbig: grauweiss, roth, graugrün.
Thoniges Gestein mit kohliger Substanz.
Weiche, sandig-thonige Schichte, von graugrünlicher Färbung.
Pflanzentuhrende Schichte. Sandsteine, ähnlich wie 3 und 5.
Conglomerate. Nussgrosse, ja faustgrosse GeröUe mit roth
m sandigem Bindemittel, discordant auf den übrigen Schichten
Nach Osten hin wurde im Streichen des kohlenführenden
Gesteines (1 und 2 auf Fig-. 4) ein 13 Meter tiefer Schacht abge-
teuft, um so auf die Kohle zu treffen, ohne dass das Unternehmen
von Erfolg g-ekrönt gewesen wäre.
Man fand :
7 Meter tief Gerolle und rothen Sand (Schutt),
3 „ weit durchfuhr man dunkel gefärbte harte Mergel
und traf weiterhin auf dünugeschichteten lichten Sandstein und
Schieferthon, der anhält und Kohle tührt, freilich nur in ganz
unbedeutenden S))uren.
Allem Anscheine nach bildet die Kohle nur kleine linsen-
förmige Einlagerungen in dem lichten feinkörnigen Sandstein.
474 T o u I a.
Die Kohle ist eine, in wnrlelig:c Stückchen zerfallende
Schwarzkolile, ist sehr bituminös nnd brennt sehr gut mit stark
rnssender Flamme.
In der Kohle selbst wurde ein Stück der Chayrinliaut von
Xenacuntlius g-efunden.
In dem Hangendsandsein (Schichte 9) fanden sich folgende
zum grössten Theile minder gut erhaltene Pflanzenreste. :
Oilaniite.s cfr. dubius Brongniart.
— hifractus var. D ü r r i G u t b i e r.
Annularia spec. ind.
OdoHtopferis ohtusUoba N a u m a n n.
CyidJieites cfr. arborescens B r o n g n i a r t.
Alefhopteris (C(dlipteris) (ßlifas v. (1 utbier sp.
Tceniopteris abnormis Gutbier.
Walchla pfnifonnls S ch 1 o t h.
Es sind dies, mit Ausnahme des Cxlantitcx cfr. (Inhins, der
der Jüngeren Steinkohlenformation angehört, durchaus für die
untere Abtheilung der Dyas bezeichnende Formen. Und zwar liegen
dieselben in Deutschland theüs im Brandschiefer ( Xenacanthiis
Cyatheitis arborcscens, Älethopteris gigns) theils in den Roth-
ligend-Conglomeraten und Sandsteinen (Odo7itopteris obtiisiluba,
Alethopleris gigns und Wa/chia p'niif'ormia) oder in den unter-
dyadischen Thonsteinen (CgtithcUes arborescens, Tueniopteris
abuormh). Daraus geht hervor, dass die pflanzenführenden
Schichten mit Kohleneinschlüssen bei Belogradcik, der unteren
Abtheilung der Dyas angehört und zwar der Beschaffenheit der
Kohle nach zu urtheilen, dem unteren Rotliliegenden. Wir haben
es eben mit dem Walcliiensandstein (Ludwig), und mit einem
ganz unbedeutenden Brandscliieferflötze zu thun.
Nach den Aufzeichnungen meines Begleiters, des Herrn Assi-
stenten Josef Sz omb athy, der unter der Führung des Herrn
Marian N. Moranski aus Bukarest, (des Aufsehers bei den
Kohlenschürfungen von Belogradcik), einen Ausflug nach Stei-
kovce zu einem Kohlenausbiss an derSteikovcaKjeka unternahm,
lassen sich die Verhältnisse an dieser Localität in Kürze wie
folgt darstellen.
Die Steikovca RJeka konnut aus Westen und fliesst etwa
drei Kilometer südlich von Belogradcik nach Südosten und
Geologische Unteisuclinngen im westl. Tlieile <l. Balkan etc. 475
weiterhin ostwärts zum Lom. Steikovce selbst liegt in etwa
7 Kiloni. Entfernung-, westlich von Belogradcik.
Die Grundlage des ganzen Terrains wird von alten (paläo-
zoischen, '?) kalkigen und schieferigen Gesteinen (phyllitähnli-
chen Thonschiefern) gebildet, deren bald dünnere, bald mäch-
tigere Schichten bei verschiedenen Streichungsrichtungen stets
steil aufgerichtet sind. Diesen Gesteinen ist ein Complex von
Mergeln, Schieferthonen und Sandsteinen mit dünnen, nicht abbau-
würdigen Kohlenlagen concordant eingelagert. Sonst liegt überall
der rothe Sandstein und darüber grauer, dichter Kalk, discordant^
in fast horizontalen Schichten, über den Thonschiefern.
Bis zu dem Tschitiik von Steikovce bemerkte Herr Szom-
bathy nur die rotlien Sandsteine und Conglomerate auf den
Thonschiefern aufliegend. Weiterhin waren die südlichen Höhen
von den, gegen das Thal des Baches, also gegen Norden hin,^
abgebrochenen, grauen Kalkbänken gebildet, ganz ähnlich so
wie es am Vensac und dem kleinen Stoloviberge östlich von
Belogradcik der Fall ist. Die unteren Tlialgehänge bestehen
ebenso, wie in dem vorher erwähnten Vorkonmien bei Belograd-
cik, aus rotliem Conglomerat.
Das unserer Localität zunächst gelegene Vorkommen dyadi-
scher Pflanzen, liegt in der Gegend von Reschitza im Banat. '
Fiff. 5.
Kohlenansbiss bei Steikovce am Bachbette, westl. von Belogradcik.
1}
Sandige Kalkschiefer 8t. 9" fallen nach SW mit 05°.
o. Thonschiefer, etwas graphitisch mit Spiegelklüften und dünnen
Zwischenlagen von Sandstein.
4. Kohlenflötz, an den Grenzen mit dünnen thonigen Lamellen,
40 Centimeter mächtig.
.'i. Sehieferiger, gliuimer- und (juarzreicher Sandstein.
ti. Blöcke aus rothem Conglomerate.
1 Bergrath Stur: Beiträge zur Kenntniss der Dyas- und Stein-
kohlenforniation im Banate. Jahrbuch der k. k. geol. Reichsanstalt 1870
(XX. Bd.j pag. 18Ö — -iOit.
470 T o ;i 1 ;i.
Die ersten Pflanzenreste hat daselbst J. K u tl e r n a t s c h (1 854)
gefunden, ohne eine sichere Deutung- ihres Alters vorzunehmen.
Rerg-rath Foetterle hat (1860) grössere Aufsammlungcn ge-
macht, welche von Herrn Bergrath Stur in der citirten Arbeit
eing-ehend bearbeitet wurden.
Die Gesteine der Steinkohlent'onnation bilden im Banat die
Unterlage einer mächtigen Ablagerung eines rothcn Sandsteines,
mit Einlagerungen von dunklen Scliieferthonen, Die untere Lage
dieses Schieferthons führt ein 3' mächtiges Flötz (im Karasthaie
bei Goruja aufgeschlossen), die zweite Schieferthonlage lieferte
bei Gerlistye Spuren von Pflanzen, darüber lagert die obere
Etage des rothen Sandsteines, „vorherrschend aus grellrothen
Sandsteinen und g:limmerreichen Schiefern" bestehend, an ein-
zelnen Stellen über 1000' mächtig. Die reichste Ausbeute an
Pflanzen lieferten die Aufschlüsse bei Goruja und bei Cudanovec.
Von den bei Goruja stammenden sieben Arten stinmien 3
ndt Vorkommnissen von Belog;radcik überein und zwar: Wulchia
p'miformis Schi., Ofioufopfcris ohtuailnha Na um., Aleth^pteris
(ftgas Gutb. — Ausserdem gibt Herr Bergrath Stur an: Annularhi
cdrinata Gutb. (beiBelogradcik nur in einem nicht ganz sicheren
Stückchen vorhanden), Hymenophyllites erosa Morr.. JSeuro-
pteris cordatii Brongn. und Älethnpteris pinnatifidu Gutb.
Als bemerkenswerth verdient auch des Vergleiches weg'en
hervorgehoben zu werden, dass im Val Trompia das Rothliegende
ndt Pflanzenversteinerungen nachgewiesen wurde ', unter wel-
chen sich auch die Wdickia i)i7iif'or))tis Schloth. vorfindet. Die-
selben finden sich in schiefrig sandigen Zwischenlagen des
Verrucano, der auf den vom Prof. Suess als Casanaschiefer
bezeichneten Thonglimmerschiefern auflag-ert und von den Trias-
bildungen überlagert wird.
Die petrographische Beschaftenheit des Verrucano stimmt
iiuf das Beste mit den, beiBelogradcik die romantischen Seenerieu
bildenden rothen Sandsteinen ü))erein. Es ist (Suess 1. c. 115)
1 Prof. Eri. Suess: Über das Rothliegende im Val Trompia.
iJitzungsbenclite der k. Ak. d. Wissensch. 18G9, LIX. Bd., I. Abtli., pag.
107—111».
Geolog'ische Untersuchiuigen im westl. Theile d. Balkan etc. 4 m
ein rothes Conglomerat vod Gerollen kiystallinisclier Felsarten,
mit zahlreichen Gerollen von weissem Quarz. Der Verrucano
im Val Trompia ist grob geschichtet und in Pfeiler zerklüftet,
ganz so wie es auch in Belogradcik der Fall ist. Der wesent-
lichste Unterschied beider Vorkommnisse besteht nun aber
darin, dass bei Belogradcik, zwischen den pflanzenführenden
sandigen Schiefern mit dem Braudschieferflötz und den rothen
Sandsteinen und Conglomeraten, eine auflallende Discordanz.
besteht.
Diese drei südlichen Localitäten des pflanzenführenden
Rothliegenden, zeigen überdies die grösste Übereinstimmung
mit dem mitteleuropäischen Rothliegendeu in Sachsen, Schlesien
und am Südfusse des Riesengebirges in Böhmen, aber auch mit
den Vorkommnissen von Rossitz und Lissitz in Mähren und von
Zöbing in Niederösterreich.
Die pflanzenführenden Gesteine von Füntkirchen hingegen *
gehören einer höhereu Etage an. Mit ihren Einschlüssen
stimmen auch auf das Überraschendste die Pflanzen überein,,
welche Gümbel jüngst in den weissen Sandsteinen (Ulimanien-
sandstein) des oberen Grödeuer Sandsteines, bei Neumarkt in
Südtirol, entdeckt hat. ^
Erwähnt zu werden verdient, dass an beiden Stellen das
Hangende der Schichten mit oberdiadischen Pflanzen, Schichten
der unteren Trias bilden (in SUdtirol die Seisser-Schichten, bei
Fünfkirchen der Buntsandstein mit Myophoria costata , auf
welche Verhältnisse ich später an einer anderen Stelle noch
zurückkommen werde.
Im südlichen Theile des Banater Gebirgsstockes hat Herr
Dr. T i e t z e3 einen schmalen, in meridionaler Richtung verlaufen-
1 0. Heer: Über permische Pflanzen von Fiinfkirchen in Ungarn.
(Mitth. aus dem Jahrb. der konigl. uug. geol. Anst. V. Bd., 1876, Tat". XXI
bis XXIV).
2 Dr. W. Gümbel: Vorläufige Mittheihing über das Vorkommen
der Flora von Fünfkirchen im sogen. Grödner Sandst. Südtirols. Verhau dl.
d. k. k. geol. K. A. 1877, pag. 23.
3 Dr. E. Tietze: Geol. u. paläont. Mitth. aus d. südl, Theile des
Banater Gebirgsstockes, Jahrb. d. k. k. geol. E. A. 187z, XXII Bd., pag.
47 — .00.
478 Toula.
den Zii.i;- von bunten C'onglonieraten, P()i)liyrtutt'en, rotlien Sand-
steinen und Schiefern zwischen dem Lias-Sandsteine einerseits
und den Schicliten der Steiukohlenformation oder, in den meisten
Füllen, den krystallinischen Gesteinen andererseits angetrotten,
und ist g-eneig't. diel)unten Rreccien undCongloraerate, sanniitden
damit verbundenen Porpliyrtotfen, der permisolien Gruppe zuzu-
recliuen, die grellrothen Sandsteine hingegen ,.für untere Trias
zu nehmen'-.
Bergratli Stur in seiner Geologie der Steiermark (1871,
pag. 112) bemerkt über den mächtigen versteinerungsleeren
Sandstein, dass eine sichere Altersbestimmung desselben nicht
durchführbar sei, gibt jedoch zu, dass Manches zu Gunsten der
Annahme spricht, dass man es hiebei mit Gesteinen permischen
Alters zu thun haben könne. Es kommt dabei sowohl die
petrograi)hische Beschafiienheit des rothen Sandsteines, die an
das Rothliegende erinnert, als auch die unmittelbare l'l»er-
lag-eruug durch Werfener Schiefer in J^etracht.
Prof. Peters ' spricht die Meinung aus, dass die rothen
Sandsteine des Bihargebirges in Siebenbürgen, des FUnfkirchner
Gebirges und desBanates gleichalterig seien und es würde daraus
hervorgehen, dass sie entweder dem Bothliegenden oder dem Bunt-
sandsteine oder beiden zug-leich entsprechen. Dabei muss betont
werden, dass auch die oben erwähnte Stur'sche Abhandlung
für die oberste und mäclitigste der drei Sandsteinlagen, keine
Altersbestimmung sicher stellt. Nur soviel ist sicher, dass diese,
stellenweise über lUOO' mächtigen Massen von vorherrschend aus
gelbrothen Sandsteinen und Schiefern, jünger sind als die pflanzen-
führenden Schichten, Da diese letzteren imBanate, wie auch bei
Beiogradcik, dem unteren Rothliegenden entsprechen, so können
wir es in den Hangendsandsteinen mit Äquivalenten des oberen
Rothliegenden, des Zechsteines, oder der unteren Trias-
Etage, dem bunten Sandsteine oder Werfener Schiefer zu thun
haben.
In Bezug auf die Altersbestimmung- des Grödner Sand-
steines wurden erst neuerlichst die Andeutungen Stach e's über
« Geolog. uihI miuer.-il. Studien aus dem südöstl. Ungarn etc.
Sitzungsberichte 18G2. 46. Bd.
Geologische ünteisiicluuigen im westl. Tiieile d. Balkan etc. 471'
seine Zug-ehörig-keit zur alpinen Perm - Formation , durch
Gümbel's oben ang:eführte Pflanzenfunde, glänzend bewahr-
heitet.
Ist die Altersbestimmung aber in so lange gekannten und
so eingehend studirten C4egenden nicht mit voller Sicherheit
durchführbar gewesen, so wird es nicht Wunder nehmen, wenn
es auch mir, bei der Altersbestinnnung der rothen Sandsteine
und Conglomerate, welche discordant über den Kohle führenden
Walchien - Sandsteinen und den azoischen Schiefern folgen, '
schwer wird, einen bestimmten Ausspruch zu thun. Die
besagte Discordanz scheint einen Anhaltspunkt gewähren zu
wollen, doch sind ja auch an anderen Orten zwischen der Kohle
führenden Rothliegendschichte und den Haugendsandsteiuen
Discordanzen nicht selten. Herr Tietze (Geol. pal. Mittb.
aus dem Südost. Theile des Banater Gebirgsstockes , Jahr-
buch 1872, pag. 50) hat vielleicht das Richtige getrotfen, in
dem er die fraglichen grellrothen Sandsteine für untere Trias
erklärt, die Conglomerate und Breccien aber der permischen
Gruppe zurechnet; es ist dies ein Vorgang, wie er neuer-
lichst auch von Böckh für Fünfkirchen eingescblagen wurde.
Bekanntlich hat auch v. Höchste 1 1 e r die Frage offen
gelassen, indem er (die geol. Verhdlg. des östl.Theiles dereurop.
Türkei, I. Abth., Jahrb. 1870, pag. 416) von den rothen Con-
glomeraten, Sandsteinen und sandigen Mergeln am südöstlichen
Eingange in die Iskerschlucht bei Sotia,welchepetrographischmit
den Gesteinen bei Belogradcik auf das Vollkommenste überein-
stimmen, anführt, dass ,.der petrographische Charakter durchaus
an Rothliegendes erinnert, während andere Gründe mehr für
untere Trias sprechen".
1 Über die discordante Auflagerung der rothen (unter triadischen)
Sandsteine auf die azoischen Schiefer vergleiche man auch v. Hoch-
stetter: Geol. Verhältn. d. ö. Türkei (II. Abth., Jahrb. 1872, pag. 447).
In d. Koniavo Planina, auf der Strasse von Köstendil nach Radomir, sowie
im Brdo Gebirge (1. c. I. Abth., 1870), zwischen Samakov und Sofia. Im
letzteren Falle sind sie überdies steil aufgerichtet. Im Karadsa Dagh (\. c.
I. Abth., pag. 428) liegen sie auf Granit.
480 T o 11 1 n.
Das Mitvorkommcn der plattigen Kalke der unteren Trias,
an mehreren später noch aiislülirlich zu besprechenden Stellen,
so /. P). beim Übergange über den Berkovica Balkan (auf der
Strasse von Sofia nach Berkovce), in der Isker-Schlucht bei
Obetnja, beiTrn und in der Stuma-Schlucht bei Pernek, bestim-
men mich, den ganzen Complex von braunrothen Conglomeraten,
Sandsteinen und sandigen Mergeln der unteren Trias zuzu-
rechnen, (1. h. mit den Werfener Schiefern oder wohl besser
mit der ausseralpinen Buntsandstein -Formation in Parallele zu
stellen. Die Concordanz in diesen dyado- triadischen Ablage-
rungen, sowie die Schwierigkeit die Grenze zwischen beiden zu
bestimmen, sind nur ein Beweis mehr, für den stellenweise
continuirlichen Übergang der Formationen: ebenso wie es
Permö-carbon- Ablagerungen gibt, existiren auch nothwendiger
Weise permo- triadische Bildungen und diese fraglichen rothen
Sandsteine erscheinen als derartige Verbindungsglieder der
beiden Formationen.
2. (i) Die Fossilreste aus dem unteren Rothliegenden von
BelogradÖik.
1. Xenucanthus spec.
TmI'. III, Fig. 1 a, h.
Von diesem bezeichnenden Placoiden liegt aus der Kohle
von Belogradcik ein Stück der Chagrinhaut vor. Die abge-
rundet, vieleckigen Körner sind deutlich erkennbar und stim-
men in Form und Grösse ganz gut mit der kleinen Abbildung
überein, die Gcinitz (Dyas, pag. 23, Taf. XXIII, Fig. (3), vom
Xenacuntkus Deckeni Goldf. sp. gegeben üat. Der Durchmesser
der kleinen Placoidschüppchen beträgt im Mittel 0-5 Mm.
Xenncunthiis Decheni ist nach G ein itz leitend für die, dem
unteren Rothliegenden angehörigen Kalkschiefer von Ruppersdorf
und für die Brandschiefer zwischen Trautenau und Hohenelbe
in Böhmen, sowie von Klein - Neundorf bei Löwenberg in
Schlesien und Salhausen bei Oschatz in Sachsen, eine Angabe,
welche auf das Beste mit dem Vorkommen bei Belogradcik
übereinstinmit.
Geologische Untersuchungen inj westl. Theile d. Balkan etc. 481
2. Calamites d. duhius Brongniart.
Taf. III, Fig. 2. 3.
Brongniart, Histoire des vegetaux fossiles, Tat". 18, Fig. 1 und 3.
Es liegen mehrere Stücke eines Calaniiten vor, den Herr
Bergrath D. Stur, der die Güte hatte, die von mir bei Belog'radcik
aufgeliindenen spärlichen Pflanzenreste durchzusehen, als wahr-
scheinlich zu Calamites dubins, einer Art aus der jüngeren Stein-
kohlenformation, gehörig, bezeichnete. Das eine der Stücke
zeigt ein Gelenk (Fig. 3). Die derben Rippen sind auf dem einen
Theile etwas stärker als auf dem daran stossenden Gliede und
laufen in spitze Enden aus. Die Glieder sind auf jeden Fall
ziemlich lang, denn eines meiner Stücke zeigt auf 5 Cm. Länge
keine Gelenkspur. Der Schaft dieses Stückes ist dabei 2Q Mm.
breit und entfallen auf diese Breite 35 Rippen , während bei
Calamites inf'rnctax v. Gut hier etwa 44 Rippen auf derselben
Breite stehen. Noch gröber sind die Rippen bei dem in Fig. 2
abgebildeten Stückchen. Nahe steht auch Calamites gigas
Brongn.
3. Calamites infractusv. Gut hier \'av. Dilrrl
Geinitz.
Taf. III, Fig. 4.
1849. CaUuniicx Üürriy. Gutbier, Die Verst. d. Zechst, und Bothliegendcn.
Taf. I. Fig. 6.
1862. — inf racfMs vnr. Düri-i Gein\tz, Dyas, pag. 135.
Von einer ungemein zart gestreiften Oalamitenform liegen
mehrere Bruchstücke vor, welche auf das Beste mit der citirten
von Gutbier aus dem Thonsteine von Rüdigsdorf bei Kohren
stammenden Art übereinstimmen, welche von Geinitz (1. c.)
als eine Varietät, zu Calamites inf'rartus Gutb. gestellt wurde.
4, Annularia spec, ind.
Taf. III. Fig. 5.
Auf einem kleinen Gesteinstückchen liegen mehrere kleine,
liniale in der Mitte etwas verbreiterte Blättchen, die mit sehr
Sitzt, d. mathem. naturw. Cl. I.XXV. Bd. I. Abth. 26
482 Toni:..
verschmälerter Basis iiiil' derselben Höhe ent.sprinfien. Es sind
nur sechs solche Blättchen erhalten. Sie sind 12 — 18 Mm. lani^'
und an der breitesten Stelle 1 Mm. breit. Höchst wahrscheinlich
haben wir es mit einem zu Anindiiriu ('<nin((tii v. Gutbier
gehörigen Fossil zu thun. (Versteinerung-en des Rothlieg:enden,
pag. 9, Taf. II, Fig. 3—8.)
5. Odoiitopteris obtuslloba Naumann.
Taf. III, Fig. G.
184'J. OdiiDtopteri.s ulituailohd Gutbier, Veisteinerungen desKotiilieg-endcn
pag-. 14, Taf. VIII, Fig. 9—11.
1858. — — Geinitz, Die Loitijfl. des Rothliegenden,
pag. 11.
1862. - — Geiuitz, Dyas, pag. 137, Taf. XXVIII, Fig. 1
bis» 4, Taf. XXIX, Fig. 1—4, 8—10.
Von dieser in dem Walchien-Sandsteine in der Wetterau,
im Schiefe rthon von Saalhausen und im erhärteten Rothliegenden
von Ihlefeld so häutigen Art liegen zahlreiche Fiederblättchen^
sowie auch die stark gestreiften Spindelstücke vor. Diese Reste
stimmen auf das Beste mit den von Geinitz gegebenen Ab-
bildungen überein. Auch mehrere Fiederchen sammt der Spindel
sind erhalten.
Alle nur vorliegenden Stücke sind an der Basis, weil von
der Nähe der Spindel stammend, etwas eingezogen. Die Nervatur
ist ganz schön zu beobachten und zeichnet sich durch ungemeine
Zartheit aus. Eines der Blättchen ist auftallend gross, so, dass
man versucht ist, an die Basalliederchen zu denken, die Geinitz
(Dyas, Taf. XXIX, Fig. 1 und 10) abbildet.
Die von A. Brongniart aus der Steinkohle von Terrassen
im Departement de la Dordogne. unter dem Namen Odontopterh
ohdfsa angegebene Art (Hist. des Veget. foss. I, pag 255 Tat., 78,
Fig. l-')) stimnd mit der dyadischen Form aus dem Rothliegenden
von Deutschland so gut überein, dass nicht leicht ein Zweifel
über die Identität der beiden Formen aufkommen kann. Die
beiden Figuren 4 und 4« bei Gein itz zeigen die besagte Über-
einstimmung wohl weniger.
Geologische Untersuchungen im westl. Tiieile d. Balkan etc. 483
Auf einem und demselben Stücke mit Walc/iia phti/ormis
lieii't auch eines von den grösseren Fiederblättchen gut erhalten
vor, ähnlich wie sie Gein itz (1. c. Taf. XXVIII, Fig. 1) abbildet.
Auch Stücke der Spindel mit seitlichen spitzen Blattschuppen
sind erhalten, die an den, von Geinitz (Djas, Taf.XXX, Fig. 2)
aus den grauen Schieferthonen der unteren Dvas von Naumberg
in der Wetteran abgebildeten Fossilrest erinnern.
Dieses Fossil ist auch bekannt aus dem Rothliegenden von
Zöbing inNiederösterreich und aus der Umgebung von Reschitza
im Banat (Bergrath D. Stur, Beiträge zur Kenntniss der Dyas-
und Steink.-Form. im Banat, Jahrb. d. k. k. geol. R. A. 1870,
pag. 188 ff".).
6*. Cyatheltes cfr. ctrhorescens Brongniart sp.
Taf. III. Fig. 7.
1«28. Hccuplfri.s en/jurenci'u»- B ronguiart, Hist. des Veg. foss. I, pag. 310,
Taf. CII und cm, Fig. 1.
I84y. — — V. (i u t b i e r. Verst. des Zechstein u. Rothl.,
II. Heft, pag. 16, Taf. II, Fig. 9.
18G-f. Ciiatlieües urhoresceus Ueiuitz Dyas pag. 140.
Nur ein kleines Fiederchen ist erhalten, welches aber recht
gut mit der Brongniart'schen Abbildung von Cyatheites
urborescens übereinstimmt, dieser aus der untersten Steinkohle
bis in die untere Abtheiluiig der Dyas aufsteigenden Art. Auf
den kleinen alternirenden Fiederblättchen ist nur ein scharf
markirter (vertiefter) Mittelnerv erkennbar, während an den
Seiten, nur unter der Lupe, wenig vertiefte Seitennerven ange-
deutet sind.
Aus den Braudschiefern kennt man diese Art von Hohenelbe;
und Ottendorf am Südfusse des Riesengebirges, von Klein-Neun-
dorf und Lauban in Schlesien und aus dem bunten Thonstein von
Reinsdorf bei Zwickau.
Herr Bergrath Stnr citirt CyutheUcs arhorescens aus den
Schichten der productiven Steinkohlenformation im Banale (1. c.
pag. 195 ff.).
26
484 T o 11 1 a.
7. AIrt/iopferis (CallfpterlsJ (jlijas v. Gut hier sp.
'I^af. III, Fig. 8.
]>^49. t'eioptcris ffi</(if- v. Gutbitn-, Verst. des Rotlil., (»aj^. 1 1, Tjif. VI'
Fig. 1^3.
ISb^. Altthop/cn'ti (/i(/os (J eioi tz, LeitpH;iiizeii <1. Rotliliegendeii n. Zcclist.
pag. 12, ThI I, Fig. 2—4.
1862. — — Geinitz, Dyas, pag. 141."
1870. — — Stur, Beitr. zur Kenntn. d. Dyas und Steink. F. im
Bannt, .rahibuch 1870, pag. 192.
Von dieser schönen Art liegt nur ein Fiederstiick mit nur
vier Fiederblättclien auf jeder Seite vor, das sich aber sicher
bestimmen Hess. „Fiederchen gross, gleichbreit, stumpf, flach-
gewölbt, gedrängt.... Nervchen gebogen, gegabelt" (von
Gutbier, 1. c. pag. 14). Gutbier gibt diese Art an den Dyas-
conglomeraten von Lichttanne bei Zwickau, Geinitz aus den
Brandschiefern von Weissig bei Pillnitz und von Burgstädtel
östl. von Dresden.
Herr Bergrath Stur citirt diese Art von Goruja am Karas im
SW. von Reschitza im Banat.
8. Taeniopterls nbfiorniis v. Gut hier,
1819. Taeiüo/ß/crix ahnonuls v. Gut hier. Verst. d. Rotlil., pag. 17, Tat". VII,.
Fig. 1—2.
1858. — — Geinitz, Leitpfi. d. Zeehbt. u. Rothl., pag. 14.
1862. — — — Dyas, 142.
Auch von dieser Art liegt nur ein einziges Stückchen eines
einfachen Wedels vor, zu dem der sehr starke, feingestreifte
Mittelnerv, und die zarten langen, rechtwinkelig auf den Mittel-
nerv stehenden Seitennerven erkennbar sind, so dass über die
Zugehörigkeit zu der citirten Art kein Zweifel bestehen kann.
Tneniopteris (ihiinrnna ist aus den bunten unterdyadischen Thon-
steinen von Planitz bei Zwickau, und aus dem thonigen Kalk-
schiefer von Ober-Kaluc bei Hohenelbe bekannt.
f>. IVaU'hia plnlfornils v. Schlot heim.
Tat'. III, Fig. y.
1820. Liii-opmliolitcs- /nniformin v. Schlotli. Flora der Vorwelt, Tat'. XXIII,
Taf. XXV.
Geologische Uiitersiiclmqgfn im westl. Tlieile d. Balk;m etc. 485
l>^i9. Lycopodiolitek- pimformis \. (iutl)ier, \'erstein. des Rothliegenden.
pag. 23, Tat". X, Fig. o — 7.
isfjB. Walchia — Geinitz, Leitpti. d. Rothl, pag. 17, Tat'. II,
Fig. lU-13.
18ij2. — — Geinitz,Dyas, 143, Tat. XXIX, rig.5, 8, 7,
Taf. XXX, Fig. 1 ; Taf. XXXI, Fig. 2-10.
1S69. — — Suess, Über das Rothliegende im Val
Trompia. Sitzungsber., pag. IIG.
1«70. — — «tur, 1. c. pag. 1!>1 ti'.
Ausser einer ürösseren Anzahl kleiner Zweig:stiickclien
liegen auch zwei gut erlialtene Stäinnichen. mit einer grösseren
Zahl von wohl entwickelten Zweigchen vor, die am besten mit
der langblättrig-en Form aus dem Schieferthon von Saalhausen
übereinstimmen, die von Gut hier (1. c.) Taf. X. Fig. 6, abge-
bildet wurde. Die Zweige sind gerade ausgestreckt, die Blättchen
lang, spitz und leicht sichelförmig gebogen. Das Vorkommen
dieser, im unteren Eothliegenden fast nirgends fehlenden Pflanze,
ist für die sandigen Schiefer von Beiogradcik ungemein be-
zeichnend.
Neben dem abgebildeten Stücke liegt ein ganz gut erhaltenes
Wedelspitzclien von Of/ottfopteris obtnsilohn. (Fig. 9 a.')
Aus dem Banale bekannt von Goruja, Cudonovec, Lupak
und Karasova. Prof. Suess fand diese Art auch in dem Roth-
liegenden im Val Trompia.
3. Die Triasformation bei Belogradöik.
fAui Wege auf die 8tolovi Planina.)
Im Nordosten von Beiogradcik zeigt sich eine interessante
Aufeinanderfolge der Schichten.
Zuerst kommt man über Sandsteinschutt, ein Material,
welches durch Verwitterinig des rothen Sandsteines entstanden
ist, aber auch ganz weisse und sehr feinkörnige Blöcke enthält.
Darüber folgt eine Kalkmasse, welche nach allem Anzeichen als
herabgebrochen aufzufassen ist, und mehrere übereinander
liegende Schichten erkennen lässt, und zwar:
486 Toula.
1. Eine. Schichte stark sandigen Kalkes mit vielen Oiinoiden
Stielgliedern ;
2. ein etwas sandiger Kalk niil Wa/t/hcittutf vaff/aris, Lima
Kti'iuta, Retz'ui tri(/onr//(i. Spirif'cn'na fiKf/i/is etc., welcher
überlagert ist von einem körnigen Kalk ohne Fossilreste.
Darüber folgen
o. diinnplattige, lichtgraue und knollige Kalke.
Diese Schichten streichen hör. 7 und fallen nach S. mit 40°.
Weiterhin kaum hundert Schritte von den ersterem Voikonnnen
entfernt, treten die Kalke in ganz ähnlicher Weise wieder
hervor, streichen jedoch hier nach hör. 9 und fallen etwa 30°
nach Nord, also gegen den Berg ein. Hier zeigen sich:
4. ein Brachiopoden (Widdheimia , Spiriferina) -führender
Kalk, der von einem dünnplattigen, knolligen Kalke
von licht-graulichweisser Farbe, dicht und splittrig,
weissaderig und arm an Versteinerungen, überlagert ist^
(also offenbar den Schichten 2 und 3 entsprechend), der
seinerseits wieder
5. eine Decke aus grauem, dichtem Kalk erkennen lässt, der
einer höheren Etage, von viel jüngerem Alter angehören
dürfte.
Weiterhin linden sich sodann:
6. sandige Kalke, die fast ausschliesslich aus gross-
gliederigen Crinoiden besteht (Entrochns silesiacna,
EnlrocIuiK lilii/'ormis und Entrochns cfr. Schlnthcimi ).
Kaum 30 ."Schritt davon tritt
7. ein grauer, sandiger Kalk mit Spuren von Gastropoden
auf. Crinoiden führende Kalkbänke von 8 — 24 Ctm.
Mächtigkeit wechseln mit solchen von 7 — 15 Mm. Dicke
ab. (Auch dieseVorkommen dürften den Schichten 2 und
3 entsprechen.)
Darauf folgen :
S. Bänke von sandigem Kalk, fast nur aus Wnidheimia
ludgaris in versidiiedenen Varietäten bestehend (wie
Schichte Nr. 4.)
Hierauf folgen am Wege die rotlien Conglomerate, welche
ihrerseits von weissen feinkörnigen Sandsteinen überlagert
werden; so dass hier die Kalke mit den Versteinerungen des-
Geologische Untersucliungen im westl. Theile il. Balkan etc. 48 7
iiDteren alpinen Muschelkalkes (Recoaro- od. Vingloria-Kalkes)
unter den Sandsteinen und Cong'lomeraten zu liegen scheinen.
Weiter oben am Berghange zeigen sich jedoch graue, sandige
Kalke, von ganz ähnlichem Aussehen wie die der Schichten 2
und 3, 4 und 7, wenngleich an dieser Stelle keine Spur von Ver-
steinerungen autgefunden werden konnten. Diese Kalke liegen
auch flacher, als die unteren, streichen hör, lUund fallen ganz flach
nachNorden ein. Hier dürften wir es erst mit anstehenden, unge-
störten Schichten zu thun haben.
Zwischen dem kleinen Stolovi und dem Vensac tritt ein
gelblich gefärbter geschichteter Dolomit zu Tage, der scheinbar
unter dem rothen Sandsteine liegt, in der That aber einer Unter-
lage des Muschelkalkes entspiechen dürfte. (Siehe weiter unten.)
Die Strasse zieht sich nun eine Strecke weit im Streichen
dieser Schichte hin, doch trifft man (nordwärts) nicht weit davon,
trotz der Steigung der Strasse, wieder auf die Sandsteine, auf
welchen hier vollkommen concordant eine etwa 50 Meter
mächtige, steil abstürzende Kalkmasse aufriiht, die mit ihren
verticalen Abstürzen jenen Gebirgscharakter bedingen, den die
Bewohner dieser Gegenden als die Stolovi (Stuhlberge) be-
zeichnen, eine Bergform, die hier zu Lande ungemein häufig
aultritt.
Diese Hangeudkalke haben im Allgemeinen eine grau-
weisse Farbe mit dunklen Flecken an einzelnen Stellen, sind
fast vollkommen dicht und so vielfach zerklüftet, dass es schwer
wurde ein Handstück zu lormatisiren ; sie enthalten eine Unmasse
von Hornsteinknollen, von denen manche in ihrer Form einiger-
massen an die Spongiten der Kreidete »rmation (Siphonia)
erinnern, doch ist nichts Deutliches gefunden worden. Nur einige
Belemniten-Bruchstücke wurden angetroffen.
Ein besser erhaltenes derartiges Bruchstück, das auch die
Alveolen-Höhle erkennen lässt, schliesst sich in seiner gedrun-
genen Form und der deutlich erkennbaren Abplattung von vorne
nach rückwärts, an die, von Zitte 1 (Cephalopoden der Stram-
berger Schichten) als Belemnites ensif'er Oppel (l.c.Taf, I, Fig. 9
bis 11), conophorus Oppel (I. c. Taf. I, Fig. 1 — 3) und Belem-
nites fitrdufjiilatus Oppel, z. B. von Strambeig angeführten
Arten an, welche wieder am nächsten dem Belemj/ites hitus
48S Toiila.
Blv. und (lein Belemnitrs ronlrua Blv. \erv\'andt sind. Am walir-
sclieinliclisteii ist es, dass wir es mit einer Form aus der Heihe
des helcninitc'H latus Blv. (Quenstedt, ("epliahtpoden.
Tat". XXX, Fig-. 13. 14) zu tlinn haben.
Ausserdem fand sieh nur noch eine nicht sicher /u be-
stimmende RhijJichoveUd.
Es folgt sonach hier über den untertriadischen Sandsteinen
und dem Muschelkalk der obere Jura (Malm). Immerhin ist es
aber möglich, dass wir es in dem weissen feinkörnigen Sand-
stein, mit einer zwischen der unteren Trias und dem Malm
liegenden Etage zu thun haben, doch ist es mir nicht möglich,
darüber eine sichere Angabe zu machen.
Beim Besuche der Fes tungsfel s en trafen wir, beiden
letzten Häusern am Fusse der Felsen, eine Bank ungemein grob-
körniger Conglomerate, mit wohlabgerundeten Gerollen und
Geschieben von Faust- bis Kopfgrösse, die vorwaltend aus licht
gefärbtem Quarz bestehen und durch ein feinkörniges rothes,
feinsandiges und kalkhaltiges Bindemittel verkittet sind; darüber
folgen in fast horizentaler Lagerung die grob- aber gleichköruigen
rothen Sandsteine in dicken Bänken, zwischen welchen hie und
da Schichten von ganz feinkörnigen Sandsteinen auftreten.
Auf einem gelben, ungemein feinkörnigen, dünuplattigen
Sandsteine, den wir in grossen losen Platten neben dem Brunnen
in der Festung antrafen, liegt der Abdruck der linken Schale eines
grossen, Peeten-artigen Fossils vor. Dasselbe ist 45 Mm. lang
und 38 Mm. breit. Der Erhaltungszustand lässt \'ieles zu wünschen
übrig, doch scheinen die Ohren nicht scharf abgesetzt gewesen zu
sein. Die Schale war mit ungemein zarten Radialstreifen versehen,
so dass etwa 160 derselben über die Schalenoberääche und
gleichmässig auch über die Ohren hinziehen. Diese werden von
fast gleich starken und ebenso nahe stehenden concentrischen
Linien durchkreuzt, wodurch eine überaus feine Gitternng ent-
steht, ähnlich so wie sie Be necke bei seinem Pecten dolomiticus
(über einige Muschelkalk-Ablagerungen in den Alpen, pag. 11,
Taf. I, Fig. 18) beschrieben hat, einer Form, welche in den
Schichten mit An'ni/a Venetiana Ha ner, Myophorhi vnlgarls und
Geologische Untersucliuugen im westl. Tlieile d. Balkan etc. 489
Naticella costuta unweit Kaltem bei Bozen gefunden wurde.
PJei Pecteu reticidatni^ Schloth. (Gold f. Pect, gerni. i)ag. 43,
Taf. LXXXIX. Fig. 2) sind die Radialtalten viel stärker als bei
unserem Fossil, es erinnert dasselbe vielmehr an g:ewisse jüng-ere
Formen, so an die liassische Art, welche Gold f., 1. c. XCI,
Fig-. 5, als Pecten comatus Münst. abbildet, oder noch mehr an
die Gitterung, wie sie bei Pecten lens auftritt, dessen linke
Sehale auch durch ihre allgemeine Form ähnlich wird. Wir
dürften es hier mit einer neuen Art zu thun haben, doch erlaubt
das mang-elhafte Material keine nähere Bestimmung.
In demselben Gestein tinden sich ausserdem nur proble-
matische lang-stengelige Gebilde, die keine nähere Deutung
zulassen. Sie sind abgerundet-kantig- und in der Mitte gefurcht;
mehrere scheinen an derselben Stelle zu entspringen. Vielleicht
haben wir es mit Pflanzenstengeln zu thun, ähnlich denjenigen
wie sie Prof. Giimbel (Verhandl. d. k. k. geol. R. A. 1877,
Kr. 1, pag. 24) au den pfianzenführenden Schichten des
Grödner Sandsteines anführt.
Bergrath Stur erwähnt in seiner Geologie der Steiermark,
pag. 111, das Vorkommen von röhrenartigen Ausfüllungsmassen,
die man vielleicht als Reste von Pflanzeustengeln deuten könnte,
in dem rothen Sandsteine der Bucht von GoUrad.
Ob diese Steinplatten aus grösserer Entfernung hergebracht
wurden oder ob sie etwa einer dünnplattigen Zwischenschichte
in den rothen Sandsteinen entspricht, war nicht zu eruiren,
obwohl das Letztere nicht unwahrscheinlich ist.
Zwischen die auf das Abenteuerlichste zerklüfteten Sand-
steinfelsen sind die Festungswerke hineingebaut.
Ein richtiges Bild von der Felsformation im Gebiete der
rothen Sandsteine und Conglomerate gibt die beifolgende, nach
einer von Herrn Szombathy an Ort und Stelle aufgenommenen
Skizze, angefertigte Zeichnung der Schlucht im Süden von
Belogradcik. (Taf. 1.)
Eine \'orstellung aus den abenteuerlichen Erosiousformen
des rothen Oonglomerates dürften auch die folgenden getreuen
400
T o n I a.
Abbildungen von zwei besonders auffallenden Felsen an der
westlichen Seite der Strasse geben.
Fig. <;.
Auf der höchsten Spitze der Festungsfelsen, die man nicht
ohne einige Kletterkiinste erreicht, fanden sich Kalkstücke, die
beim Zerschlagen eine Menge von Versteinerungen des Muschel-
kalkes lieferten. (^Man vergl. die im Nachfolgenden gegebene
Beschreibung der Petrefactenfunde.")
Von diesem hohen, eine herrliche Eundschau gewährenden
„Lugaus", ergibt sich die in nachfolgender Skizze dargestellte
Ansicht der die Aussicht im Osten versperrenden kalkgekrönten
Berge, der Stolovi, deren höchsten direct in Osten liegenden
man nur als .,Vensac" bezeichnete.
Fis:.
I .
^T^-^^ Snn,l.-ttetn.
Ansicht der Stolovi (.Stiihlbergej, vom luichstenFestinigsfelsen aus gesehcü.
* Fnndsrelle der Muschelkalk-Versteinerungen.
(4eologische Untersuchungen im westl. Theile d. Balkan etc. 491
Der Abhang- ist mit Schutthalden bedeckt und mit Gestrüpp
bewachsen, zwischen welchem allenthalben die Sandsteinbänke
in ihrer grellrothen Färbung deutlich hervortreten, und förmlich
stufenartig über einander liegen, so dass wir schon bei diesem
Anblicke an Abstürze und Verwerfungen dachten, wofür wir bei
dem schon geschilderten Aufstiege zum kleinen Stolovi die
weiteren Beweise erhielten.
Vollkommene Klarheit erhielten wir jedoch erst bei unserem
zweiten Besuche des Terrains auf der Heimreise.
Auf der gut geführten neuen Hauptstrasse von Belogradcik
nach Vidin, kamen wir zuerst durch die rothen Sandsteine und
Conglomerate hindurch, welche sich am westlichen Fusse der
Stolovi eine Strecke weit nach Norden hinziehen und Absetzungen
der vSchichten an vielen Stellen erkennen lassen, in einer Deut-
lichkeit, die nichts zu wünschen übrig lässt.
Besonders schön zeigen sie sich bei der ersten Karaula, wo
der Muschelkalk plötzlich bis an die Strasse herabtritt und flach
nach Südost, also gegen den Berg einfällt.
Hier zeigt* sich auch die Auflagerung der plattigen Muschel-
kalkbänke auf die grellrothen Sandsteine sehr schön, besonders
bei dem kleinen Han, rechts (östlich) von der Strasse, während
nach Westen hin die Hügel aus den abgestürzten Sandsteinen
zusammengesetzt und von tiefen nach Westen verlaufenden
Wasserrissen vielfach durchzogen sind.
Die schön gescliichteten, licht gelblichgrau gefärbten Kalke,
sind überaus reich an Entrochiten, {^Entrochns cfr. si/esiacus ist
besonders vorwaltend), enthalten aber auch Reste von Brachio-
ißoäen (Spiri/'erina fragifiti und Waldheimui vulgaris). Sie lassen
schwache Thonmergel-Zwischenlagen erkennen, werden ungemein
dünnplattig und zeigen stellenweise eine knollige Oberflächen-
beschaflenheit. Sie streichen hora 3 und fallen mit nur 10°
Neigung gegen Osten ein. Durch viele Verwerfungen werden
Abstufungen gebildet, über welche die Strasse hinführt.
Auf diese Weise entstehen Terrain stufen von auffallender
Regelmässigkeit, die sich schematisch und doch den Verhält-
nissen auf das Beste entsprechend, durch die kleine Skizze
(Fig. 8) darstellen lassen.
492
St:/uiJJ ^\
i=Plum^rK.'l^
ivt/u /•• wiuMrii
Als Unterlag-e der plattigeii Crinoiden-Kalke zeigt sich an
einer Stelle ein zelliger dolomitisclier Kalk (Zellenkalk- ^Raucli-
waeke^O- Ks ist wohl dieselbe Bildung, die im Vorhergehenden
in der Einsattlung zwischen dem Vensac und dem kleinen Stolovi
angegeben wurde.
Im Nachfolgenden gebe ich die Beschreibung der in der
Umgebung von Belogradcik g-el'undenen Fossilreste aus dem
Muschelkalke,
3. ü) Muschelkalk-Fossilien.
Haurichthy.s spec. fclV. apicfilis Ag.;
Tat" IV, Fig. 1.
Nur ein einziges, aber woiil erhaltenes Zälmclien liegt vor.
Es ist 4 Mm. lang und an der Basis 1-5 Mm. dick, und liegt im
Innern der Klappe von Retzm frigouefla aut demselben Stücke
mit einem ganz kleinen Exemplare von Lima striata. Das Zähn-
chen ist schlank, die dunkel gefärbte Zahnbasis ist gestreift, die
lichter gefärbte Schmelzsubstanz der spitzkegelförmigen Krone
zeigt tiefe Furchen in geringer Anzahl, von welchen nur einzelne
bis zur S])itze reichen. Die Krone ist spitzer als bei allen bisher
abgebildeten Formen. Da Saurichthys in Deutschland im Haupt-
muschelkalk und in der Lettenkohle vorkommt, ist das Auftreten
bei Belogradcik in den Schichten mit Retzia triiioneUn nicht
uninteressant.
Es liegt auch ein etwa 5 Cmt. langes Knochenstück vor, das
man vielleicht für ein Rippenstück von AW/?«.s^r/ir//s deuten könnte.
Dasselbe hat einen clliptisclien Querschnitt (5 Mm. u. -3 Mm,
Durchmesser) und nimmt nach dem einen Ende hin rasch an
Geologisclie Unteisucliungen im westl. Theile il. Baikau etc. 49li
Dicke ab. Das Stück ist nur wenig gekrümmt, und liegt in der
Sehieiite 4 neben Widdheimia vulgaris.
Von Gastropoden liegt ausser einigen undeutlichen Durch-
schnitten von kleinen
2. TurbonUla-
artigen hochgewundenen Schalen nichts Neniienswerthes vor.
Einer davon ähnelt der Turhotülla dubia Münst. (Sehau-
roth, Krit. Verz., Taf. III, Fig. 5.)
Auch fanden sich einige Steinkerne, welche an Naticella
costatn erinnern.
Von myacitesartigen Bivalven liegen mehrere Stücke vor.
Eines derselben zeigt den ümriss von
3. AiioplopJiora miisculoldes v. Schloth. sp.
(v. Alberti, Übersicht über die Trias, Taf. 11, Fig. 6), ein
anderes erinnert an Anop/ophoru Ft(ssaf'usis W i s m. sp. (Albert i,
I.e. Taf. III, Fig. 10). Beides sind Formen, die für die untere
alpine Trias bezeichnend sind.
4. Area friaslna Römer.
ISbl. Ana Irinsina F.Römer, Palaeontographica, I. pjig. 41ö, Taf. 36,
Fig. U_16.
185»J. — — Giebel, Muschelkalk v. Lieskau, pag. 4(3, Taf. IV,
Fig. 8.
1864. — — V. Alberti, Übersicht üb. die Tiias pag. 99.
Von dieser Art liegen nur zwei Steinkerne vor, an denen
nur die hintere grössere Hälfte erhalten ist. Von dem breiten
Wirbel zieht sich in der Breite zunehmende, die bezeichnende
Einsenkuug zum Stirn rand hinab. Die Schale ist stark gewölbt
und zeigt eine Kante, die am Wirbel beginnt und bis zur hinteren
Ecke verläuft. Der hintere Rand steigt schief an. Die Stücke
stimmen recht gut mit den von Lieskau citirten Abbildungen
überein.
494 T o u 1 ;».
/f. IJtna sti-itita v. Schlot h. sj».
l«:^0. l'liaiiiiic-i Kiiialiis Sc li I o t h. Petretaktoiikiiinlf'.
1844. Iaiiiii striain Goldfnss, Tat". (', Fig. 1.
1859. — — Schau loth, Krit. VorztMcliui.ss pag-. ;U0, Taf. II, Fig. S.
18«H. — — V. Alberti Übersiclit.
\ Uli dieser in den tieferen Seliieliten des Muschelkalkes von
Kecoaro, neben Pecten Alberti und Waldhcimia riilgarif vorkom-
menden Art, liegen aus den tieferen Schichten (Nr. 2) mehrere
zerdrückte Exeuiphire \ or and /war auf demselben Stücke mit
Waldheimid rii/(/uris, Retzia frif/o/i/'/lii und SuKricIttys spec.
Die Wölbung der Schale ist a erschieden, die 'd'd — 36 Ri})i)en
fciind .scharf ausgesprochen, gerundet und etwas eng-e stehend.
Im unteren Muschelkalke von Recoaro und bei Marcbeno im Val
Trompia vorkommend, liegt dieses Fossil in der ausseralpinen
'i'rias liiiuptsächlich im Haupt-Muschelkalke.
(i. Pecten dLscite^ v. Schlot heim sp.
Taf. IV, Fig. 2.
1H"2'2. Pcc/ni (Usriics v. Schlotli, Nachträge. Taf. of), Fig. 3.
185(j. — — Giebel, Muisclielkalk v. Lieskau, Taf. 11, Fig. o u. 8.
1859. — — v. Schauio tli, Krit. Verzeichniss 27, Taf II, Fig. (j.
18(j4. - — V. Alberti. Überbl. über die Trias, pag 7o.
^'on dieser kleinen, fast kreisrunden, für den Muschelkalk
so bezeichnenden Art, liegen einige Exemplare vor. Die Schalen
sind glatt und zeigen leiclite Auswachsstreifen, sie ist in der
Wirbelgegend gewölbt, im allgemeinen auffallend flach, in der
Nähe der Seiteiiriinder sogar leicht muldenförmig vertieft; der
Wirbel ist vorgezogen, die Ohren sind ziemlich gleich, recht-
winkelig und scharf abgesetzt.
Diese Form ist für die ganze Scbichfenreihe des Muschel-
kalkes bezeichnend, die südalpinen Vorkommnisse, im Vicentini-
schen bei Recoaro, liegen im unteren Muschelkalke (Recoarokalk
nach Stur) und zwar sowohl in der Bank mit Encrinus gracUiü als
auch in dcrKrachiopodenschichte. Auch aus dem unteren Muschel-
kalk von Fünfkirchen bekannt und zwar neben Retzia trigonelhi
und Waldheimid vii/girris. Findet sich auch schon im Werfener
Schiefer im Val Sugana.
Geologische Uutersucluuigeii im westl. Theile d. Balkim otc. 495
Neben dieser glatten Form liegt aber auch ein starker und
gleiclimässig gewölbter Pecteu vor, der mit deutlichen, ja trotz
seiner Kleinheit ziemlich groben Radialrippen versehen ist.
Auch Anw^achsstreiten sind vorhanden. Er ist > erlängert kreis-
rund, die Ohren sind weniger scharf abgesetzt. Die Rippen
stehen ziemlich gedrängt, aber nicht sehr regelmässig, und wer-
den gegen den Wirbel zu schwächer. Gegen den Stirnrand
schalten sich Zwischenrippen ein. Es sind die Eigenschaften,
die für
7. Pecteti ißlonotis) Albertl, Goldfuss sp.,
Taf. IV, Fig. 8.
bezeichnend sind. Man vergl. Goldfuss Prtref'arf« yernKiniue
(Taf.CXX, Fig. 6,v. Alberti. Übersicht über d. Trias, pag. 70,
oder Gi ebel, Lieskau, i)ag. 22, Taf. II, Fig 16 u. 19). Die von
Giebel, Fig. 16, abgebildete Form stimmt recht gut tiberein.
Nach Schauroth tritt diese Art auch bei Recoaro auf und zwar
schon in der untersten gelben Kalklage mit Posidonomya Claras.
(Kl it. Verz., pag. 311.) Prof F. Römer, Ober-Schlesien Taf. 10,
Fig. 10 u. 11.
Unser Stück ist nur 6 Mm. lang und 5 Mm. breit.
Beide Pectenarten fanden sich auf dem höchsten Punkte der
Festungsfelsen, über dem rothen Sandstein.
8, Ostrea decenicostata Münst.
Taf. IV, Fig. 4.
1841. Go Idt uss, Petref. germaniae, III. Bd., Taf. LXXII, Fig. 4.
1856. Giebel, Lieskau, Taf. II, Fig. 4, 5.
1864. V. Alberti, Übersicht üb. d. Trias, pag. 64.
Von dieser Ostrea liegen ausser mehreren undeutlichen
Abdrücken auch zwei deutlich erkennbare Exemplare vor. Wie
gewöhnlich sind es die linken Klappen, die an der starken Wöl-
bung und den wenigen, aber hohen und scharfen Falten erkennbar
sind. Die Länge überwiegt autfallend. Die Länge beträgt 28 Mm.,
die Beite 18 Mm.
Wurden in der Schichte Nr. 4 gefunden.
490 T .) u 1 a.
9. Uet^la trigonella v. Sehl (• t li eirn spec,
Taf. IV, Fig-. :>.
1S2(). Ti'ii'hriiiuliles iiiyoncllug Schloth., Petref. 271, z. Th.
lH5o. Spiriyera iritjoiieUa 8cliaurot h, Recoaro, pag. 505, Taf. 1. Fig. 7.
lHt;4. Kctua iriiiiirielltt \. XXhüYti, ÜlKTsiclit üb d. 'i'rifis, pag. l.')H.
Von diesem aiisg'czeiohncten Leitfossil des Muschelkalkes
liegt nur eine kleine Klappe vor, die von der Innenseite sichtbar
ist. Am Schnabel zeigt sich die kurze, dreieckige Platte, welche
auch noch die Ansätze der beiden seitlichen Hörncr erkennen
lässt. Von den Spiralen ist nichts erhalten. Die beiden mittleren
und die zwei an den Seitenwänden auftretenden scharfen Rippen
zeigen sich als tiefe Rinnen. Die Breitendimension ist auffallend
gross.
Die Breite beträgt '22 Mm., während das Exemplar nur 15
Mm. lang ist.
Die Retzld truioneUd ist im unteren Muschelkalk der Alpen
sowohl im Recoarokalk als aucli im Reiflingerkalke häufig.
Findet sich in Ober-Schlesien vom unteren Wellenkalk an
bis in die Schichten von Mikolschütz, fehlt aber hier dem oberen
Muschelkalk, während sie andererseits auch im Kalke von Fried-
richshall noch gefunden wurde. Findet sich auch im unteren
Muschelkalke Ungarn'«, bei Köveskällya und Fünfkirchen.
10. Spirifer'ina Mentxeli Dun k er
\'6b\. Spirifer Menheli D unk er Palaeoiitographica 1. Bd., pag. 287,
Taf. XXXIV, Fig. 17 — 19.
1855. — — Schanroth, Recoaro, pag. 29, Taf. I, Fig. 8.
ISbii. Spirifcrina — S u e s s in Zepharovich : Die Halbinsel Tihany etc.,
Sitzungsberichte d. Ak. d. W. in Wien.
1870. — — F.Römer,Geol.v.Ob.-8chlesien,Taf.ll,Fig.21,22.
Ein einziges Stückchen (die Schale ist 12 Mm. breit und
II Mm. lang) und zwar eine grosse Klappe wurde gefunden,
welche eine deutliche, von stumpfen Kanten begrenzte Area
erkennen lässt, in deren Mitte sich ein grosses dreieckiges Loch
befindet. Die Medianleiste ist deutlich zu erkennen.
Nagy Väszduy und Köveskällya sind die östlichsten Loka-
litäten dieser Art. Ist ausserdem bekannt aus dem Wellenkalk
I
Geologische Untersuchung-en im westl. Theile d. Baikau etc. 497
von Ober- Schlesien (Tavnowitz) und dem unteren Muschelkalk
von Recoaro.
11, HpiHferina fi'dgills v. Schloth. sp.
Taf. IV. Fig. G.
182-2. Terebralulhen frag'dis v. .Schloth, Nachtr.
\'6?>-i:. Delthyris — Zenker, Jahrb. für Mineral., pag. 391, Taf. 5,
Fig. t-4.
ISöö. Spirifer — Sc hauroth Recoaro, pag. 28.
l>^b(y. Spin'ferina — 8uess, Tihany a. Plattensee etc. Sitzungs-
berichtes, XIX Bd.
1864. — — V. Alberti. Übersicht pag. 157.
Es liegen mehrere Exemplare von jüngeren Individuen vor.
Das grösste und besterhalteudste Stück hat eine in der Wirbel-
gegend etwas gedrückte grosse Klai)pe. Sie misst circa 15 Mm.
in der Breite und lässt im Ganzen nur 10 sehr scharfe Rippen
erkennen.
In den Südal})en tritt dieses Fossil als Begleiter der Retzia
fn'f/oru'l/a auf. Findet sich sowohl im Wellenkalke von Deutsch-
land als auch in den Kalksteinen von Friedrichshall. Das öst-
lichste Vorkommen war bisher Köveskallya am Plattensee in
Ungarn. Beim Aufstieg zum kleinen Stolovi fand sich dieses
Fossil in mehreren Exemplaren in der Schichte Nr. 6 neben zahl-
losen Entrochiten.
1*2. Waldhelmia imlijdvls Schloth. sp.
Taf. IV. Fig. 7 «, b, c
1>>22. Terebratula viilffuri.s Schloth ei in, Nachträge pag. 275, Taf. 37.
Fig. 5—9.
1855. — , — v. Sc hauroth, Recoaro, jiag. 25.
1856. — — Giebel, Muschelkalk v. Lieskau Taf. VI,
Fig. 10, 11.
1859. — — V. Schau roth, Krit. Verz. 15, Taf. I, Fig. 9
bis 13; Taf. II, Fig. 11.
18ß4. Waldheimia vulgaris v. Alberti, Übersicht, pag. 151, Taf. V, Fig. 4,
Dieses Fossil ist neben den Entrochiten weitaus das
häutigste Vorkommen bei Belogradcik und zwar* sowohl in den
Schichten 4 und 8 beim Aufstieg zum kleinen Stolovi, als auch von
-Sjtzb. d. mathem.-naturw. Cl. LXXV. Bd. I. Atth. 27
498 T o u 1 ii.
der Höhe der Fcstunysf'elsen. Es erfüllt ganze Kalkl)änke und zeigt
dieselbe Variabilität der Form wie an den anderen Fundorten.
Hauptsäehlicli sind es drei Varietäten, die bei Belogradeik
vorkommen,
1. Tat'. TV, Fig'. 7 n, eine Form mit fast ebener, kleiner
und stark aufgeblähter grosser Klappe. Schliesst sich
am nächsten an die typische Form an. Die kleine Klappe
hat einen eiförmigen Umriss.
2. Taf. IV, Fig 7 h. In der Schichte mit Litna striata findet
sich die typische Waldheimia vulgaris Schloth. s]). An
einem Bruchstücke eines besonders grossen Exemplares
ist der mittlere Stirnrandlappen angedeutet und zeigen
sich deutliche Anwachsstreifen. Beide Klappen sind bei
den liieher gehörigen Exemplaren flach gewölbt, die
grosse Klappe nur etwas stärker.
3. Taf. IV, Fig. 7 c. Beide Klappen sind auffallend stark
aufgebläht, die kleine Klappe zeigt einen fast kreis-
förmigen Umriss.
Diese Form schliesst sich am nächsten an tue von Scliau-
roth (Krit. Verz. pag. 18, Taf. I, Fig. 12) als Terehratula quin-
(juanguhtta und umygildloidcs bezeiclineten Formen an, doch
fehlt jede Andeutung des biplicaten Charakters. Trotz ihrer auf-
fallenden Schalenform, möchte ich dieses Fossil nur als eine
Varietät der ty))ischen Wnldheimia vulgaris auflassen.
Die beiden ersteren Formen gehen ganz deutlich in einander
über und zeigen beide die Depression in der Medianlinie der
kleinen Klappe. Die Medianlinie der kleinen Klappe lassen alle
Exemplare erkennen , ebenso sind die beiden seitliehen Zahn-
stützen angedeutet.
Die starkgewölbte extreme Form herrscht über die übrigen
weitaus vor.
Sowohl im Reeoaro kalke, als auch im Keiflinger Kalke in
Osterreich viel verbreitet. Das örtlichste Vorkommen ist Nagy
^'aszony in Ungarn.
Geologische Untersuchimgen im westl. Theile d. Balkau etc. 499
IS. Cidarfs transversa, H. v. Meyer.
Taf. IV. Fig. 8.
iHöl. Cidaris transversa H. v. Maj^er, Palaeout. I, Taf. iy2, Fig. 28—30.
1S51>. — — Schauroth, Krit. Verz. 13, Taf. I, Fig. s.
1S64. — — V. Aberti, Übers, üb. d. Trias, pag. 55.
1S70. — — F. Römer, Ober-Sclilesieu, Taf. 11, Fig. 15, IG.
Nur eiiiBruchstückchen dieses durch seine seitliehen dornen-
ähnlicheu Fortsätze leicht kenntlichen Fossils liegt aus der
Schichte Nr. 4 vor.
14. Cidaris spec.
Taf. IV. Fig. 9.
Auch ein glatter Cidaritenstacliel liegt in mehreren Exem-
plaren vor, nur ein Stück ist Jedoch etwas besser erhalten. Der-
selbe ist 14 Mm. hing und hat 2 — 2-5 Mm. Durchmesser. Die
(Gestalt ist walzlicli, keulenförmig und erinnert etwas an den von
Giebel (^Muschelkalk von Lieskau, Tat'. II, Fig-. 11), als Cidaris
subnodosa H. v. Meyer abgebildeten Stacliel, unterscheidet sich
jedoch durch das Fehlen der seitlichen Hervorragungen und
Anscliwellungen.
Der Gelenkskopf ist stumpf, konisch, die Gelenksfläche breit,
eine nur wenig tiefe Einschnürung trennt den Gelenkskopf von
der etwas platt gedrückten dicken Stachelwalze.
Entrochiten.
In grosser Häufigkeit fanden sich einige verschieden be-
schaffene Formen von Crinoidenstielen und einzelne Entrochiten
vor, so dass manche Bänke fast nur aus ihnen bestehen. Es
Hessen sich ohne grosse Schwierigkeit drei (resp. fünf) ver-
schiedene Formen unterscheiden.
1. Mehrere längere Stiele, einen von 30 Mm. Länge, (Taf. IV,
Fig. 10), mit fast gleich hohen Gliedern von auffallender Höhe,
möchte ich für übereinstimmend mit
27*
500 T 0 11 1 a.
15* JEncrinus (JEntrochns) lilnfontiis Ljiiii.
(man vergl. Goldfuss. Petr. g-erm. 1, \m^. 177, Taf. 53), oder
als dieser Art doch überaus nahe stehend annehmen.
Die einzelnen Stiele zeig'en verschiedene Verhältnisse; so
beträgt
bei 8 Mm. Durchmesser die Höhe der Glieder 3-5 Mm.,
^ 7-5 „ ,, kommen 6 Glieder auf 14 Mm. Länge
., 5 „ „ beträgt die Höhe der Glieder 1^-5 Mm.
Von Girren ist nirgends eine Spur zu sehen, die Gelenksflächen
sind mit ziendich groben Gelenkstrahlen versehen. Das in
Fig. 10, b abgebildete Stückchen aus der Kegion des Stieles
mit ungleichen Gliedern stammend, zeigt die glatte mittlere
Fläche, die kurzen nur nahe am Rande stehenden Strahlen und
den wulstig übergewölbten äusseren Rand. Derartige Stiel-
glieder liegen mehrere vor. Das in Fig. 10 (i abgebildete Stück
stammt aus der unteren gleichgliederigen Partie des Stengels.
Hierher dürfte auch das in Fig. 10 c dargestellte Stielglied
zu stellen sein. Es hat nur 4-5 Mm. im Durchmesser und ist
dabei 3 Mm. hoch. Der centrale Canal ist ebenfalls wie bei
EucrinuH /i/ü/hrniifi kreisrund und sehr eng. Auf der Gelenks-
fläche aber zeigten sich um den Gentralcanal herum, 10 gleich
starke ganz kurze Strahlen, welche von den 28 kurzen und
kräftigen Randleistchen durch eine glatte und wenig vertiefte
Region geschieden sind.
Encrinn^ UliiformU wird sowohl von Schauroth (1855^
Recoaro, pag. 22) als auch von Bey rieh aus den südlichen Kalk-
alpen angeführt. Unter den St. Cassianer Formen steht Encrinus
cassianus Laube (Fauna d. Seh. v. St. Cassian I, Taf. VIII, a,
Fig. 1—6, sehr nahe.
16. EJiitrochiis cii: Schlothe Imi Qwenat.
2. (Taf. IV, Fig. 11.) Neben Encrinus Uliiformis liegen auf
denselben Gesteinstücken sehr flache und auffallend niedrige
Glieder, mit zierlicher Gelenksflächen-Sculptur. Um den ziemlich
grossen centralen Ganal herum erheben sich fünf breite und ober-
flächlich glatte Strahlen, welche bis nahe an den Rand reichen,
Geologische Untersuchungen im westl. 'l'heile d. Balkan etc. 501
in dessen Nähe i;robe und kurze dlelenksstralilen stehen. Es ent-
steht dadnreh eine Zeichnmig-ähnlieli der, weU^he Henecke (ül)er
eiuig-e Musehelkalk-Ablag-erung-en der Alpen 1868, pag-. 41, Tai". IV,
Fig. 12), als Eittrochuft Sifesiacns Beyr. besehreibt und abbildet.
Nur verl)reitern sieh hier diese Strahlen gegen die Peripherie hin,
während sie sicli bei unseren Stücken, in dieser Richtung' etwas
Terjlingen. Beyrich beschreibt in seiner classischen Abhand-
lung über die Crinoiden des Muschelkalkes, die füufstrahlige
Zeichnung auf den unteren Gliedern des Encrinus /ilnforniis
(siehe Goldfuss L c. Taf. LIIl, Fig. 8, a), hebt aber dabei
hervor, dass Glieder mit einfach fiinfhippigem Stern sehr selten
sind. Goldfuss bildet diesen Stern als aus fünf, fast kreis-
förmigen Lappen bestehend, ab, während bei unseren Stücken
die Begrenzung geradlinig- ist.
Auch V. Schauroth erwähnt eine ähnliche Zeichnung
der Gelenksflächen bei seinem Encrinus petilactiiiun (Krit. Verz.
pag. 287, Taf. I, Fig. 3, a, h) und meint, dass alle Stielglieder
mit einem fünfstrahligen Stern nur den Nahrungscanal zu
Encrinus pcntacfinus gehören dürfte. Beyrich dagegen
(Crinoiden d. Muschelkalkes) vereinigt die Schauroth'sche
Form mit Encrinus Schlotheimi , Quenstedt (^Wiegman n's
Archiv 1835, Taf. II, Fig. 1), dieser dem Encrinus liliiformis so
nahe verwandten Art. Wir haben es hier vielleicht mit einer
neuen Art zu thun , die sich jedoch einzig auf Stielgdieder nicht
begründen iässt, wesshalb ich das Fossil einstweilen als E?itroc/ms
cfr. Schlotheimi . Q neust, sp. (vielleicht nov. spec.) bezeich-
nen will.
Hier möchte ich noch eines, nur in einem einzigen Stiel-
gliede vorliegenden Entrochiten gedenken (Taf.IV, Fig. 12). Der
Durchmesser beträgt 5 Mm., der Umriss ist kreisförmig, die
Gelenksfläche ist mit feinen Kadialstreifen versehen, der Ceutral-
canal aber zeigt durch Al)\vitterung einen pentagonalen Umriss
nnd hat 1 Mm. im Durchmesser.
Unter den verwandten Formen steht Encrinus vuriuns
Münster (Laube, 1. c. Fig. 15 — lii) am nächsten.
502 T o u 1 a.
17, JEntrochuci cfr. Slle.slacus Beyr.
3. Taf. IV, Fig. lo. Diese dritte Form ist durcli ungemein
niedere Stielglieder bei grossem Durchmesser ausgezeichnet.
Bei dem einen der Stücke entfallen auf 14 Mm. Länge
18 Stielglieder, bei 11-5 Mm. Durchmesser;
bei einem anderen kommen auf 19 Mm. Länge 17 Stiel-
glieder bei 7-5 Mm. Durchmesser;
bei einem dritten aber auf 18 ^\m. Länge 15 Stielglieder bei
11 Mm. Durchmesser.
Die übrigen Eigenschaften sind bei allen übereinstimmend
dieselben. Die Gelenksflächen sind eben und mit sehr feinen
Gelenksstrahlen verschen, deren etwa 40 im Umkreise stehen.
Jeder dieser Strahlen zeigt überdies eine feine mittlere Rinne,
so dass es aussieht als ob er aus je zwei, nahe aneinander
gerückten paarigen Strahlen bestünde. Der Centralcanal ist
enge und kreisrund. Am ähnlichsten sind; die, von Beyr ich
(1. c. pag. 46) als Entrochus SiJesiacus bezeichneten Entrochiten,
von welchen er sagt, dass man sie, wenn sie im Jura lägen zu
Apiocrmus rechnen würde. Ganz denselben Eindruck machen
unsere Stiele, die sehr zahlreich sind; so stehen unter anderen
drei dicke Stiele unmittelbar neben einander. (Taf. IV, Fig. 14.)
Bekannt wurde Entrochns S/letilacua Beyr. zuerst von
Kamin bei Beuthen in Schlesien (Quenstedt in Wiegmann's
Archiv, Bd. II, Taf. IV, Fig. 3). Quenstedt führt die besagten
vielstrahligen Entrochiten aus dem schlesischen Muschelkalke,
.,deren Gelenksflächen die Zeichnung der Apiocrinitenstiele
haben", als ,^\ie\\ek'ht zum Encrinif es Schlot hehni i^ehlm^'^ an
(1. c. 228) und fügt hinzu, es sei dies nur eine Verrauthung, auf
welche wenig Gewicht zu legen sei. — Später wurden ähn-
liche Stielglieder auch im Vicentinischen gefunden und von
Schauruth unter dem Namen „Eticrinns (?) radiatus'' ange-
führt. Benecke bezeichnet, wie schon erwähnt, mit dem Namen
Entrochns Silesincns (Muschelkalk- Ablagerungen in den Alpen,
pag. 4, Taf. IV, Fig. 12, a, b) eine der von Schauroth'schen
Formen sehr nahe stehende mit strahligen Gelenksflächen und
zahlreichen Wirteluarben, während an unseren apiocriiiiten-
Geologische Untersuchungen im westl. Theile d. Balkan, etc. 50o
artigen Eiitrochiten keine Spur des, bei Form Nr. 2 erwähnten
Sternes nnd auch keine Wirtelnarben zu erkennen sind, wodurch
fi'ie umsomehr an den echten Entrochus Süesu(cus Bey r. erinnern,
wie er beispielsweise auch von Prof. F. Römer (Geologie von
Ober- Schlesien, Tat". II, Fig. 9, 10) abgebildet wurde.
Von den Crinoiden aus den St. Cassianer Schichten stehen
die mit Radialstreifen versehenen Entrochiten des Encrinus
(franulosns Müns t. (Laube, St. Cassian I, Taf. VIII a, 10 a, 6,)
am nächsten.
^
hr :r -^
^^
w
Saurichthys spec
Turhonitla spec
Anoplophora spec
Area iriasina Römer
Lima striata v. Schlot h. spec. ,
Pecten discites v. Schloth. spec.
Pecteii Albevti (jn)\Ai.
Ostrea dcceincostata ^i\\\i8ti\ . .
Retzia triyonella v. Schloth. sp.
Spiriferina Mentzeli Dww^ev . .
— f>'fiyilis V. Schloth. sp. .
Waldheimia vulgaris Schloth. sp.
Cidaris transveraa H. v. M. . . .
Cidaris spec
Entrochus lilUforinia L, am. . . .
Eiilrochns et". Schlotheinii Q u e n s t.
Entrochus cf. Silesiacits Beyr.
4-
-t-
-+-
-+-
Nach dem vorstehenden Schema ergibt sich, dass fast alle
am Westfusse der Stolovi gesammelten Fossilien, sowohl im
Wellenkalke, als auch im oberen oder Hauptmuschelkalk (Fried-
504 T <> 11 1 .1.
richshaller Kalk nach v. Alberti) vorkommen. Auffallend ist
dabei die grosse Übereinstimmung- der Vorkommnisse von Relo-
gradeik mit jenen von Keooaro und zwar ist es vornehmlich die
obere bra('hioi)0(lenreiche Seliichte ( nach ftt u r dem oberen Wellen -
kalke bei Würzburg entsprechend), mit welcher die grösste t'ber-
einstimmung- zu bestehen scheint. Die für die untere Etage des
Muschelkalkes von Recoaro so bezeichnende EnrrinKs fp-acilis
v. Buch, fehlt jedoch ebenso, wie auch die für jene Brachiopoden-
bänke so bezeichnenden Pflanzenreste, wofür jedoch einige For-
men auftreten, welche für den ausseralpinen Hauptmuschelkalk,
(den Friedrichshaller Kalk V. Alberti's) bezeichnend sind, so:
der Zahn von Saurichthys, der Saurierkuochen, Cidaris trans-
versa, Eiifrnchus Schlotthehnl und Enfrochvs Silesiacvs.
An dieser Stelle möchte ich auch noch auf die Lagerungs-
verhältnisse hinweisen, wie sie bei Fun fkir eben in Ungarn
bestehen, da dieselben eine grosse Ähnlichkeit mit jenen be
Belogradcik haben.
In der letzten Publication über die permischen Pflanzen von
Fünfkirchen, ^ werden dieselben (nach Böckh) folgendermassen
angegeben :
Über den pflanzenführenden Schichten (einem bräunlich-
gelben Sandstein mit Schieferthon Zwisclienmittel) folgen braun-
rothe, grobe Conglomerate und darüber rothe Sandsteine in
beträchtlicher Mächtigkeit, also ganz ähnlich wie bei Belogradcik,
nur dass bei Fünfkirchen die Dyaspflanzen wie schon erwähnt
Avurde, einer höheren Stufe angehören, und zu oberst rothe an
Werfener Schiefer erinnernde Gesteine in bedeutender Mächtig-
keit folgen. (Herr Böckh citirt daraus eine Myoj)Iioria.)
Im Hangenden stellen sich sodann Dolomite ein. (Vielleicht
den dolomitischen Gesteinen entsprechend, die ich in der Senke
zwischen dem Vensac und dem nördlichen kleinen Stuhlberge
gefunden habe.)
Darüber liegen dunkle Kalke mit Myophoria cosfata Zenk,
ßIo{/io/a triguefeiSeeh., GerviUiavnitiloides Schlth. und andere
< Dr. 0. Heer: Mittli. ;ms dem Jalirbucli d. köuigl. uug-. geol. Gesell-
schaft, V. Band, 1. Heft.
Geologische Uuteisiichimg-eii im westl. Theile d. Balkan etc. 50o
Formen des deutschen Eöth (eine Schichte, welche bei Belo-
gradcik nicht entwickelt zu sein scheint), ^ und erst hierauf lie£:en
die echten Muschelkalke.
Das Vorkonnnen der freilich nicht näher bestimmbaren Reste,
in den plattigen Sandsteinen beim Festung-sbrunnen, legt es auch
für Belogradcik nahe, die Grenze zwischen Dyas und Trias ober-
halb der braunen Conglomerale zu ziehen, wie dies Herr Böckh
bei Fünfkirchen angenommen hat.
4. Von BelogradÖik bis nach Oupreu.
Die rotlien Sandsteine von Belogradcik halten nur etwa
4 Kilom. weit südwärts an, erstrecken sich westwärts bis
gegen die serbische Grenze und im Osten nach einer Angabe von
Kanitz (Donau-Bulgarien u. d. Balkan I, pag. 196) bis an den
Hau von Falkovce (im SO. von Belogradcik am Lom gelegen).
Wie schon im Vorhergehenden erwähnt wurde, liegt am Nord-
rande dieser Bildimg der Steilabhang, den die ganz gut gebaute
Strasse in mehreren Wendungen bewältigt.
Weiterhin nach Süden tritt nun sofort eine völlige Änderung
des landschaftlichen Charakters ein, die Berge werden au l)eiden
Seiten der Strasse rundrückig und bestehen aus verschieden-
artigen krystallinischen Schiefergesteinen.
BeimMirkae-Hau, dort wo der Weg nach Steikovce abzweigt,
ist es ein Phyllit-Gneiss der mit Thonschiefern wechselt und die
unmittelbare Unterlage des rotlien Sandsteines bildet, nach Osten
hin aber auch die Fortsetzung der steil abgestürzten Kalk-
bänke trägt.
Diese Schiefergesteine streichen nahezu von West nach Ost
(hora 5) und fallen mit 75° nach Süden ein und sind von vielen
weissen Quarzitgängen durchzogen.
Im Bachbette der Steikovca Rjeka fanden sich ausser vielen
QuarzgeröUen, die zum grössten Theile den rothen Conglomeraten
1 Hiebe! möchte ich der Parallele wegen, einer späteren Ausführung
vorgreifeud,auf das Vorkommen von hellgelben, mürben Sandsteinen auf der
Passhöhe des Berkovica Balkan hinweisen, in welchen die ßh/ophoria
contata Zenk. in ungemeiner HäuHgkeit sich findet.
5()() r 0 u 1 a.
entstammen dürften, noch viele, aus einem Gablno artigen
Gesteine bestehende Gerolle, deren Bedeutung- aus dem Folgen-
den klar werden wird.
Weiterhin tinde ich in meinen Aufsclireibungen verzeichnet:
Gneissartige Quarzitschiefer, die von weissen Quarzgängen
durchschwärmt werden. Während sie auf der rechten Thalseite der
Steikovca Rjeka, hora .5, streichen und nach Norden mit 65° ein-
fallen, fallen sie kurz darauf auf der linken Thalseite steil nach
Süden ein. ganz ähnlich, wie die vorher erwähnten Thonschiefer.
Hierauf kamen wir am linken Ufer an gneissartigen Gesteinen
vorbei, welche hora 3 (NO.) streichen und mit 65° nach N. ein-
fallen. Sie dürften den vorhin am rechten Ufer angetrottenen
Gesteinen mit gleicher Lagerung entsprechen. Diese Gesteine
bezeichnete ich an Ort uud Stelle als Ph^'llitgneisse, da sie mich
in der That lebhaft an gewisse Gesteins-Einlagerungeu in den
alpinen Phylliten (z. B. auf der Brennerlinie) erinnerten, eine
Ähnlichkeit, die bald noch mehr verstärkt wurde.
Auf den Schichttlächen sind sie seidenglänzend. Besonders
schön ist dies an der Stelle der Fall, wo der Fahrweg nach Lom
abzweigt, und die Hauptstrasse die Steikovce EJeka verlässt,
unj dem von Vrbova kommenden l)ach aufwärts zu folgen.
Auf dieser Strecke treten zuerst talkreiche Phyllitgneisse
und sehr schön gefältelte Phyllite auf, ganz ähnlich jenen, welche
im Ptlerschthale am Brenner vorkommen. Hier wie dort sind sie
auf das Mannigfaltigste gebogen, in oft sehr enge Falten gelegt.
Sie sind blaugrau gefärbt, auifallend hart und enthalten sowohl
Quarzknauern als auch Bänder und Schnüre von weissem Kalk.
Bald stellen sich zuerst vereinzelte chloritische Lagen ein,
welche immer häufiger werden, bis endlich reiner, schön dunkel-
grün gefärbter, dünnplattiger Chloritscliiefer allein vorherrscht
und auch eine Strecke weit anhält.
In den Schuttkegeln der von Norden her einmündenden
Wildbäche finden sich die lichtgrauen Hornsteinkalke derStolovi-
berge sehr häufig, sie liegen in grossen eckigen Blöcken allent-
halben herum und verkünden eine Änderung des Gesteinscharak-
ters. Aber auch die rothen Conglomerate sind häufig. Bei dem
kleinen, zu Vrbova gehörigen SchäfVrliütten, zeigen die Chlorit-
Geolo^'-ische Untersuch unfien im westl. Theile d. Balkan etc. 507
schiefer westöstliehes Streichen, sind stark gefaltet und liegen
ganz flach.
Uniiiittelbar darauf erreichen die schon angekündigten Kalke
die Strasse, die von hier bis Vrbova eine enge Kalk Schlucht
zu passiren hat.
Thonschiefer bilden das unmittelbar Liegende dieser, durch
Fossilientührung ausgezeichneten Kalklbrmation.
Die ersten Bänke desselben streichen hora 10 (von SO. nach
NW.) und fallen mit nur \S° nach SW. ein.
Die Jura-Formation von Vrbova.
Über den Thouschiefern folgen:
1. In 15—30 Ctm. mächtigen Bänken, geschichtet, ein ver-
steinerungsloser ungemein harter Quarzsandstein, der hora 9
bis 10 streicht und mit 16° nach Süden einfällt, im Ganzen etwa
2 Meter mächtig.
2. blaugraue, sehr fossilienreiche Sandsteine von gröberen
Korne, circa einen Meter mächtig. In dieser Schichte fanden sich
die im Folgenden besprochenen Fossilien:
Beleninltes cfr. canaliculatits Schloth.
Pecten deniissus Phil.
Pecteu spec. (cfr. Pecten Buchi Iv<)m.).
Monotls elegatis Gold f.
Lima (Plagiostonni) spec.
Ostvea spec.
Pinna ("P)
Es sind dies Reste, welche zwar keine ganz sichere Alters-
angabe zulassen, aber mit grosser Wahrscheinlichkeit den
Schluss erlauben, dass wir es hier mit mittlerem Dogger zu
thun haben dürften.
3. Darüber liegt eine nach oben zu sehr dünnschiefrig werdende
Lage von Sandstein, von blaugrauer und nach oben graubrauner
Färbung, der in seinem Korne an den Sandstein Nr. 2 erinnert,
aber ungemein stark verwittert ist. Hierin fanden sich ganz
unbedeutende Spuren einer sehr bituminösen kohligen Substanz ;
aber auch Belemniten-Durchschnitte sind nicht selten. Diese
Schichte ist wohl 10 Meter mächtig und bildet mit den beiden
unterliegenden Schichten eine Terrainstufe, in welche der Bach
sein Bett eingerissen hat und endlich wie über eine natürliche
Wehre abstürzt.
4. Etwa 80 Schritte vor dem kleinen Wassersturz, treten in
concordanter Auflag-erunf;-, grünlichbraune Thonmerg-el auf, die
etwas sandig sind, und auf den Schiclittiächen ])flanzenstengel-
artige Gebilde und concentrische oder wellige Furchen zeigen.
Diese mergeligen Gesteine sind dünn geschichtet, wechsel-
lagern jedoch mit dickeren und festeren Bänken. Die letzten
sind äusserlich braun, im Innern aber blaugrau gefärbt, und
vielfach in Blockform abgesondert.
Weiterhin werden die dickeren und zugleich festeren Bänke
immer härter und härter, die Zwischenmittel aber immer dünn-
plattiger und nehmen gleichfalls an Härte zu.
Die einzelnen Platten werden immer inniger zusammenhän-
gend, so dass endlich auch diese plattigen Zwischenmittel sich
als dichte Kalke präsentiren, die nur eine leichte parallele Strei-
fnng erkennen lassen.
Der ganze durch allmälige Übergänge innig zusammen-
hängende Complex bildet oifenbar ein Ganzes, und ist der ver-
schiedene Charakter des Gesteines durch Verwitterungsvorgänge
zu erklären. In diesen Schichten fanden sich canalifere Belem-
niten- und einzelne Ammoniten-Abdrücke.
5. Wieder concordant darüber folgen nun liornsteinreiche
Kalke in ganz ähnliche ni Aussehen wie auf den Stolovibergen
bei Belogradcik, aber sehr reich an Petrefacten. Das Gestein ist
in Bänke von ziemlich gleicher Mächtigkeit abgesondert, welche
wieder die abwechselnde Folge von dickeren, (bis 0-3 Meter
mächtigen), dichten und dünnplattigen Lagen zeigen. Die
Schichtflächen sind höckerig, der Kalk graublau gefärbt. Die in
einem Zeitraum von wenigen Stunden gesammelten Fossilien sind
die folgenden:
Spheiiodus macev Q u e n s t. sp.
LepldotHs inaof'ljmis W a g n e r (= Sphwrodusfiigas A g.).
Belenmites cfr. tieniisulcatus M ü n s t e r.
Aspfdoceras orthocera d'O rb. sp.
Verfsphlncte.s polyplocits Rein. sp.
— cfr. eoluhrhnis Kein. sp.
— spec. ind.
Geologische Untersuchiuig-eu im westl. Theile d. B:ilkau etc. 50*J
Siinoeevas DouhUerl d'Orb. sp.
Oppelki JSolbeini Opp. s]).
— cotnpsa Opp. sp.
Fiiylloceras tortisuleatum (VOib. sp.
— Isotf/puni Ben ecke. sp.
Aptyclius cfr. latus Park.
— Btilgaricus nov. sp.
— spec.
Bhynchouella Agassizl Z e u s c h n e r sp.
— sparsicosfafa Q u e n s t e d t.
Collyvites Ind. cfr. Vevueuill Cottean.
Von den genannten Arten sind mit Ausnahme des Simoceras
Doublieri d'Orb. der bisher mir aus dem französischen Jura als
Seltenheit bekannt war, alle übrigen aus den Schichten mit
Asp'ulocerns acanthicum bekannt, so dass es wohl keinem Zweifel
unterliegt, dass wii- es in den w^ohlgeschichteten Kalken der
Vrbovaschlucht, mit dieser durcliProf. Neu m ayr's g-rosse Arbeit
berühmt g-ewordenen Etage zu thun haben.
(). Darüber liegen sodann graue mergelige Gesteine mit
dunklen Flecken.
Das ganze Schichtensystem ist vollkommen concordant auf-
gebaut, aucli die obersten Lagen streichen hora 0 — 10 (SO. — NW.)
und fallen nach Südwest, also gegen den Hauptkamm des Gebir-
ges ein.
Sobald man die Kalkpforte passirt hat, kommt man, an dem
DorfcVrbova vorbei, in eine von NW. nach SO. verlaufende Thal-
weitung.
In dieser liegen, im frischen Zustande grünlich -.graue,
sandige und etwas glimmerige Thonmergel, in stellenweise sehr
gestörten Lagerungsverhältnissen. Sie sind tief hinein verwittert,
in Folge dessen gelbbraun und sehr mürbe. Gleich am Ausgange
der Kalkschlucht fand ich in diesen Mergeln ganz kleine Helem-
niten mit kreisrundem Querschnitt {Belemnites minimus Lister?)
und kleine, schlecht erhaltene, aber an der faserigen Schalen-
structur sicher erkennbare Inoceramen, die mit groben concen-
trischenFalten bedeckt sind. Auch fanden sich einige undeutliche
Bivalven, in einem dünnplattigen glinnuerigen Sandstein. Wir
haben es hier offenbar mit Schichtender mittleren oder
oberen K r e i d e f o r m a t i o n zu thun.
510 Ton 1.1.
Aus (lieser Thalumlde nach Noiflosteii blickend, hat man
den Anblick einer ganzen Kette von Kalkbergen, die spitz aut-
ragend nach Südost alhnäliger abdachen, während sie nach
Korden viel Jäher abstürzen.
A'h'
Ansicht der Kette von Kalkbergeu.
Die vorhin erwähnten sandig-en Kreidemergel zeigen vor
Cupren ein Streichen von NO. nach SW. Sie halten bis zum
unmittelbaren Beginn des Dorfes an und sind hier vielfach von
Wasserrissen durchfurcht.
4. ti) Fossilien des mittleren Doggers in der Schlucht von
Vrbova,
1. Belenmltes cfr. cftufillcnlatus Schloth.
Tat". VIT. V\g. 1.
In dem harten feinkörnigen Sandsteine, der am Bachbette
der Vrbova-Schlucht auftritt und die natürliche Wehre bildet, ist
neben den, im Nachfolgenden zu besprechenden Pecten-Arten,
vor allem ein Belemnit in grosser Zahl eingeschlossen.
Die Gesteinsbeschaffenheit bringt es mit sieh , dass kein
einziges Exemplar los gebracht werden konnte, sie sind auf das
Innigste mit dem Gesteine verwachsen, und wurden fast in allen
Fällen mitten durchgespalten. Vorwaltend sind es kleine
Exemplare mit sehr schlanker Scheide, von fast gleichmässiger
Dicke mit scharfer Spitze. Nur an einem einzigen grösseren
P^xemplare ist im Querbruche der Canal an der vorderen Seite
ersichtlich. Fast alle Längsbrüche lassen die langen Alveolen
erkennen. Die Scheidewände sind zumeist verkiest und stehen
sehr gedrängt, so dass auf eine Länge des Phragmoconus von
5 Mm. nicht weniger als 22 Scheidewände entfallen. Die ausser-
Geolog-ische Untersuchung-eu im westl. Theile d. Balkan etc. 511
ordentlich schön erhaltene, verhältnissmässig- grosse, kugelige
Embrionalzelle am Ende der Alveole lässt mich mit ziemlicher
Sicherheit vermuthen, dass wir es hier mit BelemtiiteH cmuilicu-
hitus Schloth, zu thun haben. (Man vergl. Quenstedt.
Oephalopoden, pag. 43G, Taf. 29, Fig. 1 — 7) und zwar stimmt
die in Fig. 7 gegebene Abbildung eines Exemplares aus dem
Stonesfieldslats (,,üh(^v Amnionlfes ParkhisoniWegend'-^) am besten
überein, um so mehr als dies Bild einer Jugendform entspricht,
und wir es auch mit solchen zu thun haben.
Einer der Durchschnitte ist 20 Mm. lang und o-5 Mm. dick ;
ein anderes grosses Stück lässt auf ein Exemplar von ähnlicher
Grösse schliessen wie es Quenstedt (1. c.) Fig. 4 ablnldet.
2, Peeten deniissiis Phill.
Taf. VII Fig. 2.
1H44. — - Goldt. Petr. geriu., pag. 74, Taf. XCIX, Fig. 2.
1859. — — Q u e u s t.. Jura, pag. 353, Taf. 48, Fig. (j, 7.
1867. — — — Petrefactenkiinde, pag. *i03.
Ein glatter, dünnschaliger Peeten liegt in zahlreichen
Stücken theils mit, theils ohne Schale erhalten vor, der sich am
besten mit Peeten demissus Phill. identiticiren lässt, wie er sich
schon in den Eisenerzen von Aalen findet, der aber bis in die
7 Kalke hinaufreicht.
Die glatte Oberfläche zeigt unter der Loupe eine ungemein
zarte concentrische Anwachsstreifung. Dieselbe ist nur etwas
wellig und ziehen ganz zarte fast unkenntliche Radialstreifen
darüber hin, die auf der Innenseite und auf den Steinkernen
noch am deutlichsten hervortreten. Die Ohren sind klein, gleich
gestaltet, der Schlossrand lässt den bezeichnenden stumpfen
Winkel erkennen.
Die aus Deutschland bekannten Formen von Peeten demissus
sind auffallend breit, unsere Stücke neigen mehr zu der typischen,
englischen Form, von der schon Quenstedt das Vorwalten der
Länge hervorhebt.
Eines unserer Exemj)lare zeigt bei 30 Mm. Länge, eine
grösste Schalenbreite von 25 Mm.
r)12 Toula.
3, Pecten spec. (eir. JPecten BiicJii Rönier.^
Tat". VII. Flg. 3.
In einigen Klappen liegt ein von dem vorherrschenden ver-
schiedener Prcfcn vor, welcher in die Fornireihe des Pecten lens
gehören dürfte, wenngleich bei dem schlechten Erhaltungs-
zustände der Schale die charakteristische Pnnktirnng nicht
erkennbar ist.
Die Schale ist eiförmig, gegen den Schlossrand zungen-
förmig ausgezogen. Ungemein feine concentrische Anwachs-
streifen werden von viel gröberen, soweit die Schaleurudimente
es erkennen lassen, bogenförmig nach aussen gekrünniiten
Radialstreifen durchkreuzt, ähnlich so wie es Römer (Oolith-
Gebirge Taf. XIII, Fig. 8) angibt. Die bogenförmige Krümmung
der Radialstreifen ist ganz ähnlich wie es Loriol (Etage jur.
super, de la Haute Marne, pag. 389, Taf. XXII, Fig. 12, 13)
bei Pecten Buehi Römer (^Nachträge zu d. Petref. d. Oolith
Geb., pag. 27) angibt. Das Bissusohr der rechten Klappe ist
gross und zeigt am Steinkern parallele Anwachsstreifen. Der
Form nach ist es ganz ähnlieh der Abbildung in Quenstedt's
Jura Taf. 89, Fig. 4.
Die fehlende Punktirung würde auf einen Vorläufer des
Pecten Buchi Römer hinweisen.
4. Jlonotis elegans Gold f.
Taf. VII. Fig. 4.
1840. Aviciila eleyans Goldf., Petref. germ. Taf. 117, Fig. 8.
18.5S. Monods elcgaus Qiienstcdt, Jura, pag. 3.')?, Taf. 49, Fig. 11 — 13.
Eines der vorliegenden Stücke gleicht auf das Beste der von
Quenstedt abgebildeten Form aus dem braunen Jura ^ und
zwar der als ohtoiuja bezeichneten Varietät (Fig. 12); es
kommen aber auch breitere Stücke vor, die sich an die als
tolnnda (Fig. 13) unterschiedene Varietät anschliessen. Die
linke Schale ist stark gewölbt und mit ziemlich gleich starken
Radialrippen versehen, über das hintere Ohr ziehen die Radial-
streifen gleichfalls hin. MonotU eiegans ist ein Vorläufer der in
Geologische Untersuchuuj<eu im wostl. Tlieile d. Balkan etc. 513
mittlerer brauner Jura so häutigen, als Monotis echinata
(= Monotis decussata Münster^ bezeichneten Art, und
schliessen sich beide Formen enge aneinander. (Quenstedt
Jura, Taf. 51, Fig. 5).
Es liegt auch eine ungemein stark gewölbte Schale vor, die
sich durch das stark entwickelte vordere Ohr als eine rechte
Klappe zu erkennen gibt, dieselbe ist sehr stark gewölbt und lässt
unter der Loupe eine zarte, etwas wellige Streifung erkennen.
Der Steinkern dieser Schale ist in Taf. VII, Fig. 5 als Avicula
spec. abgebildet.
o. Lima (Plaglostoina) sp. (cfr. seniicirciilavis Goldf.),
184:0. Lima aemicircularis Goldf., Petr. germ. II, Taf. 101, Fig. 6.
1858. Plagiostoma semicirculare Qiienst., Jura, Taf. 59, Fig. 11.
Ein Schalenbruchstück einer kleinen Lima liegt vor, welche
mit ihren zahlreichen feinen Radialstreifen und der noch feineren
Punktirung an die citirte Form erinnert. Unter der Loupe sind
auch hier sehr feine Anwachsstreifen zu erkennen.
6*. Östren spec.
Austern fanden sich in ziemlicher Anzahl, sowohl ganz
kleine, als auch solche bis zu 75 Mm. Grösse. Erwähnenswerth
ist eine grosse, knotig-runzelige Form, deren stark ausgeprägte
Knoten in Reihen stehen, ähnlich etwa wie bei mancher Trigonia
doch verschmelzen sie in undulirte Kämme.
7. Puma. (?)
Schliesslich wäre noch das Vorkommen von dicken schwarz-
gefärbten Schalenstücken mit fein faseriger Struktur zu erwälnien ;
die seidenglänzenden Fasern stehen senkrecht auf der Oberfläche.
Ein 4Mm. dickes Stück lässt mehrere übereinander liegende
et'va 0-5 Mm. dicke Lamellen erkennen.
Vielleicht haben wir es mit Bruchstücken einer dickschaligen
Pinna zu thun.
4, h) Fossilien aus dem oberen Jura der Schlucht vor Vrbova.
1. Sphenodus niucer Quenst. sp.
Taf. V. Fig. 1.
1834 Sphenodus longidens Agassiz Recherche Poiss.Taf.37,Fig. 24 — 27.
1858. Oxyrhina mucer Quenstedt, Jura, pag. 783, Taf. 96, Fig. 45, 46.
Sitzt), d. mathem.-naturw. Cl. I.XXV. Bd. I. Abtli. 28
514 Teil 1h.
LS(j7. Sftherodus maeer Quo nsti'(\t, rotrofactonkiindi', II. Aufl., p.ig. 24,
Tat". 1.'), V\g. 1«.
Ein kleiner Zahn ohne Basis lie^t vor, der auf das Beste
mit dem von Quenstedt aus dem weissen Jura £ von Schnait-
lieim abf^^ebildeten Zähnehen übereinstimmt. Die von Zittei
^;Ältere Tithonbildungen, pag. 143, Tat". 25, Fig. 3, 4) als
Sphenodtiü inipressiis beschriebenen Formen, sind grösser und
nähern sieh noch mehr dem Sphenodus /ouqidens Ag., dasselbe
ist auch bei dem als Spheaodus titlioiiicus Gemmellaro —
(Studj paleont. sulla tauna de! calcare a Terebratula janitor del
Nord di Sicilial86S_1876, Partei, pag. 8, Tat. II, Fig. 28—41)
— der Fall.
Der Krümmung nach zu urtheilen ist das Zähnchen nahe
an der Basis abgebrochen.
Von der Spitze zieht eine ungemein teine Rinne, in der
Mitte der stärker gewölbten Seite hinab.
Das Zähnchen aus der Vrbova-Schlucht ist 12 Mm. lang,
4 Mm. breit, 3 Mm. hoch.
2. LepUlotiis maocirnus Wagn.
(SphwrodusgigasAg.)
Taf. V, Fig. 2.
1834. i!iph(frodi/.s ijigait Agass., Recherche Poiss. Foss. II, Taf. 73. Fig. 85.
1858. — — Quenstedt, Jura, pag. 740, Taf 96, Fig. 5— 10.
1859. — — Thurmauu uud Etallon, Lediea BnoitnitaiHi,
pag. 431, Taf. 61, Fig. 17, 18, 19.
1863. Lepidoiiis nia.riiuiis Waguer, Abhandl. Miiuch. Ak. IX, 8, pag. 19.
1870. — — Zittei, ältere Tithoubild. pag. 140, Taf 25, Fig. 1.
Nur ein einziger Zahn wurde in den Kalken der Vrbova-
Schlucht gefunden. Er zeigt einen elliptischen Umriss und lässt
eine ganz kleine Erhöhung in der Mitte der flachen Krone
erkennen. Die dunkle, dicke Schmelzschichte überzieht auch
noch den kurzen dicken Stiel. Die von Quenstedt abgebildeten
Exemplare stammen aus dem weissen Jura s von Schnaitlie i m.
Prof. Zittei führt diese Art aus den älteren Tithon-
bildungen von Rogoznik und aus dem Oiphiakalk von Trient
an. Auch Gemmellaro bildet {\. c. pag. 1, Taf. I, Fig. 1—6)
Zähne aus den Tithon -Schichten l»ei Palermo als Pycnodns
pjfrif'ornn's ab, die dem Spho'odus gigas sehr nahe stehen.
Geologische Untersuchungeu im westl. Theile d. Baikau etc. ol5
Dimensionen: Grösserer Durchmesser der Krone 5-2 Mm.,
Kleiner „ „ ,, 4-8 ,,
Höhe ,, „ 2 ,,
3. Belemnltes cfr. semisulcatus Münster.
Tat". V. Fig. 3.
1830. Bern, zur näii. Keuutu. d. Belemniteu, 5, Taf. I, Fig. 1—8, 15.
Nur ein abgewittertes Bruchstück eines schlanken ßelem-
niten liegt vor, welches am wahrscheinlichsten zu der ange-
führten Species zu stellen sein dürfte. An der vorderen Seite ist
der tiefe Canal deutlich erkennbar. Durch die Form des Quer-
schnittes erinnert das vorliegende Stück an Belemnites hastafus
iinpressci' Qnenstedt (Ce])halopoden,Taf. 29, Fig. 36). Ahnliche
Reste werden an den Südalpen (von Benecke) und von Gyill-
kos-kö und Csofranka in Siebenbürgen (Neumayr) angegeben.
Breite des Querschnittes 7-5 Mm.
Höhe desselben 7 Mm.
4. Aspidoeevas ortJiocera d'Orb. sp.
Taf VI, Fig. 1.
d'Orbiguy, Paleoutologie iVauQaise Terr, jur., Bd. I, pag. 556, Taf. 1*18.
Es liegt nur ein stark abgewittertes Exemplar eines Cycloten
vor, der eine Reihe von starken spitzen Knoten auf der Mitte der
Seiten trägt.
Die allgemeine Form der Schale, bei welcher die Breite der
Windungen ihre Höhe übertrifft, der auffallend tiefe Nabel, der
die innere Windungen gut hervortreten lässt und wenigstens
noch eine Andeutung von Knotung zeigt , lassen es fast
zweifellos erscheinen, dass wir es hier mit der citirten Art aus
dem Kimmeridgien zu thun haben. 1^'Orbigny führt diese Art
an von Gye sur Seine und von Cirey le chateau. (Haute-Marne.)
Dimensionen : Durchmesser 65 Mm.
Höhe des letzten erhaltenen Umganges 24 Mm.,
der nächst innere Umgang hat circa 14 Mm.
Höhe und 22 Mm. Breite.
5. Perisphinctes polyplomis Rein. sp.
Taf. V, Fig. 4.
1818. Nautiltift polyplnois Rein. Nautilus et Argon. Pag. 61, Taf. 2, Fig. 13
und 14.
28*
516 Touhi.
18">i^'. Amnnmilcti pobiplucus jutraholia Q neust., Jura. pag. GU-i, Taf. 75.
Fig. -l-l.
1 873. Perisp/t indes poli/plocns N c ii in., Scliicliteu des Aspidocerns aeanthicniu,
pag. 18-2, Taf. XXXIV, Fig. 2.
Ein ziemlieh gut erhaltenes Exemplar eines polyploken
Ammoniten liegt vor, welches noch am besten mit der von Prof.
Neumayr abgebildeten Form übereinstimmt. Es zeigt den
weiten Nabel, die allraälige Windung-S7Ainahme und die Bünde-
lung der geraden Rippen wie sie von Neumayr für die im
östlichen Theile des mediterranen Jura vorkommenden Formen
als bezeichnend hervorgehoben wurde. Diese Art wird aus den
östlichen Localitäten der Acanthicus-Schicliten citirt von Gyil-
kos-kö in Siebenbürgen und von Steyerdorf im Banat.
Unser Exemplar hat einen Durchmesser von 85 Mm.
6*. Perisphlnctes cfr. coluhvinns Rein. sp.
Taf. V, Fig. 5.
1818. Nautilus colubrimis Rein., Naut. et Argon. Fig. 72.
I^i-Ti. Atiunoiütes — Quensteclt, Ceplialopoden, pag. 1(J3, Taf. 12^
Fig. 10.
ISlO. P,'ri.sphincies — Zittel, Untertitlion, pag. 107, Taf. 9 (33),
Fig. 6, Taf. 10 (34), Fig. 4—6.
1873. — — Neumayr, Scliicliteu m.^ÄjpiW. rtrc<///A.,pag. 177.
Aus der Formenreihe des Perisphmctes biplecc liegt aus der
Vrbova-Sclilucht ein Bruchstück vor, welches in Bezug auf die
Schalenform am besten mit der citirten Art übereinstimmt,
besonders mit dem vonQuenstedt abgebildeten Exemplar.
Von der Lobenzeichnung ist nur der erste grosse Laterallobus
mit seinen drei Spitzen wohl erhalten, er erinnert recht lebhaft
an die Zeichnung des Ammonites biplex bifurcatufi Quenstedt,
(^Cephalopodeu, Taf. 12, Fig. 11.)
Auch diese Form wird von Neumayr aus Ost-Sieben-
bürgen in den Acanthicus - Schichten angegeben. Die von
E. Favre (Mont. des Voirons, pag. 31, Taf. III, Fig. 1—3) als
Ammonites plicutilis d'Orb. angeführte Form steht sehr nahe,
vielleicht noch näher, aber scheint die (ebenda, pag. 33, Taf. III,
Fig. 6, 7) als Ammonites Prahiirei hQ^Qhx'iQhQWQ Form zustehen.
Unser Exemplar hat einen Durchmesser von iS'o Mm.
Geolog-ische Untei-suchung-en im vvestl. Theilo d. Baikau etc. 517
7. Perisphinctes sp. ind.
Hier möchte ich auch eine sehr evolute , sehr allmälig
zunehmende Form anführen, deren scharfe Rippen sich nahe
der Externseite gabehi und zwar so, dass 2 oder 3 Rippen über
die Externseite hinüber ziehen. An der Theilungsstelle tritt eine
schwache Verdickung- der Rippen auf. Auf den inneren Um-
g-äng-en sind nur die einfachen ungetheilten Rippen sichtbar.
Auch diese Form schliesst sich wohl am nächsten ^n Perisphincteft
cobibvinKs Rein. sp. an.
Auch einige undeutliche, sehr flache Exemplare von
Ammoniten liegen vor, die mich in Bezug; auf die allgemeinen
Verhältnisse derRippung- und die Schalenform etwas an die, von
Gemellaro als Perisphinctes Boccoui erinnern (Alcune fau.
Giuresi e lias. 1874, 3. Foss., pag. 117, Tat". XIV, Fig. 2), doch
scheint auch der Perisphinctes rotimdtis Sow., wie ihn
d'Orbigny (Paleont. fran^., Jura, T;.f. 216, Fig. 4—6) abbildet,
nahe zu stehen.
8. Slmoceras Douhllevl d'Orb. sp.
Tnf. V, Fig-. 6.
1847. Amiiioiiifei. boublleri d'Orb., Paleont. tVangaise Tert. jur., I. pag. 572.
1875. - — — E. Favre Voirous, Taf. IV, Fig. 2.
Zwei Stücke liegen vor, welche ich dieser Art zurechnen
möchte. Eines davon ist ziemlich gut erhalten.
Es zeigt den flachen, scheibenförmigen evoluten Bau des
Gehäuses, die ungemeine alhnälig zunehmenden Windungen
und die scharf ausgeprägten Rippen. Die letzteren zeigen die
nahe an der Externseite eintretende Zweitheiluug, die etwas
unregelmässig A'Or sich geht, so dass sich einzelne in zwei,
andere in drei Äste gabeln, während dazwischen hie und da eine
auch imgetheilt bleibt; auf der Höhe der Exteruseite zeigt sich
auch das bezeichnende glatte Band. Das abgebildete Exemplar
lässt bei einem Durchmesser von 38 Mm. fünf Umgänge erkennen.
Diese Art führt d'Orbigny aus dem Oxfordien an, neben
Amm. tatriciis, tortisuJcntus, coriUdas, plicatilis und anderen.
518
9. Oppelfa Holbeinf Oppel sp.
Tat. V. Fi^^ 7.
18G3. Aninniiiiten Hollirini Opi)el, Paläoiit. Mitth., pag. 213.
1865. — /"A'.c/«««/' sp. Benecke, über Trias und Jura in den Süd-
aliien, i)ag. 191, Tat'. 10, Fig. 1.
1S7(». Opiielid //(*///('/«/■ Zittel, Paiäont. Mitth., II. Bd., ältere cei)liaIoi)oden-
fiihrende Tithonbild., pag. 189.
1872. — — Gemellaro, Fauna giur. di Sicilia, )»ag. 3ö, VI,
Fig. 1.
1873. — - Neumayr, Schiciiten ni. Anpif/omas uiutil/iinmi,
pag. 1G6, Taf. XXXIIl, Fig. 1.
1875 r?) Aiiiiiionili'n /tc'.viiosus E. Fa\'re Mont. de« Voiions, 'l'af. I, Fig. 13.
Nur ein einziges, aber verliältnissmässig gut erhaltenes
Exemplar Hess sich aus einem Gesteinstiieke herauspräpariren,
an dem sich sowolil die fiexuose Rippung, als auch die Marginal-
knoten und die Lobenzeiclmung erkennen lassen.
Die Knoten stehen bei diesem Exemjjlare in ziemlich
gleichen Abständen von einander. Zwischen je zwei derselben
liegen drei oder vier Rippen ganz ähnlich, wie dies bei der von
Be necke gegebenen Abbildung der Fall ist.
DieAbbiklung in Neumayr's Abhandlung zeigt viel unregel-
mässiger gestellte Knoten. Der Verlauf der Lobenlinie stimmt,
soweit sie sich verfolgen lässt, ganz gut mit der von Quenstedt
(Jura, Taf. LXXIV, Fig. 7) von Ammonites flemioHm gegebenen
Zeichnung überein, die sich freilich wieder ungemein ähnlich wie
bei Oppelia compsa Oppel sp. verhält.
Diese Art ist bis nun bekannt: aus dem Diphyakalke von
.Südtirol, aus Schwaben, Franken und der westlichen Schweiz,
(Zone des Amm. tenuilohntufi Opp.), aus Siebenbürgen, (Neu-
mayr citirt sie von Gyillkos-kö und Csofranka), von Czorstyn
im südlichen Klippenzuge der Karpathen, von St. Agatha im
Salzkammergute. Sie scheint auch in den Voirons vorzukommen.
10. Oppefia conipsa Oppel sp,
18t)3. Ammoniten coinpmin Oppel, Paläont. Mitth., pag. 215, Taf. LVII,
Fig. 1.
1865. — — Benecke, Über Trias und Jura in d. Südali)en,
pag. 168.
Geologische Untersuchungen im west!. Theiie d. Balkan etc. ol9
1870. Oppelia coiupsa Zittel. Untertithon.
3873. — — Neumayr. Schichten mit Asp. ucantliicuin, \yA^. 167.
Ein grosses, stark abgevvittertes Exemplar, 160 Mm. im
Durchmesser. Es zeigt die flache Form des Gehäuses den engen
Nabel imd die an der Externseite stehenden stumpfen Knoten,
die für diese Art so bezeichnend sind. Diese Art ist für die Zone
des Ämmonites tenuüobatus in der mediterranen Jura-Provinz
bezeichnend. Findet sich aber auch im Tithon von Sudtirol und
im Central-Apennin. Aus den Acanthieus-Schichten führt sie
Prof. Neumayr an: aus den Südalpen, aus Siebenbürgen und
aus den Karpathen.
11. Phylloceras tortlsiilciituni d'Orb. sp.
1840. Amiiiuniics iurtisiilcitt)t>s d " 0 r b. Cei)h. Cret., jiag. Itj3, Taf. LI,
Fig. 4~H.
I87U. Phi/lloceraa (ur/isiilculinn Zittel. Untertithon, 42, Taf. I 1 25), Fig. 14.
1871. — — Neum, Phylloceraten, pag. 344, Taf. XVII,
Fig. 10.
1872. — — Neumayr. Schichten mit Aspidoceias
acanthicum, pag. 1*34.
1875. Aintnonites torlisuk-utus E. Favre, Montagnes des Voirons, pag. 22,
Tat. II, Fig. 4.
Unter allen in der Sclduclit gefundenen Formen, ist diese
in der oberen Abtheilung des mediterranen Jura so verbreitete
Art die häutigste und ganz sicher bestimmbar. Es finden sich
ebensowohl fiache Formen mit stark gewölbter Externseite, als
auch solche von grösserer Dicke und flach gewölbter Extern-
seite.
Prof. Dr. Neumayr führt diese Art in Ost-Siebenbürgen
als besonders häutig an.
12. Phylloceras cfr. isotypiun Benecke sp.
Taf. VI, Fig. 2.
1865. Animonitfs isotypun Bonecke. Trias und Jura in Sudtirol, pag. 184,
Taf. VII, Fig. 1-2.
1871. Hif^lloverus isoif/pum Neumayr, Phylloceraten, pag. 314, Taf. XIll,
Fig. 3.
1872. — — Gemellaro. Fauna giur. di Sicilia, pag. 30,
Taf. VI II, Fig. 1.
520 T o u 1 H.
1873. Phyllocerns isotypiim Neuniayr, Schicht mit ^6^. acantkicum, pag. 18.
1875. Amvionites isnlypus E. Favre, Mont. des Voirons, Tat". II, Fig. 1, '2.
Von dieser für die »Scliicliteii mit Asp. acmifhicmn so
bezeichnenden Form liegt ans derVrbova-Schlncht vor Tschnpren
(Cupren) ein ziemlifh gut erhaltenes Exemplar vor. Die Loben-
zeiehniing stinnnt recht gut mit der von Prof. Neumayr
gegebenen Abbildung (nach einem siebenblirgischen Stücke),
nur erscheint sie etwas weniger einfacher. Unser Exemplar lässt
die lange Wohnkammer deutlich erkennen, obwohl es ein ver-
hnltnissmässig kleines Exemplar ist. Der Durchmesser des
etw;is verdrückten Stückes dürtte etwa 55 Mm. betragen haben.
13. Aptychiis cfr. hims Park.
Tat". VI, Fig. 2.
1811. Trif/oiicli/f^-- lata Parii, Orgaiiic remains, III, pag. 186, Taf. XIII,
Fig. 9.
184;i. Apiyrliiia Uuus Qiienstcdt, Cephalop., Taf. XXII, Fig. 17.
1858. — IcH'vis latus Queutst., Jura, pag. 622, Taf. LXXVII, Fig. 8.
1862. — laitis 0 p p., Paläont. Mitth., pag. 256, Taf. LXXII, Fig. 1, 2.
1875. — — P i 11 e t, L e m e n c, pag. 28, Taf. III. Fig. 7— 9, Taf. VI,
Fig. 5.
1875. — — E. Favre, Mont. des Voirons, pag. 47, Taf VII,
Fig. 1-3.
Diese in den obersten Etagen der schwäbischen weissen
Jura so überaus häufige Form liegt in einem ziemlich voll-
ständigen Bruchstücke vor. Es zeigt alle Eigenschaften dieser
bezeichnenden dickschaligen Form. Die groben Poren der tiach-
gewölbten Oberseite, die grobe concentrische Streifung der
concaven Seite und den Abfall an den Seiten.
Die Schale erreicht nahe dem Kande 7 Mm. Dicke, während
diese gegen den Wirbel hin, an der medianen Seite, nur noch
3 Mm. beträgt.
Auf der Bnichtläche lässt sich die Lamellenstructur dci-
Schale erkennen.
14. Apti/c/ms biUyariciis nov. sp.
Taf. VI, Fig. 3.
Ein grosses Exemplar von G4 Mm. Länge und 50 Mm.
grösster Breite, welches sich in IJeziiü,- auf die Form der Schale
Geologische Untersuchungen im westl. Theile d. Balkan etc. 521
enge an den Apfychus latus Park, und den Äptychus hopJiciis
0 p ]). anschliesst, wie diese von 0 pp e 1 (Palnont. Mittli., pag-. 256,
Taf. 72, Fig, 1 und pag. 259, Taf. 73, Fig. 4—5) charakterisirt
wurden.
Die Besohaffenheit der sehr flaeli vertieften Innenseite
bildet den Unterschied von diesen beiden Formen. Längs des
Medianrandes verläuft nändich eine schmale Furche, in welcher
die concentrischen Streifen einen Bogen beschreiben. Diese
Streifung ist überaus zart, so dass etwa acht Streifen auf 1 Mm.
zu stehen kommen. In ziemlich gleichen Abständen zeigen sich
wulstartige Erbebungen, die mit den Streifen parallel verlaufen
und besonders an abgewitterten Theilcn scharf hervortreten. In
Bezug auf die schmale Einsenkuiig am medianen Rande zeigt
auch Aptychns aporus Oi)i)el (1. c. pag. 258, Taf. 73, Fig. 1
bis 4), einige Ähnlichkeit, unterscheidet sich aber schon diu-ch
seine viel bedeutendere Länge. Die drei nahestehenden Arten
stammen alle aus den lithographischen Schiefern vonSolenhofen.
15. Aptychus spec.
Taf. VI. Fig. f).
Von einem impricaten Aptychen, der an Aptychus lumel-
/os^^s]^arkinson (Org. Remain,III, Taf. XIII, Fig. 11) erinnert,
liegen mehrere Stücke vor. Eines derselben zeigt die groben
Rippen wie sie Quenstedt bei dem grösseren Stücke seines
typischen Aptychus lamellosus angibt. An abgewitterten Theilen
tritt eine dichtstehende Punktirung auf. Ein kleineres Stück
erinnert lebhaft an den Aptychus Beyrichi 0])\)., wie er von
Zittei (Stramberger-Schicliten Taf. I, Fig. IG) oder neuerlichst
von Ernst Favre (Voirons, Taf. VII, Fig. 10 und 11) abgebildet
wurde. Ein weiteres Stückchen ist auf dem Steinkern eines sehr
involuten nicht näher bestimmbaren Ammoniten aufgewachsen.
Aptychus Beyrichi 0 p p e 1 wird auch von G e m m e 11 a r ( >
(1. c. pag. 25, Taf. III, Fig. 17 und 18) aus dem Tithon von Nord-
Sicilieu angeführt.
16. Hhynchonella Agassizi Z e u s c h n e r sp.
Taf. II, Fig. 6.
1846. Terehratiila Agassizi Zeuschne r. Nove lub. niedokl.opisane gatunki
pag. ^G, Taf. 11, Fig. 21—25.
522 Foiila.
1870. R/ii/nrhoncl/a Agnsnizi Zitte\. Die Fanna d. alt. Tithcmbildungen
pag-. -ifW;, 'l'af. XXXVIII, Fig :54— 37.
Diese kleine Rhynclionella liegt in einem gut erhaltenen
Kxemplare vor. Der Urnriss ist abgerundet, dreiseitig, die
grösste Breite liegt in der Nähe des fast geraden Stirnrandes.
Die von Zittel (1. c.) gegebene Abbildung stimmt recht gut
überein. Das deutliche Deltidium, die feine Streifung der fase-
rigen und abblätternden Schale, die Andeutung einer Vertiefung
auf der kleinen Klappe, sind deutlich erkennbar. Die Deltidium-
platten reichen bis zum oberen Rande der ziemlich grossen
Schnabelötfnung, die ganz nahe an den Schnabelrand der kleinen
Klappe hinantritt.
Diese Art ist nach Zittel bei Rogoznik häufig, seltener bei
Zorstyn und Biela voda, sehr selten im Diphyakalke von Trient
und im rothen Marmor vom Haselberge in Bayern.
Länge 10-5 Mm.,
Breite am Stirnrand lU-.ö Mu;.,
Dicke 6 Mm.
17. Rhynchonella cfr. sparsicosta Q u e n s t. sp.
Tat". VI, Fig-. (J.
1858. irn-liiaiiila luriuuisa .sjHirsit-n.yt/i Quenst.. Jura, Tat". LXXVIII,
Fig. 2U-23.
1858. Rliiiitrlidiuila spumicosiu Opp«'!., Jura, pag. 'i')'^^.
1871. 'rrrchriiliäct Mnjnchitnelln) lacunona nparaicDnio Q u e n s l. Brachio-
podnt, I'af. XXXIX, Fig. 92-94.
187:5 lUiiiiH-lioiidla spaiKuoüta Neuraayr, Schicht, des Asp. aranthicHin,
pag. -208 (68).
Zwei P^xemplare liegen in Bruchstücken vor, die der citirten
Art zum Mindesten sehr nahestehen. Beide sind sehr aufgebläht.
Die grössere Klappe zeigt den tiefen Sinus und ist etwas unsym-
metrisch, ähnlich so wie esNeumayr von der BliynchoneUa
Gemellaro {}. c. pag. 209, Taf. XLIII, Fig. 9) beschreibt, es
zieht nändich nur über die eine Seite eine Falte hin. Die kleine
Klappe ist gegen den Schnabel hin stark vorgezogen. Auf dem
kleineren Exemplare zeigen sich in der Höhe des Schnabels zwei
seichte Furchen.
Geologifsche Untersuchunj^en im westl. Theile d Balkan etc. b'Io
18. Collyrites ind. (conf'r. Verneui/i Cotteau^.
1H7(). Colli/ri/rs Vrrnenili Cotteau Zittel, Altere Tithonbildiinj;. \rdg. 272,
Taf. XXX IX, Fig. 7 u. 8.
Ein nur an der Unterseite erkennbarer, abgevvitterter Echi-
niden-Steinkern liegt vor, der in seinem Umriss an die citirte
Art erinnert. Leider ist die Stelle, wo sich die Afterötfnnng befindet,
abgebrochen.
Die vom centralen Munde ausstrahlenden schmalen Ambu-
laralfelder, sind in der Nähe der Mundöffnung etwas vertieft,
zwischen ihnen sind vereinzelte Stachelwarzen erkennbar, in
dem gegen die AfterölTnung hinziehenden medianen Inter-
ambulacralfelde ist eine Erhöhung angedeutet, ähnlich so vt'ie
bei der citirten Art.
5. Von Cupren über den Sveti Nikola-Pass bis Ak-Palanka.
An der linken Thalseite tritt unmittelbar bei Oupren das alte
Gebirge wieder hervor und zwar sind es hier gefältelte chlori-
tischeThonschiefer mit vielen Calcitgängen und von Kalk erfüllten
Nestern. Dieses Gestein steht am Mühlbache von Cupren an,
streicht von Nord nach Süd und fällt nach West ein.
In den Bachgeschieben herrschen dioritartige Steine vor, die
vorwaltend aus grüner, kurzsäuliger Hornblende bestehen, es ist
ein Gestein, welches vielfach an die Uralit-Porphyre erinnert.
Es ist dies dasselbe Gestein, welches schon unter den Bach-
geschieben der Steikovca-Rjeka erwähnt wurde. Dadurch wird
es klar, dass diese Felsart, welche wie wir sofort sehen werden,
eine hochwichtige Rolle beim Aufbau des mächtigen Sveti-Nikola
spielt, offenbar von dort weit nach Nordwest anhält und viel-
leicht einen grossen Theil der serbisch-bulgarischen Grenzberge
zusammensetzt. Die ersten Anzeichen dieses weitausgedehnten
Grüusteingebietes fanden wir schon in den grossen Geröll-
blöcken von diabasartigem Aussehen im Bachbette bei Rakovica
(m. vgl. Mitth. Nr. 3).
Überhalb Oupren stellt an der rechten Thalseite Glimmer
gneiss an, des hora 4 — 5 streicht und mit 30° südwärts einfällt;
er enthält viel weissen Feldspath.
524 T (. u i ;i.
Don üaeli durchschneidet eine circa 6 Meter mäclitii;e P)lock-
schuttmasse, die wieder vorherrschend aus dem erwähnten
dioritisclien Gesteine besteht.
Hier beginnt nun das eigentliche Diorit-Gebiet. Es ist ein
ganz ausgezeichnetes krystallinisches Massengestein, von grobem
Korne, wie Granit in grosse Blockmassen zerklüftet, und von
Gängen eines feinkörnigen dioritischen Gesteins durchsetzt.
Vor der letzten zu Belogradcik gehörigen Karaula („Belo
gradcik-Karaula am Nordabhang des Sveti Nikola", 951 Meter
hoch) werden die krystallinischen Schiefer abermals lierrschend.
Zuerst sind es dUnnplattige, weisse, überaus feinkörnige quar
zitische Schiefer mit lebhaft glänzenden Schichtfiächen, hierauf
folgen phyllit artige und c hl ori tische Schiefer, die mit
Quarzitschiefern wechsellagern. Besonders die Chlorit-
schiefer sind vielfach zerklüftet, so dass es fast unmöglich war,
ein Handstück zu schlagen.
Diese Gesteine halten noch eine Strecke weit nach aufwärts
an, sodann wird aber gegen die Passhöhe zu ein ausgezeich-
neter Granitporphyr vorherrschend, in dem die Einsattelung
verläuft.
Dieser Granitporphy r besteht aus zahlreichen grossen
Feldspath - (Orthoklas) - Krystallen, viel schwarzem Glimmer,
hie und da etwas grünlichem Chlorit und grauem Quarz. Seine
Färbung ist lichtröthlich, die Absonderung ganz so wie allent-
halben in Granitgebieten, In dicken Bänken und grossen Block-
massen von wollsackartiger Form.
Nesterweise enthält das Gestein ein feinkörniges, dunkel
gefärbtes, granitisches Gemenge, in welchem besonders der
Biotit vorwaltet.
Auf der Passhöhe ersieht man auf das Deutlichste die räum-
lich verhältnissmässig geringe Ausdehnung des Granites, gegen-
über dem im Allgemeinen grau gefärbten Diorit. Dieser letztere
setzt offenbar die l)ei(len, den Pass begrenzenden hochaufragen-
den Bergzüge zusannnen.
Die höchste Spitze liegt von der Einsattelung ostwärts, —
sie wurde mir bei unserer Hinreise als Mali-Oervica, der weniger
hohe Gii)fel im Westen als Utschkulak bezeichnet. — Erstere
dürfte die Passhöhe iloOO Meter) noch um etwa oOO Meter
Geologische Uutersucluiiigeu im westl. Theile d. Balkan etc. 525
überragen. Im Westen von dem zuletzt geiianuten Gipfel liegt
eine etwas höhere Einsattelung. Soweit dürfte der Granit reichen.
Der Diorit aber bildet wie gesagt, das vorherrschende
Gestein. Die daraus bestehenden Bergzüge, besonders der west-
liche, sind vollkommen kahl und auf ihren Abhängen über und
über mit Schutt und Blockwerk bedeckt.
Der Granit hält am steilen Südhange des Passes bis zur
ersten, auf halber Höhe zwischen Janja und der Passhöhe gele-
genen Karaula an. Auch hier ist er in dicken Bänken abgeson-
dert und bis tief hinein verwittert.
In der Nähe dieses anstehenden Granits fanden sich Stücke
von chloritischem- und Phyilit-Gneiss in grosser Zahl, und bald
tritt, wenn auch nur zuerst auf ganz geringer Ausdehnung in der
Sclducht, rechts seitwärts von der Strasse, gefältelter Thon-
schiefer auf. (Ganz ähnlich dem am Nordfusse an derTheilungs-
stelle der Strasse zwischen Belogradcik und Vrbova.)
Sodann folgt das dioritische Gestein in geringer Aus-
dehnung. 1
Bei Janja aber tritt dann wieder der Granitporphyr auf,
dessen braun gefärbter Grus die Berggehänge bedeckt.
Weiterhin bestehen beide Thalseiten, die nahe aneinander
treten, aus den vielfach gefältelten Thonschiefern, echten, seiden-
glänzenden Phylliten mit grossen Knauern, Adern und Schnüren
von Quarz. Sie streichen hora 9 — 10 und sind vertical auf-
gerichtet.
1 Vom Sveti-Nicola („Westseite") wird iu einer Notiz (Verhaadl.
1868, pag. 407) über einige Gesteinstücke, die Herr Kauitz gesammelt,
ein feinkörniges diorltisches Gestein und ein pistacitreiches qiiarzitisclies
.Schiefergestein erwähnt. Von der „Ostseite" wird ein Amphihol-Andesit
mit dunkler, fast schwarzer Hornblende (Gamsigradit von Breithaupt)
verwitterten grünlichen Feldspathausscheidungen und einer dunkel violett-
grauen, felsitischen Gruudmasse angeführt, der mit dem von Breithaupt
als „Timazit" beschriebenen Trachyt von den Ufern des Timok die grösste
Ähnlichkeit haben soll. — Leider erlauben die Fundortaugabeu keinen
sicheren Schluss auf die genauere Lage der Localitäten zu ziehen, noch
weniger aber ist es möglich über die Art des Auftretens sich ein Bild zu
verschaffen. Dem letzterwähnten Gesteine entsprechen wohl die im Nach-
stehenden erwähnten Araphibol reichen Steinblöcke.
526 '1' <> u 1 ;(
Aber iiocli einmal tritt am Baelie nnd reehts von der Strasse
in einer niederen Kupix' i>ro'.)körnif?er Granit hervor, der von
Gänjj,-en eines feinkörnigen dioritartigen Gesteines (Diorit-
Aplianit) durehzogen ist. Im Haelie fanden sieh aneh Blöeke von
Amphiholit mit langsäuligeni Ani])hibol und wenig Feldspatli.
Nun stellt sich .aber in der Thalenge vor Rerilovce eine
eigenthümliohe Sehichtenreihe ein. In rascher Aufeinanderfolge
reihen sich in fast Aerticaler Sehichtenstellung folgende Gesteine
aneinander:
1. Ein granwackenartiger Quarz-Sandstein von grauer
Färbung.
2. Thonschiefer (phyllitartig) mit ganz aussergewöhn-
lichem Quarzreichthum. Seine Schichten streichen ganz
wie vorhin hora U — 10.
o. Quarzit mit talkigem Zwischenmittel, braun verwitternd .
4. Feinkörnige sandige Schiefer von grünlicher Färbung.
(Streichen hora 9—10, fallen nach N. mit 84°.)
5. Darauf folgt wieder ein granwackenartiger Sandstein
(wie 1) und darüber
6. wieder Thonschiefer (wie 2").
Wir dürften es hier mit einer paläozoischen Schichtenfolge
7A\ thnn haben, wohl analog derjenigen, über welcher l)ei Belo-
gradcik die Kohle führenden Sandsteine und Thonmergel liegen.
Es wird diese Analogie noch dadurch vermehrt, dass man,
nachdem die Enge oberhalb Rerilovce passirt ist, — den Aus-
gang bilden Quarzsandsteine (ähnlich wie bei 1 und 5) — als-
bald die rothen Sandsteine und Conglomerate in zahl-
reichen Blöcken herumliegen sieht.
Auf der linken Tlialseite unmittelbar unterhalb Berilovce
stehen die rothen Sandsteine an, und halten bis gegenüber von
Vrtoca an. Der steil aufragende Gipfel von Berilovce nach SO.,
der mit vielen Zinken aufragt, erinnert in seiner Formation leb-
liaft an die Steingebilde von Belogradcik. (Es wird Babin-Zub,
der Grossmutterzahn genannt.) Die Sandsteine an der Strasse
sind thcils grobkörnig wie bei Belogradcik, theils ungemein
feinkörnig und dünn geschichtet. Die letzteren zeigen hie und
da unregelmässige Wülste auf den Scliichtflächen.
Geologische Uiitersucliuu^^en im westl. Theile d. Baikau etc. 52 7
Am rechten Tlialabhaiige treten tiberall Griismassen auf,
ganz ähnlich wie dies.' r Granitgebiete so bezeichnend ist; die
Berge sind rnndrückig.
Gegenüber von Hinova stehen nnmittelbar am Flusse die
ersten Kalke südlich vom Haiipt-Gebirgskamme au. Es sind
dichte, graue, vielfach zerklüftete Gesteine, welche hier nur Spuren
von Versteinerungen enthalten. Nur eine einzige, besser erhaltene
Terebratel wurde autgefunden. '
Die Lagerungsverhältnisse sind nicht deutlich zu erkennen,
doch dürften diese Kalke gleichaltrig sein mit jenen dichten
Kalken, die das Kalkthor bei dernahenKalniakaraula bilden. Es
ist dies an jener Stelle, wo die Strasse nach Ak-Palanka gegen
Süden umbiegt.
Auf diesem Kalke liegen hier mergelige (i esteine, die unge-
mein reich sind an Orbitolinen (Patellinenj, Spongiten und
Korallen. Einzelne Korallenstöcke erreichen ganz bedeutende
Grössen.
Diese Mergelbänke streichen hora 7, sind zum Theil steil
aufgerichtet und mannigfach gekrümmt, das Fallen ist zumeist
südwärts. Sie scheinen den grauen, dichten Kalken eingelagert zu
sein, so dass diese noch zu derselben Etage gehören dürften,
wenn man nicht sackartige Ausfüllungen zwischen älteren Riffen
annehmen will, was immerhin nicht unniöylich wäre. Die Alters-
bestimmung wäre mit Hinsicht auf die Thatsache, dass an ande-
ren Localitäten die Orbitolinen in sehr verschiedenalterigen Eta-
gen auftreten, — so z. B. im oberen Neocom oder nach anderer
Auffassung im unteren Gault der Nordalpen und in den Perte du
Rhone, oder in der cenomaneu chloritischen Kreide des südlichen
Frankreich, oder in den ober- cretacischen (losau-Schichten, —
nicht mit Sicherheit festzustellen. Wir haben es hier wahr-
scheinlich mit einem Analogen der Orbitolinen-Schichten der
Steyerdorfer Gegend zu thun, die wir nach v. Hauer dem
obersten Neocomien zuschreiben müssten.
1 Sie steht der Terebratidubiplicataii ow. sehr uiihe und ist eine kleine,
aber auftalleud breite Form, deren Faltung- erst gegen den Stnnraudzu deut-
licher hervortritt. — Nach diesem einzigen Funde Hesse sich freilich kein
ganz sicherer Schluss auf das Alter des betreffenden Kalksteines ziehen.
528 Toula.
Diese Etage ist sehr reich an Fossilien (^man vei-jL;!. weiter
unten 5 (t)'^ es konnten in der kurzen Zeit unseres Aufenthaltes
folgende P^onnen g-esammelt werden :
OrMtoliita lenticularis Blum. s. h.
OrhitoUna hulfjarlca Desh. h.
Oi'hitolina concava var. (nov, si)?") h.
Spoiiijld i'oJa Mich.
CrdticAilarla (ScypJUa) buUjarlca nov. sp.
Holocystis sitnilis nov. spec.
TrochosiiUlia sp.
Actinavaea (Agavlcia) sp.
LohophyUia cfr. llequienU Mich.
Heptoinulticrescis cfr. sponyloUles d'Orb. nach Mich.
Hadiopora hiiUfOsa d'Orb.
Ostrea cfr. dUuviaiui Lin.
TevebratuUna sp.
Terebrirostra fi\).
jVatica spec.
Diese Fossilien sprechen nun dafür, dasswir es mit Schichten
zu thun haben, die dem mittleren Gault zuzuschreiben sind. Es ist
diese Annahme in bester Übereinstimmung mit der von H och-
st etter, in seiner bahnl)rechenden Arbeit über die geologischen
Verhältnisse des östlichen Theiles der europäischen Türkei
ausgesprochenen Meinung, wonach die türkischen (balkanischen)
Orbitolinen, der mittleren Kreide zuzurechnen sind.
Über diesen Orbitoliten- Korallen- und Spongiten- Mergeln
folgen von der Stelle an, wo die Strasse nach Pirot gegen
das Thal derTemska hin abzweigt, Sandsteine von bräunlicher
P^ärbung, die leicht spaltbar sind und auf den Schichtflächen sehr
viele Glimmerschuppen enthalten; sie erinnern an gewisse
Varietäten der Karpathen- Sandsteine, und. halten beinahe eine
Wegstunde weit, bis über Isvor an. Bald horizontal liegend, bald
mehr oder weniger steil aufgerichtet und verschieden einfallend,
schwankt das Streichen im Grossen und Ganzen zwischen engen
Grenzen. (Das mittlcie Streichen kann mit liora 7 angenom-
men werden). Ahnliche Gesteine werden wir noch an anderen
Stellen zu besprechen haben, (so z. B. an der Temska, nord-
westlich von Scharkiöi (Pirot) und im Osten von Trn.
Geologisclie Untersuchungen im westl. Tlieile d. Balkan etc. 529
Oberhalb Isvor stehen düunplattige, sandige Mergel au, die
auf wohlgeschiehteten grauen, weissaderigen Kalken (analog
jenen an dem Felsenthore bei der Kalnia-Karaula) aufruhen und
damit wechsellagern. Auch hier treten in den Mergelbänken
Orbitolinen und Korallen neben anderen Fossilresten auf. Hier
ist das Streichen hora 10, das Fallen nach N. mit 35°. Die
Unterlage für dieses Schichtensystem bildet im Südwesten ein
Kalkterrain von ganz anderem petrographischen und land-
schaftlichen Charakter. Wie mit einem Schlage sieht man sich
aus einem waldbedeckten Landstriche auf eine steinige, fast
vollkommen sterile Plateaufläche versetzt, Avelche alle Eigen-
schaften der Karst-Plateau's zeigt. Doline folgt auf Doline.
Beim Anstieg zu diesem Kalkplateau kommt man zuerst
über Korallenkalke mit röthlich gefärbten Kalkmergel - Ein-
lagerungen und hierauf im Liegenden derselben auf graue, dichte
Nerineenkalke. DiePetrefacten-EinschlUsse ragen an den stärker
abgewitterten Stücken über die Gesteins-Oberfläche heraus.
Dieses Terrain hat besonders nach Westen hin eine weite
Verbreitung. Von den zahlreichen ausgewitterten Fossilresten ist
eine Nerineii als
Xerinea (Itieria) cfr. StaszyMi Z e u s c h n e r,
(Taf. VII, Fig-. 9),
bestimmbar. Die von Zittel (ältere Tithonbildungen, Taf. 40,
Fig. 22) abgebildete typische Form würde recht gut überein-
stimmen.
Ausserdem ist nur noch eine tief genabelte
Delphlnula spec. ind.
(Taf. VII, Fig. 8i,
erkennbar, welche an gewisse Formen aus dem Nattheimer
Korallenkalk erinnert. Das Gewinde unseres Exemplares ist
kurz, die grosse letzte Windung ist mit scharfen Spiralstreifen
versehen, die Mündung ist frei und fast kreisrund, der Nabel ist
tief und weit. —
Von der nahe der Plateauhöhe (am Südabhang) stehenden
Isvor-Karaula nach Südwesten hinabsteigend, kommt man zuerst
auf dunkel graue Kalke mit weissen Kalkspathadern und sodann
an graue, etwas oolithische Kalke, die auf den abgewitterten
Sitzb. d. mathem.-naturw. CJ. LXXV. Ed. I. Abth. '^9
530 Touhi.
(beim Verwischen braun werdenden) Schichtenflächen über und
über bedeckt sind mit Fossih-esten, von welchen folgende bestimmt
werden konnten : (Man vergleiche weiter unten 5 h.)
Ostrea spec. (^cfr. O. serrata Goldf.)
JRhynchonella cfr, niultlforniis Rom,
Heteropora (Multizonopora?) Isrorlana nov. sp.
Ceriopora (Cerioccifva?) spec.
Peltastes cfr. stelltilatus A g.
Stacheln von Diaderna und Cldui'is.
Pentao'inus sj!. (aus der Forraenreihe des Pentacrinns
asfralis Q u e n s t.)
In einem wohl derselben Etage angehörigen mergeligen
Kalke fanden sich neben zahlreichen Bryozoen die Reste eines
kleinen Krel)ses, den ich (unter 5 c.) als
Pi'osopon inflatuni nov. sp.
beschreibe.
Die Bryozoenkalke streichen hora 10—11 (S. 20°0) und
fallen nach NO. unter die Kalke mit Nerinea cfr. Staszyzii ein.
Die dichten splitterigen Nerineen - Kalke, oberhalb Isvor,
erinnern lebhaft an die Gastropoden führenden Kalke von
Möttling (Draschiza) und Neustadtel in Unter-Krain an der
croatischen Grenze. Dr. Stäche führt (Verhandl. der k. k. geol.
R. A., 1858, pag. 72) daraus Nerineen, Turritellen, Actäonellen,
Sealarien u. s. w. an. Die Stellung dieser Kalke innerhalb der
Kreide blieb damals noch zweifelhaft. Aber auch die Stellung
der Nerineen-Kalke bei Isvor ist nicht ganz sicher zu deuten.
Wir haben es hier mit einer Discordanz zu thun ; die unter-
halb der Isvor-Karaula auftretenden etwas oolithischen Bryozoen-
Kalke hal)en ein ganz anderes Verflachen als die darüber
auftretenden Ncrineen-Kalke.
In dem auf Tafel II gegebenen Idealprofil habe ich die
ersteren, gestützt auf die vorkommenden Fossilreste als dem
Neocomien moyen der französischen Geologen entsprechend, auf-
gefasst und die Nerineen-Kalke als dem Urgonien zugehörig,
betrachtet. DieFrage, ob dieNerineen-Kalke und die petrographisch
an einzelnen Stellen recht ähnlichen Kalke mit Caprotinen, dem
Alter nach in IJbereinstimmung stehen, bin ich nach meinem
bisher aufgearbeiteten Materiale nicht in der Lage, sicher zu
Geologische Untersuchungen im westl. Theile d. Balkan etc. 531
Tjeaiitworten und ist meine erste Auffassung-, dass die lichten
Kalke mit Nerineen dem Tithon 7Aig-ehören oder doch älter sind
als die Caprotinen-Kalke, nicht unmöglich, das Letztere sogar
iiöchst wahrscheinlich.
Zwicheu Isvor und Miranovce bilden die Kalke eine schöne
antiklinale Falte. Bei gleichbleibenden Streichen (hora 7 — 8)
fallen die Schichten beim Anstieg oberhalb Isvor nach N. mit
20° ein, gegen Miranovce hin ist das Fallen aber ein südliches (mit
30°). An beiden Abdachungen des Kalkplateaus folgen die vorhin
geschilderten Kreidesandsteine über dem Kalke. ^
Bei der Miranovce-Karaula tritt, wie ich bei der Rück-
fahrt constatirte, ein grünlicher mürber Sandstein auf, der auf
den Schichttlächen kleine, kohlige Partikelchen erkennen lässt,
ähnlich so, wie dies bei gewissen Karpathensandsteinen der Fall
ist. Diese Saudsteine streichen bei der Karaula fast rein west-
östlich (hora 7) und fallen nach Nord mit 25°.
Von Miranovce bis nach Alt-Palanka bin ich auf die
Notirungen meines Begleiters (des Herrn J. Szombathy)
angewiesen, da mich auf dieser Strecke bei der Hinreise ein
beftiges Unwohlsein am weiteren Beobachten hinderte. Bei der
Rückreise aber, die wegen der Krankheit des Herrn Szomoathy
beschleunigt werden musste, wurde ein Theil der Strecke wäh-
rend der Nacht zurückgelegt.
Herr Szombathy übergab mir seine Aufzeichnungen, die
in den folgenden Zeilen benützt wurden.
Die Saudsteine halten von Miranovce bis zu den grossen
Hau an der Strasse an. Die an der Westseite der Strasse
1 Hier muss ich der Vollständigkeit wegen auch auf die schon oben
pag. 61 erwähnte Notiz hinweisen (Verhandlungen der k. k. geol. Reichs-
anstalt, 18G8, Nr. 16, pag. 407 j. Ein Passus derselben betrifft:
„Koralleureste, welche in der Erhaltungsweise an jene von Gaste!
Gomberto erinnern und den Gattungen Stj/locoenia und RhabdopliylUa
angehören. Dieselben dürften wahrscheinlich einer oder der andern in
jenem ober-eocenen Niveau vorkommenden Arten entsprechen ; sie deuten
jedenfalls auf das Vorkounnen der oberen Eoeenformation bei Pandiralo
(Tegovisky Timok)". Diese Localität liegt etwas westlich von Isvor und,
wie ich meine, im Gebiete der weissen Nerineen-Kalke. Auf meiner Route
selbst konnte diese jüngere Etage nicht constatirt werden.
29*
532 Toula.
betiudlicheu Berge bestehen aus Kalk, welcher gegen das Thal
hin abgebrochen ist. Auf den Kalkgehängen zeigen sich Dolinen-
bildungen.
Hinter dem Han (9 — 10 Kilometer von Miraiiovce) bei der
Karaula stehen mergelige Kalke an, sie zeigen ein nordsüdliches
Streichen und fallen nach Westen mit 70°. Hierauf folgt Sand-
stein mit Thonzwischeulagen, er ist zerbrochen und gefaltet. Das
Hauptstreichen ist dasselbe wie vorhin, bei östlichem Einfallen.
(Es sind dies wohl dieselben Schichten wie zwischen Kalnia
und Isvor, wie auch aus den folgenden Mittheilungen hervorgeht.)
Etwa 3 Kilometer von der Karaula tritt wieder der mergelige
Kalk auf. Nun wurde auch grauer Sandstein, sowie ein
regenerirtes rothes (Konglomerat mit Sandsteingeschieben ange-
troffen. Grosse Blöcke voll Korallen erinnern an die Korallen-
und Orbitolinen-Schichten bei Kalnia. Diese, wie es scheint,
anstehenden Kalke zeigen ein westöstliches Streichen, wie die
Kalkschichtcn, die den felsigen Absturz bilden.
Etwa einen Kilometer davon entfernt tritt, unter einer
weissen Kalkerde, grauer, theilweise zersetzter Sandstein her-
vor, dessen Bänke zerbrochen sind.
Darauf folgt wieder Kalk (Str. NW.— SO, Fallen gegen 0.
mit 45°). Derselbe ist .i^rau und dicht. Concordant über ihm
liegen dünnplattige Kalke mit ivielen Fossilresten. In diesen
Kalken finden sich bis 1-5 Meter breite Spalten, welche mit fast
horizontal geschichtetem thonigem Material erfüllt sind. Die von
Thon (Mergel) eingeschlossenen Lagen von Kalktrümmern und.
Kalkgeschieben bieten eine reiche Petrefacten-Fnndstätte.
In dem mergeligen Kalke fanden sich zahlreiche B r y o z o e n-
stämmchen, von welchen besonders zwei fast kugelige
Stöckchen hervorzuheben sind, die auf dünnen Stielen stehen und
der, von Loriol (Animaux foss. du ^Font. Saleve, Taf. XIX.
Fig. 1) als
Meptoiuulticrescis neoco miensls
abgebildeten Form recht ähnlich sind. In Bezug auf den Stiel
verhalten sie sich jedoch ganz so wie Radiopora Huotiand Mi eh.
[Icow. zooph., Taf. 52, Fig. 7). Es ist schwierig, bei diesen Dingen
die volle Ubereinstinnnung zu constatiren.
Geologische Untersuchungen im westl. Theile d. Balkan etc. 533
Auch Stücke von kleinen Spongiteu fanden sich, eines
derselben erinnert an Dlscaelia monilifera Römer (Oolith. Nachtr.,
Taf. XVII, Fig-. 29). Von den Echiniden ist das wichtigste Stück
ein ziemlich gut erhaltenes Exem])lar von
Pyritia pygaea A y .
das sich sicher bestimmen Hess und für die Altersbestimmung"
unter allen hier gefundenen Resten die meisten Anhaltspunkte
gewährt.
Pyrina pygaed ist Ja für das Keocomien von Neuchätel und
das untere Hilsconglomerat vom Gr. Vahlberg charakteristisch.
Ausserdem fanden sich in den erwähnten Spalten im Kalk
noch viele kleine Cidnris -Stacheh), eine Stachelwarzenplatte
eines grösseren Cidaris, eine kleine Terebratel — (vielleicht zu
Terebrutuht sella Sow) gehörig, — sowie einige kleine hoch
gewundene Gastropoden, (Sealarien?) und nicht näher bestimm-
bare Rivalvenreste.
In dem grauen, dichten Kalke an derselben Localität sind
viele undeutliche Gastropoden- Durchschnitte (Nerineen) eine
kleine zierliche Trochosmilia (Tnrhuiolid) und jene feinzelligen
Favositesartigen Stöcke enthalten, welche Michelin (Icon.
zooph., pag. 306, Taf. 73, Fig. 3) als
Chaetetes Coquandi
bezeichnet, eine Form, welche Michelin aus der Hippuriten-
kreide von Mazangues (Var) anführt. Auf ähnliche Formen
werde ich noch bei einer späteren Gelegenheit zurückzukommen
haben.
Meiner Meinung nach dürften wir es in den mergeligen
Kalken mit PyrinK pygaea mit Schichten zu tliun haben, die
dem Hilsconglomerat entsprechen, äquivalent dem Neocomien
moyen oder dem Spatangenkalke der Alpen.
Die Kalke mit den Tabulaten- Korallen aber dürften den
Nerineen-Kalken bei Isvor entsprechen. Erst darüber folgen
sodann die lichten Caprotinenkalke, die den letzten Rücken bis
zu dem Abstürze gegen das Nisavathal zusammensetzen.
Diese Neocomen-Kalkschichten bilden die Unterlage für die
mittelcretacischen Sandsteine und Mergel, die eine Muldeu-
ausfüllung darzustellen scheinen, ähnlich derjenigen, die wir
534 Toula.
zwischen Kalnia und Isvor betrachteten. Ob in der bezeichneten
Mulde nicht irgendwo die älteren Ablagerungen iier\ortreten^
kann dermalen nicht sicher behauptet werden, doch wäre e?»
nicht unmöglich im Hinblick auf das oben erwähnte Auftreten
rother Conglomerate nahe dem südlichen Rande der Sandstein-
mulde, sowie das Vorkommen der dichten, grau gefärbten und
weissaderigen Kalke, die in ihrem Aussehen eine grosse Über-
einstimmung zeigen mit gewissen Kalken, die am linken Nisava-
Ufer auftreten, zwischen Ak-Palanka und Nis, über rothen, wohl
geschichteten Sandsteinen und fossilienführenden Kalken der
Trias-Formation.
Den Kalken ist gegen das Nisava-Thal hin eine Dilu-
vialterrasse von 60—90 Meter vorgelagert, gebildet aus
unregelmässigen Lagen von gelben lössähnlichen Sauden, weisser
Kalkerde und (der Hauptmasse nach) grobem Gerolle. Das
letztere ist fast ausnahmslos aus Kalkstücken gebildet, welche
in gewissen Lagen ganz ansehnliche Grössen (bis 1 Kubikfuss)
erreichen. Seltener finden sich Stücke eines rothen quarzitischen
Sandsteines, sehr selten die eines kleinkörnigen Grünstein-
porphyrs.
Eine vergleichende Betrachtung über den Bau des westlichen
Balkanzuges behalte ich mir für eine spätere Gelegenheit vor,
wenn ich die beiden weiteren Durchquerungen des Gebirges
erörtert haben werde, die ich studiren konnte.
5. a.) Fossilien aus den Orbitolinen-Schichtcn bei Kalnia.
1. Orhitolina (PatellinaJ lenticularis B 1 u m e n b a c li sp.
Taf. VIII, Fi-. 1.
Dieses in der Perte du Rhone so ungemein häutige Fossil
findet sich in den Kreidemergeln oberhalb der Kaluia-Karaula
in grosser Menge und stimmt mit den typischen Exemplaren
bestens übereiu. Auf der Convexseite sind die concentrisch
angeordneten Zellen deutlich erkennbar. Die Grösse der
Scheiben varirt von '6 bis Ü Millimeter, die Höhe ist meist etwas
weniger als halb so gross, doch finden sich auch Exemplare von
ganz anderen Verhältnissen. So sind Stücke ziemlich häutig, die
bei 4 Millimeter Durchmesser 2-o Millimeter Hohe haben. Hiebei
Geologische Untersuchungen im westl. Theile d. Balkan etc. 535
dürften wir es mit derjeiiigeu Form zu thiin haben, welche
Herr Dr. Boue (Esquisse ge'ologique de la Turquie d'Eiirope,
pag. 21) als
2. Orbitolina hulgaricdf Dsh.
(Taf. VIII, Fig. 2,)
anführt. Sie werden von Lqvca, Eski-Djuma und anderen
Orten erwähnt und finden sich hier in weisslichem Kalk neben
Resten von Echiniden, Serpulen, Korallen und Bivalven. „Am
nördlichen Ausgang des Engpasses von Lovdscha liegen sie auf
einemLager von grauem Thonmergel, der gleichfallsVersteineruu-
gen führt."
Neben diesen beiden Arten ündet sich eine dritte, welche mit
gewissen Formen übereinstimmt, die K u d e r n at s c h bei Pitolat
in Banat gesammelt hat. Unter den beschriebenen Formen
erinnert sie am meisten an die Orbitolhm concavn Lin. aus der
chloritischen Kreide des südlichen Frankreich, ohne jedoch
damit vollkommen übereinzustimmen. Vielleicht haben Avir es
mit einer neuen Art zu thuu.
3. Orbitolina concava Lin. var. (nov. spec?)
Taf. VI IT, Fig. 3.
Es ist eine flache Form von viel grösserem Durchmesser als
die beiden vorhergehenden Arten. Die Convexseite zeigt eine
mittlere Erhöhung, die von einer flachen Vertiefung rings
umgeben ist, gebildet durch den hier aufgekrümmten Rand.
Die Concavseite ist nur in der Mitte vertieft, der übrige
Schalentheil aber nach aufwärts gekrümmt. Die grössten
Exemplare haben 8-4 Millimeter im Durchmesser und nur
1-5 Millimeter Höhe^ es sind also ganz flache, gekrümmte
Scheibchen.
Eine ähnliche Aufwölbung des Randes zeigt Orintolites
socialishejm. (Mem. de la soc. geol. de France, IV. Bd., 11. Lev.,
pag. 191, Taf. IX, Fig. 5), doch ist hier nur die Unterseite in der
Mitte etwas aufgewölbt, wie es bei Orbitoides der Fall ist,
Orbitolites yensacica var. concava Leym. (1. c, Taf. IX,, Fig. 3)
hat der Form nach gleichfalls manche Ähnlichkeit, ist jedoch eine
auffallend grosse Form.
5:}6 Toula.
Von Spongiten sind zwei verschiedene Pannen gefiuideu
worden, die eine derselben stimmt recht gut mit der, als
4. Spongla volu M i c h.
(Taf. VIII, Fig-. <).)
(M 1 c h e 1 i n : Iconographie zoophytülugique, pag. 21), Taf. VII,
Fig. 2), aus dem GrOis vert Interieur des Dep. de Vaucluse, ab-
gebildeten Art Uberein. Das Stück aus den Orbitolinen- Mergeln
bei Kalnia hat ein ganz ähnliches unregelmässiges Maschen-
gewebe wie die citirte Art. Scypliia inf'Hiulihtdif'ormis Goldf.
(Petr. Germ. I Taf. V, Fig. 2) von Essen an der Ruhr hat ein viel
gröberes Maschengewebe.
Bei der zweiten Form ist ein viel regelmässigeres Gitterwerk
vorhanden, nach welchem ich dieselbe zu der von Prof. Zittel
in seiner neuesten reformatorischen Arbeit über die fossilen
Spongien (Abhandlungen der k. bayr. Akademie d. Wiss. II. Cl,
Xlll. Bd., 1. Abth , 1877) neu aufgestellten Gattung Craticulari<t
(l. c, pag. 46) stellen zu müssen glaube. Ich bezeichne sie als
5. Craticularia bulgarica nov. spec.
Taf. VIII, Fig. 7.
Sie ist mit keiner der bisher beschriebenen Arten in voll-
kommener Übereinstimmung. Am nächsten dürfte sie an Craticu-
laria (Scyplua ) clathrata Goldf. (Petr. germ. I. Taf. III, Fig. 1)
zu stehen kommen, doch unterscheidet sie sich davon auf den
ersten Blick durch den Mangel an den, bei Scyphin clnthrata
Goldf. so regelmässig auftretenden ovalen Ostien. Bei unserer
Form sind diese klein, sehr spärlich und unregelmässig vertheilt.
Das Maschengewebe besteht aus einem ziemlich regelmässigen
Gitterwerk von kubischer Form. Auf der Oberseite lässt sich
stellenweise eine Andeutung von radialer Anordnung der Gitter-
stäbe erkennen. Der Schwammkörper ist einfach, doch lässt
sich seine genauere Form nicht angeben, da das einzige Stück
stark abgewittert ist. —
Von Korallen liegen mehrere Stücke vor, darunter vor allen
anderen eine Art der interessanten, in ihrer Stellung im System
nicht ganz sicheren Gattung Ho/ocystis. Ich bezeichne sie als
Geologische Unteisucliungen im westl. Theile d. Balkan etc. 537
6*. Holocystis sitnilis nov. spec.
(Taf. Vm, Fig. 8. )
Die Gattung Holocystis wurde von Milne Edwards (Brit.
foss. Corals, pag-. LXIV aufgestellt und zwar nach der von
Lonsdaleals Cyst(>p/iora(?) elegans bescliriebenen Koralle von
Athertield (L o n s d a 1 e, Quarteriy Journal of the geol. Soe. vol, V,
1849, pag. 83, Taf. IV, Fig. 12-15).
Die von Lonsdale beschriebene Art ist mit unserer sehr
nahe verwandt. Bei der englischen Art sind die Zellen klein,
sehr zahlreich, polygonal oder kreisförmig, die Ränder verwischt,
der innere Zellenraum wird durch die Sternlamellen begrenzt,
der Zellenboden ist leicht convex, die unteren oder verlassenen
Theile zeigen eine blasige Structur. Die Zwischenräume zwischen
den einzelnen Zellen sind enge. Von den Sternlamellen sind vier
auifallend gross und theilen den Eaum in vier gleiche Theile,
von den drei Zwisclienlamellen zwischen je zwei grösseren, ist
die mittlere etwas stärker.
Prof. Gümbel citirt aus den bayrischen Alpen ausser
Holocystis elegans Lonsd. spec. noch eine neue Art als
Holocystis polyspatlies (Gümbel, Geogn. Beschreibung des
bayrischen Alpen-debirges, I, pag. 566), die sich von der ersteren
durch zahlreichere Querleisten und die überaus häutigen Stern-
leisteu unterscheidet, welche zweierlei Art sind, so dass stärkere
mit zwischenliegeuden schwächeren wechseln.
Herr Prof. Zittel, dem ich das betreö'ende Fossil zur
Ansicht übersandte, gab mir freundliche Fingerzeige und über-
mittelte mir als Vergleichungsmaterial ein Stückchen von
Holocystis polysput/ies Gmb. aus dem Aptien (Schrattenkalk mit
Orbitolina lenticularis) von Tiefenbach im Allgäu, wodurch ich
in die Lage gesetzt wurde, die beiden von so entfernten
Localitäteu stammenden Fossilien zu vergleichen. Ich spreche
Herrn Prof. Zittel an dieser Stelle meinen verbindlichisteu Dank
aus für seine freundliche Unterstützung.
Der Vergleich der Dünnschliffe der bayerischen und der
bulgarischen Art lässt mich folgende Unterschiede erkennen:
Die Beschaffenheit der Septa ist verschieden; dieselben sind bei
Holocystis poiyspathes Giimb. länger und die Zwischenräume
zwischen den einzelnen Zellen grösser, wodurch der Hohlraum
V lYJ
538 Toula.
(1er Kelclizellen viel enger wird als bei unserer Form, deren
Septa auffallend kurz und stumpf abp-erundct sind. In dieser
Beziehung ähnelt sie der englischen Form. Der Umriss der
Zellen bei unserer Art ist im Allgemeinen länglich, ovnl, mitunter
verschmelzen auch einzelne Kelche mit den benachbarten,
wodurch sehr mannigfache Fmrissformen entstehen. Wo die
Zellen wohl umgrenzt sind, dort lassen sich aber deutlich acht
kurze, stumpfe Septa erkennen, von denen vier etwas schwächere
und kürzere mit vier etwas grösseren abwechseln. Die Zellen
von Holocystis sinülis sind überdies etwas kleiner als bei
Holocystis elegans. Im Querschnitt lassen sich aber, ganz ähnlich
wie bei der englischen Form, die horizontalen Scheidewände
(^Böden) dicht an einander stehend erkennen, so dass etwa
12 derselben auf den Abstand von 5 Millimeter zu stehen
kommen. Zwischen ihnen lassen sich an mehreren Stellen die
kleinen blasenartigen Räume deutlich wahrnehmen.
7. Trochositillla s])ec. ind.
mit einem, vun der Kreisform nur wenig abweichenden Um-
riss. Drei Cyklen von Sternleister sind erkennbar, die längsten
derselben (24 an der Zahl) reichen bis an den, im Querschnitt
länglichen Mittelraum des Kelches. Über die Aussenseite
ziehen starke den Wirtellamellen entsprechende, gröbere und
schwächere Leisten hinab. Einige Ähnlichkeit hat Trochosmilia
costütaY vom. (Paleont. frang. Terr. cretace Zoophytes, Taf. 31,
Fig. 1). Es fanden sich noch: eine
H. Actinaraea (Agavlcia) spec. ind.
und ein an
9. LohophylUa RequienU ^I i c h.
erinnerndes Stück.
Ausserdem liegen einige Bryozoen-Stöckchen vor.
Das eine der Stücke schliesst sich den Formen an, welche
von d'Orbigny (Paleontologie frangaise Ter. cret., pag. 1079)
unter dem Genusnamen Bepfomidtlcresc/s zusammenfasst. Und
zwar ist die, von Michelin aus dem unteren Grünsand ange-
führte Art, Reptomulticreseis ( Meter opora) i^pongioides Mich.
(Iconogr. zoophyt., Taf. I, Fig. 3) unserem Stückchen am
ähnlichsten.
(Teolog'isclio Untersuchungen im westl. Theile d. Balkan etc. 539
10. Heptoniulticvescis cfr. spongioides d ' 0 rb. nach M i c h.
Tat'. VIII, Fig. 5.
Das Stückchen liat eine iinveiiehnässig" gerundete Form und
lässt deutlich die übereinander liegenden Zellenschichten er-
kennen. Die Zellen sind durch ungemeine Kleinheit und Zier-
lichkeit ausgezeichnet. Dabei zeigen sich immer noch die
grösseren kreisrunden Zellen von noch viel kleineren Poren um-
geben.
Ein zweites kleines StUckchen hat viel Ähnlichkeit mit
Multicrescis variahilis d'Orb. (1. c. Taf. 800, Fig. 8).
Bei diesen Dingen ist es übrigens sehr schwer, zu sicheren
Bestimmungen zu kommen.
Ein anderes Stück von fast halbkugeliger, gleichmässig
gewölbter Oberfläche und überaus zarter Zellenstructur stimmt
auf das Beste überein mit
11. Badiopora hidhosa d'Orb.
(l. c., pag. 996, Taf. tJön, Fig. i^—^).
Die Zellmündungen lassen ganz deutlich die bei der
citirten Art vorkommenden Gruppirungen erkennen. Diese Form
wird von d'Orbigny aus dem Cenomanien angeführt.
Von Mollusken fanden sich:
12. Ostrea cfr. diluviana Li n.
Eine grosse, gefaltete Ostrea , die wohl zu der angeführ-
ten Taf. 75, Art gehören dürfte, wie sie Goldfass (Petr.
germ.II, Fig. 4) aus dem Grünsand von Essen abbildete; ähnliche
Formen finden sich auch im Neocom.
13. Terebratullna spec. ind.
Taf. VIII, Fig. 4.
Ein zerdrücktes Exemplar, welches an Terebratidina
auriciUata von Tourtia und fassen (Quenstedt, Brachiopoden,
Taf. 44, Fig. 41) erinnert.
540 Toula.
14. Terebrif'ostra spec. iud.
Nur ein zerquetschtes Exemplar wurde bei der Kalnia-
Karaula gefunden, das sich jedoch an dem so autfnllenden
Sciinabel der Gattung nach bestimmen Hess.
13. Katica spec. Ind.
Von Gastropoden liegen nur einige Steinkerne vor, darunter
auch eine nicht näher bestimmbare Natica, die etwas an die
Naiica lyrata Zel^. (Gastropoden der (4osau - Form., Tat". VIII
Fig. 3) erinnert.
5. h } Fossilien aus den oolithischen Kalken unterhalb der
Isvor Karaula.
In den oolithischen Kalken unterhalb der Isvor Karaula
herrschen vor allem die Brvozoeure>ste vor, welche in zahllosen,
oft mehrfach verästelten Stämmchen vorkommen.
Es Hessen sich dabei vorzugsweise zwei verschiedene
Formen unterscheiden, die eine derselben bezeichne ich als
Heteropora hvoriana nov. spec, die zweite als Ceriopora spec.
Heteropora Isvorlana no\. spec.
Tat'. VII, Fig. 1±
Es ist eine mehrfach verästelte Forin mit cylindrischen
Stämmchen bis zu 3 Millimeter Stärke, die Äste sind walzen-
förmig und ziemlich gleich stark. Die Verästelung erfolgt ganz
ähnlich so wie bei Heteropora (Multizonopora) arborea Römer,
aus dem Hils von Schöppenstedt und anderen Orten (Römer
Oolith. Nachträge, pag. 12, Taf. XVII, Fig. 17).
Unter der Loupe lassen sich deutlich die zweierlei Poren
unterscheiden. Die grösseren stehen nicht ganz regelmässig ver-
theilt, lassen aber eine Anordnung in Spiralreihen erkennen,
wodurch sie an die Formen erinnern, welche d'Orbignyals
Multizonopora Mnlticarea (aus seiner Familie der Caveiden)
Geologische Untersucliungen im westl. Theile d. Balkan etc. 541
bezeichnet hat. Die Zellmüiulungeii lassen überall dort, wo die
Oberfläche unverändert erhalten ist, deutlich niedere ringförmige
Umwallungen erkennen. Zwischen je zwei der grösseren Poren-
reihen, sind schmale Zonen mit ganz kleinen Poren erkennbar
u. zw. so, dass 2 oder 3 kleine Poren zwischen zwei grössere zu
stehen kommen, während die Poren derselben Reihe näher an-
einander treten. Diese Regelraässigkeit ist jedoch nicht überall zu
beobachten. Heteropora Biiskana de Loriol (Mont Saleve,
pag. 148, Taf. XVIII, Fig. 6) ist eine ähnliche Art, doch ist dabei
die Zellenanordnung eine gleichmässigere. Ahnlich verhält es sich
mit der Heteropora dichotoma Blainv. (Mich., Icon. zooph.,
Taf. I, Fig. 11.) Die zonenartige Aneinanderreihung, wie sie bei
der Multizonopora ramosa d'Orb. und Römer {Heteropora
nrborea Rom.) so auffallend hervortritt, ist bei Heteropora
Isvoriana nov. spee. nicht zu verfolgen, trotzdem dürften sich
beide Formen nahe verwandt sein.
Ceriopora (Ceriocava?) spec.
(Taf. VIII, Fig. 13.)
Diese Art gleicht der vorigen in Bezug auf die Verästelung
ungemein, doch sind nur sehrgleichmässig vertheilte, inQuincunx
stehende grosse, rundlich rhomboidische Poren vorhanden. Etwa
14 Reihen derselben treten auf der sichtbaren Hälfte des ver-
zweigten Stämmchens hervor. Es schliesst sich diese Form
offenbar an die, von Goldfuss als Ceriopora milleporacea (Petr.
germ. I, Taf. X, Fig. 10") bezeichnete Art aus der oberen Kreide-
formati ou an.
Auch fand sich eine
Ostrea spec. (cfr. O. serrata Gldf.)
( Tat". VII, Fig-. 14)
aus der Reihe, welche d'Orbigny unter dem Namen Ostrea frons
Park, vereinigt hat. Am ähnlichsten ist noch die Ostrea serrata
wie sie Goldfuss (Petr. germ. II, LXXIV, Fig. 9) abbildete.
Die Schalenlamellen liegen zahlreich über einander.
Undeutliche, nicht näher bestimmbare kleine Rhynchonelleu
sind ziemlich häutig. Eine etwas grössere dürfte der Hhyncho-
iiella nKiltiformis Römer nahe stehen.
542 Toula.
Aiisserdcni landen sich zwei Stücke eines ganz kleinen
Ecliiniden, den ich zu
Peltastes stelliilattis A g.
(Taf. VII, Fig-. If);
stellen zu sollen i;lanl)e. (Vergl. de Loriol: Description des Echin.
teiT. eret. de la Suisse, pag-. 68, Taf. XI, Fig. 10—21) eine Form,
welche zwar vom Valangien bis in das obere Urg'onien reicht, im
Neocomien moyen aber ihre grösste Verbreitung- hat. Unsere
beiden Stücke haben kaum 5 Millimeter im Durchmesser, sind
also Zwerge unter den Zwergen. (Die 8tachelwarzen sind un-
durchbohrt.)
Auch von grösseren Echiniden sind einzelne Schalenstücke
vorhanden, welche auf Cidaris artige Thiere schliessen lassen,
wie dies auch die häufig vorkommenden Stacheln verrathen.
Es Hessen sich vier verschiedene Formen von
CidavitenSi&.(i\\e\\i
unterscheiden u. zw.
1. Solche mit etwas verdickter Mittelregion, die nach oben
zu spitz zulaufen (Taf. VII, Fig. 16). Sie erinnern an die von de
Loriol (Ech. cretac, Taf. VI, Fig. 9) als Pseudodiddema Cnroli
abgebildeten Stacheln. Bei unserer Form zeigt sich am oberen
Theile des Gelenkskopfes und am Halse eine zarte Längsstreifiing.
Einer der Stacheln ist 12 Millimeter lang und hat 1-5 Millimeter
grösste Dicke; ein anderer ist nur 8 Millimeter lang und
l-]6 Millimeter dick.
Ähnliche Stacheln bildet Quenstedt (Echiniden, Taf. 72,
Fig. 24) als Diadenui cfr. suhangularis von Nattheim ab.
2. Cidaris cfr. pretiosa Des. (Taf. Vfl, Fig. 17.)
Hieher stelle ich zwei sehr zierliche grössere Stachelstücke,
das eine davon ist 20 Millimeter lang. In der Mitte etwas ver-
dickt, ist es mit mehreren durch tiefe Furchen getrennten,
scharfen, gekörnelten Längsleisten versehen. Am ähnlichsten
unter den von de Loriol (Echin. cret. de la Suiss., Taf. II,
Fig. 4 — 15) abgebildeten Stacheln, ist die in Fig. 9 dargestellte
Form.
3. Cklaris sp. (Taf. VII, Fig. 18.) Hieran schliesst sich
das Bruchstück eines sehr grossen Stachels. Derselbe hat einen
Geolog'ische Untei-suchimi^-en im westl. Theile d. Balkan etc. 543
Durchmesser von 6 Millimeter. Mehrere grob gekörnelte Läng-s-
reihen, sind durch eine glatte Zone von einer ungemein zart
längsgestreiften Region geschieden, ähnlich so wie es Q u e n s t e d t
(Echiniden, Taf. 63, Fig. 45 [*]) bei Cidaris majf/inafus aus dem
weissen Jura s. von Nattheim darstellt.
4. Eine letzte Form bilden die zart gestreiften Stacheln, die
von einer Diadema herrühren dürften. (Taf. VII, Fig. 19.)
Hiebei sind wieder zwei verschiedene zu unterscheiden; das
eine Stück ist freilich nur 7 Millimeter lang und der ganzen
Länge über gestreift, das zweite Stück lässt den Gelenkskopf er-
kennen, oberhalb welchem eine fein gestreifte Zone bemerkbar ist,
während der oberste Theil glatt erscheint, so weit er erhalten ist.
Sehr häntiii- sind in demselben Gesteine die Stielglieder eines
Pentacrlmts sp.
(Tat: VII, Fig. 20. )
Dieselben dürften in dieselbe Reihe mit Pentacrinus astralis
gehören (Quenstedt, Petrefactenkunde, II. Aufl., Taf. 66,
Fig. 12) eine Form, die durch grosse zeitliche Verbreitung aus-
gezeichnet ist.
Die Säulenstucke zeigen bei einem Durchmesser von etwa
4 Millimeter auf 5 Millimeter Länge sechs Glieder, Sie sind an
den Seiten glatt und zeigen zwischen je zwei Gliedern eine tiefe,
scharf umschriebene Grube von fast kreisloruiigem Umriss.
5. c) Prosopon inßatiim nov. sp.
(Taf. MI, Fig-. 10.,
In dem grauen bryozoenreichen Kalke flnden sich zahl-
reiche Bruchstücke eines kleinen zur Gattung Prosopo/i gehörigen
Krebses, der sich tlieils an Prosojjon tuberosum H. v. Meyer
(Neue Gatt. foss. Krebse, 1840, pag. 21, Taf. IV, Fig. 31) aus dem
Neocom bei Boucheraux (im Dep. Jnra) oder der creta-juras-
sischen Formation — wie sich H. v. Meyer ausdrückt — theils
an Prosopon oerrucosum R e u s s (Zur Kenntniss der foss. Krebsen,
1859, XVII, Bd. d. Denkschriften, pag. 70, Taf. 24,1 Fig. 1) aus
den Stramberger Kalken anschliesst. Der Cephalothorax ist
zum grössten Theile erhalten. Die grösste Breite liegt ähnlich
wie bei Pr. tuberosum im hinteren Drittheil.
544 'V 0 II 1 a.
Von der vorderen Abtheilung des Cepbalothorax ist der
dreieckige Mitteltheil, mit drei, in der Mitte scharf vorragenden
Höckern deutlich ausgedrückt; die Seiten aber sind mit viel
stumpferen Aufwölbungen versehen, ähnlich so wie bei Pr.
verrucosnm Rss.
Die mittlere Abtheilung lässt das pentagonale, nach rück-
wärts spitz verlaufende Feld erkennen; die mittleren Seiten-
theile sind kleiner als bei Pr. verrncosum und zeigen drei in
schräger Reihe stehende stumpfe Hficker, das Mittelstück ist ein
getheilter und gleichmässig gewölbter Wulst.
Auffallend sind die grossen stark aufgeblähten Seitentheile
der dritten Abtheilung, deren jede durch eine seichte und kurze
Querfurche in zwei Abtheilungen zerfällt.
Die ganze Oberfläche ist mit verhällnissmässig ziemlich
grossen Höckerchen geziert.
Durch die stark gewölbten hinteren Seitentheile und die weit
rückwärts liegende grösste Breite unterscheidet sich unsere
Form von Prosopon verrucosum Rss., durch die Oberflächen-
beschaflfenheit und das ungetheilte Mittelfeld vor der Herz-
region aber von Prosopon fuheromm H. v. Meyer.
Die Gesammtlänge unseres Stückes kann nicht viel über
7 Millimeter, die Breite etwa 6-5 Millimeter betragen haben.
Ausserdem liegen in dem Gesteine noch eine Menge kleiner
Krebs-Schalenstückchen, auch einige Füsse und Scheerenglieder,
(Fig. 11), so dass man die betreffende Schichte füglich als
Proso])on-Schichte bezeichnen könnte.
OeologisGlie Untersuchimgea im westl. Theile d. Baikau etc. 545
Erklärung der Tafeln.
Tafel I.
Ansicht der Sclduciit im rotheu Sandstein bei Belogradciii.
Tafel II.
Geologisches Profil durch den Sveti Nikola Balkan.
Tafel III.
Pflanzenreste aus dem Walchien-Sandstein (dem unteren Rothliegenden)
von Belogradcik.
Fig. 1. Ein Stück der Chagrinhaut von Xenacantlius spec.
„ 2. 3. Calamite cfr. dubius Brougn.
„ 4. Calamites ittfractus var. Dürri Gein.
„ .'). Anniilaria spec. ind.
„ G. Odonlopteris obtusiloba N a u ni a n n.
„ 7. Cyathe'ites cfr. arborescens Brougn.
„ 8. Alethopteris gigaa Gutb. spec.
„ 9. Walchia pinifovmis v. S c h lo t h e im , bei 9 « eine Fiederspitze von
Odonlopteris obtusiloba Na um.
Tafel ly.
Der Muschelkalk von Belogradcik.
Fig. 1. Sauric/ithi/s spec. (cfr. apicatis Ag.)
„ 2. Pecten discites S c h 1 0 1 h.
„ 3. Pecten Alberti G 1 d f.
„ 4. Ostren decenirostala Münst.
„ 5. Retzia trigoneUa Schlth. sp.
n 6. Spiriferina fragiiis V. S C h 1 1 h. sp.
„ 7. Waldheimia vulgaris Schlot h. sp.
^ 7 rt. Varietät mit wenig gewölbter kleiner)
T,-. „,^„ f In zwei Ansichten, von
iviappe. V _
^ vorne und von der Seite.
^ 1 b. Typische Form.
„ 7 c. Stark aufgeblähte Varietät.
-,, 8. Cidaris transversa Meyer (Stachelbruchstück).
*!itzb. d. m:ithem.-iiaturw. CI. I.XXV. nd. I. Abth. 30
546 T o II 1 a.
Fig. 9. Cidaris s^poc.
„ 10. Entrocliiin ti/iifonnis Laiu.
10 u. Ein Säiilenstiick.
10 b. Stielglied aus der iingleichgliederigen Region des Stieles.
10 ('. Stielglied mit zehiiästigein Strahlenkranz.
„11. Erurocliua ctV. S c hl o tliei Uli (vielleiclit eine neue Art).
„ 12. Entrorlnit! spec. (mit pentagonalem Nahrungscanal).
„ 13. Entvochus cfr. Silesiacus Beyr. (apiocrinitenartige Form.)
„ 14. Drei Säuienstücke derselben Art.
Diese Stücke sind, wo es nicht s])eciell erwähnt wurde, in natürlicher
(rrösse gezeichnet.
Tafel V.
Der obere Malm aus der Schlucht vor Vrbova.
Fig. 1. Sphenodiis tiiucer Quenst. In drei Ansichten und vergrössert.
„ 2. Lepidotus maxlmus Wagn. ( = Sph(erodus gigas. Ag.)
In natürlicher Grösse und vergrössert.
„ 3. lielemnites cfr. scinisulcatua Müustr.
„ 4. Perisplihieles polyplociis Rein. spec.
„ 5. Perisphiiutes cfr. colithrinus Rein. spec.
„ 6. Siniocerus Doiiblicri d'Orb. spec.
„ 7. Oppelia Hol/jeitii Oppe\ spec.
Tafel VI.
Der obere Malm aus der Schlucht vor Vrbova.
Fig. 1. Aftpidoccras orthoceva dOrb.
„ 2. Phyltoccrns {ct'r. iiioti/piim Benecke i^]ß.).
,, 3. Aptychnn cfr. lutits Park.
„ 4. Aptycfius bulgarievs nov. .spec.
„ 5. Aptychiis spec.
„ (). Khynchoiiclla et'r. ffparsicoislit. Quenst. spec.
Tafel VII.
Aus dem Mittleren Dogger in der Schlucht vor Vrbova..
Fig. 1. lielemnites cfr. canalictäatus Schloth.
a. Alveole mit der grossen Embryoualkugei.
b. Längsbruch eines kleinen Exemplares.
„ 2. Pecien demissits. Phill.
a. Stück der Schalen-Oberfläche, vergrössert.
„ 3. Pecten spec. (cfr. Pecten liuc/ii Römer.)
„ 4. Moiiotis elegans. G 1 d f.
,, 5. Avicula spec.
r y Uüttlrrr tmjr
\ 1 I Orhtl,:hna, SMJUe,,
I: a \llM„Saml^,n Wu,,! ,S„ndM,ui I
' _; ' " iinfLIaitgLniurfttrrnnhenhner
KARTEN SKIZZE
derv.FpwuToulaaus^eführten Route über den
S¥ETl mmUi BALKAN
Saih Jen Clciquis der Hent-nFrHe^er uiniJ.SzombalhT
(13-20. August 1875,1
in4>ol..( 1:268000
*Karaul ^ Bon A thoitältiirhr Punit*
Sil?.uii(jsl).dl<Aka(Ld.Winath.nalurw.rias3elXXV.Bi1.AbÜilq.l877
Toula: Geologische Untersuchungen im westlichen BaLkan.
Tafel I.
K.k.Hof-u-Staatsdrackerei
Ansicht der Sandstein-Schlucht bei Belogradcik
fnach einer Skizze des fferrn J.SzomhtitJu/ . )
Sitzungsb.d.lv.AIvad.d.W.math.nat.Cl. LXrV'. Bd. I.Abtli.l877.
Toula: (ioolojjische Untersuchungen im westlichen Balkan.
Tafel II.
.Y
Durchschnitt durch den Sveli ^ikola Balkan,
/. /M,v,a/e SrI,oner,m,f,cn,ui,cn des Nisaoa Thaies 0. O.prolu.r,. Ä'.,A- \ s. M.l„. fjspMocera. SMcUt.nJ ,3. Palneozoüche Schiefer und
/. Sarnu,n.-,chc .magovnnfjen luut Lös. MecW O'. Xcrinren lü,,k- \ '' l>. J/Merrr Vof;;,rr Tonglomerat^ „,n SMabh^yr ä.s lU.rha»
•■ Jnocrrmm-,, lu-eule fJlbieu?J 7. ISr,,o,oen Kalk 1 10. Mmdu-üaM (Recvarokalk) /'f. .■lzoischeSAie/c,■ßesteuw
<■ (niiiit ,Stitiil.s-lemc I ... 7'. Jlcrqrlkulkmil \ Xooaitiiifn II ■■noUir .SumlsMiw (liuntcr Sandstem) 13. Oranit
, , . I - Julien
A Orhiloliiu'ii Srhirliirri I
I'i/riittt jiifgupa
und (htu/loiinTatcidrodncr » n z.Th.) 16. Dioritische Oesteine.
I'! . W'dfthirn Siiiulstciu liinlrresRothliogendes.)
>i?illJLL'L.iu> dox^-Kollc- ^UT JSlÄiicJl' tt'L' 5;|.)
Sit'/!imrjsb.tl.Ii..\kacl.(l.W.inalh.nat.Cl. LXXA". Bd. F.Ablli.l87;
K.k.Hof-u.Staabdnickerei
Toula : Geöl. Unters.imiv^estl.BallvarL.
Taf. m.
itud. Sctibnn aach s, Kat.gez u atli. ' K.k.Hof-u.3taatsärjcker'>i
Sitzungsb.d.k.Akad.d.W.math.nat.Cl.LXXV'. B(l.I.Abth.I877.
Toiila : Geol. Unters. im westl.Balkaii..
Taf. IV.
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K.k.flof-u.Staatsdruckerei.
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Toula : Geol. Unters.imirestl.BalkaTL.
Taf . V
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ii^r.rir.adidNaT.gez u lii-h K.k.Hof-u.Staatsiirickerei.
Sitzungsb.d.k.Akad.d.W.nuith.nnl.Cl.LXXA: Bd.I. Ab(h. 1877.
Toula : Geol. Unters. im westl.Ballvan
Ja f. VI.
:"- i-i::. i Xi\.i^--± -.
Sitzmigsb.d.k.Akad. A.W. malh.nat .(1. LXXV. Bd. I. Jlbth. 1877.
Toula : Geol. Unters. im >restI.BallÄ:aii_.
3. Z.
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Sitzuiigsh.d.k.Akad.<l.W.math.iia1.('I.LXX\:Ba.I.Al,th.l877.
Taf. Vin.
■ichönrinadid.NaT.gez u uTh. ' 'l k.Knf-u.Staatsdruckerei.
Sitzimgsb.d.k..\lvad.(l.Wma«h.T.al.('l LXXV. Hd I.Ahrh.lÖT?.
Geolog'ische Untersuchuiigeu im westl. Theile d. Balkan etc. 547
Aus dem Nerineen-Kalke des Rabisberges.
Fig. 6. Ilieria cfr. Staszijcii Z e u s c h n e r sp.
„ 7. Neriiiea spec. (cfr. N. Morecuta (l'Orb.)
Aus dem Nerineen-Kalke bei Isvor.
Fig. 8. Delphinula spec.
„ 9. Nerinea (Itieria) cfr. S/ö*j//<7V Z enschn e r sp. (grössere Form).
Aus den Kalken unterhalb der Isvor Karaula.
Fig. 10. Prosopon inftatinn nov. sp. in natürlicher Grösse nnd vergrössert.
„ 11. Stück eines .Scheerenfnsses.
„ 12. Heteropora hroriatia nov. spec.
8tämmchen in natürlicher Grösse nnd vergrössert.
„ 13. Ceriopora {Ceriocava)? spec.
„ 14. Osfrea spec. (cfr. Oatrea nerrata Gldf.)
., 15. Peltastes sti-Uidatus Ag.
„ 16. Stachel von Pseudodiadema (?)
„ 17. Stachel von Cidaris cü: pretiosa Des er.
., 18. Stachelbruchstück von Cidaris spec.
■' •
,, 19. Bruchstück eines Stachels von Üiadcma spec.
., "20. Pcritarriiiiis s\^ec. (aus der Reihe <\(?s Pc/K. antralis Qnenstedt).
Tafel VIII.
Die Orbitolinen-Schichten zwischen Kalnia und Isvor.
Fig. 1. Orbiioliita lenticidaris Bim. spec.
„ 2. Orbitolina bulgarica D e s h. sp.
„ 3. OriiVo//«a cojjf'flf« var. (nov. spec?)
„ 4. Terebratulina spec.
„ 5. Reptomulticresris cfr. spongio'iden Mich. spec.
„ 6. Spoiigia vola Mich.
6 a. Ein Stück des angeschliffenen Maschengewebes, vergrössert.
„ 7. Vraticularia bidyariva nov. spec.
7 a. Ein Stück des Maschengewebes von der Seite, vergrössert.
7 b. Ein Stück des Maschengewebes von oben, vergrössert.
PMg. 8. Hotoci/stis siiiiilis nov. spec.
8 rt. Schräger Schnitt,)
c i r» ^ , -. , > vergrössert.
b b. Querschnitt, ( *
30*
548 T o 11 1 H.
INHALT.
Seite
1. Von der Grenze der sarmatischen Bildungen bis Beiogradcik .... 465
Das krystallinisehe Grundgebirge 465
Die Erosionsschlucht bei Rabis 467
Der weisse Nerineen-Kalk des Rabisberges 468
2. Die Dyas-Formation bei Beiogradcik 471
Das Kohlenvorkommen im Walchieu-Sandsteine 471
Vergleichung mit äquivalenten Ablagerungen von Österreich-
Ungarn 47<)
Die lothen Hangend - Sandsteine werden als untere Trias (Bunt-
• Sandstein) aufgefasst 480
2 ö. Die Fossilreste aus dem unteren Rotliliegenden 480
3. Die Trias-Formation bei Beiogradcik, am Wege auf die Stolovi
Planina 485
Die Hangendkalke ol»erer Malm (oder Titlionj 487
Die Festungsfelsen 488
8 a. Besprechung der Muschelkalk-Fossilien 492
Vergleicht' mit äquivalenten Ablagerungen von Österreich-
Ungarn 50H
4. Von Beiogradcik bis nach Cupren 505
Die rothen Sandsteine und Conglomerate .505
Die azoischen und krystallinischeu Schiefer 506
Die Juraformation bei Vrbova 507
Kreide mergel mit Belemniten und Inoceramen 509
4 a. Fossilien aus dem mittleren Dogger 510
4 b. Fossilien aus dem oberen Malm 513
5. Von äupren über den Sveti Nikola-Pass nach Ak-Palanka 523
Kry!>t;illinische (azoischej Scliiefer-desteine 523
Dioritische Gesteine 524
Granitporphyr des Sattels 524
Paläozoische Schiefer und Conglomerate am Südfusse 526
Die rothen Sandsteine bei Berilovce • 526
Geologische Untersuchung-en im westl. Theile d. Balkan etc. 549
Seite
Orbitolinen-Schichten bei Kalnia, überlagert von Sandsteinen der
mittleren Kreide 527
Nerineen-Kalke und neocome Bryozoen-Kalke zwischen Isvor und
Miranovce 529
Die Kreidesandsteine 531
Mergel mit Pyrina pygvea und Caprotinen-Kalk 532
Diluvialterrasse bei Ak-Palanka an der Nisava 584
5 a. Die Fossilien an den Orbitolinen-Mergein bei Kalnia .... 534
5 b. Fossilien aus den oolithischen Kalken unterhalb der Isvor-
Karaula 540
5 c. Beschreibung des Prosopon inflaUim nov. spec 543
550
XIIL SITZUNG VOM 17. MAI 1877.
Das w. M. Herr Prof. Linneniaiiu übersendet eine Ab-
handlung: „Über das Unvermög-en des Propylens sich mit Wasser
zu verbinden".
Das c. M. Herr Prof. Constantin Freih. v. Ettingshau sen
in Graz übersendet eine Abhandlung, betitelt: „Beiträge zur
Erforschung der Phylogenie der Pflanzenarten '^.
Herr Emil Koutuy, Prof. der k, k. techn. Hochschule zu
Graz, übersendet eine Abhandlung: „Über die Normalflächeu
zu den Oberflächen zweiter Ordnung längs ebener Schnitte der-
selben".
Der Secretär legt zwei eingesendete Abhandlungen vor:
1. „Erzeugnisse eindeutig entsprechender Punkte zweier
rationalen ebenen Curven", vom Herrn Prof. Dr. Karl
Zahradnik in Agrani.
2. „Die Nordlichtbeobachtungen der österr. - Ungar. Polar-
expedition 1872 — 7o — 74", vom Herrn Linienschitfslieute-
nant C. Weyp recht in Triest.
Das w. M. Herr Hofrath Freiherr v. Burg überreicht eine
Abhandlung des Herrn Prof. Dr. Gustav A. V. Peschka in
Brunn, betitelt: „Freie schiefe Protection".
Das w, M. Herr Director Dr. S t c i n d a c h n e r überreicht eine
Abhandlung des Herrn Prof. Dr. Friedr. Brauer über neue und
wenig bekannte Phyllopoden, welche grösstentheils von letzterem
in Aquarien gezüchtet wurden.
Herr Dr. J. Breitenlohner überreicht mit einem Vortrage
eine in Gemeinschaft mit Herrn Prof. Dr. Josef Boehm aus-
geführte Untersuchung: „Die Baumtemperatur in ihrer Ab-
hängigkeit von äusseren Einflüssen".
551
An Druckschriften wurden vorg^elegt :
Aeademie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts
de Belgique: Bulletin. 46' Annee, 2^ Serie, Tome 43. Nr. 3.
Bruxelles, 1877 ; 8".
Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss. , zu Berlin:
Monatsbericht. Deceniber 1876. Berlin, 1877; 4°.
— Königl. Schwedische; Üfversigt af Förhandlingar. 33. Arg.
Nr. 9 & 10. 1876. Stockhohn, 1877; 8».
Apotheker- Verein, allgeni. österr. : Zeitschrift (nebst Anzei-
gen-Blatt). lÖ. Jahrgang, Nr. 13 & 14. Wien, 1877; 4^
Astronomische Mittli eilungen von Dr. Rud. W o 1 f. Nr. 39—43.
Zürich, 1876/77; 12".
Beobachtungen, Schv/eizer., meteorologische. XII. Jahrgang
1875. 5. Lieferung. Zürich, 1875; 4». — XIII. Jahrgang
1876: 3. & 4. Lieferung. Zürich, 1876; 4«.
Comptes rendus de TAcademie des Sciences. Tome LXXXIV.
Nr. 18. Paris, 1877; 4».
Fr ei bürg i. Br. , Universität: Akademische Gelegenheits-
schriften aus den Jahren 1875/76. 19 Stücke. 4*» & 8°.
Gesellschaft, Deutsche geologische: Zeitschrift. XXVIIL Bd.,
4. Heft. Berlin, 1876; 8".
Handels- und Gewerbekammer in Wien: Bericht über den
Handel, die Industrie und die Verkehrsverhältnisse in
Niederösterreich während des Jahres 1875. Wien, 1877; 8«.
Königsberg, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften
von 1876. 4" & 8».
Landwirthschafts - Gesellschaft, k. k. , in Wien: Ver-
handlungen und Mittheilungen. Jahrgang 1877, März-April-
Heft. Wien; 8".
Militä r-Comite, k. k. technisches & administratives: Mit-
theilungen. Jahrgang 1877, 3. Heft. Wien, 1877; 8^ —
Militär -statistisches Jahrbuch für das Jahr 1874. L Theil.
Wien, 1877; 4«.
Mitt hei hingen. Mineralogische, von G. Tschermak. Jahr-
gang 1877, Heft 1; mit 9 Tafeln. Wien, 1877; 4".
Nature. Nr. 393. Vol. XVL London, 1877; 4».
Osservntorio del real coliegio Carlo Alberto in Moncalieri.
Vol. VII. Anno 1871 — 1872. Torino, 1873; 4».
552
Reichsforstverein, österr. : Osterr. Monatsschrift für Forst-
wesen. XXVII. Band. Jahrgang 1877. April- & Mai-Heft.
Wien, 1877; 8".
, Revue poiitique et litteraire", et „Revue scientifique de la
France et de l'Etranger''. VPAnnee, 2^ Serie, Nr. 46. Parisr
1877; 40.
Rostock, Universität: Akademische Gelegenheitsschriften aus
dem Jahre 1875/76. 4" & 8".
Societä degli Spettroscopisti Italiani: Memorie. Disp. S"" & 4*.
Marzo e Aprile 1877. Palermo; 4".
Societe, Imperiale de Medecine de Constantinople : Gazette-
medieale d'Orient. XX' Annee, Nrs. 10, 11 et 12, Constan-
tinople, 1877; 4".
Verein, militär- wissenschaftlicher in Wien: Organ. XIV. Band.
Separat-Beilage zum 3. Hefte 1877. Wien; 8*^.
— Naturwissenschaftlicher, zu Bremen: Abhandlungen. V. Bd.^
2. Heft. Beigeheftet der 12. Jahresbericht; mit 2 Tafeln.
Bremen, 1877; 8".
Vierteljahresschrift, österr., für Wissenschaft!. Veterinär-
kunde. XLVII. Band, 1. Heft. (Jahrgang 1877. I.) Wien,
1877; 8".
Wissenschaftlicher Club: Jahresbericht 1876/77. Wien,
1877; 8".
Wiener Medizin. Wochenschrift. XXVII. Jahrgang, Nr. 19. Wien,.
1877; 4«.
OOo
Beitrag zur Kryptogamenflora der hawaiischen Inseln.
Von Prof. Dr. H. W. Reichardt.
(Vorgelegt in der Sitzung am 11. Mai 1877.)
Herr Dr. Heinrich Wawra Ritter von Fernsee sammelte
auf zwei Reisen um die Welt, welche er in den Jahren 1868 bis
1873 unternahm, ' eine grosse, mehr als 6000 Nummern zählende
Collection von Pflanzen in sehr schönen instructiven Exemplaren
und widmete dieselbe dem k. k. botanischen Hofcabinete in
Wien. Den interessantesten Theil dieser Sammlung' bildet die
auf den hawaiischen oder Sandwich-Inseln gemachte botanische
Ausbeute; sie umfasst mehr als 800 Arten.
Dr. von Wawra berichtete über seinen Aufenthalt auf dem
genannten Archipel während der Monate December 1869 bis
Mai 1870 selbst ausführlich; - es wurden ferner von ihm die auf
den Sandwich-Inseln gesammelten Phanerogamen (mit Ausnahme
der Glumaceen), 3 von Dr. Luersen die Gefäss-Kryptogamen, *
von Dr. A. Krempelhuber •'' die Flechten bearbeitet.
In der vorliegenden Abhandlung habe ich die Ehre, über
die Moose und Pilze der genannten Collection zu berichten. Weil
Dr. V. Wawra hauptsächlich Phanerogamen sammelte, und die
Kryptogamen nur nebenbei berücksichtigen konnte, so ist die
Zahl der Repräsentanten aus den genannten Ordnungen keine
sehr bedeutende, denn es entfallen auf die Laubmoose 24, auf
1 Er machte die erste derselben als Schiffsarzt von i>r. Majestät
Fregatte „Donau" (1868 — 1871j, die zweite als Begleiter der Prinzen
Philipp und August von Sachsen-Coburg (1872—1873).
3 Üsterr. botan. Zeitschr. .Jahrg. 1872, S. 222 u. w. Jahrg. 1873,
S. 23 u, w.
3 Regensburger botan. Zeitschr. Flora, Jahrg. 1872 — 1875.
* Ebendas. Jahrg. 1875, von 8. 417 an.
5 Verhandl. d. k. k. zool. botan. Gesellsch. Jahrg. 1876, S. 433.
554 K e i (• li a r d t.
die Lebermoose 9, auf die Pilze 10 Arten; die Algen und Chara-
ceen werden endlich durch je eine Species reprüseiitirt. Kichts-
(lestowenii^er trägt diese Sannnlung nicht unwesentlich dazu bei,
unsere Kenntnisse über die Zellpflanzen der hawaiisclien Inseln
zu erweitern. Denn obwohl zahlreiche Botaniker die Sandwicli-
Inseln besuchten,' obwohl Horaee Mann eine Aufzählung der
Pflanzen dieses Archipels veröffentlichte,^ so waren doch bis auf
die neueste Zeit nur sehr wenige Moose von dieser Inselgruppe
bekannt.
Erst iüi Laufe der letzten Jahre wurden von SuUivant, ^
J. Angst r 0 e m , ^ M a n n und B r i g h a m , ^ ferner von Austin *'
einige Abhandlungen veröffentlicht, welche unsere Kenntnisse
der Moosflora beträchtlich erweiterten, so dass man die Summe
der auf dem genannten Archipel bisher beobachteten Arten auf
nngefähr 200 (120 Laub-, 80 Lebermoose) veranschlagen kann.
Doch ist dies kaum ein Drittel der Moose, welche überhau])t
auf den hawaiischen Inseln vorkommen dürften, denn dieser
Archipel hat eine sehr reiche und eigenthümliche Moosvege-
tation, welche sich namentlich in den tiefen, schattigen, feuchten
Schluchten der Waldregion (den sogenannten Pali) üppigst ent-
wickelt. Bei näherer Betrachtung der Moosflora der Sandwich-
Inseln fällt vor Allem die grosse Zahl von endemischen Arten
auf; dieselben machen ungefähr 40 Percent der gesammten.
1 Von denselben seien nur genannt: Nelson, Man zi es, Chamisso,
Gaudichaud, James, Macrae, Lag ii. Collie, Meyen, Douglas,
Barkley, Diell, Brackenridge u. Pickering, Nuttal, Reiuy,
Anderson, Mann u. Brigliam, Hillebrandt, v. Wawra u. m. a.
2 Enumeration of Hawaian Plants; Proeeed. of the Anier. Acad. of
Arts and 8cienc. VII. (1868), S. 143—235.
3 United States Exploring Expedition, Botany, Musci, p. 1—32,
t. 1 — 26. Es werden von den Sandwich-Inseln 50 Arten Lnubmoose (11
davon neu) aufgeführt.
* Öfversigt af Kongl. Vetenskaps Akad. Fth-handl. 1872. Nr. 4,
p. 15—29. Führt 32 Arten (15 Laub-. 17 Leliernioose) auf, 18 werden als
neue beschrieben.
5 Bulletin of the Torrey Botan. Club V, 1874, Nr. 4, p. 10. Enthält die
Aufzäiilung von 60 Moosen, 13 davon sind neue Species.
•* Ebendas. p. 16. In diesem Aufsatze werden 34 Arten von Leber-
moosen Mufgefi'ihrt, 4 davon sind neu.
Beitrag ziir Kryptogamenflora der hawaiischen Inseln. 55;)
bisher bekannt gewordenen F.aub- und Lebermoose aus ^ und
gehören meist grossen artenreichen Gattungen ^ an. Monoty-
pisehe Genera scheinen zu fehlen. Diesen grossen Reichthum
an ihnen eigenthümlichen Moosarten verdanken die hawaiischen
Inseln theils ihrer bedeutenden Ausdehnung, theils den riesigen
Vulcanen, welche sich auf ihnen bis zu einer Höhe von mehr
als 4000 Meter erheben. Da bei den Phanerogamen die Summe
der endemischen Arten mehr als 60 Percent beträgt, ^ so erscheint
die Annahme berechtigt, dass bei einer eingelienderen Durch-
forschung auf den SandAvich- Inseln noch zahlreiche neue Moos-
formen entdeckt werden dürften.
Mit der bryologischen Flora des indischen Monsum-Gebietes
haben die hawaiischen Inseln eine bedeutende Zahl von Arten
gemein.* Dagegen zeigt ihre Moosflora mit jener des tropischen
und subtropischen Amerika verhältnissmässig eine geringere
Verwandtschaft.'» Vereinzelte Anklänge finden sich auch an
die Moosvegetatiou Bourbon's und Öt. Helena's,** ferner an jene
Neu-Seeland's.^ Den Rest der hawaiischen Moosflora bilden in
der tropischen und subtropischen Zone allgemein verbreitete
' Die endeuiisciieii Arten alle namhaft zu machen, würde zu weit
führen ; es seien daher als besonders charakteristisch nur hervorgehoben :
Dumortiera trichoccphala N. a. E., Phj/siotium conchaefoliuni Hook., Rhizo-
goniiim ptingejis Süll., Hovialiri dendroüles (Hook.), Heiniragis urnans
Kehdt. u. s. w.
3 Von denselben seien namhaft gemacht: Lejeunia, Fndlania, Ma^tigo-
Itrifum , Jungermannia^ Plagiochila, Dicranum, Campylopus, Macromitrium,
Bryiim, Mniade.'phus, Neekera, Homalia, Meteorium. Hyptnim \i. s. w.
3 Griesbach Vegetat. d. Erde, H, ii. 530. Horace Mann: Note on
Alsinodrndron . . . with an Analysis of the Hawaiian Flora in Mera. of Bost.
Soc. ofNat. Hist. I. (1869), p. 5'29.
* Von ihnen seien hervorgehoben: Dumortiera denudata M it t., Plagio-
r/iasnia cordatitni l^i' hm. et Lindenb. mehre FruUanien und Sendtneren,
Lei/cukrytnn fa/citOnn K. Müll., Bryum giganleuin Hook., Neekera Lepiiieaiin
Mont., Hypnum gracilisetum Hörn seh. etKeinw. u. m. a.
5 Es seien hier namentlich erwähnt: Authoceroa Vincentianus Lehm,
et Lind b., FruUania Kumei Lehm, et Lindb., Radula pallens N. a. E.
Trifliocolea tomentosa , 2 Lophocoleen, Canipylopus lamellatus M o n t., Meteo-
rium illecebruni C. Müll., die Gattung Heiniragis u. s. w.
6 Als Beleg dafür Physiotium sphagnoides N. a. E.
7 Vermittelt durcli Cryplopudinm harlramioides Biid.
556 lleicliardt.
Arten. • Endlich wird in ihr eine Reihe von Moosen aufg-eführt,
welche Iteinahe kosmopolitisch scheinen und in Europa gemein
sind;'' doch muss es bezüglich dieser letzteren si)äteren Unter-
suchungen vorbehalten bleiben, ob die betreffenden Moose der
Sandwich - Inseln wirklich mit jenen unserer Heimat identisch
sind, oder ob dieselben sich als verschiedene, aber vicarirende
Species herausstellen werden.
Aus der Classe der Pilze sind von den Sandwich-Inseln nur
sehr wenige Arten bekannt geworden ; ich halte es daher nicht
für angezeigt, über sie einige einleitende Bemerkungen, und
seien dieselben auch nur so allgemein gehalten, wie die vorher-
gehenden, einzuschalten.
Bei der grossen Zahl der endemischen Arten, welche die
hawaiischen Inseln belier])ergen, darf es nicht Wunder nehmen,
dass sich bei der Bearbeitung von Dr. v. Wawra's Collection
eine grössere Zahl neuer Arten (im Ganzen 14) herausstellte.
Schliesslich möge noch bemerkt werden, dass ich dieser
Abhandlung die Beschreibung einer neuen Alge, sowie einer
Chara-Art, der einzigen Repräsentanten dieser Ordnungen,
welche Dr. v. Wawra auf der genannten Inselgruppe sammelte,
beifügte. Beide wurden von dem tüchtigen Phykulogen, Herrn
A. Grunow, untersucht und bestimmt.
Algae.
Scytonenia Ag.
Sc. (Syniphyosiphon) ilendrophilum Grunow in litt. Stratum
expansum, tomentosum, molle, superfieie sordide olivaceum,
intus pallide aerugineum vel subdecoloratum; trichomata parce
ramosa, ])seudoraniulis geminis, liinc inde hmgitudinaliter concre-
tis, subfasciculata; vaginae (0-0U9 — U-012nmi. crassae) achroae
vel dilute luteo-fuscescentes, laeves vel minutis granulis,
1 Ich tiihiQ von denselben an: Dumovtieru hirsuta Lehm. u. Lindb.
naehre Lejeunien, Frullanien und ringiochilen, Octohlepharum nlbidum Hedw.,
Rhacopilum tomentosum. Biid., Uliiiogonuirn spiiiiforme Bruch u. s. t.
2 Z. B. Murchunda polymorplKt L., Ceratudon purpureus Brid., Rhaco-
mittium laniiyinosutn Brid., Fiinaria hyyrumetrieu Hedw., Ery um argenteiun
L., Br. eacspltüinm L. u. ui. a.
Beitrag' zur Kryptogamenflora der hawaiischen Insehi. 557
trichomatibus iiicliisis (0-002— 0-007 mm. crassis) aeriigineae;
articuli diameiro plenuiique sesquilongiores, superiores hiuc
inde diametro aequales, submoniliformes ; inferiores diametro
triplo loiig-iores , saepe obsoleti. Cellulae perdurantes inter-
jectae, snbcylindvaceae , diametro diiplo vel triplo loiigiores
(rarius diametro aequales, subglobosae) dilute luteo-fuscescentes.
Kauai; an Ästen von Metrosideros- Bäumen auf dem Waia-
leale: Nr. 2150.
Ein eigenthümliches Scytonema, welches sich von allen
übrigen baumbewohnenden Arten scharf unterscheidet.
Characeae.
Chara L. emend.
Ch. coronatii Ziz. var. Havaiensis G r unow iu litt. (Euchara,
haplostephana, ecorticata.) Ultra pedalis, omnino ecorticata,
caulis tenuis (vix 0-5 mm. crassus), verticillorum folia 7 — 12,
plerumque quadriarticulata, minute tricuspidata (7 — 14 mm.
longa); foliola minuta, acuta, suhverticillata (0-2 — 0*4 Mm. longa);
stipularum Corona simplex, stipulae breves acutiusculae, patentes
(0-5 mm. longae). Antheridia et sporostegia desiderantur.
Kauai; um den Wasserfall von Haiemann in ruhig fliessen-
den, klaren Gebirgsbächen; Nr. 2097.
Von der typischen CJuini coroniita Zi z. durch kürzere Blätter
und Blättcheu, sowie durch höheren Wuchs nur wenig ver-
schieden, von Ch. Oahuensis Meyen (Reise um die Erde, IL
p. 131), welche ebenfalls zum Formenkreise der Ch. coronatu
Ziz. gehört, durch die kürzeren Blättchen und die abstehenden
Deckblätter abweichend.
Der Mangel jeglicher Fructificatiousorgane macht leider
eine genauere Charakterisirung unmöglich.
Fungi.
ZasinidiuQn F r.
Z. troiricum. — Antenuaria tropica Mont. in Ann. sc. uat.
Bot. 2. ser., XIII. (1840), p. 332.
Kauai; auf dem Pohokupili an den Asten von verschiedenen
Bäumen, namentlich aber von Araliaceen massenhaft auftretend,
so dass dieselben wie mit Russ bedeckt erscheinen : Nr. 2046.
i)58 lieichiirdt.
Über die Arten der Gattung Zasmidinm Fr., welche in den
Tropengegenden und auf der südlichen Halbkugel dem Kussthaue
ähnliche Erkrankungen der bet'allenen Pflanzen erzeugen, finden
sich nähere Angaben in: Reise der österreichischen Fregatte
Novara, liotan. Theil, p. 145.
MypoQcylou Bull.
H. Sujidvicense n. sp. Stronni superficiale, irregulariter
repando-pulvinatum, convexuni, 1 — /J cm, late expansum, )) — 5mm.
crassum, e griseo-rufescenti nigricans. Perithecia immersa, mono-
sticha, elliptica, 1 mm. loiiga, 0-5 mm. lata, vertice prominulo
papillata. Paraphyses ascis aequilongae, tenuissimae, simplices,
unicellulares, mox diffiuentes. Asci cylindrici, parte sporifera,.
U-2 mm. longa 0-01 lata, octospori. Sporae oblique monostichae,.
fusiformes, inaequilaterales, curvulae, 0-02 mm. longae, 0-005 mm.
lutae, unicellulares, nigricantes, laeves.
Maui; auf faulenden Baumstämmen in den Schluchten des
Wailukuthales: Nr. 1831 und 1832.
Stroma oberflächlich, deutlich begrenzt, unregelmässig
kissenförnng, im Umfange rundlich oder elliptisch, 1 — 3 Cm. im
Durchmesser haltend, convex, 3 — 5 Mm. dick, graulich-bräunlich-
scbwarz, matt, glatt, oder durch die hervorragenden Mündungen
der Perithecien warzig punktirt, aus Scheinparenchym von
schwärzlicher Färbung gebildet. Perithecien eingesenkt, nur mit
der warzenförmigen Mündung hervorragend, einreihig, elliptisch,
1 Mm. lang, 0-5 Mm. breit. Paraphysen sehr zart, einfach, bald
zerfliessend, eben so lang wie die Schläuche. Schläuche cylin-
drisch, ihr sporenführender Theil 0-02 Mm. lang, 0-01 Mm. breit,
dünnwandig, hyalin. Sporen schief einreihig, spindelförmig,
schwach gekrümmt, ungleichseitig, 0-02 Mm. lang, 0-005 Mm.
breit, schwärzlich- Ijraun, einzellig, mit glattem Exporium.
Das H. Sdudficense düri'te am besten in die Section EpLvylon
(Nitschke Pyrenomyc. German. p. 42) einzureihen sein und
steht in derselben dem H. multiforme Fr. (Summ, veget. Scaud.
p.384 — Nitschke, 1. c, p.43) am nächsten, unterscheidet sich
aber von ihm und von den übrigen Arten durch (Jrösse und
Farbe des Stroma, durch die elliptischen Perithecien, sowie durch
die Dimensionen der Sporen.
Beiti-ag zur Kryptogainenflora der hawaiischen Inseln. 559
Habituell erinnert die hier beschriebene Art an UstuUna vul-
garis Tul. (Select. fung-or. car|)ol. IL p. 23, t. 3) unterscheidet
sich aber von ihr durch die in das Bräunlichgraue neigende
Farbe des .Stromas, ferner durch Form, sowie durch die Grössen-
verhältnisse der Perithecien und Sporen.
Ob das H. S<mdvicense in der Conidienbildung mit den
Hypo.vi/lon-Arter., oder mit Ustulina mehr übereinstimmt, kann
ich nicht entscheiden, da mir nur Individuen mit Perithecien
vorliegen.
H. globosuin Fr. Syst. mycol. II. p. 331 et Nov. symbol.
mycol. in uov. act. reg. soc. scient. Upsal. ser. III. vol. I. (1855),
p. 126. — H. pilelf'ovme Berk. et Curt. in Un. Stat. Explor.
Exped. Bot. II. p. 201, t. 1, f. 8.
Kauai; auf dem Waialeale an abgestürl)enen Astchen von
Metrosidevos: Nr. 2150.
Xylaria Fr.
X curia Fr. Nov. symbol. mycolog. in nov. act. reg. soc.
scient. Upsal. ser. IIl. vol. I. (1855), p, 126.
Maui; um Waihee an faulenden Stämmen von Aleurifes:
N. 1964.
Die vorliegenden Exemplare haben etwas grössere Dimen-
sionen, als Fries (1. c.) angibt, stimmen aber sonst mit der
Beschreibung gut überein.
X Hypoxylon Grev. Flor. Edinb. p. 355. — Fr. Samm.
veget. Scand. p. 381. — Tulasne Select. fungor. carpol IL
p. 11, tab. I, fig. 1 — 14. — Nischke Pyrenom. German. p. 5,
wo sich die übrigen literarischen Nachweise finden.
Maui; auf faulenden Stämmen im Wailukuthale: Nr. 1838.
Diese weit verbreitete, beinahe kosmopolitische Art kommt
somit auch auf den hawaiischen Inseln vor.
Hirneola Fr.
H. polytricha Fr. Fung. natal. p. 26 et in: Nov. symbol»
mycol. in nov. act. soc. scient. Upsal. ser. III. I (1855), p. 117.
— Reichardt in: Reise der österr. Freg. Novara. Bot. Theil.
p. 136. — Exidia hispidula Berkel in: Ann. and Mag. of nat.
560 Reichardt.
liist. III (^]831»), p. 396. — Curt. and Herkel. in Un. Stat.
Explor. Exped. Botan. II, p. 201.
Oaliu; um Honolulu in finsteren Schluchten auf Bautnästen :
Nr. 1G54, 1766.
Trametes Fr.
T. bicolor Rclidt. Reise der österr. Fregatte Novara.
Hot. ]). 138. — Polyponis bicoJor Jungh. Praeniiss. ad flor. crypt.
Jav. ins. ]). 54, t. 12, f. 29.
Kauai; an faulenden Stämmen von Metrosideros in Wäldern
um Kealea: Nr. 2029.
Diese Art, welche bis jetzt auf Java, den Nicobaren und
den liawaiischeu Inseln beobachtet wurde, scheint, wie so
viele exotische Polyponis- und Traniefcs- Arten, eine weite
geographische Verbreitung zu besitzen.
Die vorliegenden Exemplare sind bedeutend grösser, als die
von Junghuhn im Jugendzustande abgebildeten Individuen;
sie stimmen aber, von diesem Unterschiede abgesehen, voll-
kommen mit der Diagnose und noch besser mit dem von den
Nicobaren stammenden Exemplare überein, welches die Novara-
Expedition mitbrachte.
Polt/porus Fr.
P. dijfnsus Fr. Nov. symbol. mycol. in nov. act. reg. soc.
Upsal. ser. III. vol. I. (1855), p. 55.
Kauai; an faulenden Stämmen in Wäldern um Kealea:
Nr. 2028.
P. (Apus, AnodertneiJ Aleitritidis n. sp. Pileus dimidiatus,
tenuis, coriaceus, ex albido dilute fuscescens, zonatus, e velutino
glabrescens, margine obtuso, inflexo, sterili ; hymenium crassum,
ciunamomeum, poris valde elongatis, minutissimis, puncti-
f(»rmibus; sporae ellipticae, 0-01 mm. longae, laeves, dilute
cinnamomeae.
Oahu; auf faulenden Aleurites-'^i^Viwnew in Schluchten um
Honolulu: Nr. 1755. Kauai; in Wäldern um Kealea.
Hut sitzend, halbirt, 0 — 15 Cm. lang, 4 — 7 Cm. breit, flach
oder schwach gewölbt, lederartig, dünn, kaum 2 Mm. dick,
-bräunlich - weiss, kurz weichhaarig, mit deutlichen Zonen
Beitrag- zur Kryptogamenflora der hawaiischen Insehi. 501
versehen, g:aiizraiidig' oder an älteren Individuen seicht gelappt,
mit stumpfem, eingebogenem, an der Unterseite in der Breite
von 1 — 2 Mm. sterilem Rande. Hutsubstanz korkig, weisslich ;
Frucbtschieht licht zimmtbrjiun, mächtig- entwickelt, Poren sehr
klein, dem freien Auge kaum sichtbar, bis 1 Cm. laug-, stumpf,
an der Mündung- etwas dunkler gefärbt. >Sporen elliptisch,
beiläufig O.Ol Mm. lang, glatt, lichtbraun.
Der P. Aleuritidis steht dem in Ostindien vorkommenden
P. xernphyllaceus Berk. (in Hook Lond. Journ. et Kew Gard
Mise. VHI. [1856] p. 200, Currey in Transact. of Linn. Soc. 2.
ser. I [1876], Bot. p. 124, t. 20, f. 1, 2), ferner dem das
tropische Süd-Amerika bewohnenden P. Hostmanni Berk. (in
Hook Lond. Journ. of Bot. I [1842], p. 139) am nächsten, unter-
scheidet sich aber von beiden Arten durch den lichter gefärbten
nicht runzeligen Hut mit stum})fem eingebogenem Rande, ferner
durch die lichte, weissliche Farbe der Hutsubstanz. Weitere
Unterschiede dürften in der Form und Farl)e der Sporen
liegen, welche aber von den beiden oberwälmten Species nicht
beschrieben sind.
Xerotus Fr.
X. Maviensis n. sp. Pleüroj)Us, stipes brevissimus, tere-
tinsculus, solidus; pileus dimidiatus, explanatus vel subinfuu-
dibuliformis, glaber, laevis , e cinnamomeo expallens, tenuis,
rigidus, contextu floccoso , margine acuto, patente, primum
irregulariter crenato, serius lobato. Lamellae adnatae, decur-
rentes, distantes strictae plicaeformes , regulariter et repetitu
dichotomae, pileo concolores. Sporae globosae, dilute cinnamo-
meae, exosporio subtiliter spinuloso.
Maui; an faulenden Stämmen im Wailukuthale: Nr. 1824.
Stiel seitlich, sehr kurz, rundlich, dicht. Hut halbirt, flach
ausgebreitet oder seicht trichterförmig, 4—10 Cm. im Durch-
messer, unbehaart, glatt, licht zimmtbraun, in der Jugend
unreg-elmässig gekerbt, im Alter seicht gelappt, dünn, höchstens
2—3 Mm. dick, gebrechlich, steif, Rand scharf, Hutsubstanz
flockig, lichtbraun. Lamellen angewachsen, herablaufend, falten -
förmig, starr, breit, 2 — 3 Mm. von einander abstehend, wieder-
Sitzb. d. uiathern iiaturw. Cl. T.XXV. Bd. I Abtiu 31
562 K e i c h a r d t.
holt gabelspaltig, g'anzrandig;, dem Hute gleichfarbig. Sporen
kugelig, beiläufig O-OOo Mm. gross, lichtbrami, leinstachelig.
Der X. Mdvicnsis unterscheidet sich von beinahe allen
Arten dieser Gattung durch den sehr kurzen seitlichen Strunk
und den halbirten Hut. Nur dem Xerotus partitua Fr. [Nov.
Symb. mycol. in nov. act. reg. soc. Upsal. ser. Kl, toni. I (185.5),
p. 41. CiinthitrelluH partitns Berk. in Hook Lond. Jonrn. ot'
Bot. I (1842), p. 45)3, t. 15J steht er in dieser Beziehung näher,
ist aber auch von dieser Art so autfallend durch Grösse, Form
und Farbe verschieden, dass an eine Verwechslung nicht gedacht
werden kann.
Hepaticae.
Aiithoceros M i c h e 1 i . *
A. Havaienais n. sp. Frons carnosa, obscure viridis, oblongo-
linearis, repetito dichotoma, laciniis polymorphis, margine
repando-crenatis, venosa, venis in media fronde non in nervum
spurium condensatis. Fructus ad apicem frondis solitarii, invo-
lucrum tubulosum, 5 — 8 mm. longum, ore oblique truncato,
irregulariter dentato vel bifido. Sporogonium graciie, 3 — 5 cm.
longum, pedicello brevi, involucrum non superante, capsulae
valvis fuscescentibus. Sporae tetraedrae, O-Oo mm. magnae,
Üavesceutes, episporio evidenter granulato. Elateres longissimi,
()-'l — O'o mm. longi, fusiformes, flexuosi, tibrä spirali carentes.
Oahu; an feuchten Felsen in Schluchten: Nr. 1745. Kauai;
in Wäldern um Hanalei : Nr. 2014.
Laub fleischig, dunkelgrün, getrocknet schwärzlich, glatt,
im Umrisse verkehrt länglich bis linear, 2 — 3 Cm. lang,
5 — 6 Mm. breit, selten einfacii, meist unregelmässig gabelästig,
die einzelnen Lappen verschieden gestaltig, mit in der Regel
flachem, seltener aufsteigendem, mehr oder minder deutlich
ausgeschweift gezähntem Rande. Mittelnerv vollständig fehlend,
sogenannte Venen ' vorhanden , unregelmässig anastomosirend^
\
' Ich will hier auf die eigentliche PJedeutung dieser Bildungen nicht
näher eingehen und gebrauche für sie die oben angeführte Bezeichnung nur,
weil sich dieselbe in den Speciesbeschreibungen allgemein vorfindet.
Beitrag zur Kryptoganienflora der hawaiischen Inseln. 563
Früchte einzeln an der Spitze der Lappen des Laubes ; Invo-
liicrum eylindrisch, 5—8 Mm. lang-, /lunkelgrUn, fleischig, mit
schief abgestutztem, unregelmässig gezähn eitern oder schwach
zweilippigem Rande, Sporog'oniimi 3 — 5 Cm. lang, schlank, Stiel
dunkelbraun, kaum länger als das Involucrum. Kapselklappen
an der Spitze nicht zusammenhängend, liclitbraun ; ihre äusserste
Zellschichte von langgestreckten, dickwandigen Zellen gebildet,
die inneren Zelllagen aus dünnwandigen Parenchymzellen
zusammengesetzt. Sänlchen sehr zart, von lang gestreckten,
dickwandigen, braungefärbten Zellen g-ebildet. Schleudern sehr
lang (0-2 — 0-3 Mm. lang) spindelförmig, hin und her gebogen,
an den Enden deutlich zugespitzt, ohne Spiralband, mit ziem-
lich derber, glatter bra ungefärbter Zellcnmembran. Sporen
tetraedrisch, O-Oo Mm. gross, lichtbrann, mit deutlich warzigem
Exosporium.
Der Anthoccros Havdiensis steht dem A. falsinervius
Lindbg. (Bot. Zeit, von Mohl u. Schlechtend.VL [1848], p.463.)
ferner iXem A. vesicalosus kw^tm (Bull, of Torr. Bot. Club. V.
[1874], p. 17.) am nächsten, unterscheidet sich aber von ihnen
durch das nichtblasige Laub , durch den vollkommenen Mangel
eines scheinbaren Mittelnervs, durch das längere Involucrum,
durch die schlankeren Früchte, durch die ungemein laugen
Elateren, endlich durch die Grösse der Sporen.
Duiiiortiera Reinw. Blum, et N. ab E.
D. trkhocephala N. a. E. Hepat. europ. IV. p. LXV et 44V).
— Syn. Hepat. p. 545. — Marchautia frichocephnla Hook. Icon.
plant. II. t. 158.
Maui; auf feuchten Felsen im Wailukuthale, reich frueti-
ticirend ; imThale vonWaihee um den Wasserfall : Nr. 1842, 1945.
Jlarchantia L.
M. cheuopoda L. Sp. pl. IL p. 1603, n. 2. — Swartz flor.
Ind. occid. 111. p. 1880. — Raddi in Mem. della Soc. Ital. di
Mod. XIX (1829), p. 44, XX (1830), t. 6, f. 2. — Gottsche,
L i n d e n b. et N e e s ab Es. Syn. Hepat. p. 535.
Kauai ; in Wäldern um den Wasserfall von Hanalei , auf
feuchten Felsen: Nr. 2006, 2007.
, 31*
5(J4 Keif h :i r (1 t.
Die vorliegenden Exemplare tragen keine Früchte, die
Besiinnnung konnte daher nur eine annähernde sein. Es möge
daher hier nur bemerkt werden, dass die Pflanze der Sandwich-
Inseln von der typischen in Westindien und in Süd -Amerika
vorkommenden Form durch breiteres Laub und grössere Spalt-
öfinungen abweicht. Es mnss daher späteren, an fructificirendem
Materiale angestellten Untersuchungen vorbehalten bleiben, zu
entscheiden, ob ich die von Dr. Wawra gesammelte Marchantia
mit Recht zu M. chenopnda L. stellte, oder ob sie als eigene Art
abzutrennen wäre, für weicheich dann den Namen M. SaudviceuMs
vorschlagen möchte.
Aneura Dum.
A. phmatifida N. a. E. Hepat. europ. III. p. 442, IV.
j). LXII. — Syn. Hepat. p. 4U5. — Reich dt. in: Reise d. östen-.
Freg. Novara, Bot. Theil, p. 151.
Maui; auf feuchten Felsen in sehr schattigen Schluchten
des Waiheethales: Nr. 1954.
Frullania R a d d i.
F. Snndvicensis J. Angst roem in Öfvers. af k. vetensk.
Akad. Förhandl. 1872, p. 28.
Oahu; im Luliehithale auf Bäumen häutig: Nr. 1779.
PhysioUuni N. ;i. E.
Ph. conchaefolium Hook, in N. a. E. Syn. Hepat. p. 235.
— Jmtf/ermamiia cotichaefo/iu Hook, et W. Arn. in Beech. Voy.
p. 1 10, t. 23.
Kauai ; an Baumstämmen in Wäldern am Fusse des Poho-
kupili. (Ohne Nummer.)
Mastiiiobryuni^. ab E., L in dbg. et Gotische.
M. cordistipulmn Li n dbg. in N. a. E. Syn. Hep. p. 224. —
Id. Spec. Hepat. Fase, (i— 11, p. 75, t. XI, f. 1. — Herpetium
cordistiptdiim Mont. Ann. sc. nat. Bot. 2. ser. XIX (1843), p. 252.
— Id. in Voy. Bonite Cryptog. p. 245, t. 149, f. 1.
Kauai; mit Physiotlum conchnef'oHum Hook, in Wäldern
am Fusse des Pohocupili.
Beitrag zur Kryptog-anienfiora der hawaiischen Insehi. 565
Plaglochlla N e e s ah E s e n b. et M o n t.
P. Owaihiensis N. a E. et Liiulbg. in Lindb. spec. Hepat.
fasc. I, p. 30, t. 5. — lid. in Syu, Hepat. p. 4(3.
Kauai; in Wäldern des Pohokupili. (Ohne Nummer.)
P. Gaudivhaiulu Munt, et Clottsch. in Ann. sc. nat. Bot. 4.
ser. VI. (1856), p. Wd. — P. tenuis. Mont. (nonLindbg.) in Voy.
Bonite Cryptog. p. 2G5.
Oahu; in Wäldern in einer Meereshöhe von 600 M.:
Nr. 1696.
Musci frondosi.
JJicraniini Hedw.
D. Sandvicense SuUiv. in Un. 8tat. Explor. Exped. 11^ p. 4,
t. 1. B.
j3) coudensdtmn 8ull. 1. c.
Kaiiai; in Wäldern um Kaala: Nr. 2254.
Ccunpylopiis B r i d.
C. Wawraeanusw.^\).\)\o\Q,\\^, late compacteque caespitosus,
viridi-lutescens. Caulis g-racilis, ascendens, basi denudatus,
apicem versus fastigiatim dicliotome ramosus. Folia dense
conferta, erecto - patula, subfalcato - secunda, e basi oblong-a
subnlata, costatenui excurrente, basi integerrima, apicem versus
serrulata. Foliorum areolatio e cellulis parvis leptodermis tbr-
mata ; cellulae alares magnae, intense fuscae. Plantae masculae
femineis minores, subsimplices. Inflorescentiaeraasculinae gemmi-
formes, terminales. Folia perigonialia exteriora e basi valde
concava lanceolato-subulata, nervo tenui, sub apice evanido, laxe
reticulata. Perichaetia solitaria, folia i)erichaetialia interiora
subfalcata, e basi longe vaginante in aristam longissimam argute
serratam producta, tenuiter costata, laxe reticulata. Pedicellus
tener, breviusculus, cygnicollis, Capsula regularis, ovali-oblonga,
leptoderma, pallida, sicca striata. Annulus nullus, operculum
oblique rostratum, calyptra basi subintegra.
Kauai : auf der Erde in Wäldern um Kaala: Nr. 2257.
Rasen dicht, weit ausgebreitet, gelblichgrün, seidenartig
glänzend. Stämmchen zart, aufsteigend, 2 — 3 Cm. lang, wieder-
5G6 R c i c li a r d t.
holt gabelästig-, mit gleich hohen Innovationen, am Grunde nackt,
mit dunkelbraunem Wurzelfilze bedeckt. Blätter dicht gedrängt,
aufrecht abstehend, schwach sichelförmig- gekrümmt, länglich,
in eine lange pfriemenförmige Spitze ausgezogen, 4 Mm. lang,
0-5 Mm. breit, am Grunde ganzrandig, gegen die Spitze zu
deutlich gesägt. Nerv verhältnissniässig dünn. Blattiietz ans
dünnwandigen, kleinen, am Grunde der Spreite länglichen, im
oberen Theile der Blattfläche quadratischen Zellen gebildet.
Flügelzellen deutlich entwickelt, nu^hrmal grösser als die rand
ständigen, mit intensiv braun gefärbten Membranen. Männliche
Pflanzen einzeln in den fruchtenden Rasen, kleiner als die w^eib-
lichen, meist unverästelt. Männliche Blüthenstände knosi)en-
förmig, endständig. Äussere Perigonialblätter aus eiförmigem,
stark concavem Grunde lanzettlich zugespitzt, 1 Mm. lang, die
mittleren ähnlich, aber kleiner, die innersten sehr klein, eiförmig,
zugespitzt, sämmtliche Perigonblätter mit einem dünnen, unter
der Spitze verschwindenden Nerv verisehen, ihr Blattnetz aus
zartwandigen Zellen gebildet. Antheridien gross, cylindrisch,
braun, mit fadentörmigeu, längeren Paraphysen gemischt.
Perichätien einzeln, die inneren Blätter derselben länger als die
Stengelblätter 6 — 7 Mm. lang, aus lang scheidenförmigem
Grunde in eine sehr lange deutlich gesägte, kaum hin und her
gebogene Haarspitze vorgezogen, mit dünnem Nerv, ihr Blattnetz
aus zartwandigen Zellen gebildet. Scheidchen cylindrisch, mit
wenigen langhalsigen Archegonien und kurzen Paraphysen
besetzt. Haube blass, kai)uzenförmig, am Grunde kaum zer-
schlitzt, Fruchtstiel dünn, blass, 8 Mm. laug, im oberen Drittel
schwaneuhalsartig gebogen, Kapsei länglich eiförmig, 1-5 Mm.
lang, dünnwandig, blass, trocken gestreift. Deckel konisch,
schief geschnäbelt, Ring fehlend. Peristomzähne purpurn, bis
zur Mitte gespalten, im unteren Theile eng quer gegliedert, an
den Spitzen schwach gekörnelt, beinahe durchscheinend. Sporen
kugelig, mit glattem Exosporium.
Der C. Wawraeauus steht dem Ctimpylopus ZoUiufierianus
Van d. Bosch und van d. Sande La cos t. (Bryol. Javan, I.
p. 77, t. 64. — Dicrannm Zofli/tf/erianuni K. Müll. Syn. 11.
p. 599) am nächsten, unterscheidet sich aber von demselben
durch die an der Spitze gesägten Laubblätter, durch die mächtig
Beitrag zur Kiyptoganieüflora der hawaiischen Iiisehi. o() i
eutwiekelten braim gefärbten Flügelzellen derselben, durch die
verschiedene Form und Randtheilung der Perichaetialblätter.
endlich durch den Mangel des Ringes.
Leucohi'f/iUH H a ni p e.
L.falcatum K. Müll. Syn. I. p. 71». — Dozy et Molken)).
Bryol. Javan, I. ]). 15, t. 14.
Var. Haiune/isis. Caespites densiores. caulis brevior, folia
dorso minus scaberula.
Oahu; auf faulen Baumstämmen in Wäldern: Nr. 1G79.
Die nur in wenigen Exemplaren vorliegende Pflanze stimmt
in den wesentlichen Merkmalen mit der javanischen Normalform
iiberein, unterscheidet sich aber von ihr durch dichtere Rasen,
kürzere Stämmchen und am Rücken wenig-er warzig- rauhe
Blätter. Ich führe sie daher als eigene Varietät auf. Vielleicht
ergibt die spätere Untersuchung eines reichlicheren, namentlich
eines fructificirenden Materials unterschiede, welche die
Fixirung der Form von den Sandwich-Inseln als eigene Art
nöthig erscheinen lassen.
Grinuma Elirh.
G. Halincalae n. sp. Condensato - pulvinata ; pulvinuli
convexi, haud raro extensi, iutescenti-virides, inferne nigricantes.
»Surculi erecti, pluries dichotomi, basi stupa radicali cohaerentes.
Folia erecto-patentia, sicca crispula, lineari-lanceolata, com-
l)licato-carinata, iutegerrima, margine plana, nervo valido,
excurrente, in apiculum brevem, subhyalinum producto. Rete
basi e cellulis oblougo-rectangulis, diaphanis, apicem versus
sinuoso-quadratis, chioropbyllosis formatum. Flores fructusque
ignoti.
Maui; auf dem Gipfel und im Krater des Haliakala:
Nr. 1900, 1902.
Rasen dicht, kissenförmig, flach gewölbt, 5 — 6 Cm. im
Durchmesser, gelblichgrün, am Grunde scliwärzlich und durch
einen mehr oder weniger dichten Wurzeltilz zusammenhängend.
Wurzelhaare dunkelbraun, mehrfach gabelästig, aus Zellen mit
glatter Membran gebildet. Stämmchen aufrecht, 2 — 3 Cm. laug,
wiederholt verästelt, die einzelnen Innovationen 3 — 4 Mm. lang.
508 R c i c h a r (1 1.
Blätter angefeuchtet aiifreclit abstehend, trocken kraus, lineal-
lanzettlich, 2 Mm. lang, O'd Mm. breit, der ganzen Länge nach
zusammengefaltet. Eand flach, ganzraudig. Nerv stark aus-
laufend, in eine kurze, beinahe glashelle Spitze vorgezogen.
Zellen des Blattnetzes am Grunde länglich rechteckig, <)-025 Mm.
lang, dünnwandig, durchscheinend, im oberen Theile quadratisch,
0-003 — 0-004 Mm. gross, dickwandig, chlorophyllreich. Blüthen
und Früchte unbekannt.
Die Gr'ntinii<( Haliacdhic: steht der Gr. contorta Bruch et
Schimp. (Bryol. europ. III. t. 248, Schimp. 8yn. ed. II. p. 252.
Gr. hicnrva Schwägr. Suppl. I. p. 30, t. 97. — K. Müll. Syn.
I. p. 788) am nächsten, unterscheidet sich aber von ihr durch die
grösseren, flacheren, grünlichgelben Rasen, durch stärkere,
kürzere Stämmchen, namentlich aber durch die ihrer ganzen
Länge nach zusammengefalteten Blätter, sowie durch das
dichtere, namentlich im oberen Theile des Blattes aus kleineren
Zellen gebildete Blattnetz. Weitere Unterschiede dürfte eine
TJntersuchung der Blüthen und Flüchte ergeben, Avelche leider
an der vorliegenden Pflanze fehlen.
RhaconiitHiini B r i d.
Rh. lamigmosum Brid. Bryol. univ. I. pag. 215. — Bruch.
et Schimp. Bryol. europ. III. t. 2(i9. — Schimp. Syn. ed. 11^
p. 280. — Trir/iostoinioH l<inuyinn>ium Hedw. Musci frond. IIL
p. 3, t. 2. — Grimm'ui lnriuiihio.^d C ^lüll. Syn. I. }). BOß.
Var. Snndvicensis. Folia anguste lanceolata, acuminata,
apicem versus tenuiter hyalino-marginata et in pilum diaphanum
laminä aequilongum producta. Pilus dorso minute papillosus,
in parte inferior! carinatus, erectus, parum flexuosus, grosse
serratus, dentibus inaequalibus, latiusculis, hacilliformil)us, trun-
catis, pro more patentibus, rarius recurvatis.
Maui; auf dem Gipfel und im Krater des Haliakala grosse
Rasen bildend: Nr. 1901.
Die vorliegende Varietät des kosmopolitischen Rh. /n/m-
ginosum Brid. gleicht habituell vollkommen dicht rasigen
Formen aus unseren Bergen. Sie weicht aber im Baue und in
der Gestalt der Haarspitze nicht unwesentlich von ihnen ab und
Beitrag- zur Kryptog-anienflora der hawaiischen Inseln. 0b9
nähert sich in dieser Beziehung am meisten jener Form, welche
Carl Muller als Rh. Smtdaictiw beschrieb. (Verb. d. k. k. /oolog.
botan. Gesellsch. XIX [1809], Abh. p. 224.)
MdCf^omitf'iiini Bri d.
M. pififenim Schwägr. Suppl. II. II. p. 66, t. 172. —
K. Müll. %n. I. p. 730. — Sulliv. in Un. Stat. Explor. Exped.
IL p. 7. — Orthotrichum pUifcrum Walk. Arn. Dispos. method.
des monsses, p. 17. — Ulota pilif'era Neos, ab Esenb. in Nov.
Act. Caes. Leop. XVI. Suppl. II. (1843), p. 477.
Diese iür die Moosflora der hawaiischen Inseln charak-
teristische Art sammelte Dr. v. Wawra auf Oahu, wo sie in den
Umgebungen von Honolulu an Bäumen häufig ist: Nr. 1700, 1707.
Bryuin Üill. emend.
Bf. caespititlnm L. S})ec. plant. II. p. 1586. — Bruch, et
Schimp. Bryol. europ. IV. t. 374 et 375. — K. Müll. Syn.
I. p. 284. — Schimp. Syn. ed. II. p. 441. — Sulliv. in Un.
8tat. Explor. Exped. Bot. IL p. 10.
Diese beinahe kosmopolitische Art sammelte Dr. v. Wawra
auf Kauai um Kealea: Nr. 2033.
Die vorliegenden Exemplare stimmen auf das Genaueste mit
europäischen überein, so dass ioh über die Identität beider nicht
zweifelhaft bin.
Br. (Rhodohryum) (jiganteum Hook, in Schwägr. Suppl. IL
IL p. 21, t. 158. — K. Müll. Syn. I. p. 248. — Sulliv. in Un.
Stat. Explor. Exped. IL p. 9.
Kauai; in lichten Hochwäldern um Halemanu: Nr. 2133;
In Wäldern auf dem Waialeale in einer Höhe von ungefähr
1700 M.
Die vorliegenden Exemplare sind leider steril; es war mir
daher nicht möglich, den Bau der Frucht näher zu untersuchen.
Im Habitus und in den Blättern stimmen die Exemplare von
den hawaiischen Inseln ganz mit jenen aus Java und Ostindien
überein; ich folgte daher der Autorität SuUivant's, welcher die
Pflanze von den Sandwich-Inseln als Br. (jiganteum Hook
bestimmte. Sollten sich in Folge späterer Untersuchungen der
570 R e i c h a r (1 t.
Früchte Unterschiede herausstellen, so wäre für die vorlicg:ende
Art der Name Br. Sundviceme zu empfehlen.
Phlloiiotls Brid.
Ph. Tnrneriana. Mitt. in Journ. ofProceed. of Linn. Soc. I.
8uppl (1859) p. ^'2. — V. d. Bosch et v. d. Sande Lacost.
Brvol. Javan. I, p. 157, t. 127. — Bartrumia Turneriana
Sehwägr. Suppl. III. L t. 238. — K. Müll. Syn. I. p. 472.
Kauai; feuchte Felswände um die Wasserfälle von Hanalei
und Hanapepe: N. 2009 u. 2071.
Die vorliegenden Exemplare stimmen mit den Beschrei-
bungen und namentlich mit der citirten Abbildung- in der Bryologin
Jacdiiiva gut überein, so dass ich sie unter dem obgenannten
Nan)en aufführe ; Original-Exemplare der PhUonotis Turneridun
zu vergleichen hatte ich leider nicht Gelegenheit.
ShisiogoHlma Brid.
Rh. .spitfifonue Bruch in Flora XXIX., I. (1846), p. lo4. —
Hypnum spmiformeh. Spec. plant. II, p. 1587. — Hedw. Descr.
plant, cryptog. III. p. 59, t. 29. — Mninm spinif'orme K. Müll.
Syn. I. p. 175.
Oahu; in feuchten Schluchten: Nr, 1757. Kauai, in Wäldern
des Pohokupili: Nr. 2189.
Rh. j)unge7is SuUiv. Proceed, of Amer. Acad. of arts and
8cienc. III. (1854), p. 11. — Un. Stat. Explor. Exped. Bot. IL
p. 28, t. 20 A.
Diese sehr schöne Art, bisher nur von Puna einer an der
Westküste von Hawai gelegenen Localität bekannt, sammelte Dr.
V. Wawra an folgenden Standorten: Oahu, Nr. 1691 ; Kauai, um
Hanalei, von letzterer Localität reichlich fructificirend.
Weil die Früchte des Rh. pn/ifjr/is von SuUivant nicht
beobachtet wurden, so gebe ich in Folgendem eine kurze Beschrei-
bung derselben:
Früchte einzeln am Grunde des Stengels in der Achsel eines
der untersten Laubblätter. Scheidchen cylindrisch, 2 — 3 Mm.
lang, an der Basis schwach verdickt. Fruchtstiel schlank,
9 — 10 Cm. lang, schwach hin und her gebogen, glatt, in seinem
unteren Theile röthlichbraun, gegen die Spitze zu blasser.
Beitrug zur Kryptog-amenflora der hawaiischen Insehi. 571
Kapsel elliptisch, o Mm. lang, gekrümmt, glatt, dickwandig,
rothbraun unter der erweiterten Mündung eingeschnürt. Peristom
doppelt, sehr hygroskopisch; die Zähne des äusseren trocken
zusammenneigend, liueal -lanzettlich , lang und fein zugespitzt,
am Grunde gelblichbraun, gegen die Spitze zu beinahe farblos,
mit verhältnissmässig zarter querer Gliederung. Inneres Peristom
dem äusseren gleich lang, hellgelblich gefärbt, zu gleichen
Theilen aus einer deutlich kielfaltigen Basilarmembran und aus
16 spitzen, lanzettlichen gekielten, kaum merklich durch-
brochenen Fortsätzen gebildet, zwischen welche letztere je zwei
bis drei zarte, gegliederte, fein gekörnelte Wimpern eingeschaltet
sind. Sporen kugelig, 0.001 Mm. gross, lichtbraun, mit fein-
warzigem Episporium.
Neckerei H e d w.
N. Kealeensis n. sp. Gaules secundarii elongati, caesi)ites
planes, late extensos, nitentes, flavido-virentes formantes, remote
pinnati; folia disticlia, complanata, transversim rugulosa, e basi
assymmetrica oblongo-ligulata, acuminata, integerrima, apicem
versus minute denticulata, uninervia, nervo tenui , laminä con-
colori, medio laminae evanido; rete e cellulis minutis, in folii
basi elougatis, in i)arte superiori rhombeis, pachydermis formatum.
Inflorescentiae fructusque desiderantur.
Kauai: auf Felsen in Wäldern um Kealea: Nr. 2009.
Bildet weit ausgebreitete, flache, gelblichgrüne, glänzende
Käsen. Hauptstänunchen kriechend, fadenförmig, mit einem kurzen
dunkelbraunen Filze von Wurzelhaaren bekleidet. Stämmclien
zweiter Ordnung entfernt tiederästig, S — 10 Cm. lang, mit den
I Uättern 4 — 5 Mm. breit , steif, am Grunde nackt oder mit den
stehenbleibenden Resten der Blattnerven bekleidet. Fiederäste
3 — 6 Cm. laug, stumpf endend. Blätter zweizeilig, dicht gedrängt,
aufrecht abstehend, schwach quer runzelig, aus unsymmetrischer
Basis breit zungenförmig, 4 Mm. lang, 1 Mm. breit, deutlich und
scharf zugespitzt, einnervig, Nerv zart, der Blatttiäche gleich
gefärbt, l)is zur Blattmitte deutlich sichtbar, dann verschwindend.
Blattrand auf einer Seite vom Grunde an bis zur Blattmitte ein-
gebogen, sonst flach, ganzrandig, gegen die Spitze hin undeutlich
gezähnelt. Blattnetz aus kleinen dickwandigen, an der Basis
572 R ei c bar (lt.
lang'g'estreckten , im oberen Theile nindliehen oder rhombischen
Zellen i^ebildet. Bliithenstände und Friiehte unbekannt.
Diese Art steht der Neckera Lepineana Mont. (Ann. sc. nat.
Bot. ser. ;]. X. [1848], p. 107, Sylloge p. 23. — K. Müll. Syn. II.
p. 49. — Van der Bosch et van der S an d e Lac. Bryol. Javan. II.
p. 61, t. 181) am nächsten, nnterscheidet sich aber von ihr durch
die schwächer quer gerunzelten, einnervig-en, zugespitzten Blätter.
iV. Hillebrandtii n. sp. ^ Caules secundarii elongati , caes-
pites planos, late extensos, laete virides, nitentes formantes,
tenues, penduli, remote pinnati, rami saepe ramulos elongatos,
flagellifornies gereutes; foliadisticha, complanata, non transverse
riigosa, e basi assymmetrica oblongo - ligulata , acuta, basi inte-
gerriraa, apicem versus indistincte denticulata, enervia; areolatio
e cellulis minutis, leptodermis, basi folii elongatis, apicem versus
rhombeis formata. Inflorescentiae fructusque ignoti.
Maui ; in feuchten Schluchten des Wailuknthales: Nr. 1841.
Rasen locker, v^reit ausgebreitet, glänzend, freudig grün.
Hauptstämmchen fadenförmig, kriechend; Stämmchen zweiter
Ordnung hängend, zart, sehr verlängert, bis 12 Cm. lang, sammt
den Blättern 3 Mm. breit, entfernt und unregelmässig doppelt
tiederästig, die Spitzen der Aste und Astchen oft in fadenförmige
hin- und hergebogene Ausläufer verlängert. Stengelblätter zwei-
zeilig, nicht so dicht gedrängt, wie bei der vorhergehenden Art,
aufrecht abstehend, nicht quer runzelig, aus unsymmetrischer
Basis schnijil zungenförmig, 3 Mm. lang, 0-8 Mm. breit, spitz, im
unteren Theile ganzrandig, gegen die Spitze hin undeutlich
gezähnelt, Blattrand an einer Seite von der Basis bis zur Blatt-
mitte eingebogen, sonst flach. Nerv vollkommen fehlend. Blatt-
netz aus kleinen, dünnwandigen im unteren Theile der Blattfläche
verlängerten, im oberen rhombischen Zellen gebildet. Blätter
der ausläuferähnlichen Astspitzen und Ästchen sehr klein, linear-
lanzettlich, spitz, ganzrandig, kaum 0-5 Mm. lang. Blüthenstände
und Früchte unbekannt.
Diese Art sieht im Ganzen der N. Kenleensis ähnlich, unter-
scheidet sich aber von ihr durch die lebhaft grüngefärbten Rasen,
1 Nach Dr. WiHi. Hillebran d t in Honolulu, einem ^gründlichen
Kenner der Flora des hawaiisclien Archipels benannt.
Beitrag' zur Kryptog-:imenfioni der liavvuiischen Inseln. 073
durch die zartereiij häng-eiiden Stänimehen mit den oft zu Aus-
läufern Verlan g-erten Asten und Astclien , ferner durch die
spitzigen (nicht zugespitzten) nervenlosen Blätter. Weitere Unter-
schiede dürften die leider nicht vorhandenen Fructitications-
organe ergeben.
Honialia Brid.
H. dendroides — Neckera dendroides Hook. Muse. exot. I.
t. 69. — Sulliv. in Un. Stat. Explor. Exped. II. p. iM. — N.
Australasica K. Müll. Syn. II. p. 42.
Oahu: Nr. 1669.
H.praelouga\\.B\^. Dioica; caulis primarius repens, filiformis,
fusco-radiculo(>us; caules secundarii valde elongati, 3 — 4 dm.
longi, pluries innovantes, innovationes inferiores denudatae, omnes
bi - vel tripinnatim ramosae, ramulis densius laxiusve dispositis,
saepe in fiagella tiliformia productis. Folia caulina inferiora
parva, erecta, ovato-acuminata, integerrima, altiora sensim magni-
tudine increscentia, conferta oblongo-ligulata, obtusa, basi mar-
gine uno latere anguste infiexa, apice argute eroseque dentata,
uniuervia, costa tenuis concolor, medio laminae evanida. Folia
ramulina parva, ovata, obtusa, apice dentata, semicostata, folia
flag-ellorum minima, lanceolata, acuta, integerrima. Areolatio
foliorum omnium e cellulis pallidis, parvis formata. Planta
mascula non observata. Inflorescentiae femineae rarae, gemmi-
formes, folia perichaetialia externa parva, ovata, acuta, interiora
lineari-lanceolata, omnia enervia, integerrima. Archegoniapauca,
paraphysibus iis aequilongis ndxta. Fructus
Kauai; um Halemauu und Hanalei, ohne Nummer.
Rasen weit ausgedehnt, locker. Hauptstämmchen faden-
förmig, kriechend, schwärzlichbraun, mit einem kurzen Filze
von Wurzelhaaren bedeckt, Stänunchen zweiter Ordnung sehr
verlängert, 3 — 5 Dm, lang (^herabhängend?), aus 4 — 6 Inno-
vationen gebildet, im unteren, älteren Theile von Blät-
tern entblösst, zwei- bis dreimal fiederästig-, mit mehr oder
minder dichtg-estellten, 5—10 Mm. langen, oft in einen faden-
förmigen Ausläufer verlängerten Astchen. Untere Steugelblätter
klein, kaum 0.5 Mm. lang, aufrecht, eiförmig, zugespitzt, ganz-
randig, die höheren allmälig an Grösse zunehmend, dicht
Ö74 R e i c li a r d t.
gedrängt, zweizeilig, länglich, zungenförmig, 2 Min. lang, stumpf,
;irn Grunde ganzrandig und an einer Seite schmal eingebogen,
an der Spitze schari" und ausgebissen gezähnt, einnervig, mit
zartem, in der Glitte der Blattspreite verschwindendem Nerv.
Blätter der Astclien klein, eiförmig, 1 Mm. lang, an der Spitze
gezäiint, jeneder fadenförmigen Ausläufer sehr klein, O-.ö—O-o Mm.
lang, lanzettlich, spitz, ganzrandig. Das Blattnetz sämuitlicher
Blätter aus kleinen, blassen, am Grunde verlängerten, im oberen
Theile eiförmig-rundlichen Zellen gebildet. Scheint zweihäusig.
Männliche Pflanzen nicht beobachtet. Weibliche Blüthenstände
selten, in den Achseln der Stengel- und Astblätter sitzend, knospen-
förmig. Äussere Perichätialblätter klein, 0-2 — O-o Mm. lang,
eiförmig, spitz, innere lineal-lanzettlich, 0-8 Mm. lang, alle
nervenlos und ganzrandig. Archegonien wenig zahlreich, mit
fadenförmigen Paraphysen gemischt. Früchte unbekannt.
Die H. prae/ouf/a steht am nächsten folgenden Arten :
H. lignhief'olia Van d. Bosch et Van d. Sande Lacost.
(Bryol. Javan. II. p. 59, t. 179. — Neckeva lignlaef'olia Mitten
Journ. of Proceed. of Linn. Soc. Suppl. I. p. 119); //. scafpeKif'oliu
Van d. Bosch et Sande Lacost. (l. c. IL p. 60, t. 180. —
Neckerit scalpellifoUa Mitten 1. c. p. 119); endlich der H. Ititer-
luedia J. Angstr. (in Öfvers. of. k. Vetensk. Akad. Förhandl.
1872, p. 17.). Sie unterscheidet sich aber von all diesen Arten
so auffallend durch ihre ungemein verlängerten, aus mehreren
Innovationen aufgebauten secundären Stämmchen, ferner durch
die stumpfen an der Spitze ausgebissen gezähnten Stengelblätter,
dass an eine Verwechslung nicht leicht zu denken ist.
IfniadelpJiKs K. M ü 1 1.
M. W(iwr((e((uiis n. sp. Dioicus; laxe caespitosus, sordide e
flavescenti virens. Caulis procumbens, robustus, subsimplex.
Folia compressa, dense conferta, lineari-lanceolata, acuminata,
univervia, nervo tenui, sub apice evanido, humida valde undulata,
sicca crispa, integerrima, lind)0 angusto flavescenti cincta, e
cellulis majusculis, pachydennis, in laminae basi elongato-hexa-
gonis, apicem versus rotundatis contcxta. Planta mascula ....
Fructus solitarii. Folia perichaetialia exteriora ovata, interiora lan-
ceolata, omnia acuta, integerrima, emarginata, enervia, e cellulis
Beitrag- zur Kryptog-amenflora der hawaiischen Insehi. 575
leptodermis formata. Seta rcuato-ascendens, laevis, purpurea;
Capsula horizontalis, parva, brevicollis, ovoidea, laevis hrunnea
pachyderma, snb oriiicio constricta. Calyptra mitvaet'oiniis,
brevis, basi laciniata. Operculiim siibnlivostre. Annnlus . . .
Peristomii externi deiites lanceolato- lineares, flavo-ruti, dense
trabeculati. Peristomium internum exteriori aequilongiim, flave-
sceiis, raembraiia basilari ad medium producta, processibus cari-
uatis medio perforatis. Sporae rainutae, globosae, laeves.
Kauai; auf Baumstämmen in Wäldern um Kealea: Nr. 2024.
Rasen locker, flach, schmutzig' bräunlichgrün; Stämmchen
niederliegend, 2 — 3 Cm. lang, verhältnissmässig stark, einfach
oder seltener gabelästig, am Grunde mit einem mehr oder weniger
dichten Filze von braunen Wurzelhaaren bedeckt. Blätter dicht
gedrängt stehend, nach ''/^ angeordnet, aber zweizeilig aus-
gebreitet, so dass das beblätterte 'Stämmchen abgeflacht erscheint,
lineal - lanzetthch, 2— 2-5 Mm. lang, 0-5 Mm. breit, zugespitzt,
trocken kraus, angefeuchtet stark querrunzelig, ganzrandig, mit
zartem, bräunlichem Rande, einnervig, Nerv dünn, unter der Spitze
verschwindend. Das Blattzellnetz aus ziemlieh grossen, deut-
lich verdickten, am Grunde der Blattfläche länglich sechseckigen,
im oberen Theile derselben rundlichen Zellen gebildet. Berandung
der Blätter aus zwei bis drei Reihen langgestreckter, spindel-
förmiger Zellen mit sehr engem Lumen gebildet. Männliche
Pflanze unbekannt. Früchte am Hauptstämmchen einzeln.
Perichätialblätter 5 — 8; die äusseren eiförmig, 1 Mm. lang, die
inneren lanzettlich, 2 Mm. lang, sämmtliche spitz, ganzrandig,
ungerandet, uervenlos, aus zarten, länglich sechseckigen Zellen
gebildet. Scheidchen kurz, kaum 1 Mm. lang, dunkelbraun. Frucht-
stiel aus gekrümmtem Grunde aufsteigend, schlank, rothbraun,
2 Cm. lang, glatt; Kapsel horizontal, kurzhalsig, klein, 1 Mm.
lang, eiförmig, glatt, dunkelbraun, dickwandig, trocken unter der
erweiterten Mündung verengt. Deckel konisch, gerade und lang
geschnäbelt. Haube mützentormig, kurz, kaum die halbe Kapsel
deckend, blass, glatt, am Grunde kurz zerschlitzt. Zähne des
äusseren Peristomes zusammenneigend , lanzettlich zugespitzt,
dicht quer gegliedert, mit breiter mittlerer Längsspalte, roth-
braun. Basilarmembran des inneren Peristomes verhältnissmässig
stark entwickelt, halb so lang, als die Zähne des äusseren Peri-
570 H L' i c h a Y (l t.
stoiiis; Fortsätze des inneren Mundbesatzes breit lanzettlich, so
lauji;' wie die i!;isilarmend)ran. Sporen kii^clii;', klein, O-OOo Mm.
gross, mit dünnem, glattem Exosporiiim.
Der M. WawrneanuH steht dem M. contortif'oiius K. M. (Syn.
IL p. 2o), ferner dem M. torfilis (Distichop/u//hnn tortUc Dozy
et Molkenb. Bryol. Javan. IL ]>. 27, t. 152), weiters dem Mn.
undulatus {DktichophiiUnm uiidnlatinn Doz. et Molkenb. 1. c. IL
p. 28, t. 153) u. a. m. am nächsten unterscheidet sich aber von
allen durch die lineal-hmzettlichen Laubblätter, ferner durch die
Form der Perichätialblätter so autfällig-, dass an eine Verwechs-
lung nicht gedacht werden kann.
Hookerki Sm. ex }).
H. Sandvicensis n. sp. Monoica; caespites depressi, sordide
lutescentes; surculi procumbentes, ut ))lurimum simpliciter
pinnatim ramosi, ramis brevibus, subcompressis. Folia undique
laxe imbricata, ovata, in acumen longum, flaccidum protracta,
integerrima, enervia , ])allide viridia, mox lutescentia, e cellulis
elongatis, rliombeis, laevibus, leptodermisconflata. Inflorescentiae
masculae axillares, gennniformes, folia perigoniaiia caulinis similia
sed brevius acuminata. Sporogonia in surculo primario axillaria;
folia pericliaetialia lanceolata, exteriora brevius, interiora longius
acuminata, omnia ut folia perigoniaiia enervia, integerrima,
teneriusque reticulata. Seta gracilis, laevis, flexuosa, sicca tortilis,
purpurascens. C'alyptra mitraeformis, basi vix lacera. Capsula
e collo brevi glabro horizontalis vel subpendula, ovoidea, lepto-
derma, laevis, sub ore constricta. Peristomii dentes i)allidi,
dense trabeculati, sicci conniventes. Sporae globosae, 0.02 mm.
niagnae, laeves.
Oahu; an feuchten Felsen in den Pali genannten Schluchten:
Nr. 1729.
Rasen flach, glanzlos, gelblichgrün. Stämmchen nieder-
liegend, 3 — 5 Cm, lang, einfach, seltener doppelt tiederäslig.
Astchen kurz, 1 — 1-5 Cm. lang, wagrecht abstehend. Blätter
sich locker dachziegelförmig deckend, allseitig abstehend
eiförmig, 1 Mm. lang, in eine lange, hin und hergebogene Haar-
spitze vorgezogen, ganzrandig, nervenlos, häutig, lichtgrün oder
Beitrag zur Krypfogaiiieiifldra der hawaiischen Inseln. 577
gelblich gefärbt, aus zaitwaiulig-en, verlängerten rhombischen,
glatten Zellen zusammengesetzt. Männliche Blüthenstilnde
knospenförmig, am Hanptstämmchen, sowie an den Asten in
den Achseln der Lanbblätter zerstreut und eben so lang wie die-
selben. Perigonialblätter den Laubblättern ähnlich, aber kleiner,
zarter, und nur kurz zugespitzt. Antheridien wenig zahlreich,
keulenförmig, lichtbraun, mit beiläufig gleich langen Paraphysen
gemischt. Früchte am Hauptstämmchen achselständig ; Perichätial-
blätter lanzettlich, 2 Mm. lang, die äusseren kürzer, die inneren
länger zugespitzt, sämmtliche nervenlos ; ihr Zellnetz jenem der
Laubblätter ähnlich, aber zarter. Fruchtstiel schlank, hin und
hergebogen, 2 Cm. lang, röthlich braun, glatt. Kapsel horizontal
oder schwach überhängend, mit kurzem, glattem Halse, eiförmig,
1 Mm. lang, lichtbraun, dünnwandig, glatt, unter der Mündung-
schwach zusammengeschnürt. Haube mützenförmig, blass, am
Grunde nur schwach gelappt, Deckel geschnäbelt. Zähne des
äusseren Peristomes trocken zusammenneigend, blass, dicht und
stark quer gegliedert, mit deutlicher mittlerer Längslinie. Inneres
Peristom dem äusseren gleich lang, mit schmaler Basilarmem-
bran und zarten gekielten Wimpern. Sporen kugelig, glatt,
0-02 Mm. gross, lichtbraun.
Die H. Sdiidvicensis ist der Hookerui fhtvescens Hook et
(Irev. (in BreAvst. Edingb. Journ. of Sc. U. p. 29G, t. 5, f. 1. —
Schwaegr. Suppl. HL II. t. 277, — K. Müll. Syn. IL, p. 211)
am nächsten verwandt, unterscheidet sich aber von ihr durch die
lang zugespitzten, ganzrandigen, glatten Stengelblätter, durch
lanzettliche Perichätialblätter, durch die eiförmige Kapsel mit
kurzem, glattem Halse, endlich durch die am Grunde nur seicht
gelappte Haube. Die nervenlosen Blätter unterscheiden unsere
Art ferner leicht und sicher von anderen ähnlichen Species wie
Hookeria filiform Is Hook, (iu Spreng. Syst. Veg. IV. p. 197. —
K. Müll. Syn. IL p. 212), H. Quadelupeusis K.Müll. (1. c. II,
p. 212) und H. leptorhyucha Hook u. Grev. (1. c. II, p. 228, t. 5,
f. 2. — K. Müll, h c. ILp. 213).
Heniiragis B r i d.
H. or/ians n. sp. — Caulis procumbens, pinnatim ramosus,
ramis assurgentibus^ simplicibus vel parum ramulosis, apice
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. LXXV. Bd. I. Abth. 32
578 K e i c li .-1 V (l r.
cuspidatis. Folia nitidissima, aureo-i'usea, jiiiiiora vireiitia
undique densc iuserta. erecto imbricata, huinefacta patentia,
falcato-siibsecuiida, iuferiora minora, oblonii,a, siiperiora laii-
eeolato-linearia, pluries [2 — 4) di.stincte longitiidinablter i)licata,
uninervia, nervo rutb, temii , 8ub apice evanido, dovso calloso-
promineiite, superne serrulato, iiiargine plauiiiscula , di^tincte
arg-uteqiie biserrata. Areolatio e cellulis ang'ustissimis, iiicras-
satis, flavesceutibiTS, in laniinae parte inferiori flexnosis formata.
Infloreseentiae IVuctusque desunt.
Oahu; in Wäldern an Farnstänimen. Maiii; auf dem Waia-
leale: Nr. 2147.
Die Eingebornen iiflegen mit diesem schönen Moose ihre
Hüte zu schmücken.
Stengel niederliegend, 10 — 15 Cm. lang, lockere, weit aus-
gebreitete Rasen bildend, einfach, seltener doppelt tiederästig,
Äste 2 — 3 Cm. lang, mit den Blättern 5 — 6 Mm. dick, spitz
endend. Blätter dicht gedrängt, angefeuchtet aufrecht abstehend,
schwach einerseitswendig und manchmal etwas sichelförmig
gekrümmt, sehr stark goldbraun glänzend (ähnlich wie bei
Orthothecium ruf'escens S chpr.), die jüngeren manchmal grünlich
goldgelb gefärbt. Untere Stengelblätter kleiner, länglich,
2 — 3 Mm. lang, spitz, die oberen grösser, lineal-lanzettlich, l)is
5 Mm. lang, ungefähr 1 Mm. breit, in eine lange, sehr feine
Spitze auslaufend, in ihrem unteren Theile deutlich 2- bis 4mal
der Länge nach gefaltet, einnervig-, der Nerv rothbraun , dünn,
auf der Unterseite kielartig hervortretend, unter der Spitze ver-
schwindend. Blattrand flach oder im oberen Theile des Blattes
schwach zurückgerollt, in seinem ganzen Umfange scharf doppelt
gesägt, die Säg-ezähne der unteren Hälfte der Blattfläche meist
von mehreren Zellen gebildet. Das Blattnetz aus linearen, sehr
engen, dickwandigen Zellen zusammengesetzt, welche namentlich
am Grunde des Blattes oft unregelmässige seitliche Ausbuch-
tungen zeigen. Blüthenstände und Früchte unbekannt.
Obwohl die Hemirafji^ ornans nur steril vorliegt, so kann sie
doch mit Sicherheit als eigene Art angesprochen werden. Denn
sie unterscheidet sich durch folgende charakteristische Merkmale
von der zweiten bis jetzt l»ekannten Art dieser Gattung, der die
Antillen und die Anden Quitos bewohnenden He»urt(f/Is stri((fa
Beitr;ig zur Kryptogameiifloni der hawaiischon Inseln. 579
Brid. [Bryol. uuiv. IL p. 334. — Bescherelle in Ann. sc. nat.
Bot. 6. ser. III (1877), p. 242. — Leskca striata SchwägT.,
Supplem. I. IL p. 180, t.86. — Hypnum aureuni Lani. Encyclop.
meth. Bot. III. p. 172. — K. Müll. Syn. IL p. 386. — Hookeria
aurea Mitt. Musci Aiistro-amer. in Journ. of Linn. Soc. Bot. XII
(1869), p 384. — Harpophiilhint aurenni Spruce C'at.]
Die H. ornaiis ist grösser und stärker, bat breitere, einnervige,
sebarf und doppelt gesägte Blätter, deren einzelne Sägezäbne oft
von mehreren Zellen gebildet werden. Auch von einer dritten
noch unbeschriebenen Art dieser Gattung der in Guatemala vor-
kommenden Hcmiragis Fviedvichsthaliana Rchdt. ^ unterscheidet
sich die H. ormins leicht und sicher durch die oben angeführten
Merkmale.
Thuidium i^ c h p r.
T/i. (Taman'sri/f(() Haraiensc. — Hypinun ci/mhifoliiim Süll.
JJn. Stat. Explor. Exped. IL p. 17 (nee Dozy et Molkenb.)
Dioicum; caulis procmnbens, bi-vel rarius tripinnatim raraosus;
folia caulinn su1)laevia, e basi late ovata eoncava, plicata, in
1 Die Diagnose dieser im Herbare des k. k. botanischen Hofeabinetes
befindlichen Art sei hier annierkung-sweise beigefügt.
Hiniiirnyis Frtedrirlit.tlialiana. Caulis procnmbens , G — 8 cui. longus,
remote sinipliciterque pinnatiiu raiuosns , rauiuli apice obtusiuscuii. Folia
nitida, aureo-lutescentia, vel jimiora vireutia, erecto-pateutia, falcato-sub-
secimda. lanceolato-lineavia, 3 — 3-5 min. longa, pluries distincte longitudina-
liter plicata, binervia, nervis teuuibus, sub apice evauidis, calloso-promi-
ueutibus, non serrulatis, margiue reflexiusculo, indistincte deuticulato,
areolatio e cellulis angustissimis, leptodermis, pallide virescentibus couflata.
Perichaetia e caule priniario oriuuda, turgida. foliis caulinis breviora. Folia
perichaetialia externa parva, 0-5 mm. longa, orbiculato-ovata, breviter
acumiuata, interiora majora, 2 mm. longa, ovata, longe subulato-acuminata,
omnia estriata, enervia, integerrima e cellulis leptodermis, virentibus
formata. Pedunculus gracilis , 4 cm. longus, flexuosus, purpurasceus,
laevis. Calyptra . . . Theca iuclinata, breviter cylindracea, 1 mm. longa,
laevis, brunnea, leptoderma, sub ore constricta ; operculum convexum longe
acuteqne rostratum. Dentes peristomii exterui sicci reflexi, liueari-lanceolati
pallidi, candicantes, dense trabeculati lineä commissurali longitutiuali vix
conspicuäinterni iumembraua basilari flavida pellucidi, ciliaeformes. Sporae
globosae, laeves, pallide ferrugineae, 0-003 mm. magnae.
Guatemala, 1. P'riedrichsthal.
32*
5<S0 R e i c h a r d t.
acumeii longissimuin producta, uninervia, nervo sub acumine
evauido, niargine infra revoluta; folia ramuiina concava , ovato-
laiK'Colata, niargiiie dorsoqiie papulosa, evanidinervia; folia
pericliaetialia externa ovata, breviter acuininata, interna lanceo-
lata, in acumen longissimum piliforme, reflexo-flexuosum producta,
omnia exciirrentinervia, laevia, integerrima, non ciliolata;
Capsula in pedicello longo, laevi, siccitate non tortili inclinata
vel horizoutalis, oblongo - cylindrica, basi attenuata. Dentes
peristomii externi conniventes, pallide rufescentes, dense trabe-
eulati. .Sporae globosae, O-Ol mm. magnae, siibtiliter granulatae,
dilute ferrug-ineae.
Das Th. Havtdense scheint über den ganzen hawaiischen
Archipel verbreitet zu sein, denn SuUivant führt von ihm (1. c.)
zahlreiche Standorte auf. Dr. v. Wawra sammelte es auf Maui
in tinsteren Schluchten des Wailukuthales, wo es auf vom Wasser
bespülten Felsen oft mit Diimortieru trichocephala grosse Rasen
bildet.
Rasen weit ausgebreitet, bräunlich grün , matt. Stengel
niederliegend, 5 — 10 Cm. lang, dicht mit fadenförmigen, einfachen
oder verästelten, aus Zellreihen gebildeten Paraphyllien bekleidet^
doppelt, seltener dreifach tiederästig, die Fiedern erster Ordnung
entfernt, die Fiederchen zweiter und dritter Ordnung regelmässig
genähert. Stengelblätter zerstreut, abstehend, mit breitem,
eiförmigem Grunde, concav, gefaltet, in eine lange haarförmige,
hin und hergebogene Spitze ausgezogen , mit starkem unter der
Spitze verschwindendem Nerv, ganzrandig im unteren breiten
Theile zurückgerollt. Zellnetz der Stengelblätter am Grunde
aus verlängerten, im oberen Theile der 151attspreite aus quadrati-
schen kleinen Zellen mit beinahe glatter Membran gebildet.
Länge der Stengelblätter beiläufig 1 Mm. Astblätter concav,
eiförmig lanzettlich, 0-5 Mm. lang, mit schwachem unter der
Spitze verschwindendem Nerv, am Rande und Rücken feinwarzig,
ihr Blattnetz aus kleinen, quadratischen Zellen gebildet. Blüthen-
stand zweihäusig. Männliche Pflanzen nicht beobachtet. Peri-
chätien an der Hauptaxe axillär, eiföi-mig, 2—3 Mm. lang, ohne
Wurzelhnare. Äussere Perichätialblätter eiförmig, kurz zugespitzt,
0.5 Mm. lang, innere lanzettlich, '2 — 3 Mm. lang, in eine lange
hin und hergebogene, oft zurückgekrümmte Haarspitze aus-
Beitrag- zur Kr^-ptogamenflora der hawaiischen Inseln. 581
ji'ezog-eii, sänimtliche Pericliätialblätter ganzrandig, wimperlos,
ä^latt, ihr Blattnetz aus kleinen, quadratischen Zellchen gebildet.
Archeg-onien in den Perichätien zu 3 — 5, mit zahlreichen sie
überragenden Paraphysen gemischt. Scheidchen cvlindrisch,
2 Mm. lang, Fruchtstiel schlank, 5 — 6 Cm. lang, aufrecht unregel-
mässig hin und her gebogen, glatt, purpurfarbig, trocken nicht
gedreht. Kapsel horizontal oder geneigt, länglich cvlindrisch,
5 — 6 Mm. lang-, schwach gekrümmt, mit deutlichem Halse, dick-
wandig, glatt, rothbraun, unter der weiten Mündung eingeschnürt.
Haube, Deckel und Ring fehlend. Peristom gross, Zähne des
äusseren im Trockenen zusamniemieigend, lichtbraun, dicht und
eng quer gegliedert, inneres Peristom dem äusseren gleich lang-
ungefärbt, durchscheinend, Fortsätze desselben am Kiele meist
durchbrochen. Sporen kugelig, OOl Mm. gross, lichtbraun, mit
feinkörnigem Exosporium.
Das Th. Havaleuse steht dem Th. cymhif'oHum Dozy et
Molke nb. in Bryol. Javan. H. p. 115, t. 221 (Hypnum cymbi-
folium Dozy et M o 1 k e n 1). in Ann. sc. nat. ser. 3. 1. [1844] p. 300,
— K. Müll. Syn. IL p. 485) am nächsten und wurde namentlich
von Sullivant (ün. Stat. Exi)lor. Exped. IL p. 17) für dasselbe
gehalten. Es unterscheidet sich aber von der genannten Art bei
gleichem Habitus namentlich durch die Form der inneren Peri-
chätialblätter, welche bei Th. cymlßif'oUum unter der Spitze zer-
rissen gefranst sind, während sie bei Th. Havaieuse stets ganz-
randig erscheinen. Weitere Unterschiede zwischen beiden Arten
liegen in der verschiedenen Färbung der Rasen, im Fruchtstiele,
in der Färbung der Zähne des äusseren Peristoms, endlich in
in der Grösse der Sporen.
Entodou K. Müll.
E. Wilkesidiius. — Hypmim Wi/kesiauuni Süll, in Proceed. of
Amer. Acad. of scienc. et arts IIL (1854), p. 4 et in Un. Stat.
Explor. Exped. IL p. 19, t. 17 B.
Maui; im Wailukuthale auf Bäumen in schattigen AYäldern:
Nr. 1847.
Die vorliegende Art ist wegen der aufrechten, ungekrümmten
cylindrischen Kapsel kein Hypnum, sondern eine Art von Eufodon
K. M. (Cy lindrot heci um Schpr.)
.^''^2 Reichardt. Beitr. z. Krypto^'-ainciiriorii d. liawaiiscli. Inseln.
Brachytheviuni S c li p r.
B. mollicuhtiu. — Hypiiiun nioHii-Kliuii SuU. in Proceed. <»f
Amer. Acad, ol" Sc. and Arts III. (1S54), p. 8, — Ideni in Un.
Stat. Kxidor. Exi)ed. Bot. IL p. 14, t. 11, A.
K:uiai; in Wäldern um Kauai und Kealea: Nr. lÜOo.
Hypnuni Dill.
//. (jt'dciUsetuDi Hörn seil, et Reinvv. in Nov. Act. Caes.
Leop. XIV. II. 8uppl. p. 727. — Schwaegr. Snppl. III. I.
t. 220. — K. Müll. Syn. II. p. 312. — Van d. Bosch et Van
d. Sande Lacosta in Bryol. Javar.. IL p. 192, t. 201.
J. Ang'stroem in Öfvers. af. k. Veltensk. Akad. Förh. 1872
p. 15.
Kauai ; in Wäldern um Kaala : Nr. 2247.
H. (ircuanim Snlliv. Proceed. of Amer. Acad. 111(1854),
p. 4. — Un. Stat. Explor. Exped. Bot. IL p. 15, t. 12, A.
Oahu; auf Bäumen in den Pali genannten Schluchten:
Nr. 2519.
Das vorliegende Materiale ist spärlich, so dass ich bei dieser
Art der Bestinnnung nicht ganz sicher bin.
Uli acojj lltfui Pal. ß e a u r .
Jih. tuispiälgenim J. Angstr. in Olvers. ot'k. vetensk. Acad.
Förhandl. 1872 p. 20. — /li/pn/im cia^pidigenim Schwägr. in
Freycin. Voy. autour du Monde, Bot. p. 227. — K. Müll. Syn.
IL p. 14.
Maui; in feuchten Schluchten des Wailukuthales auf vom
Wasser bespülten Felsen: Nr. 1834.
583
Beiträge zur Kenntiiiss der Phyllopoden.
Von Dr. Friedrich Brauer.
(.Mil 8 Tafeln.)
Die naclisteliend aufgeführten und beschriebenen Crii.staeeen
erhielt ich grösstentheils aus Anfgiissen verschiedener Erden,
welche dem Boden von Reg-enlaciien entnommen und mir trocken
übersendet worden waren.
Durch Vermitthing- des Herrn Primarius Dr. Zsigmondy
erhielt ich von Dr. London Erde vom Grunde der Teiche bei
Jerusalem, aus welcher schon Bai rd * und S Fischer- inter-
essante Formen beschrieben. Herr Ludwig Hanns Fischer,
Landschaftsmaler sandte mir aus Tunis eine kleine Grundprobe
aus einer Kegenwasser- Ansammlung, Herr Custos Th. Fuchs
brachte von seinen Reisen in Griechenland und Egypten viele
solche Proben mit. Herr Professor M. Neumayr übergab mir
Erde aus Chalcis und Herr E. Marno übersendete zuerst in
einem Briefe eine kleine Partie Schlamm aus Chartum, aus
der sich eine grosse Apus-Art entwickelte und brachte bei
seiner Rückkunft eine Blechbüchse mit Erde und Pflanzentheilen
aus überschwemmten Gebieten der Tura el Chadra mit, aus
welchen sich ein ganzer afrikanischer Sumpf mit Villarsien,
Charen, Phyllopoden , Cladoceren, Copepoden, Ostracoden und
Würmern entwickelte. ^
Ich will hier vorläufig nur die Phyllopoden besprechen, die
ich von den verschiedenen Fundstellen erhielt und Einiges über
die einheimischen Arten beifügen.
1 Ann. and Magaz. of Nat. hist. 1S59.
3 Abh. (1. phys.-math. Classe d. k. bayerischen Akad. d. AVissensch.
Bd. VIII. (31) 1860, p. 647.
^ >Siehe E. Marno: Ein Aufenthalt in der Tura el Ciiadra. Zoolog.
(Tarten v. Noll, Nr. 1, 1877, p. 14. \
584 Brauer.
Die Criistaceeii der anderen Gruppen habe ich Herrn K o e 1 h e 1
zur Untersuchung- üheri;'ehen und tVüiier einig-e derselben Herrn
Professor Claus überlassen , der namentlich m Daphnui Atkin-
soni Baird aus Jerusalem (nicht wie Claus angibt aus EgV])-
ten) ein sehr g;eeignetes Object zur feineren Tintersuchung der
Schalendrüse und Eierstöcke fand.
Indem ich mir vorbehalte, später die einzelnen Entwicklungs-
stadien der hier beschriebenen Formen zu besprechen; denn hiezu
sind wiederholte Zuchtversuche nothwendig, gebe ich vorerst die
Charakteristik der neuen Arten.
Da es nicht immer so leicht gelingt^ wie bei Apus cancrifor-
mis und Branclüpiis st((fin(dis die getrockneten Eier durch Wasser-
aufgiessen zur Entwicklung' zu bringen, sondern bei verschiede-
nen Arten verschiedene Proceduren nothwendig werden, so will
ich in Kürze noch einige Bemerkungen hierüber machen, und
noch vorerst hervorheben, dass es in einigen Fällen überhaupt
noch nicht g-elungen ist, die Eier zur Entwicklung- zu bringen.
(Br. Gruhei J
Auch bei den leicht zu erziehenden Arten bemerkt man,
wenn die Eier lange in trockener Erde lag-eu, nach dem ersten
Aufgusse nur eine geringe Zahl von jungen Thieren und sehr
häutig bringt man diese nicht zur vollen Entwicklung wegen
Pilzbildungen, die um so mehr entstehen, je öfter die Nachzucht
getrieben wurde. Beide Übelstände lassen sich leicht vermeiden.
Macht man einen Anfguss und hat ?us der erweichten Erde durch
Aufwühlen die Mehrzahl der Eier zum Aufsteigen gegen die
Wasseroberfläche veranlasst, so kann man dieselben leicht mit
einem Schöpfer abheben und in ein anderes Glasgefäss über-
tragen. Da die Eier den Rand des Gefässes an der Wasserfläche
einnehmen, so ist es möglich , das Wasser mit einem Saugball(»n
aus Kautschuk zu entfernen und dieselben in dem neuen Gefässe
nochmals zu trocknen.
Man kann die Eier von Aptin cdiicrif'ormis, Branchipns
staf/nalis und tori'icornis der'grössten Sonnenhitze aussetzen.
Bringt man so getrocknete Eier gleich nach zwei Tagen
wieder mii Wasser in Berührung, so entwickeln sich fast alle
1 B uchhoitz. Schrift, d. Pliys. Oekon. Gesellsch. Küuissberg-,
V. Jjihr^-. 18t}4 p. 93.
Beiträge zur Kenntniss der Phjilopoden. 585
und wählt mau als Bodeusatz eiue uocli uicht im Ziuimer,
souderu auf freiem Felde getrocknete Erde , so wird der Vei'lust
der Thiere bei deren Aufzucht ein sehr geringer sein.
Für gewisse Arten scheint ein rasches Steigen der Tempe-
ratur des Wassers von 0° E. an zur Entwicklung der Eier eine
Hauptbedingung und sie entwickeln sich auch sicher, wenn
man diesen Vorgang einleitet. Bei allen Branchipus- Arten, die
im eisten Frühlinge in Schneewasseransannnlungen sich finden
(z. B. Cliirocephfdus Br<meriYY\\(\^)^ gelingt es die Eier durch
die Anwendung von Eis zur Entwicklung zu bringen. Es kommt
hier freilich noch ein anderer Umstand in Betracht, dass n<ämlich
diese Arten möglichst reines, von fremden Beimischungen freies
Wasser bedürfen. Anderseits ist ihr Vorkommen an den ersten
Frühling gebunden, da sie bei einer Temperatur des Wassers
über H-15° R. zu Grunde gehen und um diese Temperatur herum
ihre Entwicklung vom Nauplius aufw^ärts eine Verlangsamung
und einen Stillstand erfährt.
Mehrere Individuen der genannten C/iirocephalus-Art blieben
bei -+-15° R. durch drei Wochen unverändert und erlangten,
als sie in ein kaltes Locale gebracht wurden, wo die Temperatur
nur -+-9" und Nachts noch niedriger war, in zwei Tagen die (Ge-
schlechtsreife. Bei geeigneter Teniperatur dauert die Entwicklung
dieser Art vom Nauplius an nur 12 Tage.
Man kann die Eier stets zur Entwicklung bringen, wenn man
den Versuch folgendermassen einrichtet. Man füllt das Zuchtglas
bis zum Rande mit klein zerschlagenem Eise, welches vorher im
Wasser rein gewaschen wurde und streut nun die trockene Erde,
welche die Eier enthält, auf die Oberfläche des Eises, so dass
während des Schmelzens desselben die Eier langsam mit der
Erde zu Boden gleiten.
Das Eis muss trocken in das Zuchtglas gelegt worden sein,
und um das Schmelzen zu verlangsamen und den Staub abzu-
halten überdeckt man dasselbe mit einer Glasglocke.
Ist für viele Arten diese Ziichtmethode ausschliesslich noth-
weudig, so überzeugte ich mich wiederholt, dass sie auch für die
Eier anderer Arten, die man sonst auf gewöhnlichem Wege zur
Entwicklung bringt, sehr günstig wirkt, sei es, dass das rasche
Steigen der Wassertemperatur die Entwicklung der Eier anregt,
58(5 J>i;iuer.
oder die Ueinheit des "Wassers. Beispielsweise kann ich erwjiliiicii,
dass es mir diircdi wiedei'lioltes Aufgiessen und Trttckiien der
Erde, welche icli durch Herru Fischer aus Tunis erhielt, nicht
gelang- die Branchipus-Eier zur Entwicklung zu bewegen. Als
der Versuch in oben geschilderter Weise mit Eis eingeleitet
wurde — wozu ich mich, des Vorkommens der Art wegen,
schwer entschloss — lieferte er ein günstiges Eesultat.
Für Apiis cancriformis, Bntnchipux staf/nf(/f,'< und torvicor-
nis wirkt das Gefrieren des Bodens dem Austrocknen gleich und
sie entwickeln sich in warmen Frühjahrstagen in den Schnee-
wasserlachen gerade so wie im Hochsommer in warmen Regen-
lachen. Sehr häufig gehen dieselben bei Rückschlägen der Tem-
peratur aber im Frühlinge zu Grunde. Die überdauernden Indi-
viduen erreichen dann stets eine bedeutendere Grösse als
zur Sommerszeit (besonders Apus cancri/'orniis und Brittichipus
forvicornls) , da solche Wasseransammlungen lange anhalten
und die Feinde der Phyllopodeu darin erst später überhand
nehmen (z. B. Käferlarven), dagegen das Laich der Frösche und
Kröten sowie die Kaulquappen ein erwünschtes Futter für Apus
bilden.
Bei gewissen Arten scheinen die Eier ein vollständiges Ver-
trocknen des Bodens nicht vertragen zu können, das Auskriechen
des Nauplius jedoch erfolgt während des Aufthauens des gefror-
neu Bodens.
Die Eier von Lepidurns prudiictm Bsc, welche mit Erde
getrocknet wurden, kamen nie zur Entwicklung, weder durch
Eisanwendung, noch durch längeres Einfrieren und rasches Auf-
thauen. Die Untersuchung zeigte, dass sie durch das Eintrock-
nen getödtet waren. Eine zweite Partie Eier, welche in feuchter
Erde in einer öfter gelüfteten Duustkanirner, vom April bis
December aufbewahrt und dann dem Gefrieren durch 14 Tage
ausgesetzt wurde, lieferte beim Eintritt des Thauwetters im
Januar bei -h 5° R. eine so grosse Zahl Nauplius (circa 20U), dass
i(di kaum zweifelte, alle vorhandenen Eier seien zur Entwicklung
gelangt und die j\[ethode der Zucht müsse nahezu den Vorgängen
in der Natur entsprechend gewesen sein. Wenn man festhält, dass
Lepidurns productiis sich stets in Lachen im Frühjahre auf für
Wasser undurchdringlichem Moorgruiid findet, dessen schwarze
Beiträge zur Kenntniss der Plijilopoden. 587
Erde selten nn<l nur oberHächlich ganz trocken wird, so vermag-
man sich auch das meist getrennte Vorlvommen beider A])iis-
Aiten zu erklären und das locale Vorkommen von Lepidiira.^
pro(li(Ctiis.
Die Eier von letzterem bedürfen eines eigenen Bodens d. i,
Moorboden und zur Entwicklnng einer niederen Temperatur; die
Eier von Apus können sowohl Moor- als Lehmgrund vertragen,
da aber Moorboden selten ganz und nur obertiäehlich trocken
wird und die Teniiieratur nach dem Thauen des Eises im Früh-
linge keine solche Höhe erreicht, wie sie für Apns cancrif. gün-
stig ist, so findet sich derselbe da seltener und nur in manchen
Jahren, während Lepidnrus productns wieder überall da aus-
geschlossen ist, wo kein Moorboden sich findet, in welchen
Gegenden nur Apus ca)icrifonins möglich ist, wesshalb dieser
im Allgemeinen verbreiteter ist, weil er auch da vorkommen
kann, wo sich Moorgrund findet.
Auf der Parndorfer Heide sind beide Arten, aber selten bei-
sammen in einer Lache, meist, wenn man die Zahl der Individuen
in Betracht zieht, getrennt, und es lässt sich das nur durch die
verschiedenen Vorgänge, die der Boden der Lache während des
Jahres durchzumachen hatte, erklären, da eine Feindschaft beider
Thiei'e nicht in Betracht kommt. Die Fundstellen für Lepidnrus
pi-oductus sind tiefere Wassergräben, und grosse Wasseransamm-
lungen, die eine Tiefe bis über eine Klafter erreichen. Beim Zurück-
gehen dieser Lachen theilen sie sich in verschiedene seichtere und
tiefere kleine Becken. Konnnen hier beide Arten vor, so stammt
Apus cuncrif. sicher von den Randbecken, die oft vollkommen
tiockeu werden oder frieren und Lepidurus von den tieferen
Stellen, die wohl stets feucht sind und nie stäuben. Wie ich
bereits in meiner ersten Arbeit x\h&\' Lepidurus productushtiwQY^^Xe,
entwickelt sich das Ei nur nach Ablauf eines Jahres, während
das von cancrif'ormis zu allen Zeiten zur Entv/icklung kommt.
Der Versuch, P^ier von Lepid. productus im Sommer durch
künstliche Eisbildung und durch längeres Aufbewahren in kalten
Räumen zur Entwicklung zu bringen, wurde nicht gemacht,
dürfte aber wohl nicht ungünstig ausfallen. Die oben für Bran-
chipus- Arten beschriebene Methode mit Eis hat für Lep. productus
keinen Erfolg gehal)t, wohl aber nur desshalb, weil hie bei das
588 Brauer.
Ei nicht eintViert iiiul die niedrige Tenipcratiir nur kurze Zeit ein-
wirken kann. Der entwickelte Lcpiduriix protlurtiis verträgt nur
eine Temperatur /wischen ()°und h- 14° K. Steigt dieselbe weiter,
so kommen die Thiere zur Wasserfläche, nehmen Lutt unter den
Schild und sterben gewöhnlich in dieser Position.
Aus dem Schlamme von Chartum und vom Bahr el Abiad
entwickelten sich nach dem ersten Aufgusse mit an der Sonne bis
-+- 20° R. erwärmtem Wasser nur wenige Apus-Eier; nach dem
Abheben der Eier von der Oberfläche und nochmaligem Trocken-
legen derselben aber eine bedeutende Zahl dieser sowie auch
jene der andern Arten und Gattungen.
Von einigen Phyllopoden (Chirocephalus diaphattus nach
Jurine) ist es sicher erwiesen, dass sich die Eier auch ohne
trocken gelegt worden zu sein, nach längerer Zeit (4 — 7 Mona-
ten) entwickeln, die jungen Thiere aber dann selten fortkommen,
weil ihre Feinde mittlerweile im Aquarium sehr zahlreich
geworden sind, z. B. Cypris und ein mit fremden Bestandtheilen
reich gemischtes Wasser den jungen Thieren nachtheilig ist.
Solche Arten gleichen in dieser Hinsicht den in Salzwasser
lebenden Artemien, deren Eier ein Vertrocknen ertragen, aber
dasselbe nicht nothwendig haben. Da die Phyllopoden sich im
Allgemeinen vom Naupliusstadium an schneller entwickeln als
alle übrigen Crustaceen der Kegenlachenund ebenso weit rascher
als Insecten, so ist die Eigenschaft der Eier , das Trocknen zu
ertiagen, für die Art von doppeltem Vortheile, denn erstens wird
das Aussterben derselben verhindert, da die Arten auf Regen-
lachen angewiesen sind und zweitens vermögen sie allen ihren
Feinden in der Entwicklung vorauszueilen und sind in der neu
mit Wasser gefüllten Grube die Alleinherrscher. Erst viel später,
wenn sie längst Zeit gefunden haben, sich zu vermehren, sind die
Feinde so mächtig, dass sie ihnen sciiaden können.
Schliesslich erwähne ich noch , dass reines Kegenwasser
wold sehr vortheilhaft für die Zucht von Sommer- Phyllopoden,
dasselbe aber in Städten schwer in brauchbarem Zustande
in grosser Menge zu erhalten ist, übrigens von mir im flltrirten
Zustande mit günstigem Ertolge angewendet wurde.
Bei allen Zuchten hat man indess genau die Boden\ erhält-
nisse zu berücksichtigen, unter welchen die Art in der Natur sich
Beiträge zur Kenntniss der Phyllopoden. o8^
findet. In Beireff der Fütterung- berufe ich mich auf das in diesen
Berichten bereits Mltgetlieilte.^
Apiis (Uspar n. sp.
Kückenschild fast kreisrund, wenig- dachförmig-, flach, mit
vollständig-em, starken, dicken Längskiele, beim Manne Va»
beim Weibe Vg ^^ ^^'^S ^^^ '^^^' ganze Körper, sein Rand mit
schwarzem feinen Saume, die Schalendrüse sehr deutlich, gross.
27 (Weibchen) bis 30 (Männchen) Segmente oben vom Schilde
unbedeckt. Schildausschnitt nicht sehr tief, an dem concaven
Rande circa 24 Zähne jederseits (48 — 50 im Ganzen). Die Zähne
in der Mitte des Ausschnittes fehlend oder sehr klein, dann nach
aussen sehr klein beginnend und bis zur Ecke allmälig grösser,
angedrückt und nur bei stärkerer Vergrösserung deutlich, mit der
Loupe der Rand fast ungezähnt erscheinend. Ecke scharfspitzig.
Leib schlank, nach hinten etwas schmäler und die Segmente
verlängert. Das letzte Segment beim Weibchen seitlich nach hin-
ten kaum, beim Männchen stark verbreitert und abwärts geneigt.
Männchen mit 12, Weibchen mit 11 fusslosen Segmenten. Jeder
Ring trägt oben circa acht Dornen und nebst diesen an der
Unterseite in der Mittellinie eine Gruppe kleiner Dornen in circa
fünf unregelmässigen Reihen.
Geissein des ersten Fusspaares lang, die längste von der
Länge des Rückenschildes. Scbwanzborsten beim Weibchen so
lang, beim Männchen kürzer als der vom Schilde nicht bedeckte
Körper. Alle Ringe derselben bis zur Mitte mit einem dichten
Kranz von Dornen.
Scheerenfüsse nach dem Typus von jenen des J. cancriformis
bebaut. Das zweite und dritte Fusspaar (d. i. erste und zweite
Scheerenfusspaar) beim Männchen viel länger und stärker als
beim Weibchen, zu Klammerfüssen umgestaltet. Von den beiden
langen Armen der Endscheere ist der dicke in sägeartigen Ab-
sätzen gezähnte Arm beim Männchen um die Hälfte des haken-
artigen dünnen Armes verlängert und mit neun dicken Zähnen
bewehrt, während der dünnere aussen mit Fiederhaaren besetzt^
» Bd. 65, 1872.
590 Brauer.
iinicii bis zum Grunde ieiiispitzig' ii'ezälnit ist. Beiii) Weil>phen
siiul l)ci(le Arme fast gleieli lang und der säg-eartig gezahnte
stumpfe Arm ist sogar dünner als der hakige , dessen Basis
verdickt ist. Die Eiertasehe des Weibchens ist klein, überragt
etwas den Schildrand, die Eier sind braun, sehr klein. Die ganze
Farbe des Thieres ist blass iederbraun, der ganze Vorderrand
des llückenschildes und die Seiten des Leibes sind schön silber-
glänzend, der letzte Ring", besonders beim Manne, sowie der
Grund der Schwanzborsten schmutzig -sdiarlachroth. Männchen
und Weibchen in gleicher Zahl. Die Begattung ähnlich wie bei
Aj)ns cancriformis, nur umschlingt das Männchen mit seinem
langen Leibe das Weibchen viel fester und iiält sich mit den
kräftigen Scheerenfüssen am Rückenschilde.
Die getrockneten Eier entwickelten sich bei mir im Aut-
g:usse nach 24 Stunden zu einem Nauplius, der dem von Cancri-
formis äimlich und sehr lebhaft war, er häutete sich nach
24 Stunden und dann erfolgten täglich zwei Häutungen, so dass
die Thiere nach 14 Tagen (vom 17. Juni bis 1. Juli) geschlechts-
reif waren und die Weibchen bei kaum 5 Mm. Schildlänge schon
Eier in den Taschen zeigten. Ich erhielt sie bis 2. August lebend,
wo das Männchen ohne Schwanzläden 20, das Weibchen 15 Mm.
Länge erreicht hatten. Ihre Grösse blieb zuletzt trotz wiederholter
Häutungen fast stationär.
Gezüchtet aus Schhunm aus Oni kenena an der Tura el
Chadra Von Herrn E. Marno an Ort und Stelle nicht gefunden.
Aptis sudauicus n. sp.
Rückenschild fast kreisrund, sehr wenig dachförmig, flach,
mit vollständigem starken Mittellängskiel, beim Manne die Hälfte,
beim Weibe •''/. des Körpers ohne die Schwanzfäden bedeckend;
die Schalendrüse sehr deutlich, gross. Couvexer Rand des
Schildes mit feiner schwarzer Saumlinie. 19 — 21 (Weibchen) bis
23 (Männchen) Segmente oben vom Schilde unbedeckt. Schild-
ausschuitt halbkreisförmig-, klein, an dem concaven Rande Jeder-
seits 19 bis 25 (im Ganzen daher circa o8 bis 50) fast gleich
grosse dreieckige kurze Zähne, zwischen welchen hie und da ein
kleineres Zähnchen alternirend gestellt ist. Am Ende des Kieles
ein von den ^'rösseren Zähnen kaum vei'schiedener Enddorn.
Beiträge zur Kenutniss der Phyllopoden. 591
Eckdoni etwas auswärts g-erichtet dureh die Aiiswärtsschwiug-ung
des Scbildrandes an der Aussenseite. Alle diese Zähne viel
kleiner und gleiehmässiger g-ebildet als bei Apus caucriformis.
Leib schlank, nach hinten wenig schmäler. Die 19 oder 20
(Weibchen) Segmente hinter dem Scliildausschnitte, und zwar
vom dritten hinter dem Ausschnitt angefangen, oben am Hinter-
rande mit circa acht Dornen, unten nebst diesen mit melireren
Reihen sehr kleiner brauner Dornen umgürtet. Letzter Ring nicht
abwärts geneigt, und in beiden Geschlechtern fast gleich. Hinter
der Mitte ein grösserer Dorn, am Hinterrande oben circa vier
kleinere, und am Orunde jederseits 2 — 3 Dornen.
Männchen mit neun, Weibchen mit acht fusslosen Segmenten.
Geisselu des ersten Fusspaares lang, die längste die halbe Körper-
länge erreichend; Schwanzfäden sehr lang, die ganze (Weibchen)
oder */-, (Männchen) dieser erreichend, am Grunde dick, am Ende
allmälig sehr fein, die Glieder mit einem Gürtel dicht stehender
kleiner Dornen und zuweilen einem solchen Hnlbgürtel in der Mitte.
Zweites Fusspaar sowie das dritte (erstes und zweites Scheeren-
fusspaar) bei Männchen und Weibchen ziemlich von gleicher
Stärke, doch namentlich am ersten Scheerenfuss des Mannes der
stumpfe Arm der Scheere fast doppelt so lang ^ als der hakige;
beim Weibe der erstere nur etwas über den Hakenarm hinaus-
reichend oder gleich lang. Eiertaschen des Weibes sehr gross,
vom Schilde bedeckt, Eier rothbraun, gross. Farbe des ganzen
Thieres bleich lederbraun, unten roth, Beine fast weiss, zuweilen
grünlich, Leib an den Seiten mit schwachem Silberglanz. Dornen
und Grundtheil der Schwanzfäden dunkel kastanienbraun.
Körperlänge ohne Schwanzfaden 30 — 40 Mm., Schildlänge
18 — 22 Mm., Eiertaschen sechs Mm. Durchmesser.— Von Herrn
Marno bei Cliartum entdeckt und später auch aus Om kenena in
der Tnra el chadra am Bahr el Abiad 14° n. Br. gefunden. Die Art
entwickelte sich aus einem ziemlich grossen rothen länglichen
Nauplius in K) — 20 Tagen zur Geschlechtsreife, also nahezu
ebenso rasch als A. dispar und konnte im Aquarium vom 6. Juni
bis 10. October lebend erhalten werden. Die Temperatur des
Wassers hatte zuletzt nur -+- 10° R.
1 T'irca IG Glieder zeigend.
592 Brauer.
Während diese Art ra!<(3li gleiclimässig- an Grösse znnahni,
wuchs die andere (A. (/ispar) schon anfangs so vorwaltend in die
Länge, dass ich schon makroskopisch beide Arten hahl unter-
scheiden lernte und sie trennen konnte, ich glaubte aber anfangs
nur Formen einer Art vor mir zu haben, hielt überhaupt beide für
Apns nuini (Ileus Grube • und bezeichnete meine Formen als A.
numidicHS longns et brevis. Die Abbildung die Grube gegeben,
passt auf beide Arten, die Beschreibung mehr auf A. dispar.
Da Grube nur unentwickelte Thiere untersuchen konnte,
so lässt sich schwer entscheiden, ob er eine dieser beiden Arten
vor sich gehabt hat, wohl aber gehört A. iiumidicus Gr. sicher in
dieselbe Gruppe, welche Afrika eigenthümlich ist. Da ich aus
einem Orte schon zwei sicher verschiedene Arten erhielt, so ist
es wahrscheinlicher, dass. 4/7//.9;«//m;V/«v/.9 Gr. aus Algier als eigene
Art festzustellen sein wird, sobald man reife Thiere zur Untersu-
chung erhalten wird. — Da Grube die fnsslosen Segmente
wechselnd angibt, 11 — 14, so wäre es auch möglich, dass hier
eine Mischart vorliegt.
Alles, was ich früher über A. numidicus angegeben habe, -
ist daher nur irrthümlich auf diese Art bezogen worden; es ge-
hören diese Maasse zu Apns sndanicns m., den ich damals der
Ähnlichkeit wegen für die Art Grabes hielt. Interessant ist, dass
bei beiden afrikanischen Arten die Männchen in gleicher Anzahl
wie die Weibchen erscheinen, während bei den europäischen
erstere sehr selten und nur in bestimmten Colonien vorkommen.
In dieser Hinsicht scheint der noch wenig beobachtete Lepidu-
rus Luhbockii m. aus Palermo eine Ausnahme zu sein; denn man
erhält in Sendungen in Alkohol stets beide Geschlechter.
Zusatz zu Aptis cdiicriforniis.
Nachdem ich mich bei den afrikanischen Arten hinreichend
von einer geschlechtlichen Verschiedenheit der ersten Scheeren-
füsse überzeugt hatte, und durch deren vorzügliche Ausbildung
bei Apus dispar darauf aufmerksam wurde, so untersuchte ich
1 Arch. f. Naturgeschichte u. T rose hei, T. 31, p. 277, 18(J5.
~ Diese Sitzb , Bd. (35.
Beiträg-e zur Kenntiiiss der Pliyllopoden. 593
säiiimtliclie Mäunclien der hiesigen Art auf diesen Unterschied
und fand, dass die Auszeichnung nicht allen männlichen Indivi-
duen zukommt. Ich besitze solche, bei denen der stumpfe Schee-
renarm einer Geissel ähnlich und fast doppelt so lang- ist als der
hakige, welch' letzterer nicht bis zum Grunde kammartig gezahnt,
sondern an der Basis des Innenrandes nur behaart erscheint,
ferner solche, bei denen der stumpfe Arm den hakigen um des-
sen halbe Länge überragt (die gewöhnliche Form), und solche,
bei denen er mit dem Haken fast gleich lang ist — die weib-
liche Form.
Bei allen Weibchen sind beide Arme am ersten Scheeren-
fuss fast oder ganz gleich lang. Immerhin wäre zu beachten, ob
die Verlängerung des einen Scheerenarmes nicht für das Männ-
chen bei dem Befrnchtungsacte von Vortheil sei, wodurch das
Erscheinen voii ■Männchen häutiger werden könnte. Die gleiche
Zahl beider Geschlechter bei den tropischen Arten scheint diese
Ansicht zu unterstützen, sowie die besondere Entwicklung der
Scheeren des ersten und zweiten Paares bei Apus dispar. Somit
hätten wir einen Dimorphismus der jVLännchen bei Apns cancri-
fbr»iis zu berücksichtigen. — Die Vermehrung der fusslosen Seg-
mente ist zwar bei den Männchen gewöhnlich, doch findet sich
häufig der vorletzte Hing nur einseitig entwickelt, uiid anderseits
habe ich unter einigen riesigen Weibchen die Zahl der fusslosen
Segmente zwischen fünf und sechs schwanken gesehen. Immer-
hin ist aber eine Verminderung und Vermehrung der sechs fuss-
losen Ringe des Weibchens als Ausnahme aufzutassen, da man
Hunderte von Individuen prüfen kann, ehe man ein abweichendes
antriift. Die Eegel ist: sieben Segmente beim Manne, sechs beim
Weibe fusslos.
Brandilputi (Cliirocephaliis) Balrdi n. sp.
Diese Art wurde zuerst von Baird^ aus Schlamm gezogen,
welchen derselbe aus Jerusalem nach England geschickt erhielt,
aber nicht beschrieben, Sie steht in der Mitte zwischen Branchi-
piis birostratns F i s e her, aus Charkow u. B. Claoiger Fisch, aus
1 Ann. and Ma,^az. of Nat. Hist. London 185i».
Sitzb. d. mathem.-naturw. Ol. LXXV. Bd, I. Abth. 33
594 Brauer.
einer Pfütze am Taiinyr-Flnss in Sibirien, ist aber von beiden
Arten gut zu unterscheiden. Wälirend das Endstück der rireif-
füliler des Männchens dem von Cluvif/er gleicht, sind die finger-
tragenden Rüsselfortsätze des Basalstückes ähnlich denen des
Blrnstrntus. Der stumpfe Fortsatz am ersten fiisslosen Ring des
Weibchens von B. birostratus erscheint hier ebenfalls als ovale
Blase jederseits neben der Eiertasche. — B.Gruhei üybowsky^
ist von unserer Art hinreichend verschieden, sein Tentakelorgan
viel breiter am Ende und die Antennen des Weibchens sind
eigenthümlich.
Männchen: Kopf breit, vorne stark gewölbt, mit dem ecki-
gen Stirnauge. Die ersten Antennen dünn, ziendich lang; kein
mittlerer Stirnfortsatz. Greitfuhler mächtig entwickelt, aus zwei
gelenkig verbundenen Stücken zusammengesetzt und sehr com-
])licirt gebaut. Basaltheil sehr l)reit und dick, anfangs nach aussen,
dann nach vorne gebogen. Am Grunde an der Unterseite mit einem
dicken cylindrischen, an der Spitze rund geknöpften Fortsatz,
der bei starkem Offnen der Greitt'iihler nach aussen, bei starker
Schliessung nach innen absteht und dann auch bei oberer An-
sicht bemerkt wird. Einen ähnlichen Fortsatz besehreibt F i s c h e r
bei Brancli. clavUjev (Middendff. Sibirisch. Reise II. p. 150). Das
kugelige freie Ende ist mit sehr kleinen schuppigen Rauhigkeiten
bedeckt. Am Innenrande des Rasaltheiles findet sich eine blasige
Tasche, deren freier Rand nach vorne la])pig erscheint und schief
abgestutzt ist. Man sieht am Rande der längeren Aussenseite
3 — 4 zahnartige Warzen und an der Innenseite circa fünf lappige
Wülste. Diese blasige Tasche — häutige Ausbreitung F i s c h e r s -
— schliesst das schneckenartig gewundene, tentakelartige Organ
ein, das sehr breit bandartig oder zungenäindich, am Ende
stumpfspitzig erscheint, wie es Fischer für B. hirostratun
angibt. Es ist undeutlich in zwölf Glieder getheilt, an denen
etwas unsymmetrisch aussen zehn, innen nur neun tingerähnliche
blasige Fortsätze sitzen indem die Basis innen ohne Fortsatz
bleibt. Die letzten zwei Fortsätze an der Spitze sind successive
1 Archiv, f. Naturg. ISGO.
2 Eine ähnliche Scheide für das tentakelartige Organ zeigt auch
Ckiroct'phdlus diaphaniis Jiiriue. Siehe dessen Abbildung.
Beiträge zur Keimtniss der Phyllopoden. o95
kleiner und spitz. In der ganzen Haut sind kleine Chitinstäbe
eingestreut und im Innern verlaufen mehrere Muskelbiindel. Voll-
kommen gestreckt, überragt das Organ den Basaltheil. — Der
End- oder Zangentheil derGreittuhler ist stark nach innen gebo-
gen. Am breiten Grunde, mit welchem er an den eckig abgestutz-
ten und innen ausgeschnittenen Basaltheil eingelenkt ist, steht
nach innen und oben ein breiter Forlsatz, der etwas um sich selbst
gedreht ist und starke Zähne trägt. Der nach aussen stehende
Zahn ist schlank und spitz, dann folgen nach innen ein Doppel-
zahn und mehrere (fünf) kleinere Zähne. Durch die Drehung
des Fortsatzes erscheint die Bewaffnung desselben bei jeder
anderen Stellung sehr verschieden. — Gegen das Ende wird das
Endstück bedeutend dünner und die Spitze selbst ist auswärts
gebogen und am concaven Rande beilförmig von dem dünnen
Ende abgekröpft, genau wie es Fischer für B. claviger angibt.
Körper im Ganzen und die tusslosen Segmente ziemlich
breit. Schwanzfäden breit am Grunde, so lang als die vier letzten
Ringe, gerade, s})itz. jederseits mit langen Borsten dicht bewim-
pert. Farbe weissgelb, Schwanzende menuigroth. Länge 20 Mm.
Weibchen: Kopf sehr breit, vorne gewölbt mit dem ecki-
gen Stirnauge. Die erste Antenne kurz, etwa doppelt so lang, als
die gestielten Augen, am Ende stumpf mit fünf ungleichen Borsten ;
die zweiten Antennen breit dreieckig, etwas einwärts gekrümrat
mit abgesetzter, kleiner, dreieckiger Endspitze und einer kleinen
zahnartigen Erweiterung an der Basis des Innenrandes.
Schwimmbeine ziemlich gross mit langer Kiemenlamelle;
das fusslose Körperende etwa ^/. der ganzen Länge betragend.
Die Ringe an der Rückenseite deutlich von einander abgesetzt
und jederseits eine knotige Laterallinie zeigend ; am neunten Ringe
ein kleinerer und am zehnten Ringe ein grösserer blasiger Fortsatz,
-der keulenförmig oder scheibenförmig jederseits von der Rücken-
seite nach aussen horizontal absteht. Eiertasche sehr gross, halb
so lang, als das fusslose Körperende, birnförmig.
Während des Schwimmens neigt sich die Furca nach unten
und der ganze Körper wird nicht so starr gestreckt, wie bei B.
stagaalis, sondern ^S'-förmig gebogen.
Die Farbe der reifen Thiere ist gelblich- weiss, der Kopf
vorne schön blaugrau, ebenso die P^iertasche. Die Eier selbst sind
33*
596 Braue r.
gelb, die Basis der Beine erscheint dunkel graugrün, die letzten
Segmente und die Scliwan/fäden niennigrulli oder schwär/dich
rotli braun. Körpcrlänge 18 Mm.
Von BranchlptiK Grubei Dybowsky unterscheidet sich
B. B((}r(li hinreichend durch den Fortsatz am zweiten Glicdc der
Greittuliler, durch weniger entwickelte Tentakelorgane und durch
den ganz verschiedenen Bau des Weibchens.
Bei B. Grubei fehlt der erstgenannte Fortsatz des Männ-
chens, die zweiten Antennen des Weibchens sind viel länger und
zweigliedrig.
Ich zog B. Bairdi wiederholt aus Eiern, welche in der
rothen lehmigen Erde aus Teichen bei Jerusalem enthalten waren.
Die Entwicklung dauerte 14 Tage.
Branchipits (ClUvocephalus) eat'HUiitauus n. sp.
Männchen : Körper vorne sehr breit, erst die letzten fünf Seg-
mente auffallend dünner. Kopf breit, Stirne gewölbt, das eckige
Stirnauge zeigend, ohne mittleren Fortsatz. Erste Antenne dop-
pelt so lang als die Stielaugen. Zweite Antenne zweigliedrig, das
Basalglied breit, aussen convex , unten am Grunde ein fast eben
so langer, dicker keuliger Fortsatz, nach unten und innen ge-
richtet, dessen Ende mit kleineu Rauhigkeiten. Innen, ganz an
der Basis des Basalgliedes das tentakelartige Organ nach unten
spiralig eingerollt, in der Ruhe nurals weicher Wulst erscheinend,
ausgestreckt nur von der Länge des Basalgliedes, und viel
schmäler als dieses, dreieckig znngenartig, circa K>gliedrig. Die
letzten sieben (aussen) oder acht (innen) Scheinglieder tragen
seitlich kleine mit einer sehr kleinen Warze endigende Erweite-
rungen, die sich besonders gegen die Spitze zu alternirend gegen-
überstehen. Endglied der Greiffühler leicht iS-förmig gebogen;.
anfangs nach innen gebogen, an der Spitze leicht nach aussen
gedreht, letztere allmälig verdünnt und fein, stumpf, (janz am
Grunde, knapp über dem gerade abgeschnittenen Rande des Ba-
salgliedes, trägt das Endglied innen einen kurzen rundlichen,
rauh geknöpften kleinen Fortsatz. (Genitalien deutlich entwickelt,
ähnlich denen von ß. JosephhiiKi (jvnhe. Rücken mit breiter,
dunkel und wulstig begrenzter, heller Mittelstrieme. Furcal-
Beiträge zur Kenntniss der Phyllopoden. 59 i
Segmente kurz, Schwaiizfäden breit, g-erade, kaum so lang- als
die drei letzten Riiig-e, jederseits mit circa 23 sehr laugen Borsten-
haaren bewimpert. Farbe bleich g:elbweiss , Anhänge röthlich.
Körperlänge circa 10 — 12 Mm.
Weibchen ebenso breit gebaut, die ersten Antennen ziemlich
doppelt so laug als die Stielaugen, Die zweiten Antenueu kurz,
dreieckig, mit schlanker sehr feiner Spitze, der Aussenraud mit
eiuer Einkerbung. Segmente am Hinterraude am Rücken deutlich
abgesetzt, wie beim Manne eine breite Längsstrieme zeigend;
das zweite fasslose noch mit der Eiertasche verbundene Segment
an der Rückenseite stark vom folgenden abgehoben mit einem
deutlichen nach hinten und rückwärts g-erichteten Dorn in der
Mitte und jederseits mit einer nach hinten in einen Dorn aus-
laufenden Erweiterung. Neben dem eilttem Fusspaare eine eben-
solche Erweiterung. Eiertasche sehr gross bis zum siebenten
fusslosen Ringe reichend, birnförmig, durchsichtig mit wenigen
hellgelben, kugeligen Eiern.
Schwanzfäden so lang als die zwei letzten Ringe, wie beim
Maune mit sehr langen Borstenhaaren jederseits gefiedert. Länge
10-12 Mm.
Die Art wurde von mir im April IS 74 in grosser Menge in
Schneew^asserlachen auf der Parudorfer Heide in Gemeinschaft
mit Br/inchipiiK Bntueri Frfld. gefunden.
Die Zucht aus Eiern ist bis jetzt nicht gelungen.
Die Art verträgt jedenfalls eine höhere Temperatur als B.
Braueri, da sämmtliche Individuen den Trausport bis Wien an
einem sehr warmen Tag aushielten und auch an Ort und Stelle
die andere Art an Individuenzahl bedeutend übertraf, ein Ver-
hältniss, welches zw^ei Jahre vorher bei kälterem Wetter gerade
umgekehrt war.
Ich habe diese Art anfangs für Brauch. Josepliinite Grube
gehalten , doch stimmen viele Punkte der Beschreibung nicht
und der Vergleich von Origiualexemplaren im k. k. zoologischen
Museum stellt die Verschiedenheit unserer Art ausser Zweifel.
Erstens zeigt bei B. camunhmus das zweite Glied der Greif-
fühler keine mittlere Verdickung und das Grundglied besitzt
einen starken , keulenförmigen Fortsatz, nicht eine kleine Papille
wie Joseph i/iac. Ferner hat bei B. Joscphiniie das zweite Glied
598 Brauer.
derselben Antennen keinen Basalfortsatz, (Umi unsere Art mit
hiros^tratiis Fi seh. und Bairdi m. i;eniein hat; (h'ittens h:it
(las Weibchen von B. Jo^ephiniii' keinen Eüekendorn am zweiten
fusslosen Segmente und einen kleineren Eiersaek.
Branchlpus (ChlrocexJhalii.s) recticornis n. sp.
Männchen: Körper vorne stark verbreitert, Kopf aiifif'allend
breit, vorne auf einer gerade abgestutzten Stirnc das einfache
eckige Auge; erste Antenne dick, kaum doppelt so lang als das
grosse Stielauge, zweite Antenne mit dickem einwärts gebogenen
Grundtheile, durch eine Furche im Enddrittel in zwei Glieder ge-
theilt. Ganz am Grunde innen bis zur Mitte des Kopfes ist unter
einem eckigen, breit abgestutzten Schilde, welches kaum ein
Drittel des Hasalgliedes an Länge erreicht, das tentakelartige
Organ nach unten spiralig eingerollt.
Dasselbe ist bandartig, so lang als die ganze zweite Antenne
und am Ende in eine lange, schmale Zunge ausgezogen, circa
oOgliedrig. An seinen Seitenrändern sieht man jederseits kleine
rundliche Erweiterungen , die gegen das Ende immer kleiner
werden und von denen nur drei aussen nahe der Basis fingerartig
und länger sind, ebenso erscheinen die übrigen an der Innenseite
stärker als aussen. Ganz an der Basis des Bnsalgliedes, an der
Unterseite erhebt sich ein kleiner rundlich geknöpfter Fortsatz.
der kaum halb so lang als der Augenstiel und daher schwer zu
sehen ist.
Das Zangen- oder Endglied, der GreiflfUhler steht vollkom-
men gerade, mit dem des andern Fühlers parallel, im Profil
leicht abwärtsgebogen, ist ziemlich gleich dick, an der Spitze
aussen mit sehr kleiner klauenartiger Endspitze, innen leicht
gerundet. Die Basis ist nach innen etwas erweitert, und zeigt
einen kleinen rechtwinkelig abstehenden kurzen Fortsatz, dessen
Ende vorne gerade abgestutzt, hinten etwas nagelartig verlängert
ist. Die Lamellen der Beine sehr breit, die fusslosen Ringe fast
gleich breit, die Schwanzfäden dick am Grunde, so lang als die
drei letzten Ringe, etwas einv»'ärts gekrünnnt mit circa 20
abgesetzten langen Borsten beiderseits, innen dichter, gewim-
pert. Am Grunde jedes Schwanzfadens ein dunkler Fleck. Körper-
länge 10 Mm.
Beitrüge zur Kenntniss der Phyllopoden. 5i)9
Weibchen etwas selihinker, aber vorne der Kopf ebenfalls
breit, ähnlich wie beim Manne. Erste Antenne gleich der des
letzteren. Zweite Antenne dreieckig, am Anssenrande convex,
etwas einwärts gekrümmt, ziemlich lang, die Spitze sehr fein und
spitz, der Innenrand von der Mitte an mit einer eckigen Erwei-
terung, die bis zur Basis verläuft.
Bei seitlicher Ansicht neigt sich die Spitzenhälfte schief
nach hinten und der Vorderrand erscheint fein gekerbt.
Schwimmbeine sehr gross, Eiertasche sehr lang, bis zum achten
fusslosen Segmente reichend, schlank blrnförmig, am freien
Ende spitz, die Eier weisslich, kugelig, Schwanzflosse so lang
als die drei letzten Ringe, lang gewnmpert wie beim Manne.
Die Farbe ist bleich, gelblich (Männchen) oder bläulich,
die Beine grau, mit grünen Lamellen, das Schwanzende schön,
hochroth. Eine Farbe die auch zuweilen unser B. tori'icornis
Wg. zeigt.
Diese Art wurde von Herrn Maler Fischer in einem Tümpel
in Tunis aufgefunden. Aus der mir von dorther gesendeten
lehmigen, gelben Erde zog ich die Art wiederholt, erhielt jedoch
bis jetzt nur ein Männchen.
Die Thiere, welche Herr Fischer in Alkohol überbrachte,
waren sämmtlich Weibchen. — Sie schwimmen sehr langsam
und verbergen sich in dicht wachsende Conferven, die sich
stets nach einem Aufgusse aus derselben Erde entwickeln.
JBraiichlpiis Ablädt n. sp.
Männchen: Körper zart, schlank, spindelförmig, Kopf
schmal, klein, Augen dick gestielt, Stirne schmal, stark
vorgezogen, so dass die Greiffühler in der Mitte mit ihrem
Grunde aneinander stosseii und darüber nur eine schmale, drei-
eckige Stelle der Stirne mit einem kurzen, länglich birnförmigen,
am Grunde kurz gestielten, weichen, fein gedornten Frontal-
fortsatz zu liegen kommt. Erste Antenne dünn und lang, fast
die Greiffühler an Länge überragend. Zweite Antenne (Greiffühler)
zweigliedrig, das Grundglied gross und breit, an der Basis
etwas verschmälert, am Ende schief abgeschnitten nach aussen
und hinten, am Innenrande in der Basalhälfte leicht convex.
Vor dem Ende oben ein breiter, flacher, nach innen und oben
0(^0 B r a u e r.
vorragender, am freien Kande abgerundeter znngenförmig^er
Fortsatz. Eiid- oder Zangenglied dünn, am Grunde etwas ver-
))reitert, leicht S-förmig geschwungen, anfangs nach einwärts
gebogen, vor der Si)it/.e eine kleine Strecke auswärts gebogen
und an dieser sehr wenig einwärts gekrümmt, abgerundet, nicht
verdickt, sondern sehr allmälig von der Hasis an verdünnt, die
Spitze zeigt sehr feine Körnchen. An den Beinen ist das Kiemen-
säckchen sehr breit und nicht lang zungenartig, sondern quer
eiförmig. Die Tarsallamellen sind dünn und kurz beborstet, die
obere elliptisch, die untere viel kürzer, breit, rundlich, abgestutzt.
Die fusslosen Segmente sind durch eine knotige Hervor-
ragung jederseits amHiiiterrande deutlich von einander al)gesetzt
und ziemlich schmal, die fusstragenden Segmente kurz und breit.
Die Schwanzfäden sind dick und beiderseits mit c. 21 laugen
Borsten bewimpert, im Ganzen etwa so lang als die fünf letzten
Segmente. Die Geschlechtsorgane liegen flachröhrig an den
ersten fusslosen Ringen auf. Die Färbung ist bleich fleischroth.
Körperlänge : 10 Mm.
Weibchen: Körperbau dem Männchen ähnlich, Kopf sehr
schmal, Stirne flach, ohne Fortsatz, Stirnauge länger als breit.
Erste Antenne lang, dünn, zweite Antenne zweigliedrig, beide
Glieder zusam.men durch die leichte, bauchige Erweiterung des
Grundgliedes schlank pfriemenförmig, das Endglied kaum
kürzer, eine lange Spitze darstellend, dem Grundgliede an
dessen nach innen schief abgeschnittenem Ende eingefügt.
Oberseite des Basalgliedes mit neun sehr kleinen Zähuchen.
Die Länge der Antenne erreicht nicht die doppelte Länge des
Stielauges. Eiertasche kurz, oval, an dem ersten und zweiten
fusslosen Segmente angewachsen, hinten eingebuchtet, Eier
bleich, schwefelgelb. Die beiden Segmente, welche die Eiertasche
tragen sind viel länger als alle übrigen, und zwar das erste etwa
dreimal so lang, das zweite fünfmal so lang als das elfte
fusstragende Segment. Die folgenden Ringe sind successive
kürzer und das dritte fusslose etwa ^g ^o lang als das vorher-
gehende. Schwanzfäden den fünf letzten Ringen au Länge gleich,
wie beim Männchen gebildet. Farbe bleich fleischroth, Eiertasche
schwefelgelb.
Körperlänge: 10 — \2 Mm.
Beiträge zur Keuntniss der Phyllopoden. 601
Die Tliiere eutwiekelteu sieh aus Erde aus der Tura el
cliadra (Region des Bahr el Abiad), welche ich durch Herrn
Mamo erhielt. Die Thiere beobachtete Marno in loco nicht.
Die Art ist dem if. stagnalis, und zwar der Formn minor
sehr ähnlich, aber durch den einfachen Bau der Clreiffühler des
Mannes und die Schwanzfäden beider Geschlechter sowie viele
andere Merkmale hinreichend verschieden.
Urauchipus {Htreptocephalus, Baird 1852) vitreus n. sp.
Männchen: Körper durch die Länge der fusslosen Seg-
mente, die die Hälfte der Körperlänge betragen, ziemlich schlank.
Erste Antenne viel länger als die kurzen Stielaugen. Zweite
Antenne in einen doppelt geknickten Greitarm (wie bei B. for-
ricornis) umgestaltet. Der Basaltheil dick, cylindrisch, innen
querrunzelig, sein Ende dadurch undeutlich abgesetzt und nur
nach aussen durch eine kräftige, krumme Borste angedeutet, wie
bei der genannten Art. Der zweite Fühlerabschnitt anfangs
dünner, rüsselartig, querrunzelig, nach seiner knieartigeu
Abwärtsbeuguug (Lage des schwimmenden Thieres auf dem
Rücken) in eine mächtige, nach unten winklige, aufwärts gerich-
tete Eridscheere auslaufend. Der obere Arm der Scheere zeigt
eine breite Basis, an der aussen am Grunde ein zahnartig endi-
gender Fortsatz absteht und bleibt bis zum Abgang seiner End-
spitzen gleich breit. Von letzteren ist die vordere (bei der Rücken-
lage oberste) sehr lang — etwa so lang als die zweite Antenne
vom Grunde bis zum Knie des zweiten Gliedes — an der Basis
fast rechtwinklig aufwärts gel)Ogen. Die hintere Endspitze ist
schlank, kegelig und reicht nur bis zur letztgenannten Biegung
der vorderen Endspitze. Zwischen beiden sitzen noch zwei
kleine dreieckige Spitzen. Der untere Scheerenarm ist viel
kürzer und fingerförmig, etwas S-förmig gebogen. Er streicht in
der Ruhelage gerade vor den kleinen mittleren Zähnen der
Oberscheere hinweg. Am Grunde zeigt er einen kleinen rundlichen
Höcker und darüber am Innenrande etwas nach aussen einen
kleinen und in der Mitte einen längeren, spitzen, schmalen Zahn.
Zwischen beiden Greiffühlern läuft die Stirne in einen schmalen,
cylindrischen oder schwach spindelförmigen, am Ende stümi)fen
Fortsatz aus, der etwa bis zum Austritt der starken Seitenborste
()02 Brauer.
des Gnindiilicde.s der Greit'tüliler reicht. Piinktauire klein.
Lappen derRuderlüsse klein, oberer Tarsallappen skalpellförmig,
fein gewinipert, unterer Tarsallappen fast kreisrund. Kieniensack
gleich gross und ebenso kreisförmig. Lappen am Unterrande
sehr klein und kurz. Zweites fussloses Segment lang. Schwauz-
fäden so lang als die vier letzten Segmente zusammen, beider-
seits lang und feinborstig bewimpert. — Körperfarbe weisslich,
glashell, nur die Schwanzborsten roth.
Weibehen schlank wie das Männchen und ebenso gefärbt.
Erste Antenne dünn und lang, zweite lap[tenförmig, fast länglich
viereckig, viel länger (2'/jj/) als breit, der Innenrand gerade am
Ende in eine kleine vorstehende Spitze endend, der Aussenrand
stumpf gerundet, fast nackt. Eiertasche schmal und lang, spindel-
förmig, die Öftnungsklappe an der Spitze fein zugespitzt. Sie
reicht bis zum vorletzten Körpersegmente. Eier braun.
Aus der Tura el chadra am Bahr el Abiad. Von Herrn Marno
nicht gesanunelt. Die Eier befanden sich in der überbrachten
trockenen Erde und entwickelten sich in meinen Aquarien.
Körperlänge: 13—15 Mm.
Bi'dnrJu'pus (Streptocepluiliis) proboscUleus Frfld. '
Im Habitus dem B. cifreus tn. und forrictn-uis Waga ähnlich
und kräftiger als erstere Art.
Männchen mit ziemlich breitem Kopfe, Facettenaugen kurz
gestielt, eiförmig, nach hinten verdickt, vorne etwas buchtig,
verflacht. Erste Antenne ziemlich dick und kaum doppelt so
lang ak das Stielauge. Stirnauge klein, dreieckig, Kopf vor
demselben stark vorgezogen. Greiffühler sehr gross, wie bei
tori'icornis W. zweimal geknickt, rüsselartig, mit Querrnnzeln.
Das Basalglied ziemlich lang, dick, zylindrisch, vor dem P>nde
am Aussenrande eine lange, starke, gegen den Körper
gekrümmte Borste genau wie bei den verwandten Arten. Zweites
Glied stark cpierrunzelig und am Vorderrande d. i. der in der
1 Frauenfeld in d. Vcrh. d. k. k. zoolog-. bot. (Teselbcli. 1873.
Zoolog-. Miscelleu XV'III. (Nicht beschrieben, nur in der Tabelle der Arten
kurz charakterisirt).
Beiträge zur Kenntiiiss der Phyllopoden. 603
Ruhe nach oben gewendete — und nach innen zu mit vielen (12 bis
13) hingen, spitzen Tastpapillen besetzt, die besonders an der
knieförmigen Biegung mächtig entwickelt und dem Greifarm ein
zottiges Aussehen verleihen. Eudscheere stark entAvickelt. Oberer
Scheerenarm etwas länger als der untere mit seiner Endspitze,
beide Arme am Grunde breit, gegen einander gebogen, das
dünnere Ende beim oberen Arm stumpfwinklig am Innenrande
gekniet und mit der folgenden langen dünnen Spitze etwas nach
aussen gebogen, dasselbe beim unteren Arme ähnhch gebildet, die
Biegung aber abgerundet und an derselben der Arm etwas dicker,
die Spitze feiner und scharfspitzig. Im vollkommen geschlos-
senen Zustande kreuzen sich beide Arme und ihr äusserer Umriss
ist dann unregelmässig achterförmig. Der obere Scheerenarm
trägt am breiten Grunde am Innenrande zwei Fortsätze , von
denen der hintere dreieckig, ziemlich breit beginnt und in eine
lange Spitze gerade nach vorne und innen läuft, so dass die
Spitze den unteren Arm in der Ruhe etwas überragt; der vordere
Fortsatz, ist kurz, stumpf, dreieckig, zahnartig. Der untere
Scheerenarm zeigt am Grunde aui Innenrande ebenfalls zwei
Fortsätze die beide kürzer als der erste der Oberscheere sind
und von denen der hintere etwas breiter und abgestutzt, der
vordere mehr abgerundet erscheint. — Zwischen beiden Greif-
fühleru ist ein langer, rüsselförmiger Stirnfortsatz nach unten
eingerollt. Im aufgerollten Zustande ül)erragt derselbe die
geknickten Greifluhler an Länge und ist am Grunde nur wenig
schmäler als diese, gegen das H^nde verdünnt er sich allmälig
und theilt sich an der Spitze in zwei ziendich lange, tingerartige
Zipfel. In seinem Verlaufe sowohl als nach der Theilung
erscheint er aus undeutlichen Gliedern (circa 20gliedrig und
die zwei Endzipfel circa achtgliedrig) zusammengesetzt und
trägt jederseits, besonders gegen den Grund zu grösser werdende
Tastpapillen, die spitzkegelig oder mehr zottig erscheinen (17 — 20
jederseits).
Die Schwanzfäden sind spindelförmig, mit langer, feiner
Spitze und beiderseits dicht fein und lang gewimpert.
Äussere Genitalien zwei parallele, cylindrische, schief nach
hinten absiehende Röhren, deren wulstige Basaltheile anein-
anderstossen.
604 Brauer.
Das Weibchen zeigt genau die Gestalt der Stielaugen wie
das Männchen. Antenne eins wie beim Männchen, Antenne zwei
nicht oder kaum länger als l)reit, der Umriss eiförmig, ;ini Ende
des Aussenrandes ein sehr kleines, rundliches Knüpfchen, der
Kand nach unten zu dicht fein bewimi)ert. Eiertasclie schlank,
spindelförmig, bis zum Ende des sechsten fusslosen Segmentes
reichend, die Endklappe vom Körper abgebogen, spitz, hinten
wulstig. Eier kugelig, klein, dunkel. — Farbe beider Geschlech-
ter im Leben nicht bekannt.
lvöri)erlänge des Männchens 16, des Weibchens 18 Mm,
Bei Chartuin von Herrn Marno gesammelt.
Diese Art ist durch Entwicklung des »Stirnfortsatzes zu einem
Eüssel besonders merkwürdig, weil sie erstens eine Verbindung
herstellt zwisciien den in die sogenannte Gattung Chiroccphttliis
gebrachten Arten, deren jede ein eigenthündich gestaltetes
paariges , rüsselartiges , gerolltes Organ besitzt und den in die
Gattung Streptocephalus zusammengebrachten Arten, die, soweit
sie bekannt waren, nur einen Stirnfortsatz und keinen Finger-
rüssel, wie jene, besassen. Der Stirnfortsatz der Strepfoccp/Kdus-
Arten erweist sich jedoch in der Anlage als paarig und an
seinem Ende ist stets durch eine Kerbe eine Theilung angezeigt.
Am geringsten ist diese und fast verschwunden bei B. vitrens,
der einen röhrigen Stirnfortsatz trägt. Beiforvicornis ist der Stirn-
fortsatz am Ende durch eine Furche getheilt, bei cut/fer drei-
spitzig, bei B. rnhric((HdatHs Klunz. ^ am Ende leicht getheilt.
Bei B. i)roboscideux sieht man die paarige Natur längs des
ganzen Rüssels und am Ende theilt sich derselbe thatsächlich in
zwei lange Zipfel.
Betrachten wir im Gegensatz hiezu den Chirocepludus Utcunae
G u e r i n — den ich für identisch mit Brauen' F r a u e n f e 1 d halte — ■
so finden wir das rüsselartige Organ auf einen paarig angelegten,
am Grunde verwachsenen, am Ende getheilten, langen Fortsatz
stehen , der die Mitte des Kopfes vorne einninnnt und über die
Greiffühler hinausragt. Bei allen jenen Arten jedoch, welche
einen kleinen Stirnfortsatz haben, wie B. staynalifi L., (d)ii(di m.
1 Klunzinger, Sie hold und Külliker's Zeitscliriff f. w. Z.
Bd. XVn., Tat. IV.
Beiträue zur Keniitniss der Phylloixxleu. 005
fehlt das riisselförmige Organ, gerade so wie umgekehrt den
(7t iroct'phalNs- Arten der Stirnfortsatz fehlt, oder wenn er vor-
handen, zum Rüsselträger (B. lacunae) oder endlich h&iStrepto-
ceplialnfi zum Rüssel selbst wird. Ans dem Gesagten möchte somit
der Hchlnss zu ziehen sein, dass alle die Gebilde, welche man
als Fingerrüssel (Chiroeephalus diaphrmus J.) als Apendices
f'vontides Grube (B. Josep/ihiae birostrutus, clnviger, Bairdi)
als mittleren Stirnfortsatz (B. ftt(i</)m!is, ahiadi, iorvicoruis etc.)
kennt, ein und dasselbe Organ darstellen.
Grube, welcher die Branchipus-kxiQw nach der An- oder
Abwesenheit des Stirnfortsatzes etc. eintheilte, * • stellt den
Brancliipiis Incnnae in die Gruppe „«.• fronte nudu'-'^ und lässt
insofern im Unklaren als er den mittleren Fortsatz von den
Greiffühlern herleitet, denen er auch theilweise angehört. Bei den
übrigen Chh-ocephafus- Arten sitzt das Rüsselorgan thatsächlich
am Grundtheil der Greiffühler, es wird aber mehr weniger unab-
hängig davon bei jenen Arten, wo es unpaar geworden oder wo
nur mehr ein Rudiment davon vorhanden ist.
Die Unterschiede der verwandten Arten liegen in Folgendem :
/. yi ä n n c h e n :
Bei B. prohoi^c'ideus Frauen feld ist der Stirnfortsatz
lang, rüsselförmig, nach unten gerollt, mit fingerartigen Tast-
Papillen; beide Scheerenarme eines Greiffühlers mit fast gleich-
langen, ungezähnten Endspitzen, zweites Greiffühlerglied mit
langen Papillen, zottig.
Bei B. ruhn'caudatns Klunz. ist der Stirnfortsatz kurz, am
Ende leicht ausgebuchtet. Scheerenendspitzcn nngleich, die lange
Eudspitze mit circa 15 kleinen Zähnen. Zweites Greiffühlerglied
mit drei tingerartigen Papillen.
B. caffer^ Loven hat einen schnabelartigen, am Ende
breiteren, dreispitzigen Stirnfortsatz, die Greiffühler mit einem
Anhang am Innenrande des Grundes. An der knieförmigen
Beugung des zweiten Gliedes zwei hakige Zähne unter einander,,
klauenartig. Scheerenspitzen fast gleich, dünn, ziemlich lang,
ungezähnt, an der Oberscheere an der winkligen Knicknng de^
' Tro seh el's Arclj. 1853, p. 142.
2 /,'. caff'er iiacli Grube. Archiv f. Naturg., 18.53, 2, p. 143.
1)00 B r a u (' r.
Ciniiules ein hiiig'er, aui uiitereii Anne ein kurzer Zahn. (Nach
Original -Exemplaren im kais. Museum). Genitalien zwei lange
bis zum sechsten Ringe reichende Röhren, die gegliedert
erscheinen.
B. vitreus m. hat einen dünnen, stabformigen, am Ende kaum
gekerbten Stirnfortsatz. Endspitzen der Scheerenarme ungleich,
die lange Eudspitze ungezähnt.
B. torvicoruis Waga zeigt einen kurzen, dicken, am
Ende durch eine Furche eingeschnittenen Stirnfortsatz. Scheeren-
arme mit fast gleich langen Endspitzen, beide ungezähnt, zweites
Oreiffühlerglied mit kurzen, zahnartigen Papillen.
//. Die Weibchen sind schwer zu unterscheiden.
B. rnhricauflatufi hat länglich lanzettliche, platt behaarte,
.spitze, zweite Antennen. Die Eitasche reicht über das letzte
Segment noch hinaus.
B. proboscideus hat breite, runde, platt behaarte zweite
Antennen. Die Eitasche reicht bis zum siebenten fusslosen Seg-
mente.
B. vitreus hat fast länglich viereckige zweite Antennen, die
länger als breit sind und am luneurande am Ende eine Spitze
zeigen. Eiertasche bis zum vorletzten Segmente reichend.
B. to7-vi('or/ns hat sehr grosse, breite, ovale, am Apikai-
rande etwas eingekerbte zweite Antennen. Eiertasche bis zum
achten fusslosen Segmente reichend. Die Länge der Tasche ist
insofern ein unsicheres Merkmal als die Segmente in ihrer Länge
durch Einziehung etwas wandelbar sind.
B. ca/f'er zeigt die zweiten Antennen länger als breit,
parallelrandig, die innere Ecke des Spitzenrandes in eine ziemlich
breite aufgebogene Spitze ausgezogen. Eisack schlank, bis zum
Anfang des siebenten fusslosen Segmentes reichend.
Branchipus (JBranchinecta Verrill) ^ feriis n. sp.
Diese Art, welche ich aus Erde aus Jerusalem erhielt,
nähert sich durch den langen Eisack des Weibchens der Gruppe
des B. torincornis, hat aber nicht nur in ihrem Bau, sondern auch
in ihrem Benehmen viele Eiü,entlinndichkeiteii. Sie schwimmt
' Silliiuaii, Juiini. of .sc Aiiieiic, II, 48, IHUH, 244.
Beiträg-e zur Kenntniss der Pliyllopoden. OC'^
mit gTosser Sclmelligkeit iiiul Wildheit, thatsächlich ihrem Namen
entsprechend und das Männchen vollführt eine eigenthümliche
Drehbeweg'iing häutig ans. Es biegt sein fussloses Leibesende
fast reciitwinkelig gegen dieP)auchseite und sitzt dann gleichsam
aufrecht im Wasser, wobei der Körper rasch um seine Längsachse
rotirt, wie auf einem Drehstuhl. Eine ähnliche Stellung zeichnet
Müller für seinen B. palufh.mfi auf/ der entschieden in diese
Gruppe mit B. /'ero.rM.Ed. gehört, aber an den Greiffühlern eine
anliegende Zahnreihe hat,'- ähnlich wie B. Mlddendorfititiits
Fischer,^ zu welchen schon Grube 1803 1. c. den Pnludosus
Mllr. fraglich hinzieht.
Der von Grube bei f'cvox erwähnte Stiinfortsatz ist mir
nicht verständlich, da auch die Abbildung nur eine platte Stirne
zeigt. B. f'erns und paludosus sind indess dadurch ausgezeichnet,
dass ihre Schwanzfäden nur an einer Seite, der inneren, mit
langen Wimpern besetzt sind, während ßliddrudor/iti/ius Fischer
und /b-oo? beiderseits gewimperteSchwanzfädeu haben 1. c. f. 21.
Der letzte Ring des Mannes ist hei f'erns kurz, der des Weibchens
wie getheilt, lang, die Seil wanzfäden sind beiniMännchen so lang
wie die drei, beim Weibchen kaum wie die zwei letzten Ringe.
Die zweiten Antennen des Weibchens sind dreimal länger als breit
geradrandig gegen die äussere Ecke in eine lange dreieckige
Spitze ausgezogen, (bei f'eroa^ 9 in einen krummen Haken), der
freie Eudraud dadurch schief abgeschnitten. Die erste Antenne
in beiden Geschlechtern kurz (so lang wie der Kopf breit) und
dick. DieGreiffübler des Mannes sind zweigliedrig, beide Glieder
fast gleich lang. Das Endghed klaiienförmig, stark einschlagbar,
dreiseitig. Augen klein. Genitalien des Mannes jederseits in ein
bis zum Ende des dritten fusslosen Segmentes reichendes cylin-
drisches am Ende geknöpftes, innen einen krummen Haken
tragendes Rohr verlängert. Im Aquarium erreicht die Art nicht
jene bedeutende Grösse (15""-) wie feroa^ sondern höchstens
15"'™. Die Farbe ist bleich fleischroth, gelblich.
1 Zool. Danicii, V. IL T. XLVIII, t. 1—^.
2 Nach Originalexemplareii im kais. Museuiu.
3 M i d d e n d o r I : .Sibirische Reise, II, Tab. 7, f. 17— :^;J. Branc/a'opodoi.
()08 Branor.
Liinn(iiUa cifi'icana n. sp.
Schale bei seitlielier Ansicht nnregelmässig eiförmig-, etwaV3
länger als hoch, der Bauch- und Riickcnrand winklig- aneinander
stossend und die vordere Ecke etwas aufgeworfen, ersterer stark
convex, letzterer im vorderen Viertel gerade, etwas concav, dann
bis vor die Mitte stark convex und von der höchsten Stelle bis
zur hinteren Ecke fast gerade, schief nach hinten laufend. Schale
des Weibchens nach hinten zu niedriger, der Bauchrand nicht so
steil im Bogen abwärts gehend und im Verhältniss zur Länge
höher. Beim Männchen ist die Sehale am hinteren Ende nicht
oder unbedeutend verschmälert und der Rückenrand durch die
längere Schale weniger convex. Die Dicke ( Querdurchmesser der
geschlossenen Schalen) ist bedeutend und beträgt beinahe Y^
der Länge, beim Männchen etwas weniger.
Besonders stark gewöll)t sind die Schalen noch nicht aus-
gewachsener Thiere. Schale im Leben vollkommen glashell
glänzend oder etwas gelblich. Auf der Fläche sieht man fünf fast
etwas stutig abgegrenzte Anwachszonen, deren letzte nahe dem
Rande verläuft. Der Wirbel fehlt wie bei allen Arten. Die Schalen-
drüse erscheint ohne Präparation undeutlich, nach Ablösung der
Schale mit dem Mantel aber sehr scharf. Der Verlauf der Canäle
ist genau wie bei L. Sfan/ej/fü/n Claus. ' Rings um die Drüse,
sowie am vorderen i^auchrandc sieht man dichtstehende, stern-
förmige Pünktchen vom Bindegewebsgerüste des Mantels durcii
die Schale hindurchscheinen, welche Claus 1. c. mit Knochen-
körperchen vergleicht.
Der Körperbau gleicht im Allgemeinen jenem der bekannten
Arten. Das Weibchen ist im Verhältniss zur Schale kleiner und
überragt den Hinterrand nicht, der Raum zwischen dem Rücken
und Rückenrand der Schale ist indess kaum grösser als beim
Manne. Die Saugscheibe hinter den Augen ist gross und wird
häutig benutzt; namentlich heften sich alle jungen Thiere im
Aquarium damit fest an die Glastafel oder an schwimmende
Holztheile an der Wasserfläche genau wie gewisse Daphniden,
Die erste Antenne ist beim Weibchen wenig gesägt und die
' Claus, Siebold und KöUk. Zeitschiift f. wiss. Zool., T. XXU,
Taf. XXIX, f. 6.
Beiträge zur Keniitniss der Phyllopoden. bOl)
Glieder sind uudeutlicli circa neun, am gekerbten Kande kurz.
borstig ; beim Mänuchen ist die Antenne stärker entwickelt, die
Glieder (neun) einseitig- spitz, daher sägeartig. Die zweiten
Antennen sind in beiden Geschlechtern gleich. Der Stamm
läuft in neun breite Glieder aus und die Geisseiarme sind beide
zehngliedrig. Die Stammglieder sind oben stark borstig, die
Geisseiglieder sind einseitig vom Grund an bis zur Mitte der
Geissei immer mehr und länger geborstet, die letzten Glieder
zeigen weniger Borsten, Die Zunahme erfolgt etwa so, dass das
erste Glied eine, das zweite zwei, das dritte vier, das vierte,
fünfte bis achte circa sechs, das neunte drei und das letzte keine
Borste zeigt, überhaupt viel dünner als die vorigen und griflfel-
artig ist. ^ -
Die Oberlippe reicht bis zum zweiten Fusspaare nach rück-
wärts und ti'ägt einen krummen mit abgesetzter kleiner Spitze
versehenen Endhaken.
Die Oberkiefer sind vollkommen glasshell, hart, querbirn-
förmig, mit feiner Spitze, an die sich hinten eine kürzere zahn-
artige Ecke auschliesst.
Bei allen Stücken zähle ich 17 Fusspaare, deren Bau ähnlich
dem der bekannten Arten ist. Am neunten und zehnten Paare
ist beim Weibchen der obere Ast des behaarten Kiemenanlianges
lang fadenförmig und nackt, wie bei L. Stanleyana. Der nackte
Kiemenanhang ist an den vorderen Füssen sehr gross. Das erste
und zweite Fusspaar sind beim Männchen zu Klammerfüssen
umgestaltet. Der stark gebogene Endhaken trägt über der Spitze
am convexeu Rande ^ eine kleine gestielte Haftscheibe, genau so
gebaut wie sie Claus 1. c. abbildet. Das Polsterglied dem
Haken gegenUbei- ist oben mit krummen Borsten besetzt und
trägt nach innen einen kleinen Anhang (Taster). Der Anhang
an der Hinterseite des Hakens ist undeutlich dreigliedrig, und
sehr kurz und wenig beborstet, aber doppelt so lang als der
Haken selbst.
Die letzten Segmeute (sechs) tragen am Kücken zwei Reihen
von Borsten. Der letzte Ring ist bei beiden Geschlechtern
' Bei Limn. Stanlei/ana King, non Claus sitzt die Saugscheibe an
der Spitze. Trans. Entom. Soc. New South Wales. V. I. 1865, Taf. XI.
Sltzb. d. matem.-naturw. Cl. LXXV. Bd. I. Ablh. 34
610 BraiKM-.
verschieden. Die zwei Zahnreihen an der Hinterseite sind beim
Manne kräftiger und die unterste Ecke beim Weibchen in eine
gerade schlanke, kurze, kSpitze ausgezogen ; beim Männchen stellt
diese Ecke einen breiten, dreieckigen, aufwärts gekrümmten Haken
dar, von brauner C'hitinsubstanz. Die vordere Ecke ist in beiden
Geschlechtern kurz zahnartig. Über derMitte sitzen zwei Fieder-
borsten. Die Schwanzgabel ist beim Weibchen fein lanzettförmig,
der Oberrand von der Mitte an schief abgeschnitten, beim
Männchen ist dieselbe dicker, deren Spitze etwas aufwärts
gebogen, jeder Arm in der Mitte etwas verl)reitert, der Oberrand
lang gewimpert.
Von der verwandten Lhnnadia mauritiana Guerin ' unter-
scheidet sie sich durch die längeren ersten Antennen, die zehn-
gliedrige Geissei der zweiten Antenne, das viel grössere Saug-
organ am Nacken, ferner die nicht so gleichmässig flach gebogene
Schale am Rückenrandc, durch weniger Fusspaare und den
Querdurclimesser.
Yon Linmadia Hermanni lirg. und St anleyana Claus ist sie
durch die viel gewölbtere Schale und den bedeutenden Quer-
durchmesser verschieden. Auch diflferiren die Schalen beider
Geschlechter bei unserer Art nicht so bedeutend, als bei Stanley-
nna Clau s. Überdies ergibt der Vergleich noch eine Menge kleine
Unterschiede, in welcher Hinsicht ich auf die Abbildung verweise.
Die grössten Exemplare messen:
Weibchen, Schalenlänge .... 7 '""
,. Thierlänge ... 6 ,.
,, Schalenhöhe .... 5 ,.
„ Schalendicke .... 2 ,.
Männchen, Schalenläuge .... 75 ,,
„ Thierlänge .... 8 ,.
,. Schalenhöhe .... 4-8 ,.
,, Schalendicke .... 2 „
In der Tura el chadra von H. Marno. Aus der reich mit
Ptlanzentheilen gemengten Erde entwickelten sich zahlreiche
Thiere, von denen jedoch nur wenige in zehn Tagen geschlechts'
reif wurden. Die Eier sind 2,-elblich und sehr klein, kugelig.
1 Revue d. Zool. V\. VII. l«3ti „^^ pi. 21.
Beiträge zur Kenutniss der Phyllopodeu. 611
Immerhin erseheint es interessant, dass bei allen Formen
der Phyllopoden, bei welchen in Europa die Mänuelien so selten
oder noch ganz unbekannt g-eblieben sind, die Arten der Tropen-
gegenden beide Geschlechter in fast gleicher Zahl zeigen. Von
Lim?iadia hat bekanntlich erst vor wenigen Jahren (1872) Claus
das Männchen zuerst für eine australische Art beschrieben. Das
hier beschriebene stimmt in vielen Punkten auffallend mit diesem
überein, und es ist zu erwarten, dass auch das von Hermanni,
wenn es dereinst gefunden wird, analog gebaut ist. Namentlich
scheint die Haftscheibe am Haken der Klanunerfüsse ein Merk-
mal aller Männchen dieser Gattung zu sein, und nicht ein speci-
fisches wie G 1 a u s für Limnadiu Stanleyana K g. vermuthete.
34^
612 Brauer.
Erklärung- der Tafeln.
Tafel I.
Fi^. 1. Apus dispnr, Männchen. 2ni;il vergrössert.
1 rt. Rechtsseitiger Scheerenfnss des zweiten Paares 40mal ver-
grössert.
la'. Derselbe in natürlicher Lage, Gmal vergrössert.
1 h. Kaurand der Oberkiefer im geschlossenen Zustande in natür-
licher Lage, JOmal vergrössert.
1 c. Linkseitiger Oberkiefer. Der Zahnrand in eine Ebene gelegt,
1^/. Drittes fussloses .Segment von der Seite gesehen, 16mal
vergrössert.
Fig. 2. Apits dispar, Weibehen. 2ma[ vergrössert.
2 a. Apus dispar, Weibchen, von der Seite X '2.
2b. Rechtsseitiger Scheerenfuss des zweiten Paares x 40.
2 c. Zähne im Schildausschnitt X 16-
2d. Letztes Segment X 1'^-
2e. Drittletztes Segment von oben gesehen X l*^«
Tafel II.
Fig. 3. Branc/iij)/i6- Rairdi, Kopf d. Männchen. Greiffühler .4- geöffnet X 25,
-41 Antenne 1, .42 Antenne 2, T. Teutakelfönniges Organ, U. B.
Unterer Basalfortsatz, /?. Basalglied, Z. Zangenglied, T. S. Tentakel-
scheide, 0. F. Oberer Fortsatz des Endgliedes.
Ott. Kopf von der Seite im Ruhezustande.
ob. Endglied mit seinem Fortsatz 0. F. der Antenne 2, links.
oc. Tentakelförmii^es Organ mit seiner häutigen Scheide T. S.
circa IdO mal vergrössert.
Fig. 4. Branchipus Bairdi^ Weibchen X 15.
4«. Kopf von oben. .4' Antenne 1, .42 Antenne 2.
4 6. Antenne 1 stärker vergrössert.
\c. Natürliche Stellung nach dem Leben gezeichnet x 2.
Tafel III.
Fig. 5. Branchipus Carnuiiiaiius, Kopf d. Männchen X 15. Bezeichnung wie
Fig. 3.
5«. Ein Stück vom linken Greiffühler, von unten gesehen.
bb. Tentakelartiges Organ.
bc. Schwanzfäden und die letzten Seifmente.
Beiträge zur Kenutniss der Phyllopoden. 613
5rf. Äussere Genitalien von unten.
5e. „ „ „ der Seite.
bf. BrancliipuH Carmintoinis, Weibclieu X ^Ö ""d ' a ^f* S^^^^
gezeichnet.
bg. Letztes fusstragendes und 1.— 3. fussloses Segment (U-i-l,
2, 3 Furcalsegmeute).
Fig. 6. Branchipiis ferus, Kopf des Männchens X 15-
Gö. Männchen in natürliclier Grösse von oben.
6/>. ., „ ,. .. die eigenthüraHch sitzende
Stellung zeigend.
6 c. ßrrtwe/r<>?/s./Vr«s, Weibchen. Kopf seitlich X IJ^-
Tafel IT.
Fig. 7. Jirancliipvs vccdcornis. Männchen. Kopf von unten. Bezeichnung wie
bei Fig. 3: X lö-
1 a. Der Kopf des Männchens von oben X 15.
Ih. Tentakelförmiges Org;in halb aufgerollt X 40.
7 c. Die letzten Segmente X 15.
7 d. Thier in natürlicher Grösse.
Fig. 8. Kopf des Weibchens von der Seite X 15.
8 a. Kopf des Weibchens von oben X 15.
8 6. Eieitasche.
Tafel y.
Fig. 9. Branc/iipiii' aOiadi, Männchen X 15.
da. Kopf von oben. Bezeichnung wie Fig. 3, 67. F. Stirnfortsatz,
0. B. Oberer Fortsatz des Basalgliedes der Greiffühler
X 40.
9 Ä. Schwanzfaden x 40.
Fig. 10. Branchipiis abiadi, Weibchen. Kopf von oben. L. die vorgezogene
Oberlippe X 40.
10«. Branchipus ahiadi. Kopf desselben von der Seite, L. Ober-
lippe.
10h. Vierter Fuss desselben X 40.
lOc. Eiertasche x 15.
Fig. 11. Branclilpiis vitreus, >fännchen. Kopfende von der Seite. 0. S. Ober-
scheere. U. S. ünterscheere der Greiffühler. S. B. Seitenborsten des-
selben. Bezeichnung sonst gleich Fig. 3; x 15.
11 rt. Kopf desselben von oben. Sf. F. Stirnfortsatz. 0. S., U. S.t
6. i^. = Fig. 11; X 15.
IIb. Endscheere des rechten Greiftühlers. Bezeichnung ^ Fig. 11
X40.
11c. Vierter Fuss desselben x 15.
614 Brauer. Beiträge zur Kenntniss der Phyllop(>den.
Tafel VI.
Fig. 12. Branvinpus ri(ri/(s, Weibchen. 2mal vergrössert.
12 ft. Kopf desselben von oben x 15.
12 6. Eiertasclie x 15.
Fig. 13. Branchijnts prohoacideus Frauenfeld, Männchen. Kopf von oben.
Bezeichnung = Fig. 3 und 11; X 4('.
13«. .Schwanzfäden an den letzten .Segmenten.
13 6. Äussere Genitalien x 40.
Fig. 14. Brancliipiis proboscideiis. Weibchen. Kopf von oben x 40.
14. Ende der Eiertasche X 40.
Fig. 15. Braii'.'hipns torrieomls Waga, Kopf des Männchens X 15. Bezeich-
nung wie Fig. 3 und 11.
15 a. Kopf von der Seite, natürliche Grösse.
Tafel VII.
Fig. 16. Limnadia africana. Weibchen. Kleines circa 3'"™ langes Exemplar
X 15.
16 ö. Ein grösseres Weibchen x 15.
16 Ä. Larve von 2""" Länge, im zweiten Schalenstadium, in an-
gehefteter Stellung.
16 c. Schwanzende derselben Larve.
16 rf, Oberlippe der erwachsenen weiblichen Limnadia x 40.
16^. Oberkiefer derselben von innen her gesehen x 40.
16/". Fünfter Fuss der linken Seite x 40.
l<r,g. Sechster „ „ ., ,, x 40.
16 A. Neunter ,, „ „ „ x 40.
16/. Erste Alltenne x 40.
Tafel VIII.
Fig. 17. Schale der männlichen Limnadia africana X 15.
17 a. Autenne 1 des Männchens x 40.
n b. Antenne 2 des Männchens x 40.
17 f. Erster Klammerfuss des Männchens x 40.
17 rf. Zweiter „ ., „ x 40.
17 e. Leibesende des Männchens x 40.
nf. Schalendrüse x 40.
11 g. Sternförmige Figuren des Bindegewebes des Schalen-
mantels x 150.
Dr. J'I'.Hr.'HIcr: Bcilriujc ziirKcniitiiiss dci- Phyllopodcn. I.i (*.
Sitzuuj|sl).(l.Ic.Aka(l.(lA\'.nuilh.ii;il.('l.LXXV. IM. 1. Al.th. ia77.
Dr. Fr. Brauer: Beitnijjc znrKVimlniss (1(M- Phyllopodpii. Taf. II.
K k K:jt ■ -j STaiisdnEck-sr-:
Sitzun(|sli.(l.k.Ak-acl.(l.\\'.m;.lIi.ii;i(.('I.LX\T. IM. I. Al)(l. . I{!77.
Dr. Fr.Brauer: Bpitrj'ujc zurKcnndiiss der Phyllopodeii. Taf. III
-:^7*t«.«#>J
Sitzungsb.d.k.Akad.d.W.nialh.nat.('l.LXX\^Bd.I.Abth.l877.
Dl". Fr. Brauer: Beilriujc zurKcnnlniss dor Phyllopoden. Tal'. IV
KkHot-u StaatsänicL':-.--
Sitzuntfsh.d.k.Akad.d.W. mulli.iuil.('l.LXXV. Bd.I. Ablh. 1877,
Dr. It. Brauer: Beiträge znrKciinlniss der Phvllopoden. Tai'. V
y/c- ,1 ^'^'^^ OS
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StF.
K k Kot- u Stastsdruckerei
Sitzuiujsl).d.k.Aka(l.(l.A\:inatli.n;it.('l.LXX\; Bd.I. Al)(li. 1877.
Dl-. I"'r.HraiI<'r: lii'iln'ujc /inlvcnnliiiss der Pliyllopoden. TaC. VI.
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Sitzunjfsb.d.k.Akud.d.W.math.nMl.Cl.LXXV. lid. I. Ablli. 1877,
!)]•. l'V. Hl'niKM': I^ciliiu)*' ZMiKciiiiliiiss dci- nivll(>j)()(I(Mi . T.i I". VU .
Brai;r-rdif; Litlivl.^. Kcnop.
Sitzungsl).d.k.Akci(l.(l.\V. iiu.lh.iial.CI.IAXV. IM. I Abil«. 1877,
Dr. Fr. Hr au er; Uciträcjc /iirlxcmilniss (Joe Pliyllopodoii. Tat". \
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Sra^ei del Iitt^ v f d Konopi'il'y
Sit/.uiujsb.d.k.Akacl.d.W.malli.iiHl.CI.LXXV. Hd. I. AI. ih. 11577,
615
Die Baumtemperatiir in ihrer Abhängigkeit von äusseren
Eintlüsseu.
Von Josef Böhm und Jakob Breitenlohuer.
Die thermischen Verhältnisse des Baumes waren schon
wiederholt Geiienstand mehr oder weniger eingehender Studien.
Umfassende Beobachtungen stellte darüber in den Jahren 1852
lind 1853 Professor Krutzsch an der Forstakademie in Tharand
an K Becquerel theilte in mehreren Abhandlungen 2 diesbezüg-
liche Untersuchungen mit^ welche hauptsächlich das klimatische
Moment des Waldes im Auge behalten. Wir besitzen hierüber
auch einen deutschen Auszug. 3 In das Beobachtungssystem der
forstlich-meteorologischen Stationen in Baiern und der Schweiz
wurde auch die Temperatur des Bauminnern aufgenommen.
Indess liegt nur aus Baiern eine übersichtliche Zusammenstellung
der erstjährigen Daten vor. '*
Aus diesen und anderen Beobachtungen hat sich ergeben,
dass die Temperatur des Baumes in seinen verschiedenen Theilen
von Aussen her verschieden beeinflusst wird, mit anderen Worten,
dass die verschiedenen Partien des Baumkörpers von der Wurzel
bis in die Zweige den periodischen und nichtperiodischen
Temperaturänderungen in verschiedener Weise unterliegen. Nach
der Deutung der Beobachtungsresultate beherrschen die beiden
1 Untei-sucliungen über die Teiuperatiir der Bäume im Vergleiche
zur Luft- und Bodentemperatur. Jahrbuch der Akademie zu Tharand. Neue
Folge, 3. Band, 1854.
2 Memoires de l'Academie des Sciences, annees 1861 — 1SG4.
3 Zeitschrift der österreichischen Gesellschaft für Meteorologie,
4. Band. Über den Wald und den Einfluss desselben auf das Klima. Aus
dem Atlas meteorologique de l'Observatoire de Paris , übersetzt von
Jelinek.
* Die physikahschen Einwirkungen des Waldes auf Luft und Boden,
von Professor Ernst Ebe rmayer. 1. Band, Aschaffenburg 1873.
() in 1> ö hm u. B r 0 i t e n 1 (I li n e r.
Medien, Luft und Boden, fast nusschliesslieh die Temperatur der
ol)er- und unterirdisolien Raumtlieile, dergestalt, dass der Ein-
liuss der von der Bodenwärnie bedingten Temperatur des Wurzel-
systenis sich nur insoweit auf den von Luft umgebenen Hol/-
Körper des 8tammansatzes erstrecken kann, als eben die Tem-
peratur der Luft nicht ihre volle Wirkung- ausübt. Die von Luft
frei umspülten Baumtheile verhalten sich zur Wärme wie eine
todte Masse.
Ein bestimmtes Motiv für die Temperatur der Wurzel liegt
im Boden. Ursprung und Beschaffenheit von Ober- und Unter-
grund, die mechanischen und physikalischen Eigenschaften, die
Feuchtigkeitszustände, das Fehlen oder die Gegenwart von
Grundwasser, die oberfläcldiche Bedeckung des Bodens, der
Grad der Insolation oder Beschattung — alle diese Momente
modificiren Art und Mass der Erwärmung des Wurzelmediums
und somit der Wurzelmasse. Mit der Variabilität der Boden-
temperatur, welche jedoch bei den meisten Bodenarten schon in
einer Tiefe von ein Meter selbst zur Zeit der kräftigsten Inso-
lation nur geringen täglichen Schwankungen unterliegt, muss
sich auch die Wurzeltemperatur in C'orrespondenz setzen. Die
tieferen Wurzelpartien werden die jährlich nur wenig oscillirende
Bodenwärme zeigen, während die seichteren Wurzellagen den
viel grösseren jährlichen und täglichen Temperaturschw^ anklingen
der mehr obertiächlichen Bodenschichten folgen. I^iie tiefgehende
Pfahlwurzel wird sonach nothwendigerweise im Sommerhalbjahr
auf eine Erniedrigung, im Winterhalbjahr dagegen auf eine
Erhöhung der Temperatur der oberen Wurzelpartien hinwirken.
Beim Wärmeausgleich zwischen Boden und Wurzel durch Leitung
und Mittheilung spielt die Feuchtigkeit, beziehungsweise der
S:ift, offenbar die Hauptrolle. Daran knüpft sich ganz natur-
gemäss die Folgerung, dass der Einfluss der Boden wärme sich
nicht lediglich auf die Wurzelmasse beschränke, sondern im Wege
des aufsteigenden Saftstromes auch bis zu einer gewissen Höhe
im Stannne bemerkbar mache. Für diese Voraussetzung suchte
auch H artig in Braunschweig i damit den experimentellen Nach-
1 Dr. Theodor Hart ig, über (He Temperatur der Baumhift im Ver-
gleich zur liodenwärme uud zur Wärme der den Baum umgebenden Luft-
schichten. Heyer's Zeitschrift, 1874, Saueriänder's Verlag.
Die Baumtemperatur in ilirer Abliiiiiicigkeit etc. 017
weis zu fiihreu, dass er an einer lebenden und einer daneben
eingegrabenen todten Eiche von g-leic*her Stärke und einem Alter
von etwa 200 Jalireu 1 Meter über dem Boden Banmthermometer
in drei verschiedene Tiefen einsenkte und die Temperaturverhält-
nisse in beiden Schäften sowohl während der Winterrulie, als
auch der Vegetationsperiode sorgfältig beobachtete.
Die oberirdischen Theile des Baumkör])ers stehen unter dem
unmittelbaren Einflüsse der Lufttemperatur und eventuell der
Insolation, denn die Grösse der Erwärmung und Abkühlung
Längt unter übrigens gleichen Umständen auch von dem Grade
und der Dauer der Besonnung oder Beschattung ab, und in dieser
Beziehung zeigen die Bäume in Gruppen oder im Schatten ein
anderes Verhalten, als liei isolirtem Stande. Die Schnelligkeit,
womit sich unter denselben Verhiiltnisseu die Baummasse erwärmt,
ist abhängig von der Beschaffenheit und Stärke^ler Binde, und
der Fähigkeit von Rinde und Holz, die Wärme zu leiten. Das
Wärmeleitungsvermögen ist, wie auch aus unseren speciellen
Beobachtungen hervorging,je nach derBaumgattung verschieden.
Der weitere Einfluss der specifischen Wärme von Holz und Rinde,
sov/ie der chemisch -physiologischen Processe im gesammten
Baumbereiche muss wohl dermalen noch unberücksichtigt bleiben,
kann aber auch in Anbetraciit der so wichtigen solaren Wirkung
auf die Temperatur des Baumes im Allgemeinen füglich ver-
nachlässigt werden.
Die Temperatur eines Baumtheiles variirt zunäciist nach der
Stärke oder dem Volumen desselben. Die tägliche Schwankung
und das Maximum der Temperatur, beziehungsweise die An-
näherung an den Gang und Betrag der Lufttemperatur ist am
Stamme um so grösser, je näher an der Peripherie die betreffende
Stelle liegt oder je kleiner der Durchmesser wird; der Wärme-
zustand ist somit am grössten in den dünnen Zweigen, am
geringsten im dicksten Stammtheiie. Die Temperaturanzeigen
des Thermometers , dessen Quecksilberkugel sich in der Mitte
des Stamm-, Ast- oder Zweigdurchmessers befindet, stehen im
umgekehrten Verhältnisse zum Durchmesser.
Die Temperatur des Bauminnern ist sonach ein sehr relativer
Begriff und durch die Combination der Verhältnisse bedingt.
Derartige Beobachtungen lassen sich daher auch nur dann
618 Böhm II. Broi tenlohner.
vergleichen, wenn sie unter niö^Iiclist g-leichen Voraussetzungen
angestellt werden, wobei es erheblich ist, nach welcher Hinimcls-
gegend, in welcher Höhe und bis zu welcher Tiefe die Thermo-
meter eingelassen sind, wie gross der Durchmesser der betretfen-
den Theile ist und endlich, dass die Räume unter derselben
Beschattung oder Besonnung stehen.
Alle diese bereits bekannten und auch theihveise durch
einschlägige Beobachtungen im Forstgarten zu Mariabrunn
bestätigten Thatsachen hielten wir uns als Directive bei einem
Versuche vor Augen, welchen wir am genannten Orte in den
Monaten August und September des Jahres 1875 zu dem Zwecke
ausführten, um den Einfluss kennen zu lernen, welchen eine
wirksame Abkühlung des Wurzelraumes und desKronenumfanges
auf den Gang und das Mass der Temperatur des Baumes in drei
Höhenabständeu ausübt. Die Abkühlung des Wurzelraumes
konnte durch ausgiebige Durchtränkung des Bodens und die
Erkältung der Krone durch Benetzung mittelst einer Traufvor-
richtung bewerkstelligt werden. Um die Wirkung dieses Ein-
flusses auseinander zu halten von dem Etfect bei normalem
Wärmezustande, waren zwei Bäume erforderlich, von denen der
eine zum Versuche, der andere als Normall)aum zur Controle
dienen sollte.
Es hatte seine besondere Schwierigkeit, zwei Laubbäume
derselben Art, Astbildung und Kronenmasse, also von möglichst
gleicher Entwickelung und Lichtstellung ausfindig zu machen
und zugleich die daran geknüpfte Bedingung zu erfüllen , dass
der Versuchsbaum nicht zu ferne von der verfügbaren Wasser-
quelle und der Controlbaum hinwieder in der nöthigen Distanz,
jedoch ohne Verrückung der Vergleichsgrundlagen, sich befinde.
Diese Erwägungen führten zur Wahl der Birke. Trafen
auch die sonstigen Voraussetzungen zu, so bestand doch ein
störender Unterschied in den Dimensionen. Der zum Experiment
bestimmte Baum war in allen Theilen schwächer, als die Control-
birke, allein es blieb keine andere Wahl übrig.
Bei dieser Sachlage konnten bezüglich der Art und Weise
bei der Anbringung der Baumthermometer, welche wir unten nahe
am Boden, in der Mitte des Stammes und oben in der Kronen-
verzweigung zu vertheilen beabsichtigten, dreierlei Wege ein-
Die Baumtemperatur in ihrer Abhängigkeit etc. 619
geschlagen werden. Entweder wir passten die Thermometer bei
gleichem verticalen Abstände dem betretltenden Durchmesser
von Stamm oder Ast an, oder wir suchten mit Hinwegsetzung
über die Norm gleicher Distanz die gleiche Stamm- und Aststärke
auf, oder endlich drittens, wir behielten ungeachtet des ver-
schiedenen Durchmessers dieselbe Distanz und dieselbe Ein-
senkungstiefe der Thermometer für beide Bäume bei. f]ine
Combination der Alternativen wollten wir vermeiden, um nicht
die Beobachtungen allzusehr zu vervielfältigen und dadurch zu
verwirren.
Bei der Birke, welche bekanntlich kein Kernholz ausbildet,
und bei welcher somit auch die centralen Holzschichten den Saft
leiten, hätte man wohl die Thermometer bis in den halben
Stammdurchmesser einführen können, allein im ersten Falle der
Anbringungsweise wären die Einsenkungstiefen der Instrumente
an den correspondirenden Theilen beider Bäume zu verschieden
ausgefallen , und bei der zweiten Abänderung wären wieder zu
grosse Differenzen in der Entfernung der einzelnen Beobachtungs-
punkte, namentlich des unteren Stammtheiles vom Boden ent-
standen , was unserer Versuchstendenz ganz zuwiderlief. Denn
es handelte sich hauptsächlich darum, zu erfahren, in welchem
Masse die Temperatur des Bodens, beziehungsweise des auf-
steigenden Saftstromes den Wärmezustand des Stammes von
unten her beeinflusst. Bei Festhaltung des Gesichtspunktes, dass
die Temperatur des Bauminnern umsomehr von der Bodenwärme
alterirt werde, je geringer der Abstand des betreffenden Stamm-
abschnittes vom Boden ist und je jünger zugleich die Holz-
schichten sind, war zuvörderst die Einhaltung gleicher Entfernun-
gen von der Bodenoberfläche aus geboten. Im ersten Falle
durften wir weiterhin nicht vergessen, dass Gang und Betrag der
Baumtemperatur mit der Tiefe des Bauminnern, respective mit
der Stärke oder dem Volumen von Stamm und Ast in enger
Wechselbeziehung zu den Wärmeverhältnissen der Luft steht,
ferner, dass hier die Wirkung der Lufttemperatur oder der Inso-
lation vorzugsweise in transversaler Bichtung erfolgt, während
der untere Stammtheil vom Boden aus offenbar im longitudinalen
Sinne thermisch beeinflusst wird. Ein unmittelbarer Vergleich
620
Böhm 11. B reite nl ohn er.
der liMumteniperaturen wäre in den beiden ersten Fällen eben-
falls ausi;escblossen g'ewesen.
Wir entscliieden uns ungeaclitet der biebei sieb beraus-
stellenden diametralen Abweichungen für den dritten Fall,
nämlieb für gleiebe Höbendistan/ bei gleicber Einsenkungstiefe
der Tbermometer. Die notbwendigerweise damit im Zusammen-
bange stehenden Divergenzen im Gang und Mass der Temperatur
sollten jedoch zum Zwecke einer mittelbaren Vergleichung durch
längere, vorgängige Beobaclitungen constatirt werden. Mannig-
facher Vorbereitungsschwierigkeiten halber konnte der Versuch
erst am 20. August in Gang gesetzt werden. Die Orientirungs-
beobachtungen währten l)is 10. September.
Einrichtung des Versuches.
Der Forstgarten mit seiner hainartigen Baumstellung hat
eine vollkommen ebene Lage und eine durchaus gleichartige
Bodenconstitutiou. Die beiden Birken waren von anderen Bäumen
nicht erheblich gedrückt oder beschattet. Die folgende Tabelle
enthält die speciellen Abmessungen.
Tabelle I.
Horizontale Entfernung- der beiden Birken ....
Ganze Höhe der Versuchsbirke
„ „ „ Controlltirke
Abstand der Beobaciitungsstelle Unten vom Boden
„ ^ „ Mitte von Unten .
„ „ „ Oben von Mitte .
Meter
55-3
15-5
18-()
0-3
6-0
6-0
Beide Bäume waren normal entwickelt und beastet , allein
ungleich nach Alter und Stärke. Die in allen Theilen massigere
Controlbirke hatte aucli eine umfangreichere Krone. An der
unteren Stammpartie war die Birke bei beiden Bäumen dick und
rissig. Die Thermometer konnten durchwegs in den Schaft selbst
eingelassen werden. Die Nordseite der Stämme, an welcher die
Instrumente angebracht waren, wurde in den Nachraittagsstunden
von den Sonnenstrahlen leichthin gestreift.
Die Baumtemperatiir in ihrer Abhängigkeit etc.
621
Die folgende Tabelle enthält die g-eiiau ermittelten Dinien-
i^ionen der Stanunabschnitte an den Beobachtungsstellen in Centi-
meter.
Tabelle II.
Beobachtungsstelle
V e r s n c h s b a u ra
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C o n t r o 1 b a u m
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Unten
Mitte ,
Oben
Diffeienz Unten und
Oben
18-75
11-75
7 • 00
11-75
15
10
5
3-70
1-75
•2 • 00
21-75
7-00
15-50
4-75
10-00
—
11-75
15
10
(3-75
5-50
5-00
G-25
5-50
6-0
7-5
6-0
Die Baurathermometer, welche behufs aufrechter Scala
bekanntlich rechtwinkelig abgebogen sind, waren in Fünftel-
grade mit solchen Abständen der Theilstriche eingetheilt, dass
man noch Zehntelgrade mit grosser Sicherheit ablesen konnte.
Die cylindrischen Quecksilbergefässe im Einsenkungsschenkel
waren Unten 3-5, Mitte 3-0, Oben 2-5 Centimeter lang. Die in
der Tabelle angegebene Sitztiefe der Instrumente bezieht sich
bis auf die Hälfte der betreffenden Gefässlängen. Die Einlassung
geschah mit der nöthigen Sorgfalt. Mittelst eines Spiralbohrers
wurde an der Beobachtungsstelle ein horizontaler Canal von der
Länge und Stärke des Gefässschenkels und mit so viel Spiel-
raum ausgemacht, dass man die Instrumente zwar etwas strenge,
aber ohne Gefahr einer Verletzung ein- und ausschieben konnte.
Die Zwischenräume an der Einführungsöffnung wurden mit
parafhuirter Baumwolle ausgefüllt und zum vollständigen Ab-
schluss von der äusseren Luft mit einem Überzug von Kleb-
wachs gedichtet. Neben jedem Baumthermometer befand sich
ein in Holz gefasstes Luftthermometer. Die Instrumente waren
622 l>öhm 11. B reite nl ohne r
unter einander und mit dem Stationstliernionieter verg-lichen.
Nach Beendi.i;iing- des Versuches wurden dieselben abermals
einer Controle unterzogen. Alle Teniperaturaniiaben bedeuten
(Tvade Celsius.
Im Scliatten der Versuchsbirke wurden ferner Hodenther-
niometer in Tiefen von 15, 30, 60 und 90 Centinieter eingesenkt.
In einer anderen, der vollen Insolation ausgesetzten baumlosen
Partie des Forstgartens befanden sich acht stabile Bodenther-
mometer von 0 bis 180 Centinieter Tiefe. Ohnehin war der
Beobachtungsapparat durch Barometer, Psychrometer, Thermo-
metrograph und Regenmesser vervollständigt. Täglich mehr-
malige Aufzeichnungen der Richtung und Stärke des Windes,
sowie der Bedeckung des Himmels ergänzten das zum Versuch
erforderliche meteorologische Material.
Zur Gewinnung comparativer Unterlagen handelte es sich
zunächst darum, die Temperaturverhältnisse der Bäume über-
haupt zu constatircn. Die Beobachtungen wurden stündlich, von
sechs Uhr Früh bis acht Uhr Abends angestellt. Um ferner den
auf- und absteigenden Gang der Baumtemperatur, beziehungs-
weise die Eintrittszeiten des Maximums, die sogenannten Wende-
stunden, an den dickeren Stammtlieilen kennen zulernen, konnten
auch stündliche Beobachtungen während der Nacht nicht umgan-
gen werden.
Tabelle III erläutert den allgemeinen Gang der Temperatur
der Bäume in drei Höhenabständen und den betreffenden Stamm-
tiefen an einem heiteren, warmen Tage Ende August, Anfangs
September. Die Stunden sind gezählt von Mitternacht zu Mitter-
nacht.
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Die Baumtemperatur in ihrer Abhäng'igkeit etc.
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624
Böhm II. Brei teil lohn er,
Mitte. Die Tein[icr;itur erreicht schon mit Eintritt der Nacht
ihr Maximum und sinkt dann bis in die Vormittagsstunden. Wegen
des abnehmenden Durchmessers ist in der Wendezeit eine längere
Constanz der Temperatur nicht zu bemerken.
Oben. Das Maximum fällt in die Abendzeit, das Minimum
in die Morgenstunden.
Die Ditferenz in der Eintrittszeit der Extreme l)eim Versuchs-
und Controlbaum findet in dem Unterschiede der Dimensionen
ihre einfache Erklärung. Mit der Grösse des Durchmessers ver-
zögert sich sowohl der Eintritt des Maximums, als des Minimums.
Ebenso nimmt mit dem Wachsen des Volumens die Zeitdauer
zu, wo der Baum wärmer als die Luft ist.
Tabelle IV.
Lufttemperatur an den Bäumen.
Mittel aus je 15 täglichen Beobachtungen vom 21. August bis
10. September 1875.
Baum
Unten
Mitte
Oben
Mittel
Versuchsbaum
Controlbaum
Controlbaum ±
18-30
18-30
0-00
18-58
18-50
— 0-08
18-49
18-38
— 0-11
18-46
18-39
— 0-07
Tabelle V.
B a u m t e m p e r a t u r.
Mittel aus je 15 täglichen Beobachtungen vom 21. August bis
10. September 1875.
Baum
Unten
Mitte
Oben
Versuchsbaum
Controlbaum .
Controlbaum -+
lG-ti8
17-03
- Oo5
16-83
17-57
16-88
17-13
0-05
— 0-44
Die Baiimteniperatiir in ihrer Abhän.u;Mgkeif i^tc.
625
Tal)elle VI.
Differenz zwischen Luft- und Baiimtempera tur,
B a u m
Unten
Mitre
Oben
Versuchsbanm
Controlbanm .
1 • i\2
1 27
1-75
1-6-2
— 0-92
— 1-25
Bei beiden Bäumen ist die mittlere Lufttemperatur in der
Mitte etwas höher als Unten und Oben, Zum Theil liegt der
Grund wohl darin, weil diese Stammpartien von der Nachmittags-
sonne gestreift wurden. Wie leicht erklärlich, ist Oben die Luft-
temperatur höher als Unten, und zwar mehr bei der Versuchs-
ais bei der Controlbirke, da letztere eine dichtere Krone hatte.
Die untere Lufttemperatur ist bei beiden Bäumen gleich.
Die Baumtemperatur nimmt bei der Versuchsbirke in der
Mitte und nach Oben zu. Am grössten ist die Differenz zwischen
Mitte und Oben. Bei der Controlbirke sinkt die Temperatur gegen
die Mitte und steigt wieder nash Oben, so dass sie Oben eben-
falls höher steht als Unten. Die Differenz ist jedoch weit geringer,
als bei der Versuchsbirke. Die Ursache dieser Abweichungen
muss in den diametralen Verhältnissen gesucht werden.
Vergleicht man die Bäume miteinander, so findet man, dass
die Controlbirke Unten um nahezu denselben Werth wiirmer, als
sie Oben gegenüber der Versuchsbirke kälter ist. Die Differenz
in der Mitte bewegt sich um eine kaum nennenswerthe Grösse,
Die untere höhere Temperatur der Controlbirke beruht in grösserer
Wärmeansammlung bei grösserem Volumen , wogegen die Tem-
peratur in den oberen Partien geringer ausfällt als bei der Ver-
suchsbirke, weil wegen des grösseren Durchmessers die positiven
Extreme zurückbleiben.
Nachdem wir aus einer Beobachtungsreihe von 21 Tagen,
innerhalb welcher heitere, trübe und regnerische Tage wechsel-
ten, dienöthigen, allerdings etwas complicirten Anhaltspunkte
zur Beurtheilung der experimentellen llesultate gewonnen hatten,
schritten wir zur ausgiebigen Durcht-änkung des Standraumes
der Versuchsbirke.
Sitzb. d. matliBin.-naturw. Ol. LXXV. Bd. I. Abili. 35
(^"26 Böhm u. Br(Mt(Milohner.
Die liiefür tTforderliclic Wusserquantität lieferte ein ver-
lassener Schöpi'bruinien, welcher 28*5 Meter vom Versuolisbauni
entfernt war. Der Soliaeht iiutte eine Tiefe von 6- G Meter, und
der Wasserstand betrug 0-8 Meter. Die Tem])eratur des Wassers
war constant 10 Grad und dififerirte hinreichend von der Boden-
wärme in den oberen Schichten. Die Absicht, das Wasser im
Verlaufe des Versuches durch eingeworfenes Eis noch weiter
ab/ukülilen, mussten wir wegen schwieriger Beschaffung des-
selben aufgeben , so entscheidend auch für unseren Versuch ein
greller Temperaturunterschied zwischen Boden ui.d Wasser
gewesen wäre. Um bei dem schadhaften Zustande des Pump-
werkes keinen Störungen ausgesetzt zu sein, wurde eine mit
Schläuchen ausgerüstete, doppelt wirkende Saug- und Druck-
pumpe mit einer theoretischen Wasserförderung von 05 bis 70
Hektoliter in der Stunde aufgestellt, deren Bedienung vier Mann
erheischte. Die Begiessuugsperiode währte mit Unterbrechung
von zwei Ruhetagen vom 11. bis 20. September. Mit Abrechnung
der Mittagspause wurde von (j Uhr Früh bis G Uhr Abends
gepumpt. Ninnnt man nur zehn volle Arbeitsstunden und 30 Hek-
toliter Wasser in der Stunde, so beträgt die geförderte Wasser-
menge 300 Hektoliter oder 30 Kubikmeter im Tag, und in acht
Tagen 2400 Hektoliter oder 240 Kubikmeter.
Um zu verhindern, dass das Wasser nicht etwa seitlich sich
ausbreite oder abfliesse, wurde in entsprechendem Abstände
von dem Stannne ein kreisförmiger Wall aufgeworfen und eine
raschere Infiltration durch Öffnung mehrerer Löcher innerhalb
der Umwallung bewirkt. In den ersten Tagen verschluckte der
ausserordentlich ausgetrocknete Boden das Wasser mit grosser
Begierde. Späterhin, als der Boden bis auf den Grundwasser-
spiegel vollständig imbibirt war , bildete sich innerhalb der Um-
wallung ein Sumpf, welcher sich erst während der Nacht verlor.
Wie aus Grabungen im Garten und ausserhalb desselben,
sowie aus den Bacheinschnitten zu ersehen war, besteht der auf-
geschwemmte Boden aus sandigem Lehm im Wechsel mit mehr
thonigen, aber nicht undurchlässigen Schichten. Im Forstgarten
schaltete sich unterhalb der Krume eine schmale Gerölllage ein.
Obwohl die I^ntfernung des Controlbaumes 55 Meter betrug, so
mussten wir uns doch überzeugen, ob das Wasser nicht etwa
Die Baumtemperatur in ilirer Abliäiigigkeit etc. 627
durch eine Bodenkluft hinüberziehe, was jedoch nicht der
Fall war.
Während der Begiessungsperiode fiel kein Tropfen Regen.
Das Wetter verlief, wie aus der folgenden Übersichtstabelle
hervorgeht, für den Versuch überaus günstig. Die Beobachtung
geschah stündlich von 6 Uhr Früh bis 8 Uhr Abends.
Tabelle TU.
Witter u n g s ü b e r s i c h t.
et
Exti
eme
Richtung' und
Stärke des
Windes
Bewölkung
Maximum
Minimum
11.
16-6
24-6
5-3
SE 2
0
12.
18-2
25-2
5-0
SE 2
0
13.
19-2
24-5
4-3
NW 2
5
14.
14-0
19-7
11-4
NW 3
6
15.
10-4
17-0
3-3
N 2
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11-8
22-5
1-0
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12-7
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18.
14-9
22-4
1-5
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11
NE 1
0
20.
15-9
24-5
3-0
SE 1
1
In der Begiessungsperiode brachte Nordwest nur an zwei
Tagen eine halbe Bedeckung des Himmels, welcher sich mit dem
Umspringen des Windes nach Nord- und Südost wieder voll-
ständig aufklärte. Die mittlere Temperatur und das absolute
Maximum hob sich von da an wieder, allein die heiteren und
stillen Nächte hatten erhebliche Depressionen, am 17. September
bis auf den Eispunkt zur Folge.
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628
Böhm u. Brei teil loli 11 er.
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Die Baumtemperatur in ihrer Abhängigkeit etc.
620
Mittlere Temperatur des Bodens von allen S c li i c li t e n
bis 90 t'entimeter Tiefe.
Periode
Birke
Frei
Difterenz
21. August bis 10. September ....
11. bis 20. September
Differenz .
16-39
11-86
18-12
15-99
1 ■ 73
4-63
5-03
2-13
2 • 90
Corrigirt man mit der Temperaturdifferenz der Vorperiode
•die mittlere Temperatur im Freien in der Beg-iessungsperiode,
so erhält man die approximative Temperatur des trockenen
Bodens unter der Birke.
Corrigirter trockener Boden
Beobachteter nasser Boden
14-26'
11-36'
Differenz . 2-90°
Offenbar muss diese Rechnung mit der vorigen stinunen.
Sonach wäre der Boden zufolge der Begiessung um 2-90° kälter
geworden-
Tabelle IX.
L u f 1 1 e m ]) erat u r a n den B ä u m e n.
Periode
Unten Mitte i Oben i Mittel
Vom 21. August bis 10. Sep-
tember.
Versuchsbaum , .
Controlbaum
Controlltaum +
Vom 11. bis 20. September.
Versuchsbaum
Controlbaum
Controlbaum -4-
18-30
18-30
18-58
18-50
0 • 00
14-95
15-93
0-98
■ 0-08
15-81
16- 10
0-29
18-49
18-38
- 0-11
16-02
16-21
0-19
18-46
18-39
— U-()7
15-59
16-08
In der Begiessungsperiode ist die Lufttemperatur
Yersuchsbirke in allen Stnnnnhöhen gesunken. Die Contr
+- 0-49
bei der
olbauni-
630
Bölini II. Brei tenlohner.
Luft, in der Vorperiode nicht oder nur wenig- von der Versnchs-
liauni-Liift unterschieden, zeigt in der Begiessung-speriode höhere
Temperiituren mit nach Oben abnehmenden Diü'erenzeu. Bei
Versuchsbaum Unten äussert sich unverkennbar der Einfluss der
Bodenverdunstung. In der Begiessungsperiode ist ])ei beiden
Bäumen eine Zunahme der Lufttemperatur von Unten nach Oben
deutlich ausgesprochen.
Tabelle X.
B a u m t e m p e r a t u r.
Periode
Unten
Mitte
Oben
Vom 21. August bis
10. September.
Versuchsbaum
Controlbaum
Controlbaum +
Vom 11. bis 20. Sep-
t e ra b e r.
Versuchsbaum >
Controlbaum
Controlbaum +
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17-03
16-83
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17-13
+ 0-35
11-37
14-14
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12-73
13-38
- 0-44
14-07
13-78
;
4- 2-77
-+- 0-65
— 0-29
In der Vorperiode war Controlbaum Unten merklich, in der
Mitte unbedeutend wärmer, Oben jedoch kälter, als Versuchs-
baum in den correspondirenden Stammtheilen. In der Begiessungs-
periode nimmt die positive Dilferenz erheblich zu, die negative
ebenso al).
C 0 n t r 0 1 b a u m Unten
Mitte
Oben
Diiferenz in der Begiessungsperiode . .
„ ^ „ Vorperiode
der I)ififerenzen
H-2-77
+0-35
+0-65
+0-05
-0-29
—0-44
2-4-2
0-()0
0-15
Auf vorstehende Eesultate, als Mass der Depression der
Temperatur des Bauminnern zufolge der Begiessung, werden wir
späterhin in ausführlicherer V/eise zurückkommen.
Die Bauintemperatiu' in ihrer Abhängigkeit etc.
631
Tabelle XI.
Differenz zwischen Luft- und Baumtemp eratnr.
Periode
Unten
Mitte
Oben
1-62
1-75
0-92
1-27
1-62
1-25
—0-35
—0-13
4-0-33
3-58
3-08
1-95
1-79
2-72
2-43
— 1-79
— 0-36
+0-48
Vom 21. Angust bis 10. September.
Versnehsbaum ist kälter als Lnft . . . .
Controlbauni ., ., -in . . ■ .
Controlbaum +
Vom 11. bis 20. September.
Versuchsbaum ist kälter als Luft . . . .
Controlbaum ,, ., ,, ., . . . .
Controlbaum -f-
Da die Lufttemperatur beim Versuchsbaum in der Be-
giessungsperiode wesentlich alterirt wurde, so erscheint es
gerechtfertigt, zur Vergleichung beider Perioden fiir beide Bäume
die Controlbaumluft heranzuziehen , zumal letztere in der Vor-
periode Unten gar nicht, in der Mitte und Oben nur unerheblich
von der Versuchsbaumluft diflferirte. Die Verhältnisse nach dieser
Grundlage stellt die folgende Tabelle dar.
Einheitliche Differenz zwischen Luft- und Baum-
temperatur.
Baum ist kälter als Luft
Unten 1 Mitte
Üben
Vom 21. August bis 10. September.
Versuchsbaum
Controlbaum
Controlbaum +
Vom 11. bis 20. September.
Versuchsbaum
Controlbaum
Controlbaum -h
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1-27
—0-35
4-56
1-79
-2-77
1-67
1-62
0-81
1-25
-0-05
3-37
2-72
-4-0-44
214
2-43
—0-65
-t-0-29
632
Böhm II. B rci ten leihner.
Die Temperatur des Buiiniiuiieni in Bezug- auf die Luft
temperatnr ist in der Begicssungsperiode bei beiden Bäumen
zurückgegangen. Um wie ^iel grösser jedoch diese Diiferenz
zwischen Luft- und Baumtemperatur gegenüber der Vorperiode
l)ei der Versuchsbirke war, zeigt die folgende procentische
Darstellung.
Zunahme der Differenz in Procenten.
[u der Begiessuugsperiode \at die
Differenz grösser
Unten
Versuclisbaum
Controlbaum .
Differenz
181-5
40-9
140 -(J
Mitte
Oben
101-8
67-9
38-9
164-1
94-4
69-7
Wie die folgende Tabelle zeigt, fallen die Luftdififerenzen
in der zweiten Periode mit alleiniger Ausnahme der Luft am
Versuchsbaum Unten positiv aus. Die durchwegs positiven
Differenzen sind beim Controlbaum grösser.
Die Baiuiitemjteratur in ihrer Abhängigkeit etc.
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Die Biumiteraperatm- in ihrer Abhängigkeit etc.
635
jedoch in viel gTössereni Masse ausspricht. Derselbe Fall tritt
auch Oben in die Erscheinung-.
Tabelle XIV.
Amplituden der Extreme.
P e r i 0 d e
Unten
Mitte
Oben
Vom 1. bis 10. September.
Versuchsbanra
Controlbaum
Controlbauni +
Vom 11. bis 20. September,
Versuchsbaum
Controlbaum
Controlbaum -h
0-91
0-68
-0-23
1-29
1-16
-0-13
4-60
2-79
— 1-81
7-69
4-65
3-04
7-39
6-03
—1-36
12-78
10-51
-2-27
Die Amplitude nimmt von Unten nach Oben, oder von dem
grösseren nach dem kleineren Volumen und der Annäherung an
die Stammperipherie zu; sie erweitert sich sonach mit der Ver-
kürzung- des Durchmessers und ])leibt gemäss den Dimensionen
beim Controlbaum gegenüber dem Versuchsbaum zurück.
Folgende Tabelle zeigt die procentische Zunahme der Am-
plitude in der Begiessungsperiode.
Zunahme der Amplitude in Procent eu.
ß e g i e s s u II g s j) *■ r i o d e
Unten
Mitte
Oben
Versuchs bäum
Controlbaum .
41-7
70 -G
67-2
6G-7
72-9
74-3
Die negative Differenz bei Controlbaum Mitte ist auf den
bereits erwähnten Umstand zurückzuführen, dass hier das Maxi-
mum erst nach acht Uhr Abends eintrat. Aus dieser Rücksicht
hätte sich die Beobachtungsdauer bis neun Uhr Abends erstrecken
sollen. Eine diesfällige Correctur würde eine grössere Differenz
in allen Höhen des Controlbaumes während der Begiessungs-
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Die Bamnteinperatur in ihrer Abhängigkeit etc.
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(338
P. (tliui 11. Breiten loli ner.
Betrag- der Temperatiirclei)re.ssiou des Versiiclis-
b au in es durch Begiessuug.
In der Vorperiode erg-al) sieh fo]g:ende Teniperaturdiftereu/
für den Controlljauni:
V 0 r p e r i o d e
Unten
Mitte
Oben
Controlbamn
—0-35
O-Oö -4-0-44
Zieht man diese Werthe von der Temperatur des Control-
banmes in der zweiten Periode ab, so erhält man die berechnete
Temperatur des Versuchsbaumes, wenn der Boden nicht begossen
worden wäre.
T e m p e r a t u r
Unten Mitte i Oben
i I
f'ontrolbauni, zweite Periode . .
Correctur, erste Periode
Versiichsbanm, zweite Periode , .
14-14
—0-35
13-38
—0 • 05
13-78
-1-0 -44
13-79
13-33
14-22
Sii))trahirt man von dieser, für die Begiessuugsperiode
berechneten normalen Temperatur des Versuchsbaumes die
beobachtete anormale :
Zweite Periode
Unten
Mitte
Oben
Berechnete Temperatixr ,
Beobachtete Temperatur
Differenz
13-79
11-37
2-42
13-33
12-73
0 • (30
14-22
14-07
015
so sind vorstehende Differenzen die calcülmässigen Beträge, um
welche die Temperatur des Baumes zufolge der Begiessung-
herabgedrückt wurde.
Zu dem nämlichen Resultate gelangten wir bereits ganz
einfach durch die Differenz der Differenzen des Controlbaumes.
Die Baumtemperatur in ihrer Abhäng-igkeit etc.
G39
C 0 n t r o 1 h a u m
Unten
Mitte
Oben
Differenz in der Begiessungsperiode
Differenz in der Vorperiode . . .
Differenz der Differenzen .
2-77
0-35
2-42
0-65
0-05
0-GO
0-29
0-44
0-15
Die Differenz Oben zur Vergieichsbasis genommen, lässt
sieh, mathematisch ausgedrückt, folgendes Verhältuiss aufstellen:
42-15: 41-15: 4"- 15.
Das ermittelte Resultat kann noch auf folgende Weise in
mathematischer Form dargestellt werden. Bringt man die mit
100 multiplicirten Differenzen: 240, 60, 15 auf den kleinsten
Ausdruck, so erhält man:
1 6 : 4 : 1 = 2* : 22 : 2"
oder:
2-40:0-r50:0-15=lG:4: 1.
Unter den (liesfälligen experimentellen Umständen würde
somit durch den aufsteigenden Saftstrom die Temperatur des
Bauminnern in einer Höhe von 6 Meter um 0-60°, und in einer
Höhe von 12 Meter noch um 0-15° beeinflusst werden, während
die Depression am Stammansatze selbst das Vierfache von der
Mitte und das Sechzehnfache von Oben beträgt.
Die untere Differenz vermindert sich vom Stammansatze an
mit jedem Meter aufwärts bis zur Mitte im Mittel um 0-3°, und
von da nach Oben um 0-075°, oder, was dasselbe ist, es steigt
um die gleichen Werthe der transversale Einfluss der Luft-
temperatur. Der longitudinale Eintluss des aufsteigenden Saft-
stromes auf die Temperatur des Bauminnern würde sich graphisch
als schlanker Kegel darstellen, welcher den Stammansatz zur
Basis hat und dessen Spitze sich in den dünnen Endungen des
Stammes verliert.
Die in der Begiessungsperiode gefundene mittlere Boden-
temperatur unter der Birke stimmt mit der unteren Stamm-
temperatur ganz überein.
Bodenschichten . . 11-36°
Baum Unten . . . .11-37°.
•>40 Rölmi u. Breiten lohn er.
Der Stammansatz, 30 Centimeter über dem Boden, steht
noch unter dem vollen Einfliisse derRodentenipcratur, l)ezieliungs-
weise der Temperatur des aulsteii^enden .Saftstromes.
Um dem alltällig-en Einwände zu begegnen, die Baumtem-
pevatur sei unabhängig vom aufsteigenden Saft ströme, und um
uns über die longitudinale Wärmeleitung im Holze bei Ausschluss
der Transpiration zu unterrichten, führten wir folgenden Ver-
such aus.
Wir fällten im Winter einen massig staiken Ahornbaum und
richteten einen Strunk von 2-85 Meter Länge und U* 14 Meter
mittlerem Durchmesser zu. Der Strunk wurde in nocli gefrorenem
Zustande in ein ungeheiztes Zimmer gesciiaftt und daselbst an
einer ebenfalls indifferenten Wand aufrecht derart befestigt, dass
das untere Stammende auf dem Boden einer geräumigen Schale
und diese auf einem soliden Dreifuss aufruhte. In der Mitte des
Schaftes bei 142 Centimeter Höhe und in Abständen von je 65
Centimeter vom unteren und oberen Ende wurden Baum-
thermonieter bis zum halben Durchmesser und zwar Unten 7-5,
Mitte 7-0 und Oben 6-5 Centimeter tief eingelassen und daneben
Luftthermometer aufgehängt.
Kurz nach der Aufstellung und Adjustirung zeigte das Baum-
innere Temperaturen von — 1-6° Unten, — 1-1° Mitte und
— 0-9° Oben. Nach zwei Tagen hatte der Baumstrunk nahezu
die Temperatur des Zimmers von 1'6° angenommen und inner-
halb dieser Zeit 150 K üb ik centi meter Saft austreten
lassen.
Nachdem sich die Baum- mit der Lufttemperatur ins Gleich-
gewicht gesetzt hatte, packten wir die Schale mit Schnee voll
und häuften ihn, fest zusammengedrückt, etwas am Stamme
herauf an. Indem wir den anfänglichen Stand der Schnee-
emballage immer wieder erneuerten, wurde die Temperatur des
untersten Stammendes einige Tage auf dem Eispunkte eihalten.
Hierauf erwärmten wir den Inhalt der Schale in Perioden
V(»n mehreren Tagen successive auf 15, 30, 50 und 75 (jrad.
Das untere Stammende tauchte dabei 10 Centimeter tief in das
Wasser.
Die Baumterapeiatm- in iliier Abhängigkeit etc. G41
Wir können es füg-licli unterlassen, Zablenbelege vorzu-
führen, da der ganze Versuch, wie vorauszusehen war, keine
Thatsache zu Tage förderte, welche mit unseren experimentellen
Resultaten irgendwie im Widerspruch stünde.
In demselben Verhältnisse, wie die Temperatur dei" Zimmer-
luft von Unten nach Oben zunahm, variirte auch die Baum-
temperatur, wobei jedoch nicht vergessen werden darf, dass das
Holz ein schlechter Wärmeleiter ist und dass daher, da die
Zimmerluft je nach den Schwankungen der äusseren Temperatur
eine bald auf-, bald absteigende Tendenz beobachtet, welcher
das Holz nicht so rasch folgen kann , eine auch zeitlich voll-
kommene Übereinstimmung der Baum- mit der Lufttemperatur
nicht erwartet werden kann.
Sowohl bei der Abkühlung, als bei der Erwärmung des
untersten Strunkendes reichte die Ab- oder Zunahme der Baum-
temperatur nicht über die, nach dem physikalischen Gesetze für
die Wärmeleitung des Holzes mögliche Schaftzone hinaus. Es
Hess sich somit auch an der unteren, 50 bis 55 Centimeter über
dem Schnee- oder Warmwasser befindlichen Beobachtungsstelle
ein alterirender EinÜuss im longitudinalen Sinne nicht erkennen.
Die Differenz der Luft- und Baunitemperatur oscillirte iJi der
Abkühlungsperiode zwischen 0-1 und 0*3 Grad, um welchen
Betrag die Baunitemperatur zurückblieb. In der Periode der
Erwärmung auf 15 Grad stieg die Differenz Unten schon auf
U* 5 Grad. In den weiteren Perioden, insbesonders bei 50 und
75 Grad Erwärmung, mittlerweile sich die Zimmertemperalur
auf 12 Grad hob, erreichte die Differenz Unten 1 -2 Grad. In den
beiden letzteren Perioden nahm die Luft- und Baumtemperatur
gleichmässig von Unten nach Oben ab. Der Grund dieser Um-
kehrung des normalen Verhältnisses liegt einfach darin, weil trotz
sorgfältiger Bedeckung der Wasseroberfläche in der Schale und
vorsichtiger Abhaltung der zwischen Stamm und Deckel auf-
steigenden Wasserdämpfe eine seitliche Erwärmung der Luft-
schichten von Unten her nicht völlig verhindert werden konnte.
Die Baumtemperatur blieb jedoch stets in gewisser differircnder
Correspondenz mit der Lufttemperatur.
Dieser Versuch zeigt in unzweideutiger Weise, dass, sobald
die Wirkung des aufsteigenden Saftstromes, beziehungsweise
Sitzb. d. mathera.-naturw. Cl. LXXV. Bd. I. Abth. 36
642 Höhni u. Breiten lohner.
der Transpiration, ansgeschlossen ist, die Baumtemperatur ledig-
lich von der transversal geleiteten Wärme bestimmt wird.
Beregnung der Birke.
Die Benetznng der Krone in Form von Regen sollte mit
Hilfe einer geräumigen, über den Baumwipfel angebrachten und
mit feinen Sieblöchern versehenen Traufvorrichtung geschehen.
Diese kreisrunde Siebtasse mit entsprechendem Bord und einem
Durchmesser von 1*8 Meter befand sich in horizontaler Aufhän-
gung 0-6 Meter über den Kronenspitzen. Zu diesem Zwecke
wurden drei starke Hauhölzer derart in den Boden eingerammt,
dass die nach oben convergirenden Enden die horizontal und
A'ertical verstellbare Siebtasse zwischen sich aufnehmen konnten.
Der längs eines Balkens in die Höhe geführte Wasserschlauch
mündete mittelst eines Ausgussrohres unmittelbar in das Sieb-
gefäss, welches noch eine dreifache Leinwandeinlage erhielt,
wodurch verhütet werden sollte, dass das Wasser trotz der feinen
Sieblöcher nicht etwa in schlagenden Strängen niedergehe.
Der Effect entsprach nicht ganz unserer Erwartung, doch
war die Jahreszeit schon zu weit vorgerückt, um noch eine
Abänderung treffen zu können. Viel einfacher und zweck-
mässiger wäre es gewesen , das Wasser zuerst in ein Reservoir
seitlich , aber oberhalb der Krone zu leiten und von da einen
Schleuderschlauch mit einer Gärntnerbrause ausgehen zu lassen,
um von einem hohen Sitze aus in ähnlicher Weise, wie man bei
der Strassenbespritzung hantirt, die Beregnung auszuführen,
wobei es ganz in der Hand des Arbeiters gelegen hätte , alle
Theile der Krone, auch die abstehenden Zweige, mit den Wasser-
strahlen zu bestreichen.
Die Birke stand noch im vollen grünen Lanbschmuck und
schien nach der so gründlichen Durchtränkung des Bodens neu
belebt zu sein.
Der 21. September bot für das Experiment noch die gün-
stigste Aussicht. Namentlich zeichneten sich die Nachmittags-
stunden durch klares, warmes Wetter aus. Der Wind drehte sich
von Südwest nach West mit einer mittleren Stärke von 4-r)
nach der zehntheiligen Scala. Die Luft war somit ziemlich
bewegt, und die Verdunstnngsgrösse näherte sich dem Maximum
Die Baumtemperatur in ihrer Abhängigkeit etc.
643
des ganzen Monates. Die mittlere Tag-estemperatnr betrug- 17-0,
das Maximum 20-0, das Minimum 10-9 Grad,
Schon der 22. September brachte Regen, womit in der
Witterung ein plötzlicher Umschwung eintrat, welcher eine
niederschlagsreiche Periode mit frühem Winterbeginn einleitete.
Es liegt daher nur der einzige vollständige Beregnungs-
versuch vom 21. September vor. Nachstehend folgt das Resultat.
Beregnungsversuch vom 21. September.
Vergleichszeiten
Versnch
Unten Mitte Oben
Controle
Unten Mitte Oben
Vom 11. bis 20. September
Am 21. September . . .
Differenz .
11-37
13-01
12-73
14-78
14-07
14-51
14-14
16 04
1-64
2 05
0-44
1-90
13-38
17-01
3-63
13-78
17-80
4-02
Differenz der Differenzen.
Controle
Versuch
Differenz .
Unten ' Mitte
Oben
1-90
1-64
3-63
2 05
4 ■ 02
0-44
0 26
1-58
3-58
Zu vorstehendem Resultate , nämlich den Wertheu der
weiteren Abkühlung durch Benetzung der Krone, gelaugt man
in ausführlicher Weise nach folgendem Calcül.
Man uddirt zu den beobachteten Temperaturen des Ver-
suchsbaumes am 21. September die Erkältungsdifferenzen in der
Begiessungsperiode.
Versuchsbaum
Unten i Mitte
Oben
Temperatur am 21. Sept.
Erkältungsdifferenz ....
Summe .
13-01
2-42
14-78
0-60
14-51
0-15
15-43
15-38
14-66
36*
644
P>ölim 11. lirei tenloliner.
Diese Ansätze ici)räsentireii die normale Temperatur des
Yersuchsbaumes, vermindert diireli die Depression am 21. Sep-
tember. Corrigirt man nun die Temperatur des C'ontrolbaunies
am 21. September mit der Differenz zwischen Versuchs- und
Controlbaum in der Vorperiode, so erhält man die berechnete
normale Temperatur des Versuchsbaumes für selbigen Tag.
Controlbaum
Unten Mitte
Oben
Temperatur am 21. Sejjt. .
Difteienz der Vorperiode .
16-04
— ( 1 ■ 3")
17-01
—0-05
17-<S0
+0-44
15-69
16-96
18-24
Zieht man von dieser normalen Temperatur des Versuchs-
baumes am 21. September die obige Snmmc aus der beobachteten
Temperatur des Versucbsbaiimes am selben Tage und der Er-
kältungsdifferenz in der Begiessungsperiode ab, so ergibt sich
aus der Differenz der Betrag der Abkühlung zufolge der Be-
ree-unne-.
Versuclisbaum
Unten
Mitte Oben
Normale Temperatur am
21. September
Abzug- obiger Summe . . .
Betrag- der Abkülilimg .
15-69
15-4:5
16-96
15-38
18-24
14-66
0 - 26
1 • 58
3-58
Durch ausg'iebig-e, ununterbrochene Benetzung- der g'esamm-
ten Baumoberfläche nach Art eines intensiven Dauerregens erlitt
die Baumtemperatur eine weitere Depression, welche beg-reiflicher-
weise von Oben nach Unten abnimmt und deren Grösse mit dem
Volumen der Stammtheile im umgekehrten Verhältnisse steht.
Zusammenstellung- de r A b k ü h 1 n n g s b e t r ä g* e.
Abkühlung
Unten Mitte Oben
1 1
Durch Begiessung des Bodens
DuiL'li iJeuetzung der Krone
Zusammen .
2-42
0 • 26
0-60
1-58
0-15
3-58
2-68
2-18
3-73
Die Baumtempcratur in ihrer Abhängigkeit etc. 045
Die aus den Versuclisresnltaten hervorgehenden Folgerungen
lassen sich in folgenden Sätzen zusammenfassen.
1. Die Temperatur des Bauminnern ist während der Tran-
spirationsdauer der eombinirte Ausdruck der Luft- und Boden-
wärme.
2. Die Luftwärme wird transversal, die Bodenwärme longi-
tudinal geleitet.
3. Die longitudinale Leitung wird vermittelt durch den auf-
steigenden Saftstrom , beziehungsweise durch die Transpiration.
4. Eine Erniedrigung der Bodentemperatur während der
Transpirationsdauer bewirkt auch eine Teraperaturdepression
des Bauminnern.
5. Der Einfluss der Temperatur des aufsteigenden Saft-
stromes nimmt von Unten nach Oben und von Innen nach
Aussen ab.
6. Die Grösse dieser Abnahme ist bedingt durch das Mass
der transversal geleiteten, solaren Wärme und setzt sich mit der
Verminderung des Volumens der Stammtheile und mit der An-
näherung an die Stammperipherie in ein gerades Verhältniss.
7. Die untere Stammpartie steht noch unter dem vollen
Einflüsse der Bodenwärme, beziehungsweise des aufsteigenden
Saftstromes.
8. Die verticale Grenze dieses Einflusses verliert sich in
der Verästung des Baumes.
9. Bei Ausschluss der Transpiration und somit des Saft-
steigens ist die Baumtemperatur lediglieh abhängig von der
Lufttemperatur.
10. Eine simultane Abkühlung der unter- und oberirdischen
Baumtheile gleicht die nach der Schafthöhe entgegengesetzten
Wirkungsgrössen beider Erkältungsmomente vollständig aus.
37491
n1
SITZUNGSBERICHTE
DER KAISERLICHEN
mnm m «issHSceifTii,
lATHEMTISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.
H
LXXV. BAND. L, II. und III. HEFT.
S
Jahrgang 1877. — Jänner, Februar und März.
CMit 12 Tafeln und S Hohschnitten.)
ERSTE ABTHEILUNG.
Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie , Botanik , Zoologie,
Geologie und Paläontologie.
WIEN.
AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI.
IN COMMISSION BEI KARL GEROLDS SOHN,
BUCHHÄNDLER DER KAISERLICHKN AKADEMIE PER WISSENSCHAFTEN.
1877.
INHALT
des 1., Z. u. 3. Heftes (Jänner, Februar und Jlärz 1877) des 75. Bandes, I. Abth. der
Sitzungsberichte der roathem.-naturw. Classe.
Seite
I. Sitzung vom 4, Jänner 1877 : Übersicht 3
Stecker, Zur Kenntniss des Carpus und Tarsus bei Chamaeleon.
(Mit 2 Tafeln.) [Preis: 50 kr. =. 1 RMk.] ....... 7
11. SitzHiig- vom 11, Jänner 1877: Übersicht 18
Kiirz, Eunicicola Clmisii, ein neuer Annelidenparasit. (Mit 2 Ta-
feln.) [Preis : 50 kr. = 1 RMk.] 21
III. Sitzung- vom 18. Jänner 1877: Übersicht 29
Haberlandt, Über die Entwicklungsgeschichte und den Bau der
Samenschale bei der Gattung Phaseolus. (Mit 2 Tafeln.)
[Preis: 30kr. = eOPfg.] 33
IT. Sitzung vom 1. Februar 1877: Übersicht 51
V. Sitzung vom 8. Februar 1877: Übersicht 54
Tonla, Geologische Untersuchungen im westlichen Theile des
Balkan und in den angrenzenden Gebieten. 2. Barome-
trische Beobachtungen. [Preis : 15 kr. := 30 Pfg.] ... 57
VI. Sitzung vom 1. März 1877: Übersicht 75
Waldner, Die Entwicklung des Antheridiums von Anthoceros.
(Mit 1 Tafel.) [Preis 30 kr. = GO Pfg.] 81
Teller, Über neue Eudisten aus der böhmischen Kreideforma-
tion. (Mit 3 Tafeln und 1 Holzschnitt.) [Preis: 45 kr. =
90 Pfg.J 97
Toula, Geologische Untersuchungen im westlichen Theile des
Balkan und in den angrenzenden Gebieten. 3. Die sar-
matischen Ablagerungen zwischen Donau und Timok.
(Mit 1 Tafel u. 4Holzschnitten.) [Preis: 35 kr. = 70 Pfg.] 113
TU. Sitzung vom 8. März 1877 : Übersicht 146
Tschermak, Über den Vulcanismus als kosmische Erscheinung.
[Preis: 20 kr. = 40 Pfg.] 151
Till. Sitzung vom 15. März 1877: Übersicht 177
Tomaschek, Zur Entwicklungsgeschichte (Palingenesie; von
Equisetnm. (Mit 1 Tafel.) [Preis: 50 kr. = 1 RMk.] . . . 181
Preis des ganzen Heftes : 2 fl. 60 kr. = 5 RIKIk. 20 Pfg.
Um den raschen Fortschritten der medicinischen Wissen-
schaften und dem grossen ärztlichen Lese-Publicum Rechnung zu
tragen, hat die mathem.-naturwissenschaftliche Classe der kais.
Akademie der Wissenschaften beschlossen, vom Jahrgange 1872
an die in ihren Sitzungsberichten veröffentlichten Abhandlungen
aus dem Gebiete der Physiologie, Anatomie und theoretischen
Medicin in eine besondere Abtheilung zu vereinigen und von die-
ser eine erhöhte Auflage in den Buchhandel zu bringen.
Die Sitzungsberichte der math.-naturw, Classe werden daher
vom Jahre 1862 (Band LXV) an in folgenden drei gesonderten
Abtheiluugen erscheinen, welche auch einzeln bezogen werden
können:
I. Abtheilung: Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete
der Mineralogie, Botanik, Zoologie, Geologie und Paläon-
tologie.
II. Abtheilung: Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Mathematik, Physik, Chemie, Mechanik, Meteorologie und
Astronomie.
III. Abtheilung: Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Physiologie, Anatomie und theoretischen Medicin.
Von der I. und II. Abtheilung werden jährlich 5 — 7 und von
der III. 3 — 4 Hefte erscheinen.
Dem Berichte über jede Sitzung geht eine Übersicht aller
in derselben vorgelegten Abhandlungen und das Verzeichniss der
eingelangten Druckschriften voran.
Der Preis des ganzen Jahrganges sämmtlicher drei Abthei-
lungen beträgt 24 fl.
Von allen in den Sitzungsberichten erscheinenden Abhand-
lungen kommen Separatabdrücke in den Buchhandel und können
durch die akademische Buchhandlung Karl Gerold's Sohn (Wien,
Postgasse 6) bezogen werden.
Der akademische Anzeiger, welcher nur Original-Auszüge
oder, wo diese fehlen, die Titel der vorgelegien Abhandlung
enthält, wird, wie bisher, 8 Tage nach jeder Sitzung ausgegeben.
Der Preis des Jahrganges ist 1 fl. 50 kr.
SITZUNGSBERICHTE
DER KAISERLICHEN
AÜDIilS m f ISSllSCBAFIEi.
MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CIASSE.
LXXV. BAND. IV. HEFT.
Jahrgang 1877. — April.
{Mit 9 Tafeln und 4 Holzschnitten.)
ERSTE ABTHEILUNG.
Enthält die Abhandlungen aiis dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, Zoologie,
Geologie und Paläontologie.
WIEN.
AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI.
IN COMMISSION BEI KARL GEROLDS SOHN,
Buchhändler DER KAISERLICHEN Akademie derwissenschaften.
1877.
INHALT
des 4. Heftes (April t877) des 75. Bandes. I. Abth. der Sitzungsberichte der raathera.-
naturw. Classe.
Seit.'
IX. Sitzung vom 12. April 1877 : Übersicht 303
Fuchs, Die Pliocänbilduügen von Zante und Corfu. (Mit 1 Tafel
und 4 Holzschnitten.) [Preis: 40 kr. = 80 Pfg.] .... 309
— Über die Natur der sarmatischen Stufe und deren Analoga
in der Jetztzeit und in früheren geologischen Epochen.
[Preis : 18 kr. = 3G Pfg.] 321
— Über die Natur des Flysches. (Preis : 20 kr. = 40 Pfg.] . 340
X. Sitzung vom 19. April 1877 : Übersicht 363
Heider, Aus dem zootomischen Institute der Universität Graz.
Sagartia troglodytes Gosse, ein Beitrag zur Anatomie
der Actinien. (Mit 6 Tafeln.) [Preis: 2 fl. = 4 RMk.] . . 367
Fre/id, Arbeiten aus dem zoologisch -vergleichend -anatomi-
schen Institute der Universität Wien. VII. Beobachtun-
gen über Gestaltung und feineren Bau der als Hoden
beschriebenen Lappenorgane des Aals. (Mit 1 Tafel.)
[Preis: 25 kr. = 50 Pfg.] 419
XI. Sitzung vom 26. April 1877: Übersicht 432
Bitlner, Über Phyinatocarcinus speciosns Reuss. (Mit 1 Tafel.)
[Preis: 25 kr. = 50 Pfg.] 435
Preis des ganzen Heftes : 2 fl. 20 kr. = 4 RMK. 40 Pfg.
Um den raschen Fortschritten der medicinischen Wissen-
schaften und dem grossen ärztlichen Lese-Publicum Rechnung- zu
tragen, hat die mathem.-naturwissenschaftliche Classe der kais.
Akademie der Wissenschaften beschlossen, vom Jahrgange 1872
an die in ihren Sitzungsberichten veröffentlichten Abhandlungen
aus dem Gebiete der Physiologie, Anatomie und theoretischen
Medicin in eine besondere Abtheilung zu vereinigen und von die-
ser eine erhöhte Auflage in den Buchhandel zu bringen.
Die Sitzungsberichte der math.-naturw. Classe werden daher
vom Jahre 1872 (Band LXV) an in folgenden drei gesonderten
Abtheilungeu erscheinen, welche auch einzeln bezogen werden
können :
I. Abtheilung: Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete
der Mineralogie , Botanik, Zoologie, Geologie und Paläon-
tologie.
IL Abtheilung: Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Mathematik, Physik, Chemie, Mechanik, Meteorologie und
Astronomie.
III. Abtheilung: Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Physiologie, Anatomie und theoretischen Medicin.
Von der I. und II. Abtheilung werden jährlich 5 — 7 und von
der in. 3 — 4 Hefte erscheinen.
Dem Berichte über jede Sitzung geht eine Übersicht aller
in derselben vorgelegten Abhandlungen und das Verzeichniss der
eingelangten Druckschriften voran.
Der Preis des ganzen Jahrganges sämmtlicher drei Abthei-
lungen beträgt 24 fl.
Von allen in den Sitzungsberichten erscheinenden Abhand-
lungen kommen Separatabdrücke in den Buchhandel und können
durch die akademische Buchhandlung Karl G e r o 1 d's Sohn (Wien,
Postgasse 6) bezogen werden.
Der akademische Anzeiger, welcher nur Original-Auszüge
oder, wo diese fehlen, die Titel der vorgelegten Abhandlung
enthält, wird wie bisher, 8 Tage nach jeder Sitzung ausgegeben.
Der Preis des Jahrganges ist 1 fl. 50 kr.
SITZUNGSBERICHTE
DER KAISERLICHEN
mnm m fissiisceifiii.
MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.
LXXV. BAND. V. HEFT.
Jahrgang 1877. — Mai.
fMit iß Tafeln, i geologischen Kartenskizze und 9 Holzschnitten.)
ERSTE ABTHEILUNG.
Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, Zoologie,
Geologie und Paläontologie.
WIEN.
AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI.
IN COMMISSION BEI KARL GEROLDS SOHN,
Büchhändler der kaiserlichen akademie der Wissenschaften.
1878.
INHALT
des 5. Heftes (Mai 1877) des 75. Bandes, I. Abth. der Sitzungsberichte der mathem.-
naturw. Ciasse.
Seite
XII. Sitzung vom 11. Mcai 1877: Übersicht 451
Boue , Über die türliischen Eisenbahnen und ihre grosse volks-
wirthschaftliche Wichtiglieit, besonders Einiges für
Österreich und Ungarn. [Preis: 12 kr. = 24 Pfg.] . . . 455
Toula, Geologische Untersuchungen im westlichen Theile des
Balkan und in den angrenzenden Gebieten. IV. Ein
geolog. Profil von Osmanieh am Acer, über den Sveti-
Nikola-Balkan, nach Ak-Palanka an der Nisava. (Mit
1 geologischen Kartenskizze, 8 Tafeln und 9 Holzschnit-
ten.) [Preis : 2 fl. 50 kr. = 5 EMk.] 465
XIII. Sitzung vom 17. Mai 1877: Übersicht 550
Reichardt, Beitrag zur Kryptogamenflora der hawaiischen
Inseln. [Preis: 25 kr. = 50 Pfg.] 553
Brauer, Beiträge zur Kenntniss derPhyllopoden. (Mit 8 Tafeln.)
[Preis : 1 fl. 20 kr. = 2 RMk. 40 Pfg.] 583
Boehm u. Breitenlohner , Die Baumtemperatur in ihrer Abhän-
gigkeit von äusseren Einflüssen. [Preis : 25 kr. = 50 Pfg.] 615
Preis des ganzen Heftes: 3 fl. = 6 RMK.
Um den raschen Fortschritten der medicinischen Wissen-
schaften und dem grossen ärztlichen Lese-Publicum Rechnung zu
tragen, hat die mathem.-naturwissenschaftliche Classe der kais.
Akademie der Wissenschaften beschlossen, vom Jahrgange 1872
an die in ihren Sitzungsberichten veröffentlichten Abhandlungen
aus dem Gebiete der Physiologie, Anatomie und theoretischen
Medicin in eine besondere Abtheilung zu vereinigen und von die-
ser eine erhöhte Auflage in den Buchhandel zu bringen.
Die Sitzungsberichte der math.-naturw. Classe werden daher
vom Jahre 1872 (Band LXV) an in folgenden drei gesonderten
Atotheilungen erscheinen, welche auch einzeln bezogen werden
können :
I. Abtheilung: Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete
der Mineralogie , Botanik, Zoologie, Geologie und Paläon-
tologie.
IL Abtheilung: Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Mathematik, Physik, Chemie, Mechanik, Meteorologie und
Astronomie.
III. Abtheilung: Die Abhandlungen aus dem Gebiete der
Physiologie, Anatomie und theoretischen Medicin.
Von der I. und IL Abtheilung werden jährlich 5 — 7 und von
der in. 3 — 4 Hefte erscheinen.
Dem Berichte über jede Sitzung geht eine Übersicht aller
in derselben vorgelegten Abhandlungen und das Verzeichniss der
eingelangten Druckschriften voran.
Der Preis des ganzen Jahrganges sämmtlicher drei Abthei-
lungen beträgt 24 fl.
Von allen in den Sitzungsberichten erscheinenden Abhand-
lungen kommen Separatabdrücke in den Buchhandel und können
durch die akademische Buchhandlung Karl G e r o 1 d's Sohn (Wien,
Postgasse 6) bezogen werden.
Der akademische Anzeiger, welcher nur Original- Auszüge
oder, wo diese fehlen, die Titel der vorgelegten Abhandlung
enthält, wird wie bisher, 8 Tage nach jeder Sitzung ausgegeben.
Der Preis des Jahrganges ist 1 fl. 50 kr.
WH
SE 00648